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Jüdische Presse · 1937-10-22 · 36 (22.10.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
36 (22.10.1937)
Date
1937-10-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Novinore v^platrt^ povolene fiadit peit a felegrafov v- Bratislave 61«:. 4i572״III4tt WtEN-BRA TISLA VA m 22. QKT.!93? gütig 1 ןxurnrf1*r\ ^y^ Redaktion nnd Administration: Wien, II., Malzgasse 112׳a, "'־ Telephon-Nr. A-46-0-15;,. ijächeehösiowafcei: ,;:BfÄ^avai.A ־ ' RepublikpiatZ> ■Nr*■ .57;׳';Postfach 381 / Erisebfeittt jeddtt Freitag / Redaktionsschlnß:Mittwoch 1׳Mittäg“ ־ Abonnementpreiset Ganzjährig: für Oesterreich 'S * i(»j ' Tschechoslowakei' Kg 80, JtigöMäwieii; Dinar i$ö, das f ' י ׳hfa»*ge Anstand Schw. .fff.'-il;־ Einzelnummer ' ohfc Gr;4 ־tf.!''־J1׳ Zahlungen für »Jüdische Presse«, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr, 193.316, Zagreb Nr, 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für »Jüdische Presse«, Bratislava: Prag Nr, 53.386, me mteRessen Des orthodohb ORGflfl Bundeskanzler Dr. von Schuschnigg über die Juden frage In Österreich »LTndepenclance Beige« vom 19. veröffent- י licht ein Interview, welches cler Bundeskanzler dem Chefredakteur des Blattes Henri Fast gewährt hat und in dem Dr. v. Schuschnigg zu aktuellen inner- und außenpolitischen Fragen Oesterreichs Stellung nimmt. Auf die Frage über die Stellung der Juden in Oesterreich erklärte der Kanzler, daß er ^niemals irgend eine Yerfolgung, die Rassenfrage betreffend, zugeben würde. Es gebe in Wien viele Juden, das ist wahr; und wenn man von einer Judenfrage sprechen könne, so müsse er feststellen, daß man einen Unterschied machen müsse, zwischen den seit Generationen in Oesterreich lebenden Juden, welche sehr gute Oesterreicher sind und nur einer anderen Konfession angehören, und den neu zugewanclerten Juden, die nicht in Oesterreich ver- Wurzelt sind, und während des Krieges und der Nachkriegsjahre hauptsächlich aus politischen Gründen eingewändert. seien. Diese letzteren stellen ein Problem dar, aber ein Problem der Nationalität (Staatszugehörigkeit) und nicht der Rasse oder der Konfession. Diesen Feststellungen des Bundeskanzlers kommt umso mehr eine erhöhte Bedeutung zu, als sich in der letzten Zeit in Oesterreich gewisse Bestrebungen offenbarten,1’ unter verschiedenen Titeln uncl Bemäntelungen י die Rechte der Juden zu schmälern. Diese Erscheinungen, die auch in der Auslandspresse — vielfach in übertriebener Form — einen Widerhall gefunden haben, lösten in den jüdischen Kreisen gewisse Befürchtungen aus. Trotz der wiederholten eindeutigen ״Erklärungen der maßgebenden Stellen, daß von einem Verlassen des bisherigen Regierungskurses keine Rede sein könne, versucht die sogenannte Flüsterpropaganda immer wieder, jeden Befriedungsversuch der Regierung als ein »Entgegenkommen« und als Beweis dafür auszulegen, daß dem Nazismus der Weg zur Teilnahme an der Macht geebnet wird. Die obzitierten Erklärungen des Bundeskanzlers, sowie;seine in der gleichen Unterredung gemachten Feststellungen, daß vom Anschluß keine Rede sein könne, dürften hoffentlieh alle diese Befürchtungen zerstreuen. Ungeachtet gewisser Maßnahmen, die durch die Entwicklung der Verhältnisse bedingt sind, bleibt der bisherige Kairs aufrecht, der Kurs, der keine konfessionellen oder Rassenmomente in der Polttik zuläßt. ־ ׳״■ ־**״■■ -י"'■ ״“ wenig läßt sich sagen, wie die Flucht des Mufti sich auswirken wird. War er als Gefangener in der Omar-Moschee gefährlicher, wie als Flüchtling im Auslände, oder wird er nunmehr desto eher die Möglichkeit haben, sein Treiben fortzusetzen? Allenfalls zeigt seine trotz aller englisehen Bewachungsmaßnahmen geglückte Flucht, daß die englische Wacht am Jordan noch immer gewisse Lücken aufweist — oder daß die Maßnahmen der Zentralstellen von Unterbehörden noch weiter sabotiert werden. Im letzteren Falle rächt sich eben die Duldung derartiger Sabotageakte, insoferne es sich um die Sicherung des Lebens und des ,Gutes der Juden in Palästina handelt. Die nächste Zeit wird zeigen, welche Entwicklung" die Dinge in Palästina nehmen werden. Vorläufig ist das jüdische Moment in den Hintergrund getreten. Man spricht nicht mehr vom Teilungsplan. Der Peel-Bericht bildet keinen Verhandlungsgegenstand mehr. Neue Pläne tauchen auf: Palästina soll britische ׳Kronkolonie werden. Man׳ weiß auch von Meinungsverschiedenheiten, zwischen-L011dqn und Paris zu erzählen. Frankreich befürchtet Aus- Wirkungen der Vorgänge in Palästina auf die ■ Lage in Syrien. Der Mufti sucht auch im Namen des Islam einen! Bundesgenossen in Ankara.'Die Türkei, deren Einfluß irt Palästina für immer beseitigt schien, könnte; eines Tages wieder als Machtfaktor auf dem Plan erscheinen. Fürwahr, England hätte sich all das ersparen können, wenn es ehrlieh und aufrichtig bestrebt gewesen wäre, die ihm in Palästinamandat auferlegten. Verpflichtungen zu erfüllen. Die Politik des Hin- und Herschwankens rächt sich bitter. Wer weiß, ob es ■:nicht;,bereits für eine Umkehr zu.spät ist. * Sturm über Palästina (K—1.) Dem Bürgerkrieg in Spanien und dem »Krieg ohne Kriegserklärung« in China — die in sehr ernster Weise den Weltfrieden bedrohen und die bisher trotz aller Bemühungen nicht gebannt werden konnten — hat sich ein Sturm über Palästina zugesellt, der in nicht minder ernster Weise unter Umständen zu internationalen Verwicklungen führen könnte. Die scharfen Maßnahmen der englischen Regierung im Heiligen Lande vermochten nur für einige Tage einigermaßen Ruhe zu schaffen. Bald lebte jedoch der Terror wieder auf und dieser Umstand zeigt, daß die Araber das Spiel nicht als verloren betrachten. ״Die Ereignisse . der letzten Tage zeigten aber auch, daß die Vermutungen, hinter dem Treiben der arabischen Terroristen stünden auswärtige Faktoren, nicht ganz aus der Luft gegriffen sind. Dies beinhaltet auch die Lösung des Rätsels, woher die zahlreichen Waffen .der Araber■, •stammen, und die ziemlich bedeutenden Geldmittel, die ihnen zur Verfügung stehen; dies gibt auch die Antwort auf die Frage, worauf denn die Araber ׳ihre Hoffnungen setzten, wenn sie es wagten, die ganze Macht des Britisehen Reiches herauszufordern. Die Palästinafrage ist heute wieder ein internationales Problem und die Araber hoffen, daß sie bei einem internationalen Feuer wohl auch ihr ׳Süppchen kochen werden können. Es ist der ׳Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Die geradezu unverständliche Lammsgeduld, mit der die Palästinaregierung seit Jahr und Tag die Widerstands- und Sabotagepolitik der Araber in Palästina gewähren ließ, zeitigt nun ihre Früchte. Ein scharfes Zug reifen in international ruhigen Tagen hätte die Araber in die richtigen Schranken verwiesen. Heilte ist es bereits zu spät hiefiir und somit birgt der »Sturm über Palästina« unübersehbare Möglichkeiten in sich. Daß die italienische Politik zumindest indirekt die Hand im Spiele hat, war schon seit längerer Zeit klar. Die Haltung Englands gegenüber dem abessinischen Problem, die Weigerung Londons, die Eroberung Abessiniens durch Italien als »vollendete Tatsache« anzuerkennen, die Gewährung des Asyls für den Negus in London, wo er noch immer den »Kaiser von Abessinien« spielt und. von wo aus er seine Proteste in die Welt ergehen läßt mußte Rom stark verstimmen und nym revanchiert sich dort in allen möglichen Formen. Wie einst, während, des »Panther-Sprunges« nach Agadir' sich Kaiser Wilhelm als »Schutzherr des Islam« präsentierte, so proklamierte auch Mussolini sich als Beschützer des Arabertums, wohl wissend, daß er damit den Engländern höchst unbequem in die Quere komme. Er liebäugelt :mit den panarabischen Bestrebungen, schließt Bündnisse mit den selbständigen arabischen Fürsten, bedroht England in Aegypten und im Roten Meere — kein Wunder also; daß ihm auch die. Vorgänge in Palästina sehr gelegen kommen und daß der Mufti und seine Anhänger nicht׳ ohne Berechtigung glauben dürfen, sie könnten im Ernstfälle auf die Hilfe des faschistischen Italien rechnen. [Hält der Negus Residenz in. London — warum soll der aus der Omar-Moscheegeflüchtete Mufti nicht von Rom;aus seinen Kampf gegen England fortsetzen können? Daß sich hiebei ganz groteske Erscheinungen zeigen, daß es eigenartig an mutet, wenn italienische Blätter gegen , die Grausamkeiten der Engländer in.Palästina wettern, in der gleichen Zeit, als sie für das Vorgehen der Japaner in China mit Sympathien nicht, geizig sind — all das darf bei den heutigen Verhältnisseh und »Kulturbegriffen« nicht wundernehmen. Rechte Hand, linke Hand — alles vertauscht. Die Welt steht Kopf; die Logik ist aus der Politik verbannt. Wenn die Engländer Liber die »Barbarei« der Italiener in Abessinien zetern; warum sollen diese ob der Sprengung von Häusern Arabischer , Terroristen m Palästina nicht mit gleichem Rechte Zeter und Mordio schreien dürfen? Die Welt nimmt ohnehin alles ruhig hin, läßt alles gewähren. Sie duldet die Auswüchse des Ru.»- sismus, die Einführung von »Ghetto-Bänken« an polnischen Hochschulen, sie schweigt zu Pogroms und Exzessen — . sie läßt sich somit alles bieten. In den allerletzten Tagen ist in Palästina einigermaßen Ruhe eingetreten. Der Draht meldet keine neuen Terrorakte, keine Attentate und keine neuen Blutopfer. Ist dies die Auswirkung der neuen strengen englischen Maßnahmen, der Flucht des Mufti als Haupthetzers, oder nur wieder einmal eine Ruhepause .vor dem neuen Sturm? Es fällt schwer, bestimmte Prognosen zu* stellen, ebenso- Ueber die Ereignisse der letzten Tage liegen folgende Meldungen vor:! Das Colonial Office hat auf Grund der Berichte, die. es von der Palästinaregierung erhalten hat, das folgende Kommunique über den Ausbruch der Unruhen in Palästina Veröffentlicht: . . ' A . j - »Am Donnerstag, 6 Uhr nachmittags, trafen Nachrichten ein, daß um 10 Uhr abends Unruhen ausbrechen werden. Aus diesem Grunde wurde in Jerusalem für V! 10 Uhr Curfew (Polizeistunde) angeordnet. Am Abend des Donnerstag־ und in der Nacht auf Freitag wurden folgende Gewalttaten verübt: 1. Um 6 Uhr abends wurde ein jüdischer Autobus im Westen von־ Jerusalem durch Schüsse und Bombenwürfe angegriffen. Drei Juden wurden leicht, verletzt. An der Stelle, wo der Bombenanschlag verübt wurde, wurde später die Leiche eines Arabers gefunden, bei dem man einen geladenen Revolver fand. Die Bombe dürfte in der Hand des Attentäters explodiert sein und so seinen Tod herbeigeführt haben. — 2. Um 6.15 Uhr wurde ein zweiter jüdischer Autobus, fünf Meilen von Jerusalem entfernt, auf der Straße nach Jaffa von einer Araberbande aus unmittelbarster Nähe beschossen. Ein Araber wurde getötet, ein zweiter verletzt; zehn jüdische Passagiere wurden verwundet. — 3. Kurz nach 8 Uhr abends, explodierten 6 große Minen. Durch die Explosion wurde auf der Strecke Haifa—Lydda ein Personenzug zum Entgleisen gebracht.. Die Lokomotive stürzte»um; das Geleise .wurde schwer beschädigt. :׳Drei bewaffnete Araber versuchten, in den' Zug einzudringen; zwei wurden getötet, einer wurde verletzt. Durch das rasche Eingreifen'cler bewaffneten Begleitung des Zuges, die aus einem britischen und einem arabischen Polizisten bestand, wurde zweifei- V los ein ernsteres Unglück vermieden. Der arabische Lokomotivführer und der Heizer wurden leicht verletzt. Die Passagiere kamen mit leichteren Verletzungen davon. — 4. Gegen 9 Uhr abends wurde die Leitung der Irak Oil Company vier Meilen westlich von Jerusalem durch , Schüsse durchlöchert, Das äusfließende Naphtha wurde angezündet. — 5. Um 1 Uhr nachts vvurde auf eine Polizei- Patrouille, die sechs Militär-Transportautomobile auf dem Wege nach Hebron begleitete, in der Nähe der Solomons j Pools ein Feuer überfall ausgefiihrt;; zwei britische Polf-' zisten wurden getötet, — 6, Auf mehrere jüdische Kolonien im Umkreis Jerusalems und in Galiläa wurden sporadische Feuerüberfälle verübt. Nirgendwo waren Opfer zu verzeichnen.« "... . .'״■ * ■ Das Büro Reuter veröffentlicht folgende Einzelheiten Liber die tatsächlich erfolgte Flucht des Mufti: Nachdem es dem Mufti gelungen war, das Gebiet der Omar-Moschee heimlich zu verlassen, hat er ein an der Küste bereitgehaltenes Motorboot bestiegen, das ihn an eine vorher bestimmte Stelle der libanesischen Küste bringen sollte, wo ihn ein Auto zwecks Fortsetzung־ der Flucht erwartete. Das Motorboot verfehlte' jedoch diese Stelle und wurde llllllllllIllimillllllHIIIIUIIIIIillllilllllimillllllllllllllllllllimilllllllllllllllllllllllllll (m den wMekatuUeH HunäwukstäUe Iilllllll)|l1!l|(l|l|ll|||||ll(l||!||||(||l|(l(l!!1!!||!|(l!l!|||l|||!1m1|||||||||ll||||||:1!!|i1!||!| I. Karntnerring 6 0 Td■ ״0*י43י*1|/ ■י

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