Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 34 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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m Ättf tlie Stelhtwg eines kleinen Politikers nntef arideten PöiiUkeiftt reddzieteh. "יי'־■ י Was nun seine Terroristen anlangt — von denen viele in Syrien geworben wurden —,.so wird in Zukunft eine strenge Ueuer wach nng der!Grenzen und eine engere Zusammenarbeit Mit den französischen Behörden in Syrien ein weiteres Eindringen solchen nnerwünsehten Zuzuges verhindern. Beim letzten arabischen antizionistisehen, Kongreß in . dem Bergstädtchen Bludan wurden Wilde Rachepläne geschmiedet: aber der feste Entschluß der palästinensischen Regierung, endlich die Ordnung wiederaufzurichten und energisch zu erhalten, dürfte wahrscheinlich in Zukunft die Abenteurer abschrecken. Üebef die Vorgänge in Palästina in den letzten Tagen Hegen folgende Meldungen vor: Der Sonderkorrespondent des »Daily Herald« in Jerusalem teilt mit, daß die Untersuchung ergeben habe, daß die Ermordung des Distriktskommissärs von Galilala, Andrew. am 26. September und anderer Beamter darauf zurückzuführen sei, daß dieser den genauen Plan eines für! Anfang Oktober festgesetzten arabischen Aufstandes besaß. ־־ In Kreisen der Labour Party, der Arbeiterpartei, rechnet tpan damit, daß eine parlamentarische Untersu- Chungskömmission eingesetzt werde, die sich mit dem gesamten" Material über die Terroristentätigkeit in Palästina befassen soll, vor allem von dem Gesichtspunkt aus, ob die britischen Behörden in Palästina nicht früher hätten zügreifen sollen, anstatt .es erst dazu kommen zu lassen, daß verschiedene Mitglieder der englischen Behörden in Palästina ermordert wurden. Die Omarmoschee in Jerusalem, in die sich der von den Engländern seines Amtes enthobene Großmufti 'von Palästina geflüchtet hat, wird von Soldaten bewacht, weil eine Flucht des Mufti, ins Ausland gefürchtet wird. Die Mandatsregierimg hat einen Untersuchungsausschuß eingesetzt, der;die. Verwendung der Gelder der mohammedanisehen Kirche durch den Mufti prüfen soll. Englischerseits Wird der Verdacht geäußert, daß der Mufti einen Teil der Einnahmen aus den kirchliche!! Liegenschaften für politi- Sehe Zwecke verwendet habe. - * ׳ ־ Der Großmufti Hussein hat an den Hochkommissar einen Brief gerichtet, in. dein er seine Bedingungen flir die Einstellung der antienglischen Agitationstätigkeit in Paliistina stellt. Der Hochkommissar hat eine Beantwortung des Briefes mit der Begründung abgelehnt, daß der Großmufti bereits seines Amtes enthoben Worden sei. Personliehe Anhänger des Großmufti haben vor der Omar- Moschee eine 'Kundgebung׳ für ihren Führer veranstaltet. Im Laufe des Sonntags, 3. Oktober, wurden die Verhaftungs- und Untersuchuiigsaktionen gegen die Führer und Unterführer der arabischen nationalistischen ־ Bewegung durch die britischen Polizeibehörden und Truppen im ganzen Lande fortgesetzt. Das Gebäude der Arabischen Bank , wurde scharf, durchsucht. Um zu verhindern, daß die Verhaftungen der arabischen Führer zu Gewalttaten führen, wurden alle britischen Truppen in Palästina in den Kasernen konsigniert. Die strategischen Punkte in den Städten Jerusalem, Haifa und Jaffa wurden von Mascliinengewehrabteiliingen besetzt. Polizei, unterstützt von Militär,. patrouilliert in Panzerwagen durch das ganze Land. Am Sonnabend sind weitere militärische Verstärkungeu.aus.■Aegypten, eingetroffen.; < י)>> .! Während’lh (11er ' Neustadt von Jerusalem absolute ׳Ruhe herrscht, war die Lage in der Altstadt während des Sonntags äußerst gespannt. Trupps von jungen Arabern durchzogen die Straßen der Altstadt und zwangen alle aru-!bischen Händler in den Basaren, die Läden Zu schließen. Die Polzei zerstreute die Demonstranten und nahm eine Reihe von Verhaftungen vor. Die Anhänger des Mufti versuchen, einen allgemeinen Streik zu entfesseln. Obwohl die Regierung alle Maclnmittel zur Verhinderung eines Streikes einsetzt. ist es den arabischen Terroristen zum Teil gelungen, arabische Ladeninliaber zum Verkaufsstreik zu veranlassen. In vielen Fällen geschah dies durch Anwendung von Terror. Hetzagitatoren übergossen Waren und Lebensmittel mit Oel und zündeten sie an. Am stärksten ist die Streikbewegung in Jaffa. Es verlautet, daß arabischerseits Versuche im Gange seien, aus Persönlichkeiten der jüngeren arabischen Füllrerschaft einen neuen Obersten Arabischen Ausschuß an Stelle des von der Regierung aufgelösten zu bilden. Die Polizei hat darauf hin eine große Anzahl verdächtig scheinendCr Araber fest genommen und einem vielstündigen Verhör unterzogen; Einflußreiche Araber haben an die arabischen .Fürsten Telegramme gerichtet, in denen diese ersucht werden״ bei den maßgebenden britischen Stellen gegen die Verhaftung Und Deportierung der arabischen Führer ■bei׳■ •der Palästinaregierung־ Einspruch zu erheben. Eine" Reihe von führenden arabischen Persöntichkei- ■teil, die als mögliche Nachfolger auf den Posten des Großmufti gelten, haben von arabischer terroristischer Seite Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, die Annahme dieses Postens zu verweigern. Im allgemeinen ist die Ansicht verbreitet, daß der alte Gegenspieler des Großniufti, der gemäßigtere Ragheb Nasliashibi. nunmehr, nach der Ausschaltung'־’der■ extremen nationalistischen Araberführer, die zentrale führende Persönlichkeit der palästinensi'schen Araber werden wird; man hofft, daß auf diese Weise der Weg zu einer Befriedung des Landes und zu einer möglichen1* allseitigen Verständigung geöffnet wird. Das Amt des Bürgermeisters von Jerusalem wird an ,Stelle des verhafteten Dr. Husseini Khülidi interimistisch von dem britischen Präsidenten der Handelskammer Shelly verseilen. Während des Sonntags war der Hafen von Jaffa gesperrt.׳ Auf das jüdische Viertel von Sal'ed wurde von arabisehen Terroristen ein Feuerüberfall unternommen. Jtidisehe Selbstschutzabteil ungen setzten sich gegen die Angreife!• zur Wehr. Verletzt wurde niemand. In Nazareth nahm die Polizei zahlreiche Haussuchungen vor. Eine große Anzahl Araber wurde wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet; eine Menge Gewehre und Munition wurden beschlagnahmt. Die Maßnahmen ■der englischen Polizei- und Militärbehörden gegen die arabischen Terroristen erfolgen nach einem genauen Plan, der vor Tagen in! Einvernehmen mit London ausgeaihpitet wurde. Den letzten Anstoß zu ihrem energischen ''Einschreiten dürfte außer der Ermordung des Das Gute seilt fich und meist in überraschend kurzer Zeit. ^.ucK die .׳Verwendung von Dr. Oeb kers Backpulver Hat ^iphtsq jjascb^eingelebt, daß wir uns heute eine moderne ^üclienführuun^phne dieses verlaß' liehe und rasch arbeitende Triebniittel%gar1 nicht yorstellf:u könnten. Mit Dl,‘ Qethe#‘׳Bnikpu]&en »Heller Kopf« ■ gibt es gutgeUmgenes, nahrhaftes hniF leicht verdauliches Gebäck,.'1’■ :. Distriktskommissäf» Amlf־etvs die Auffindung von »schwa fzen Listen« gegeben habtM. die die Namen einef Anzahl hochgestellter tmliseher nnd jüdischer;Persönlichkeiten enthalten, gegen die •öffenbar Anschläge verübt werden sollten. Der unmittelbare Anlaß der umfassenden Polizeiaktion war ein arabisches Ultimatum, in welchem die Frei- Iassung der 200 Araber gefordert wird, die im Zusammenhang mit der Ermordung des Distriktskommissärs Andrews am vergangenen Sonntag Verhaftet worden waren. '׳ ♦ * Der Anschluß des Negew an den geplanten jüdischen Staat in Palästina wird vom britischen Kolottietiministeriutn einer Meldung des »Scotsman« zufolge jetzt nicht mehr in Betracht gezogetri Der Gedanke des Anschlusses dieses Gebietes ist angeblich auch von Dr. Weizmann und der Zionistischen Organisation fallen gelassen worden, Das Blatt weiß weiter zu melden, daß möglicherweise den Jti* den eine Kompensation für. diesen Verlust in der Oeffnung der Grenzen Syriens und des Libanon mit Zustimmung Frankreichs sowie Transjordaniens für jüdische Einwanderung geboten wird. Einer geplanten jüdischen Einwanderung nach Transjordanien werde allerdings von den meisten arabischen Staaten und von den Arabern Palästinas heftigster Widerstand׳ entgegengesetzt. Dagegen glaubt man, daß man am Quai D’Orsay eine Stärkung des nichtmohammedanischen Bevölkerungselementes in Syrien und besonders im Libanon nicht ungern sehen würde. Eine endgültige Antwort auf •diesen Vorschlag sei aber von französischer Seite noch nicht erfolgt. Die Mitteilungen des »Scotsman« decken sich mit der vom Londoner »Star« bereits gebrachten Meldung, daß in Genf eine englisch-französische Fühlungnahme wegen einer jüdischen Einwanderung nach Syrien stnttgefunden habe. * ־ Der Vorsitzende der britischen Kgl. Kommission, Lord Peel, ist am 29. September im Alter von 70 fahren auf seinem Landsitz Petersfteld, Grafschaft Hampshire, ״ bei London, gestorben. Lord Peel war seit zwei Wochen leidend und hat das Bett night'mehr verlassen können.!; * Trotz der umfassenden Maßnahmen, die die Palästinaregierung zur Unterdrückung des arabischen Terrors und zur Unschädlichmachung der radikalen arabischen Führer egriffen hat, haben sich iin Laufe des Montag eine Reihe weiterer ernster Terrorakte ereignet. Die arabischen Terrbristen beginnen wieder,־ wie in der Zeit der Unruhen ■des Jahres 1936, Sabotageakte! zu verüben, Die Oelleitung der Irak Petroleum Companys wurde bei Jisser Majainea an drei Punkten uufgerissep und das ausströmencie Oel in Brand gesteckt. Einer bjutischen Militärabteilung gelang es, die Terroristen zu vertreiben. Auf das ״Eisenbahngeleise bei Ramleli wurde ein Anschlag verübt. Herbeieilende Eisenbahnbeamte eröffneten gegen die Terroristen das Feuer und vertrieben sie. Die Geflügelfarm der Regierung bei Haifa ist infolge Brandstiftung vollkommen einge- äschert worden. In Akko ist Scheie)^; Abdul Fatach erschossen worden. Ein zweiter Araber,Mer sich in seiner Begleitung befand, wurde verwiindeb/fpie Angreifer sind entkommen. Der Mukhtar der in dCr-^Nähe der Haifa-Bucht lebenden Beduinenstämme ist in de!• Nacht auf Montag erschossen worden. In dem Hauptbüro des Kadi des arabischen Nutioualkomitees in Jaffa wurdev%ine Haussuchung vorgenommen; zahlreiche Dokumente Wurden beschlagnahmt.; Der Kadi;ist geflUcht^^Di^^Celephonve'cbindungön z^sphen Paliistina und ddn^NaöRB^länderii sind über Anordnung der Behörden noch immer unterbrochen; dadurch soll verhindert werden, daß arabische Hetzagitatoren in Palästina mit ihren Genossen in, den benachbarten arabischen Ländern in Verbindung treten. Dagegen ist die Telephon- Verbindung mit entfernteren Ländern wieder hergestellt worden. Die Palästinaregijjrung hat offiziell die Behörden der Republik Libanon erlücht, die im Libanon lebenden Palästinenser streng zu überwachen. Bei der" in der Buchhaltung der Arabischen Bank auf Anordnung der Sicherheitsbehörden vorgenommenen Revision ist ein geheimer Fonds in der Höhe von etwa 100.000 Pfund entdeckt worden, der voraussichtlich beschlagnahmt werden dürfte. Auf Befehl, der Palüstinaregierung wurden bei den Mitgliedern der*־' arabischen Ortsräte im'Süddistrikt .Haussuchungen vörgenoinmen und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Sämtliche Führer des mohammedänischen Jugendbundes sind verhaftet wordeu. In den Kreisen der gemäßigten Araber hat es starken Eindruck gemacht, daß die bei den Haussuchungen, auf gefuudene, schwarze Liste der Personen, deren Ermordung geplant war, auch den Namen des Vorsitzenden der arabischen Verteidigungspa rt^i und früheren Bürgermeisters von Jerusalem, Ragheb Bey Nasliashibi, enthält. Es verlautet, daß die ״Palästinaregierung, nachdem der Oberste Arabische Ausschuß als illegal erklärt und aufgelöst worden ist, nunmehr daran geht, an seine Stelle eine »Arab Agency« zu setzen, die eine ähnliche Aufgabe haben soll wie auf jüdischer• Seite die Jewish Agency. In nationalistischeu arabischen Kreisen wird erklärt, daß die Bemiilningen der Regierung, an Stelle des Obersten Arabisehen Ausschusses eine »Aral) Agency« als Vertretung der Araber Palästinas einzusetzeii, mit der die im November nach Palästina zu entsendenden neuen Kommission über die politische Neugestaltung des Landes■ verhandeln soll, an dem Widerstand der Bevölkerung• scheitern werden. Die Araber Palästinas würden Wahlen zu einer solchen Agency boykottieren. Die arabische Frauenorganisatiou in Jerusalem hat beschlossen, gegen die Deportierung der arabischen Führer zu demonstrieren. Die Distriktskominissäre »iud ermächtigt worden, die Oeffnung der geschlossenen arabische!! Geschüftslüileu unter Strafandrohung zu verlangen. Inzwischen setzt die Regierung die Verstärkung der Militärkrüfte in Palästina fort. Das zweite Bataillon der Black Watch, welches das Bataillon der Royal Sussex ablösen sollte, ist sofort nach seinem Eiutreffen in die Provinz geschickt wordeu. Da der Abmaischbefehl für die Royal Sussex widerrufen wurde, ist die Militärbesatzung Palästinas jetzt um ein Bataillon .stärker als früher und zählt jetzt drei Bataillone. Die arabische Presse teilt mit, daß die Zahl der Hilfspolizisten in Nordgal'iläa um weitere 200 erhöht werden wird. 111 Nazareth sind einer Meldung vou »Al Jamea el Isiamiu« zufolge 500 Mann in voller Kriegsausrüstung eingetroffen, Von dem Flugplatz in Atarot bei• Jerusalem sind 5 Flugzeuge nach Galiläa abgegangen. '׳..־.. Die Regierung bat eine Order erlassen, wonach den Zeitungen verboten ist, die Kommentare der englischen Presse zu den Ereignissen in Palästina, sowie Nachrichten ausländischer Radiostationen und aas anderen Quellen zu veröffentlichen.'*•. . # ■ Nationalistische Studenten haben in Kairo eine Protestknmlgebung gegen die jüngsten Maßnahmen der Palästinaregierung veranstaltet, Diese Maßnahmen werden von der gesamten Presse, zum Teil mit außerordentlicher Schärfe kommentiert. Es wird das Gerücht verbreitet, daß dib Regierungen des Irak rind SandbÄtlbiens eilten mp!0« tnätischen Schritt törbereiten. .׳■'■• Aus London meldet »Ägence d’Örient«* jir politischen Kreisen erwarte man im Hinblick auf die Lage in Palä* stina, daß High Commissioner Sir Arthur WaUChope seinen Rücktritt anbieten wird. Als Nachfolger des jetzigen High Commissioner komme der frühere High Commissioner von Bengalen, Anderson, in Betracht, der sich durch die euer* gische Unterdrückung der dortigen Unruhen zwischen Mohammedanern und Hindus bekannt gemacht hat. Eine Bestätigung dieser Meldung aus änderer Quelle liegt bisher nicht vor. , ,׳ * Die italienischen Zeitungen befassen sich eingehend mit den Vorgängen in Palästina und den Maßnahmen der Palästinaregierung, die sie drakonisch nennen. Die Turlner »Statnpa« kritisiert die Maßnahmen der Palästinaregierung als Beweis fiir den »dauernden Mißbrauch« des Mandates und schildert das »tragische Dilemma«, in welchem sich die arabische Bevölkerung befindet. Die Zeitung fragt znm Schluß, wie die mohammedanische Welt auF die Absetzung des Großmufti reagieren wird. Das neue Gesicht der Xudenfrage* Von Reg.-Rat J. Kreppei. H. So furchtbar undvv^rzweifelt die Lage der Juden im Sowjetreiche auch sein mag — zwei Momente sind es, die einigermaßen als »Trost im Unglück« empfunden werden können, wenn auch nur als sehr magerer und zweifeihaftet• Trost: einerseits handelt es sich in Sowjetrufiland keineswegs um irgend welche Maßnahmen, die direkt oder indirekt mir gegen die Juden gerichtet sind. Der Kampf gegen den Mittelstand, gegen das bürgerliche Element, gegen die sogenannte »Bourgeoisie«, ist keineswegs nur gegen die Juden als solche gerichtet: auch der Kampf gegen das religiöse Leben hat keinen spezifischen anti-: jiiclisclieii Charakter. Für die Sowjetpolitik ist jede Religion »Opium für das Volk«; und wenn der Kampf gegen das jüdischreligiöse Leben zuweilen groteske Formen annimmt und wesentlich weiter geht'als der Kampf gegen die anderen Religionsbekenntnisse, so sind es in der Hauptsache die »jüdischen« Bolschewiken, die in ihrem Uebereifer zu viel des guten tun zu müssen glauben... Dieser Umstand ist wohl fiir die Juden umso schmerzhaftet• und beschämender — aber von Staats wegen sind sie doch nicht diffamiert, nicht als minderwertige ,Mensehen behandelt und degradiert. Andererseits ist die Gefahr eines Uebergrelfens der bolschewistischen Methoden auf aridere Länder sehr gering und kaum in Betracht zii ziehen. Selbst wenn es der Dritten Internationale irgendwie gelingen sollte, in einein anderen Lande die Herrschaft an sich zft reißen — was höchst 1111 wahrscheinlich ist — so könnten dort derartige Zustände wie im Sowjetreiche kaum einreißen. Dazu würden es schon die wirtschaftli* chen und die kulturellen Verhältnisse unmöglich kommen lassen. Die Gefall 1■ ist also zumindest lokalisiert und das sowjetrussische Beispiel dürfte kaum irgendwo Nachahmung finden. Ganz anders ist es um die Verhältnisse im Dritten Reiche bestellt. Zum ersten Male seit der Durchführung der Emanzipation, ist der Judenhaß gesetzlich verankert ■worden, und noch dazu nicliti in irgend einem exotischen Staate Halbasiens, sondern iin Mittelpunkt der europäisclien Kulturwelt. Zinn ersten Male seit, vielen Jahrzehnten werden die Juden von Gesetzes wegen als minderwertig deklariert, wird ihnen gewissermaßen vou neuem, der »gelbe Fleck« angeheftet, werden sie diffamiert, in ein geistiges und wirtschaftliches Ghetto gesperrt. Als die Juden Jahrhunderte hindurch in die Ghetti eingesperrt waren, darin handelte es sich um einen historischen Prozeß. Unsere Vorfahren im Mittelalter und in, den ersten Jahrhunderten der Neuen Zeit haben sich den Verhältnissen entsprechend eingerichtet und geistig wie Wirtschaftlieh eingeordnet. Jetzt standen plötzlich' Hunderttausende Juden der Aufgabe gegenüber, sich!für ein neuzeitiges Gh'ettoleben reif 7;u •machen'... Was das zu bedeuten hat, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung... Andererseits ist die Gefühl• eines Uebergreifens dieser Seuche auf andere Länder sehr ernst geworden. Wenn die Vorgänge in Deutschland in der ganzen Kulturwelt verurteilt werden, so dürfen wir *ans darüber nicht täuschen, als ob es sich um Mitleid für die betroffenen Juden handelte, als ob liier ausschließlich .menschliches Gefühl, iEinpfinden fiir Recht und Gerechtigkeit ausschlaggebend wären. Da spielen ganz andere Momente mit. Würde es nur gegen die Juden gehen — die sogenannte. ׳Kulturwelt würde wahrscheinlich weniger empört und entrüstet sein. Die Politik des Dritlen Reiches, die die anderen Staaten nach vielen Richtungen beunruhigt, istes in der Hauptsache, die diese Gegnerschaft auslöst. Der »Judeupunkt« aber, der »Rassismus« mit allen seinen. Begleiterscheinungen, der ja. hauptsächlich ein Ausfluß eines »sacro egoismo« ist, könnte unter Uinistünden weit über die Grenzen des Dritten Reiches um sich greifen. Böse Beispiele verderben gute Sitten... Schon sind derartige Erscheinungen in Polen, in Rumänien usw. wahrzunehnien. Wenn es den Hitlerleuteu glückt, die Juden aus den freien Berufen, aus dem öffentlichen ׳Dienst, aus der Advokatur, dem Aerztestand, aus Kunst und Literatur, aus dem Wirtschaftsleben, aus Handel und Gewerbe zu verdrängen — warum soll das gleiche nicht in anderen Ländern, geschehen, wo es ebenfalls nicht an »Ariern« fehlt, _ die sich so gerne in die den Juden weggenoinineneu Positionen!festsetzen möchten?... Darin liegt die größte Gefahr der Vorgänge in Deutschland und deswegen erfüllen diese Vorgänge die Juden aller Länder mit der größten Sorge. Nach eiuer Richtung weisen die Dinge in Sowjetrußland und im ׳Dritten Reiche eine gewisse Identität uuf: hier wie dort ist es unmöglich, au die maßgebenden Faktoren heranzukommen, uiu mit ihnen ein A'ernünftiges Wort zu reden. Selbst im finstersten Mittelalter, in der furchtbarsten Zeit des Ghettolebens, des »gelben Flecks« usw., hat es immer und überall jüdische Persönlichkeiten gegeben, die kraft ihrer Geistesgröße, ihrer Wirtschaftlich-finanziellen Position, ihrer persönlichen Beziehungen Zutritt zu den Mächtigen hatten, und deren Fürsprache es gelegentlich gelingen• konnte, .das Allerschlimmste abzuwenden. Noch im 19, Jahrhundert hatten wir solche Manner, wie Sir Moses Montefiore, Adolf Cvemieux, Baron Hirsch usw., die selbst zu den Höfen der Zaren, der Schahs und der Sultane Zutritt hatten* und deren Interventionen gelegentlich von Erfolg gekrönt wurden, Später traten die großen jüdischen Organisationen an :deren Stelle, z, B. die ' Alliance, American jewish Committee, Angio-Jewish Association u, dergl., die intervenierend und helfend eingreifen konnten, Heute ,sind den Juden auch diese Wege versperrt. Man konnte mit einem Nikolaus I., einem Sul-. - tan von Marokko, einem Sqj^ah von Persien sprechen und Erleichterungen erwirken'; man kann aber unmöglich mR Stalin, oder Hiüer-Göriug zii einer sachlichen Auseinan-