Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 34 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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W/EN+BRATISLAVA יי & ÖAff. 193? i •■■נ, חשון חףציךן,׳ 23. Jahrgang ן Nummer 34 \ ßednktion und Administration: Wien, IL, Malzgasse 12a, Telephon-Nr. A^46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikplätz Nt. ■ 3?,' Pöstfach 381 7 Erscheint Freitag / Rcdäktionsschluß: Mittwoch Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Öst» Gr. 40, Zahlungen für »Jüdische Presse«, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Bu* dapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 195.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VlII, 4117, Berlin Nr. 122.6195 für »Jüdische Presse«, Bratislava: Prag Nr. 53.386. 0RGfln für Die mTGRessen Des 0RTH0D0Hen juDemums Die Neuordnung (K.) Oesterreieil bildete in der vergangenen Woche wieclei* einfnal das Thema eingehender Erörterungen in der Weltöffentlichkeit. Die Zusammenkunft Mussolini-Hitler ließ vielfach die Befürchtung Aufkommen, es’ konnten dort Be- Schlüsse hinsichtlich der Zukunft Oesterreichs gefaßt werden, Rie die Selbständigkeit und Unabhüngigkeit desselben gefährden würden. Diese Befürchtungen waren anderseits von Hoffnungen derjenigen begleitet, die so gerne Oesterreich »gleichgeschaltet« sehen möchten. Die um dieselbe Zeit stattgefundene kurze Aussprache Schuschhigg-Hodza und ein kurzer Besuch des polnischen Außenministers in Wien gaben anderseits vielfach zu Hypothesen und Kombinationen Anlaß, als ob Oesterreich eine außenpolitische bzw. Wirtschaftliehe Neuorientierung anstrebe und verfolge. All dieses Gerede hat sich als müßig erwiesen. Der Inhalt der Unterredungen Mussolini-Hitler ist nicht näher bekanntgegeben worden; aber in den politischen Deklarationen der beiden Staatsführer ist Oesterreich nicht erwähnt worden und man darf annehmen, daß bei dieser Gelegenheit keine Beschlüsse, gefaßt wurden, die die Interessen Oesterreichs irgendwie , tangieren, könnten. Die .׳Wünsche I^liens4;tii1i[i'^les;^^jiit!g1׳? ,•JfeiijiJj&sj ,•.ljb${5£nj ^ich hihsibhtiichl^','.’dieses,'‘׳i'Pröhie1ns‘־,'־käuin'.-'.u11nte:r| einen Hut bringen. Alle übertriebenen Sorgen und verfrühten Hoffnungen dürften daher kaum aktüeilen Charakter,haben,. Oestefreichjbleijbt seiner, außenpolitischen Orientierung , treu, die neben den Itömi sehen Protokollen und dem Abkommen Wien-Berlin auf dem Grundsatz basiert: absolute Unabhängigkeit und ' Selbständigkeit sowie Freundschaft mit allen anderen Staaten, keine Blockbildungen und keine Beteiligung an Aktioneu, die Oesterreich nichts an gehen. Gleichzeitig mit diesen wiederholt seitens der maßgebenden Faktoren gemachten Feststellungen geht der Neuaufbau Oesterreichs im Innern seiner Vollendung entgegen. Das neue Statut der V. F. formuliert in klarer Weise die Rechte und Pf liehten der Mitglieder derselben; die angekündigte Aufnahmssperre wird dazu dienen, das Zuströmen unverläßlicher Elemente zu verhindern und die vorgesehene Ueberprüfurig der Mitgliedskarten wird zum Ausscheiden all jener Kreise führen, die nur aus Nebenabsichten ihren Beitritt deklarierten. ‘ Die Vollendung des innerpolitischen Aufbaues wird auch die Finalisierung des Ständeaufbaues begünstigen. Oesterreich wird aus dem Provisorium hinausgelangen und imstande sein, alle Pro-, bleme politischer und wirtschaftlicher'Natur einer allgemein befriedigenden Lösung zuzuführen. Wenn die oberwähnten Besorgnisse alle gutgesinnten Oesterreieher beschäftigten, so wirkten sie sich besonders im Lager der österreichischen judenheit aus, Gerade die Juden haben allen Grund, jeder Neuorientierung gegenüber mißtrauisch zu sein. .Sie sind am stärksten daran interessiert, ejaß• der bisherige Regierungskurs in Oesterreich auf recht, erhalten bleibe uncl daß den Einbruchs versuchen des Nazismus ein Riegel vor’ geschoben werde. Bisher war dies der Fall und gerade die allerletzten Kundgebungen des Bundeskanzlet*s und seiner Mitarbeiter sowie des Bundes- Präsidenten zeigten deutlich die absolute Entschlossenheit, keinem Druck und keiner Ver 10kkung zu weichen oder zu unterliegen* Dieser Tatbestand mag den Juden Oesterreichs als Beruhtgüngsmoment dienen, mochten auch manche Erscheinungen der letzten Zeit , ihnen nicht ganz zusagen. Die ma ßge 1L$ n den Faktoren Österreichs de nk en,n i c 111 im geringsten daran, die Basis der Staats verfffssung zuverla s.se n, d i e die ־Gleichber.echtieung all ei• 'B ii r g e r b e i n h a 1t e t. Die Ueber g־an gszeit bringt manche Unklarlieiten und Strömungen mit' sich, die.auch anderen Schichten der Bevinkerun^; nicht ganz Zusagen; der Neuaufbau des Staates' erfordert allerhand Opfer. Man muß sich damit1‘ abfinden, in der Er- Wartung, daß die vollständige Stabilisierung der Verhältnisse auch diese Sachlage zum Bessern ändern werde. י Daß die Aussichten der österreichischen Nazi auch in ihrem eigenen Lager nicht besonders rosig beurteilt werden, dafür zeugen die Auseinander- Setzungen in ihrer eigenen Mitte. Wenn eine Sache schief steht, dann schiebt einer dem anderen die Schuld zu. Dieser Tatbestand soll im jüdischen Lager als eine Erleichterung empfunden werden und nichts wäre verfehlter, als sich übertriebenen Befürchtungen hinzugeben. Die,Situation ist wohl noch immer ernst, genug und wir sind noch immer nicht über den Berg — aber gerade die Juden Oesterreichs haben allen Grjinct, sich ,voll und ganz hinter den Bundeskanzler zu stellen und seine Position nach innen und außen zu stärken, denn seine absolut und rein österreichische Poütik entspricht am besten auch ihren, Interessen. Englands neue Palästinapolitik Die schwankende Haltung'!cf ei• englischen. Regierung,, die diesem Weltreiche in den■'letzten Jahren fast auf allen Gebieten der internationalen Politik nur Mißerfolge und Prestigeverluste eingebracht hat',, führte auch zur politisehen Krise in Palästina,'die seit dem Frühjahre 1936 immer weitere Kreise zog und sich von! Tag zu Tag komplizierter - f ff'Kr^״ 1־ "ä > * י 7f1 Stimmung•׳ — ' oder ׳*wielTeiem־*gar 'auu^We.rsung d6s Londoner Kabinetts dem Terror hier Araber zuteil werdbn ließ, hat''diese ׳nicht nur nicht besänftigt und zur Mäßigung• veranlaßt, sondern im Gegenteil immer'dreister und aggressiver werden lassen. Monatelang wurde im Vorjahre die arabische Streik- und Boy ko ttbe wegung geduldet — auch; dann, als nicht bloß Juden, sondern auch englische Polizisten und Soldaten Opfer mgi^hlerischer , Anschläge geworden sind. Das Prestige Englands sank immer tiefer; die Drohhngen mit Kriegszustand und Repressalien wurden , nicht ernst genommen ,und die arabischen Terroristen lachten sich ins Fäustchen, als immer wieder seitens der Regie.rung deklariert wurde, nah ( sei ihre Geduld zu Ende und sie werde zum. großen StAclc greifen. Die‘ Araber fühlten sich wie verwöhnte Kinder, denen man mit dem Finger droht, die aber wissen, daß'ihnen im alleräußersten Falle nicht allzusehr weh,getan‘*1 werden wird. Das stolze Britische Reich ließ es so weit kömmen, daß die arabischen Herrscher von Irak, Saudi, Yeriien! und Transjordanien offen als »Vermittler« Eingriffen Und *sich so. gewissermaßen als die Protektoren der Palästina-Araber aufspielen konnten. Es kam schließlich •zur Einstellung der Streik- und Boykottbewegung sowie zur Unterbrechung . der Terroraktionen — wobei die Einschränkung der jüdischen Ein- Wanderung und die Entsendung der sogenannten Peel- Kommission als Preis dienten. Das Ergebnis der Arbeit dieser Kommission ist bekanntes gipfelt in der »Fest- Stellung«, daß das Mandat ü!n(ßj,i;chführbar ist und daß daher das Land geteilt werden sollte, wobei dem empfohlenen Judenstaat etwa ein Fünftel, den Arabern aber vier Fünftel des Gebietes zufallen sollten. Obwohl dieser Vorschlag den Arabern sehr Vvei^ejVtgegenkam und ihnen allerhand Vorteile sicherte, vo^||1gten diese ihre Zustirnmung und setzten neuerlich: mi^^hem Terror ein, der sich aber in der Hauptsache nicht mehr gegen die Juden, sondem gegen' die englischen Verwaltungsbeamten und gegen die gemäßigten Araber richtete. Als diesem Teuror in den letzten Tagen auch höhere Beamte zum Opfer fielen — erst dann mußte man fest zugreifen und mit harter Faust dreinschlagen. Hätten die Engländer früher etwas mehr Energie aufgebracht, so wäre es kaum so weit gekommen. Fleute ernten sie die Früchte ihrer .schwächlichen, schwankenden Politik; heute müssen sie so hart zugreifen und Abschreckung.-;- repressalien zur Anwendung ^ringen. Vorläufig haben diese ihre Wirkung poch nicht ■gezeigt; die unversöhnlichen Araber zeigen wenig Lust, nachzugeben und kündigen neuen Widerstand an. Vielleicht hoffen sie, daß London wieder einmal auf halbem Wege stehen bleiben wird; vielleicht rechnen sie mit der Hilfe von auswärts, seitens der selbständigen arabischen Staaten, sowie seitens gewisser Mächte, die so gerne dem englischen Imperium unbequem werden möchten. FiLrwahr, Englapd nnuß heute Xd.ie..Fehler, seiner bisherigen .Palästinapolitikteuer, bezahlen. Wie immer dieses. Intermezzo enden wird ,--J; eines -muß schon heute gesagt werden: es wäre eine, arge Selbst;■ täuschung, wollte man sich jüdischerseits der Illusion hingeben, das ׳Londoner Colonial Office und die '.■Palästina-׳ r< gierung . würden nunmehr 'ihr...Verhalten zugunsten der jüdischen Postulate radikal ändern. Vorläufig handelt es sich in erster Reihe um die Wiederherstellung des stark Tamponierten, englischen 'Prestiges und um die Sicherung einer der wichtigsten Positionen . des Weltreiches. Mart würde daher jüdischerseits gut tun, die weitere Entwicklung der Dinge mit Vorsicht abzuwarten.; , Die »Times« vom 5. Oktober führen in einem Leitartikel aus: Die englischen Behörden in Palästina haben endlich Maßregeln gegen das Arabische Hochkomitee und gegen Hadsch Amin Husseini, den * Mufti von Jerusalem, ergriffen. Der Mufti, dtp■ in einem Bericht der . Königlieben Palästina-Kommission als »das Haupt einer dritten Parallelregierung« in Palästina bezeichnet wird, wurde seiner Aemter als Präsident des Obersten Mohammedanisehen Rates und als Vorsitzender des Allgemeinen Wakfr Komitees enthoben. Das Arabische ITochkomitee .und die damit zusammenhängenden Unterkomitees sind für illegal erklärt worden. Gegen den Bürgermeister von Jerusalem, die Präsidenten der Arabischen Partei und der Arabischen Bank, den'Sekretär des Arabischen Komitees und den Leiter der Arabischen Jugendorganisation sind Haftbefehle׳ erlassen worden (die inzwischen bereits ausgefiihrt wurden). Ein offizielles Communique erklärt, daß die palä־; stinensische Regierung diese Maßnahmen ergriffen habe! infolge des Anwachsens der »organisierten Terror- und Mordkampagne«, die am 13, Juni mit dem Mordversuch an dem Generalinspektor der palästinensischen P.olizei Spicer begann und ihren Flöhepunkt mit der feigen Ermbrdung des galiläischen Distriktskomnüssärs Andrews und des Konstablers MaEven in Nazareth erreichte. Dafür gibt das Communique allerdings, keine Erklärung, warum die britischen Behörden länger als drei;.Monate zu dem Entschluß gebraucht haben, endlich' drastische Maßnahmen gegen Organisationen und Einzelpersonen zu ergreifen, die die moralische Verantwortung für all die Ordnungswidrigkeiteu und die Terrorakte tragen, die das Fleilige Land so ,beunruhigt ,haben, Was auch aus dem Mufti werden wird:, sein Einfluß ist stark erschüttert. Er hat seine beiden hohen Aeiuter verloren und mit ihnen die Kontrolle über große Fonds,■ die sich zusammen- ־auf 67.000 Pfund jährlich beliefen, außerdem den Einfluß auf ungefähr 1500 י mohammedanisehe Priester, die bisher in ihren Freitagsgebeteu und auf ihren Inspektionsreisen für seine Politik werben mußten. Diese Prestigeverluste dürften wohl seine bishörige Stellung uls > Haupt eines »imperium in imperio« t£ ttußtswßatß wer . wwwwwwww wwwwß ßtoS' dst .3 ■■ . »■׳ ,*.. . ־■«n timimimilliiliiintiiiKiimiKiiftimiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmimiiimiimimiiiiiii . ,!GH!• |{31>1)1!1(«1>11119י•