Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 33 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-Äs! ■ Mit großer BefrietRgutjgkonnte die K. ö. voll der außerordentlich erfreulichen Entwicklung des Nachwuchses* * in den »ß c n o s A g u d a s j i s r 0 e I« organisiert, Kenntnis nehmen; sie hat dies dadurch anerkannt, daß sie die Ge* hehfnigung aller Forderungen wünscht, die die Benos an die Zentrale in erzieherischer und sozialer Hinsicht stellt. Daß neben diesen neuen Aufgaben die alten, von denen die wichtigste die Einrichtung eines umfassenden Beth Jacob-Schulinspekt'orats ist, nicht vernachlässigt werden diirfep, ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlieh ist, daß die B. ],־Zentrale' alle diese Aufgaben nur erfüllen, ja auch nur ih Angriff nehmen kann, wenn sie aus allen Ländern und Kreisen, w e i t; nve h r als b i s h e v, Forderung und Unterstützung findet. In nächster Nähe der K. G. tagten die agudistisehen Frauen und Mädchen; die räumliche Nähe War *ein Symbol für die geistige Nähe, hier wie dort •ging es um die Grundfrage des jüdischen Volkes: »Wie steht es um unseren Nachwuchs?«! Die Beth Jacob- Zentrale erwartet;,von den Frauen der Agudas jisroel, daß auch sie sich in den Dienst von Beth Jacob stellen, daß die Sorge um die jüdische Tochter weit mehr als bisher die Sorge der jüdischen Mutter ist. Daß keine jüdische Mutter, die sich Xgudistin nennt, ihr Kind in andere als gesetzestreue Erziehungsanstalten schickt. Daß die K. G. eine Entschließung fassen mußte, daß Agudisten, welche ihre Kinder in andere Erziehungsanstalten senden, keinerlei Funktion innerhalb der Agudas Jisroel nusüben dürfen, zeigt, daß auch in dieser Hinsicht bei uns manches auszubessern ist. ׳ Ich hatte den Vorzug, in zwei wichtigsten Kommis• siönen der K. G. mitzuarbeiten: in der Keren Hathora und Chinuch-Kommission und in der Beth Jisroel-Kommission. Beide Kommissionen hatten als ständige und interessiertesfe Mitarbeiter große Talinide Chachomim und anerkanttteste Pädagogen. »Das jüdische Kind, der j ü d i s c he Geist, jenes diesem zu erhalten« — das war die hohe Losung, die in beiden Kommissionen ausgegeben wurde! In beiden Kommissionen bewegte sich die Diskussion in den höchsten Regionen — und doch: wenn man das nackte Fazit von allem zieht, dann ist es dies: Geld! I Gebet den Berufenen die nötigen Mittel — es handelt sich nicht um unerschwingliche Summen, sondern tim Beträge, die guter Wille und volle Bereitschaft aufbringen können — dann wird das Werk gelingen können, gelingen ntiissen. Ob die Entschließungen, die die K. G. auf dem Gebiet von B. J. faßte, Resolutionen bleiben, die gegen uns zeugen und uns der Lächerlichkeit der Welt preisgeben, oder ob sie Wirklichkeit .werden,'die uns die Achtung und clann auch die Mitarbeit der Welt sichern, das hängt allein Von unserem Willen ab! Gebe G—tt, daß jeder von uns genügend Selbstachtung besitzt, tim zu seinem.;Teil mitzuhelfen, daß die Mavienbader -EhtschließuhgePuns •;und ttnserer Jugend segnende W i r k 1 i c h k,׳e i t e־n werden!? ■:,׳ Istheduxtmakei Masaryk-Trauerfeier -der orthodoxen Judenschaft in Bratislava Wie in der ganzen Republik, ja wie in der ganzen Welt die Trauerbotschaft vom Ableben#des Befreier-Präsideuten T. G. Masaryk bei der Judenschaft größte Bestürzung hervorgerufen hat, hat sie auch die gesamte Judenheit unserer Stadt in tiefste Trauer versetzt. Betrauert jeder; treue Bürger des demokratischen cechoslovakisclien Staates das Hinscheklen seines genialen Begründers, Lenkers und Wegweisers, des großen Lehrers der Demokratie, die die ®rundsäulen dos Staates bietet, den er bewohnt, so verlor das gesamte Judentum durch den Tod des Mensehen Masaryk einen aufrichtigen Freund und Gönner, der immer dort für dasselbe eingetreten ist, wo ihm Unrecht zugefügt worden wäre und setzte sich bis zum äußersten für die reine unverfälschte Wahrheit ein. für die Wahrheit, der sein ganzes Wesen und sein Wechsel reiches Leben bis zum letzten Atemzuge weihte. Sämtliche jüdische Parteien und Organisationen hielten Trauerversammlungen ab. die stark besucht waren. Am Sonntag, Erew Sukkos, vormittags, fand in der großen Synagoge der orth. isr. Kultusgemeinde eine besonders eindrucksvolle Trauerkundgebung statt, an der sich eine Reihe von behördlichen Persönlichkeiten u. Korporationen beteiligte. Der sohwarzdekorierte Tempel war vom Trauerpublikum dicht gefüllt, als die Feier mit einigen Kapitel aus Thilim, die auf solche Anlässe bezug haben, inbrünstig gesagt, worauf Sr. Ehrw. Herr Oberrabbiner A. Schreiber die Rednerkanzel bestieg und in rührenden und eindringlichen Worten die IJerson des Dahingegangenen mit trefflichen Auszügen und Parallelen aus der jüdischen Geschichte schilderte. Redner hob die Vielseitigkeit dieser überragenden Persönlichkeit hervor, zu dev er sich durch den unbeugsamen Willen und grenzenloseni'Fleiß selbst emporschwang, bis er es, als Sohn eines unbedeutenden Handwerkers, zu dem Grade eines der hervorragendsten Staatsmänner und Volkserzieher brachte. Er besprach auch die diversen Fälle, in der er als der Wahrheitskämpfer für die Sache der Juden eintrat, das ihn in der Geschichte des Judentums unsterblich niaclien wird und für die ihm das gesamte Judentum ewigen Dank weiß. Oberrabbiner Schreiber schloß seine Trauerrede mit den! . Danke an die Vorsehung, die an seine Stelle seinen ragenden Schüler und Mitarbeiter, den ge- Sie weiß, was sie will, die kluge Hausfrau, wenn sie beim Einkauf stets die erprobte und bewährte Märke verlangt. Das bekannte Markenzeichen ist ihr mit Recht Symbol der immer gleichbleibenden Qualität und diese rechtfertigt stets von neuejn das der Marke, entgegengebrachte Vertrauen, Wie vieles von dem Neuen, das fast täglich im Handel auftaucht, verschwindet schon uach kurzer Zeit, weil sich eben nur das beste halten und durchsetzen kann, Meist fehlt dann die langjährige Erfahrung, die den Erzeugern alteingeführter und bewährter Markeuwaren zur Verfügung stellt und die Güte ihrer Erzeugnisse garantiert. Deshalb sehen unsere Hausfrauen beim Einkauf auch dar* auf, daß sie stets die von ihnen verlangte Markenware erhalten und nichts anderes. Aiich Dr. Oetkers Backpulver und Dr, Oetkers Vanillinzucker mit der so einprägsamen :Marke »Heller Kopf« werden seit Jahrzehnten in stets gleichbleibeuder und millionenfach bewährter Qualität er- '•zeugt,, ’was ihre Beliebtheit erklärt. JÜDISCH!. PMSSE nt. 55. ־• genwärtigen Staatspräsidenten Dr. E. BeneS setzte, der ׳ge* ttieittsam mit den änderen Jteifindgtt Regierungspersönlich* keitpn aitf: der, Wählt! seifQverden, daß die Cechoslovakei auch weiterhin der Staat Masaryks, ein Musterstaat der Demokratie und Humanität bleibe,. Nachher wurde vom Oberkantor Löwy mit Chor das Trüuergebel »Kel mote Rachamim« Vörgetragett. worauf nach Absingen der Staatshymne die Feier geschlossen wurde. Vor dieser Trauerkitndgebung hielt auch im Sitzungs* saale der orth, Kultusgemeinde die Gemeindeleitung eine Trauersitzung ab, in der PräSis I. Pappenheim den Vorsitz führte und tlie Größe des Verlustes in eindrucksvollen Worten schilderte. Hierauf wurde der einstimmige Be* Schluß gefaßt, der »Masaryk-Liga« (zur Heilung tiiberku* loser Kinder) eine Spende von K6. 500.— als Kranzablöse aus der Gemeindekasse zitkonitnen Zu lassen. Die Zentralkanzlei der orth, isr, Kultusgemeinden hat in ihrem Rundschreiben auch schon von ihrem bei der abgehaltenen Trauersitzung gefaßten Beschlüsse Mitteilung gemacht, daß jeweils aör Trauertage nach dem Präsiden* ten-Befreier Masaryk in allen Gemeindesynagogen das Trauergebet verrichtet Wörden soll. So gehen uns auch schon von einer Reihe vo.n Gemeinden Berichte über die statf^efundenen Trauerfeiern zu, in welchem Rahmen meist auch durch eine besondere Rede die Persönlichkeit Masaryks durch die Ortsrabbiner ge* würdigt wurde, überall mit Ungemein großer Beteiligung der ansässigen Judenschaft, ,die wir nur wegen Raummangels nicht vereinzelt wieder geben können. S, Schachnowitz in Bratislava. Auf Einladung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe hielt am Isru Chag (Mittwoch) abends der bekannte orthodoxe Schriftsteller und Chefredakteur des »Israelit«. Frankfurt a. M., im stark gefüllten Sääle des Handelsgremiums eine mit großem Beifall aufgeiufminene Rede über das .Thema: »Was. brachte uns die 5. Kenessio Gedaulo?«. auf die wir noch genauer zurückkommen wollen. Hoher Besuch in der Altneusynagoge Prag. An den ersten zwei Sukkotli-Tagen besuchten zwei Gäste des Präsidenten Dr.'Benes, u. zw. der Abgesandte des engl. Königs Graf;Winterton in Begleitung des Ministers Newton und Vizeministerpräsident Leon Blum samt Gefolge die Altneusynägoge. Die Gäste sind seitens des Vorstandes der Synagoge im Namen der Kultusgemeinde feierlichst begrüßt worden. Franzbranntwein jry und jetzt auch ^״־־■ וייי״Z ähn-Creme /ALPA Trauersitzung der Agudas Jisroel-Landeszentralen. In Anwesenheit .’de|:־ gesamten Landesvorstandes der Landes- und Jugendorganisation der Agudas Jisroel wurde am 16. September •in den Räumlichkeiten der Zentrale eine eindrucksvolle Trauersitzung nach dem verstorbenen Befreier-Präsident T. G. Masaryk abgehalten. In sehr bewegter Stimmung ergriff Sr. Ehrw. Herr Oberrabbiner M. L. Eckstein-Sered als Vorsitzender namens der ׳Lahdesorganisation das Wort zur Trauerrede. Redner würdigte in sehr treffenden Worten und Zitaten aus Thora und Talmud die hohe Persönlichkeit des heimgegangenen Altpräsidenten, den Befreier des ßechoslövakischen Volkes. Er würdigte diesen großen Humanist^; Wahrheitssucher und Freund der Gerechtigkeit lind!M§Pschlichkeit mit konkreten Hinweisen auf seine Lebensgeschichte und gedachte schließlich der großen־ Verdienste,״s dfr. sich Masaryk dem Judentum und seiner Lehre gegenüber erworben hat. Und dies auch nur aus dem einzigen. Motiv, durch das er sein ganzes wertvolles und bewegtes Leben leiten ließ, dem unentwegten Eintreten für Recht und Gerechtigkeit. Das gesamte Judentum .und ganz besonders das religiöse, für dessen Bedürfnisse und Forderungen er stets größtes Verständnis und Erfüllung entgegenbrachte, wird das Andenken dieses großen Mannes stets in Ehren bewahren. So schloß Sereder Raw seine inhaltsvolle eindringliche Rede. Hierauf sprach seitens der Jugendorganisation Herr MUC. A. Porges, der die Größe des Verblichenen auf dem Gebiete der Jugenderziehung würdigte, wo ihm das Psalmwort, das er amäßlieh seiner. 75. Geburtstagsfeier im Kreise der Jugend mit tränenden Augen zitierte, als Leitfaden diente: »limnos jomenu ken^ hojda,; werto^i lewaw chochmo«, den Tagen des Lebens Zahlen wert uijd.Wert des Gezähltzu werden zu geben. Nachdem u. a. wichtigen Beschlüssen uach dieser׳ Richtung hin auch der Beschluß angenommen wurde, Beileidstelegramme an die k Familien Masaryks und an den Staatspräsidenten Dr. BeneS abzuschicken. schloß Vorsitzender die Trauersitzung. * Duaajska Streda. Dienstag abends, den zweiten Tag Sukkoth, fand unter starker Beteiligung die vierte ordentliehe Generalversammlung der hiesigen Agudas Jisroel- Jugendgruppe statt. Auch viele maßgebende Bale Batim fanden sich liingezogen, an dieser Versammlung der jugendlichen ■Agucla-Arbeiter teilzuiiehmeu. Ein Umstand, der klar darauf hinweist, daß der Aguda-Gedanke auch schon hier starke Wurzel gefaßt hat. Die Versammlung eröffnete der Vorsitzende der Gruppe, Herr Isidor Löwinger, mit in einer kurzen Ansprache, in der er auch einige pietätsvolie Worte der Würdigung für den dahingeschiedenen Präsideuten-Befreier T. G. Masaryk fand. Schöne und wohlgelungene Referate hielten Adolf Holzer jun., Heinrich Goldstein und Julius Fürst. Den Kassabericht erstattete Lazar Schwarz, den Bericht Uber die im verflossenen Jahre ins Leben gerufene Gemilat Chassidim-Sektion Heinrich Stern, Im Rahmen der Generalversammlung fand auch die Neuwahl des Vorstandes statt. Sie hatte das nachstehend angeführte Ergebnis: Vorsitzender: Isidor Löwinger; Vizepräses: Piukas Weinbergei• jun, und Julius Fürst. Sekretär: Heinrich Goldstein. Kassiere: Heinrich Stern und Miksa Goldstein, Kontrolle; Bela Porjes und Bernhardt Schulz. Repräsentanz; Ludwig Paschkus, Lazar Schwartz,, Ernö Stern, Ernö Wosner, Mor, Kessler, Mor. Kraus, Ladislaus Porjes, I, Stern,; Jakob Porges, M. Melzer. Keren Hajischiiw- Sektion: Pinkäs Weinberger jun, und D. Stern, Schoiure Sehabbos-Sektion: "Ernö Stern. H, A. 2ilina. Wie es bekannt wird; soll iü der allernächste« Zeit die derzeit nwr als Filialgetttdirtde^fiin.gieretvde orth. Gemeinde ihre Selbständigkeit erhalten. Es soll .nämlich die vakante Rabbinerstelle durch eine geeignete, von allen in Betracht kommenden Kreisen geachtete Persönlichkeit besetzt werden, so daß auch hier bald währe«? orth.-jüdischcs Leben seinen Einzug halten wird! Pogromwelle in Polen Die beiden Tage vor dem jüdischen Sukkoth-Fesh Samstag, 18. und Sonntag 19. September, waren schwere Tage für die Juden in manchen Städten in Polen. Die beiden schlesisch-galizischen Schwesterstädte Bielitz und Biala, ih denen eine kulturell hochstehende jüdische Bevölkerung lebt, waren zweimal der Schauplatz wüster antijüdischer Ausschreitungen, wobei der zweite blutige und zerstörerische Exzeß genau vorauszuseheii war und von den Wachorganen nicht verhindert worden war, also als »Pogrom nach Programm« bezeichnet werden kann, In das jüdische Restaurant des Landau jn" Bielitz drang eine Gruppe bekannter Antisemiten ein. ließen sich viel Spirituosen ausfolgen und weigerte sich zu zahlen. Der Restaurateur holte Polizei, welche die Eindringlinge ins Kommissariat abfiihrte. wo sie aber sofort auf freien Fuß gesetzt wurden. Sie drangen ein zweitesmal ins Restaurant Landau ein und demolierten die gesamte Inneneinrichtung. In dem nun entstandenen fürchterlichen Chaos fiel ein Schuß, einer der Eindringlinge, . der christliche Arbeiter Wanot, wurde von der Kugel getroffen und auf der Stelle getötet, Ohne daß hiefür ein Beweis vorhanden War, wurde der jüdische Restaurationsangestellte Norman beschuldigt, den Schuß abgegeben zu haben. Das Restaurant wurde nun vollends demoliert. Inzwischen verbreiteteil Agitatoren das Gerücht, daß ein Jude einen Christen getötet hat. An mehreren Punkten der Stadt wurderi gleichzeitig schwere antijädische Exzesse verübt. In zahlreichen jüdischen-Wohnungen wurden, die Fensterscheiben eingeschlagen, jüdische Läden wurden demoliert, die Wareu geraubt. In Biala wurden auch in der Synagoge die Fensterscheiben eingeschlagen und die Synagoge zum Teil demoliert. Das war am Samstag. Am Sonntag fand die Beisetzung des getöteten Arbeiters statt, an der sich über 10.000 Menschen beteiligten. Schon die Bestattungsfeier gestaltete sich zu einer unheilkündenden antijüdischen Demonstration. Als die Menge von der Trauerfeier zurückkehrt'e, begann der von den Agitatoren angekündigte und doch von der Polizei nicht verhinderte'Pogrom. Die aufgehetzten Massen ,stürmten in 11 ie vornehmlich von Juden bewohnten Sltraßen, schlugen die jüdischen Passanten nieder,' demolierten Wohnungen und Läden, auch die Synagoge wurde zum zweitenmal das Ziel der Zerstörung. Schwer mitgenommen wurde das Haus der jüdischen Kultusgemeinde mit seinen vielen Wohlfalirtseinrichtungen. Die Avantgarde des Pogroms bildeten Schüler und Schülerinnen im Alter \on 12 bis 16 Jahren. Die Polizei war nun den Exzedentep gegenüber machtlos. Die Hauptgeschäftsstraßen der Doppelstaclt bieten ein Bild wüstester Zerstörung, Von den modernen Geschäftsportalen der 2. Mai-Straße und den anderen IJauptgeschäftsstraßeu sind nur jene unversehrt geblieben, deren Besitzer rechtzeitig die Aufschrift »christliches Geschäft« angebracht hatten. Diejenigen christlichen Firmen, die das versäumt haben, wurden ebenso demoliert wie die jüdisehen Firmen. Die Waren wurden entweder zerstört oder geplündert. Zahlreiche Juden wurden nicht nur durch Schläge,,. sondernauch,. durch Steinwürfe,.und; vG;lassplitte1• Aerletzt. Auch in der Umgebung von Bielitz-Biala kam es zu schweren Ausschreitungen. Erst in den Abendstunden trafen aus Krakau und aus Kattowitz Polizeiverstärkungen ein, die die Ruhe wiederlierstellten. Zahlreiche Verhuftungen wurden vorgenommen, unter den Festgenommeuen bolinden sich besonders viele Juden. Am Freitag, den 24. September, war die Doppelstadt Bielitz-Biala der Schauplatz eines vierten Pogroms im Verlauf einer einzigen Woche, tlei־ alle drei bisherigen an Grausamkeit und Zerstörungswut übertraf. Am Freitag wurde in Bielitz der angeblich durch einen Stein schwerverletzte Reservejeutnant Gorny durch den Spitaldirektor aus Biala genau untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß bei Gorny keine Verletzung durch einen Stein oder einen anderen Gegenstand vorliegt, sondern daß die linksseitige Lähmung auf einen Schlaganfall zuviickzufähren sei. Die Kultusgemeindeh von Bielitz und Buila ersuchten wiederholt die Polizeidirektionen der beiden Städte, diesen Tatbestand durch Plakate der Bevölkerung mitzuteilen, damit sie endlich beruhigt werde. Dieser Bitte wurde nicht willfahrt. Der Verband' der Reserveoffiziere und Reservisten-berief für Donnerstag eine Versammlung in Bielitz ein, lim 6. . Obwohl die Versammlung der Offiziere von der Bezirkshauptmarmschaft Bielitz verboten wurde, fand sie statt. An ihr nahmen etwa 10.000 Personen teil. Alle Redner legven den Juden d>e Schuld an dem Ueberfall zur Last. Nach der Versammlung zogen die Teilnehmer, verstärkt durch Leute, die aus der ganzen' Umgebung nach Bielitz gekommen waren, durch die Straßen Von Bielitz und Biala und zertrümmerten in sämtlichen jüdischen Ge- 3rhaften dir Auslageuscheibeu, Durch Dienstboten und Hausmeister wurden die Plünderer in die Häuser geleitet und ihnen die Wohnungen gezeigt, in denen Juden wqhneu. Es blieb kein Fenster ganz. Die Exzedeuten schritten gleich darauf ans Plündern, das bis 1 Uhr früh dauerte. Die Polizei tat ihr möglichstes, um die Plünderungen, zu verhüten, war jedoch den Massen nicht gewachsen, Die Menge erging sich in Schmähungen gegen jene Polizisten, die Verhaftungen vornehmen wollten. Auch gegeu die Behör den wurden Schmährufe laut. Als bekannt wurde, daß trotz des Verbotes die Versammlung der Reservisten stattfinden werde, flüchteten mehrere jüdische Fabrikanten in Autos nach Teschen; sie richteten noch Donnerstag Abend ein Telegramm an Marscliall Ryclz-Smigly, in dem sie militärische Hilfeleistung und Schutz gegen die Plünderer fordern und zugleich bekanntgeben, daß sie sieh gezwungen sehen, ihre Betriebe zu sperren, ' In Bielitz wurde die Nachricht verbreitet, daß Gorny gestorben sei und außerdem noch eine Frau, die in Biala auch durch einen Stein getroffen wo.rdeu sei. In den polnischen Schulen in Biala forderten die Lehrer die Schüler auf, sich korporativ an dem Leichenbegängnis der »Judenopfer« zu beteiligen. In den christlichen Häusern bzw, Wohnungen sollen Kerzen angeblich wegen dieser Begräbnisse gebrannt haben, i1if Wirklichkeit aber um diese Häuser zu schützen, Die neue Welle deV pogromartigeu Ausschreitungen in einer Reihe von ■polnischen Stiften, die am Vorabend des Sukkoth-Festes in Bielitz ihreii Ausgang nahm, hat während der Sukkot-Feiertage auf Warschau uud, eine Reihe anderer polnischer Städte übergegriffen, |n den Abendstunden des Montag, 20, September, rottete sich in der Ciepla- und in der GrzybowsKustraße eine Bande von