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Jüdische Presse · 1937-09-03 · 29-30 (3.9.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
29-30 (3.9.1937)
Date
1937-09-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 jüdische presse Mrä mm. setze« zu wolle«. hieße ih«e« zu viel Ehfe er* weisen. Man merkt ihre Absicht und ist — n i c 111. verstimmt. Daß Gedatflo Hathora und Zadike Hader ihre Argumente aus den heiligen Schriften herleiten, ist nur natürlich, denn all ihr Denken und Trachten fließt aus diesem heiligen Born* Daß trotzdem gewisse Meinungsverschiedenheiten sich zeigten, hat gleichfalls wenig zu bedeuten, »litt we-ilti diwre elokim elmji«1.<* Gerade dieser Umstand zeigte, daß es sich um keine mechanisehe Gleichmacherei, sondern tim Empfindungen und Deutungen handelt, wie sie seit jeher in der jüdischen Gelehrtenwelt üblich waren und sind.• Wenn aber die; Gegner auch den Versuch machen, an dem Verlaut und an den Beschlüssen der K. G. böswillige Kritik zu üben. um auf diesem Wege die Basis der Weltorthodoxie ersehnt* tern zu wollen, so handelt es sich um einen klag־־ liehen Versuch mit untauglichen Mitteln. Es ist absurd, der Orthodoxie, die seit Jahrtausenden die Fahne der Thora hochliielt, die für die G—tteslehre gelitten und geblutet hat, das Recht absprechen zu wollen, in Angelegenheiten, die den' Klal-jisroel betreffen, ׳ mitspreclien zu dürfen. Wer im Namen einer viertausendjährigen Tradition, im Namen einer Thora spricht, die unter Donner und Blitz am Sinai verkündet wurde, der hat mehr Recht zur Mitentsclieidung als diejenigen, die als Wortführer eines kaum 40 Jahre alten Programmes auf treten. Und wenn der Aguda vorgeworfen wird, daß sie sich bislang dem Jischuw Erez Jisroel gegenüber passiv und sogar negativ verhielt, jetzt aoer ihren Anteil an den Früchten der Arbeit des Zionismus fordert, so wird über- Sehen, daß das orthodoxe Judentum durch Jahrhunderte den Zusammenhang zwischen Erez Jisroel und der Gola aufrecht erhielt, daß es ohne dem vielgelästerten »alten Jischuw« keinen neuen hätte geben können. Die vielgeschmähten »Chalukka-Juden« bildeten den Grundstock des Jischuw Erez Jisroel und das Band, das das jüdische Volk mit seinem Lande zusammenhielt. Daß die Aguda sich erst später zur aktiven Arbeit im Erez entschloß, das lag• in der Natur der Dinge. Sie mußte zuerst innerlich erstarken, um ihren Einflufi in die Waagschale werfen zu können. Heute ist. sie so weit und keine hämische Glosse, keine böswillige Verdrehung der Tatsachen wird es vermögen, ihr das Recht abzustreiten, mitreden und mitbeschließen zu dürfen. Wenn man sich aber erdreistet, von der großteh zeitgenössischen Gedaulo Häthora und von eien weltberühmten Rabbis mit ihrer nach Tausenden und aber Tausenden zählenden Anhängerscliaft als von Männern zu sprechen, deren Namen das jüdische Volk überhaupt nicht kennt', während man jedes großsprecherische Jiingel als »Staatsmann« feiert, wenn es nur zionistisch schillert — so macht man es der Aguda sehr leicht, über diese Argumentation zur Tagesordnung überzugehen. Die Weltorthodoxie, die in der Agudas Jisroel organisiert ist, hat den Beweis ihrer Kraft ge- :liefert; sie beansprucht kein Monopol für sich, aber ein solches■ für die heilige Lehre vom Sinai. Im Zeichen dieser Thora wird sie ihren Kampf mit G—ttes Hilfe bis zum Endsieg führen. Iu ihrem Lager ist das unverfälschte Judentum! Die Schlußsitzung d&t Kettessio Gedaulo Art Dienstag um 5 Ühr werden zunächst Verschiedene. Resolutionen angenommen. Dann schreitet Mäh zu den Wahlen für die Exekutive, den erweiterten G. Ä. und den Ze n t r a 1 r a t, Während hie Wahl der für den Z e nt r a Ir a t vorgeschlagenen Männer per Akklamation einstimmig bestätigt wird, spitzt sich die Wahl für den G. A. ein wenig dramatisch zu. Präsident Rosen heim macht seine Wahl Ztittt Präsidenten von der Mitarbeit Dr. Breuers, Dr. Ehrmanns, Goodmans und Dr, Lewehsteins (Zürich), abhängig. Dr. Breuer erklärt aber, daß, nachdem seine Vorschläge nicht ganz seinem Wunsche gemäß artgenommen worden sind, Cr nicht in der Lage sei, die Verarttwortung mitzutragen und die Wahl anzunehMen. Auf Antrag von J. M. Lewin wird zunächst der Wand Hapoel (erweiterte Exekutive׳ von 31 Mitgliedern) gewählt, dem überlassen wird, die Exekutive endgültig zu wählen. * ' Die Leitung der Ägnda. In den Waad Hapoel (Aktionsrat) werden ge-* wählt: Jacob RosenKeim (London), Dr. PinChas Konn (Rabbiner in Ansbach), Jizchok Meier Lewin (Warschau), Dr. Jizchak Breuer (Jerusalem), Dr. Salomon Ehrmann (Frankfurt am Main), Rabbiner Moses Blau (Jerusalem), Rabbiner Jakob Henoch Sienkiewitz (Jerusalem), Elieser Sirkis (Jerusalem), Salman Jankelewitz (Bene Berak, Poale Agudas Jisroel Palästinas), Rabbiner Schmttel Dawid Ungar (Neutra), Rabbiner Mosche Oscher Eckstein (Sered), Rabbiner M. S. Friedmann (Sadagora-Premysl, Großrabbiner), Rabbiner Salman Sarotzkin (Lttck), Rabbiner Tobias Horowitz (Sanok), Rabbiner Zwi Hirschhorn (Jaworschna, seitens der Jugend), Senator Trokenheim (Warschau), Sejmdeputierter L. Minzberg (Lodz), Mosche Lerner (Warschau), Elias Mazur (Warschau), Alter David Franzbranntwein und jetzt auch Zahn-Creme ALPA Kuvzmaim (Krakau), Elieser Gerschon Frydensohn (seitens der Benos Agudas Jisroel), Falk Landeniberg (Lodz, seitens cler Poale Agudas Jisroel Polens), Chajim Jisroel Eiss (Zürich), Henry Pels (Hamburg), Fischei Gelernter (Berlin, seitens der deutschen Jugend), Mordechai Dubin (Riga), Rabbiner Mordechai Katz (Telsiai), Dr. Simon Wittenberg (Riga), Kalman P a p p e 11h e i m (Wien), Rabbiner W. S. Jacobson (Kopenhagen),. Harry Goodman (London), Benjamin Citrön (Rumänien), David Ali el mann (Tigenai, Bessarabien). Stellvertreter: Moses Deutscher (Krakau), Mosehe Hirschsprung (Lemberg), Dr. Falk Schlesinger (Jerusalem),!Schmuel Sehereschewski (Kaunas), Rabbi S. D. Laski, Rabbi J. Schub. Der Waad Hapoel wählte aus seiner Mitte eine Exekutive bestehend aus: Jacob Rosen heim als Präsidenten (gewählt im Plenum der Kenessio), Dr. Pinclias K o .11 n und J. M. L e w i n als Vizepräsidenten, ferner aus Dr. J. Breuer, Harry Goodman. Dr. Salomon E h 1־ m a n n, Heinrich Eiseinan n (London). Rabbiner Schuw (Wilno), St. Laski (Sampolno), Mosche Blau (Jerusalem). Rabbiner Tobias Horowitz wurde mit der Organisierung und dem Sekretariat der Moazas Chachme Hathora (Raibbinischer Rat) betraut. Resolutionen der Kenessio Gedaulo. Folgende Resolutionen finden einstimmige Annahme der Versammlung: ־ . Appell für Tfetota (vorgelegt von der Ghmüch^&oMMisaiö«)* Die HL Kenessio Gedaulo der Ägttdäx jistoeb än der sich Gaoniitt tiftd. Zaddikim der ganzen Welt beteiligt haben, erinnert an die große und heilige Pflicht von Limmud- Hathora für Jeden Juden* Sie ermahnt alle, die dazu in der Lage sind, an die unbedingte Verpflichtung, die Thora-Anstalten zu unterstützen, angesichts der Tatsache, daß die Thora der Grundpfeiler der Existenz des jüdischen Volkes ist. Sie verweist auf die Tatsache, daß die Thbra das einzige ist, was dem jüdischen Volke Kraft und Mut zur Erhaltung seiner Eigenart unter den Völkern gibt. Sie ruft das ganze religiöse Judentum zu einer verstärkten Arbeit für Limmud-Häthora, zur Verbreitung und Unterstützung der Thora auf, Zur Erhaltung der bereits existierenden Thora-Lehr- und -Erziehungsanstalten, der großen und kleinen JfeschiwaUs, der Chadörim. der Talmud Thora- und Beth Jakob-Schulen, zur Einrichtung von Abendkursen für Jugendliche, Arbeiter und Baale Batim, vor allen Dingen , zur Gründung solcher Institutionen überall dort, wo sie noch nicht existieren. Den Rabbonim und denen, die. sich mit Zorche Zibur beschäftigen, obliegt in jedem Land und jeder Stadt die Pflicht, einen Teil ihrer Zeit, wenigstens einen Monat im Jahr, der Stärkung oder Gründung von Thora-Anstalten in ihrem Wirkungskreis zu widmen. Alle Juden, die nur irgendwie dazu in der Lage sind, haben die Verpflichtung, die nötigen Mittel zur Erhaltung dieser Thora-Erziehungsanstalten zur Verfügung zu stellen. sei es durch regelmäßige Spenden, sei es durch Sonderschenkiingen bei bestimmten Gelegenheiten. Die Kenessio Gedaulo ruft alle Kreise des jüdischen Volkes zu gemeinsamer Arbeit auf, um in gemeinsamem Streben die Thora und die ihrer Erhaltung gewidmeten Anstalten über die jetzige schwere Zeit himiberzuretten und dadurch die Existenz des jüdischen Volkes als Volk der Thora zu gewährleisten. * Appell zur Selbsterziehung und Teschuwoh. Angesichts der schweren Lage des jüdischen Volkes in der jetzigen Zeit, angesichts der gewaltigen Wellen von Haß und Feindschaft, die von Land zu Land gehen und das jüdische Volk allüberall umbranden, die die jüdischen Menschen in ihrer wirtschaftlichen Existenz vernichten und sie in ihrer persönlichen Sicherheit bedrohen, angesichts der großen Ereignisse, die in der letzten Zeit die Welt erschüttern, in denen wir den Finger G—ttes zu erblicken haben, aus denen uns die mahnende Stimme der Vorsehung־ entgegentönt, angesichts all dem Vorhergesagteu und in Erkenntnis aller dieser Ereignisse wendet sich die 111. Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel, der viele der größten Gaoniin und Zaddikim unserer Generation beigewohnt haben, mit lautem, bittendem Ruf zum jüdischem Volk: »Am Haschern, chisku wenischasku. Volk G—ttes, stärke Dich und Du wirst gestärkt sein«. Die Leiden und Nöte großer Teile unseres Volkes mögen uns nicht zur Verzweiflung bringen. Gleich wie unsere Ahnen gerade in den schwersten Momenten ihres Lebens, so müssen auch wir im tiefen Glauben an den Hüter Israels uns selbst stärken und uns innerlich aufrichten. Die tiefe Ueberzeugung, daß gerade aus .der jetzigen Finsternis, aus den jetzigen Leiden und Nöten unseres Volkes Hilfe uncl Trost ausstrahlen werden, sei uns Trost und Aufrichtung für die gebrochenen und geplagten GUeder unseres Volkes. Mögen wir die Warnungen und sichtbaren Zeichen der Vorsehung verstehen, mögen wir mit gemeinsamen Kräften zu unserer eigentlichen Urquelle, zur Wurzel unseres Volkslebens, zu G—tt und seiner Thora zurückkehren, zurückkehren durch Teschuwoh und •Maassim tauwim. Alle Verirrten und vom wahren Judentum abgefallenen Brüder, die durch die rauhe Rute unserer Feinde an ihre jüdische Abstammung gewaltsam erinnert wurden, mögen endlich zu uns, zu ihrem Volke zurückkehren, zu seinem G—tt und zu seiner Thora in vollkommener Teschuwoh. Nicht seien sie zufrieden mit der äußerlichen Rückkehr, mit dem bloßen Bekenntnis zum jüdischen Volk, ohne innere Jiklischkeit. Kehren wir alle, zurück zum wahren Judentum, zuin Judentum unserer schriftlichen und mündlichen Lehre, zur Befolgung der Mizwaus. Mögen wir beweisen, daß die offensichtlichen Mahnungen der Vorsehung ihre Wirkung erzielen, daß wir aus dem Weltgeschehen gelernt und die &ee fttef mm Vom Ljuliawitscher Rebben. (Aus dem Jiddischen übertragen von Meir Bogner.) ׳ Der Ljubawitscher Rebbe, eine der bedeutendsten Führergestalteii des zeitgenössischen thoratreuen Judentums, ist der großen Oeffent- Iichkeit nicht nur durch sein äufopferungsvolles Wirken, sondern auch durch seine zahlreichen, teils in hebräischer, teils in jiddischer Sprache erschienenen Abhandlungen über Chassidus und Mussar bekannt. Wir veröffentliehen im nachfolgenden die eben erscheinende deutsche Übersetzung der clas Rosch Haschonofest betreffenden Abhandlung. Die Red. . L Heute (am Rausch Haschono) ist dev Geburtstag der Welt und aller Geschöpfe, heute erscheinen die Geschöpfe aller Welten vor dem g—ttliclien Gerichte, sei es wie Kinder (vor ihrem Vater), sei es wie Knechte (vor ihrem Herrn); wenn wie Kinder, dann erbarme dich unser, wie sich der Vater seiner Kinder erbarmt, wenn aber wie Knechte, dann sind unsere Augen (im Gebete) auf Dich gerichtet, bis Du uns gnädig bist und über uns einen Richterspruch (freudvoll) wie Licht ergehen läßt. Furchtbarer, Heiliger! (Aus dem Mussaphgebete von Rausch Haschono.) Sei es wie Kinder, sei es wie Knechte... ,; Es gibt g—-ttliche Gebote, die der Mensch erfüllt mit der liebevollen Hingabe eines Kindes an den Willen seines Vaters, andere aber erfüllt-er nur mit Selbstiiber- Windung wie der Knecht, der dem Befehle seines Herrn gehorcht. So erscheint der Mensch am ■Rausch Haschono vor dem g—ttlichen Richterstuhle wie ein Kind vor seinem Vater oder wie ein Knecht vor seinem Herrn. Wohl wiegt die Sünde des Kindes gegenüber seinen Eltern mehr als die ׳des Knechtes gegenüber seinem!Herrn, Wir bitten daher an dem Tage des Gerichtes um das liebevolle Erbarmen des Vaters für sein Kind; sollten aber, G—tt behüte, unsere Handlungen uns dieser Barmherzigkeit als unwürvdig erweisen, so bittep wir um die Milde, des gütigen Herrn für seinen Knecht. ׳ Furchtbarer, Heiliger! v ■־' Das erste dieser beiden Prädikate weist auf die aiiiendliche Erhabenheit der־ g—ttlicheu Majestät hin, das zweite aber auf die uneudliche Demut, die in der Herablassung des Heiligen, gelobt sei Er, selbst zu seinen ׳ niedrigsten Geschöpfen: liegt. Im Bereiche des Menschlichen, schließen Majestät und Demut einander aus. der Heilige, s. E,. aber vereint sie in sich und dies gibt uns den ut, vor Ihm im Gebet hinzutreten und Erbarmen zu erhoffen. י * Durch jede Tat des Menschen wird ein Engel erschaffen, der diese Tat am Tage cles Gerichtes vor dem Weltenrichter bezeugt. So legen dann die guten Werke, bzw. die durch sie erschaffenen Engel gutes Zeugnis für den Menschen ab, die bösen aber belasten ihn. Und ■23 weist dann der Satan (= Ankläger) auf die Schuld des Menschen und fordert von der g—ttlichen Gerechtigkeit restlose Bestrafung für den Sünder. Es ist aber, nach dem Worte unserer Weisen (Bab. bath. 16 a) dieser Satan (= Ankläger) derselbe, der als böser Trieb den Menschen zuerst zur Sünde verleitet und schließlich als Todesengel am Körper des Menschen das Vernichtungswerk vollführt. Der Satan, so sagen sie ausdrücklich, steigt herab (zum Menschen) und verführt ihn, hierauf steigt er empor (vor den g—ttlichen Richterstuhl) und klagt ihn an. Es geht der spätere Ankläger zunächst bei seinem Verfiihrungswerke als böser Trieb sehr behutsäm vor. Anfangs regt er den Menschen nur zu erlaubten Genüssen an. wie gutem Essen, gutem Trinken usw., doch allmählich von Stufe zu Stufe führt er den Menschen schließlich zum tiefsten Grade sittlicher Entartung, wie unsere Weisen sagen (Sabbath 102 b): Dies ist die Art des bösen Triebes: Heute sagt er zum Menschen »Tue dies!«, morgen »Tue jenes!«, bis er schließlich zu ihm spricht: »Uebe Götzendienst!« Ist ihm nun die ״ völlige Umgarnung des Menschen gelungen, so erhebt er sich ■am Tage des Gerichtes als Ankläger gegen den ■Sünder — mag derselbe die getane Schuld schon längst aufs bitterste bereut haben —. fordert strenges Recht und bittet um die Ermächtigung, als Todesengel nach der Seele des Sünders zu greifen. Dies meinen unsere Weisen, wenn sie sagen: Der böse Trieb ist in seinem Anfänge süß, in seinem Ende aber bitter. Süß sind seine Worte, mit denen er den Menschen zur Sünde verführt, bitter aber jene, mit welchen er hernach, Bestrafung heischend, gegen den zu Fall gebrachten Menschen als Ankläger auftritt. Doch der Weltenschöpfer» er ist, wie oben bereits gesagt, wohl furchtbar, wohl Weltenrichter, aber auch heilig, d. h, sich seiner Geschöpfe in Liebe erbarmend. Wie* der Vater seinen Sohn, so will auch Er den Menschen nur auf den rechten Weg führen, und bestraft ihn nur, wenn er das Unrechte erwählt und an ihm festhält. Nicht Bestrafung, ist der göttliche Wille,, sondern Umkahr des Sünders vom schlechten znm guten Wandel. Zu jedem Frevler, zu jeder irrenden, Menschenseele ist G—ttes Blick gerichtet in Erwartung, daß er umkehre, wie es heißt: Du reichst die Hand den Frevlern und Deine Rechte ist entgegengestreckt den Umkehrenden. Nicht die Vernichtung, sondern die seelische Genesung des Frevlers ist sein Wille, wie es heißt (Ezechiel 33): Sage ihnen: So wahr ich lebe, ist der Ausspruch des Ewigen, so will ich nicht den Tod des Frevlers, sondern daß er umkehre von seinem Wege und lebe. Ebenso heißt es (Jesaja 57): Es verlasse der Frevler seinen Weg und der Mann der Schuld seine Gedanken und kehre zurück zum Ewigen und er wird sich seiner erbarmen und zu unserem G—tte, denn Er i§t reich im Verzeihen. Der Gerichtstag am Rausch Haschono ist ein Tag des Zitterns ■für alle Geschöpfe. Denn an ihm ergeht für sie alle der Richtspruch, wie es in der Misehna heißt: Am Rausch Haschono ziehen alle Weltenbewohner vor Ihm (zum Richtspruch) vorüber wie Schäfchen, die man (zutn Zählen) durch eine enge Pforte führt (d. h. einzelweise). Es ist ein Tag des Zitterns und des Schreckens, denn an diesem Tage wird das Geschick eines jeden Geschöpfes für das ganze kommende Jahr bestimmt. Nicht nur für die irdischen Wesen ergeht an diesem Tage der Richterspruch, sondern ebenso auch für die Himmlischen. Auch für die Engel und die im Paradiese weilenden Seelen wird an diesem Tage das Maß des ihnen im kommenden Jahre zuteil werdenden Guten festgesetzt, sowie für sie am Jom Kippur auch Sühne erfolgt. Darum wird am Jom Kippur »Maskir« (das Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen) gebetet. Man erwähnt im Gebete die Seele der Eltern und aller Frommen und spendet zu ihrem Seelenheil für wohltätige Zwecke. Die Seelen der ♦Eltern und Frommen!beten an diesem Tage zum ׳Heiligen g. s. E., daß er Erbarmen haben möge mit ihren!Nachkommen und Schülern und ihnen ein ,gutes gesegnetes Jahr geben möge. , ״v«cu urni uer erste acnopfungstag am 25. Tage des Monates Ellul gewesen sei. Da wir ■nun Rausch Haschono am ersten Tage des Monates lischri teiern, so ergibt sich daraus, daß dieser Tag, mit dem das neue Jahr beginnt, und an welchem Uber das vergangeue Gericht gehalten wird, der letzte der sechs Schöpfungstage gewesen ist, jener Tag, an welchem der Mensch erschaffen wurde, ׳Nicht von dem Tage der Erschaffung vou HimmeLund Erde, nicht von dem der Formung Von Sonne,; Mond uncl Sterne, Meere, Pflanzen ׳und Tiere, lediglieh von dem Tage der Erschaffung des Menschen wird dfr Beginn des Jahres und dec Anfang der Welt gerechnet, wie es im Gebete heißt: Dies ist der Tag de« Beginnes Deiner Werke, Erinnerung an den ersten Tag. Warum dies? ■ . Weil der Mensch als in zeitlicher Hinsicht letztes aller Geschöpfe ihnen doch im Geiste des Schöpfers vor-

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