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Jüdische Presse · 1937-09-03 · 29-30 (3.9.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
29-30 (3.9.1937)
Date
1937-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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v ד<י ׳ Nö»i#6,e v#t>Ialt16 pw#!en£ fiadH p#St S telegfäfov » BfaMare Hs. J13».ttt.& Javnaf e*1i&li6 ptf WIEN-BRATISLAVA m J, S t'/i 23. Jahrgang / Nummer 29/30 Redaktion tt«d Administration: Wien, II, MaUgasse 12ä, Telephoii־<Nr, A-46-0-15; Tschechoslowaker: Bratislava, Repüblikpiätz Nr. 3?, Postfach 3S1 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlnfi: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 130, das übrige Ausland Schw, Fr, 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für »Jüdische Presse«, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr, 122.619; für »Jüdische Presse«, Bratislava*. Prag Nr. 53.386.!תדצ״דתרצ״דו (K-l). Nun geht wieder ein Jahr־ zu Ende — ein schweres Jahr, voller Leiden und Drangsale, voller Sorgen und Lasten. Nie vielleicht hat der übliche jüdische Neujahrswunsch »Tichle schana we-killelosseho« (es gehe zu Ende das Jahr und seine Flüche) mehr Berechtigung gehabt, als gerade jetzt. Das jüdische Volk verlebte das ganze Jahr hindurch schwere Tage. Politischer Druck, Diffamierung und Beraubung der Menschenrechte in einem großen Reich, Verfolgungen, Exzesse, wirtschaftlicher Druck, große Not und Massenelend in anderen Ländern, Unsicherheit und ernste Sorgen um das, was der nächste Tag bringen könnte, in manch anderen Staaten. Jeder Tag brachte neue Hiobsposten, aber keinen Trost Und keinen Lichtschimmer. Selbst an die Grundlagen des Judentums, an seine geistige Potenz, wurden und werden Minen gelegt. Schechitaverbote und -Einschränkungen bedrohen das Kasch- ■ruth-Leben, eine geplante Kalenderreform kann große Gefahren für den Sabbat zur Folge haben. Mit einem Worte: überall nur Schattenseiten. Der Plan eines Judenstaates hat wochenlang die Gemüter in Spannung und Erregung versetzt. Ob darin das Anzeichen einer »Atchalta de- Geula«, die erste Etappe der verheißenen Erlösung zu erblicken ist, bleibt abzuwarten. Eines aber ist sicher: die »Chewle Moschiach«, die? Qualen der Messiasperiode sind da in ihrer ganzen Furchtbarkeit, gerade so, wie sie im Talmud, in■ der letzten Mischna des Traktat Sota vorausgesagt worden sind. Diese Erscheinungen sind so bedrückend, daß man fast geneigt ist, den Aus- Spruch eines Talmudweisen sich zu eigen zu machen: Der Messias möge, kommen, aber ich möchte nicht dabei sein! Die Entwicklung der Dinge ist hinlänglich bekannt, als daß es einen Sinn hätte, sie noch einmal vor unserem geistigen Auge Revue passieren zu lassen und all diese passiven Posten unserer Jahresbilanz nochmals anzuführen. Es bringt wenig Nutzen, in den eigenen Wunden zu wühlen und diese, immer wieder aufreißen zu wollen. Wir Juden sind ein »Am melumod bezauruas«, ein an Leiden und Drangsalierungen gewohntes Volk, aber auch ein »Am melumod benissim«, ein Volk, dem immer wieder Zeichen und Wunder geschehen. Wo die Not am höchsten, ist C—tt am. nächsten. »We־en lonu lehischoen ela al owinu schebaschonajom«, wir können uns nur auf. den Vater im Himmel stützen und von der g—ttlichen Vorsehung Hilfe erwarten. Diese Hilfe ist uns nie versagt worden. Voraussetzung ist, daß wir uns derselben würdig erweisen. Und gerade die heranrückenden »Jomim nauroim« sind dazu bestimmt, in unser eigenes Leben einen Einblick zu tun und Untersuchungen anzustellen, ob wir das Recht, haben, Hilfe zu erwarten. Wir sind leider noch weit entfernt davon, die Schlußfolgerungen aus den Ereignissen zu ziehen; wir geben uns noch immer dem Wahn hin, es könnte uns mit politischen Mitteln und Mittelchen geholfen werden; wir erwarten noch immer Hilfe von Menschenseite, verlassen uns auf die Wirkung von Deklarationen und Deklamationen, vertrauen auf den Effekt von Kundgebungen und Manifestationen, Und wenn sich die Großen der Thora versammeln und den Versuch machen, im Namen und auf den Grundlagen der Thora zu den Tagesfragen Stellung zu nehmen, dann werden sie verlacht und verspottet, bekämpft und heleidigt. Und doch war es immer nur die heilige Thora, die uns in den Tagen der Not beigestanden ist, »We־en lonu schijur rak hathqra hasaut« — die heilige Lehre ist unsere letzte Zuflucht, und wenn wir ihr treu bleiben, wenn wir den Weg zu ihr zurückfinden, dann könnten wir allen Gefahren widerstehen. »Kol sman schejisroel aussin rezaunau schel mokaum, ein kol uma we־lausehaun jechaulo lischlaut hohem« (Insolange die Juden den Willen des ewigen Vaters im Himmel erfüllen, kann kein Volk ihnen dauernd Böses zufügen). Wir haben vieles erlebt und mitgemacht, sind aber aufrecht geblieben. Wir erheben bittere Klagen am Tischa beab, aber, schon wenige Tage nachher ertönt das Trostwort des Propheten »Nachmir, nachmu ami« (Tröstet, tröstet mein Volk!). Und so wollen wir uns auch heute nicht der Verzweiflung hingeben, sondern »nisso lewowenu el owinu schebaschomajim«, unsere Herzen gen Himmel richten. Wenn wir den Wunsch zum Ausdruck bringen »Tichle schana we-killelausseoh«, so schließen wir daran das zuversichtliche Gebet: תהל שנה וברכותיה ג Zu ראש השנה Für das Innenleben sind diese Tage bestimmt, um Klarheit darüber uns zu geben, welchen Einfluß die äußeren Ereignisse, deren ‘Miterleber wir im Laufe der schwindenden Jahreära. gewesen, auf uns ausgeübt haben, wie weit wir in diesen die Stimme des Allmächtigen vernommen haben oder nicht. Innerhalb" dieser Grenzen ergibt sich dann aiich, ob wir an Herz, Geist und Gemüt gesund sind oder nicht. Wer aber‘könnte sagen, daß diese drei Komponenten seines Innenlebens 'Vollkommen jung, stark und rein sind? Das hatten wohl unsere Weisen s. A. im Sinne, wenn sie ankniipfend an das Wort, daß da keiner so tadellos auf Erden sei, der nicht doch irgendwie einmal in Weg und Ziel sich irrte, uns von drei ragend großen Menschen erzählen und künden. Einst, so lassen sie sich vernehmen, einst hatte sich eine gewaltige innere Unruhe des Königs David bemächtigt, sein Herz pochte und schlug, er wand sich und suchte vergebens seinem Fühlen in dichtendem Wort Ausdruck zu verleihen. Da vernahm er die Stimme seines Schöpfers: Mein Kind, was siehst du? Und endlich rang׳ es sich von ihm, das erlösende Wort und er flüsterte: »G—tt, höre mein Gebet«. Jahrhunderte später, und dasselbe widerfuhr dem Propheten Chabakuk, auch in ihm wogte es und sein . Geist war unbefriedigt und ünbefriedet. Auch er vernahm des Vaters Stimine: Mein Kind, was suchst du? Da ward ihm Klarheit, und er stammelte: Alles, mein Vater, was ich bisher vor Dir gesagt, war Irrtum; nun da ich Dein Wort vernommen, durch/.ittert mich die Ehrfurcht der Wahrheit. Aber 11m ein ganzes Jahrtausend früher hatte sich einst auch angesichts der Untreue des Volkes gegen seinen Erloser des Moses eine erregende Unruhe bemächtigt. Sein Gemiit war krank geworden in dem Gedanken, daß vielleicht alles, Erlösung und Offenbarung, vergeblich gewesen wäre. Doch in dieses Dunkel drang die Stimme des Allmächtigen: Mein Kind, was suchst du? Ach, verzeihe die Schuld dieses Volkes. Soweit die Erzählung. Sie hat uns manches zu sagen, dem kranken Herzen vor allen Dingen. Sorge, daß du ilfein ganzes Ich mit all seinen Schmerzen in dein Wort und in deine Träne legst. Wenn der Zeiten Lauf dich kränkt und erdrückt, dann magst du betend dich über der Scholle Schwergewicht erheben, und haft du so dich gefunden, dann bist du gesund und mäßig ebbt der starmische Herzschlag in sanftes Pochen hinüber, denn du bist nicht mehr allein und einsam. Doch viel schwerer ist es, dem irrenden Geist zu helfen. Denn alles Irren hat fiiglich letzten Endes seine Wurzel in allzu großem Selbstvertrauen. Haben wir nicht mehr als ein Jahrhundert an diesem Uebel gelitten, an der Ueberheblichkeit der Vernunft. Pocht ja deren stolzes Wort sogar an die Pforte der Ewigkeit. Darum, bevor wir uns anschicken, in den Tagen des Ernstes und der!Buße, der Heiterkeit und dev Sühne uns zu, G—tt. zu finden und seine Wege zu uns zu ahnen, ist es vonnöten, daß wir die Möglichkeit des Irrens in allen Aeußerungen des Geistes in uns und um uns erkennen. So gewinnt der Schlußäkikord des oschamnu-widduj die Bedeutung einer völligen Genesung zum bescheidenen Siclmusleben unseres Wissens und Denkens. Dies endlich zeigt unserem Gemüt den einzigen Ausweg aus der sogenannten Judenifrage. Da raten so unendlieh viele Kreise und wenn in diesen Tagen unser bebendes Leben über uns selbst hinausragt, dann stehen auch Wir besorgt vor dem Schicksalsrötsei des jüdischen Volkes. Es durchzittert uns; doch träumend erkennen wir die gerade Linie, die sich durch diese dreitausend Jahre zieht und ahnen die Zusammenhänge zwischen G—ttesr ferne und Geschckesschwere. Dann beten wir mit Mose selach no, und freudige Hoffnung ist die Gabe des Festes, Frühlingsrausch eines von Verheißungen umsöhmeichelten Gemütes. P. K. Hatk dee Ke*essi6 Qedaute Der imposante Verlauf der UL Kenessio Gedaulo hat sowohl die Anhänger als auch die Geg- 11 er der Agudas Jisroel überrascht. Die Zahl der Delegierten und der Gäste war doppelt so groß, als angenommen worden war. Wenn die äußere Regie, trotz aller organisatorischen Vorarbeiten, infolgedessen nicht ganz klappte und sich hierbei einige Unzulänglichkeiten zeigten ־— was den Gegnern zu hämischen Glossierungen Anlaß bot — so hat dies dem gewaltigen Gesamteindruck nicht im geringsten Abbruch getan — im Gegenteil, die K. G. machte den Eindruck eines Naturparkes, der wesentlich bezaubernder wirkt, als ein künstlich gehegter und gepflegter Park. Der gauze Verlauf gestaltete sich natürlich, elementar, impulsiv, die Herzen und die Seelen sprachen mit, die Begeisterung, die Gefühle und Empfindungen gelangten zum Ausdruck, Jeder sprach, wie ihm seine Ueberzeugung diktierte; die Worte dienten nicht dazu, die Gedanken zu verbergen. Man sttind nicht unter dem Druck eines Klubzwanges, einer aufgedrängten Disziplin, JUl dies mag man״ ehern, dem der äußere Schein mehr bedeutet, als der Inhalt, nicht ganz zugesagt haben — die Glaubenstreuen erkannten aber gerade darin den eigentlichen Reiz der Diskussionen und ihren inneren Gehalt. Hat somit der Verlauf der K. G. auf die Anhänger der Agudas hinreißend und begeisternd gewirkt, haben sie die Ueberzeugung von der eigenen Kraft und von der Stärke des unver- * fälschten Judentums im höchsten Ausmaße gewonnen — so hat gerade dieser Umstand die Gegner außer Fassung gebracht. Sie mußten erkennen, daß die Weltorthodoxie nunmehr ein Faktor ist, mit dem gerechnet werden muß, In ihrer Ver־׳ legenheit greifen sie nun zu allerhand »taktisehen« Mitteln und Mittelchen, um die Bedeutung dieser großen Kundgebung des Thorajudentums schmälern zu wollen, Wie auf ein einheitliches Kommando versuchen Soldschreiber und Skribler, mittels hämischer Bemerkungen den Wert der K G. herabzusetzen und diese ins Lächerliche zuT ziehen, Mit diesen Elementen sich auseinander״ wlif i * yref Zu den Feleptesen in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, stets lagernd Wim יו» Kärntner ring 6 Telephon 11*43*0*1 § Für durchreisenidle Damen sofort erhältlich SWiäSiSIl!

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