Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 11 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE DRESSE Kt. ii Jahr nach Rammallah und zur Leistung• von 200 Pfund als Bürgschaft für gutes Betragen in Zukunft verurteilt, ln der Begründung dieses Befehls wird erklärt, Tabbaris’ Tätigkeit habe den Anstoß 2u den Unruhen in Tiberias gegeben. Die in den letzten Tagen in Haifa verhafteten arabischen Terroristen, unter denen sich angesehene nationalistische Funktionäre befinden, wurden laut Be- Schluß der Regierung für ein halbes Jahr aus Palästina verbannt. Die Deportierten müssen Geldsummen erlegen als Garantie dafür, daß sie nicht vor einem halben Jahr nach Palästina zurückkehren. Der neue Chefsekretar der Paläs(it1a־Regierung Das britische Kolonienministerium teilt mit, daß Herr William Denis Battershill zum Chefsekretär der Palästina-Regierung an Stelle des demnächst nach Zanzibar gehenden jetzigen Chef Sekretärs John Hathorn Hall ernannt wurde. William Denis Battershill bekleidete in früheren Jahren einen hohen Posten auf Ceylon und seit 1934 das Amt eines Kolonialsekretärs für die Angelegenheiten Cyperns beim Kolonienministerium in London. Der Handelsvertrag Palästina—Irak Der vor kurzem zwischen Palästina und dem Irak abgeschlossene Handelsvertrag findet itt Palästina die größte Beachtung, Wie bereits gemeldet, hat äer 'iräk durch diesen Vertrag die ftög^phkeit' erhalten, im Hafen von Haifa ein Gebiet als Freihafen für die Durchfuhr von und nach dem Irak einzürichten und dort eigene Zollbeamte zu unterhalten. Weiter sind einige Zollsenkungen für die Einfuhr aus dem Irak und wesentliche Erleichterungen für den Verkehr auf der Straße Bagdad-Haifa getroffen worden. In palästinensischen Wirtschaftskrisen erwartet man von dem Vertrag, der auf drei Jahre abgeschlossen worden ist, eine wesentliche Erhöhung des Umschlages im Hafen von Haifa, da voraussichtlich der Transitverkehr nach dem Irak, der bisher vor allem Über die Häfen von Syrien-Libanon ging, nunmehr stärker nach Haifa verlegt werden wird. Man erwartet weiterhin, daß der Vertrag auch nicht ohne politische Wirkungen sein wird. Durch das Abkommen wird der Irak stark daran interessiert, daß der Verkehr über den Hafen von Haifa und auf der Straße Bagdad—Haifa ungestört erfolgt. Im Hinblick auf die Be- Ziehungen der aufständischen Araber zum Irak dürfte dies nicht ohne Folgen sein. Judendebatfte im polnischen Senat Im Verlauf der Generaldebatte über das Budget erklärte der nichtjüdische Senator Prof. M i c h a 1 owicz, die Studenten, die die antisemitischen Exzesse an den Hochschulen veranstalten, seien die künftigen Offiziere der Armee. Als solche sollten sie schon heute Disziplin zu halten verstehen. Der Redner zitierte eine Reihe. Aufrufe der nationalradikalen Studentenschaft, um zu beweisen, daß dieser Jugend jedes Gefühl für Gerechtigkeit und für Würde abgeht. Der agudistische Senator Trockenheim wandte sich gegen die Behauptung, daß die Juden den Handel in Polen okkupieren. An Hand offizieller Statistiken wies er nach, daß von rund 400.000 Handelspatenten, die im Jahre 1933 in ganz Polen ausgegeberv wurden, lediglich 207.000 (52 Prozent) von Juden erworben wurden. Würde man die Juden in die staatlichen oder kommunalen Aemter oder in die Industrie hineinlassen, so würde sich ihr Anteil am Handel sicherlich radikal vermindern. Mindestens 100.000 jüdische Händler würden ihre Kramladen, die ihnen nicht das trockene Brot einbringen, gegen manuelle Arbeit eintauschen. Aber man treibt die Juden aus allen produktiven Berufen hinaus. In Ostgalizien zum Beispiel hat man sechsundzwanzig Güter parzelliert und an Bauern verteilt, darunter waren sechzehn jüdische Güter. Jüdischen Bauern aber wurde kein Stückchen Boden gegeben. Schwere Tage für die ungarische Juden heit Ungarn hat in den letzten Tagen eine schwere Krise durchgemacht. Ein von deutscher Seite unterstützter und organisierter Putsch der Pfeilkreuzler, der Sensenkreuzler und des Offiziersvereins ״Move", die die Macht in Ungarn an sich reißen wollten, war gegen Ende der Woche in voller Entwicklung, wurde aber durch das schnelle Handeln der Regierung Daranyi vorläufig verhindert. Es scheint, daß die Gefahr bis auf weiteres gebannt ist. Ein Gelingen des Putsches hätte für die ungarische Judenheit verhängnisvoll werden können, denn bei den Kreisen, die in der Putschfront sind, handelt es sich um treueste Nachbeter des deutschen Antisemitismus und Rassismus. In den letzten Wochen hatten die Putschisten die Haupstadt und das Land mit Propagandaschriften überschwemmt, die schrfe Drohungen besonders an die Adresse der Juden enthielten. In parlamentarischen Kreisen Budapests hat man Beweise in den Händen, daß die Extremisten von deutscher Seite propagandistisch und finanziell untersützt wurden. Die Budapester Zeitungen bringen die plötzliche Reise des deutschen Gesandten von Mackensen nach Athen mit den Putschversuchen in ursächlichem Zusammenhang. Man spricht sogar von einer ״Flucht“ Mackensens, dem nachgewiesen werden konnte, daß er die Putschisten direkt finanziert hat. Konzessionen an die rumänischen Antisemiten Die rumänische Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearheitet und dem Parlament zugehen lassen, in dem vorgesehen ist, daß 75 Prozent aller Angestellten in Handels-, -Industrie-, Finanz- und sonstigen Unternehmungen ״ethnisch-rumänischer Abstammung“ sein müssen. Auch die restlichen 25 Prozent müssen rumänische Bürger sein, können aber den jüdischen, ungarischen, deutschen, russischen oder bulgarischen Minderheiten angehören, die die rumänische Staatsangehörigkeit nach dem Kriege erworben haben. Ob diejenigen Juden, die als Einwohner der ältrumänischen Gebiete schon vor dem Kriege rumänische Untertanen — nicht aber gleichberechtigte rumänische Staatsbürger — waren, den Angehörigen des Mehrheitsvolkes gleichgestellt werden sollen, geht aus dem Entwurf nicht klar hervor, dies ist aber nach der ganzen Tendenz des Entwurfes und der bisherigen Haltung der Behörden in dieser Frage zu bezweifeln. Ausländer sollen nach dem neuen Gesetz nur dann beschäftigt werden dürfen, wenn es sich um Spezialisten handelt, für die es im Inland keinen Ersatz gibt, , Es heißt, daß die durch Beseitigung von Angestellten ״fremder“ Abstammung freiwerdenden Stellen arbeitslosen •Stammesrumänen überlassen werden sollen. Die Juden werden durch die beabsichtigten Maßnahmen als ein vorwiegend städtischer Bevölkerungsteil am schwersten betroffen werden, während die anderen Minderheiten, die eine starke bäuerliche Bevölkerung umfassen, viel weniger tangiert, sind. sollen nicht nujr ihre direkten Urheber und Teilnehmer, sondern auch die öffentlichen Funktionäre bestraft werden, welche sie weder zu verhindern noch zu unterdrücken vermochten. Deshalb nehme ich die Demission des Präfekten des Departements Bacau an und beauftrage den Disziplinarrat, das gesamte leitende Personal der Polizei in Bacau zur Verantwortung zu ziehen. Bis zur Entscheidung des Disziplinärrates wird dieses ganze Personal auf andere Posten versetzt. Die Ergebnisse der Untersuchung werden dem Justizministerium und dem Kriegsministerium überreicht werden, um die Verantwortung der Repräsentanten der Gerichtsbehörden sowie der Kommandanten der Truppen und der Gendarmerie festzustellen. Q ,-onnfwetr W,derst°ndsfähig Rechtsgleichheit aller Bürger in Jugoslawien. Während der Budgetdebatte im jugoslawischen Parlament hielt der antisemitische Abgeordnete Dr. Milan Banic eine Rede, in der er behauptete, der jüdische Einfluß wirke sich schädlich auf die jugoslawische Kultur aus. Die Angriffe des Abgeordneten wurden von dem Kultusminister Svetkovic in seinem Schlußwort zurückgewiesen. Die königliche Regierung, erklärte der Minister, kann und wird es nicht zulassen, daß unser Leben von der Straße beherrscht wird. Es wird der Presse, die der Straße dient, nicht gelingen, das Hauptfundament zu erschüttern, auf dem Jugoslawien steht: volle Gleichberechtigung für alle anerkannten Religionen und Rassegruppen, die mit uns auf. diesem Boden leben. Der Vorstoß des Abgeordneten Banic wird auch in den maßgebenden Zeitungen Jugoslawiens verurteilt. Im übrigen wird darauf hingewiesen, daß die Gruppe des Abgeordneten Banic insgesamt aus drei Mitgliedern besteht, die ironisch als die ״Drei Musketiere“ bezeichnet werden. Präsident-Befreier Masaryk an die Menschen in den V. S. A. Gesandter Jan Masaryk, ein Sohn des Präsidenten-Befreiers Thomas G. Masaryk, ließ am 7. März, dem 87. Geburtstag seines Vaters, durch die National Broadcasting Company nach den Vereinigten Staaten folgende Ansprache übertragen: Aus Anlaß seines 87. Geburtstagei sendet der erste Präsident der Tschechoslowakischen Republik allen Bürgern Ihrer großen Demokratie herzliche Grüße. Er glaubt so fest wie immer an den Endsieg der Demokratie. Es ist jedoch besonders in der gegenwärtigen Zeit, da zahlreiche Staaten zu diktatorischen Methoden abgewichen sind, notwendig, daß wir auf diesem Wege ausharren. Die Tschechoslowakei bekennt sich stolz zu den Idealen Washingtons, Lincolns und Masaryks. Ich glaube, daß alle, die in den Diensten dieser Ideale stehen, im Bewußtsein ihrer Kraft und Würde Zusammenarbeiten müssen. Mögen die anderen eine eigene Lösung ihrer Probleme finden, sie sollen aber nicht an unsere teuersten Güter greifen: an die Freiheit unseres Geistes, die Freiheit des Wortes und die Freiheit der Rasse. Der Rassenhaß wird sich niemals als Regierungssystem bewähren. Wir alle sind Kinder Gottes und es ist hier Raum für uns alle. Wir wissen, daß Ihr uns nicht enttäuschen werdet und daß mit Eurer Hilfe und der Hilfe Englands der Friede, den die Welt so sehr braucht, erhalten wird. Der Wahlpogrom In Bacau Während der kürzlich in Bacau in Rumänien Stattgefundenen Gemeindewahlen kam es — wie mit’ geteilt — zu blutigen antisemitischen Ausschrei tun gen, in deren Verlauf zahlreiche jüdische Bürger verletzt und mehrere jüdische Geschäftedemoliert wurden, Kein jüdischer Wähler durfte an der Wahlurne erscheinen. Wie offiziell mitgeteiit wird, hat Ministerpräsident Tatarescu verfügt: Für die Ausschreitungen in Bacau ״Kleine Worte großer Männer“, Unter diesem Titel und: auch ohne Ueberschrift sind in den vergangenen Wochen eine Reihe ־,gelungener jüdischer Anekdoten in der ״Jüdischen :Presse“ veröffentlicht ׳worden. Wir tragen jetzt nach, daß diese Anekdoten aus der Feder des be■־ kannten jüdischen Schriftstellers Chaim Bloch stammen und in seinem Werk ״־Das jüdische Volk in der Anekdote“ erstmalig erschienen sind Im Herrlich gelegenen* Dubrovnik (Ragusa) Jugoslawien, verbringen Öle einen angenehmen p!ÖS itn erstklassig geführten Orthodox-Köfchar.aettaurant Vi. Bieter, Dubrovnik, Mäßige Preise : Straße des 12. November 10 0 Für סך־©! rechtzeitige Anmeldung erwüuscht 0 tiS. Voss Wo Um■.jfggfö iMMh x 1» Woclic Jßml 0 Auf der in Sosnowice abgehaltenen Kreiskonferenz der Aerztevereinigung der Wojwodschaft Kielce wurde der Arierparagraph mit neun gegen fünf Stimmen bei drei Stimmenthaltungenund Ab- Wesenheit von drei Delegierten angenommen, obwohl die einzelnen Vereine kurz vorher die Einführung des Arier- Paragraphen abgelehnt hatten. Einen gleichen Beschluß hat der Verband der Elektrotechniker in Poln i s c h - O b e r sc hl e s i e n gefaßt. 0 Durch den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ist mit der Mannheimer Versicherungsgesellschaft ein Uebereinkomrpen getroffen worden, durch das vom 1. Februar 1987 ab eine Kollektiv-Friedhofsversicherung von Gemeinden möglich ist. 0 Laut den statistischen Aufzeichnungen der Ein- Wanderungsabteilung der Jewish Agency sind im Monat Februar 1937 1.0 00 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen. 0 Wie die Gesellschaft HIAS bekanntgibt, hat die letzte Volkszählung in Argentinien eine geringere Bevölkerungszunahme sowohl in der Hauptstadt als in den Provinzen . festgestellt, als früher angenommen worden war. Gut unterrichtete Kreise in Buenos Aires nehmen auf Grund dieses Ergebnisses an, daß die argentinische Regierung demnächst die Möglichkeit einer M i lder un g der Einwanderungsbestimmungen prüfen wird. 0 In die Exekutive der Internationalen Handelskammer ist von der holländischen Zweig- Organisation dieser Kammer für das Jahr 1937 der Amsterdamer jüdische Bankier und Mitglied .der dortigen Kammer für Handel und Gewerbe Dr. H. A. H art 0 gh entsandt worden. 0 Der Oberrabbiner des britischen Reiches, Doktor J. H. H er t z, hat als Vorsitzender des Londoner Hilfs- Verbundes an die englischen Juden den' dringenden Appell gerichtet, eine Aktion zur Versorgung. notleidender jüdischer Gemeinden in Polen mit Mazzoth zu Pessach durchzuführen. 0 Nach dem Zeitungsdienst des Reichsnährstandes gibt es in Berlin 2 5 0.0 0 0 Rassejuden. Davon gehören 150.000 dem jüdischen Glauben an, 40.000 sind nicht in der jüdischen Religionsgemeinschaft - und 60.000 sind Mischlinge. 0 Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Jizchäk Grünbaum, hat im Namen der Jewish Agency das polnisch-palästinensische Clearing- und Transferabkommen, über das monatelang Verhandlungen geführt worden sind, unterzeichnet. Für die Kündigung des Abkommens durch beide vertragschließende Parteien ist eine dreimonatige Frist vorgesehen. # Die wachsende wirtschaftliche Not der Juden in Wien zeigt sich in der auf steigenden Linie der Selbstmorde unter den Juden. Laut Statistik der Wiener Judengemeinde hat sich im Jahre 1936 die Zahl der Selbstmorde gegenüber dem Jahre 1935 mehr als verdoppelt. 0 Diejenigen E i nw anderer nach Südafrika, die nach dem 1. Februar 1987, dem Tage des Inkrafttretens des neuen südafrikanischen Einwanderungsgesetzes, ins Land gekommen sind und eine vorläufige Landungserlaubnis erhalten haben, schweben in der Gefahr, bis Ende April des Landes verwiesen zu werden. 0 Als Präsident der demnächst im Haag stattfindenden Konferenz, der sogenannten Oslo- S t a a t en, nämlich Hollands, Belgiens und der»skandinavischen Länder außer Finnland, wurde der Generaldirektor des Departements für Handel und Industrie Hollands, Dr. H. M. Hirschveld, ein Jude, gewählt. 0 Eine arabische Zigarettenfabrik in Nablus bringt eine nette Sorte in Vertrieb, die ״K au ky i“ — nach dem bekannten Rebellenführer Fauzi Bey el Kaukadyi — heißt. Die Regierung hat nichts gegen diesen Versuch, nationalistisch-terroristische Propaganda in die Wirtschaft hineinzutragen, unternommen. # Im Hafen von Tel-Aviv sind zwei neue große aus Metall gebaute Motorboote für den Hafendienst eingetroffen. Die bisher benutzten Motorboote werden außer Dienst gesetzt. Das Eintreffen der neuen Boote wurde von hunderten Hafenarbeitern mit Begeisterung begrüßt. 0 Trotz stärkster Propaganda ist es bei den Wahlen zum Londoner Grafschafts rat keinem einzigen Kandidaten der von Sir Oswald M 0 s l e y geführten British Union of Fascists, die unter judenfeindlichen .Losungen zur Eroberung insbesondere des Londoner Ostens in den Wählkampf gezogen war, gelungen, ein Mandat zu erlangen. # Einer Abordnung der jüdischen Fleischerinnung, die sich im polnischen Handelsministerium darüber . beschwerte, daß die Kontingente für Koscher* fleisch im März herabgesetzt wurden, obwohl die Pessachfeiertage in diesen Monat fällen, wurde erklärt, daß von einer Erhöhung des Kontingents keine Rede sein könne; dieses werde vielmehr noch weiter herabgesetzt werden, bis auch die hinteren Teile der rituell geschlachteten Tiere in den Läden, für Koscherfleisch ver* kauft werden würden. 0 Unter Führung des Sohnes von Fridtjof Nansen, des Osloer Archivars Qdd Nansen, wurde in Oslo eine freiwillige Organisation unter dem Namen ״Nansen* m1fe“ gegründet, die sich zur Aufgabe macht, allen jenen Menschen zu helfen, die durch Krieg, Revolution und andere politische Ursachen ihre Staatsbürger* schaft verloren hgtyen. H• Grün, H״ Taborstraße 8 b, Tel, R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe.