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Jüdische Presse · 1937-03-12 · 11 (12.3.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
11 (12.3.1937)
Date
1937-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Növihove v^platne povolen6 rtadlt pfäi a telegrafov v Bfatislave Gis. 41572-111-20 V. b. b Zeitungen vom Verleget versendet Journal expGtfiG paf redttettf 30DI8CHe DDCCfifi rnvvvv ■ בה WIEN-BRATISLAVA a 12. MÄRZ 193? : כ״ח אדר תרצ״ז 23. Jahrgang / Nummer 11 Redaktion und Administration: Wien, II, Malzg, 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 18, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 150, daa übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr« 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. ORGon für Die imeRessen Des 0RTH0D0wen JuöenTume Die Zeichen der Zeit Wir Zeitgenossen waren Zeugen des ewig denkwürdigen Phänomens, daß ein hochkultiviertes Volk, das sich selbst mit Stolz als das der ״Denker und Dichter" fühlte und das als solches auch von den anderen anerkannt und geachtet wurde, sich mit• heller Begeisterung in die Arme einer brutalen Barbarei und primitiven Ungeistigkeit warf. Vom ersten Augenblick an war es den Verstehenden klar, daß dies nur geschehen konnte, weil die psychologischen Voraussetzungen hiefür vorhanden waren, daß aus Deutschland nie ein Drittes Reich geworden wäre, wenn es den ״schmachvollen“ Friedensvertrag von Versailles nicht gegeben hätte. Im | Verein mit der Wirtschaftskrise haben die Entwaffnung, die Gebietsabtretungen, die Reparationen und Kontrollen, die dem deutschen Volk diktiert worden waren, in ihm die Disposition geschaffen, infolge deren es für . den nationalsozialistischenBazillusso empfänglieh wurde. ' Sind aber historisch-politische Entwicklungen, die die Seele eines Volkes deprimieren und bedrücken, nur nach . der negativen Richtung hin wirksam, können die Schwere und die Not einer Zeit nur zum Schlechten und Destruktiven drängen? Soll es nicht möglich sein, daß die Tragik ihres-Leidens eine ganze Nation zu Schönem, Gr oßem und Edlem weckt? Dies annehmen, hieße nicht nur, an der Menschheit verzweifeln, sondern auch, eindeutige Tatsachen der Geschichte leugnen. Denn diese beweist uns, daß Völker oft gerade aus beklemmender Enge den lichtvollen Weg zu großen Taten, zu edler Lebensauffassung und schöner Lebensgestaltung gefunden haben, wenn ihnen in solch geeignetem Zeitpunkt geeignete Führer erstanden. Nur ganz wenige Augenblicke im Leben der Menschheit waren so bedeutungsvoll wie der jetzige. Kaum noch eine Epoche war so zukunftsträchtig, so entscheidend für die fernere Entwicklung wie die Gegenwart. Der Bankrott der Kultur und Zivilisation, die Widersinnigkeit des sogenannten ״Fortschritts", der die Menschheit ״nur tierischer als jedes Tier" macht,'hat unserem Geschlecht den Glauben an sich selbst genommen. Eine große Müdigkeit hat die Völker befallen, eine tiefe Apathie, in der sie willenlos, dem lautesten Rufer folgen oder dem brutalsten Zuchtmeister gehorchen. Eine historische Gelegenheit, die ihresgleichen sucht, ist gegeben und es wird einzig und allein darauf ankommen, wer sie besser auszunützen versteht: die Macht der Finsternis oder die des Lichtes. In vielfach gesteigertem Maße gilt dies für das jüdische Volk. Stehen doch die inneren Zustände in einem geraden Verhältnis zu den äußeren Umständen! Und wenn diese imstande waren, den Nationen der Erde das seelische Gleichgewicht zu erschüttern, wie müssen sie sich erst in der Seele des jüdischen Volkes spiegeln? Eine Welle grenzenlosen Hasses gegen die Juden geht durch die meisten Länder Europas; entsetzt und fassungslos fragen wir uns: Warum? und können es nicht anders verstehen denn als unerforschliche Fügung G-tt es. Unerbittliche Feindschaft richtet trennende Mauern auf zwischen Mensch und Mensch; erschüttert und zu innerst aufgewühlt stehen wir diesem Rätsel gegenüber und können es uns nicht anders erklären denn als eines der Wunder, au denen die jüdische Geschichte so.!־eich ist. Ja, Wunder, der Glaube an Wunder, das ist es, was jetzt wieder die Herzen jüdischer Menschen zu erfüllen beginnt. Noch schämen sich gar viele dessen; aber die Ereignisse haben die rationelle Vernunft entthront und nach langen Jahren keimt und lebt wieder der Wunderglaube im jüdischen Volk. Was der Mensch aber fühlt, dem möchte jp außerhalb seiner selbst begegne n, was ihn innerlich bewegt, daß will er ausgesprochen hören. Wer heute käme und den jüdischen Massen das sagte, was sie im geheimen denken, und ihnen, in klarer Worten das auseinandersetzte, was sie in den Falten ihrer Seele empfinden, der müßte sie mitreißen und erobern, der würde sie gewinnen und — führen! Der alle Werte entwertende .Orkan, der jetzt über die Welt hinwegfegt, hat die jüdischen Menschen der Gegenwart entwurzelt; mit sehnsüchtigen Blicken halten sie Ausschau nach einem Halt, der ihnen ’ Sicherheit und Festigkeit bieten könnte. Mit heißer Begierde warten sie auf eine Botschaft, die ihnen den Sinn des Lebens überhaupt und den ihres eigenen Schicksals im besonderen deutet, und zwar nicht aus dem Heute und für das Heute, sondern aus der Ewigkeit und für die E w igkeit,. Bange harren die jüdischen Menschen darauf, daß einer komme und mit ihnen den großen Plan der Geschichte lese, ihnen hinter allem und jedem den Willen des Weltenlenkers auf zeige und ihnen zuletzt künde, wo das Ganze am Ende hinaus soll. Denn sie sind der verschiedenen ״Auffassungen" überdrüssig, mit der die zünftige Wissenschaft das Geschehen der Zeiten erklärt, und was ihnen am plausibelsten• erscheint, ist — das Wunder. Wie gerne würden sie eine Auslegung des Lebens hören-, die ihren nebelhaften Ahnungen deutliche Form gäbe! Wie müßte es sie beglücken, wenn ihnen dargetan würde, daß das, was sie nun mit eigenen Augen schauen, vor Jahrtausenden schon v onden Propheten geweissagt worden und daß es darum das Zeitalter der Erfüllungen ist, das jetzt mit seinen Nöten und Hoffnungen anbricht! Denn es gibt keinen schlagenderen Beweis dafür, daß die Geschichte nicht ein Ergebnis von Zufällen, nicht eine freie und Willkürlithe, nur vom Kausalitätsprinzip bestimmte Folge von Erscheinungen ist als das wahrgewordene G-tteswort. Nichts bestätigt so Vorsehung und g-ttliches Walten wie die Erfüllung prophetischer Weissagungen. Ja, * der jüdische Mensch von heute will wieder glauben, wie immer, wenn Leiden sein Volk heimsuchten — aber der Glaube muß, wie damals, in Gestalt g-tterfüllter Männer zu ihm kommen, - Der jüdische Mensch will sich der jüdischen I de e hingeben, will ihr dienen und darin aufgehen, mit Liebe, Inbrunst und Glut — aber er muß die Idee verkörpert sehen. Der jüdische'׳ Mensch , will■ zurück kehren zu G־tt —- aber er bedarf eines Führers zu ihm. In unseren Tagen hat das Golus das jüdische Volk reif gemacht für die Erlösung seiner^Seele; das• jüdische Herz ist geöffnet und bereit, fromme Saat aufzunehmen. Doch wo ist der Sämann, der sie streut? Liberalismus und Sozialismus haben den jüdischen Menschen enttäuscht. Auch der jüdis che Nation alismus steht infolge der Entwicklung der Dinge im Heiligen־ Lande einer schweren Krise gegenüber. Jedenfalls ist der Glaube an seine alleinseligmachende Gewalt mehr als erschüttert. Führende Zionisten haben jetzt erkannt — gewisse Aussagen vor der Königlichen Kommission bestätigen es — daß es nicht ein anderen Völkern entlehnter, uns selbst wesensfremder Nationalismus ist, nach dem sich die breiten Massen des jüdischen Volkes sehnen. Diese zionistischen Führer wissen sehr wohl, wonach der kleine Mann dürstet, und sie würden nicht zögern, ihm die Labsal seiner Seele zu reichen, wenn sie nur glauben dürften, daß er sie von ihnen entgegennehmen werde. Denn wie können Menschen, die nie G-tt im Herzen und auch nicht auf den Lippen führten, auf einmal kommen und im Namen G-ttes sprechen? Die zionistischen Führer wissen sehr wohl, daß dazu einzig und allein die Agudas J i s r o e 1 legitimiert wäre, deren Programm die T h o r a ist, in deren Lager sich alles befindet, was unverdorben ist im Judentum, und in der unsere Gelehrten und Frommen ihre geistige und politische Heimat sehen. Die zionistischen Führer wissen, daß sich jetzt zum erstenmal der Aguda eine große histo r i sehe Chance bietet, eine Gelegenheit sondergleichen. Das alles wissen Der Zeichner der 4 V* % *gen österr. Investitionsanleihe bezahlt für S 100.* Nennwert nur S 90«• und verzinst daher sein Geld mit Die Anleihe ist münde! sicher» die zionistischen Führer, die verantwortlichen Männer der Aguda aber scheinen es kaum zu ahnen. Eine Schwalbe macht den Sommer und ein Breuer die ganze Propaganda nicht! Warum werden die jüdischenMassen nicht überall in Versammlungen gerufen, um zu hören, was Agudas Jisroel ihnen zu sagen hat? Warum wird der orthodoxen P r e s s e so erbärmlich wenig Augenmerk zugewendet? Warum ist so wenig Initiative spürbar? Warum werden die Zeichen der Zeit so schlecht verstanden? Warum wird so-gegen den eigenen Geist gesündigt und gegen etwas Höheres, die Thora, der man unzählige jüdische Seelen verlorengehen läßt? Die von der Zeit im jüdischen Menschen ge1weckte Sehnsucht könnte nur von Agudas Jisroel befriedigt werden; sie allein vermöchte den Hunger nach Glauben'zu stillen; sie, Agudas Jisroel,' wäre berufen, Führerin des jüdischen Volkes zu sein auf dem Heimweg zu G-tt. ״Der Tag ist kurz, der Arbeit ist viel, der Lohn ist groß und der Herr der Geschichte drängt“ dürfen da seine Werkleute untätig bleiben? Ein schwerer Sabbathfag in Jerusalem Der Sabbathtag, 6. März, war ein schwerer Tag für die Juden Jerusalems. Als der 42jährige Jehuda Leib Schneurson sich zur Klagemauer begab, um dort das Sabbath-Morgengebet‘ zu verrichten, wurde er von einem in einem Gäßchen der arabischen Altstadt unweit der Klagemauer lauernden. arabischen Terroristen hinterrücks angeschössen und schwer verletzt, Am Vorabend des gleichen Tages kam es zu einem Angriff von Arabern auf eine Gruppe jüdischer!Spazierganger. Die jüdische Gruppe wurde Von den Arabern mit Steinen bombardiert, einige Mitglieder der Gruppe wurden getroffen und zwei Juden erheblich verletzt. Wie später mitgeteilt wurde, fand man an der Kampfstelle einen durch Schüsse getöteten Araber. Neben ihm befand sich sein Sohn, der verletzt war. Es konnte bisher nicht festgestellt werden, unter welchen Umständen die Tötung des einen und die Verletzung des anderen Arabers vor sich gegangen sind. Es steht durchaus nicht fest, ob Juden daran beteiligt waren. Einige Araber behaupten, daß zwei Juden geschossen hätten. Der Distriktskommissar von Jerusalem verkündete darauf den Ausnahmezustand für das ganze Stadtgebiet. Von 9 Uhr abends bis zum Anbruch des Morgens durfte niemand die Straßen betreten, in den Häusern durfte kein Licht brennen. Für die Truppen wurde in den Kasernen Bereitschaft angeordnet. Militärautos durchfuhren die Straßen, Speziell der jüdischen Bevölkerung wurde bis auf weiteres verboten, den arabischen Teil der Altstadt zu betreten, so daß Juden nicht mehr zur Klagemauer, die man nur durch das Passieren arabischer Viertel erreichen kann, gelangen können. Die Ueberfälle in Jerusalem blieben nicht vereinzelt. Am gleichen Tage erschien ein Araber auf einer jüdischen Plantage in Ness Ziona unter dem Vorwand, Arbeit zu suchen. Er sprach deswegen den zufällig dort beschäftigten polnischen christlichen Arbeiter Stanislaw Sluga an. In der Meinung, einen Juden vor sich zu haben, zog der Araber während des Gespräches einen Revolver und gab auf Sluga einige Schüsse ab, die diesen schwer verletzten, Der Attentäter konnte entkommen. Am gleichen Tag wurde aus Nordpalästina ein© Reihe von Angriffen seitens arabischer Terroristen gemeldet. Dagegen herrschte in Jerusalem während des Samstagabends und des Sonntags vollkommene Ruhe, so daß der am Samstag verkündete Ausnahmezustand am Sonntag wieder aufgehoben wurde, Terroristen werden verbannt Im Zusammenhang mit den Unruhen in Tiberias wurde der Vorsitzende des lokalen Arabischen Nationalen Ausschusses, Sidky Tabbari, durch den Distrikts- Kommissär mit administi^tiver Verbannung für ein halbes Für die Qsterfeiertage die Othmar-Schiff-PerUcke Wien I, Kärntnerring 6 Telephon IM3-0-16 Stets Neuerungen am Lager!

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