Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 9 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Purimereignis im Spiegelnder Wiener jüdischen Presse MMutig der J ii d i s e h e n Tele g ra p h e ti *JA g 6 to 1 u n Am 14. Adar ist in Sch lisch an der A nfisem iten führ er tl am a n hen Ham data samt seinen zehn Snhnen wegen staatsfeindlicher Umtriebe gehen kt worden. Fon der jüdischen Bevölkerung der Hauptstadt: Wie des ganzen persischen Reiches ist die panische Angst, die auf ihr mährend der letzten Wachen gelastet hat. gewichen. Man wagt sich wieder auf die Gasse und das Leben gewinnt allmählich sein normales Bild. Wie Motclechai hen ,fair, der Führer des persischen Judentums, dem Vertreter der ITA mitteilt, ist jede Gefahr gebannt, Königin Esther befindet sich nach dem erlittenen Chock wohl au f. ikttf die V eff iS ssungtnäßl ge Gleichberechtigung wäre ehrenhafte* ge- Wesen als der Ümweg Über den königlichen Harem. Die Berufung auf die persischen Gesetze, die auch den Schutz jüdischen Lettens und Gutes garantieren, wäre ehr- Ücher gewesen, als die Protektion zum alternden, verliebten Ehemann, Ga die Zionistische exekutive drauf und dran ist, auf dem gleichen Wege fortzufahren und eine Formel zu prägen, die die ,״P a r i t ät“ mit den Samaritanern in Palästitia ausspricht, erheben wir du den-‘ staats-Zionisten als Vertreter des GroB Zionismus unsere warnende Stimme. Die nicht ernstgemeinte Parität wird weder von den Samaritanern, noch von den Persern ernst genommen werden. Man wird dem ganzen Gerede davon keinen Glau» hen schenken und die zionistische Bewegung wird sich seihst das Brandmat der Unaufrichtlgkeit und Hinterhältigkeit aufdrücken. Kompromißlos und gerade muß der Weg zum «Fudenstaat sein! r. st. ״Die Stimme : Es kam, wie es kommen müßte! Wer Verständnis für politische Zusammenhänge hat, der mußte wissen, daß sich die Hamanistische Bewegung nicht im Judenpunkt erschöpfte, daß das, was mit Judenhatz begann, mit der Herr- Schaft über das persische Reich enden sollte. Wer einen Blick für Zusammenhänge hat, der mußte erkennen, wer für den Aufstand in Babylonien, für den phonizischen Boykott und für die Gärung an der indischen Grenze verantwortlich zu machen war. In allen 127 Provinzen des Reiches hat die Hamanistische Agitation gearbeitet; mit Geld Und* Worten ist eine gefährliche Stimmung gegen die Juden entfacht worden, die sich im gegebenen Augenblick gegen das bestehende System wenden sollte. Durch einen Zufall ist die persische Regierung den Verschwörern zuvorgekommen. Haman ist gestürzt! König Achaschvverosch ist gerettet und mit ihm sind es die Juden! Dürfen diese aber wähnen, die Gefahr sei für alle Zeiten vorbei׳.־ Kann nicht morgen ein neuer Haman mit mehr Glück erstehen? Es־ gibt nur eine wirkliche, endgültige Rettung für das jüdische Volk: den Zionismus, die Heimkehr ins Land der Väter! Dies war auch der Sinn der Koresch-Deklaratlon. Das historische Recht, das da׳.■׳ jüdische Volk auf Erez Israel hat, und die ewige Bedrängnis, der es in der Gola ausgesetzt ist, waren dafür maßgebend, daß der edle König — der zum Dank ins Goldene Buch des K. K. L, eingetragen wurde — uns eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte gewährte. Das jüdisehe Volk wird sich dieser Chance, die ihm die Geschichte bietet, gewachsen zu erweisen haben. Das wird der Fall sein, wenn es sich um die Fahne des Zionismus schart. Einem national geeinten Judentum wird Persien das ver- ״Die Neu Haman ben Ham data und seine SprößLinge baumeln am Galgen! Die Herren im persischen Außenamt tun so, als ob dies den Juden zuliebe geschehen wäre. Sie wollen der Welt weismachen, die exemplarische Bestrafung der Pogromhelden sei zum Schutze der jüdischen Bürger erfolgt. Wir aber lassen uns kein X für ein U vormachen! Hat denn König Achaschwerosch, . so fragen wir, von den Plänen und Absichten seines Ministers erst im letzten Augenblick erfahren? Hat er nicht gewußt, wozu jener ihm 10.000 Kikar Silber anbot? Es ist feststehende Tatsache,*daß Haman im Ein- Verständnis mit den höchsten Stellen gehandelt hat und darum wolle man uns gefälligst mit anderslautenden kindischen Märchen verschonen! In Wahrheit ist die Kommenden Freitagabend findet im Verbandsheim der Jüdenstaatspartei ein Oneg Sdiabbaf h statt, bei dem Robert Stricker über ״Die Vorgänge in Persien" sprechen ivird. Nachher Orchesterkonzert. An- Schluß an sämtliche Straßenbahnlinien. briefte Versprechen nicht brechen können, werden auch die Samaritaner, die sich jetzt als Herren in unserem Lande aufspielen, weichen müssen. Was haben eigentlich diese Samaritaner in all den Jahren, da sie im Besitz Palästinas waren, geleistet? Sie haben den Boden brach liegen lassen, keine Kultur geschaffen und ein sozial vollkommen rückständiges Leben geführt. Wir aber haben das Land mit unserem Schweiß urbar gemacht, haben Schulen errichtet, S p i t ä 1 e r gebaut und eine blühende Wirtschaft aus dem Nichts gezaubert. Gewiß, die Aufgabe ist schwer. Doch dem diplomatischen Geschick und der staatsmännischen Klugheit, die unsere Führer jetzt in Persien gezeigt haben, den selbstlosen Bemühungen und der aufopferungsvollen Tätigkeit unserer Mandatare, die mit blutigen Fingern am Räderwerk der jüdischen Gemeinschaft stehen, wird es gelingen müssen, die zuständigen persischen Stellen davon zu überzeugen, daß ein jüdisches Palästina nicht bloß ein jüdisches, sondem auch ein Weltbedürfnis ist. Palästina muß jüdisch bleiben! b. h. * Wie wir vor Redaktionsschluß erfahren, wurde Königin Esther von der Wizo zum Ehrenmitglied ernannt. Sämtliche zionistischen Bezirkssektionen veranstalten aus Anlaß der Errettung unserer persischen Brüder einen Purim-Ball mit Schönheitskonkurrenz und Tanz. e Welt“: großangelegte Judenausrottung nur unterblieben, weil Finanzminister Öharb o na auf die leeren Kassen und das Defizit aufmerksam machte, das die kostspieligen Hochzeiten und Festmähler des Königs verursacht haben. Im Hinblick auf die Auslandsanleihe, die Persien in kurzem aufzulegen gedenkt und bei der es der Hilfe des jüdischen Finanzkapitals bedarf, sind die Juden zwischen Hodu und Kusch am Leben geblieben, ist Herr Haman geopfert worden. Den persischen Juden aber sei gesagt, daß würdeloses Sich-Anbiedern und feige Assimilation der schlechteste Schutz sind. Das Sich-Hinandrängen an die Tafel des Königs, die Freundschaft mit den Großen des Reiches haben wenig genützt. Der persische Staat ist auf arisch-zoroastrischen Grundsätzen aufgebaut. Die Juden sind aber weder arisch noch zoroastrisch, sondern eben jüdisch. Selbst dem Gegner imponieren nur nationaler Stolz und nationales Selbstbewußtsein. Das aber ist es, was auch die Vertreter des offiziellen Zionismus den persisehen Machthabern gegenüber vermissen ließen. Denn das ״diplomatische Geschick und die staatsmännische Klugheit“, die sie in ihrer Presse feiern ließen, bestand in nichts anderem als in der Ausnützung verwandtscha ft 1 i c her B e- Ziehungen. Antichambrieren und Hintertürl-Politik sind würdelos, wo man offen fordern darf und kann. Die Berufung ״Der Jude“: Die Geschichte des Judenhasses ist um sein ebenso lehrreiches wie trauriges Kapitel bereichert worden. Die hamanistisehe Verschwörung hat geneigt, daß die ,Träger des Antisemitismus die Int eil ek tu eiten und die Großbourgeoisie sind. Haman selbst war aus dem uralten Adetsgeschlecht derer von g a g, während ־seine engsten Mitarbeiten Bi gthan und ■ T er e sch, iAngehörige der hohen Bürokratie waren. Hingegen konnte die Bewegung in der persischen Arbeiterschaft überhaupt nicht Fuß fassen. Die Solidaritat, die zwischen den Armen und Entrechteten beider Völker besteht, war stärker als alle faschischtischen Lockungen und Schlagworte. Im Sinne dieser Solidarität will das Arb e ite nde Palästina auch das jüdische Nationalheim aufbauen, in dem es über die nationalen Grenzen hinweg dem klassenbewußten, samaritanischen Proletariat die Hand zu gemeinsamer Arbeit an der gemeinsamen Heimat reicht. I ,Binjan Haarez* veranstaltet in den Räumen des Palästina-Amtes einen MASKENBALL Für Poale-Zionisten Kostümzwang! Die ״JudiSi , Das einzig Erfreuliche in diesen un- ,endlich traurigen Tagen ist, daß sich einmal Gelegenheit bot, jüdischen Frontgeist voll und ganz zu bewähren. Das Märchen von der jüdischen Feigheit und Drückebergerei ist angesichts des Mutes und der Tapferkeit, mit der die persischen Juden sich gegen ihre Feinde zur Wehr setzten, kläglich zuschanden geworden. In der Haupt-!!Stadt Schuschan allein sind 500 hamanistische Sturmtruppler, die den Tod ihres Führers rächen wollten, im Kämpf mit den Juden gefallen. Hoffentlieh wird die schreckliche Episode den he Front“: Juden Persiens eine Mahnung sein, eine Einheitsfront und einen Vollzugsausschuß zu schaffen, in dem unter Führung des ״Bundes Jüdischer Frontsoldaten Persiens“ alle jüdischen Parteien vertreten sind. In ailen Bundeshelmen finden zur Feier der jüdischen Helden in Persien Große KomerodschiiMienße statt ״Die Wa Haman und seine Bewegung haben ein klägliches Ende erlitten. In die Grube, die sie den Juden gruben, sind sie selbst gestürzt. Wieder einmal hat es sich herausgestellt, daß die Gegner der Juden diesen das Märchen von der Staatsfeind־ 1 i c h k e i t nur andichten, um ihre eigene Staatsfeindlichkeit zu tarnen. Denn die wahren Staatsfeinde sind — und nicht nur in Persien — die Antisemiten, die den Judenhaß bloß als Mittel für ihre dunklen Zwecke benützen. Hingegen haben die persischen Juden gerade in der letzten Zeit ein glänzendes Zeugnis ihrer ßtaatstreue abgelegt. Der Jude Mordechai war es, der König Achajächwerosch vom Tode errettete. Ebenso haben es die persischen Juden abgelehnt, in ihrer Not sich an das Ausland um r ׳•". '' ••■■■■ ־•׳ ׳ ■ ■ Die Union österreidmdter luden veranstaltet im Festsaale des MUSEUMS FÜR ALTERTUMSKUNDE einen Vortrag des Handelsattaches der persischen Gesandtschaft, Herrn Waje S 0 s s o, über das Thema: ״Die Juden ipi persischen .Bankwesen.“ hrheit“: Hilfe zu wenden. Sie haben als persisehe Staatsbürger mosaischer Konfession gehandelt, indem sie einzig und allein in der in der Verfassung ausgesprochenen Gleichberech t i g u n g ihr Palladium erblickten. Andererseits sei auch des edlen Nichtjuden C har bona gedacht, der so warm für seine jüdischen . Mitbürger eingetreten ist. Aber nicht nur das Märchen von der ״jüdischen Staatsfeindlichkeit“, sondern auch das vom jüdischen Finanzkapital ist als plumper Schwindel entlarvt worden. Das Angebot Hamans an den König, dem er die Kleinigkeit von 10.000 Kikar Silber überlassen wollte, spricht Bände... Die als Zionisten getarnten Jüdischnationalen in Persien wollen ihr Süppchen an dem von Haman entfachten Feuer kochen, Sie fordern jetzt Minderheitsrechte ( und die Umwandlung der altehrwürdigen Kultusgemeinde Schuschan in eine Volksgemeinde, Diese Forderungen bekämpft unsere Schwesterorganisation, die ״Union persischer Juden" aufs energischeste. Minderheitsrecht ist vermindertes Recht und die Synthese von Judentum und Persertum eine zu glückliche, als daß deren Störung durchs irgend welche nationalistischen Konzeptionen zugelassen werden könnte. Diese Einstellung richtet sich keineswegs gegen das Aufbauwerk in Palästina, das als Asyl für arme, verfolgte Glaubensgenossen von allen Juden unterschiedslos begrüßt wird. 0. h. Von den Feiertagen Rabbi Jonathan Eibenschütz, der berühmte Prager Oberrabbiner, wurde vom Bischof Hasselbauer gefragt: ״Bei euch Juden beginnen Feste und Feiertage schon am Vorabend, nur das Festmahl am Purim-Feiertag findet erst am Ausgangsabend statt. Was ist der Grund hiefür 9" ״Ich muß eure Frage, Hochwürden", erwiderte \ Rabbi Jonathan, ״mit einer Gegenfrage beantworten: Wie kommt es, daß ihr Katholiken dem Geburtsfeste eures Heilands und Erlösers schon am Vorabend die Weihe gebt, wo doch alle eure Feiertage erst mit Anbruch des Tages beginnen9 Aber in Wahrheit ergibt sich das eine aus dem anderen: Unser Purim-Fest verdanken wir einem Nichtjuden, ׳ euer Geburtsfest verdankt ihr einem Juden . , ״Heiliges Volk— Heiliges Land — Religiöser Auf״ bau“ lautet das Thema, über das Dr. Isaac Breuer am Sonntag, den 28. Februar, um 8 Uhr abends Im Mittleren Konzerthaussaal sprechen wird, Kurten von S 1.— auf* wärts bei der Erez-Jisroel-Zrentrale, I!״ im Werd 6, und an ,der Abendkasse, Arm und reich Ein Chossig, der als reicher Mann bekannt war, kam zu Rabbi Abraham Jehoschua von Apta; der Rabbi verbrachte mit ihm eine volle Stunde. Als er ging, kam ein armer Mann; der Apter verbrachte mit ihm nur eine kurze Weile. Der arme Chossid unterfing sieh, dem Rabbi sein Befremden darüber auszudrücken, daß er die reichen Deute vorziehe, Der Rabbi lächelte. Jeh will dir sagen: Von dir konnte ich in der kurzen Weile erfahren, daß du ein armer Mann bist. Jener aber mußte über'verschiedene Dinge sprechen, bis ich darauf kam, daß er noch ärmer ist als du.“ 7 Oer ״Tikkun*' Es ist bekamt, daß Rabbi Jakob Kranz, der berühmte Maggid von Dubno, ein heftiger Gegner der Ohassidim war. Einst kam er in ein Städtchen, in dem beinahe alle Juden Ohassidim waren. Als diese von der Ankunft des berühmten Gelehrten Kunde erhielten, erschienen sie bei ihm und baten ihn um einen Beitrag für ״Tikkune( (Schnaps zum I/chajim-Trinken), ,geh will euch ,Tikkune geben", sagte der Maggid, ״aber vorher müßt ihr mir sagen, wer den ,,Tikkune eingerichtet hat." Sie wußten keinen Bescheid. ,geh will es euch sagen", sprach der Maggid lächelnd, ,Jhr wißt doch, daß der Erzvater Abraham das Morgengebet geschaffen hat, Jizchäk das Nachmittagsgebet, Jakob das Abendgebet, Wisset ihr aber, von wem das chassidisohe ,Tikkun‘ stammt 9 Von >L o t!" Der scherfe Kopf Der Rabbiner von Slonim, Rabbi Eisik Oharif, wurde von seiner Frau fortwährend mit Vorwürfen be■* drängt, daß er den ganzen Tag nur lerne und die ganze Sorge für Haus und Kinder ihr allein überlasse, ״Man nennt •mich", lachte Rabbi Eisik, ,den ÖKarif'* den ,scharfen KopfWarum9 Weü ich in einem blick erfasse, worüber andere sich tagelang den Kopf zerbrechen müssen. So geht es mir auch mit der Borge( Die Sorge, die dich die ganze Woche bedrückt, habe ich in einigen Minuten durchgesorgt,"