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Jüdische Presse · 1937-02-19 · 8 (19.2.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
8 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite נ jüdische mmam Nf. 8 dem bloß ergänzen kann. Selbstverständlich muß auch die ״Jüdische Schule", will sie ihren Warnen mit vollem Recht tragen, für die Vertiefung der echten, jüdisehen Gesinnung besondere Maßnahmen ergreifen, die eine Höherbildung des •religiösen Gefühles in der Schul* gemeinschaft fördern. Die Basis jedoch bleibt das jüdische Maus — die jüdische Familie, in deren Kreis das Kind seine ersten Eindrücke empfängt,in deren Kreis es sich weit mehr bewegt, als in dem der Schule, Diesbezüglich herrschen in unserer Talmud-Thora- Volks* und Hauptschule sehr günstige Verhältnisse, da doch fast alle Eltern der Orthodoxie angehören. Aus diesem Grunde war es uns auch möglich, nicht nur den Religionsunterricht erheblich auszubauen, sondern auch in den profanen Lehrfächern das jüdische Kulturgut in weitestgehendem Maße einzubauen, ohne daß die Qualität des Profanunterrichtes dadurch einen ,Schaden erlitt. Der jüdischen Elternschaft ist durch den Eltemrat die Möglichkeit geboten, an der Förderung des China ch durch geeignete Vorschläge mitzuarbeiten. VI. Als weitere Tätigkeit des Elternvereins sei auch die Förderung der körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend genannt. Es ist selbstverständlich, daß der Drang des Großstadtmenschen Zur freien Natur sich viel stärker ausprägt, als der des Landmenschen, der immer in ihr weilt. Auch die jüdische Schule will in dieser Hinsicht den anderen nicht zurückstehen, wirkt doch das Wandern gesundheitsfördernd und gemein- ,schaftsbildend, weil es die Gefühle der Hilfsbereitschaft und der Verantwortung stärkt. Hier hat unser Eltern* verein immer nach besten Kräften geholfen, damit euch die armen Kinder an solchen freudigen Erlebnissen teilhaben konnten, besonders, wo es sich um weitere Fahrten handelte. Das Bleibende dieser Lehrwanderungen ist die nachhaltige Erinnerung an jüdisches Gemeinschaftsleben. VH. Noch wichtigere Arbeit hat der Elternverein auf dem Gebiet der Gernilas Chessed, der Fürsorge, zeitweise zu leisten. Denkt' an das arme, unschuldige Kind! Gleichgültig, oh es sich um das Sammeln von Kleidern, Spenden für die Schülerausspeisung, Ferien- oder Milchaktion handelt, überall wird die mit jüdischer Begeisterung an fremden Kindern geleistete Arbeit die eigenen Kinder die Hingebung der Eltern erleben lassen und auch hier beispielgebend wirken. VIII. Alle diese Grundsätze hat sich der im heurigen Schuljahr neugebildete Elternrat der Wiener Talttiud-Thofa*Völlts- ־ und Hauptschule erneut zu eigen gemacht. Hoffentlich gibt es auch ein glückliches Gelingen dieses für alle so nützlichen Werkes. Daß die Arbeit oft recht mühsam ist. und nicht in einem Zuge bewältigt werden kann, ist nur zu Selbstverständlich. Daß sie aber, wie die Erfahrung lehrt, im Bereich des Möglichen liegt, soll uns den Mut dazu geben, tatsächlich Ersprießliches zu schaffen, für die — denen die Zukunft gehört, Lehrer Ernst- Kohlt, Die weltberühmten Original S» PISCHINGER ־״*!§ TORTEN, SCHOKOLADEN UND SPEZIALITÄTEN Unter Aufsicht des ehfw. Habt», der Adas Jistöel, S. Fürst, Wien / Üebettdl efhälUleh Leopold Lederer, (I, Gr. Sdtlffeoite 16 Telephon: A-40-M* Kgl. Kommission letzt ihre Arbeiten fort Der Präsident der Neu-Zionistischen Organisation, Wladimir Jabotinsky, hat in der Aussage, die er am 11. Februar im House of Lords in der ersten öffentlichen Verhandlung der Kgl. Kommission in London gemacht hat, als die wesentlichste und grundsätzlichste Forderung des jüdischen Volkes die Schaffung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina zu beiden Seiten des Jordan bezeichnet. Die Sicherheit von Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung müsse gewährleistet werden durch Aufstellung eines eigenen jüdischen Militärverbandes innerhalb der britischen Streitkräfte in Palästina, sowie von jüdischen Einheiten in der Landespolizei. Ferner müsse den Juden ein legalisiertes Selbstwehrkorps zugestanden werden. Jabotinsky erörterte Sodann den vom Ersten Kongreß der Neu-Zionistischen Organisation beschlossenen Zehnjahreplan für die Besiedlung Palästinas und verlangte, daß die Mandatarmacht ihre Zustimmung zur Durchführung dieses Planes,,'der die Seßhaftmachung von weiteren anderthalb Millionen Juden in Palästina im Laufe der nächsten zehn Jahre vorsieht, erteile. Sehr scharf wandte sich Jabotinsky sodann gegen die Planlosigkeit der offiziellen britischen Palästina- Politik. Er warf der britischen Regierung vor, daß sie bei der Durchführung des Mandats die feste Linie vermissen lasse, die den Mandatsbestimmungen zufolge eingehalten werden müßte, und statt dessen eine Politik des ״Fortwurstelns“ treibe. Das Ziel des Mandats sei es, die Entstehung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina zu erleichtern, ohne daß die arabische Bevölkerungsminderheit Härten zu erdulden habe. Sollte sich die Mandatarmacht nicht in der ■Lage fühlen, diesen Mandatszweck zu verwirklichen, dann habe sie trotzdem die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, daß die Sicherheit der Juden in Palästina VORTRAG Dr. ,DIE LAGE IN ISAAC BREUER SONNTAG, den 28. Februar, punkt 8 Uhr abends, spricht Dr. Isaac Breuer (Jerusalem) über EREZ JISROEL" ..v> .... und über den religiösen Aufbau des Heiligen Lande« unter dem Motto: ״EIN ERNSTES WORT IN ERNSTER ZEIT“ im MITTLEREN KONZERTHAUSSAAL 111, Lothringerstraße 20. Karten bei der Erez* lisroel*Zentrale der Agudas lisroel, 11, Im Werd 6, von 9 bis 12 und 15 bis 20 Uhr erhält* lieh. Telephon: A*46*0*l$ 8 KLEINES FEUILLETON ■ Die Deutung des 0Iet~Beth Aus Traktat Sabbath Es sagten die Gelehrten zu Rabbi Jehoschua ben Levi: Es kamen Knaben in das Lehrhaus, die sagten Dinge, dergleichen in den Tagen des Jehoschua ben Nun nicht gesagt wurden: אלוף בינה : א ב : lerne Vernunft, lerne Thora. ןימול ךלים .^ ך . erweise Wohltaten den Armen. Warum neigt sich der Fuß des j zur ף? Es ist die Art und Weise des Wohltäters, den Armen nachzugehen und sie aufzusuchen. Und warum neigt sich der Fuß des ך zur % und nicht zur folgenden ,ף? Daß sich der Arme leicht finden lasse und dem Wohltäter nicht zu viel Mühe verursache und Verdruß erspare. Und warum קרוס ,ק : ק ר und רשע ׳ך : warum wendet sich *die Vorderseite (rechts) des ק von der ף ab? G־tt״ der Heilige, spricht: Ich mag den רשע uicht sehen! Und warum wendet sich die Krone auf. dem ק dem ך zu? G־tt sagt: Kehrt der רשע zurück, so winde ich ihm eine Krone. Und warum steht der senkrechte Strich des ק frei?' Weil dem רשע der Weg zur Rückkehr zu G-tt frei und ■offen daliegt. אמח שקי :ש ת, die Lüge und die Wahrheit. Warum sind für das Wort שקר irn Alphabet benachbarte Buchstaben gewählt? Für das Wort אםת drei weit voneinander stehende, nämlich der erste, der mittelste und der letzte Buchstabe des Alphabets? Weil zur Lüge leicht alles beieinander, die Wahrheit aber selten ist. Warum hat שקף einen “freischwebenden Fuß, nämlich den senkrechten Strich des ק, während das1 Wort אמךן auf einer geraden Linie ruht? Weil die Lüge שקר auf schwachem Grunde schwankt und keine Dauer, hat, die Wahrheit אמת jedoch auf ewig besteht. ungefährdet bleibe, bis eine Vereinbarung über die Uebertragung des Mandats an eine andere Macht getroffen ist. Der nächste Zeuge, der nicht jüdische Abgeordnete Colonel Josua We'dgwood, beschränkte sich in seinen Aussagen auf eine, allerdings sehr scharfe, Kritik an der Palästina-Verwaltung, Diese Verwaltung sei darauf eingestellt, die Araber gegenüber den Juden zu begünstigen. Auch die palästinensische Justiz sei gegenüber den Juden, insbesondere in Bodenfragen, nicht gerecht. Es könne in diesen Verhältnissen nicht anders Wandel geschaffen werden, als durch eine vollständige Reform der Verwaltung. Es sei dort der alte Beamtenapparat tätig mit seinen Vorurteilen gegen das Parlament und gegen die Juden. Colonel Wedgwood schlug vor, daß jedem Beamten, bevor er nach Palästina entsandt wird, erklärt werden solle, daß er die Besiedlung des Landes durch Juden begünstigen und sich für die Durchführung des Mandats einsetzen müsse. In vertraulicher Sitzung verhörte die Kgl. Kommission den High Commissioner Sir Arthur Wauchope und Sir John Chancellor, der zur Zeit der Unruhen im Jahre 1929 High Commissioner für Palästina war. Die Anklagen der Jewish Agency gegen die Regierung Die Exekutive der Jewish Agency übergab der jetzt in London amtierenden Kgl. Kommission für Palästina ein Memorandum, welches die ■Quintessenz der Anklagen der Jewish Agency gegen die britische Administration in Palästina enthält. Zunächst wird in dem Memorandum darauf hingewiesen, daß ■die Palästina-Regierung von Anfang an nicht die Politik des Jüdischen Nationalheims als ein klares Ziel herausgestellt und mit der notwendigen Entschlossenheit verfochten hat. Die Administration habe statt dessen hinsichtlich der von England übernommenen Verpflichtungen zur Förderung des Aufbaues des Jüdischen^ Nationalheims eine wankende Haltung eingenommen undx dadurch unter den Arabern den Glauben hervorgerufen, daß England die Verpflichtungen zur Schaffung des jüdischen Nationalheirhs nicht ernst nehme. Das Memorandum stellt weiter fest, daß auf die Unruhen in Palästina in den Jahren 1921 und 1929 destruktive Interpretationen hinsichtlich der Verpflichtungen Englands gegenüber dem jüdischen Volke gefolgt waren. Das hatte noch mehr die arabische Opposition gegenüber dem Palä- . stina-Mandat und der Schaffung des Jüdischen Nationalheims für Palästina verstärkt. In dem Memorandum wird eine •große Reihe Klagen gegen die Politik der Palästina- Regierung erhoben. Insbesondere Wird darauf hingewiesen, daß unbeschadet aller Hinweise und Warnungen, die der Regierung zugingen, diese gar keine Vorbereitung getroffen hat, um den Unruhen des Jahres 1936 entsprechend zu begegnen. Das Memorandum weist schließlich darauf hin, daß nach Beendigung der Unruhen die von den Organen der Regierung und den Gerichten begonnene Untersuchung und Verfolgung der Verbrechen mit einem vollständigen Mißerfolg endete. Die Untersuchung wurde hauptsächlich von arabischen Beamten geführt, die Hintergründe des Aufruhrs wurden nicht aufgedeckt, die Urheber nicht erforscht. Der Mufti nach Mekka abgereist Der Mufti Haj Amin el Husseini ist in Begleitung einiger arabischer Notabein nach Mekka abgereist. Die arabische Presse teilt dazu mit, der Mufti werde in Arabien und in Indien eine große, gegen England und die Juden gerichtete Bewegung inszenieren. Er werde in Mekka mit Pilgern aus allen mohammedanischen Ländern in Kontakt kommen und sie in den Dienst der Propaganda stellen. In erster Reihe sollen die mohammedanisehen Länder Petitionen an den Völkerbund und an England gegen die Verwirklichung des Zionismus senden, in zweiter Reihe große Fonds zwecks Durchführung eines verschärften Kampfes gegen jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf in Palästina aufgebracht werden. Arbeitermangel in den jüdischen Siedlungen Die Lage auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch starken Mangel an Arbeitern in den jüdischen Siedlungen. Für die Einbringung der Zitrusernte und andere dringende Arbeiten werden tausende Arbeiter benötigt. Die Verhältnisse sollen durch Ueberführung von Arbeitslosen aus den städtischen Gebieten in die Siedlungen gebessert werden. wendet sich das Gesicht des ר ab von dem ג’ Hamit das Wohltun im geheimen geschehe und der Arme nicht beschämt werde. ן• ן j ist der Name G-ttes. י כ ל ja 1 ח : wenn du so handelst, wie oben gesagt, dann ןן ernährt dich der Allgütige, קן! er zeigt dir Gnade, מעיב tut dir Gutes, gibt dir יחשה ein Erbe, windet dir eine כחך Krone für die künftige Welt לעולם הבא. q ט : ein offenes und ein geschlossenes pp es gibt מאמרים Erörterungen, die Öffentlich, und andere, die nur im geheimen vorgetragen werden dürfen. , נ כפופי* :ג ן uud ן פשוטה, ein gekrümmtes und ein geradestehendes Der brave Mensch, der hienieden bescheiden und demütig ist, der wird aufrecht stehen dürfen in jener Welt. y P ♦ unterstützte Arme סמיך עניים oder auch עשה ßvjtjp mache dir Zeichen, Merkmale zum besseren Verständnis der Thora. ף p; ein offenes und ein geschlossenes g, Es gibt Zeiten, da man reden (פה Mund) und umgekehrt, da man schweigen soll. y y; der bescheidene, demütige, fromme Mensch, יריק{• Vgl. das zu נ Gesägte. Eine alt jüdische Parabel (Nach einem Midrasch, zitiert im Jalkut Schimeoni) Als Noach damit beschäftigt war, die einzelnen Pärchen in die Arche einzulassen, kam zu ihm auch die Lüge und begehrte Einlaß. ״Ich kann dich nicht hereinlassen", sprach Noach. ״Ich kann nur Paaren Aufnähme gewähren, damit die Fortpflanzung der Art gesichert bleibe; suche dir einen Gatten, mit dem du dich fortpflanzen kannst, und eurem Einlaß soll dann nichts im Wege stehen." Die Lüge begab sich daraufhin zum Herrn des Weltalls und verlangte von ihm einen Gatten; er aber weigerte sich, dem Wunsche der Lüge zu willfahren, und sagte: ״Im Plan meiner Weltschöpfung liegt der endliche Sieg der Wahrheit, ich wili deshalb der Lüge nicht zur Fortpflanzung verhelfen!" Vergeblich suchte die Lüge klarzumaohen, daß ohne sie die Welt nicht bestehen könne und wie schlimm es wäre, wenn in Zukunft jeder die Wahrheit bekennen müßte. Es nützte ihr nichts und betrübt schlich sie davon. Da begegnete ihr der Satan, der sie um den Grund ihrer Trauer befragte, ״Weiter hast du keine Sorge?" fragte der Hinderer. ״Da weiß ich dir Rat! Nimm dir zum Gatten den Schein der Wahrheit, dann wird dich Noach nicht zurückweisen׳“ Sie tat also und mit dem Schein der Wahrheit gepaart, hat sich die Lüge bis auf den heutigen Tag erhalten, immer neue Lügen gebärend. Amtliche Statistik der Bevölkerung Palästinas Die Bevölkerung Palästinas Ende 1936 einschließlich der im Lande sich aufhaltenden Reisenden, jedoch nicht unter Einrechnung der Angehörigen der britischen Streitkräfte und der Nomadenbevölkerung, wird amtlich auf 1,300.000 Seelen geschätzt. Davon sind 796.175 Mohammedaner, 384.085 Juden, 108.513 Christen und 11.378 Am gehörige sonstiger Bekenntnisse. Die Gesamtzunahme der Bevölkerung im Jahre 1936 wird von dem Regierungsamt für Statistik mit 58.590 oder 4,62 Prozent angegeben. Die Zunahme der mohammedanischen Bevölkerung beträgt 26.040 Seelen, davon 25.917 natürlicher Zuwachs und 123 als Nettoeinwanderung. Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung wird mit 28.933 angegeben, davon 21.183 als Uebersehuß der Einüber die Auswanderung und 7750 durch natürlichen Zuwachs. Weitere Terrorakte Die arabischen Terrorakte nehmen kein Ende. Unter anderem ist auf den jüdischen ,Bürgermeister von Tiberias, Zaki Haddef, ein allerdings mißglücktes Attentat verübt worden. Ais am Sonntag-Morgen Juden zu.r Klagemauer kamen, um dort in traditioneller Weise, die Andacht zu verrichten, fanden sie die Stelle der Wand, wo sich die jüdischen Andächtigen zu versammeln pflegen, mit Exkrementen beschmutzt vor, Eine solche Schändung der Klagemauer ist o h n e B e i s p i e 1 in der Geschichte. Ijn Jischuw herrscht darüber große Empörung.

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