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Jüdische Presse · 1937-02-19 · 8 (19.2.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
8 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NöViftttVe V^plfttnfe povolenß Hädlt p»0ft a fetegfafov v Bratislave Öls. 41S׳i2־m-20 V. fa. t *•'m Verleger versendet expödiö par rödlteur 2’ןי WlEN.BRATlSL'. 19. FEBRUAR 193? ,; ׳ ה׳ אדר תרצ״ז ׳ * 23. Jahrgang / Nummer 8 1*11 CwwG Redaktion und Administration: Wien, Ü, Maizg. 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikplatz 37, ]Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kg SO, Jugoslawien Dinar 100, das übrige Ausland Schw. Fr« 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nif. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. , orgrd für Die irvreRessen Des ORTHODOwen JUDeirrums ^u Schabbos Sochaur: Kampf ״Kampf für G-tt gegen Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!“ So tönt es aus den Anfängen der jüdischen Völksentwicklung herauf. und hallt noch heute wider in Israels G־tteshäusern, gerade dann, wenn die ersten Frühlingsboten die kommende Erlösung künden und die in Winterfrosten erstarrte Seele auch des Einzelnen der großen Liebesbotschaft des Nissanmondes sich öffnen will. Diese uns. gebotene ewige, unversöhnliche Feind- Schaft gegen Amaiek war den Völkern seit jeher der eklatanteste Beweis der jüdischen Rach- und Haßsucht. Und ihre neunmalweisen Wissenschaftler haben sogar den ״kriegerischen Nationalg-tt der Juden“ entdeckt, den diese in ihren Siegesliedern mit Recht als ״Kriegsmann“ preisen. Sie ahnen nichts von der Fülle der Gesichte, die dem wissenden Juden aus dem bloßen Namen .,ד entgegenleuchtet, nichts von der Berge versetzenden Liebesherrlichkeit, die den jüdischen Menschen טדת ךףוזמים der vierbuchstabige G-ttesname ins Herz gießt. Nicht aus der überliefeerten Bedeutung heraus allein, sondern aus tausend unzweideutigen ' Bibelstellen hat ja dieser G-ttesname seine Prägung als •Symbol der höchsten, zum Weltprinzip gewordenen Liebe erhalten, und nicht umsonst war er es, dieser Name, der ״geehrte und furchtbare“, der im gewaltigsten Moment des jüdischen Jahres dem irrenden, sündigen, heimwärtsstrebenden Menschenkinde die Heilsbotschaft der nimmer verlierbaren G-ttesiiebe eritgegeribrachte. Und darum ahnen sie, die so klugen Kritiker des Judentums, auch nicht, daß ein Kampf, zu dem im Namen dieses G-ttes der Liebe, ja gerade um seines Namens willen auf gerufen wird, nie Selbstzweck und nur ein Mittel zur sittlichen Erhöhung sein kann, nur ein Kampf gegen das Böse, das überall sein Dasein zu behaupten strebt und das niederzuringen die höchste sittliche Tat bedeutet. Gewiß, der Mensch, in dem nun einmal das Ich das Stärkste ist, vermag eine klare Grenze nicht zu finden, die den ruchlosen Kampf um Macht und Genuß von dem sittlichen Kampf gegen das Unsittliche, gegen den Feind des Guten scheidet. Nur der vermag’s, der die Pläne des Welt- Prozesses in seiner Hand hält, der seinem Volke das Schwert in die Hand drückt, wo und wann die sittlichen Zwecke der Weltentwicklung es erheischen, und der dennoch das Schwert der Gewalt als ein Symbolum des Schlechten von der Schwelle seines Hauses weist, wo die Steine des Altars zeugen gegen die Arbeit des Schwertes. Ein solcher ״Kriegsmann“ ist unser G-tt, der G-tt der Liebe. Und darum vermag uns Juden nur der G-ttesruf zu sagen, wo es gilt, zu kämpfen oder zu lieben! Auch im Kampfe der Ideen, die noch immer tausendmal mächtiger sind als alle ökonomischen und materiellen Faktoren der Geschichte, öffnen sich blutende Wunden und hart ist’s oft, das Schwert zu führen, wo die Pflicht zum Kampfe ruft. Und doch ״Ist Gehorsam besser als Opfer, Aufhorchen wertvoller als das Mark der Widder“. Und doch Ist ״Ungehorsam, Wahn und Selbsttäuschung der Widerstand gegen den G-tteswilien“. Wenn darum alljährlich in die große Jubelouvertüre des jüdischen Frühlings die rauhen Kriegsfanfaren des Kampfes gegen Amalek hineinklingen — dann sollte dieser Gegensatz uns nicht beirren. Kein schwärmender Poet hat ja die Lebensstimmungen geschaffen, von denen wir uns durchs Dasein tragen lassen; nicht mit Illusionen sollen wir über die Abgründe des Seins hinwegtänzeln. ER, dessen Siegel die Wahrheit ist, der den Frühling geschaffen und den Winter, das Leben und den Tod, Harmonien und Dissonanzen, strahlende Klarheit und unlösbare Weltenrätsel — ER ist es, der von uns Liebe fordert und Kampf. Iin Lichte seiner Thora ist auch der Kampf nur ein Ausdruck der Liebe zum Guten, dem wir zum Siege verhelfen sollen, auf daß einst uneingeschränkt . und bedingungslos die reine Liebe walten kann. Dr. Isaac Breuer hören Sie über die Situation im Heiligen Lande nach der Abreise der Königlichen Kommission in seinem einzigen Wiener Vortrag im Rahmen seiner Europa־־ Tournee für den Keren Hajischuw am 28. Fe־־ bruar um 8 Uhr abends im Konzerthaussal, Erziehungsfragen Die Stellung der jüdischen Elternschaft zur jüdischen Schule Ausgehend von der richtigen Erkenntnis, daß die drei wichtigsten Erziehungsfaktoren Haus, Umwelt und Schule bestimmend für das geistige Werden und die Charakterbildung eines Menschen sind, haben die Pädagogen schon vor Jahren versucht, diese drei Faktoren aufeinander abzustimmen. Rechtzeitig haben die Schulbehörden vieler Länder Uebereinstimmung zwischen ׳Schule und Elternhaus anzubahnen versucht: die Elternvereine wurden gegründet. Der Zweck der Elternvereine ist demnach: Jede Förderung der Erziehung und des Unterrichtes der schulbesuchenden Jugend. zuteil werden zu lassen. Der weite, holprige Weg zum. Ziele wird durch die Erziehungsgemeinschaft von Elternhaus und Schule leichter gangbar gemacht, weil eben zwei Faktoren die Hindernisse aus dem Wege räumen. Der Eltemverein, der sich aus Vertretern sämtlicher Schulklassen einer Schule zusammensetzt, hält zeitweise seine Besprechungen: mit den Vertretern des Lehrkörpers ab. Er sorgt für die Aufrechterhaltung des guten Einvernehmens zwischen Eltern- und Lehrerschaft und berät ' auch über Fragen' der Erziehung und des Unterrichtes,, soweit sie die gesamte Schülerschaft, bzw. die einer Schulklasse betreffen. II: Die Institution der Elternvereine bietet der j ü d is c h e n Elternschaft mannigfaltigste Anwendungsmöglichkeiten. , י י ■ > Das Bewußtsein, ’ MenSchen heranzubilden, die sich später selbständig in der Welt zurechtfinden sollen, erzeugt bei vielen Eltern ein Gefühl der Unsicherheit und des Unvermögens. Wie ungleich schwerer ist es aber erst, ein Kind zu einem aufrechten' Jehudi heranzubilden, wo doch die Gefahr des schlechten Beispiels, von der religiösen Lebenswarte aus betrachtet, ständig lauert und leide? so vielen zum Verhängnis wird. Müßten hier, angesichts solcher Schwierigkeiten, nicht doch alle maßgebenden jüdischen Erziehungsfaktoren),! •voran das jüdische Haus und die jüdische Schule, sich zusammenschließen und rechtzeitig durch Vereinheitlichung ihrer Maßnahmen auf der ganzen Linie der Erziehung unserer jüdischen Jugend den Weg ebnen und klarer vorzeigen? Hier muß die Elternschaft als Hauptinteressent, verkörpert im Elternverein, in Aktion treten und Rabbi Josef Rosen זצ״ל Zur ersten Wiederkehr seines Sterbetages Ein Jahr ist vergangen, seitdem der R o g atschower Gaon s. Z. 1. seine wunderbaren Augen für immer geschlossen hat. Ein Jahr ist vergangen, seitdem unser Geschlecht um das Einzige ärmer geworden ist, worum es auch gar manches frühere, dem unsere Ehrfurcht gilt, beneiden könnte. Damals sind wir aber auch reicher geworden, nämlich um das Bewußtsein, etwas Einmaliges, Unvei’gleichliches besessen zu haben, ein Geschenk, mit dem wir nichts anzufangen wußten, weil wir es nicht bewerten konnten. Und so war er denn einsam geblieben auf seiner unerreichbaren, schwindelnden Höhe, die in die ferne Zeit des R a m b a m hineinragte, der sein Weggenosse wurde durch die weiten Gefilde der Thora. Er blieb sein Lebenlang unverstanden und nur sein Tod, der vielleicht das Menschlichste an diesem seiner Gegenwart so Entrückten war, hat ihn uns nähergebracht. Wie ein Hauch aus einer fremden Welt wehte uns da die Ahnung um die Personlichkeit des Heimgegangenen an, eine Ahnung, die uns fühlen ließ, daß er, der unter uns geatmet, eigentlich so etwas wie ein Stern der Vorzeit war, dessen Licht zu sehen, die Kinder unserer Tage das Glück hatten. Und darum ist der Schmerz unverwundbar, die Trauer nicht zu lösen, die sein Verlöschen in unsere Seelen gesenkt, Ein Jahr ist vergangen, doch die Wunde ist frisch wie am ersten Tag. Denn der alte Jisroel hat seinen besten und größten Sohn, seinen teuren Josef, verloren. e. g. feste Brücken schlagen zwischen Elternhaus und Schule einerseits und Jugendverein andererseits; damit der ganze Weg — angefangen von der Pflichterfüllung in der Schule . über das natürliche Zusammenleben in der Familie hinaus, bis zur zwanglosen Freizeitgestaltung im Jugendverein — übersichtlich und gesichert wird. HL Treten wir dem Problem näher, und wenden wir; uns einmal der jüdischen Schule zu. Hier wird sich die Elternschaft vor allem mit zwei Hauptfragen beschäftigen müssen. 1. Wie bereiten wir unsere ■Kinder auf die jüdische Schule vor? 2. Wie können wir die dort geleistete Erziehungs- und Unterrichtsarbeit vom jüdischen Hause aus planvoll fördern? Die Vorbereitung zur jüdischen Schule wird am besten durch den j ü d i sahen KJ i n d e r g <a. r ,t e n in der Zeit bis zum sechsten Lebensjahr angebahnt. Praktisch verwirklicht soll siö erst im Volksschulalter werden: Ebenso wie die Schulaufgaben von verantwortungsbewußten Eltern überwacht werden, muß׳ die seelische Einstellung des .Kindes, vor allem die Achtung vor der jüdischen Schule und ihren Einrichtungen, vom Hause, gepflegt werden. Dieses Ziel wird aber nur erreicht, wenn die Eltern selbst hier ihren Kindern mit gutem und bestem Beispiel vorangehen. Die freudige Bejahung und Förderung der jüdischen Schule wird dann auch im Kinde ein Wertgefühl auslösen, das, rückwirkend auf die schulische Arbeit, günstige Ergebnisse zeitigen wird. ' IV. ' ' , י Wenn die jüdische Elternschaft ihre Kinder, für; die jüdische Schule entsprechend vorbereiten wird, kann! die letztere ihren Einfluß auf das Kind erfolgreich ver-i stärken. Die Kinder fühlen, daß sie sich im Kreise einer' weltanschaulich und religiös gleichgesinnten Gemeinschaft bewegen und entfalten dürfen, weshalb auch so manche Hemmungen, die sich vielleicht an anderen Er-, Ziehungsstätten ׳bemerkbar machten, hier gar nicht in Erscheinung treten. Das jüdische Kind, dem man daheim sagt: ״Du darfst in die jüdische Schule gehen", wird dies als Auszeichnung ansehen und seine Kräfte der Wertung der jüdischen Schule gemäß anspannen, um sich ihre Vorteile zu sichern. Wird diese Vorbereitung richtig durdhgdführt,. dann wird auch die oft zu hörende Klage mancher Eltern über ungenügende Selbstzucht und Selbstbeherrschung ihre Kinder verstummen. Denn nur dort kann Autorität im ,Elternhaus gefordert werden, wo bereits ein solches Prinzip von seiten der Eltern Dritten gegenüber anerkannt und geübt wird. Sieht ein Kind, daß der Vater vor dem Großvater Achtung und •Würde wahrt, dann greift solch ein Verhalten auch leichter auf• das Kind über. Sieht es aber das Gegenteil, das, was ihm bis jetzt a ch.t un gs we rt erschien, von den Eltern oder,*erwachsenen Geschwistern herabsetzen, dann beginnt es ebenfalls mit dem Abbau der Achtung. So zahlt ein scheinbar unwissendes Kind mit gleichen Waffen zurück, mit denen man es aus seinem guten Glauben gerissen hat; es zerstört auch die Machtsphäre derer, die bereits die Autorität anderer herabgesetzt haben. Deshalb legt auch die •jüdische Schule so besonderen Wert auf ein geordnetes häusliches Familienleben, weil dadurch das Kind am besten gestützt und erzogen werden kann. V. י Das Elternhaus wird die größte Sorgfalt für die religiöse Erziehung der Kinder aufwenden müssen, weil hier die Schule das Haus nie ersetzen, son- Die Purim-Nummer der ״Jüdischen Presse“ erscheint nächste Woche, in verstärktem Umfang um einen Tag früher als sonst, so daß sie Purim morgens in die Hände der Leser gelangt. Redaktionsschluß in Wien: Dienstag, 12 Uhr mittags; in Bratislava: Montag, 12 Uhr mittags. Der eben erschienene Perückenkatalog informiert Sie über unsere neuer M04*H* ״״<* günstigen Preise Wien I, Kärntnerring e Tel. U-43-0-16

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