Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 6 (5.2.1937)
- Date
- 1937-02-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE FRESSE Nf. 6 4150 spradt Hitler Mit ungeheurer Spannung hat die Weit der Reichstagsrede Hitlers entgegengesehen. Man war begierig, 2u hören, was er auf die klaren und eindeutigen Friedensangebote Blums und Edens antworten werde. Allein, die Antwort, die nun erfolgt ist, hat enttäuscht; wer erwartet hatte, daß Hitler konstruktive Vorschläge zur Klärung dei* Wirrnisse dieser Zeit machen, daß er einen Weg aus dör europäischen Sackgasse zeigen werde, ist jetzt um eine Hoffnung ärmer. Und wenn Hitler meinte, nach dieser Rede sei die fceit der ״Ueberraschungen" vorbei, so muß gesagt werden, daß sie es schon vor der Rede war. Es sei denn, daß es eine Üeberraschung war, als Hitler sich eine neue Rolle zulegte, die Rolle eines Prop h e t e n, der da mit Emphase verkündete, die B1 u t- und Rassenlehre werde gleich der Erkenntnis des Umlaufs der Erde um die Sonne eine Umwälzung des Denkens mit sich bringen und das jüdische Volk werde nicht mehr in der Maske eines biederen Weltbürgers alle anderen Völker innerlich zersetzen und dadurch beherrsehen können. Es war nicht der Jude Blum, der Deutschland die Vergötterung der Rasse und seinen ״überspitzten Nationalismus“ vorhielt, sondern der reinrassige Germane Eden. Und diesem hat nun Eitler mit seiner Prophezeiung geantwortet. Es ist ein schwacher Trost, daß in diesem Falle der Prophet nur in seinem Vaterlande gilt. Gerade in dieser Rede hat Hitler von dem niederdrückenden Gefühl gesprochen, unter dem das deutsche Volk fünfzehn Jahre lang gelitten hat, da es ein Aussätziger unter den Nationen war. Nachdem das deutsche Volk die Beschränkungen des Versailler Friedensvertrages abgeschüttelt hat, hat Hitler just in der fetzten Reichstagsrede die deutsche Unterschrift unter die ״Kriegsschuldlüge" zurückgezogen, Um neben der praktischen auch der moralischen Diffamierung ein Ende zu bereiten. Glaubt nun Adolf Hitler, daß wir Juden andere Ehrbegriffe haben als die Deutschen? Glaubt er, daß das nordische Blut unter Schimpf und Schmach wilder wallt als das jüdische, daß arischer Stolz sich gegen Beleidigung und Herabsetzung heftiger bäumt als jüdischer? Glaubt er, daß das jüdische Volk den Vor- Wurf, ״Abschaum der Menschheit" zu sein, mit mehr Gleichgültigkeit trägt, als ihn das deutsche Volk tragen würde? Oder mit mehr Berechtigung? Mit mehr Schuld? Weiß doch jedes jüdische Kind — und mit ihm die geistig Erwachsenen aller übrigen Völker —, daß seiner, der jüdischen, Gemeinschaft und ihrer ganzen Geschichte das Brandmal der Verworfenheit nur deshalb auf gedrückt wurde, weil dies gewissen politischen Aspirationen förderlieh erscheint, weil man einen Popanz, ein Schreckgespenst braucht, einen Sündenbock, dem man die Verantwortung für alles Unglück in dieser Welt auflasten kann. Das Spiel, das da mit dem jüdischen Volk getrieben wird, ist doppelt infam. Nicht genug, daß ihm jedes Lebensrecht abgesprochen, seine Ehre mit Füßen getreten, sein Name tausendfach geschändet wird, nicht genug daran, geschieht dies alles noch gegen das bessere Wissen jener falschen ״Propheten" und nur, weil sie es als ihren politischen Rankünen nützlich erachten. Nützlich zum Zweck und beguem in der Durchführung. Zwischen Deutschland und Frankreich — versicherte Hitler in seiner Rede — könne es keine mensch- * lieh denkbaren Streitpunkte geben. Zwischen den jahrhundertealten ״Erbfeinden", die auch heute nicht nur der Rhein trennt, ״kann es keine menschlich denkbaren Streitpunkte geben". Mit dem schwachen, wehrlosen jüdischen Volk aber, das Deutschland nie etwas zuleide getan hat, nie etwas zuleide tun konnte, gibt es keinen Frieden! ״In der Behandlung der Nationalitäten, die. als Minorität in fremden Völkern zu leben gezwungen sind, soll eine gegenseitige Rücksicht auf die berechtigte Empfindung des nationalen Stolzes und Bewußtseins genommen werden", fordert Hitler. Die Juden aber sollen außerhalb der menschlichen Gesellschaft bleiben, verfemt und verachtet, rechtlos Und vogelfrei. Denn sie sind der Punkt des geringsten Widerstandes, an dem man sein Mütchen leicht kühlen kann; der Kampf gegen sie ist lohnend und bringt billige Lorbeeren. Hitler hat die Bedeutung der Blut- und Rassenlehre mlit der der Erkenntnis des Umlaufs der Erde um die Sonne verglichen. Für diese Erkenntnis hat einer den Scheiterhäufen bestiegen. Hitler aber schickt im Dienste an der Rasse — im übertragenen Sinne zumindest — andere auf Scheiterhaufen. An uns ist es, zu rufen: ״Und sie dreht sich doch!" Auf unserer Seite sind das Recht und die Wahrheit!. e. g. Erneuerung der Palästina-Verwaltung T Das Tschechoslowakische PreßbUfo bringt Mit* teilungen aus London Über eine Vor sich gehende Erneuerung des britischen Verwaltung»- körpers in Palästina. Fast alle hohen britischen Verwaltungsbeamtett in Palästina wurden nach anderen britischen Besitzungen versetzt, während zwei Departement-Direktoren pensiöniert Wurden. Der Höhe Kommissär in Palästina wird in absehbarer Zeit auf Urlaub gehen und es ist noch nicht sicher, ob er vom Urlaub zurückkehren wird. Diese Aenderungen in der britischen Verwaltung Palästinas stehen in direktem Zusammenhang mit den vorjährigen Unruhen und sind auch die erste Folge der Untersuchungen der Königlichen Kommission. Wie verlautet, werden an die Steifen der versetzten Beamten britische Beamte aus Aegypten kommen, die infolge des englisch-ägyptischen Vertrages ihre Posten verlassen mußten. Auni Bey Abdul Hadi spricht zum ״Völkischen Beobachter“. Der ״Völkische Beobachter" bringt ein Interview mit dem Generalsekretär des Obersten Arabischen Aus- Schusses in Palästina, Auni Bey Abdul Hadi. Dieser erzählte, er habe in dem Konzentrationslager Sarafend, wo ihn die Engländer längere Zeit interniert hielten, die englische Ausgabe von Hitlers ״Mein Kampf", ״My Struggle", gründlich gelesen. Er fügte hinzu: ״Wir Araber bewundern den Mut und die Kraft Adolf Hitlers, der die Ketten zerriß, mit denen Habgier und Sadismus das deutsche Volk fesselten. Unsere nationale arabische Bewegung hat viele Parallelen mit der deutschen." Jüdische Einwanderung nach Palästina und in britische Dominien. Anläßlich der zweiten Lesung der Empire Settlement ׳Bill \ kam es im Unterhaus zu einer Aussprache Über jüdische Einwanderung nc.־h Palästina und in Dominien des britischen Reiches. Während Von einem Redner, dem Abgeordneten der Labour Party, Sir Robert Young, die politischen Schwierigkeiten betont wurden, die für das britische Reich von einer fortdauernden verstärkten jüdischen Einwanderung nach Palästina ,zu befürchten Seien, und darum die Ablenkung eines Teils des Einwandererstroms in die Dominien — besonders nach Australien — befürwortet Wurde, hob ein zweiter Redner derselben Partei,‘ der Abgeordnete F. J. Bellenger, die Leistungen der Juden in Palästina als vorbildlich für die Lösung von Kolonisationsproblemen hervor. Haben die Mitglieder des Hauses, so fragte der Redner, bei der Bebandhing dieses Problems über Palästina nachgedacht? Das Land war völlig entvölkert, jedenfalls gab es sehr wenige Juden dort. Dadurch aber, daß Palästina infolge der Balfour-Deklaration zu einer neuen Heimat für die Juden geworden ist, kam es in den fetzten Jahren zur Blüte, Palästina hat anscheinend dieses Problem in weit wirksamerer Weise gelöst, als es für die Lösung der Reichsprobleme hier vorgeschlagen wird.' Aus dem Verlauf der Debatte ging im übrigen hervor, daß Queensland und Südaustralien bereit sind, Ein- Wanderer bestimmter Arbeiterkategorien in beschränkter Zahl aufzunehmen. Die Wirtschaftslage in Palästina. Nach dem fetzten Wirtschaftsbericht der Barclays Bank zeigen die Lebensmittelpreise in Palästina weiterhin steigende Tendenz. Die, Nachfrage ist stark. Infolge des schlechten Wetters ist ein vorübergehender Stillstand auf dem Baumarkt zu verzeichnen. Aus Syrien wurden in letzter Zeit 400 Tonnen Weizen und 500 Tonnen Gerste importiert. Der Markt in allen Getreidearten ist fest. Auch der Kolonialwarenmarkt ist lebhaft, die Preise sind gestiegen. Infolge der kalten Witterung finden wollene, baumwollene und Seidenwaren guten Absatz und werden im Durchschnitt auch gut bezahlt. Das polmsdie Inferno Die P o g r o m w e 11׳ e in Polen hat wiederum ein jüdisches Todesopfer gefordert. In der Sterlimgsgasse zu Lodz, wo sich ein Lokal der Nationaldemokraten!befindet, überfielen Huligans den 22jährigen ,Simon Cheferner״ Sohn des Präsidenten der Lodzer Exekutive!der Aguidas Jisroel, und versetzten :ihm mehrere tiefe Messer- 0tiidhe. Der Ueberfallene wurde von der Rettungsgesell- Schaft ins Hospital geibracht, wo er an den Folgen der Verletzungen (unter entsetzlichen Qualen verstarb. In der Porno,rskagasse zu Lodz wurden die jüdischen Passanten Lipman Kartowski und Josef Gruistein sowie Frau Mallka Ginzburg durch Huligans überfallen!und durch Messerstiche und Schläge sehr erheblich ver/letzt. Alle drei wurden in das Hospital!gebracht. Das sind nur einige Tatsachen aus der großen Serie täglicher!blutiger Ueberfälle auf Juden in Lodzer Straßen. Die Unruhe an dein Universitäten!und Hochschulen dauert an־ .׳ Es wird schon zur ■ Regel, daß die jüdischen Hörer den Vorlesungen immer nur stehend beiwohnen, weil, die Nationaldemokraten ihnen nicht :erlauben׳, sich ihre Plätze zu wählen!, und die Juden die ihnen zugewiesenen iChetto-Bänke meiden. Am fetzten Markttag ist es in Dzialoszyn (Kreis Wielun) zu bestialischen judenfeindliqhen Ausschreitungen gekommen. Die von antisemitischen Agitatoren aufgehetzte Menge stürzte die Marktstände der jüdisehen Händler um, verstreute oder raubte die Waren. Vierzig Juden wurden verletzt, zehn von ihnen sehr schwer. Eine größere Polizeiabteilung wurde aus der Kreisstadt Wielun entsandt und stellte die Ordnung wieder her. Von ■den Pogromleüten ist kein einziger verhaftet worden, dagegen wurden der bekannte jüdische Bürger Samuel Zlotnik und ein zweiter Jude von der Polizei festgenommen und in das Kreisgefängnis eingeliefert. Die Lage der jüdischen Bevölkerung ist verzweifelt. Wie ein Beamter des Joint, ■der sich nach Dzialoszyn begab, von dort telephonisch berichtet hat, gibt es in der Stadt keine Lebensmittel und es verbreiten sich Epidemien. Bei Behandlung des Budgets des Handelsministeriums in der Budgetkommission des Sejm wies der agudistische Deputierte M i n z b e r g darauf hin, daß kaum fünf Prozent der jüdischen Bevölkerung Polens im Handel tätig sind; diese Tatsache führe alle Behauptungen der Antisemiten,, daß der jüdische Handel eine abnorme Erscheinung in der Wirtschaft sei, ad absurdum. Durch den antijüdischen Wirtschaftsboykott ist der allgemeine Umsatz stark gefallen, die gesamte Wirtschaftsenergie ist gesunken. ״Times“ bringen ein längeres Interview ihres Genfer Korrespondenten mit dem dort weifenden polnischen Außenminister Oberst Beck über das polnische Emigrationsproblem. Minister Beck erklärte, das jüdische Emigrationsproblem sei durch die ökonomischen und sozialen Verhältnisse in Polen bedingt. Wenn der wirtschaftliche Druck aufhört, werde sich der politische Antisemitismus von selbst erledigen. Die Regierung — so versichere Minister Beck — ist entschlossen, die Exzesse zu unterdrücken und die Sicherheit aller Bürger zu garantieren. Die Juden Rumäniens wehren sich, Im Namen des Zentralrates der Juden in Rumänien hat der geschäftsführende Vorsitzende Dr. Wilhelm Fildermann dem Ministerpräsidenten Tatarescu eine Denkschrift überreicht, in der die Verfassungswidrigkeit der geplanten Ueberprüfung der Staatsangehörigkeit von Einwohnern der nach dem Kriege angeschlossenen Provinzen nachgewiesen wird. Es wird betont, daß.alle betreffenden Einbürgerungen bereits zweimal bestätigt wurden und daher auf Grund des' Gesetzes von 1934 endgültig geworden sind. Eine neue Ueberprüfung der Bürgerschafts-. Zertifikate nach dreizehn Jahren würde die der jüdischen Minderheit im Friedensvertrag und in der Verfassung zugesicherten Rechte schwer beeinträchtigen. Sammelverbot auch für agudistische Fonds in Rumänien. Nachdem bekanntlich ein Sammelverbot gegen die zionistischen Fonds in Rumänien erlassen worden ist, ist jetzt eine gleiche Entscheidung gegen ״Keren Hajischuw“ Und ״Keren Hathora" erfiossen. Ueber die bereits gesammelten Gelder ist die Sperre verfügt worden. Du ״Schemen. Rakeach." Zum hundertsten Todestag Rabbi Eleasar Löws 8.Z.I.' Von J. F. Am 27. Schwat werden es hundert Jahre, daß Rabbi Eleasar Löw s. Z. 1., der unter dem Namen ״Schemen Rokeach" ,unsterblich!gewordene Fürst der Thora, seine große Seele ausgehaucht hat. Die hundertste Wiederkehr des S t ׳e r b e tages eines Mannes, den der ״Node b’Jehudo" mit ״Gaon" tituliert hat, für den der ״Kesser Kehuno" und der ״Jismach Mosche" nur Ausdrücke der höchsten Bewunderung und Verehrung fanden, ist Anlaß genug, einen Blick auf sein Leben zu tun. Rabbi Eleasar Löw wurde im Jahre 5518 (1758) in Wodislow als ,Sohn des gelehrten Rabbi. Ar je Leb, eines Sohnes des Autors des berühmten Werkes ״Ateres Pos", geboren. Beim Kinde zeigten sich schon wunderbare Anlagen des Geistes und Verstandes, so daß der achtjährige Eleasar an der Jeschiwo des ״Ateres Pos" Aufnahme fand, Bald war er als ״Ilui“ in der ganzen Gegend bekannt. Im Alter von 16 Jahren.verließ er die Jeschiwoh, um sich — wie es der damaligen Sitte entsprach — mit einer Enkelin des Verfassers des ״Gur Arje" zu verehelichen. Kurze Zeit darauf wurde R. Eleasar Löw zum Rabbiner in Pilza bestellt, von wo sein Ruf in die jüdische Welt dringen sollte. Von überallher wandte man sich mit schwierigen Problemen und komplizierten Fragen an ihn. Keine Geringeren als der Chasam Sofer, Rabbi Mordechai Beneth, Rabbi Meir Asch, Rabbi Samuel Landau, Rabbi Nachum Trebitsch, Rabbi Jecheskel Paneth, Rabbi Bezalel Ransburg, Rabbi Dovid Deutsch, Rabbi Elieser Fleckles u, v. a. sind mit Rabbi Eleasar Löw in halachischen Angelegenheiten in Korrespondenz gestanden und haben ihn als Rischon betrachtet, dessen Ent- Scheidungen unbedingt Gewicht zukam. Im Jäher 5660 (1800) wurde er als Oberrabbiner nach Trietsch (Mähren), später nach Ronsperg, Pilsen, Klattau und Lipötszentmiklös berufen. 5090 (1830) folgte er der Einladung der Gemeinde A b a u j s z a n 10, wo er bis zu seinem T04e am 27. Schwat 5597 (1837) bjieb, Der Sohn Rabbi Eleasar Löws aus erster Ehe (er hatte nach dem Ableben seiner ersten Frau eine Tochter des ״Kesser Kehuno" geheiratet) ist als Verfasser des ״Schaare Thora" bekannt. Rabbi Jirmje Löw s. Z. 1״ kurz Rabbi Jirmje Charif genannt, der Enkel, hat sich als Rabbiner in Ujhely an Seite der rabbinischen Größen der Zeit um die Selbständigkeit der ungarländischen Orthodoxie besonders!׳verdient gemacht. Was die großartige literarische Leistung Rabbi Eleasar Löws!betrifft, so sei sie in folgendem nur kurz skizziert.! Im Jahre 5548 (1788), als Achtundzwanzigjähriger also, veröffentlichte er den ersten Teil seiner Gutachten- Sammlung, die er ״Schemen Rokeach" benannte. In der Einleitung zu diesem Werk gibt der Autor eine Erklärung des Titels. ״Schemen" bedeutet die ״Lehre", das Wort ״Rokeach" hat den Zahlenwert 308 gleich dem Wort ״Eleasar", ״Schemen Rokeach“ bedeutet also ״Lehre des Eleasar". Das Werk enthält 86 Gutachten aus allen Gebieten des Schulchan Aruch. Es begründete den Ruf des Verfassers und gab ihm den Namen, unter dem er in die Welt unseres Schrifttums einzog. Im Jahre 5556 (1796) erschien das zweite Werk Rabbi Eleasar Löws unter dem Titel ״Same d'Chajo", Es enthält 18 homiletische Vorträge, die alle bezeugen, daß der Verfasser auch im Reiche der Agada eine Größe war. In der Form!geistreich und oft auch witzig, sind sie von hoher Moral erfüllt, was sie . als ungemein wirksam und von großem erzieherischem Wert erscheinen läßt. 5560 (1800) erschien die ״Thoras Cheae d", ein Werk, das nicht die Absicht hat, gewisse Talumdstellen zu erörtern, sondern vielmehr allgemeine Prinzipien und Grundsätze im' Talmud festzustellen. Um solche Normen aufzustellen, bedarf es einer umfassenden Kenntnis des Talmud und der talmudischen Literatur, damit diese Normen eben nach jeder Richtung hin entsprechen. Die damals herrschende politische Unruhe hat auf die literarische Tätigkeit Rabbi Eleasar Löws störend gewirkt, so daß ״Thoras Chesed" in (knapper Kürze geschrieben ist. ■ Als nächstes veröffentlichte er das bekannte Werk von Rabbi. Hai Gaou, ״Sef er Mekach Umimkar", mit eigenen Randbemerkungen und Erklärungen versehen׳. Im Jahre 5563 (1803) erschien der zweite .Teil des ״Schemen Rokeach", der sich bald größter Verbreitung und uneingeschränkten Ansehens erfreute׳. 5567 (1807) veröffentlichte Rabbi Eleasar Löw das Werk, das als Höhepunkt seines ׳Schaffens gelten kann. ״Schew Schmateso" enthält 302 (Sch׳׳w) Abhandlungen über den Talmud, dessen Lehrmethoden in großartigster Weise und in verblüffender Systematik vorgeführt werden!. Die Tendenz lag schon der ״Thoras Chesed" zugrunde, hat aber erst hier ihre grandiose Verwirklichung gefunden. Nicht nur der ganze Talmud, sondern auch die Gedankenwelt der Rischonim erschien in ״Schew ׳Schmateso" glänzend verarbeitet. Das Werk hat ungeheures Aufsehen׳ und große Bewunderung erregt. Rabbi Mordechai Beneth s. Z. 1. meinte sogar, es könnte nicht auf Erden, sondern müßte im Himmel geschaffen worden sein. 5572 (1812) ließ Rabbi Eleaser Löw Novellen zu einzelnen Talmud-Traktaten erscheinen, die sich alle durch überaus logisches Denken und unbeirrbares Suchen nach der Wahrheit auszeichnen. Gekünstelte Spitzfindigkeiten und haarspalterische Klügeleien werden gemieden und nur nach dem wahren Geist der betreffenden Stelle wird geforscht. 5574 (1804) beschenkte Rabbi Eleasar Löw die weniger gebildete Masse des Volkes mit einer leichtfaßliehen agadischen Schrift ״Jowin Schemuoh“, die in Inhalt und Stil sich bemüht, populären Charakter zu wahren. Weitere Werke aus dieser Zeit sind: ״Schare De oh" und ״Sichron Aharon". In vorgerücktem Alter schrieb Rabbi Eleasar Löw die ״Minchas Erew“, ein Werk homiletischen Inhalts. Dieses, wie der dritte Teil seiner Responsensammlung ״Schemen Rokeach“ und die Glossen zum Schulchan Aruch“, letztere unter dem Namen ״M aaseRokea c h", sind posthum erschienen. Der Veröffentlichung harren noch eine Reihe von Werken aus den verschiedensten Gebieten. Daß sie bis auf den heutigen Tag den lernenden . kreisen nicht zugänglich gemacht wurden, ist ebenso traurig wie beschämend. Dem Ruhm und der Größe Rabbi Eleasar Löws kann dies keinen Abbruch tun. Denn sein Name glänzt in strahlenden Lettern unter den anderen hohen Namen der jüdischen Wissenschaft. זכורוו ינן עלינו.