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Jüdische Presse · 1937-02-05 · 6 (5.2.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
6 (5.2.1937)
Date
1937-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Notinove povolenö riadlt pöSt & telegfäfov? Bfatlslave dis. 41572-01-20 V. b. b vsssst^n* t versendet Jotmiäl exp***»* pä* l’gdlteur 3UDIGCH6 בה WIEN. BRATISLAVA S. FEBRUAR 193? : כ״ד $נט תרצ״ז 23. Jahrgang j Nummer 6 Redaktion und Administration: Wien, II, Malzg. 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava» Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschhtß: Mittwoch Mittag Abonneiöentpretse: Ganzjährig: für Oesterreich S 10, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ansland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. oRGnn für Die mTGRessen Des ORTHODpHen JUDemums Schekolim Nach der Versündigung beim goldenen Kalb gab, wie die Ueberlieferung mitteilt, G־tt dem Volke durch Mosche das Schekelgesetz. Zu diesem Gesetz machen unsere Weisen die Anmerkung: .כשהניע משה לפרשת שקלים, אמר: רבש*ע שמא כשאני מת, אין אג־ נזכר אמר ליה הקב״ה: הייך, כשם שאתה עומד עכש־ו ונותן להם פרשת שקל׳ם וזוקף את ראשן, כן בכל שנה ושנה כשישראל קורין בפרשת שקלים, כאילו אתה עומד וזוקף את ראשן, שני כ־ תשא את ראש (מ• תנהומא). ״Als Mosche zu Parschas Schekolim gelangte, .sprach er: ,Herr, wenn ich sterbe, wird man mich nicht vergessen?‘ Da sprach G-tt zu ihm: ,Nein, so wie du jetzt dastehest und ihnen die Parschas Schekolim überbringst und ihr Haupt aufrichtest, so wirst jedes Jahr, wenn Israel die Parschas Schekolim liest, ‘du gleichsam ihr Haupt aufrichten!“ Die Egel-Verirrung war verziehen, das innige Gebet Mosches hatte das Volk vor dem Untergang bewahrt. Aber viele von Israel waren gefallen. Das Schwert und die Seuche hatten tausende dahingerafft. Da stieg in dem treuen Hirten Mosche der schwermütige Gedanke auf: Wer weiß, wenn ich einmal sterbe, ob dann nicht wieder das Volk solcher Sünde verfällt! Einige Tage nur weilte ich nicht in ihrer Mitte und schon glaubten sie, den Zusammenhang mit G־tt verloren zu haben. In mir, dem ״Isch Mosche“, sahen die Armen die Macht, die sie aus Mizrajim geführt habe, und da sie nicht wußten, was mit mir geschehen war, meinten sie, eine andere g־ttliche Gewalt sich wählen zu müssen, die vermittle zwischen ihnen und G-tt und vor ihnen herziehe. Und wenn ich nun sterbe, wird nicht der alte Irrtum, daß es einer Vermittlung bedürfe zwischen ihnen und dem Ewigen, und daß ich ein solcher Mittler gewesen sei, wiederum sie zu der alten Sünde verleiten? Mein Name aber wird der Vergessenheit anheimfallen. Die Thora, als deren Verkünder auf G־ttes Geheiß ich genannt werde, wird ihre Träger verloren haben. Das waren, so meinen wohl unsere Weisen, die trüben Gedanken, die Mosche nach der Ma'asse Egel schmerzlich ergriffen. Da sprach G-tt zu ihm: ״Sieh, ich habe ein Mittel, das sie künftighin vor jenem unglücklichen Wahne: bewahren wird. Ich gebe ihnen das Schekelgesetz, einen ,halben Schekel sollen sie entrichten, ולא יה בהם נגף בפקד א ו ח.ם und es wird keime Seiuchle miehir sie hedmsuchen, Wenn sie gezählt werden. Aber Mosche verstand nicht, was der halbe Schekel hiezu nützen könne, verstand nicht, wie denn mit Silberlingen׳ Sühne errungen, die Sünde gebannt ,zu werden vermöge. נתקשה עליו מחצית השקל Da הראה לו הקב־ה מטבע של אש zeigte ihm G-tt den halben Schekel in Feuer gestallt und sprlach: ״ כזה יתנוSolches sollen sie geben!“ Gewiß, nicht durch Geld kann der Mensch Sühne erwirken, sondern nur durch die Erfüllung der ihm erteilten Pflichten des אש דת des Feuergesetzes, durch di׳e Verwendung aller von G-tt gewähnten Mittel des Körpers und des Geistes׳ im Dienste des אש דת das mit seiner Glut den ganzen Menschen durchdringen will. Aber eines sollten sie wissen, so lehrt Rasiere dich ohne Messer mit dem gesch. Rasierpulver Langerin es ist ärztlich begutachtet und unschädlich, 1 Paket, zirka Ein halbes Kilogramm, S 1,40. — Zu haben bei Philipp Langer, Friseur, II, Franz’Hachedlinger-Qasse 25 Moderner und alttestamentarischer Strafvollzug Eine aktuelle Betrachtung zum Wochenabschnitt. Die Wiener Tageszeitungen meldeten in der vergangenen Woche in einem Gerichlssaalbericht, daß eine Mutter von vier Kindern, die aus Not zur Diebin geworden war, nacli ihrer Verurteilung zu 18 Monaten Kerker, während sie in die Zelle abgeführt wurde, in den verzweifelten Ruf ausbrach: ״O G-tt, was werden meine Kinder jetzt machen?“ Wenn es für uns gläubige Menschen auch immer feststand, daß die g-ttlichen Gesetze unwandelbar und in ihrer Tiefe unergründlich sind, daß sie höchste Sittlichkeit darstelien auch dort, wo unsere Logik nicht ausreicht, um sie zu erfassen, so ist es doch gut, von Zeit zu Zeit einmal Vergleiche anzustellen. Sie 'sollen beweisen, daß die Errungenschaften des menschlichen Geistes, die Jahr-' tausende gebraucht haben, um zu einer vermeinten Vollendung, zu gelangen, immer nur Stückwerk bleiben und im entferntesten nicht heranreichen an die sittliche Vollkommenheit. Parallelen zwischen neuzeitlicher Rechtsgestaltung und biblischem Gesetz ließen sich unendlich viele ziehen. Wohl selten eine würde aber s o sinnfällig zugunsten des letzteren ausfallen, wie die Gegenüberstellung des eingangs erwähnten Falles eines unter die Räder der modernen Rechtspflege geratenen Menschen mit den in der dies wöchigen Sidroh niedergelegten Satzungen. Wenn im heutigen Rechtsstaat ein Mensch — wenn auch nur aus Not — strauchelt und sich am Eigentum des anderen vergeht, so wird durch ^cn-Strafvollzug das Un— heil verdreifacht. Der Schaden des Bestohlenen wird in den meisten Fällen doch nicht gutgemacht. Der anständigste Mensch muß im ׳Kerker, wo er nur mit Verbrechern zusammenlebt, selbst zum Verbrecher werden und wird kaum je mehr den Weg zurück ins bürgerliche Leben finden können. Die Angehörigen, die an der Tat unmittelbar gar nicht beteiligt waren, werden ungewollt ,mitgestr.aft und in den Fällen, wo der Bestrafte der Ernährer war, oft noch härter getroffen als der Verurteilte selbst. Das Absurdeste an der Sache aber ist: der Staat, die Gesellschaft, sind bemüssigt, mit ganz großem Aufwand für die Straflinge zu sorgen. Wie ahndete demgegenüber der auf Grund des G-ttesges.etzes konstituierte Staat Eigentums-׳ delikte? Sofern vom Uebeltäter eine Schadensgutmachung, die nach bestimmten Grundsätzen mit einer Strafsumme, verbunden war, nicht zu erlangen War, wurde der Dieb — erschauere, moderner Europäer! — als Diener verkauft. Aus dem Erlös wurde der Schaden gutgemacht. Die Ge- Seilschaft und der Staat waren der Sorge um den Lebensunterhalt dies B!e!£1t1raften!enthoben. Dier D׳ie|b kam in das würdige Haus seines Herrn, d!er auch zur Ernährung der Famlilie d,e!s Dieners verpflichtet war. (Hidduschin 22.) Wie aber wirkte sich dieser Strafvollzug erst am Uebeltäter selbst aus? Es ist ein bekannter Ausspruch unserer Weisen, die im Hinblick auf die vorgeschriebene Behandlung solcher Diener mit Recht sagen konnten: ״Wer sich einen Diener kauft, kauft sich einen Herrn.“ Ein Diener war im jüdischen!Staat verpflichtet, fleißig und oft hart zu arbeiten. Nichts aber, was seiner Men- ׳ sehen würde Abbruch tun konnte, durfte sein Herr ihm zumluten. Unsere Weisen gehen so weit, daß sie sagen, ׳ wenn im Haus nur. ein Schlafkissen vorhanden war, so mußte der Diener darauf schlafen und nicht der Herr, . damit die Härte des ohnehin schweren Loses des Dieners keine Verschärfung erfahre. Ueberflüssig, zu sagen, daß der Diener die Mahlzeit seines Herrn teilte. So wurde der einmal auf die abschüssige Bahn Geratene zwangsläufig durch den Verkehr mit gesitteten Menschen in die bürgerliehe Gesellschaft zurückgeführt. ־״ Im Schmitto-Jahr, also längstens nach sechs Jahren, mußte der Diener freigegeben werden und sein Herr war verpflichtet, ihn nicht mit leeren Händen in die Freiheit zurückkehren zu lassen. Er mußte ihn העניק תעניק לן mit' Mitteln ausstatten, mit denen er in der Lage war, ein neues Leben für sich und die Seinen zu beginnen. Gewiß, es widerstrebt dem modernen Empfinden, Menschen als ״Leibeigene" zu ״verkaufen" und zu benützen. Aber ist denn das Wort ״Leibeigener“, das zweifeilos auch wir zurückweisen, in diesem Falle überhaupt . zutreffend und den Tatsachen angemessen? Ist es denn nicht wahr, daß, wie ein geistreicher Schriftsteller es einmal formuliert hat, der Liberalismus nur frei im Beziirk, während die Religion ׳gdbumden ,im ,\VeltaIl .ist?;.. .. Für die engen Begriffe von Freiheit, wie sie eine verweichlichte Demokratie geprägt hat, mag ,der m oderne Strafvollzug human erscheinen. Für uns, die wir als religöse Juden im Antlitz jedes Menschen das Ebenbild G-ttes sehen, ist der biblische Strafvollzug die vollkommenste Verwirklichung von Recht und Gerechtigkeit, die die Menschheit nur erreichen kann, wenn sie sich zu den Begriffen der Moral und Ethik unserer alten Thora durchgerungen haben wird. Agudas-Jisroel-Jugendgruppe, Wien, II. Floßg. 1 Telephon Nr. A-48-2-56 EINLADUNG zu der אי• ה am Mittwoch, den 24. Februar 1937, um 8 Uhr abends im großen Festsaale des ״Hotel Post“, I., Fleischmarkt 24 (Eingang I., Drachengasse 1), stattfindenden PURIM-VERANSTALTUNG Erstklassiges Programm! •Karten rechtzeitig sichern! Karten (Damen und Herren) allabendlich im Lokale der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe die Thora: Nur einen halben Schekel kann jeder geben; sie alle vermögen als Einzelne nur ein Unvollkommenes zu leisten. העשיר לא ירבה auch der Reichste, der Bestbegabte, der Größte, vermag kein Ganzes, Vollendetes zustande zu bringen. AucheinMosche nicht! Aber darum ׳braucht der Mensch nicht zu verzweifeln, nicht zu glauben, sein Leben, seine Arbeit auf Erden habe keinen Wert, ihr Erfolg scheitere an der Endlichkeit alles menschlichen W.esens. זה יחנו gebe nur jeder seinen h a 1 b e n Schekel hin, suche nur jeder seinenTeilzu leisten, die halben Schekel machen zusammen ganze Schekel aus, die. Teilarbeit der Einzelnen, in der Richtung auf das eine Ziel der sittlichen Pflichterfüllung vereinigt, vermag, alle Schwierigkeiten, alle Unzulänglichkeiten zu überwinden und dem Willen der G-ttheit gerecht zu werdten. הדל לא ימעיט! Nicht auf den Leistungen einzelner Großer ruht der Bau der sittlichen Welt, daß die wenig Begabten,' die Schwachen, den Mut zu verlieren brauchten, Auf der Waage der g-ttlichen Gerechtigkeit wiegt die sittliehe Leistung, die der Dal unter Ausnützung des geringen, ihm von G-tt verliehenen Könnens, vor das prüfende Richterauge niederzulegen hat, wie das glänzende Werk, das die begnadete Kraft des O s c h i r hervorgebracht. ׳ . Dies war die Schekellehre, mit der Mosche das von der Schwere des Geschickes niedergebeugte Volk wieder auf richtete. נוחן להם פרשת שקלים וזוקף את ראשן das Gebot des Machzis Haschekel zeigte ihnen, daß jeder, der G־tt sucht, ihn finden kann, daß er keinen Vermittler braucht, daß auch ein Mosche sterben darf, ohne daß das Band, das Israel mit G-tt verknüpft, zerreißen müßte. Durch diese Erkenntnis ■aber, die jeder künftigen Egel-Verirrung den Boden entzog und Israel vor dem diesmal durch Mosches Gebet abgewendeten Untergang schützte, war auch der Fortbestand des Gesetzes für alle Zeiten gesichert und Mosches Name vor der Vergessenheit bewahrt. ] אמר ליה'־הקכ*ד,; בשם שאהד, עומד עכשיו ונותן להם פרשת שקלים וזוקף את ראשן, כן כל שנה ושנה והו,* Der eben erschienene Periickenkatalog informiert Sie über unsere neuen Hudelle und günstigen Preise Othmar Schiff Wien I, Kärntnerring 6 Tel. IM3-0-16 1

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