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Jüdische Presse · 1936-12-18 · 43 (18.12.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
43 (18.12.1936)
Date
1936-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 elÜDISCHE PRESSE Nr. 43 beschwört die Manen jener ersten heiligen Männer, die den ״neuen Jischuw" propagierten, »m der festen Ueberzeugung, daß, wenn jüdische Kolonisten den heiligen Soden wieder bestellten und Sch’mittü nach Vorschrift der Thora hielten und damit das Unrecht wieder gutmachten, das einst die Väter begangen, dies den ersten Anstoß zur kommenden Qeula geben ׳werde״; ruft die Gola auf, die g-ttesfürchtigen «Kolonisten in ihrer heiligen Arbeit tatkräftig zu untersützen — ist sich freilieh auch schmerzlich bewußt, zu welch unglaublichem Haß die Gesetzesverachtung entfremdeter Brüder sich zu erniedrigen sich nicht scheut, von denen der Sohar sagt, daß, wenn einst Moschiach sich anschicken wird, unter Gog-Magog-Kämpfen der Welt die Erlösung zu bringen, Entartete des jüdischen Volkes sich Gog-Magog anschließen werden, um gegen Moschiach anzukämpfen, und fügt die seherischen Worte hinzu, ״davor ist mir bange, die Geschichte wird sprechen“ — um mit dem erschütternden Gebet zu schließen: ״Ich sinke hin auf unserem heiligen Boden: mein Land, mein Landt tritt nicht als Kläger auf gegen deine Kinder vor unserem himmlischen Vater! Sieh das Leid der Thoragelehrten und des heiligen Volkes, das in Schmerz und Weh vergeht und in Tränen zerfließt wegen der Entweihung deines G-tt heiligen Sabbaths! O flehe zu unserem Schöpfer, daß er sich unser erbarme und uns bald erlöse, daß seine Kinder aus der Fremde heimkehren und seine Sabbathe hüten in Heiligkeit und Reinheit, wie es unser Wille, wie es dein Wille ist!“ (.רידב׳ז פ׳ על ה׳ שביעיר) Eine große Zahl rabbinischer Autoritäten schloß sich diesen Forderungen an, und nur einzelne Stimmen äußerten sich gutachtlich im Sinne einer gewissen Berücksichtigung der wirtschaftlichen Nöte. Inzwischen haben historische Ereignisse von unabsehbarer Tragweite Erez Jisroel in den Brennpunkt aller jüdischen Interessen und aller jüdischen Zukunftshoffnungene gestellt. In ihrem Zeichen geht nunmehr Ere2 Jisroel seinem Sch’mittajahr entgegen. Den großen rabbinischen Autoritäten wird die folgenschwere Aufgabe zufallen, das entscheidende Wort zu sprechen, das im bevorstehenden Sch'mittajahr den thoratreuen Kolonisten auf heiligem Boden richtunggebend sein soll. Wie immer auch ihre Entscheidung ausfällt, sie wird die mutigen Männer segnen, die trotz aller Schwierigkeiten gewillt sein werdeen, dem heiligen Boden den G-ttessabbath nicht vorzuenthalten und der Heiligung des G-ttesnamens zu dienen. Dann aber erwächst der Gola die ebenso heilige Aufgabe, diese heroischen Kämpfer aufs tatkräftigste zu unterstützen. Die Agudas Jisroel hat in ihrer Kenessio Mechino die Einberufung des Kenessio Gedaulo für das kommende Jahr beschlossen. Wäre die Anregung Von der Hand zu weisen, alle geldlichen Mittel, die für die Propagierung und das Zustandekommen einer Kenessio Gedaulo (deren Bedeutung wir gewiß nicht unterschätzen) aufgeboten werden müßten, für die Ermöglichung der Heilighaltung des Sch’mittagesetzes im Heiligen Lande bereitzustellen? (״Nachlath Zwi".) Die Königliche Kommission In der am 8. Dezember abgehaltenen öffentlichen Sitzung der Kgl. Kommission wurde die Vernehmung des Beamten des politischen Departements der Jewish Agency Elijahu Epstein über die illegale Ein- Wanderung von Arabern fortgesetzt. Diese Ein- Wanderung, so erklärte der Zeuge, sei eine ständige Quelle von Störungen für Palästina, da sie drückend auf Lohnniveau und Lebensstandard wirke. Die illegale arabische Einwanderung sei auch ein ernster Faktor bei den letzten und früheren Unruhen gewesen und gefährde außerdem die sanitären Verhältnisse im Lande. Sodann erschien vor der Kgl. Kommission der Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung und Wirtschafts- Planung bei der Exekutive der Jewish Agency, Doktor Arthur R u p p i n. Er gab eine Darlegung der Motive, die zur jüdischen Palästina-Kolonisation geführt haben, und der Vorstellungen, die den Trägern dieses Werks bei ihrer Arbeit vorschwebten. Dr. Ruppin schilderte ausführlich die h e r o isehen Anfänge jüdischer Pionierarbeit in Palästina, den Kampf gegen Naturhindernisse aller Art und gegen die Malaria, aber auch den Kampf um die Eroberung der Arbeit gegenüber der Konkurrenz schlecht bezahlter arabischer Arbeitskräfte. Dr. Ruppin erklärte, die Regierung sei verpflichtet, die Mandatsbestimmungen, in denen von Erleichterung geschlossener Ansiedlung von Juden auf dem Lande die Rede ist, durchzuführen. Es gebe auch in Mittelpalästina sehr große Möglichkeiten für eine energischere Entwicklung der Landwirtschaft. Als nächster Zeuge erschien das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Maurice B, Hext er, der die Haltung der Regierung in der Frage der Bodenmelioration in Palästina einer kritischen Erörterung unterzog. Dr. Hexter betonte, daß die Regierung keinen richtigen Ueberblick über die anbaufähigen Bodenflächen in Palästina und keine richtige Vorstellung von dem Begriff der Kulturfähigkeit habe. In der am Freitag von der Kgl. Kommission abgehaltenen öffentlichen!Sitzung wurde Mr. HöroWitz, ein juristischer Berater der Jewish Agency, vernommen. Er befaßte sich mit dem Problem der Rechts- I Unsicherheit bei Bodentransaktionen und wies darauf hin, daß der Erwerber nicht ein sofortiges Besitzrecht erlange und deshalb nicht die Möglichkeit habe, einzuschreiten, wenn sein Eigentum willkürlich betreten und besetzt wird. Die Araber und die Kgl. Kommission Der Oberste Arabische Ausschuß dementiert die in der Presse erschienenen Nachrichten, wonach das Komitee beschlossen haben sollte, den seinerzeit ausgesprochenen Boykott der Kgl. Kommission aufzuheben. Emir Abdullah von Transjordanien unterbreitete der Kommisison einen neuen Vorschlag, betreffend die Regelung• der palästinensischen Frage. Der Inhalt dieses Antrages, der angeblich die Araber voll befriedigen soll, wird geheimgehalten. Keine Kantone in Palästina Das Tschechoslowakische Preßbüro meldet: Die Kgl. Kommission, die gegenwärtig in Palästina die Ursachen der im laufenden Jahre stattgefundenen Unruhen untersucht, hat den Vorschlag auf Schaffung arabischer und jüdischer Kantone definitiv abgelehnt. Eine gründliche Prüfung des Antrages ergab, daß die Kantonisierung Palästinas sowohl in administrativer als. auch in wirtschaftlicher Beziehung undurchführbar ist. Arabische Kampfmethoden In den letzten Tagen ist es neuerdings zu mehrfachen Terrorakten arabischer Banden gekommen, die auch vor Ueberfällen auf Militärabteilungen nicht zurückschreckten. Die Mitglieder des Obersten Arabischen Ausschuß haben mit verschiedenen Notabein Konferenzen abgehalten, die der Schaffung eines Fonds von 50.000 Pfund Zur Fortführung des Kampfes gegen Juden und Engländer gelten. Die arabische Handelskammer in Jerusalem überreichte dem deutschen Generalkonsul ein Protestmemorandum gegen die Transaktionen der ״Haavara" (Kommisison für deutsch ־ palästinensischen Transfer), die die Einwanderung von Juden nach Palästina fördern. Per deutsche Generalkonsul erwiderte, er werde das Memorandum an seine Regierung weiterleiten, Die Lage der Juden im Irak Der englische Außenminister Anthony Eden gab im Unterhaus in Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Colonel Josiah Wedgwood beruhigende Erklärungen über die Lage der Juden im Irak ab. Eden sagte: Wie dem Hause bekannt ist, hat die Irak-Regierung die formelle Erklärung abgegeben, daß es ihre Absicht sei, Wohlergehen und Schutz aller Minderheiten im Irak zu sichern; nach den Informationen, die ich erhalten habe, wird diese Erklärung in vollem Umfang verwirklicht. Araber unter sich Die seit einiger Zeit bestehende Spa n n u n g zwischen mohammedanischen und Christliehen Arabern in Palästina hat im Laufe des Sonntags zu einigen Zwischenfällen geführt. Die Veranlassung hiezu bot die mohammedanische Böykottaktion, die sich seit neuestem nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen christliche Araber richtet. Vor einigen Tagen wurden in Haifa auf dem Markt zahlreiche Hauranier von arabischen Arbeitern, die mit Stöcken bewaffnet waren, Überfallen und mörderlich geschlagen■. Man rief ihnen zu: ״Geht zurück nach dem Hauran, sonst bringen wir euch um." Viele Hauranier wurden verwundet. Der Ueberfall ist darauf zurückzuführen, daß die palästinensischen arabischen Arbeiter unter der Lohndrückerei der Hauranier, die oft für einen halben Schilling im Tag arbeiten, schwer zu leiden haben. Nach der Wahl des Jerusalemer Oberrabhiners Wie die ״Jüdische Presse“ bereits gemeldet hat, fand vor kurzem die Wahl des Nachfolgers nach dem verstorbenen Raw Kook als Oberrabbiner der Kehillo des Waad Leumi statt. Gewählt wurde Oberrabbiner Dr. H e r t z o g, Dublin. Für die orthodoxe Judenheit ist diese Wahl an sich belanglos. Lehnen sie doch die Zugehörigkeit zur Knesseth Israel ab und ist doch die Gemeinde des Waad Leumi nicht als orthodoxe Kehillo anzusehen. Erst siebzehn Jahre sind seit der Begründung des Oberrabbinats der Knesseth Israel verflossen. Damals hat eine Versammlung aller rabbinischen Autoritäten des Heiligen Landes unter Führung von Rabbi Jizchok Diskin und Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld s. Z. 1. einen Gebet- und Fasttag aus diesem Anlaß angeordnet. Bezeichnend ist, daß sich um die Nachfolge von Raw Kook überhaupt nur zwei Rabbiner beworben haben, was auch von den misrachistischen Führern und Zeitschriften heftig glossiert wurde. Siegreich ging der Kandidat der linksstehenden misrachistischen Gruppe aus dem Wahlkampf hervor, da die rechtsstehende für Rabbiner Harlab eintrat. Raw Z. P. Frank bleibt weiter Mitglied des Rabbinats, während Raw B. F. Bernstein, dem Druck des Waad Leumi, der Knesseth Israel beizutreten, ausgewichen ist und auf eine neue Bestellung verzichten mußte. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, daß sich an der Wahl des Oberrabbiners nicht ein einziger Vertreter aus den strenggläubigen Kreisen beteiligte. Die Wahl ging vielmehr unter dem Patronat der misrachistisehen Führer und der Vorsitzenden des Keren Kajemeth, des Waad Leumi und des zionistischen Aktionskomitees vor sich. David Frankfurter Fast ein Jahr ist zwischen der Tat und der Sühne verflossen. David Frankfurter hat den Führer der Nationalsozialisten in der Schweiz, Gustloff, ermordet und nichts war selbstverständlicher, als daß das demokratische Schweizer Gericht ihn ohne Rücksicht auf die Motive, die ihn zu der verdammenswerten Tat verleitet haben, verurteilt hat. Denn daß die Waffe nicht!ein Mittel zur Austragung politischer Kämpfe werden darf, ist oft genug und gerade von jüdischer Seite mit Nachdruck betont worden. Das jüdische Recht kennt einen Unterschied zwischen einem politischen Mord und einem aus selbstsüchtigen Motiven begangenen nicht. Uns Juden ist jedes menschliche Leben heilig und keinem Menschen steht es zu, in das Walten des allgerechten Weltenlenkers einzugreifen und Menschenleben zu vernichten. Mag man, wenn Maßstäbe der allgemeinen Entwicklung politischen Machtwillens und politischer Ranküne angelegt werden, auch zu einer milden Beurteilung der Tat Frankfurters gelangen, die — das scheint das Bewek-verfahren ergeben zu haben — nicht als vorbedachter Mord, sondern nur als Totschlag gewertet werden kann, .mag mancher die Meinung vertreten, daß das gefällte Urteil denn, doch zu hart bemessen worden ist — an der Tatsache, daß Frankfurter eine Strafe verdient hat, läßt sich nicht zweifeln und deuteln. Das soll offen und aufrichtig ausgesprochen werden, wenn auch nach all den Greueln, die in Deutschland an Juden begangen worden sind, die Wahnsinnstat eines aufwallenden Temperaments manchem begreiflich, aber jedenfalls nicht verzeihlich ei’scheinen mag. Denn Frankfurter hat mit seiner,Tat auch eine Gefahr für das ganze jüdische Volk heraufbeschworen. Der deutsche Nationalsozialismus, mit Adolf Hitler (der Gustloff die Grabrede gehalten hat) an der Spitze, hat die Tat des jüdischen Studenten zu einer großen Hetze gegen die Juden ausgenützt, zu einer Hetze, die noch heute unvermindert fortgesetzt wird und sich selbst im Schweizer Gerichtssaal manifestierte. ׳ Dem Schweizer Gericht — das sei noch festgestellt — gebührt viel Dank und Anerkennung für die ganze Prozeßführung. Es hat in überaus geschickter und vorausblickender Weise den Prozeß Frankfurter aus dem Lärm des Tages herausgehoben. Es hat sehr mit Recht von vornherein politische Demonstrationen in und um den Prozeß herum unmöglich gemacht. Es hat den Prozeß gegen David Frankfurter so und nicht anders geführt, wie jeden anderen Prozeß gegen einen beliebigen jüdischen oder nichtjüdischen Uebeltäter. Das war sehr klug und dafür sind wir auch dankbar.! — kl. 18 Jahre Zuchthaus Das Kantonsgericht Graubünden in Chur hat am Montag abend das Urteil gegen David Frankfurter verkündet, David Frankfurter wurde wegen Mordes an Wilheim Gustloff gemäß den Anklageakten zu 18 Jahren Zuchthaus, wovon 8 Monate Untersuchungshaft abzuziehen sind, ferner zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte während der gleichen Zeitdauer und zu Landesverweisung für Lebenszeit verurteilt. Dem Verlangen der Zivilpartei (Frau Gustloff) nach Schadenersatz und Genugtuungsprämie in der Höhe von insgesamt etwa 100.000 Fr. wurde nur in der Weise stattgegeben, daß Franlcfurter im allgemeinen zum Ersatz des gesamten durch den Mord verursachten Schadens verpflichtet wurde, ohne daß mau eine bestimmte Summe fixierte, Frankfurter wurde schließlich verurteilt, sämtliche Untersuchungs-, Gerichts- und Strafvollzugskosten zu tragen. י Kein Komplott Der P r o z e ß v e r 1 a 01 f ist aus den Tageszeitungen bekannt. Es seien hier darum nur einige Stellen aus der Anklageschrift und dem psychiatrischen Gutachten hervorgehoben, die die völlige Haltlosigkeit der von der deutschen Presse im Zusammenhang mit dem Fall Frankfurter betriebenen maßlosen Hetze dartun. Es sei gleich — hieß es in der Anklageschrift — vorweggenommen, daß die Untersuchung keinerlei Anhaltspunkte für das Bestehen irgend eines Komplotts oder einer Anstiftung durch irgend welche Hintermänner ergeben hat. Die eingehende Untersuchung hat die Unhaltbarkeit der Annahme eines Komplotts oder der Zugehörigkeit Frankfurters zu einer politischen Partei oder terroristischen Vereinigung ergeben. Die Tat sei so zu erklären: Frankfurter, durch seine Krankheiten und die Folgen wiederholter Operationen in seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten geschwächt, litt ■unter dem Bewußtsein seiner Minderwertigkeit. Die psychischen Depressionen steigerten sich mit der fortschreitenden Erkenntnis, das Ziel seiner Studien nicht erreichen zu können. In diese Zeit fiel nun die immer heftiger werdende antisemitische Propaganda in Deutschland, welche Frankfurter als schwere Ungerechtigkeit empfand, die seinen Judenstolz verletzte, das in ihm bereits vorhandene Minderwertigkeitsgefühl vertiefte und sein seelisches Gleichgewicht vollends erschütterte. Nach der Auffassung des psychiatrischen Gutachters soll die Tat Frankfurters nicht auf äußere Einwirkungen, wie Anstiftung oder eine, durch aufreizende Lektüre her vorgerufene Exaltation zurückzuführen sein, sondern soll sich vielmehr um ein Problem innerer, seelischer Kon flikte handeln, ״die in tragischer Weise auf einem Boden den äußere Geschehnisse vorbereitet hatten, sich lösten" Das Dritte Reich sucht dennoch die ״Hinter männer“,.. Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro meldet ״Die Blätter veröffentlichen im Anschluß an die Meldüng von dem Urteil gegen den Mörder Frankfurter folgende Feststellung: Mit diesem Urteil ist der kriminell-prozessuale Teil des Falles Frankfurter abgeschlossen. Verschiedene wichtige Fragen mußten ungeklärt bleiben, ohne daß dies ein Verschulden des Schweizer Gerichts wäre. Einer anderen Stelle muß es überlassen bleiben, diese Fragen zu klären. Wenn jetzt Deutschland sich dieser Seite der Angelegenheit annimmt, so kann niemand ihm den Vorwurf machen, daß eo in ein schwebendes Verfahren eingreift.“ ... und hält sich einstweilen an seinen Juden schadlos In den Berliner Diplomatenzirkeln gibt man der starken Verwunderung Ausdruck, daß die deutschen regierenden Kreise den Prozeß in Chur zum Ausgangspunkt einer Kampagne genommen haben, die in keinem Verhältnis zu der Dimension dieser ganzen Angelegenheit steht. In den diplomatischen Kreisen befürchtet man, daß diese einheitlich geleitete Pressekampagne den Boden zu einem neuen antijüdischen Kreuzzug in Deutschland bereiten soll. Das offizielle Organ der NSDAP., der ״Völkische Beobachter“, kündigt an, daß der Kampf für die v ö 11 i g e Hinausstoßung der Juden aus Deutschland! rücksichtslos zu Ende geführt werden wird. Millionen judenhetzerische Flugblätter werden jetzt von der Propagandastelle der NSDAP, überall in Deutschland verbreitet. Aus Sator-Ujhely, Allgemeines Aufsehen erregt der Beschluß der Status-quo-Gemeinde in Ujhely, die Selbständigkeit aufzugeben und sich der dortigen orthodoxen Gemeinde anzuschließen. Geradezu als Sensation hat der darauf erteilte Bescheid der orth. Gemeinde gewirkt, die jeden korporativen Anschluß glattweg ablehnte.

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