Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 43 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ORGpn für eie imeRessen Des 0RTH0D0H6n juoenTums Der Thronwechsel in England Die Königstragödie um Eduard VIIL, die Shakespeare nicht dramatischer hätte gestalten können, hat — zumindest vorläufig — ihren Abschluß gefunden. Die Welt, die die Entwicklung und den Ausgang der Krise mit äußerstem Interesse verfolgte, beurteilt die Ereignisse und ihren Ausgang verschieden. Je nach Temperament und Gemüt gehen den einen die menschlichen Momente darin nahe, hat bei den anderen das mustergültige Verhalten der englischen Öffentlichkeit den stärksten Eindruck hinterlassen. Manche wittern politische Hintergründe, während noch andere sich vor allem mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Vorgänge beschäftigen. V;om jüdisch-politischen Standpunkt aus ist diese aufregungsreiche Affäre nicht mehr als interessant'. Sowohl der Exkönig als auch sein Nachfolger sehen die Judenfrage mit den Augen des englischen Gentleman und stehen dem jüdischen Volk unvoreingenommen oder gar mit Verehrung gegenüber. An dieser Einstellung der englischen Krone — der durch das Palästina-Mandat so etwas wie schicksalhafte Bedeutung nicht nur für unsere Glaubensbrüder im eigentlichen Großbritannien zukommt — wird sich also nichts ändern. Nachdenklich stimmen werden uns die Dinge erst dann, wenn wir sie von der ethisch-moralischen Seite betrachten. Denn kein anderer kennt wie der jüdisehe Mensch den Gewissenskonflikt, der aus der Kollision von Gesetz und Gefühl, Tradition und Neigung, Herkommen und persönlichem Hang entsteht. Täglich und stündlich stellt ihn, den jüdischen Menschen, das Leben vor das schwerste Dilemma, fordert'es ihn heraus zu seeUMhfn_.Ringent.mit sich selbst, um sich .selbst. Es sind schweigsame Heiden, diesen Titänenkampf' aufnehmen, es ist stiller Opfermut, der die Pflichten des Glaubens höher stellt als die lockenden Freuden1 und gleißenden* Güter dieser Welt. Keine Zeitung meldet davon, keine Chronik hält es fest. Niemand, nur G-tt weiß, daß ein Mensch Menschlichem entsagt hat. Der jüdischen Weltanschauung liegt der .Zusammenhang zwischen Auserwähltheit und B erufung zugrunde. Der Einzelne und ebenso die ganze Gemeinschaft wachsen mit den Aufgaben und umgekehrt. Je höher wir steigen wollen, desto mehr müssen wir uns von der Erde entfernen. Gerade als das englische Königsdrama auf dem Höhepunkt war, haben wir im Wochenabschnitt die Episode von Josef und der Frau des Potiphar gelesen, deren tieferen Sinn unsere Weisen darin erblicken, daß er, Josef, der über andere zu herrschen berufen war, erst die Probe ablegen mußte, ob er über sich selbst zu herrschen imstande wäre. Wenn dem so ist, dann hat der König von Großbritannien, Irland und den Dominions, Kaiser von Indien usw., die ihm gestellte Prüfung nicht bestanden. Das soll bloß eine Fest- Stellung und kein Werturteil sein. Denn die Erkenntnis, daß er den Platz nicht auszufüllen vermag, auf den ihn seine Geburt gestellt, und die Konsequenz, die er daraus gezogen, stempeln Edward Windsor zu einem guten Menschen, und ein solcher ist jedenfalls einem schlechten König vorzuziehen. Um die Juden in Spanien Dem menschenverzehrenden Moloch, des spanischen Bürgerkrieges soll Einhalt geboten werden. Die französische und die englische Regierung haben den Mächten einen Vorschlag unterbreitet, der die Herbeiführung eines Waffenstillstandes und einer späteren Volksabstimmung unter internationaler Kontrolle vorsieht. Ob diese Vermittlungsaktion nun von Erfolg be-' gleitet sein wird oder nicht, wie immer die Dinge in Spanien sich auch gestalten werden, die dortigen Juden haben nichts Erfeuliches zu erwarten. Denn für sie würde sich sowohl eine Herrschaft der linksorientierten, stark nach Sowjetrußland tendierenden Volksfront, als auch ein Regime der unter dem Einfluß Nazideutschlands stehenden Nationalisten katastrophal auswirken. Die Zahl der Juden in Spanien ist äußerst gering. Die jüdische Siedlung, die noch vor Errichtung der Republik bestanden hat, war völlig unbeträchtlich und auch die nachher vorgenommene Einbürgerung von S p anio 1 en und der Zustrom deutscher Emigranten hielten sich in bescheidensten Maßen. Dennoch wird man sich nicht entblöden, eine ״jüdische Gefahr“ zu erfinden, wenn man sie brauchen sollte. Und wenn die bisherigen traurigen Erfahrungen nicht trügen, so wird dieses unentbehrliche Requisit und erfolgreichste Instru- Rabb. Dt. Joseph Breuer: Im Rüstjahr der Sch’mitta des Landes Die schicksalsschweren Ereignisse, von denen Erez Jisroel in der zweiten Hälfte des zurückliegenden Jahres betroffen wurde, ließen den Gedanken an die nicht minder schweren Sorgen und Nöte der übrigen Gola zurücktreten. Und dies mit Recht. Denn wie noch nie zuvor, seitdem das jüdische Volk seine Galuthwanderung an!- getreten, ist die Zukunft der gesamten Gola aufs innigste mit der Entwicklung der Verhältnisse in unserer heiligen Heimat verknüpft. Das kommende Jahr wird dort aller Voraussicht nach Entscheidungen von ungeheurer Tragweite bringen. Dieses Jahr ist aber das sechste in der Reihenfolge der׳S ch׳ mittaperioden, das Rüstjahr zum bevorstehenden .Sch’mittajahr. Wer in G-ttes Thora die Lebensbedingungen und das Schicksal des jüdischen Volkes und' des jüdischen Landec in ihrer unzertrennlichen Einheit niedergelegt sieht, wird die Tatsache, daß dfer ״neue Jischuw“ in einem historischer. Augenblick, von nicht zu ermessender Folgenschwere dem Sch’mittajahr entgegengeht, mit ebenso banger Sorge wie heißer Erwartung verzeichnen. Denn mit erschütternder Eindringlichkeit und jeden Zweifel ausschließender Eindeutigkeit hat G-ttes Thora das Geschick von Erez. Jisroel von der Heiligung, des Sabbathjahres abhängig gemacht. Das Galuth des jüdischen Volkes und die Verödung des Landes verkündet sie als Folge der geschändeten Sabbathjahre; in der Oede, der das Land anheimfällt, findet es die Sabbatruhe, die ihm Israel in unseliger Verblendung vorenthalten hatte: ״Euch aber zerstreue ich unter die Völkerbund zücke hinter-euclv das- Schwert; euer Land aber bleibt öde, und eure Städte bleiben Trümmer. Dann wird das Land seine Befriedigung haben an seinen Sabbathen, solange es verödet ist und ihr im Lande eurer Feinde seid, dann wird das Land Sabbath halten und seine Sabbathjahre befriedigen. Solange es verödet ist, wird es Sabbath halten, den Sabbath, den es nicht gehalten hat während eurer Sabbathjahre, als ihr in ihm wohnt.“ (Lev. 26, 33 bis 35.) G-ttliche Vorsehung hat nach fast zwei Jahrtausenden der Verödung des• heilgen Bodens dem ״neuen Jischuw“ und dem ihm anvertrauten Boden zu ungeahnter Blüte verholfen. Wenn G-ttes Thora ewige Wahrheit ist, dann enthält diese Tatsache die g-ttliche Anfrage an sein Volk, ob es nach Jahrtausenden unsäglichen Galuthleides nunmehr gewillt ist, G-ttes Land die von G-tt geforderten G-ttessabbathe zu gewähren, uner deren Weihe allein G-tt bereit ist, seinem Volk erneute Heimstätte auf heiligem Boden zu. bereiten. Als vor etwa fünfzig Jahren die ersten Ansätze eines ״neuen Jischuw“ sich zeigten, hatten alsbald Koryphäen unserer rabbinischen Wissenschaft angesichts der seit langen Jahrhunderten wieder aktuell gewordenen Sch’mittagesetze sich mit allen einschlägigen Fragen be- Die nächste VUunmee der ״Jüdischen Presse“ erscheint wegen der allgemeinen Feiertage um einen Tag früher als sonst und gelangt bereits am Mittwoch zur Expedition. Demnach ver־־ schiebt sich der Redaktionsschluß in Wien auf Dienstag, 23. Dezember, 12 Uhr mittags, in Bratislava auf Montag, den 22. d. M. faßt, vor allem, ob Sch’mitta (unabhängig vom Jobei) während des Galuth ein g-ttliches oder (nach den meisten Ansichten) nur rabbinisches Gesetz sei, ob und welche Möglichkeiten gegeben seien (etwa Feldverkauf an Nichtjuden und Bestellung durch dieselben), den bei Verwirklichung des Sch’mittagesetzes entstehenden schweren wirtschaftlichen Miseren im Rahmen des Gesetzes Rechnung zu tragen. Selbst die zur Erleichterung neigenden Autoritäten (so R. Jizchok Elchonon Spektor s. Z. 1.) wollten ihre Regelung nur als ״Hauroas S cho־oh", als eine der Not des Augenblicks gerecht werdende Entscheidung gelten lassen, ohne einer späteren Entscheidung vorzugreifen. Andere Autoritäten haben mit hinreißenden Worten den ״neuen Jischuw“ an seine große, heilige Pflicht gemahnt und mit ihm die gesamte Gola aufgerufen, ihren Brüdern, den Pionieren auf heiligem Boden, in solidarischer Geschlossenheit zur Seite zu stehen, um ihnen die Heiligung des Sch’mittagesetzes zu ermöglichen. Denn daß die Heiligung des Sch’mittagesetzes nicht mit den bestehenden volkswirtschaftlichen Erwägungen in Einklang zu bringen sei, isit nicht erst eine Erkenntnis unserer Tage. Dieselbe Thora, die für das Land den G-ttes-Sabbath fordert, rechnet mit der von ״volkswirtschaftlicher“ Ein•: gebung getragenen Frage: ״Was sollen wir im siebenten Jahr essen?“ Und hat auf solcheaus Angst und1 Sorge geborene Frage nur die eine Antwort: ״Erfüllet meine Gesetze und meine Rechtsordnungen, hütet und erfüllet sie, und ihr werdet vom Lande sorgenfrei getragen wohnen,' Das Land wird seine Frucht geben, ihr werdet zur ■ Sätti־ gung essen und werdet 'sorgenfrei ־' von ihm getragen, wohnen — Ich werde euch meinen Segen im sechsten׳ Jahr bestellen!“ (Lev. 25.) ״Möchten sie doch überzeugt sein, daß bei Außerachtlassung des Sch’mittagesetzes, G-tt bewahre, Strafen, wie Regenmangel und Heuschreckenplage} drohen könnten. Müssen wir doch grundsätzlich beherzigen: toie die Erhaltung des jüdischen Volkes nur unmittelbar durch G-tt gegeben, aller gesetzmäßigen Erscheinungen spottet — denn nach allgemeiner Anschauung gäbe es für das jüdische Volk nichts Besseres, als sich den Völkern zu assimilieren und mit aller Kraft deren Nähe zu suchen, wir aber erleben das Gegenteil: je mehr wir uns ihnen zu assimilieren suchen, desto mehr hassen sie uns, und je mehr wir unseren jüdischen Charakter verleugnen, desto mehr werden wir ihnen Gegenstand der Verachtung — so ist auch Erez Jisroel herausgehoben von allen anderen Ländernf in seiner Erhaltung nicht von den physischen Voraus- Setzungen bedingt, denen alle anderen Länder unterliegen, vielmehr Gegenstand g-ttlicher Fürsorge und auf die gewissenhafte Erfüllung des G-ttesgesetzes angewiesen.“ So schrieb der. Gaon שויח משיב דבר סי׳ ס נצי׳ב זצ*ל) und. mehr ala alle wirtschaftliche Not bewegte ihn die Sorge, wie das Sch’mittajahr, in dem jüdische Kolonisten von der gewöhnlichen Arbeit befreit sind, zu einem Jahr geistiger Arbeit und geistiger Sammlung im Dienste der Thorapflege gestaltet werden könne (s. das). Jahrzehnte später hat der unvergeßliche G-ttes- Streiter, der berühmte Gaon und Jeruschalmi-Kommentator R. Jakob David R i d b a s s. Z. 1., der nach einem recht bewegten Leben im Heiligen Lande seinen Wohnsitz nahm, um für dessen Heiligung sich einzusetzen, sich an die Spitze der rabbinischen Führer gestellt, die einer restlosen Verwirklichung der Sch’mittaforderungen das überzeugende Wort sprachen. Mit rücksichtsloser Schärfe geht I er mit den Thoraverächtern1 im Heiligen Lande zu Gericht, ment der modernen Politik gebraucht werden. So maneher ist auf dem Rücken der Juden hochgestiegen und es gibt nicht nur eine alte spanische Tradition, die ein sehr umfangreiches, mit viel Blut und Tränen geschriebenes Kapitel der jüdischen Martyriologie füllt und an die man jetzt anknüpfen könnte, sondern leider auch eine Gegenwart, die den Generalen Franco, de Llano, Mola und Varela mit bewährten Vorbildern genug zu dienen vermag, Anders, aber nicht besser, würde es den Juden ergehen, wenn die Linken zur Macht kämen, die leider zur Genüge bewiesen haben, welches Schicksal das Judentum in ihren Händen erfährt. Darauf werden die Mächte nicht vergessen dürfen, wenn sie sich im Namen der Menschlichkeit an den runden Tisch setzen, um dem unglücklichen Lande und dem schwergeprüften Volke zum Frieden zu verhelfen. Noch befindet sich die französisch-englische Aktion im Anfangsstadium und schon ist es nicht zu früh, auf dieses Moment innerhalb des spanischen Fragenkomplexes aufmerksam zu machen, um beizeiten zu verhüten, daß die spanische Tragödie in eine jüdische mündet. Original englische und franz. Stoffe für Damen und Herren Tuchhaus D. TahaK!, salzgries nr 6. sonstiges Hgrtwtangebot Al|m>aR Cfklff Wien I, Kärntnerring 6 __Wlilinor «Willi I Telephon U-430-16 Erstklassige Perücken in prima Ausführung nur S 70■״־״ Kurze Zeit, solange der Vorrat reicht