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Jüdische Presse · 1936-11-27 · 40 (27.11.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
40 (27.11.1936)
Date
1936-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite $ JÜDISCHE!,HESSE Nr, 40 und 9ie äufzufordern, zu ihfeft gewohnten Beschäftigungen *UfUckZukehren und unserer hohen Regierung zu vertrauen, die dem Wohl des Vaterlandes dient uttd darüber wacht» daß Seine Majestät, unser geliebter König, über ein einiges Volk herrsche.“ An die Seitungen erging der Erlaß, keine aufreizenden Meldungen aus und über Palästina zu bringen. Die Blätter veröffentlichten diese Verfügung kommentarlos und gaben so den Lesern zu verstehen, daß ihr künftiges Verhalten nicht geänderter Gesinnung, sondern veränderten Umständen zuzuschreiben wäre. Dennoch herrschte nun einige ־Zeit Ruhe. Der Streik hatte ein kurze Atempause für die Juden zur Folge. Aber leider nur eine allzu kurze. Als in Tel-Aviv zwei Araber verwundet wurden — es war dies allem *Anschein nach die Tat arabischer Provokateure — brach im ganzen Irak der Sturm von neuem los. Ueberfälle auf Juden, Bombenwürfe gegen ihre Häuser sowie alle anderen alten und modernen Auskunftsmittel des Antisemitismus waren jetzt wieder an der Tagesordnung. Bezeichnend für die Lage der Juden im Irak sind die Berichte der arabischen Presse, wonach jene vielfach erklärten, mit dem Jischuw im Heiligen Lande in keinem wie immer gearteten Zusammenhang zu stehen. Ja, es seien sogar jüdische Komitees gebildet worden, die Sammlungen für die palästinensischen Araber durchführten,‘ in Basra, MosSul und anderen Städten des Landes hätten vermögende Juden namhafte Spenden für diesen Zweck gezeichnet. Der vor kurzem erfolgte Umsturz ist keineswegs danach angetan, was die Juden betrifft, beruhigend au wirken. Wenn man auch noch nicht weiß, was man vom neuen ׳Regime zu halten hat, und dieses sich auch bemüht, durch verschiedene Erklärungen seinen guten Willen zu beweisen, so sind doch die Befürchtungen, die nach dem Staatsstreich laut geworden sind, nur zu Sehr berechtigt. Die pan arabischen Bestrebung e n, die man den neuen Machthabern nachsagt» ihre durchaus nicht loyale Einstellung zu Eng- 1 and und ihr Bejahen der Gewalt sind auf jeden Fall bedrohliche Momente» Abschließend muß gesagt werden, daß die Situation der Irak-Juden eine ungemein traurige ist. Und dies nicht bloß in politisch-materieller, sondern auch in moralischer Hinsicht. Denn sie haben jedes Selbstbewußtsein und alle Selbstwürde verloren; der jüdische Stolz und die jüdische Ehre gelten ihnen! nichts mehr in ihrer Angst um das nackte Leben. Die Schuld daran tragen sie allerdings weniger als ihre Brüder draußen in der großen Welt, die ihnen nicht gehöriges Augenmerk zu wenden. Die Irak-Juden fühlen sich von der Gemein- Schaft ihres Volkes abgeschnitten und verlassen und der Willkür der arabischen Landesherren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Der Umstand, daß nur spärliche Nachrichten und auch diese meist verspätet aus dem Irak dringen, macht die Lage der dortigen Juden begreiflicherweise noch gefährlicher, als sie ohnehin wäre. Es ist darum höchste Pflicht der jüdischen Weltöffentlichkeit, diesem Teil der Judenheit in elfter Stunde alle!erdenkliche Hilfe zu gewähren. Die großen, repräsentativen Organisationen müssen einerseits unverzüglich mit den Juden des Irak in engen Kontakt treten und andererseits Fühlung mit dessen Regierung suchen; auch an den Völkerbund, dessen Mitglied dieses Land ist, und an England, zu dem es in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis steht, wären entsprechende Appelle zu richten, um die respektable jüdische ׳Siedlung des Irak vor dem physischen ,und seelischen Niedergang zu bewahren. ־um mre/foe uss/ere, Die weiteren Arbeiten der Königliehen Kommission Am Donnerstag vormittags hat die Kgl. Kommission eine geschlossene Sitzung abgehalten, bei der die Vernehmung des Kommissars für Einwanderung und Statistik, Eric Mills, fortgesetzt wurde. Am Nachmittag trat die Kommission eine fünftägige Reise durch das Land an. Sie besuchte Nablus, Afule, die Kadoori- Ackerbauschule auf dem Berge Tabor und Tiberias. Demnächst werden von der Kommission wieder leitende Beamte der Palästina-Regierung, und zwar über Fragen der Bodenpolitik und der Landentwicklung, vernommen werden. Unter den von jüdischer Seite vor der Kommission zu erscheinenden Persönlichkeiten sind als Vertreter der Agudas Jisroel Dr. Isaak Breuer, Dr. Buchsbäum und Rabbi Mosche Blau nominiert worden. Die Königliche Kommission an der Arbeit Die Kgl. Kommission hat nach einer kurzen Ueber- •landreise am Ifi. November ihre erste nichtöffentliche Sitzung abgehalten. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope erschien vor der Kommission, um Aussagen über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu machen und Fragen über die Ursachen der nationalen und anderen Gegensätze in Palästina zu beantworten■. In der Sitzung der Kgl. Kommission am Dienstag gab der High Commissioner abermals Erklärungen ab. Die Sitzung am Mittwoch, 18. November, war die erste öffentliche Arbeitssitzung. Es kamen zu Worte der Direktor des Regierungsdepartments für Einwanderung und Statistik, Mills, und der Leiter des Gesundheitsdepartments, Colonel H e r o n. Der Leiter des Einwanderungsamtes sagt aus Eric Mills gab an, daß die Zahl der gegenwärtig in Palästina lebenden Araber 940.000, die der Juden 370.000 betrage. Als der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, bemerkte, die Bevölkerung Palästinas habe pich in'־ den letzten vierzehn Jahren ve'rdö p p e 11, ‘ wurde dies von dem Einwanderungskommissär bestätigt. Mr. Mills erläuterte sodann die technische Methode, die die Regierung bei der Ausgabe einer neuen Einwanderungsschedule anwendet. Hierauf ging er zur Erläuterung der verschiedenen Kategorien jüdischer Einwanderer über. Er erklärte, daß jedermann, der 1000 Pfund besitzt, zur Einwanderung nach Palästina legal zugelassen wird. Was die Einwanderung von Angehörigen betrifft, so kämen durchschnittlieh zwei Personen auf ein Zertifikat nach Palästina^ Die nächsten Fragen des Vorsitzenden Lord Peel bezogen sich auf die Jewish Agency und die arabische Einwanderung unter besonderer Berücksichtigung der saisonmäßigen Hinwapfd eriurig aus TranS Jordanien und dem Hauran. Einwanderungskommissär Müls erklärte, es gebe keine geregelte arabische Einwanderung, die Regierurig wisse jedoch, daß Hauranier in das Land kommen. Genaue Zahlen könne er nicht angeben, es sei jedoch zu bemerken, daß Palästina eine An- Ziehungskraft auf Einwanderer aus Nachbarländern ausübt und daß manche von diesen Neueinwanderern dauernd im Lande bleiben, während andere zu ihren Familien zurückkehren. Bei der Prüfung der Schedule, sagte Mills weiter, habe der High Commissioner in der Regel die jeweilige wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes in Betracht zu ziehen, da die Araber befürchten, durch Juden ersetzt zu werden. Diese Furcht sei eine der Ursachen des arabischen Streiks gewesen. Die Mitglieder der Kommission forderten den Einwanderungskommissär nunmehr auf, ihnen Einzelheiten Uber den Hergang bei der Zulassung jüdischer Einwanderer aus verschiedenen Ländern mitzuteilen. Mr. Mills erklärte, daß jüdische Einwanderer auch aus größter Ferne, z. B. aus New York oder aus Schanghai, kämen. Auf den Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit ging der Einwanderungskommissär nicht näher ein, vielmehr erklärte er, daß die jüdische Einwanderung nicht nur ein Wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Problem sei. Diese Bemerkung des Einwanderungskommissärs wurde von den! Mitgliedern der Kommission mit Zustimmung aufgenommen. Als Gründe für die illegale Einwanderung von Arabern gab Einwanderungskommissär Mills den Mangel an Arbeitsgelegenheiten in den Nachbärländern, den Mangel an Arbeitskräften in Palästina und die hier gezahlten hohen Löhne an. Die Behauptung, daß unter den Arabern Palästinas Arbeitslosigkeit herrsche, sei ein Märchen. Würde es wirklich Arbeitslosigkeit unter den Arabern geben, dann würden nicht Araber aus dem Hauran und aus Tansjordanien nach Palästina einwandern. Palästina, erklärte der Einwanderungskommissär, mache in seiner!Rheuma? Nehmen Sie den guten Alpa-Franzbranntwein. Durch Massagen mit dem Alpa erzielen Sie große Linderung. Die schmerzenden Körperteilen braueben natürliche Erwärmung; diese wird ihnen durch den erreichten besseren Blutkreislauf zuteil. Das sagt auch der Arzt! wirtschaftlichen Entwicklung große Fortschritte und man brauche um die Zukunft nicht besorgt zu sein. Nach Beantwortung einer Reihe weiterer Fragen von geringerer Bedeutung wurde die Vernehmung des Einwanderungskommissärs als beendet erklärt. Sie hatte zwei Stunden gedauert. Der Leiter des Gesundheitsdienstes wird vernommen Wesentlich kürzer gestaltete sich die Vernehmung des nächsten Zeugen, des Leiters des Gesundheitsdienstes der Regierung, Oberst George W. Heron. Als Oberst . Heron auf dem Zeugensitz Platz nahm, bemerkte Lord . Peel, von der Vernehmung von Beamten des Gesundheitsdienstes sei wohl nicht viel zu erwarten, da die Untersuchung der Kommission der Anwendung des Mandats gelte und Krankheiten einen Unterschied zwischen Rassen und Nationen nicht machen. Oberst Heron berichtete, daß die Gesundheitsverhältnisse höchst befriedigend seien und die Regierung beiden Teilen der Bevölkerung in gleicher Weise Beistand gewähre. IJen Arabern^stehe, nur die Regierungs-, "hilfe zur 'Verfügung־, wahrend die Juden dazu noch Hilfe aus dem Ausland erhalten, so daß. sie besser ausgestattet und behütet sind, insbesondere angesichts der Tatsache, daß ihre Zahl geringer ist. I Königliche Kommission nach Trans- Jordanien eingeladen? Meldungen der arabischen Presse zufolge hat Emir Abdulla von Transjordanien an den Vorsitzenden der Kgl. Kommission, Lord Peel, ein Schreiben gerichtet, in dem er seine Meinung über die Lage in Palästina zum Ausdruck bringt. Emir Abdulla soll in diesem Schreiben ferner Kritik an den Methoden üben, mit denen die Palästina-Regierung die Probleme des Landes zu lösen versuche, und an die Kgl. Kommission die Einladung richten, Transjordanien zu besuchen. Was an diesen Meldungen Wahres ist, läßt sich nicht feststellen. Eine Kommission der arabischen Staaten? Die arabischen Zeitungen wissen zu melden, daß in Bagdad eine Konferenz von Vertretern der Herrscher aller arabischen Staaten, des Irak, Saudi-Arabiens und des Jemen, zusammengetreten sei, ,,um eine, Kommission zu r Unt e r s tü tzung der palästinensischen Araber einzusetzen. Diese Kommission soll insbesondere bei der Vertretung der arabischen Interessen vor der Kgl. Kommission mitwirken. Aus der Agudas Jisroel Keren Hajischuw-Kampagne in Frankreich In Paris veranstaltete das französische Keren- Hajischüw-Komitee, an dessen Spitze Oberrabbiner W e i 11, Colmar, steht, eine große Sammelaktion für den Keren Hajischuw, die mit Referaten des Direktors der Palästina-Zentrale, Dr. Salompn Ehrmann, Frankfurt a. M., eingeleitet wurde.! Das Krakauer Beth-Jakob-Lehrerinnen-Seminar Aus allen Teilen Polens sind in den letzten Wochen die neuen Schülerinnen des Beth-Jakob-Lehrerinnen- Seminars in Krakau zusammengeströmt. Die Zahl der Schülerinnen hat heuer eine Rekordhöhe erreicht, wobei noch zahlreiche Anmeldungen wegen Platzmangels abgewiesen werden mußten. Das Krakauer Seminar, welches bekanntlich in einem fünfstöckigen Gebäude untergebracht ist, hat seit seiner Gründung schon einige hunderte Lehrerinnen ausgebildet, die durchwegs ■heute schon als Lehrerinnen in Beth-Jakob-Schulen fungieren. Audienz beim polnischen Ministerpräsidenten Der agudistische Präsident der Lodzer Kultusgemeinde, Sejmdeputierter Minzberg, und Senator Trockenheim sind vergangene Woche vom polnisehen Ministerpräsidenten General Skladkowski in längerer Audienz empfangen worden. Die agudistischen Abgeordneten brachten die Wünsche der jüdischen Bevölkerung zu einer Reihe aktueller Probleme vor. Für die religiösen Bedürfnisse der Auswanderer Bekanntlich hätte die Kenessio Mechino der Exekutive der Agudas Jisroel den Auftrag erteilt, nachdrückliehst darauf hinzuwirken, daß von den mit der Regelung der jüdischen Auswanderung befaßten Organisationen äuch für die religiösen •Bedürfnisse der Auswanderer Sorge getragen werde. Nun meldet das I. P. B. aus Paris den ersten Erfolg auf diesem Gebiete. Die I c a hat grundsätzlich beschlossen, mit den nächsten Auswanderertrans- Porten nach Südamerika immer auch rabbinische Führer und Schochtim mitzuschicken. Die Auswahl der in Frage kommenden Persönlichkeiten wird vom Vertrauensmann der Agudas Jisroel, Raw Langer, Paris, erfolgen, Gleichzeitig wird bekannt, daß der Hilfsverein der deutschen Juden über Einschreiten der Agudas Jisroel sich bereit erklärt hat, Koscherküchen auf jenen Schiffen einzurichten, die jüdische Auswanderer nach Südamerika bringen. Konferenz der P, A. J. im heiligen Lande In Gegenwart von Vertretern aller Gruppen der P. A. J. im Heiligen Lande eröffnete am 24. Cheschwa» der Vorsitzende Dr. Isaac Breuer die Landeskonferenz. Das Mitglied des Präsidiums, Jakob Landau, erstattete den Tätigkeitsbericht, in welchem er die schwierige Lage der agudistischen Poalim während der Unruhemonate schilderte. In Ramat Gan ist eine neue Gruppe erstariden. 14tägig wurde ein Mitteilungsblatt herausgegeben, neben der unregelmäßig erscheinenden Zeitung ״S h e 0־ r i m“, die in vielen tausenden Exemplaren verbreitet wurde. In der letzten Zeit hat die P. A. J. auch A r b e i t shuf träge von Regierungsbehörden erhalten. Die zuletzt eingewanderten 150 Chawerim■ wurden in die bestehenden Kwuzoth eingeordnet. In geistiger Hinsicht ist ein stark pulsierendes Leben in den einzelnen Gruppen fühlbar. Finanziell ist die Lage der P. A. J. überaus traurig. Gründung einer Darlehenskasse der P. A. J. Vergangene Woche konnte nach langen Bemühungen in Tel-Aviv die erste agudistische Darlehenskasse eröffnet werden, die ausnahmslos alle bankgeschäftliohen Transaktionen durchführt. Die vorhandenen Kapitalsreserven, sowie die Namen der an die Spitze getretenen Persönlichkeiten und das große Interesse, das der neuen Einrichtung allseits entgegengebracht wird, berechtigen zu der Hoffnung, daß die Darlehenskasse sich in aufstrebender Linie entwickeln wird. H. A. Goodman über den ״polnischjüdischen Jugend verband״* Wie die ״Jüdische Presse״ seinerzeit gemeldet hat, ist in Marienbad in den Tagen der Kenessio Mechino ein allweltlicher Verband der polnischen jüdisehen Jugend gegründet worden. In London hielt nun dieser Tage der Präsident des Verbandes, H. A. Goodman, vor zahlreichen Zuhörern einen Vortrag über die politische und ökonomische Lage der Judenheit Polens. Das polnische Judentum, erklärte der Redner, mit seinen 31/2 Millionen Seelen, ist der Lebensnerv des jüdisehen Volkes, zumal die größeren jüdischen Zentren in Rußland und Deutschland von ihren Glaubensbrüdern isoliert und geistig und wirtschaftlich ruiniert worden sind. Diesen Lebensnerv des jüdischen Volkes, der sich in schwerster Bedrängnis befindet, zu retten, ist die Aufgabe des Verbandes der polnisch-jüdischen Jugend.^ Die besten Hochzeiten und Festlichkeiten arrangiert billig und elegant NAGEL, Wien 11, Praterstr. 33 Unter Aufsicht des Rabbinats der Adas-Jisroel-Sghiffschul ג00.

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