Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 40 (27.11.1936)
- Date
- 1936-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oeffnef öffne deine Hand dem Bruder, dem Dürftigen!“ (V. 15). Mit diesen Worten ruft G-tt den jüdischen Mensehen zu seiner schönsten, heiligsten, g־ttähnlichsten Wirksamkeit, ruft er ihn, Segen zu werden mit allem, was Er ihm gibt, Segen allem ringsum! Sehen wir uns doch um im großen Haushalt des himmlischen Vaters und wir werden erkennen: zu diesem Segen ist alles berufen. Alles trägt und wird getragen, alles nimmt und gibt. Und da wollte einer allein nur nehmen und nicht geben, in sich enden lassen den großen Strom des Segens? Darum ist nach jüdischer Auffassung Wohltun nur Pflicht und nichts darüber hinaus. Warum — so spricht die Moral des wahren Judentums zu dessen Söhnen — sollte G-tt dir denn mehr geben, als dein Bedürfnis heischt, wenn Er dich nicht damit zum Ver- Walter seines Segens für andere, zum Schatzmeister seiner Schätze setzen .wollte? Jeder Groschen, den du erübrigen kannst, gehört nicht mehr dir, soll vielmehr Werkzeug werden, Segen zu spenden — und da ■wolltest du die Hand schließen um das, was nicht dein ist? Deshalb bezeichnen auch unsere Weisen die Wirksamkeit des , Wohltuns mit dem Vermögen mit dem Namen ״Z’dokoh“ —- Gerechtigkeit. Es ist nämlich nur Z'dokoh, nur Lebensgerechtigkeit, jedem Wesen das zu spenden, was G-tt für es in Anspruch'nimmt‘. ־ ״־׳ Werktätige Nächstenliebe ist also die elementarste Forderung, die das Judentum an seine Bekenner richtet. Von ihm hat die übrige Welt das gelernt, was einer ihrer Größten in die Worte kleidete: ״Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ Der, jeder Mensch! Hilfsbereitschaft und Wohltun sind Menschen- Pflicht und für uns Juden daher zWe.ii fache Pflicht. Als Bürgern dieses Staates aber wird uns nun diese Pflicht zu einer dreifachen. Denn wieder werden wir mitaufgerufen, Hand anzulegen an dem großen Werke, das Dollfuß geschaffen hat und seine Erben in seinem Geiste fortführen und ausbauen. Wieder werden wir auf gefordert, mitzuhelfen an der ״Winterhilf e“. ״Daß jeder Bundesbürger ein Opfer zu bringen hat, ist soziale Pflicht, die ihm das Gebot der Nächstenhilfe auf erlegt“, erklärte jüngst der Bundeskanzler in seinem Appell für die Winterhilfe. ״Wenn alle ihre Pflicht tun, wird und muß es uns gelingen, den Familien der Arbeitslosen, und vor allem ihren Kindern, das Gefühl der Verlassenheit zu nehmen und in ihre Herzen einen Strahl beglückender Nächstenliebe zu senden.“ Da darf sich kein jüdisches Herz, keine jüdische Hand verschließen. Um so weniger, als nach den Worten des Kanzlers ״bei der Winterhilfe und bei der Beteilung aus Mitteln der Winterhilfe keinerlei Unterschied“ gemacht wird. Auch die von den jüdischen Institutionen eingeleiteten Aktionen und besonders die Winterhilfe der Kultus ge me) in de erwarten• von uns weitgehende Unterstützung und rechnen damit, daß wir das Gebot ״Lasse deinen Bruder mit dir leben!“ nach Möglichkeit erfüllen werden. Der Winter steht mit allem, was er mit sich bringt, in der Tür. Doppelt wird jetzt die Armut fühlbar, doppelt stark muß darum auch die Nächstenliebe jetzt sein. So stark, daß sie die satten Menschen in ihren warmen Heimen derer nicht vergessen läßt, die hungern und frieren und eben auf ihre Nächstenliebe hoffen. ״Wer nicht sein Brot mit Tränen ißt, wer nicht die kummervollen Nächte auf seinem Bette weinend sitzt“, der muß jetzt geben und spenden, soviel er kann, uni Not lindern und Tränen trocknen zu helfen, um seine jüdische, menschliche und bürgerliche Pflicht zu erfüllen, e, g. Original englische und franz. Stoffe I für Damen und Herren I Tucnnaus p, Tamm!, SALZGRIES NB 5, | j Gefahr in Verzug Bratislava, 25. November 1936. Ueber den Häuptern der glaubenstreuen Judenheit in der Slowakei und PKR. schweben schwere Gefahren. Es sind Probleme weltanschaulich-prinzipieller und praktisch-materieller Natur aufgerollt worden, in denen die orthodoxen Juden dieser Länder Bedrohungen ihrer geistigen und wirtschaftlichen Existenz erblicken müssen. Daß die Gefahren von j ü d^i s c h e r Seite heraufbeschworen wurden, macht sie hicht nur bedauerlicher, sondern auch ernster, da bei den maßgebenden staatlichen Stellen dadurch ein falscher Anschein erweckt werden kann. Zudem haben die Worte Demokratie und soziales Empfinden in der Tschechoslowakei einen so guten Klang, daß die Herren von der ״Jüdischen Partei“ und der mit ihnen kooperierenden Sozialdemokratie bei ihrem verderblichen Spiel auch leichtes Spiel haben könnten. Denn diese auch für uns erhabenen Begriffe sind jetzt zu Losungen gegen elementare Lebensinteressen der slowakischen und k a. rpa.t ho russischen Orthodoxie geworden. Da ist zunächst die Frage der ״Demokratisierung der Kultusgemeinden“. Beide Lager im Judentum — das glaubenstreue und das glaubenentfremdete — wissen gleich gut, daß die Hochbürg der jüdischen Religion die orthodoxe Gem e i 11 d e ist, die in jahrelangen schweren Kämpfen von den Vätern der Einen als Schirm und Schutz gegen die Väter der Anderen gebaut wurde. Darum war sie auch eine unerschütterlich feste Trutzburg des traditionellen Judentums und ist sie es auch bis in unsere glaubensleere Zeit hinein geblieben. Darum aber war und ist die orthodoxe Gemeinde auch allh'enen ein Dorn im Auge, die andere Werte' gehütet' ünd ^ghpflegfc•'־wissen wollen, als dies dort der.. Fall ist. Ihnen ist nun ein Goldstein vom Herzen gefallen, als die Kugel ins Schwarze traf und über Betreiben der Herren Abgeordneten Goldstein und Kugel die Gesetzesmaschinerie sich mit der ״Demokratisierung der Kultusgemeinden" — d. h. der mit orthodoxem Statut — zu befassen begann. Noch sind die Dinge nicht über das allererste Stadium hinaus gediehen und schon war es höchste Zeit, die nötigen Schritte bei den zuständigen Instanzen zu unternehmen. Von der Ueberzeugungskraft der Argumente wird der Erfolg abhängen. Man wird die Regierungsstellen dahin aufklären müssen, daß eine ״Demokratisierung" der orthodoxen Gemeinde theoretisch deren . Sinn und Zweck widersprechen würde, praktisch aber letzten Endes ihrer Auflösung gleichkäme. Man:wird darauf hinweisen müssen, daß das Wesen der Demokratie vor allem darin besteht, jeden nach seiner eigenen Fasson selig werden zu lassen, daß die Orthodoxie jedoch in dem Glauben leht, eben nur in dieser alten, ererbten Fasson selig werden zii können und daß daher gerade Eingriffe von außen durchaus und emokratisch wären. Ebenso muß eine rasche und entsprechende Behandlung des anderen Problems gefordert werden, das augenblicklich die Gemüter der Orthodoxie in der Slowakei und PKR. bewegt. Denn es bedarf wohl keiner näheren Begründung, warum das von den Sozialdemokraten für diese Länder angeregte und von den Vertretern und Verrätern des tschechoslowakischen Judentums, Goldstein und Kugel, durch ihre Unterschrift gutgeheißene Sonntagsruhegesetz für die sabbathaltende Judenschaft verhängnisvoll wäre. Der Ratschlag des als Juden geborenen und merkwürdigerweise noch nicht konfessionslosen Abgeordneten Robert Klein, die Juden möchten doch ihre Geschäfte am Samstag offenhalten, trägt weniger den Stempel ״sozialen Empfindens“ als den des brutalen Gewisse ns Zwanges. Der in verschiedenen Ländern und kürzlich auch in England zum Gesetz erhobenen Erkenntnis, daß man denen, ,die der Weit den Begriff des Ruhetages geschenkt haben, ihren eigenen, ihnen über alle Maßen heiligen Ruhetag nicht rauben dürfe, wird man sich auch in der toleranten Republik Masaryiks und Benesch’ nicht verschließen können. Um so *weniger, als gerade die Beweggründe der initiierten Regelung, die Rücksicht auf die Angestellten, gegen ein solches Gesetz sprechen, das nur zahlreiche Angehörige dieses Berufsstandes um ihre Posten bringen würde. Lebensfragen . des orthodoxen Judentums stehen auf dem Spiel; das erfordert rasches und zielbewußtes Handeln. Das unglaubliche Verhalten jener aber, die sich als Hüter der jüdischen Interessen aus* geben und sich als deren Totengräber erweisen, wird man nicht so rasch vergessen dürfen, um ihnen, wenn es so weit ist, den Wahltag zum Zahltag zu machen. —th. Golus Jischmoel (Fortsetzung.) Seit Ausbruch der Unruhen in Palästina ist die Lage der Irak-Juden schlechthin unerträglich geworden. Die Hetze gegen sie wuchs von Tag zu Tag. Ein eigenes Büro in Jerusalem mit einem Verwandten des Mufti an der!Spitze überschwemmte den nahen Irak mit judenfeindlichem Material. Denn die Kreise um den Obersten Arabischen Ausschuß legten besonderes Gewicht auf eine ״politische“ Bearbeitung des Königreichs in ihrem Sinne. Daß diese ״geistigen“ Verfolgungen von physisehen Drangsalierungen begleitet waren, war ebenso natürlich wie beabsichtigt. Die Irak-Regierung rührte jedoch keinen Finger zum Schutze ihrer jüdischen Bürger, ein Verhalten, für das die arabische Aversion gegen diese erst in zweiter Linie bestimmend war. Das Hauptmoment der irakischen Innen- und Außenpolitik war das Bestreben, die Araber Palästinas und somit Einfluß in diesem Lande zu gewinnen. Die Zulassung der Agitation und der Ausschreitungen gegen die Juden war vornehmlich eine Sympathie- und Interessenkundgebung für die ״Freiheitsbewegung der Brüder in Palästina“, an deren Feuer man das panarabische Süppchen zu kochen hoffte. Und so waren die Juden fast vogelfrei. Sie waren Verfolgungen verschiedenster Art ausgesetzt; viele müßten ihr Leben lassen, von den zahllosen Verwundeten schon gar nicht zu sprechen. Zu all dem zwang man sie, für den ״Streikfonds" zu spenden und so die arabisehen Mordbanden in Palästina zu unterstützen, nötigte man ihre Führer — darunter Oberrabbiner Sasson Kädori — Erklärungen gegen den jüdischen Aufbau im Heiligen Lande und für die arabische Regierung des Irak abzugeben. Doch alle materiellen und moralischen Opfer waren nutzlos und vergebens, so daß den irakischen Juden nichts anderes übrig blieb, als gerade den entgegengesetzten Weg einzuschlagen. Und tatsächlich führte der Verzweiflungsschritt, den es mit dem Eintritt in den Proteststreik tat, zu einem vorübergehenden Erfolg. Tagelang waren die weitaus meisten jüdischen Werk- Stätten, Fabriken und Geschäfte' des Landes geschlossen; auch die Schulen waren gesperrt. In Bagdad, wo der Streik lückenlos durchgeführt wurde, gaben Tausende den hin•* geschlachteten Märtyrern das letzte Geleite. Das ganze Leben in der Hauptstadt stand unter dem Eindruck dieses geräuschlosen, aber nicht zu überhörenden Protests eines gequälten Volkes. Der englische Botschafter in Bagdad gab denn auch der Irak-Regierung freundschaftlieh zu verstehen, daß sie die Dinge zu weit habe gedeihen lassen. Daraufhin beschied der Ressortminister die jtidisehen Führer zu sich. Das Ergebnis der Verhandlungen war ein Manifest der Regierung an die Juden, in dem es unter anderem hieß: ״Böswillige Menschen haben die jetzige Lage in Palästina im Sinne ihrer schlechten Absichten ausgenützt. Die Irak-Regierung gibt bekannt, daß sie die nötigen Schritte einleiten wird, um die vollkommene Ruhe wieder herzustellen und die Hetzer zu bestrafen.“ Auch Oberrabbiner Sasson Kadori wandte sich in einem Aufruf an die Juden, worin er sagte: ״Unsere hohe Regierung sorgt für das ganze irakisehe Volk ohne Unterschied von Religion und Nation, Die. verantwortungsbewußten Männer der jüdischen Gemeinschaft haben daher die Pflicht, ihre Brüder zu beruhigen Günstiges Herbstangebot der Firma Atlin ag Crkiff Wien I, Kärntnerring 6 Vtniflar JWIII1 Telephon 11-430-16־ irstklassige Perücken in prima Ausführung f|11r S Kurze Zeit, solange der Vorrat reicht