Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 39 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 «MüJßCflöE PRSSSSl Seite 3 Resident“ Atelier für moderne Photographie I, Fleischmarkt 1, TeTR-29*2*80 1 Bild und 4 Körten von S 1S.— * I VOSS Wot’liC /« Woche Unter dem Vorsitze des Präsidenten der Budapest er neologen Israelitischen Landeskanzlei, Hofrat Samuel ,Stern, und des Präsidenten der Orthodoxen Ze nt r al kanzle i, Samuel Rah an -Frank t, fand eine konfessionelle Beratung der Führer der ungarischen Judenheit statt, in .deren Verlauf die Einreihung in die antibolschewistische Front beschlossen wurde. 0 Gleichzeitig mit der Wiederwahl von Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten erfolgte auch die Wiederwahl von Herbert H. Lehman zum Gouverneur des Staates New Y orkf des bedeutendsten Staates der USA., mit sehr großer Stimmenmehrheit. Auch der Gouverneur von Illinois, Henry Horner, der ebenfalls Jude ist, ist wiedergewählt worden. Im Alter von 71 Jahren verstarb der hervorragende jüdische Arzt Dr. Artur Fürstenberg, der sehr oft von der königlich schwedischen Familie konsultiert worden war. Unter der Trauergemeinde auf dem Jüdischen Friedhof befanden sich die beiden Brüder des schioedischen Königs, die Prinzen Carl und Eugen, sowie die Prinzessin Ingeborg. Die schwedische Kronprinzessin, das dänische Königspaar, König Leopold von Belgien, die norwegischen und dänischen Kronprinzenpaare ließen Kränze an Dr. Fürstenbergs Bahre niederlegen. Am 1. Dezember findet in Jerusalem die Wahl des aschkenasischen Oberrabbiners für Palästina, an Stelle des verstorbenen Rabbi Kook statt. Kandidaten sind der Chief Rabbi von Irland, Hertzog, und der Leiter der Jerusalemer Zentral-Jeschiwa C h a Id p. O Die ,iF r änki s che Tageszeit ungct berichtet über eine Veranstaltung in der Marktgemeinde Feucht bei Nürnberg, in der der stellvertretende Gauleiter und Chefredakteur des ״Stürmer“, Karl Holz, sprach. Er erklärte, ״die Lösung der Judenfrage heiße Aus rottun g des jüdischen Verbrechervolke s“. Die Universität Lyon hat dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Lissabon, Prof. Moses Ben Sabat Amzalak, das Ehrendoktorat verliehen. O Die Vieh- und Geflügeleinfuhr nach Palästina ist im August stark zur ü ck g e g an g e n. Es wurden nur 128.885 Tiere gegenüber 185.107 im August 1985 eingeführt. Am Sonntag, 8. Novemberי fanden in Bukarest die seit langem ungesagten Kundgebungen der von C u z a und Go g a geführten antisemitischen Christlich-Nationalen Partei, der größten faschistischen Partei Rumäniens, statt. Die von der Parteileitung angekündigte Beteiligungsziffer von 200.000 Personen wurde nur zu einem kleinen Bruchteil erreicht; es erschienen kaum 25.000 Personen. Am 26. Jänner 1937 wird in London eine große Ausstellung palästinensischer Zitrus- F r ü chte eröffnet werden. Die Palästina-Regierung fördert sehr die Vorbereitungen zur Ausstellung. O Die von der Palästina-Regierung vor einigen Jahren in Angriff genommene Chaussee Gaza- Akaba ist in diesen Tagen fertiggestellt worden. Wie die Polnische Telegraphen-Agentur aus London berichtet, hat der* dortige polnische Botscliaft er Graf Raczynski am 2. November eine Unterredung mit dem Unterstaatssekretär für Aeu ß er e s, Sir Robert Vansittart, über Fragen der jüdischen Auswanderung aus Polen nach Palästina gehabt. Der Botschafter schlug vor, daß die bisher noch nicht festgesetzte Einwanderungsquote für Polen nicht niedriger gehalten werden solle , als in den früheren Jahren. O In London hat eine imposante. Gefallenen- Gedenkfeier der ehemaligen jüdischen Frontsoldaten statt gefunden, die durch den Rundfunk übertragen wurde. Der König hatte an die Teilnehmer der Kundgebung eine Botschaft gerichtet. O Zu der am 29. November stattfindenden Neuwähl der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin haben sich die Liberalen und die zionistischen Gruppen auf eine Einheitsliste geeinigt. Dies wird der Gemeinde den Wahlkampf ersparen. Unter den k2 Kandidaten, die in die künftige RepräsentantenverSammlung gelangen werden, befinden sich auch zwei Frauen. O Aus einer Reihe polnischer Städte und Ortschäften werden pogromartige an tijüdische A'u sschreitun gen gemeldet, die sogar mehrere Todesopfer gefordert haben. Das englische Unterhaus hat ein Gesetz angenommen, wodurch das Tragen politischer Uniformen und die Führung von Vereinigungen milit arischen oder ähnlichen Charakters durch Privatpersonen, sowie das Tragen von Waffen verboten Nach kurzer Krankheit verstarb in Krakqu der Rabbiner der fortschrittlichen Krakauer jüdischen Gemeinde, Dr. Osias Thon. Anläßlich der Feier des polnisch en u nabhängigkeitstages erhielten auch mehrere jüdische Persönlichkeiten die Erinnerungsmedaille, 0 Tausend junge polnische Juden, unternahmen von Warschau ans einen Fußmarsch nach Palästina, der aber gleich nach Beginn von der Polizei verboten wurde. Der brasilianische Konsul in Wars ch a u erhielt von seiner Regierung die telegraphische Weisung, an Juden, die sich als landwirtschaftliche Arbeiter nach Brasilien begeben wollen, keine Visa zu . erteilen. Zahlreiche Juden, die bereits ihre Heime in Polen liquidiert und sich zur Abreise nach Brasilien in d&n nächsten Tagen gelüstet haben, kamen dadurch in große Verlegenheit, H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Telephon R-43-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. 15 Die Wiener Kultusgemeinde-Wahlen Nach einem überaus heftig geführten Wahlkampf, dessen Niveau einen bedauerlichen Tiefstand erreicht hatte Und der sich vornehmlich in persönlichen Gehässigkeiten und Verleumdungen erging, fanden am Sonntag, den 8. Novembeer, die Wahlen in den Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde statt. Die Wahlbeteiligung ist diesmal — gewiß eine 'Folge der erbitterten Agitation — von 52 Pr02ent im Jahre 1932 auf 71 Prozent der Wahlberechtigten gestiegen. Von den abgegebenen 31.894 Stimmen erhielt die Zionistische Liste 17.385, die Union österreichischer Juden 11.593, das ״Arbeitende Palästina" 2772 und der Adolf- Stand-Klub 947 Stimmen. Die 36 Mandate verteilen׳ sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: Zionistische Liste 19 (früher 17), Union Österreichischer Juden 13 (11), ״Arbeitendes Palästina" 3, Adolf-Stand-Klub 1 Mandat. Aus den Wahlen sind genau genommen alle Parteien als Sieger hervorgegangen, indem sie alle einen Stimmen- und Mandatszuwachs zu verzeichnen haben. Bei den orthodoxen Juden Wiens, die in der israelitischen Kultusgemeinde nicht ihre Kehillo erblicken und sich daher selbstverständlich jeder Wahlwerbung enthielten, haben die Wahlen natürlich auch kein sonderliches Interesse gefunden. Das Streben nach Erlangung der Autonomie für die jüdische Orthodoxie Wiens bleibt ja durch den Ausgang der Wahlen nicht berührt. Daß auf der Liste der Union auch ein Prominenter der Schiffschul kandidierte, kann an dieser grundsätzlicheni Einstellung nichts ändern. Kommerzialrat Leitner bat selbstverständlich nicht als offizieller Vertreter der Schiffschul oder der Agudas Jisroel kandidiert, wenn auch — wie er in seiner in der ״Jüdischen Presse“ veröffentlichten Erklärung betonte — zweifellos die Interessen der Orthodoxie ihn zu der Kandidatur bewogen haben. Wir zählen׳ Herrn Kommerzialrat Leitner nach wie vor zu den überzeugten Verfechtern der Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Orthodoxie. Und gewiß ist es auch sein sehnlichster Wunsch, das erlangte Mandat im Vorstand der Kultusgemeinde, nach Erreichung des Zieles der Orthodoxie, je früher niederzulegen. In einer Hinsicht waren die orthodoxen Juden an den Wahlen interessiert: Der häßliche Wahlkampf hat vor den Augen der Umwelt ein bedauerliches Schauspiel der inneren Zerklüftung der Wiener Judenheit gezeigt und die Rückwirkungen, die sich nun aus der Gesamtbeurteilung der Wiener Judenheit ergeben, messen zwangsläufig auch die Orthodoxie treffen. Deshalb ist es auch unser aufrichtiger Wunsch, daß nun Ruhe und Einvernehmlichkeit in die Kultusstube einziehen mögen.. Von einer führenden Persönlichkeit der Adas Jisroel Schiffschul wird uns geschrieben: Die ״Neue Welt" und die ״;Stimme“ veröffentlichten im Verlauf des Wahlkampfes ein Schreiben des Obmannes der Adas-Jisroel-S’chiffschul, Herrn Kommerzialrat SiegmundBondi, an den Präsidenten ■ der israelitischen Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann und konkludieren aus diesem Schreiben, ״daß Herr Kommerzialrat Moritz Leitner offenbar das Vertrauen der Adas-Jisroel verloren hat." Dazu ist zu bemerken, daß es sich bei dem verwunderlicherweise veröffentlichten Schreiben des Herrn Kommerzialrates Siegmund Bondi um private Mitteilungen handelt, welche die Antwort auf eine mündliehe Anfrage beinhalteten, Die Folgerungen der׳ zionistischen Blätter sind unrichtig. Herr Kommerzialrat Leitner hat eigene Wege eingeschlagen, das Ziel, dem er zustrebt, ist aber dasselbe, das die Gesamtheit der Adas Jisroel beseelt. Das wachsende Verständnis für die Bedeutung der Adas Jisroel und die hohen moralischen Werte ihrer Belange sind zu einem großen Teil der aufopfernden und unermüdlichen Arbeit des Herrn Kommerzialrates Leitner in den letzten Jahren zu verdanken. Seine Leistungen werden im Kreise der Schiffschul vollauf gewürdigt und er genießt nach wie vor das uneingeschränkte Vertrauen ihrer Mitglieder. F. N. , Hofrat Frankfurter — 80 Jahre alt Dieser Tage feierte Bundeskulturrat Hofrat Professor Dr. Salomon Frankfurter seinen 80. Geburtstag. Zahlreiche jüdische und nichtjüdische Körperschaften und hervorragende Persönlichkeiten des wissenschaftlichen und öffentlichen Lebens nahmen diesen Anlaß wahr, um dem Jubilar ihre Wertschätzung und Verehrung zum Ausdruck zu bringen. Minister Pemter überreichte dem Jubilar das ihm vom Bundespräsidenten Miklas verliehene Komturkfeuz des österreichischen Verdienstordens mit dem Hände. Vom Bürgermeister Schmitz, dem Rektor der Wiener Universität, dem gewesenen Bundespräsidenten Dr. Hainisch und hervorragenden Persönlichkeiten Oesterreichs sind Glückwunschtelegramme eingelangt. Die Professoren der Deutschen und Tschechischen Universität in Prag sandten gemeinsam eine lateinische Adresse. Der Gelehrte entstammt väterlicherseits einer berühmten Rabbinerfamilie in Frankfurt. Seine Studien hat er in Wien absolviert. 1884 wurde er als Volontär an der Wiener Universitätsbibliothek auf genommen, deren Leitung er 1919 Übernahm. Es war eine Stellung, die kein Jude vor Frankfurter bekleidet hatte. Er wurde auch als erster Jude ins Ministerium für Kultus und Unterrieht als Konsulent für verschiedene Fragen berufen. Als der Bundeskulturrat, die Vertretung der geistigen Stände Oesterreichs, geschaffen wurde, wurde Frankfurter als Repräsentant der jüdischen Konfession zum Mitglied ernannt. Darüber hinaus ist Frankfurter bei einer Reihe von jüdischen und allgemeinen Institutionen wissenschaftlichen und humanitären Charakters in führender Stellung tätig. Der ehemalige Schüler der Wiener Talmud- Thora-Schule genießt als klassischer Philologe internationalen Ruf. Seine pädagogische Wirksamkeit hat weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus Anerkennung gefunden. Von seinen jüdischen Schriften sind zu erwähnen ein Werk über das altjüdische Unterrichtswesen und ״Hebräische Büchertafel". -&_ Von der Wiener Aguda Am vergangenen Sehabbos stattete der Gesamt- Vorstand der Agudas-Jisroel-Landesorganisation dem ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner S. Fürst, Vorsitzender des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel in Oesterreich, anläßlich seines 80. Geburtstages einen Besuch ab, um ihm persönlich die Glückwünsche der Agudas Jisroel zu übermitteln. In4 ausgezeichneter Weise schilderten der Vize- Präsident der Agudas Jisroel, Herr Salomon Aschkenazy, Herr Hersch Preminger und Herr Ing. Ludwig Kritzler die großen Verdienste des Jubilars um die Agudas Jisroel', worauf Herr Oberrabbiner Fürst, sichtlich ergriffen, für die ihm dargebrachte Ehrung dankte. Zur Sudo Schlischis versammelte sich der Vorstand der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe bei Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner S. Fürst, um ihn zur Vollendung seines 80. Lebensjahres zu beglückwünschen. Nach wunderschönen Diwre Thauro des Jubilars brachte der 'Präsident der Jugendgruppe Herr Jakob Teitelbaum die Gefühle, die die Jugend für ihren Führer hegt, zum Ausdruck. 15 Jahre österreichisches Burgenland Im Rahmen der anläßlich der 15jährigen Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Oesterreich abgehaltenen Feierlichkeiten fand Samstag, den 14. Dezember, eine Festsitzung. des Burgenländischen Landtages statt, an der als Vertreter der :burgenländischen Juden der Präsident der Orthodoxen Landeskanzlei, Oberrabbiner S. Ehrenfeld, Mattersburg, teilnahm. Oberrabbiner Ehrenfeld wurde nach der offiziellen Feier vom Landeshauptmann Ing. Sylvester dem Herrn Bundespräsidenten Miklas mit der Bemerkung vorgestellt, ״die orthodoxen Juden des Burgenlandes sind eine treue und verläßliche Stütze des Vaterlande s“. Bundespräsident Miklas richtete an Oberrabbiner Ehrenfeld herzliche Worte .und entließ ihn mit dem Auftrag, der burgenländischen jüdischen Orthodoxie seine besten Grüße zu übermitteln. Grabsteinsetzung י Am Sonntag, den 22. November, um 11 Uhr vormittags wird auf dem Grabe des verewigten Herrn Moritz Felsenburg s. Z. 1. der Grabstein gesetzt. Auf diesen Tag fällt seine erste Jahrzeit. Zentralfriedhof, 4. Tor. Um 3 Uhr nachmittags findet im Bethaus, VI., Stumpergasse 42, dessen langjähriger Präsident der Verblichene war, ein Hesped statt. Frauenhilfe der Adas Jisroel Unser nächster 5-Uhr-Tee findet Dienstag, den 24. d., im Lokal dr ״W i e n e a“ statt. Die Veranstalterinnen, Frau Else Breuer und Frau Hermine Breuer, beehren sich, die P, T. Mitglieder hiermit herzlichst einzuladen. Gäste gerne gesehen. Der Vorstand. TSCHECHOSLOWAKEI Um das Wahlrecht in die jüd. Kultusgemeinden Von besonderer Seite. Ueber Antrag des jüdischnationalen Abgeordneten Dr. A. Goldstein wurde bekanntlich im verfassungsrechtlichen Ausschuß des Abgeordnetenhauses eine Resolution gefaßt, die die Regierung auffordert, darauf zu achten, daß in allen jüdischen Kultus gemeinden der Tschechoslowakei das demokratische Wahlrecht - eingeführt werde. (Inzwischen hat es sich auch Herr Dr. Chaim Kugel von der ״Jüdisehen Partei" nicht nehmen lassen, im Kultusausschuß des Abgeordnetenhauses den orthodoxen Gemeinden in der Slowakei eins auszuwischen. Die Zustände in. P. K. R. erinnerten ihn sogar — ach, wie schrecklich! — ״an das dunkle Mittelalter". Die Red.) Es ist klar, daß damit eine B r e s c h e in die althergebrachte Verfassung der Beligionsgemeinden geschlagen werden soll, mit der Tendenz einer Umwandlung nach nationalpolitischen Gesichtspunkten, ohne Rücksicht auf den religiösen Charakter der Kehillos. Hiebei wird ein kluges Wortspiel mit dem Begriff ״Gemeinde" getrieben, Denn weil die zur Pflege religiöser Belange berufene Gemeinschaft einmal ״Gemeinde" heißt, soll sie deshalb auch nach demokratischen Grundsätzen wie jede weltliche Gemeinde zusammengesetzt und geführt werden, Die Staatsbehörden sollen auch den Eindruck gewinnen, daß das demokratische Prinzip den Kultusgemeinden förderlich sein wird, wenngleich die Religionsgemeinden in ihrer Mehrheit hiedurch ihren gesetzlichen und traditionellen Bestimmungen ganz entfremdet würden. Nach dem demokratischen Wahlprinzip würde jeder, also auch junge Leute von 21 Jahren beiderlei Geschlechts, ohne die geringsten Leistungen vollbracht zu haben oder Kenntnisse auf religiösen Gebieten zu besitzen, über das Schicksal der Religionsgemeinden, deren Beamten und Anstalten zu bestimmen haben, Die Vermutung liegt nicht ferne, daß so mancher Kandidat sich Wähler verschaffen wird, die zwar nichts für das Judentum leisten, sich aber gerne aus der Kultuskasse Unterstützungen, sogar Geld für Unterhaltung und Sport versprechen lassen. Die Funktionen würden kaum wie bis nun unbezahlte Ehrenämter bleiben, das Gemilus Chessed würde eingeschränkt werden, die Schule, die Predigt und der Thoraunterricht zur völkischen Propaganda mißbraucht werden, Daß die Erkältung der religiösen Einrichtungen zü einer Verpflichtung zweiten Grades gestempelt werden würde, beweist schon heute der völlige Mangel an Interesse für solche Anstalten in vielen Gemeinden. Nichts wäre diesen Kreisen verlockender, als nach dem demokratischen Majoritätsprinzip einmal die Abschaffung der ohnehin widerwillig erhaltenen religiösen Anstalten zu beschließen! Es dürfte nicht allzu schwer sein, den maßgebenden Kreisen der tschechslowakischen Regierung klar zu machen, daß die Religion s ge mein de auch nach dem Gesetz eine solche bleiben müßte, daß die Leitung von religiösen Institutionen und deren Zusammensetzung einzig und allein nach religiösen Grundsätzen zu erfolgen hat und daß religiöse Gemeinden nicht die Reute von unreligiösen Machthabern werden dürfen.