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Jüdische Presse · 1936-10-23 · 36 (23.10.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
36 (23.10.1936)
Date
1936-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 36 Jahrzeltmeditation Adler, Schäßburg Von Rabbiner Jose! Diese Zeilen schreibe ich am 25. Tischri, am sieb^ undneun2igsten Jahrzeitstage des Chasam Sofer 8. Z. 1. Unsere Generation, die jedes Vierteljahrhundert nach dem Tode eines mehr oder weniger Großen der Wissenschaft, der Kunst und der Politik feiert, kann und Wird gewiß auch nicht achtlos vorübergehen an den drei Jahren, die uns noch von der hundertsten Wiederkehr des Todestages Rabbi Mosche Sofers trennen. Nicht er soll dadurch geehrt werden, denn er hat das wahrlich ,nicht nötig, er hat sich durch seine Werke ein Monument ge* setzt, das alle Erzstatuen überdauern wird. Auf dem ganzen Erdenrund, wo noch Thora gelernt wird, gibt es vielleicht keine Minute, in der der Name des Chasam Sofer in Verbindung mit seinen herrlichen, aus der halachisehen Literatur gar nicht mehr wegzudenkenden Geisteserzeugnissen nicht genannt würde. Und ganz besonders ist dies in den mitteleuropäischen Ländern der Fall, in denen der Chasam Sofer nicht nur durch seine unsterbliehen Werke, sondern durch seine Persönlichkeit noch immer so lebhaft und eindringlich lehrt, wie vor hundert Jahren, da doch der weitgrößte Teil der in diesen Ländern amtierenden Rabbiner und der das jüdische Leben leitenden Talmide Chachomim aus der Schule hervorgegangen sind, die der Chasam Sofer gegründet und die seit י hundert Jahren von seinen berühmten Nachfolgern auf den geistigen und seelischen Postulaten weitergeführt wird, die er vor anderthalb Jahrhunderten niedergelegt hat. Diese nach Myriaden zählenden Schüler alle fühlen sich angeweht und beeinflußt vom Geiste und der Persönlichkeit des Chasam Sofer, ihnen allen scheint es, als ob sie zu seinen Füßen gesessen, seinen erhabenen Worten gelauscht, seine erhebenden Lehren' in sich aufgenommen hätten. In ihnen allen lebt der Chasam Sofer jeden Tag neugeboren fort. In solcher Weise wird er der Vergessenheit entrissen, alle Zeiten überdauernd, von Tausenden und aber Tausenden stündlich geehrt. Er braucht also nicht durch eine Zentenarfeier geehrt zu werden. Wir müssen jedoch uns selbst ehren, indem wir aus Ehrfurcht und Liebe dem Namen dieses Titanen gegenüber einen winzigen Bruchteil unserer Dankesschuld abtragen für all das, was wir von ihm erhalten haben an Thorawissen, an geläutertem, innigem G'ttesdienst, an harmonischer Ausgleichung von Geist und!Seele. Wir ehren uns selber, wenn wir zur Hundertjahrfeier Institutionen schaffen, die dem Thorajudentum zum Wohle gereichen und den Geist verbreiten helfen, dem der Chasam Sofer mit dem Einsatz seiner ragenden Individualität, mit dem Aufgebot seiner; von einer Welt angestaunten außerordentlichen Fähigkeiten, in alle wahrhaft jüdischen Kreise Mitteleuropas Eingang verschafft hat. Es ist daher mit Freude zu begrüßen, daß die gesetzestreue Judenheit Amerikas den Plan erwägt, in Erez Jisroel,, das seit einigen Jahren im Mittelpunkt jüdischer Betätigung steht, eine Chasam-iSof er- Kolonie ins Leben zu rufen, die eine Pflanzstätte der Ideale werden soll, deren hervorragendster Schildträger Regelmäßiger RMeilSt Mt\l P01ßll! der Chasam Sofer war. Auch ist die Arbeit der Preßburger Kultusgemeinde vollauf zu begrüßen-, die die wenigen Jahre bis zum Zentenardatum dazu benützen! will, um die Vom Chasam Sofer gegründete Jeschiwo, Wohl das gigantischeste Werk dieses Heroen, durch -Schaffung eines Internats zu krönen und für alle Zeiten sicherzustellen, auf daß diese Kraftquelle jüdischen Wissens und unverfälschter Religiosität niemals versiegen möge. Zweck dieser Zeilen ist aber, neben jenen schönen Zielsteckungen noch auf eine Aufgabe das Augenmerk aller zu ienken, die Interesse für diese Sache haben, auf eine Aufgabe, deren Lösung gar nicht so schwer ist, wenn nur ein einheitlich organisierter Wille da ist, der sich in den Dienst der Angelegenheit stellt. Wir erfüllten eine erstrangige Ehrenpflicht dem Chasam Sofer gegenüber, dessen Geist gewiß betrübt darüber ist, daß noch jetzt, nach fast einem Jahrhundert nach seinem Hinscheiden, es noch immer eine ganze Reihe von Werken gibt, die er mit seiner heüigen Rechten geschrieben und die in druckreifer Form im Besitze seiner Nachkommen sich befinden, wenn wir diese Kleinodien in den Druck legen würden, um sie den nach den Worten* des Altmeisters dürstenden Tausenden zugänglich zu machen. Nach meinem sicheren Wissen gibt es ein Manuskript auf den Jore Dea, auf viele Sugjoth, auf die Wochenabschnitte des Jahres, ein umfassendes Werk auf das Gebetbuch, ein dickleibiges Werk auf Thillim, eine Erklärung auf Pirke Awoth. Eine ganze Anzahl von bedeutenden Werken, deren geistweckende .und gemütbefruchtende Inhaltsfülle noch immer der Veröffentlichung harrt. Es ist doch schon wahrhaftig die Zeit gekommen, daß diese Königskinder aus ihrem hundertjährigen Schlaf erlöst werden, daß die herrlichen Ideen und Lehren Gemeingut der ganzen Judenheit werden. Wenn wir bedenken, wie viele Bücher auf dem Gebiete der Halacha und Agada jährlich erscheinen, die nur ephemeren Wert haben, dann müssen wir wirklich mit einem ״Oschamnu" uns in die Brust schlagen ob der Gleichgültigkeit und Saumseligkeit, durch die wir verschuldet haben, daß Ewigkeitswerte, die hehren Gedankenschätze des Chasam Sofer, die er inmitten seiner vielseitigen Beschäftigung für würdig gefunden hat, eigenhändig niederzuschreiben, um einer aufhorchenden Welt tiefgründige Lehren und Geheimnisse der Thora zu offenbaren, noch nach so vielen Dezennien unter Schloß und Riegel, wie ein mit vielen -Siegeln verschlossenes Buch, daliegen und ihrer Auferstehung harren. Die zwölfte Stunde schlägt, ■ die uns aus unserem Gleichmut wecken muß. Wir wären unwürdig, die Hundertjahrfeier zu begehen, wenn wir nicht bis dahin sämtliche nachgelassenen Schriften des Chasam Sofer aus den verstaubten Bibliotheken einzelner Familienmitglieder hinausschöben, um sie ihrer ursprüngliehen, von ihrem Schöpfer ihnen zugedachten Bestimmung: der Veröffentlichung, entgegenzuführen. Es müßte zu diesem Zweck eine Fachkommission gebildet werden, an deren Spitze der derzeitige Amtsnachfolger des״ Chasam Sofer, Se. Ebrw. der Oberrabbiner der Preßburger orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde, stehen Billig Und bequem wie immer. Nächste Reisen: 25. X., 8. u. 21. XI., Auskünfte und Prospekte auch über den Reisedienst nach BUL- GARIEN, ENGLAND, ITALIEN, JUGOSLAWIEN, PALÄSTINA, UNGARN und andere Länder, sowie über alle'Autobustouren und Mlttelmeerrelstn bei DR. S. TOCKER, REISEBÜRO ffIN DIE WELT‘, (W. M. Renner) Wien IX, Lichtensteinstraße 2. Telephon A-14-504 כשר Neueröffnung כשי RESTAURANT und SELCHWAREN Unter Aufsicht.der Adas Jisroel (Schiffschul) TT) T |j/l//||> SCHIFFAMTSGASSE 10 m. (Ecke Fraiu-Hochedlinger-Qasse) ■■■■■■■■■■■■■■■ Telephon: A-48-1-32 sollte. Diese Kommission müßte über sämtliche noch ungedruckte ''Manuskripte eine* vollständige Liste verfertigen, mit den einzelnen Besitzern in Verbindung treten, damit diese die Handschriften zum Zwecke der Drucklegung, unter Wahrung ihrer Rechte und Interessen, der Kommission überlassen. Auch müßte diese Kommission für Aufbringung der nötigen materiellen Mittel -Sorge tragen, die natürlich vorgestreckt werden müßten, bis durch den Verschleiß die Kosten vielfach verzinst einfließen werden, was in Anbetracht der allgemeinen Sehnsucht nach jedem Worte des Chasam Sofer; ganz gewiß zu erwarten steht. Der voraussichtliche, nicht unbeträchtliche Reinertrag könnte alsdann den obenerwähnten zwei Institutionen zugewendet werden, die aus Anlaß des hundertsten Jahrzeittages ins Werk gesetzt werden sollen, wodurch sich das Wort des Weisesten erfüllen wird:!S e c h e•r Z a d d i k liwrocho, das Gedenken des Frommen wird zum!Segen! ZAHN PASTA '^^sVeikln.ded Zahnbetag m uh^ macht die Zahne blendend weiß! Erzeugt nach den von der W* V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharma* kognostischen Institute der Universität in Wien/ Uor einer rassischen Gesetz$ebun$ In Polen? Die Ankündigungen, daß Polen zu einem autoritär geleiteten Staat umgestaltet und General Rydz-Smigly den Titel ״Führer" erhalten wird, haben unter den Juden tiefe Besorgnisse hervorgerufen, da sich im polnischen Regierungslager immer mehr Bestrebungen geltend machen, den Juden als ״fremder Rasse" die Gleichberechtigung abzuerkennen. Erst vor kurzem hat sich eine neue ״Regierungspartei" mit ausgesprochen nazistisch-antisemitischem Programm gebildet. Nunmehr bringt das ״Berliner Tageblatt" einen sensationell auf gemachten Bericht aus Warschau, in welchem angekündigt wird, die polnische Regierung werde am 11. November eine rassische Gesetzg e b u n g proklamieren. Es werden darin Unterscheidungen zwischen der ״jüdischen" Minderheit und den ״arischen" nationalen Minderheiten gemacht werden in der Weise, daß die Juden gegenüber den anderen Minderheiten zurückgesetzt werden. Allerdings muß angenommen werden, daß bei dieser Meldung des ״Berliner Tageblattes" der Wunsch der Vater des Gedankens war. Polen lehnt die Erneuerung der Oberschlesien-Konvention ab Dem Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird von maßgebender Seite mitgeteilt, daß die polnische Regierung das Ersuchen der deutschen Regierung, die am 15. Juli 1957 erlöschende deutschpolnische Konvention betreffend den Schutz der gegenseitigen Minderheiten in beiden Teilen Oberschlesiens zu erneuern, definitiv abgelehnt hat. Deutschland, dem es um den Schutz der Deutschen in!Polnisch-Oberschlesien gegen Polonisierungsmaßnahmen zu tun ist, erstrebe — so wird dem J.-T.-A.-Vertreter weiter erklärt — die Erneuerung der Konvention auch um den Preis der weiteren -Sicherung der Rechte der Juden in Deutsch-Oberschlesien, die im Falle des Erlöschens der Konvention ohne Einschränkung den deutschen Rasse- und anderen antijüdischen Gesetzen unterworfen sein würden. Man rechne trotz Polens Ablehnung aber noch mit der Möglichkeit, daß von ausländischer diplomatischer Seite (gemeint ist wahrscheinlich der Völkerbund, unter dessen Auspizien die polnischdeutsche Konvention geschlossen wurde) ein Druck auf Polen ausgeübt wird, daß es der Erneuerung der Konvention zustimmt, wobei — so wird weiter erwartet — auch jüdische Organisationen ihren Einfluß im Sinne der Erneuerung der Konvention geltend machen werden, damit die Juden im deutschen Teil Oberschlesiens auch in Zukunft den Nürnberger Gesetzen nicht unterworfen seinsollen.!־FEUILLETON ■ Der Doppelgänger Ein Bild aus naher Vergangenheit (Fortsetzung.) Der nächste Tag war Sabbath. Jankel kam nicht. Der -Herr wartete; es wartete die gnädige Frau, es wartete die Frau Verweserin, Jankel kam nicht. Endlich ließ der Herr anspannen und fuhr grimmig nach der Stadt, in das Gäßchen, wo Jankel wohnte, und wo der Herr so oft gehalten hatte. An einem gewöhnlichen Tag war das Gefährt des Herrn sofort von einem ganzen Haufen Männer und Weiber umringt; besonders staunten es die berußten und schmutzigen Kinder an, die einander stoßend und drängend aus den Häusern stürzten. Auch Jankeis Frau mit dem vollen halben Dutzend ihrer Sprößlinge eilte herbei. Heute dagegen war alles still und öde. Einige Knaben gafften aus der Ferne, einige Frauen guckten neugierig durch das Fenster, sonst aber machte die Kutsche nicht den gelängsten Effekt. Besonders Jankeis Haus blieb geschlossen. Das eigenhändige Klopfen des Herrn blieb erfolglos. ״Die haben sich wohl mit ihrem Rosinenwein betrunken oder was!" brummte der Edelman aufs tiefste empört. Er konnte es nicht fassen, daß der Faktor einmal nicht zu seiner Verfügung stand. ״Gnädiger!" sprach ihn ein hübscher, sauber gekieideter Knabe an, ״Jankel ist um diese Zeit nicht zu Hause." ,,Wo denn sonst, mein Lieber?" fragte der Herr verwundert, ״In der Synagoge." ״Was? In der Synagoge?“ Das Staunen des Herrn wuchs und steigerte sich zur höchsten Entrüstung. Er empfand es als äußerste Ungehörigkeit, daß der Jude es wagte, in der Synagoge zu sein, während er, Er, Er! seiner bedurfte. ״Junge, kannst du mich nicht zu dieser eurer Synagoge hinführen?" fragte er nervös und ungeduldig über die Verzögerung. ״Sehr gern." Der Herr ließ das Fahrzeug warten und folgte dem Führer. Sie passierten einige. schmutzige, krumme, öde Gassen und standen vor einem! Hause, welches sich in nichts von den anderen unterschied. Von den Wänden fiel die Tünche herunter wie von den Wänden der anderen Häuser und entblößte häßliche, gelblichrote, eiternde Wunden; die Scheiben schienen an grauem Star zu leiden, das Dach war mosaikartig geputzt und voller Moos und Pilze. Der ganze Jammer des Volkes, welches sogar für das, was es am meisten lieht und wofür es oft sein Herzblut hingegeben, keine Behausung haben kann, sprach aus dieser niedrigen, baufälligen Ruine, welche nur mit Mühe und mit dem Reste der Willensanstrengung aufrecht zu stehen schien. ״Das ist euer G-tteshaus?" Der Edelmann konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. ״Schön, schön .. .״ Aber warum ist es hier so still,' so ruhig?" Warum? Aus einer Judenschul muß ja stets der sprichwörtliche Lärm dringen, und die Ohren betäuben ... Der Knabe antwortete nichts. Er führte nur den Gast in den Vorhof und; fragte: ״Darf ich Jankel h'erausrufen?" ״Jawohl, mein Junge!" Dabei zog der Herr einige Münzen aus der Tasche und reichte sie dem Knaben. Dieser tat einen Schritt zurück. ״Heute darf ich nicht...! Ich danke, gnädiger Herr.“ Der Edelmann kam aus dem Staunen nicht heraus; da fiel sein Bück auf ein Bild, welches ihn förmlich bannte. Durch eine geöffnete Tür erblickte er einen schwarzen Haufen, welcher in gedrängter Masse das kleine Bethaus erfüllte und in Schweigen und Sammlung versunken dastand. Im ■ Hintergrund, ganz nahe beim Fenster, saß bei einem besonderen Pult, von der Menge durch einen Halbkreis geschieden, Jankel, der Faktor. Sein Haupt war jetzt nicht mehr gebückt, seine Augen hatten nicht mehr den Ausdruck eines geschlagenen oder winselnden Hundes, die ganze Gestalt machte nicht mehr den Eindruck,, als trüge sie schwere Fesseln. In dem vergilbten Gesicht brannten die Augen, die magere Hand glättete den schwarzen Bart oder erhob sich in die Luft, wieum den Worten Nachdruck zu verleihen, von den Lippen kamen Worte, seltsame, unbekannte Worte, in einem seltsamen, unbekannten Ton. Bald lag in ihnen eine gewisse Musik, bald tönte aus ihnen wieder etwas ,,wie ein mächtiger, kategorischer Befehl heraus. Der Edelmann stand an der Tür und wollte seinen Augen nicht trauen. ״Was ist das? Ach׳ nein, das kann ja nicht sein", dachte er rasch und verwirrt. ״Mein Faktor und doch zugleich nicht er... Hat er einen Doppelgänger? Sollte er etwa nebenbei auch so ein Stückchen Rabbiner sein?" Plötzlich stieß er ein lautes, helles, lustiges Lachen aus. ״Das ist aber drollig!..." lautete der Text zu , diesem Lachen. ״Mein Faktor... ein Lehrer oder Prediger! Gewiß unterrichtet er Dinge, die er selbst nicht versteht, oder aber solche, die er nur zu gut versteht. Einen Augenblick später wird er vor mir stehen, und mit denselben Lippen, die soeben noch irgend welche erhabene Phrase gestammelt, wird er vor meinen Tritten den Staub wegblasen. ■Habe ich nicht recht, wenn ich auf diese Weise das ganze Gesindel behandle?“ Diese Meditationen unterbrach der Knabe, der aus dem Bethaus kam und meldete: ״Entschuldigen Sie, gnädiger Herr, aber Jankel wird nicht kommen." ״Ja, was heißt denn das?" donnerte der Edelmann entrüstet. ״Ja, er... er, gnädiger Herr, will am Sabbath nicht von Geschäften sprechen. Er will nicht einmal herauskommen. Er... lehrt nämlich die Leute dort." ״Das ist aber prächtig. Was lehrt er denn? Er ist ja selber unwissend wie ein Schaf." Jetzt sah sich der Edelmann umringt von einer zahlreichen Gruppe von Juden. Der Anblick eines so seltenen Gastes hatte sie angelockt, und als sie dessen geringschätzige Aeußerungen vernahmen, protestierten sie einhellig. ״Sagen Sie das nicht, gnädiger Herr“, rief ein junger Mann mit einer Brille, ״Jankel, der Faktor, Ist in unseren Dingen sehr bewandert und gelehrt." ״Woher hat er denn all diese Weisheit geschöpft?" ״Woher? Er hat gearbeitet, er arbeitet noch. Schon mit Sonnenaufgang sah man Jankei stets über unsere heiligen Bücher gebeugt, und bis spät in die Nacht läßt er von ihnen nicht ab. Den ganzen lieben Tag rennt er herum, plagt sich und arbeitet, um für seine Frau und Kinder ein Stück Brot zu erwerben, dann aber lebt er nur, für den Dienst des Himmels, Er ist ein gelehrter Mann und ein frommer Mann. Deshalb versammeln sich am Sabbath viele Männer um ihn herum und er erklärt ihnen die Lehren der heiligen Bücher." (Fortsetzung folgt.)

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