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Jüdische Presse · 1936-09-16 · 33 (16.9.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
33 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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% Nf. 33 Bin herzlicher Wunsch zum Neuen Jahr I Von Df. jüf. tmd nWf# Friedrich Kart Piek, Ofeiffäl Im iMeihiiide, Pf ag deä BäläMihä^Aüfbäus — und welcher Jude würde unter deni heutigen Verhältnissen nicht 2u diesen Freunden geft^renf wififclich für das öeiobte Land einen Zustand herheiwünscheri, in dem eine einige Fartei, eine einige Weltanschauung alles beherrschend allein walten würde? Ist es ndcht vielmehr zu >erwartenf daß dort Wieder ein normales Volkslebens entsteht mit gesundem, blutvollem Leben, in Welchem die verschiedenen Schattierungen poli* tischen Denkens ihre Vertreter finden und in maßvollem Wettstreit ein berechtigtes Streben betätigen, sich auszuleben? Ich Weiß, sehr geehrte Redaktion, daß Sie mit dem eben Bemerkten nicht ganz sympathisieren werden. Aber Sie haben ja meine Meinung hören wollen, und das ist sie eben. Sie ist meiner Ansicht mach auch die einzige, die eine Antwort auf die Frage ermöglicht, Welche den vorigen Absat2 eingeleitet hat. Ich will sie nach gut jüdischer Art wiederum mit einer Frage beantworten: Sollte es nicht dennoch einen Weg geben, wenn nur der Wahrhaft gute Wille dazu vorhanden ist? Ich hoffe doch! Die* Jüdehiheit hat'noch immer den Weg zum Guten gefunden uhd wird ihn auch jetzt wieder finden, wenn anders die weitverbreitete Ansicht von ihrer Schicksalsschwere Tage Wider alle Erwartung hat England sein Verhalten den aufständischen Arabern gegenüber geändert. Nach vier Monaten des Zauderns und Nachgebens, nach Wochen des Verhandelns und Parlamentierens hat man sich plötzlieh in London1 — wohlgemerkt: in London! — entschlossen, 'energisch vorzugehen. Es ist nun — für den Augenblick wenigstens — keine Rede mehr von Bedingungen und Konzessionen; jetzt haben die Maschinengewehre da» Wort! Ein Oberstkommandierender, Generalleutnant J. G. Dill, ist ernannt und größere Truppenkontingente sind in das unruhige Palästina beordert worden, um die ״erwachenden“ Araber zur Raison zu bringen. Da sich diese aber für einen erbitterten Widerstand vorbereiten — zu einem ״Heiligen Krieg“ ruft der Mufti von Jerusalem seine Getreuen auf —, so ist leider für die nächste Zeit mit einer erhöhten Kampftätigkeit zu rechnen. Welche Gründe für die neue Talctik Englands bestimmend waren, ist gegenwärtig noch nicht klar erkennbar. Der Brief des Kolonienministers O r m s b y - G o r e an Weizmann, worin er alle Gerüchte über Versprechungen an die Araber dementiert, ja sogar die Vermittlerrolle des vielgenannten1 Nur! Pascha als dessen private Angelegenheit darstellt, vermag! nichts an der Tatsache zu ändern, daß die Regierung jetzt einen sehr entschiedenen Kurswechsel vorgenommen hat. Die offiziellen und offiziösen Erklärungen, daß. sie unbedingt an der Balfour- Deklaration festhalten wolle, ,reichen nach den Erfahrungen der jüngsten und der älteren Vergangenheit keineswegs für eine hinlängliche Motivierung dieses Umschwunges aus. Am maßgebendsten hi^für dürfte wohl die Einsicht gewesen sein, daß ein ׳erkämpfter Sieg nicht nur eine unerwünschte Stärkung des Selbstbewußtseins, sondern auch die Sicherung einer weitaus dominierenden Stellung des Arabertums in diesem verkehrspolitisch und strategisch so wichtigen Lahde zur Folge haben müßte. Einen solchen Machtfaktor, mit dem gerade in den ungünstigsten Augenblicken zu rechnen wäre,?1iicht erstehen zu lassen, wird nun voraussichtlich der Leitgedanke der englischen Politik in Palästina sein. Jedenfalls haben die Juden allen Anlaß, mit der neuen Wendung zufrieden zu ׳sein und zu hoffen, daß es endlich der Mandatar m a.c h t gelingen werde, normale Verhältnisse im Heiligen Lande zu schaffen. R^an< Schulbücher *«! «!> mhommm!« Bücherstube Rath & Co. Wie« 11, fabofstr. 20a, fei. R-45-305 Ankauf ünd Ümfausch aniiquätischer Bücher zu höchste« Preise« MadeMie Leirtbibiiotnek / mie Neuerscheinungen Monatsgebühf S3.i0, keifte Baftdgebühr, täglicher Üftitausch; oaer Möftätsgebühr S 1.60 und 10 Gf. Baftdgebühr Modernes Sortiment und Antiquariat Hebralca uftd fudaica / Die schönsten Bar - Mizwsh - Geschenke t besonderem geistigen und sittlichen Veranlagung nicht eine blose Mär sein soll. Sie muß lernen, daß Gemeinnutz vor Eigennutz geht, und sie wird dazu keine große Aufmachung brauchen, sondern mit etwas freundlichem Entgegenkommen der einen Gruppe den anderen gegenüber und unter Weiser Zurückstellung allen׳ Totalitätsstrehens es verstehen, die besten Köpfe zu objektiver Beratung darüber zusammenzuführen, weicher ersprießliche Ausweg denn endlich für die Juden gefunden werden könnte aus einer Situation, wie sie in dieser Schwere und in diesem Umfang und Ausmaß selbst in der schicksalsreichen jüdischen Geschichte früherer Zeiten kaum ihresgleichen haben Polen interveniert Der polnische Gesandte in London, Graf Rac z i n s k y, hat im Foreign Office vorgesprochen und auf die Besorgnis der polnischem Regierung hingewiesen, die im Zusammenhang mit Erwägungen hinsichtlich einer möglichen Beschränkung deh j üdi|sdben Ein wanderung nach Palästina bestehe. Graf Raczinsky. erklärte, daß die Wichtigkeit dieser Frage für Polen sich schon daraus ergebe, daß die große Mehrheit aller Paiästina-Einwanderer aus Polen stammt. Verschärfte Situation Der bekannte syrisch-arabische Rebell F a u z i Bey el Kaukadyi ist von den arabischen Banden zu ihrem Oberkommandierenden gewählt worden. Fauzi Bey, der sein Hauptquartier im Gebirge aufgeschlagen hat, steht im Rufe, besondere militärische Kenntnisse zu besitzen. Er soll erklärt haben, daß er eine ״neue Hindenburglinie“ gegen das englische Militär errichten werde. Aus der in seinen ״Kriegsberichten" gebrauchten Terminologie wird geschlossen, daß Fauzi Bey von Deutsehen strategisch beraten wird. Wie weiters mitgeteilt wird, sind den arabischen Städten und Dörfern Steuern zur Erhaltung der Banden auferlegt worden. Die Steuer für Jaffa beträgt 30.000 ׳Pfund. Die Kämpfe haben ernsteren Charakter angenommen; sie waren für beide Seiten sehr verlustreich. Auch neue jüdische Opfer sind zu beklagen. General Dill in Palästina Der neue Oberkommandierende der palästinensisehen 'Streitkräfte, Generalleutnant J. G. Dill, ist am Sonntag, mit einem Kriegsschiff aus Malta kommend, in Palästina eingetroffen und hat den militärischen Oberbefehl übernommen. Es verlautet, daß General Dill auch weitgreifende politische ujnd administrative Machtbefugnisse hat. Man erwartet die Proklamierung des Kriegszustandes in de», bandenverseuchten Gebieten. Vorher machte der High Commissioner Sir Arthur Wauchope einen letzten Versuch, die arabischen Führer zur Raison zu bringen. Ueber das Ergebnis der Bemühungen ist noch wenig bekannt geworden. Es heißt, daß die Führer es übernommen haben, mit den Unterführern zu verhandeln. Sie wünschen von mir eine Meinung über die Frage des ״J ü d i 3 6n e fi W e H k 0 ng t e 3 3 63“ zu hören. Ich will Ihrem Wunsche nachkommen, obwohl ich es ungern tue. Üngem schon deshalb, weil die Frage auf das Gebiet der Politik gehört. Und ich bi» kein Politiker; ich liebe die Politik nicht, und am Wenigsten die sogenannte jüdische Politik. Politik mag gut sein für ein Gemeinwesen normalen Stils, in dem alle üblichen Stände, Berufszweige und Wirtschaftlichen Faktoren in der allgemein gewohnten Art gegeben sind. Hier sind die wichtigsten! Lebensfragen! der Gemeinschaft meist seit langem im Großen festgelegt, und der Kampf der Gruppen, Parteien׳ genannt, geht häuptsächlich um spezielle Belange und Ziele, um die stärkere Vertretung der einen oder anderen Interessengruppe. Wohl ist auch hier dieser Wettstreit der Gegner untereinander oft nicht sehr erfreulich. ״Politisch Lied ein garstig Lied“ bewahrheitet sich leider in vielen Fällen auch bei diesen Machtkämpfen. Aber der Streit greift hier — immer normale Fälle europäischer Politik vorausgesetzt — nicht an den Lebensnerv der Gemeinschaft, des Volkes oder Staates. Dieser Lebensnerv ist in der Regel intakt und unberührt, so daß er zum mindesten nicht schmerzlich fühlbar ist. Und das Auftreten verschiedener Parteianschauungen und Gruppenforderungen kann da nur als gesund, ja notwendig angesehen werden. Es verhindert Stagnation und Verfall, es spornt zu größerer Achtsamkeit und Vorsicht, oft auch zu höheren׳ Leistungen um des erhofften Sieges Über die gegnerischen! Gruppen willen an. Das alles ist in der jüdischen Gemeinschaft, so wie sie uns heute vor Augen tritt, nicht, oder doch Wenigstens nicht in der gleichen Art der Fall. Schon in weniger bewegten Zeiten bietet sie nicht das Bild einer ruhigen, geschlossenen Gesellschaft. Die Interessengruppen sind zum großen Teil andere als in der gewöhnlichen Politik der Völker, und diie Kämpfe dieser .Gruppen heben sich daher merkbar von jenen der Umwelt ab. Treten sie, wie dies leider häufig der Fall ist, nach außen stärker in die Erscheinung, so werden sie eben dieser ohnehin nicht sehr günstig eingestellten Umwelt in doppelt unan1genehmer Weise fühlbar. Dazu kommt, daß der Lebensnerv, von dem ich oben sprach, in unserer Gemeinschaft keineswegs intakt ist. . Seit Jahrhunderten schon gequält und gepeinigt, hält er dem erneuten schweren Ansturm von allen Seiten nur mit Mühe stand). Es ist nur zu natürlich, daß er da nicht wie ein kräftiger, gesunder Nerv reagiert. Dies war wohl mit ein Hauptgrund, warum verschiedenene, sonst um das Judentum sicherlich nicht weniger besorgte Gruppen sich von der Beschickung des Kongresses fernhielten׳. Es konnte da wohl von der einen ׳Seite mit einem gewissen Recht behauptet werden, daß es geradezu ein׳ circulus vitiosus sei, einmal einzuwenden, daß der Kongreß nicht die gesamte Judenheit vertrete, und dann diese seine Wirkungsbeschränkung durch die Nichtteilnahme selbst hervorzurufen. Andererseits ist der Einwand nicht minder richtig, daß ein ׳solcher ״Kongreß“, :so wie die Dinge gegenwärtig stehen, ein wahres Parlament der jüdischen Gemeinschaft nicht ,darzustellen vermag. Dazu fehlen ihm bis zu einem gewissen Grade sowohl Autorisation wie Autorität. Unter den gegebenen Verhältnissen könnte er, selbst wenn! er alle Richtungen in sich vereinigte, nicht eigentlich Beschlüsse fassen, zumal nicht solche Beschlüsse, die irgendeiner exekutiven Durchsetzung fähig wären. Und blosse Resolutionen, so schön sie gehalten und so gut sie gemeint sein mögen, haben leider wenig Bedeutung, wie ja noch weit umfassendere Institutionen deutlich genug beweisen, die nicht imstande sind, bei dem herrschenden Chaos ihren resolutiven ׳Entschließungen nach außen hin Geltung zu verschaffen. Und noch eines stand wohl, ganz objektiv gesprochen, nicht nur von einer Seite׳, dem Zusammenkommen im Wege: Gewisse extreme Erscheinungen1 der großen Politik haben anscheinend bedauerlicherweise auch bei uns abgefärbt. ׳Statt abzuschrecken׳, hat das Beispiel gegnerischer Parteien der europäischen Politik auch bei den verschiedenen Gruppen unserer engeren Gemeinschaft Schule gemacht und dahin gewirkt, daß׳ sie nicht nur — wie es an sich nur natürlich wäre — ihre Anschauungen möglichst zur herrschenden zu machen suchen, sondern den änderen gegenüber förmlich mit Totalitätsan Sprüchen auftreten. Vielfach wird dabei übersehen, daß eine Totalität in diesem modernen Sinne nicht anders denn־־ mit Gewalt durchgesetzt werden kann, und vor allem, daß sie mit dem von jeder einzelnen׳ Gruppe separat und mit besonderem Nachdruck vorgetragenen Streben nach Einigung und Einigkeit nicht recht in Einklang zu bringen ist. Es braucht nicht extra;betont zu werden,; wie bitter not uns eine solche Einigkeit — natürlich ohne irgendwelche Preisgabe von Grundsätzen — täte. Aber mit den blossen Versicherungen von allen Seiten׳ und den schönen, frommen Wünschen allein ist noch nicht viel getan. Wohl sind sich alle Parteien der Nützlichkeit und Notwendigkeit des einigen Zusammengehens aller bewußt. In der ׳Schlußsitzung der Marienbader Kenessio Mechino hat ja auch der Präsident Jacob Rosenheim — wie in diesen Blättern vom 14. August zu lesen stand — mit den Dankes-Schlußworten׳ den Ruf zur Einheit, den!Ruf zu geschlossener Arbeit für das Wohl des jüdischen Volkes verbunden. Aber was nützen die schönsten Worte, wenn in der Praxis kein Weg zu dieser von allen so ersehnten Einigkeit gefunden׳ wird׳? Natürlich ist eine Einigung, wie schon bemerkt, schwer möglich unter Parteien, von denen eine jede ihren ׳Standpunkt mit einem gewissen Anspruch auf Totalität zu wahren sucht. Aber können z. B. Freunde Als Mittel gegen rheumatische Schmerzen ist ״Alpa"-Franzbranntwein von ganz besonders schmerzberuhigender und angenehmer Wirkung! Der Arzt wird Ihnen sicherlich gern bestätigen, daß regelmäßige und gründliche Massagen mit Alpa-Franzbranntwein den Blutkreislauf beschleunigen und regeln, die Muskeln stärken, die Nerven beruhigen und den Schmerz lindern. >.Alpa" wird nur in Originalflaschen mit der blauen Etikette und Plombe verkauft. Man wird's an Ihrem Gang erkennen, daß sie von Jugend an Bata-Schuhe trugen. Denn der zarte Kinderfuß fühlt sich nirgends so wohl, wie im Bata- Kinderschuh und der elastische Gang bleibt dann für iipntier!. Von Kind an in Bata-Schuhen bedeutet gesunde Füße bis ins Alter! Rabbi Ber Friedmann זצ״ל .Am vergangenen Freitag ist in Wien Rabbi Ber Friedmann, ein Bruder, des Czortkower Rebben, im Alter von 54 Jahren verschieden. Wir betrauern im Dahingegangenen nicht bloß den Sohn seines großen, unvergeßlichen Vaters; seine Qualitäten als Mensch und Jude waren viel zu bedeutend, um den Schmers um ihn nicht zu einem persönlichen zu gestalten. Mensch und Jude? Nein, vielmehr Mensch aus Judentum, aus einem reinen,' erhabenen Ideal, dem er mit dem geradezu heiligen ׳Fanatismus seines glühenden Herzens nachstrebte. Mit beharrlicher Konsequenz bezog er aus diesem Judentum Grundsätze und •Richtlinien für alle Gebiete des Lebens, die er in seinem, des Judentums, Sinne vergeistigt und veredelt sehen wollte. Seiner Weltanschauung lag eine Art ״Rassentheorie“ zugrunde, die unter Ablehnung des physischen Moments sich zu einem psychischen Adeltüm bekannte, dessen Grenzen wohl nicht mit den von der Abstammung gezogenen zusammen- .fielen, das aber unweigerlich zum wahren Judentum führte. In der Vervollkommnung dieser seelischen Bereit- Schaft allein erschöpfte sich aber die Pflicht des jüdischen Menschen nicht; er hätte auch — und das wäre die erste Aufgabe jüdischer Eltern — für ihre Vorbedingungen zu sorgen. V o r - Bedingungen: Bedingungen, die noch vor dem Leben, ja vor dem Sein des einzelnen Jisroels zu erfüllen sind! . Aus dieser Ideologie heraus hat der Verblichene dem T ah ar as - Ha m is c h p 0 ch 0 - P r o b 1 e m den vornehmsten Rang im jüdischen Leben eingeräumt, hat er größtes Gewicht auf Erziehungund Pädagogik gelegt, in deren Rahmen er übrigens die ästhetischen Werte des Judentums besonders gepflegt wissen wollte. Aus der gedanklichen Erkenntnis floß das politische Bekenntnis Rabbi Bers. Und so hat er den Weg der Agudas Jisroel von ihren ersten Schritten an mitgemacht. Er war Mitglied des G, A. und einer der Gründer des Keren H a t h o r a. .Nicht viele haben soviel Verständnis wie er für die Notwendigkeit der organisierten Orthodoxie gezeigt und nur wenige so restlose Hingabe an das Werk. In seinem letzten Willen verfügte er, daß sein Sohn Zeit seines Lebens der Agudas Jisroel und — wenn es in seinem Wohnort eine solche geben sollte — der orthodoxen Gemeinde anzugehören habe. Es war ein. echter ״Friedmann“, der sich jetzt ״zu seinen Vätern versammelt“ hat. Nicht alle, die Rabbi Ber verehrten, haben ihn auch verstanden, aber alle, die ihn kannten, haben ihn verehrt. Bei aller Fühlung mit der Masse war seine Persönlichkeit doch respekteinflößend. Strenge, unbestechliche Wahrheitsliebe und tiefe, verständnisvolle Weisheit weiß auch der kleine Mann zu schätzen. Die ihm ferne, unbegreifliche Größe vermag er freilch bloß zu ahnen. Und diese* Ahnung war es, die Tausende und aber Tausende getrieben hat, dem Heimgegangenen ein imposantes, selten gesehenes Trauergeleite zu geben und damit zu manifestieren, daß ein ״Fürst in Israel" dahingeschieden ist.תנצבה. e. g. Die Kultuswahlen in Warschau Am Sonntag, den 6. September, fand in Warschau, der größten jüdischen Gemeinde des Kontinents, die Wahl des Vorstandes der Kehilla statt. Gewählt wurden 13 Agudisten, 11 Kandidaten des aus verschiedenen zionistischen Gruppen bestehenden ״Nationalen Blocks" (darunter 3 unparteiische Kaufleute), 15 Bundisten (Sozialisten), 4 Misrachisten, 3 Poale Zionisten, 1 Revisionist, 1 Volkist und 2 Kandidaten der Liste ,Stückgold. Sämtliehe anderen der 44 Listen erhielten weniger Stimmen, als für ein Mandat erforderlich war. Bei der vorletzten Wahl im Jahre 1931 hatte die Aguda 19 Mandate errungen und bildete, gemeinsam mit einigen sogenannten imparteiischen Orthodoxen, die Majorität im Kultusvorstand. Trotzdem die Liste der Aguda bei der jetzigen Wahl ihre Stimmenanzahl sogar vergroßem konnte, konnte sie doch nur 13 Mandate erringen, weil infolge der Beteiligung der sozialistischen ״Bundisten“, die vor fünf Jahren der Wahl fernblieben, die Wahlbeteiligung von 28 Prozent auf 45 Prozent gestiegen ist, was logischerweise auch eine erhöhte Wahl- Ziffer zur Folge hatte. Das Wahlresultat hat in allen religiösen und bürgerlichen jüdischen Kreisen tiefste Erschütterung hervorgerufen. Die Tatsache, daß in Warschau, der jüdischen Metropole Europas, 36 Prozent der Wähler einer Partei mit ausgesprochen antireligiösem Programm ihre Stimme gaben und nur 25 Prozent für religiöse Listen stimmten, ist eine ernste Warnung, die alle religiösen Juden aus ihrer Lethargie aufrütteln sollte, um den Kampf für die Jüdischkeit in erhöhtem Maße aufzunehmeh. In den Provinzgemeinden, in denen am gleichen Sonntag und am Sonntag vorher die Wahlen stattfanden, sind die Resultate erfreulicher. In den meisten Gemeinden ging die Aguda bei den Wahlen als die größte Gruppe hervor, während sie in vielen sogar die »absolute Majorität errang.

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