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Jüdische Presse · 1936-09-16 · 33 (16.9.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
33 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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’־nill m V Kunerol Ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es (st nahrhaft leicht verdaulich, unbegrenzt halt« bar und kann van jedem Streng« gläubigen ahne Bedenken zur Zu« Bereitung van Milch- und Fleisch* speisen für den Festtogstisch verwendet werden. Das Verschluß* Siegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kuneral unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrobbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. DasiOO/reine Kokosnußfett Nur echt in Originalpackung! Minister 2eigte volles Verständnis für die Wünsche der beiden Zentralen and versprach, sich für deren Irftii* iung nach besten Kräften einsetsen m Wollen, Das Verhältnis der orthodoxen und liberalen Juden aneinander. ist tröta der streng geschiedenen Gemeindeführungen ein sehr gutes und brüderliches, so daß beide Organisationen jederzeit nach außen hin geschlossen die jüdischen Belange wirksam vertreten, fn BubotiCa. bei* spielsweise besteht ein jüdisches Landesspital, dessen Küche streng orthodox geführt Wird. Die neologe Gemeinde von Novisad hat sich bereit gefunden, das dort bestehende Altersheim, dem nunmehr noch ein Kinderasyl angegliedcrt werden soll, nach religiösen Grundsätzen zu führen, so daß der gewissenhafteste Jude dort beruhigt um Aufnahme nachsuchen kann. Die Novisader Gemeinde hat sich damit ein Ruhmesblatt in der Geschichte geschaffen, das weit über die Landesgrenzen hinaus bekanntgeworden ist. Mit all diesen Feststellungen können wir wenigstens mit Mut ins neue Jahr hinübergehen, hoffend und wünschend, daß der jugoslawischen Judenheit weiterhin ein glücklicher Stern leuchte. Rafael Fellheimer, Zagreb. * Rumänien In politischer Beziehung teilt auch unser Heimatland das Los jener Länder, in denen Diktaturgewalten sich regen und dabei die antisemitische Strömung weite Bevölkerungsschichten überflutet. Wenn die jüdische Bevölkerung, von dieser Strömung noch nicht niedergerannt, sich aufrechthält, so geschieht es nur unter Anstrengung aller Kräfte und mit schwerer Mühe und Entbehrungen. Wohl hat die drohende Gefahr die rumänische Judenschaft zu einer festen Einheit zusammengeschweißt, ihre Kraft ist aber nur unwesentlich angesichts der Macht, die uns allenfalls verfolgt. Es muß billigerweise zugegeben werden, daß die Regierung und die staatlichen Behörden über die Sicherheit der Juden wachen, obgleich sie dabei keinen leichten Stand haben, denn bei der derzeitigen nationalistischen, richtiger antisemitischen Strömung ist es keinesfalls schmeichelhaft, als ״Judenknecht“ bezeichnet zu werden. Wie sich bei der geschilderten politischen Lage die wirtschaftliche Situation der Juden in Rumänien gestalten kann, ist sehr leicht begreiflich. Politik ist heutzutage eben gleichbedeutend mit Parnossoh. War die Wirtschaftskrise schon in den vergangenen Jahren verheerend, so hat sich das Bild noch um vieles verdunkelt, indem der Verarmungsprozeß bei der Judenschaft mit Riesenschritten vor sich gegangen ist. Die agudistische Bewegung im Lande hat eine sehr erfreuliche Entwicklung genommen und berechtigt zu den größten Hoffnungen. Die Besuche des Herrn Dr. Ehrmann haben zu dieser Entwicklung sehr viel beigetragen und speziell der Keren-Hajischuw-Arbeit neue Impulse gegeben. Einen unersetzlichen Verlust hat die rumänische Orthodoxie durch den Heimgang des Oberrabbiners Fuchs s. Z. 1. aus Großwardein erlitten. Hoffen wir, daß Haschern nun unserem Volk ein glückliches Jahr in Friede und Eintracht schenkt. Bernhard Rippel, Czernowitz. : .•ז׳< '.| *!• •׳■* ׳ " ■ .■- ' Holland und Belgien Ueber die agudistische Arbeit in Holland und Belgien wird uns geschrieben: Erziehung: In den größeren Zentren finden Lehrkurse und Schiurim statt, deren Leiter sich die Aneiferung zum Jeschiwoh-Besuch sehr angelegen sein lassen. .Periodisch werden Vorträge unter der Hauptaufsicht des Utrechter Rabbiners Hirsch veranstaltet. Wandervorlesungen in größeren und kleineren Orten ergänzen diese Arbeit. In Enschede wurde eine Hachschoro- Stätte errichtet. Soziale Einrichtungen: In sozialer Hinsicht wurde das Frühehe-Problem schärfer ins Auge gefaßt. Es wurden Büros zur Berufsberatung und Um- Schichtung als auch Darlehenskassen zu diesem Zwecke geschaffen. Außerdem bearbeitet ein Komitee, worin angesehene Holländer Mitglieder sind, Ansiedlungsprojekte im Sinne Birnbaums. Presse: Es wurde eine gemeinschaftlich mit Belgien betriebene Jugendzeitung herausgegeben, die die brennenden jüdischen Fragen erörtert und von fähigen Kräften redigiert wird. In Belgien wird die Erziehung der Jugend für ein großes Volk! Schau, wie treu sie an Dir hängen; selbst, wenn sie die Pferde lenken und die Wagenräder schmieren, tragen sie die Zeichen Deiner unendlichen Diebe an sich, beten sie zu Dir und lobpreisen sie Dich!.. Es war ein Großer und Heiliger, der weise Rabbi Israel, der, wie kein zweiter., das Volk kannte und liebte und dessen Blick in die tiefsten Tiefen des Herzens drang ... . Die geläufigen Alltagsgebete sind mittlerweile zu Ende und nun wird das erste, eigentliche Festgebet angestimmt. ״TekS<uh! ..trällert der Vorbeter mit erhob&ner Stimme, und man hört förmlich die Stimme der Posaune schauervoll durch den Raum in die Herzen dringen, ״denn es ist” — proklamiert der Vorbeter mit tiefem Baß ernst und feierlich — ״Gesetz in Israel; Gerieht hält Jakobs G-tt”. Dann hebt ein Summen und Brummen, ein Murmein und Flüstern ' an. Das stille Gebet, — Aber so gar still kann heute die Zwiesprache mit G-tt nicht bleiben, da das Herz so voll und beioegt ist und nach Befreiung ringt... Ein seltsames Rauseiten, das, wie das ruhige Plätschern der Wogen, steigt und fällt, sich erhebt und wieder sinkt, ein ergreifender Chor gleichgestimmter Seelen.., ״Uwchen ten pachdcho...”, betete Leibe, ״so lasse dies Beben vor Dir alle beseelen, daß Dich ehr fürchten alle Deine Geschöpfe.., daß sie alle einen Bund schließen, um Deinen Willen mit ganzem Herzen zu erfüllen,, .” Wie ein Pfeil schießt es Leibe durch den Kopf, wie es wohl wäre, wenn sie alle, alle den Namen G-ttes anbeten, das Unrecht wie Rauch verschwinden ließen und der Herrschaft der Bösheit ein Ende machten, Alle, der Bürgermeister, die Steuerbeamten, die Polizisten, Prachorow, der Ofenheizer und Ohorhez-Käufer, und noch viele mehr. Der Gedanke scheint ihm fast unfaßbar. Die Polibesonders intensiv betrieben,; hauptsächlich dank der großen Energie des Herrn Rabbiners Rottenberg. Das Niveau ist ein sehr hohes. Vorträge, teils von jüngeren Knaben selbst, ergänzen die emsige Lernarbeit, welche auch häufig durch Feste und ׳Sudes unterbrochen werden darf. Durch ständige Berührung mit der Jeschiwoh Ez Chaim in Heide, welche selbst ein lebendiges Stück Agudageschichte darstellt, bleibt 'ein fortwährender Geistesaustausch, der Lerneifer und -lust ständig erfrischt. In so z i a 1er Hi n־ä i;c h t wurde die zweite Hachschara eingerichtet, die ihren Möglichkeiten nach die bedeutendste von ganz Etiropa werden kann, aber durch wenig Teilnahme augenblicklich in ihrem Aufblühen behindert wird.; Es geht der Hachschoro rwie der ganzen Aguda in Belgien: Möglichkeiten unbeschränkt, Teilnahme sehr gering! Nur einzelne halten das! Riesengebäude, wo Hunderte stehen sollten. Hoffen wir,t daß das neue Jahr auch in dieser Hinsicht eine Besserung bringt. v ' , 1״;׳•y . A. ׳Ratzersdorfer. , ,>ך .. * . Schweiz In dem zur Neige gehenden) jüdischen׳ Jahr 5696 hat die Schweiz wieder im jüdischi-politischen Leben ein^e Rolle gespielt. Die Ermordung des nationalsozialistischen Führers Gustlof'f durch Frankfurter hat zwar mit dem schweizerischen Judentum direkt nichts zu. tun, hat aber die Stimmung bei der nicht jüdischen!Bevölkerung sehr stark beeinflußt. ׳Die Regierüng hat die nationalsozialistische Partei Ver bot e־n, ebenso hat die von Deutschland geschürte antisemitische Bewegung letztens einen großen Rlicksch 1 a g erlitten. Die antisemitische Bewegung in der Schweiz spielt . heute keine allzu große Rolle mehr. Auch der sogenannte ..״Jüdisch'e Weltkong r e ß“ hat ׳bekanntlich in der Schweiz stattgefunden. Wenn dieser Kongreß bei der Welt judenheit so viel Interesse ausgelöst hat, wie bei den schweizerischen Juden, so war die Arbeit des ״Rabbiners“ •Stephen Wise wahrlich umsonst. In den letzten Tagen hat das Zionistische Aktionskomitee in Zürich getagt, worüber spezielle zisten würden ihn dann nicht überall vom Platze drängen, wo Aussicht auf einigen Verdienst ist, der nimmersatte Steuerbeamte würde ihm dann nicht die mit Schweiß erworbenen Kopeken durch allerlei Schikanen abzwicken, um sie in Schnaps umzusetzen. Prochorow würde sich dann nicht mehr sinnlos betrinken und die Fensterscheiben der Juden, seiner Brotgeber, einschlagen. Die wenigen Beamten und Offiziere des Städtchens würden nicht mehr zu ihm sagen: ״Leibke, Jud, fahr mich daher oder dorthin!” Sie würden ihn nicht mit Hunden vom Hof jagen lassen, wenn er seinen ehrlich verdienten Lohn holen will... und die Polizei würde auf Recht und Sitte halten und ihn, Leibe, vor TJeberfällen rauflustiger Bauern schützen, die zuchtlosen Straßenjungen zurechtweisen} die seine arme Stute plagen und mit Steinen bewerfen. Ja, ob es noch überhaupt rauflustige Bauern und zuchtlose Straßenjungen geben werde? Ob sie nicht alle, ja alle, selbst der Trunkenbold Prochorow, wie er stehen ,werden und in Demut beten zu Ihm, dem G-tte Israels .., Welch herrlieber, unfaßbar großer Gedanken!... Da schleicht sich etwas wie Eifersucht in des Fuhrmanns Herz, Er möchte ihnen so viel Gluck gar nicht gönnen: sie verdienen es, wie sie'jetzt sind, wirklieh nicht. Denn im Grunde ist■ doch, was ihn bei allen Plagen und bitteren Kämpfen erhebt und aufrecht erhält, der Gedanke, daß er anders, so ganz anders ist wie sie. .. Bauern mißhandeln ihn, Polizisten drangsalieren ihn, Straßenjungen plagen ihn und hohe Herren behandeln ihn wie einen Hund,.. Was will dies alles bedeuten? Wenn er bedenkt, daß alle diese Menschen doch eigentlieh nur dieses eine Leben, diese eine Welt haben, während er, ein Jude, doch noch eine ganz andere Welt, ein ganz anderes Leben hat, das mit dem auf der Straße nichts gemein hat,.. Was wissen qll diese von einer Stunde beim En Jaakow-Bchiur auf der warmen Ofenbank im Beshamidrosch? Welchen Begriff haben sie von seinem Freitagabend, da er, der geplagte Fuhrmann, wie ein Fürst in seinem hellerleuchteten Familienhaus sitzt, am reichen Mahle, das gewürzt' ist durch den hellen Kindergesang; von einem Sabbatnachmittag, da er nach ermm₪₪₪₪m₪mmm₪mmmmsaams₪m₪₪₪mm₪mmmmmmm₪mmi Berichte ausgegeben wurden. Erwähnt sei bloß, daß während der ganzen Debatte über die traurigen Zustände in Erez Jisroel es keinem Delegierten, auch׳ nicht den. misrachästischen, eingefallen ist, daß vielleicht die Areligiosität und der Unglauben, die sich im Lande breit machen, die Ursache für diese Leiden des Jischuws sein könnten. Den Misrachisten kam es auch nicht in den Sinn, die Einhaltung des im Vorjahre vom Zionistenkongreß gefaßten Beschlusses, nach sechs Monaten׳ die offiziellen zionistischen Kibbuz-Küchen auf Kaschrus und Schmiras- Schabbos umzustellen, zu urgieren, trotzdem bereits zwölf Monate verstrichen sind, ohne daß auch nur ein Kibbuz diesem Beschluß sich gefügt hätte. Dr,. Hofmann aus Frankfurt am Main hat -wohl bei der Schlußsitzung auf diesen ■Beschluß hingewiesen׳, jedoch dazu bemerkt, daß gegenwärtig keine Zeit für solche Debatten sei, wo die politische Lage so düster ist. Auf die orthodoxen Juden in der Schweiz hat dieser Standpunkt der Misrachisten begreiflicherweise nicht den besten Eindruck gemacht. In geistiger Beziehung entwickelt sich die schweizerische Judenheit günstig, was insbesondere auf das Wirken der Montreuxer Jeschiwo zurückzuführen, ist. Die Züricher liberale •Kultusgemeinde, der bekanntlich die orthodoxen Juden nicht angehören, hat einen neuen Rabbiner, Dr. Taubes aus Wien, bestellt, der gegenüber .seinem Vorgänger, der in den Ruhestand getreten ist, als überaus konservativ!bezeichnet werden muß. Ueber Wunsch des neuen) Rabbiners soll die Kultusgemeinde in׳ ihrem Tempel demnächst die Orgel abschaffen. Ch. J. Eiss, Zürich. (Weitere Länderberichte folgen.) . Ermäßigte Glückwunschtelegramme Oesterreich- Palästina Die österreichische Post- und Telegraphendirektion teilt mit, daß anläßlich des jüdischen Neujahrs Glück- Wunschtelegramme zwischen Oesterreich und Palästina ״via Radio Austria et Syrie“ vom 14. bis 29. September zu einer ermäßigten Einheitsgebühr von 5.50 Goldfranken für jedes Telegramm zulässig sind. quiekendem Schlaf mit den Jungen den Wochenabschnitt durchnimmt? Was wissen die da draxißen von jüdischer Simcho, von einem jüdischen Feiertag? Wird doch selbst■ das neue Jahr mit Saus und Braus, unter Lärmen und Toben und THnkgelagen empfangen... Neujahr. Rosch-• haschonoh und lärmendes Trinkgelage! Der Gedanke scheint ihm so schrecklich, so entsetzlich und dabei so komisch unfaßbar, daß er fast lachen möchte, würde er nicht andererseits etwas icie Mitleid mit diesen armen Menschen empfinden, die nichts, so gar nichts von der Welt haben... Das Flüstern, Brummen, Surren und Summen hört auf. Die Herzen haben sich erleichtert und eine beruhigende Ermüdung tritt ein. Dann intoniert der Vorbeter, erst feierlich gehoben, dann freudig jubilierend, das Kiddusch-Gebet. ״Gelobt unser G-tt, der uns auserwählt hat von allen Völkern, uns erhoben von ■allen Zungen und uns geheiligt durch seine Gebote; uns in Liebe Feste eingesetzt hat...” Leibe greift sich an den Kopf. Er hat nicht andächtig gebetet und sich von unreinen Gedanken ablenken lassen. Was hatten auch die Polizisten und Beamten, die Bauern und Straßenjungen mit seinem Gebet zu tun? Wollten ihm die Bösewichte und Judenfeinde auch heute keine Ruhe lassen? Mußten sie, die Ruchlosen, auch am fieiligen Rosch-Haschonoh ihm in den Weg treten und ihn in seiner Andacht stören? Und doch, muß er wieder denken, verdienen diese Menschen, von Prochorow bis zum höchsten Gemeindebeamten, die so arm an wahrem Glück und echter Freude sind, die doch so wenig, so wenig vom Leben hüben... unser Mitleid. Ein Jude darf nicht eigennützig und selbstsüchtig sein und muß auch anderen von seinem Glück etwas gönnen,., Auch er, Leibe, will heute für sie, seine unglücklichen Feinde, inbrünstig beten: ״Meloch al kol , hoolam... Regiere, o G-tt die ganze Weit — --- daß anerkenne jedes Geschöpf, daß Du es geschaffen hast, begreife jedes Gebilde, daß Du es gebildet hast und alles, was Odem hat, sage und bekenne; ״G-tt, äer G-tt Israels ist König und sein Reich erstreckt { sich über alles...” . —tz,

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