Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1936-09-16 · 33 (16.9.1936) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
33 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630637-2630670--5342-2637665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 m m Tschechoslowakei Die bereits Tradition gewordene Rubrik ״W’al Hamdinaus ...“, in weicher die ״Jüdische presse“ alijährlieh die Judenheit der Verschiedensten Länder der Welt 2u Hosch Haschono vor de« geistigen Auge« der Leser Revue passieren läßt» Verfolgt wohl in erster Reihe das äSiel, all diejenigen Ereignisse •von Bedeutung, die sich im Laufe des 1m Meere der Ewigkeit verschwindenden Jahres im jüdischen öfentlichen Leben abgespielt haben, vor Vergessenheit zu bewahren. Letzten Endes aber soll sie ge* legentlich der der ernsten Beschaulichkeit und Selbst- Prüfung ohnehin geweihten Rosch Haschonoh-Tage den besonders wünschenswerten Antrieb bieten, aus den Geschehnissen des verflossenen Jahres das Fazit zu Ziehen, ob sie jüdisch richtig waren, den jüdischen Interessen aller Art gedient haben und daher auch im kommenden Jahre fortgesetzt werden sollten, oder ob sie den jüdischen Anforderungen zuwiderliefen, ihre Wiederholung daher mit allen Kräften und allen Waffen zu bekämpfen und zu verhindern wäre. Von diesem Gesichtswinkel aus betrachtet, sei schon im voraus bemerkt, daß es der registrierenswerten erfreulichen Ereignisse im Klall-Leben des tschechischen Judentums im verflossenen Jahre bloß ganz wenige gab. Speziell für die das Überwiegende Gros des tschechoslowakischen Judentums ausmachende Orthodoxie gab es nur zwei Ereignisse, die das Epitheton bedeutungsvoll und erfreulich reichlich verdienen. Es waren dies der nach Jahresbeginn in PreSov stattgefundene Delegiertentag der slowakischen und karpathorussischen Aguda-Jugend und die vor Jahresschluß in Marienbad stattgehabte Kenessio Mechino der Weltaguda, welche quasi alle Ereignisse, die zeitlich zwischen diese zwei grandiosen und in ihrer Auswirkung weittragenden Veranstaltungen fallen, mit ihrem Glanze bestrahlten. ’ Machte der Preäover Delegierten tag durch die große Macht, der Zahl, des Geistes und der Begeisterung, welche unsere Aguda-Jugend gelegentlich dieser wahrhaftig großartigen Veranstaltung an den Tag legte, auf jeden Gast und Teilnehmer den tiefsten und nachhaltigsten Eindruck, so imponierte die Marienbader Veranstal* tung durch die stattliche Anzahl der an ihr teilgenommenen Weltkoryphäen und durch die hohe Bedeutung der dort zur Debatte gestandenen Fragen, schließlich durch die Beschlüsse, die ebendort, hoffentlich zum Wohle des jüdischen Klalls, gefaßt wurden, ganz gewaltig. Eine erfreuliche und nicht genug rühmenswerte Erscheinung in der ansonsten überaus traurigen und in ihrer Rohheit abstoßenden Kampagne, Welche von interessierter Seite gegen den Suranyer Osterzucker seinerzeit entfaltet wurde, bot die in ihrer Einmütigkeit und Entschlossenheit geradezu imponierende Ablehnung, mit der das Gesamtjudentum die versuchte Schmälerung der Autorität lebender und להבהל׳ח in den Gefilden der Wahrheit weilender Thoragrößen unseres Landes beantwortete und weit von sich wies. Und zum Schlüsse die tief erschütternde und tief- BACKPULVER U.VANILLI ZUCKER NICHT VERGESSEN | FEUILLETON_I Seift Qefet . . . Ein Rosch-Haschono-Bild Es hat sich nichts verändert, und doch ist alles anders, muß Leibe, der Fuhr man n, fortwährend denken. Ist er noch der Leibe von gestern, Leibe, der seine Stute füttert und sich mit ihr liebevoll unterhält, Leibe, der stundenlang bei grimmiger Kälte und unerträglicher Hitze auf seinem Bretterwagen sitzt und wartet, Leibe, der sich mit den Konkurrenten täglich um den Bissen Brot balgt und sich vor jedem Polizisten tief, so tief verbeugt, damit er ihn unbehelligt harren und kämpfen läßt ...Er ist es, dasselbe Fleisch und Blut, xmd doch ist er ein anderer, da er jetzt am Vorabend des Rosch-Haschono-Festes im hellbeleuchteten G-tteshause im Kreise der Betenden steht... Auch die Menschen, die den Raum füllen, sind heute wie umgewandelt. Er kennt sie alle, aber es sind nicht die von draußen, von gestern, sie haben sich, xoie er, völlig verändert. Leibe kann auch in den Worten der Gebete nichts Besonderes finden, nichts, was * auf ■ die Heiligkeit des Tages hindeutet. Und doch, welchen Klang, welchen Zauber enthalten heute die altbekannten, lieben Worte, die er in der gleichen Fassung allabendlich betet: ״Lobet G-tt, der gepriesen ist immer und ewig, durch dessen Wort der Abend hereindämmert; der mit Weisheit die Himmelspforten öff ne t und die Zeiten ändert!, Aber heute lobt und preist er ihn anders, mit anderem Munde und anderem Herzen, er ist ihm heute, ach, so nahe, so nahe.., Und wie ist er sich heute der ״ewigen Liebe״ bewußt, die G-tt auch ihm, dem unwürdigen Leibe, als Zubeschämende Tragödie, welche def in seiner Art fast einzig dastehende Fall des '•;ehrwürdigen Öberrabbiners von Pfeäöv, Rabbiner M. Ch. Lia Vy darsteiit. Die traurige, inzwischen weltbekannt gewordene Angelegenheit ist wohl älteren Dalums, hät - abef im verflossenen Jahre durch das friedliche Äbk0«1me«y weiches die dem ehrw. Rabbi in Treue und Anhänglichkeit ergebene Gemeindeleituftg, durch die Macht der unabänderlichen Verhältnisse gezwungen, abschiießen müßte£:ihr auf Moll gestimmtes Finale gefunden.; Ganz abgesehen von "dem gewaltigen Verlust, den die slowakische Orthodoxie durch den Weggang eines ungewöhnlich begabten geistigen Führers erleidet, ist der moralische Schlag gar nicht abzuschätzen, den das slowakische Gesamtjudentum versetzt erhielt, indem es ihm nicht gelingen konnte, das'^rbleiben einer rabbinischen Größe auf seinem Posten dtifchzusetzen. Eur Ehre der Preäover Gemeinde und der slowakisehen Orthodoxie sei jedoch wahrheitsgemäß und mit aller Deutlichkeit festgestellt, ^daß beide einen dicken Trennungsstrich zwischen öiiwt; und einer Handvoll erbärmlicher Wichte ziehen, t#l.Öhe aus schnödem Eigennutz die unerhörtesten Messifö^ gegen den Raw verbreiteten und ihn derart Zu^^fäbiefsiedlung üaeh Piotrkow zwecks Üebernähme der '?ll&Mgeü Oberrabbinerswürde zwangen. Jeder Gutgesinnte ®begleitet den ehrwürdigen Oberrabbiner in seiner neuen Gemeinde mit dem Wunsche; אויביו אלביש— ועליו יציף נזרו ,;' ^Sdmuel .Reiner, Pre&ov. ... ' Ungarn Die an tisemitis c helfe n Strömungen mit ihrer haßerfüllten Ideologie und.• mit ihren vernichtenden praktischen Auswirkungen, mä|hen sich auch hierzulande des öfteren unliebsam bemerkbar. Die Regierung selbst steht wohl nach wie vor auf dem Standpunkt der alten Gesetze, die jeder Konfession und Rasse das gleiche Recht verbürgen. Aber die zügellose- Agitation der Pfeilkreuzler und Konsorten in vielen Gegenden des Landes (Debrecen usw.) ■gibt doch zu Besorgnissen Anlaß... Wollen wir hoffen, daß die nüchtern^ Veranlagung des ungarisehen Volkes — das im Grunde seines Wesens jeder Hetzeabhold ist — und nicht zuletzt die gute Ernte der Regierung es erleichtern werden, die unverantwortliche Wühlarbeit der Antisemiten rechtzeitig unschädlich zu machen. Die orthodoxen und neologen Landes- Organisationen haben im Vorjahre behufs Komplettierung ihrer Autonomien neue Statuten ausgearbeitet, die dann nach , gründlicher Beratung der Regierung zur Genehmigung unterbreitet wurden. Zum größten Bedauern aller. kompetenten Kreise läßt die Sanktionierung der neuen ״Verfassung“ noch immer auf sich warten. Laut Vernehmen haben hauptsächlich die in den Statuten niedergelegten steuerpolitischen Verfügungen bei der Regierung auf Widerstand gestoßen. Die beiden Organisationen sind redlich bemüht, die aufgetauchten Schwierigkeiten zu .überbrücken, aber über das Resultat der Verhandlungen läßt sich vorläufig nichts Bestimmtes aussagen. Ueber die Aguda ist in der letzten Zeit bei uns viel gesprochen und geschrieben worden. Führende Mitglieder der Budapester orthodoxen Gemeinde — darunter einige Schüler des Raw Duschinsky in Jerusalem — wollten eine aktive Aguda-Organisation mit arbeitenden Ortsgruppen, ins Leben rufen! Die Zentralkommission — die höchste Instanz der ungarländischen Orthodoxie — hat aber diese Bestrebungen t nicht gutgeheißen, sondern an jenem Beschluß festgehalten, wonach die ungarische Orthodoxie in ihrer Totalität wohl der Welt-Aguda angehöre, aber die Bildung von Ortsgruppen zu unterbleiben habe. Die wohlmeinenden Initiatoren der Bewegung mußten die Entscheidung der Zentralkommission zur Kenntnis nehmen — gehört doch die Achtung des Autoritätsprinzips zu den Kardinalpunkten der Aguda — und das Ausreifen der Angelegenheit späteren Zeiten überlassen. ' ־ Das über die Grenzen hinausschauende Klall- Gefühl bestätigt sich jetzt in der׳ mit der Genehmigung der Zentralkommission wirkenden J i s c h u w- E r e z - Jis r o e 1 - O r gan i'srä tion, der es schon bisher ׳gelungen ist, im Verein 'mit der agilen Leitung des ״Tiferes Bachurim“ fromme und tüchtige junge Menschen in den Dienst der Erez-Jisröel-Arbeit zu stellen. Die Jischuw-Erez-Jisroel-Organisation steht im Kontakt mit dem Keren Hajischuw. Für * den Klall wird Verhältnismäßig viel getan und die Früchte der Reorganisierung gehörigen zum ,Jlause Israel“ zuteil werden läßt... Wenn er auf das Leben im verflossenen Jahr zurückschaut, so scheint es wie ein großes anhaltendes Wunder, das sich täglich erneute. Wie oft. wußte er morgens noch nicht, ivie das Brot für die Kinder zu beschaffen sei, das Futter für seinen Ernährer,,, sein wackeres Tier, das Leid und Freud in der Familie •treu und geduldig miterlebte, wie oft ging er Freitag morgen an die Arbeit, ohne der stumm fragenden!Frau nur einen Groschen für die Vorbereitung des heiligen Sabbat geben zu können. Und doch, und doch. Sie haben eigentlich nie gehungert, haben stets Sabbat und Festtage würdig gefeiert, die gerade nicht anspruchsvollq Stute hatte noch stets genügend Futter, um weiter zu1 ziehen und mit ihm zu kämpfen; ja, es blieb auch nochs etwas übrig, um das Schulgeld für die Kinder, die fleißig im Cheder lernen, zu bezahlenBedarf es noch eines Beweises der g-ttlichen Liebe, deren auch er, Leibe, sich erfreut, der Wunder, die G-tt täglich an ihm vollbringt? Wie melodisch süß und zugleich feierlich ergreifend klingt doch heute das ״S c h e m-a". Das ״Schema", das er dreimal täglich, zu seiner Schande sei es gestanden, oft genug nur so oberflächlich und gedankenlos betet, welchen tiefen Sinn hat doch heute jedes Wort, jedes Zeichen dieses Bekenntnisses, des von der Gemeinde so laut und innig im Chore vorgetragen wird. Auch das sonst nur leise hingemurmelte ,ßoruch sehem" — darf heute laut und offen ausgesprochen werden. Könnte er doch immer so beten! Aber da sind dis niederen Gedanken, die sich in sein Gehirn drängen, Gedanken an den Verdienst, an Bär, seinen Rivalen und Todfeind, ja selbst an die grundehrliche, aber etwas altersי schwache und langsame Stute... Und eine Erinnerung ] geht Leibe blitzartig durch den Kopf: v Es war ein trüber Herbetmorgen. Er war die Nacht mit seinem mit Passagieren vollbeladenen Wagen durchgefahren, Weit und breitkeine Herberge, Die Passagiere schimpften über die Langsamkeit der Fahrt und duldeten keinen Aufenthalt. Die Zeit rückte aber vor und mgeü steh in; de« Beträge«, die für diese« äweek ifi de« letzten zwei Jahren aufgebracht wurden. Die fast restlos düfehgeftihfte Bo««tagsruhe hat de« sehäbböshäiteöde« Kaufleute« üftd Gewerbetfeibeäde« schwere Sorge bereitet, die aber vor kurzem ei«e ««erwartete und tatkräftige Hilfe vo« auswärts erhielten. Die Bauer« auf dem Lande protestierte« nämlich gegen die absolute Sonntagsruhe, weil sie dadurch bemüssigt sifid, einen .,Werktag in der Woche für ihre Einkäufe in der Stadt zu opfern. Es ist zu erwarten, daß in unserem Agrariande die Wünsche der Bauern bis zu einem gewissen Grade honoriert werden, wenn unsere eigenen, ״sozial“ angehauchten Brüder die günstige Erledigung der Angelegenheit nicht Vereiteln werden... Die Jeschiwos, gegen die in einigen Städten (Sopron usw.) von antisemitischer Seite Hetzen in Szene gesetzt wurden, sind trotz der großen materiellen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, In gesunder Entwicklung begriffen. Wenn einige JeschiwÖs mit Hamen und Rang aus lokalen Gründen aufhören oder an Besucherzahl abnehmen, entstehen andere mit noch größerer Frequenz an ihrer Steile. Großzügige Unter- Stützungsaktionen — der bekannte Moris Engelmann hat diesbezüglich einen Plan in Budapest und Marienbad vorgelegt — könnten den Wohlfahrtsinstitutionen der Jeschiwos große Dienste leisten. In den einzelnen Gemeinden des Landes herrschen im allgemeinen Friede und Ordnung. Die Leitung der orthodoxen Landeskanzlei ist mit peinlicher Sorgfalt darauf bedacht, daß aus den unausbleiblichen Meinungs- Verschiedenheiten und Reibungsflächen in den Kehillos keine Kämpfe werden. Der Alpdruck der Ess-Zoroh, in der unsere Brüder fast an allen Ecken und Enden der Welt sich befinden, lastet schwer auf allen Gemütern und inbrünstiger als je entringt sich unserer Brust die Tefiloh: אבינו מלמו הרם קרן יטוראל עמך. Direktor Dr. Adolf Deutsch, Budapest. * Jugoslawien Während es heutzutage leider in manchen Staaten nicht immer erfreuliche Dinge sind, die das Verhältnis von Regierung und leitenden Staatsmännern zu ihren jüdischen Untertanen kennzeichnen, dürfen wir doch mit Befriedigung und Genugtuung und mit Dank zu ׳Haschern konstatieren, daß man hierzulande den Forderungen der Juden im allgemeinen und denen der O r t h od o x i e im besonderen Verständnis, ja sogar Sympathien entgegenbringt. Kein Wunder daher auch, daß unsere Juden treue Bürger ihres Staates sind, um den ׳ auch sie wiederum sich schon so mancherlei Verdienste erworben haben. Das abgelaufene Jahr darf so manchen Erfolg für die Orthodoxie verbuchen. So liegt beispielsweise ein Regierungsbeschluß vor, der an sämtlichen Mittelschulen des Landes manuellen Unterricht am Schabbos in solchen Klassen entfallen läßt, wo jüdische Schüler verhindert sind, sich daran zu beteiligen. Des weiteren ist es der orthodoxen Landeszentrale der jüdi־ sehen Gemeinden Jugoslawiens, vertreten durch ihren geschäftsführenden Präsidenten Hermann Deutsch, Subotica, gelungen, zu erwirken, daß sämtliche Kinder orthodoxer Eltern auf Wunsch am Schabbos vom Besuch der Elementarschulen befreit werden. Erst vor kurzem erschien unter Führung des Grandrabbins Alkalay eine Vertretung der Orthodoxen Landeskanzlei, bestehend aus den Herren Oberrabbiner Grün aus Mol und Hermann Deutsch, und in Vertretung der neologen Zentrale Herr Dr. Pops, Belgrad, in Audienz beim Kultusminister Dr. Subotitsch, um allgemeine jüdisehe Angelegenheiten zur Sprache zu bringen. Der Herbstneuheiten in allen Modefarben JaefihelQtuk Schilling 9.80, 12.15 ,־.- Feinster Haarfilz 19.-( 23.-, Biber 28.־ 11, TABORSTRASSE 39 XIV, Sechshauserstraße 39 XVII, Kalvarienberggasse 34 es wurde spät. So nahm er, wie immer in solchen Fällen, den Tallisbeutei, den er stets für alle Fälle bei sich führte, hüllte sich in Tallis und Tefillin und widmete sich, da die Stute auf dem ihr wohlbekannten Weg jeden Antnebes entbehren konnte, bequem auf dem Bock sitzend, seinem Gebete. Da kam die erste Störung. Am Waldrande hügelan blieb die Stute stehen, schüttelte mit philosophischer Ruhe das Haupt und ging nicht weiter. Die Räder knarrten und krächzten noch einmal und blieben nun bewegungslos stehen. ״S c h m 0 n e es sr e!" rief ein Splottvogel vom Wagen herab. ״Ei, ei", wies ihn Leibe entrüstet zurecht, ohne das Gebet zu unterbrechen. ,flSi, ei!" feuerte er auch die Stute an, Diese aber sah ihn stumm und doch vielsagend an. Er kannte genau ihre Sprache und er glaubte, •sie, wie die Eselin Bileams, vorwurfsvoll sagen zu hören: ״Bin ich nicht deine Stute, mit der du bis auf den heutigen Tag gefahren bist? Bin ich es etwa gewöhnt, dir so zu machen? — Aber, du weißt, Leibe, wo nicht geschmiert wird, da geht es, zumal bergauf, halt nicht!" Was blieb Leibe anders übrig? Er mußte sachte absteigen, den Schmiereimer abhängen und, immer noch in Tallis und Tefillin gehüllt, sich an die höchst profane Arbeit machen. Da kam ein leichter Einspänner des Weges gefahren. Leibe erschrack so sehr, daß ihm der Eimer aus der Hand fiel, es war kein anderer als der Rabbi, der große Rabbi Israel, der vorbeigefahren kam und ihn nun bei einer solchen Sünde, bei einer solchen Entweihung des Heiligtums ertappte. Er hätte in die Erde sinken können vor Scham ob dieser Handlung, für die er nicht einmal, da er mitten im Gebet, just an einer Stelle, die keine Unterbrechung durch Unterhaltung zuläßt). war» ein Wort der. Erklärung und Entschuldigung von sich geben konnte. Der Rabbi aber hielt einen Moment an. Dann hob er seine wunderbar blauen Augen, aus denen eine Welt von Milde und Güte ausstrahlte, gen Himmel und sprach laut und vernehmlich: ״Großer G-tt, was hast Du doch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.