Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 32 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 'jfö0fS€32S£~ PRESÄft I WOCllC zu Woclic O Der Magistrat der polnischen Stadt Rowno hat eine Straße nach dem ukrainischen Hetmün Peiljnra benannt, unter dessen Regime die entsetzlichen Judenpogrome der Jahre 1919/1920 sich ereigneten und der später in Paris von Schatom Schwarzbart erschossen wurde. 0 Nach einer polizeilichen Haussuchung in der Kanzlei der Lemberger Jüdischen Gemeinde wurden die Bücher beschlagnahmt, Dokumente und Wahlakte versiegelt. Auf behördliche Anordnung wurde die Amtstätigkeit der Gemeinderepräsentanz suspendiert und eine neungliedrige Interimskommission, bestehend aus Angehörigen der assimilatotischen Richtung, mit d&r Führung der Gemeindegeschäfte betraut. An der Spitze der Kommission stehen Richter Weichert und der Vertreter des Frontkämpferbundes Dr. Zirler. Der M ahar ads cha von C ochin, Sree Rama Varma, besuchte die Synagoge der weißen Jude n in Cochin. Auf die an ihn gerichtete Begrüßungsansprache antwortete der Maharadscha mit Worten der Anerkennung für die hohe Bedeutung, die die jüdische Gemeinde trotz der kleinen Zahl ihrer Mitglieder für seinen Staat habe. O Jüdische Kunstfreunde außerhalb Deutschlands haben von deutschen Museumsleitungen, besonders aus Dresden, die Mitteilung erhalten, daß eine Neuordnung der deutelten Kunst- und Autographensammlungen ״nach rassischen Gesichtspunkten“ bevortehe, und daß die von jüdischen Künstlern und Autoren stammenden Werke entfernt werden müßten. Um sie vor der Vernichtung zu bewahren, biete man sie den jüdischen Privatsammlern des Auslandes zum Kaufe an. O Die Ständig e Mandatskommission des Völkerbundes erhebt in dem Bericht über ihre letzte Tagung, der dem Völkerbundrat vorgelegt werden soll, die Forderung, daß England als Mandatarmacht für Palästina der Kommission anläßlich ihrer Herbsttdgung einen Nachtragsbericht über die Unruhen in Palästina und deren Ursachen vorlege. Der Bericht übt weiters scharfe Kritik an der Weigerung Englands, Auskilnfte über die letzten Unruhen zu erteilen. O Die französi s'c he Regie rung hat als erste das von der interstaatlichen Konferenz in Genf beschlossene Flüclitlin g s st atut in Kraft ge- ■setzt. Das Statut sieht u. a. die Schaffung einer Identitätskärte und eines Reisezertifikats für deutsche Fliichtlinge vor. O Die von den spanischen Au f st ändisehe n betriebene Juden hetze dauert an. Der Sender Sevilla fährt in seinen Angriffen gegen die Juden fort. Die jüdischen Gemeinden in Marokko geraten durch die ihnen auferlegten Zwangssteuern in eine immer tiefere wirtschaftliche Notlage. Die TOOOköpfige Gemeinde in Tetuan mußte 500.000 Peseten, die SOOOköpfige Gemeinde Ceuta 450.000 Peseten zahlen, das bedeutet 150 Peseten pro Kopf, also rund ein Monatsausgabenbudget der Familie. O Die maßgebenden Faktoren der B u d a p e s t e r Orthodoxie bereiteten dem Nestor der Freudiger-Familie, Oberregierungsrat Leopold Freudiger v. Obuda, anläßlich seines 7 0. Geburtstages herzliche Ehrungen. Der Jubilar ist durch sein Wirken im öffentlichen und im jüdischen Leben, sowie durch seine pliilanthropisehe Tätigkeit weit über den Kreis der Orthodoxie hinaus eine allgemein geachtete Persönlichkeit des ungarischen Judentums. O In Bel mar, New Jersey, ist Rabbi Morris S, Mar g olie s} einer der ältesten Rabbiner Amerikas und Gründer des Verbandes orthodoxer Rabbiner in Amerika und Kanada, an den Folgen einer Blutvergiftung gestorben. Nach längerem Leiden verstarb im Alter von 65 Jahren der reformierte Bischof von Debrecen, Mitglied des Oberhatises, Dr. Desider ■ Balth az a r. Der Tote war ein warmer Freund des Judentums, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen den Antisemitismus auf trat. O Im Alter von 56 Jahren verstarb der Wiener J.-T.-A.-Vertreter J. Hellenberg. O Die ״Neue Zürcher Zeitung“ meldet aus Mailand: Infolge der Judengesetzgebung in Deutschland ist eine größere Zahl deutscher Juden nach Italien aus g ew a n d e r t, wo sie ■ sich in verschiedenen Erwerbsziceigen betätigten. Nun ist von kurzbefristeten Ausweisungen ohne Angabe der Gründe die Rede, die auf dem Verwaltungsioeg gegen einzelne Eingewanderte erlassen werden. O In Tanger sind zahlreiche jüdische Flüc h tlin g e aus Spanisch -Marokko, wo die Juden von den Aufständischen verfolgt werden, eingetroffen.■ Auf Einschreiten des italienischen Konsuls, der der Präsident der diplomatischen Kontrollkommision in Tanger ist, wird ein großer Teil der Flüchtlinge nicht in das internationale Territorium hineingelassen. Es steht ihnen keine andere Möglichkeit offen, 'als nach Spanisch-Marokko zuriiekzukehren, wo sie schuieren Repressalien ausgesetzt sein werden. O Die judenfreundliche Einstellung der gegenwärtigen griechischen Regierung ist aufs neue durch Erklärungen bekräftigt worden, die zwei ihrer Mitglieder, der Unterstaatssekretär beim Ministerratspräsidium Papachilas und der Ernährungsminister Mayacos, der jüdischen Presse übergeben haben. Seit Abschluß der Olympiade lassen sich sehr ernst zu nehmende Stimmen vernehmen, die davon wissen wollen, daß jetzt die maßgebenden Stellen im Dritten Reich daran gehen, neue R e g elun g e 71 für die jüdische Bevölkerung zu treffen, die insbesondere den jüdischen Wirtschaftssektor sehr einengen, ■ sowie die Expropriierung jüdischen Vermögens vorbereiten sollen. Vom 19, bis 21. September wird in Paris der ״Internationale Verband der Ligen gegen den Antisemitismus“ seinen Kongreß abhalten. O Gegen das vom Radomer Kreis ge rieht gefällte Urteil in dem Prozeß wegen des Pogroms von Przytik haben der Staatsanwalt und die Verleidiger der jüdischen Verurteilten Berufung angemeldet. Gleichzeitig hat der Staatsanwalt gegen den Freispruch von vier nichtjüdischen Verurteilten Berufung eingelegt. H, Grün, II., Taborstraße 8 b,, Telephon R-42-3.66, Atelier für leine Herrengarderobe. jp Kunerol ist vollständig reines fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, (eicht verdaulich,unbegrenzt halt« bar und kann von jedem Streng« gläubigen ohne Bedenken zur Zu« bereitung von Milch* und fleisch« speisen für den festtagstisch ver« wendet werden. Das Verschluß« Siegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. Das100%reine Kokosnußfett Nur echt in Originalpackung! Wo ist der Rest vom 1930er Fonds? ... fragt der ״Jewish Chronicle“ In einer längeren Korrespondenz seines Jerusalemer Berichterstatters, in welcher die große Notlage geschildert wird, in der sich die Flüchtlinge und Opfer der Unruhen in Erez Jisroel befinden, wirft der ״Jewish Chr0־ n i c 1 e“ öffentlich die ׳ Frage auf, was eigentlich mit den Restgeldern des 19 3.0. ar Fonds geschehen! ist und warum man nicht diese für die Linderung der Opfer des 1936-Terrors verwende? Unter anderem kann man folgendes in der letzten Nummer des ״Jewish Chronicle“ lesen: ״In Erez Jisroel wird jetzt eine Sammelaktion durchgeführt zwecks Aufbringung ,von 100.000 Pfund für• die Opfer der letzten Unruhen.(Daß so ein Hilfsfonds gegenwärtig eine primäre Notwendigkeit ist, steht außer Zweifel. Die Not der Flüchtlinge der 1936er Unruhen ist bedeutend größer und dringende!♦, als es die von 1929 war. Es war im Jahre 1930, als das Welt-Judentum für die Opfer der damaligen Unruhen die enorm große Summe von Pf. St. 450.000 aufgebracht hatte. Obwohl die Bevollmächtigten oder Direktoren dieses Fonds niemals eine Abrechnung der Oeffentlichkeit vorlegten, ist es augenscheinlieh, daß unmöglich die ganze Summe von Pf. St. 450.000 verausgabt wurde. Es ist aber jetzt die Pflicht der Verwalter diese s F o n ds, die Restgelder fü-r die Opfer und Flüchtlinge der 1936 er Unruhen flüssig zumache n.“ ״Es wäre wünschenswert“, führt dann der ״Jewish Chronicle“ weiter aus, ״diesbezüglich eine öffentliche Erklärung von den obenerwähnten Fondsverwaltern zu erhalten, da sie doch letzten Endes verpflichtet sind, den tausenden . Spendern ■ vom Jahre 1929, die ihre Beiträge für einen bestimmten Zweck leisteten, Rechenschaft abzulegen. Die gegenwärtige Notlage in Erez Jisroel fordert Hilfe von allen Kreisen, und zweifellos wurde der seinerzeitige Hilfsfonds für so eine Not geschaffen, wie sie eben jetzt in Erez Jisroel herrscht.“ Das italienische Regime in Abessinien und die Falaschas In der italienischen Presse erschien dieser Tage folgendes amtliche Kommunique über die abessinischen Juden, die Falaschas, die in der Gegend des Tana-ßees beheimatet sind: ״Die Häuptlinge der Falaschas jüdischer Religion haben der neuen italienischen Regierung ihre Ergebenheit zum Ausdruck gebracht und dem Gouverneur Pirzio Birolo einen schriftlichen Treuschwur geleistet. Der Gouverneur seinerseits hat erklärt, daß die italienische Regierung den jüdischen Falaschas nicht nur die gleiche Kulturfreiheit und den gleichen Respekt einräume, wie sie den anderen Religionen in Italienisch- Ostafrika eingeräumt werden, sondern daß sie mit Interesse die Entwicklung dieser friedfertigen und arbeitsamen Minorität verfolgt, die auf dem Territorium der Amhara ansässig ist.•" Zum Einreiben und Massieren Franzbranntwein Tun Sie etwas für Ihren Körper! Letzten Endes ist er ihr größtes Kapital, denn mit Ihren Händen, Threna Kopf schaffen Sie Arbeit und Verdienst! Es gibt doch so einfache, billige Mittel, kräftig und widerstandsfähig zu bleiben! Regelmäßige Einreibungen mit Alpa-Franzbranntwein zum Beispiel, sorgen dafür, daß Ihr Körper (und damit auch Ihr Geist) allen Anstrengungen gewachsen ist! Diese kleine Pflege sind Sie Ihrem Körper schuldig־: das wird auch Ihr Arzt bestätigen! Traurige Ziffern Die Bevölkerungsbewegung unter der Wiener Judenscliaft Den Aufzeichnungen des Matrikenamtes der Wiener Kultusgemeinde sind folgende Daten über die Bevölkerungsbewegung unter der Wiener Judenschaft zu entnehmen: Die Zahl der Geburten betrug im Jahre 1925 noc.h 2191 und ist in dem abgelaufenen Jahrzehnt auf bloß 735 im Jahre 1935 gefallen. Die Zahl der Todesfälle betrug im Jahre ,1925 2497 und ist auf 2815 im Jahre 1935 gestiegen. Der natürliche Abgang betrug im Jahre 1935 2080 Seelen. Diese Ziffern• — sie sind den vorjährigen, mit denen wir uns ausführlich befaßt haben, sehr ähnlich —' beweisen nur wieder den ,Verfall der •Wiener, jüdischen Gemeinschaft unter der areligiösen Führung der Gemeinde. Von den agudistischen Kibbuzim in Erez Jisroel Aus Gederah wird uns geschrieben: Die Kibbuzim der P oa le Agu d a s J i s r o e 1 haben sich in der letzten Zeit ansehnlich vergrößert. Es ist hauptsächlich deutsche Alijah dort. Der Kibbuz Chofez Chajim in Gederah hat 60 Dunam Boden in der •Nähe Gederahs, den er zum Teil mit Grünfutter bepflanzt hat. Ein Gemüsegarten von 11 Dunam wurde angelegt und beginnt zu tragen. Außerdem verfügt der Kibbuz noch über zwei Pferde, eine Kuh, ein Kalb, 150 Hühner. Mehrere Wohnzrifim, ein gemeinschaftliches Eßzimmer, Küche, Kinderhaus und Zelte stellen das Lager dar. Der Kibbuz in'Kfar Saba verfügt über einen der besten Gemüsegärten des Scharon. Er ist auf zirka 20 Dunam angelegt. Auch dieser Kibbuz verfügt bereits über lebendes Inventar: Kuh, Pferde; Hühner. . Man wohnt auch hier in Zelten und Zrifim. Eine Ansiedlungsaussicht fehlt vorerst noch, denn die Poalim ernähren sich vorerst fast nur von der Außenarbeit. Auch eine Verbreiterung der Wirtschaftsbetriebe, wie Schreinerei, Schlosserei und Schusterei, ist dringend nötig. Einschreibungen an der Jessod Hathora Die Einschreibungen für den Kindergarten, Knaben- und Mädchenreligionsschule, als auch für den ganztägigen Jeschiwo־Vorbereitungskurs haben bereits am 13. Elul (31. August) und der Unterricht am 14. Elul (1. September) begonnen. Es werden die P. T. Eltern höfliehst ersucht, Ihre Kinder ehestens anzumelden, damit der Unterricht durch zu späte Anmeldungen nicht gestört werde. Der Kindergarten wird im kommenden!Schuljahr in zwei Abteilungen geführt. Den Kindern der Oberabteilung des Kindergartens wird die Möglichkeit geboten, schon im Kindergarten hebräisch Lesen 1חפלה> spielend zu erlernen. Der ganztägige Kurs wird den P. T. Eltern besonders empfohlen, da sie im selben ihren Söhnen eine hervorragend güte Vorbereitung für eine ישיבה schon in Wien geben können. Atelier für Damenklelder “"«י Mäntel | Elvira Kessler Wienil, Neetroygasse 8 Neueste Journale Zeitgemäße Preise- Pie besten Hochzeiten und Festlichkeiten arrangiert billig und elegant HAGEL, Wienil, Proterstr. 33 Unter Aufsicht des Rabbinats der Adas-Jisroel-Schiffschul