Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 28 (31.7.1936)
- Date
- 1936-07-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 «eoisoae presse . ■ Nt. 28 Ein Starbend«rl ftftetmif mit W«toif! fmser Aüfsate stimmt aus der Feder eines prominenten und seht verdienstvollen Führers der welt-Agüda, der aus gewissen Gründen hier nicht genannt sein darf. Wir wissen, daß die folgenden Ausführungen bei•‘ fallslos aufgenommen werden. Wenn sie trotzdem geschrieben wurden, so muß man daraus erkennen, welch ernste Voraussetzungen da2u führen. Wir meinen den alten Jischuw in Erez J i s r o e 1, nicht die Menschen, sondern seine Idee: kompromißlose Einseitigkeit der *Thora auch für die Berufswahl. Es ist nunmehr fast einhundertzwanzig Jahre, daß auch Westeuropa sich seiner Pflicht erinnerte, auch seinerseits etwas für den ״alten Jischuw“ —r damals hieß er anders — zu leisten. So entstand der Kolel Holland und Deutschland. Er leistete Großartiges. Und die Armen- und’ Pilgererscheinungen auf dem ״Deutschen Platz" in Jerusalem sind ein unverwüstliches Monument dieser Größe. Sie liegen freilich nicht an der großen Straße der Touristen, sie liegen im ״Museumsteil" Jerusalems, in der Ir Atikah. Ihre Einwohner aber scheinen auch zu Museumsstücken zü werden. Vor mehr als dreißig Jahren begann es — wir berichten nur, wir kritisieren nicht. Damals wurde der Ruf laut, das van' dem obengenannten Koilel gesandte Geld müsse ״produktive“ Verwendung finden, müsse produktiv wirkende Menschen erziehen. Bitte, einen Augenblick halt. Nehmen wir einmal an, jene Forderung wäre restlos erfüllt worden und es wären also in Palästina selbst all die Leute, welche sich heute noch den Säkularisierungs- Vorgängen energisch widersetzen, nicht da, wer hätte dann diesen Vorgängen sich entgegengestemmt? Dann kam die Aguda und der alte Jischuw atmete auf, denn da schien Hilfe zu winken, denn die Aguda stellte sich restlos an die Seite des alten Jischuw. Daher rührt ja au'ch die Antipathie, der die Aguda in so weiten Kreisen des neuen Jischuw begegnet. Da ist nicht nur, wie man männiglich sagt, eine Abkehr von den Personen, die, dem alten Jischuw angehörig, die Interessen der Aguda dort vertreten; es ist mehr, es ist etwas anderes, freilich nicht immer erkannt, doch vielfach im Unterbewußtsein wirkend. Denn was war das Wesen des alten Jischuw? Früher sagte man, eine Summe von Menschen, die sich nach dem heiligen Lande begeben hatten, um dort zu sterben. Daß dem nicht so ist, zeigt ein Blick auf die sehr lebendige und lebensstarke sogenannte Kanoim-Jugend des alten Jischuw. Sie bilden einen lebendigen Protest gegen die Amerikanisierung des heiligen Landes, abhold der prosperity-Bestrebung. Der alte Jischuw hatte das Ziel, eine Verkörperung der Totalität der. Thora zu sein und, mit der Wahrheit, daß im Judentum Religion nicht Privatsache sei, es sehr ernst zu nehmen. Er faßt jede Entweihung des Sabbath als eine Beleidigung der Gesamtheit auf und handelt dementsprechend, soweit es in seiner Macht liegt, oft sogar noch darüber hinaus. Er faßt die Existenz jedes ״Amhoorez" als den Beweis einer Schuld der Gesamtheit auf und versucht deshalb, ein Erziehungswerk zu schaffen, welches wissende Juden heranbilden sollte. Dieses Erziehungswerk, wie bis vor kurzem überall im Osten, nahm dem Vater die Pflicht ab, für die religiöse Ausbildung des Kindes zu sorgen, für seine Einführung und Einfühlung in die Welt der Thora. Die andere Seite der Vaterpflicht, das •Kind zu einem lebenstüchtigen Menschen zu gestalten, überließ man . dem Vater. Hierbei soll aber nicht unerwähnt bleiben, daß, streng im Rahmen des alten Jischuw, das Diskinsche Waisenhaus in Jerusalem auch dieser Seite der Erziehungsaufgabe seine regste Aufmerksamkeit zuwandte. Doch das alles lag und liegt fast ganz an sichtbarer Oberfläche. Der Kern liegt in der Auf fass ung. von Judentum und Juden heit, wie sie wohl auch bis vor kurzem der Aguda eigen war. Die ״Religion" kann nur dann Anspruch auf das Primat erheben, wenn nicht neben ihr etwas anderes vorhanden ist, das gleichberechtigtes (historisch und dogmatisch) Ideal ist. Als ein solches Ideal hat sich aber in den jüngsten vierzig Jahren das sogenannte Nationale darzust’ellen veir- Sucht. Vofi alt dem Komponenten, welche man gemeinhin diesem Begriff zugfünde t^t (Blut, Rasse, Geschichte, Sprache, Ziel usw.)׳f hat maneine äusgesehaltet, dasReiiglöae. (Das ־war, das Werfe des Zionismus, die Religion als integrierenden f׳efl nicht «nzuerkennen; das und nichts anderes ist der Sinn des berüchtigten Wortes: Religion ist Privatsache. Der individualistischen Reform des 19. Jahrhunderts stellt es die kollektivistische entgegen oder zur Seite, je nachdem. Dies aber allein war der Grund, aus dem heraus sich der ״alte Jischuw" in Europa, gegen den Zionismus stellte, viel mehr jedenfalls als seine Einstellung zu Palästina, für tiefer Denkende der einzige Grund. Es War deshalb zweifelsohne folgerichtig, daß die Aguda die organisatorische Form des eben gekennzeichneten alten Jischuw in Europa dem alten Jischuw in Palästina zur Verfügung stellte. Es wurde ihr von all denen verübelt, die da meinten, ehrlich meinten, auf heiligem Boden müsse sogar der Zionismus das Religiöse als wenigstens eine Komponente des Nationalen an* erkennen und bewähren, wenigstens eine Sythese des Religiösen und Nationalen anstreben. Ob dies je der Fall sein wird, Wer mag da prophezeien? Jedenfalls — wir berichten nur— zeigte der erste Versuch das Gegenteil. Man wollte dem gesamten Jischuw eine Gemeindeverfassung aufoktroyieren, welche die Gemeinde, die bisher fast allenthalben die Stätte def Erfüllung der religiösen Postulate (vgl. die Ausdrücke K u 11 u s gemeinde, Synagogengemeinde) war und als solche sich fühlte, zu nationalen Gebilden umgestalten. Hier ist nur zu unterstreichen, daß es das, was man sonst wohl als Gemeinde ansprach und darunter verstand, in Palästina schlechthin nicht gab. Es gab schlechterdings keine Einrichtung, welche von der Gesamtheit, auch von der örtlichen Gesamtheit, getragen und verwaltet wurde. Hierin aber liegt eine tragische Schuld des alten Jischuw] Er hat sich nie dazu aufgeschwungen, eine Mustergemeinde zu gründen und innerhalb seiner getreuesten Anhänger jenes Gemein- Schaftsbewußtsein zu erwecken, welches sich zum mindesten in Freude an ״seiner" Gemeinschaft äußert und daran sich immer kräftiger entwickelt. Allerdings läßt auch dies sich geschichtlich begründen und verstehen, ja, man kann sogar sagen, daß die führenden Größen dar vergangenen Epoche eine» so kräftigen zentrifugalen Einfluß ausübten, daß man die Notwendigkeit einer Gemeindebildung gar nicht erfaßte. * Aber zum mindesten nach der J e z i a h mußte unbedingt dieser Schritt unternommen werden. Wir verstehen unter •Teziah den vor zirka zwölf Jahren unter schwersten Kämpfen in Jerusalem, London und Genf errungenen Sieg, welcher der Nationalisierung der״ Gemeinden dadurch begegnete, daß er d e r Ueberzeugung, welche in dem Religiösen das einzige konstitutive Moment aller Gemeinschaftsbildungen innerhalb des Judentums erblickt, gestattete, sich eigene Gemeinden zu gründen. Die .Teziah aber blieb auf halbem 'Wege stehen. Der alte Jischuw weiß vielleicht gar nicht, welche Enttäuschung er damit der Aguda bereitete. Er mußte dies aber wissen und ganz genau überlegen, um gerecht zu bleiben und wenigstens zu verstehen, wieso es kommen konnte,!daß auch von den!religiösesten d!e!r Aule Germania, von den aus den Mittelpunkten der deutschen Orthodoxie stammenden Einwanderern1, der־ Weg noch nicht restlos zu dem alten Jischuw gefunden wurde und, wie es scheint, auch nicht gefunden wird.׳• Hier aber scheiden sich die Wege — wir berichten hur, wir kritisieren nicht. Für diese Einwanderer ist eine halbe Jeziah,!sagen .wir einmal:!eiinie sterile Jeziah, etwas Undenkbares. .Man übersieht dabei freilich das unendlich schwerwiegende Moment, י daß ein solcher Unterschied in der Grundauffassung vqn Judentum und Judenheit ein viel zwingenderer Girund zur Jeziah sein׳ müßte als alle Austru'ttismötiva in West- ,und Osteuropa, an Main und ' Spree und Donau. Zu alldem aber kommt noch ein anderes, was scheinbar auch die letzte Festung des alten Jischuw überrennt, die Wirtschaftlichkeiten, wie man so gerne heute sagt. Was haben sich doch Freie Vereinigung und Aguda für Mühe gegeben, um das Schulwerk zu. unterstützen. Das waren noch die glücklichen Zeiten, in III I I | II denen iftan gab, ohne ais Gegengabe Einfluß aüf die Umgestaltung der aus tiefster Ueberzeugung fließenden Bindungen gewinnen zu wollen, das waren noch die glückliehen Zeiten, in denen, wie man glaubwürdig erzählt, der unvergeßliche Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld 3. Z. 1. sagen durfte, sollen nur die ״Frankfurter" kommen, sie Werden sich bei uns heimisch fühlen. Was träumte doch dieser Heros des» alten Jischuw von sonnigen Tagen! Es kamen die Wirtschaftlichkeiten, .es kam der Wirtschaftskampf. Man kann es Eltern kaum verargen, wenn sie ihren Nachwuchs gerade für diesen Kampf ertüchtigen wollen. Man nimmt allgemein an, daß hier ein entsprechendes Schulsystem das geeignetste Mittel ist. Wenn aber der alte Jischuw, wenn die ihm gesinnungsverwandten Aulim aus Deutschland oder aus dem Osten den aus diesen Komplexen drohenden Gefahren gemeinsam begegnen wollen, so müßten! sie ׳sich!eines klarmaohen: Unser heiliges Land — und unser bloß, solange es heilig ist — unterliegt zur Zeit einem! doppelten Ansturm, der Europäisierung in der Lebensführung, der Amerikanisierung in der Wirtschaftsführung. Man mag sich ganz genauestens davon Überzeugen, ob der Wunsch nach einem Schulsystem aas der ersteren oder der letzteren fließt. Würde es sich nur um die letztere handeln, so wäre es denkbar, daß auch der alte Jischuw ohne Verletzung der ihm heiligen Bindung zu einem befriedigenden System gelangt. Handelt es sich aber um die erstere — es soll gar nichts verschleiert werden —, so kann er nur unter Selbstentäußerung eine Aenderung vollziehen. Gewiß, man kann über ihn zur Tagesordnung» übergehen, man kann sagen, die ״Entwicklung" der Dinge wird d!as sowieso restlos besorgen — die Aguda kann und darf so nicht denken. Man sollte aber meinen, auch abgesehen von der Einstellung der Aguda, müßte der alte Jischuw noch Freunde in der Welt haben, die ihm wenigstens materiell zu Hilfe eilen, vielleicht in Bratislava, vielleicht in Budapest. Die Kolelim überhaupt, man verzeihe uns diese Bitte, müßten sich doch füglich einmal überlegen, daß sie ins Leben gerufen wurden, um gerade jene kompromißlose Einseitigkeit der Thora in Palästina zu fördern und zu erhalten. Dazu gehören aber auch die P e k i d i m und Amarkalim in Amsterdam, die ein Erbgut verwalten, das so recht eigentlich zum Schutz des alten Jischuw erstellt wurde. Die Pdkidim mögen wissen,, daß es allenthalben auch Menschen gibt, die ihre, noch so schlichte Gabe für das heilige Land und im Sinne der Pekidim verausgabt sehen möchten. Ist diese Tendenz geändert? Wozu wir das alles und wozu wir es gerade in diesem Augenblick schreiben? Nim, die Aguda hat beschlossen, ihre dritte Kenessio Gedaulo im heiligen Land abzuhalten. Der alte Jischuw, ׳wie wir hören!, begrüßte diese Tatsache. In der Tat aber steht diese Kenessio Gedaulo vor einem sehr ernsten Problem. Ihre beiden Vorgänger, Wien 1923 und Wien 1929, stellten sich rückhaltlos an die 'Seite des alten Jischluw. Die dritte würde es wahrscheinlich auch tun, wenn sie fern vom Getriebe des palästinensischen Alltags und seinen Sorgen und Nöten ihre!Stellung, nehmen könnte. Es steht aber zu befürchten, daß sie, in dieses Getriebe hineingerissen, auch den Klagen Raum geben muß, daß gerade die Traditionen des alten Jischuw die aus anderen Voraussetzungen stammende Orthodoxie der Aulim hindern, in Palästina so segensreich zu wirken, wie sie könnten und möchten. Wir hegen das Vertrauen zu den Einberufern der dritten Kenessio Gedaulo, daß sie dieses Moment stetig in Betracht ziehen und gezogen haben. Und dann — von der Gegenseite wollen wir nicht sprechen — ist sie die letzte, aber große, gewaltige Hoffnung des alten Jischuw im heiligen Lande. | FEUILLETON ■ Per JU>4& flfe GftdvttteHift Eine wahre Begebenheit nach Mitteilungen von Babbi Schimon Sofer, Krakau, s. Z. 1. (Fortsetzung.) ״Weiß jemand etwas von dem Stand Eurer Sache?“ ),,Keine! menschliche Sedla, außen Ihnen', Rabbi־. Nicht einmal meiner Frau habe ich bis jetzt'davon etwas mitgeteilt; ich dachte mir, sie wird es noch früh genug erfahren müssen. Wenn ich aber dieses Jahr nicht nach Leipzig reise, so wird es die Welt in Wenigen Tagen wissen." ״Wieviel braucht Ihr für die Reise nach Leipzig?" ״Bis jetzt haben mich meine Reisen in die Messe nicht nur nichts gekostet, sondern sie haben mir im Gegenteil so großen Gewinn •gebracht, durch die vielen Gelegenheiten, die sich dort zum Kaufen und Verkaufen boten, daß ich das gar nicht genau angeben kann. Ich nahm immer große!Summen Geldes und bestritt davon die Reisekosten. Die letzteren waren so verschwindend klein, daß sie!gar nicht in Betracht (kamen, im Vergleich mit den großen Summen, um die es sich dabei handelte. Aber dieses Jahr habe ich keine Kapitalien, die ich mitnehmen könnte, und selbst die einfachen Reisekosten sind für mich unerschwinglich." ״Und wieviel meint Ihr״ daß für diese Reise die Kosten betragen!können?" ״Doch wenigstens hundert Gulden." ״Hundert Gulden! Das ist nicht viel, Den Betrag leibe ich ׳Euch. Ihr nehmt das Geld, fahrt morgen Lechaim uscholaum mach Leipzig, sagt weiterhin keiner Seele ein Wort von Eurer gegenwärtigen Lage, und seht zu, daß Ihr das erste Geschäft zum Abschluß bringt, das Euch angetragen wird. Ich bin sicher, daß es Euch so yiel Masoi und Brocho bringen wird, daß Ihr mir sofort nach Eurer Rückkunft das Geld zurückzahlen könnt," Bei diesen Worten erhob sich der Rabi, nahm aus seiner Schublade eine Hundertgulden-Note und übergab sie dem Roschhakohol. Es war die einzige, die Rabbi Mosche Sofer hatte, was auch Rabbi Wolf ׳Pappenheim vermutete. Er weigerte sich, das ■Darlehen׳ anzunehmen und versicherte, daß er daran nicht gedacht habe, daß er nur den Rat, nicht aber das Geld des Rabbi wollte, und daß er ja nicht einmal wisse, ob er je das Darlehen zurückgeben! könne. : . Rabbi Mosche aber beruhigte seinen! Roschhakohol; ״Glaubt Ihr wirklich,: ich würde Euch hundert Gulden leihen, wenn ich nicht sicher wüßte, ich bekomme sie wieder zurück? Ob das Geld die nächsten vier Wochen in meiner ׳Schublade oder in Eurer Tasche sich befindet, ist ja für mich gar ׳kein Unterschied, als der, d!aß ich, wenn. Ihr es habt, eine Mizwah damit tue, was aber nicht der Fall ist,, wenn, es bei mir, liegt. Jetzt aber verliert keine Zeit und bereitet Euph für die Reise vor." Mit diesen Worten erhob sich der Rabbi, drückte seinem Roschhakohol die Hand und geleitete ihn zur Tür. ״Wie soll ich Euch danken, guter Rabbi, für das, was Ihr mir da tut", sprach mit Tränen׳ in den Augen Rabbi Wolf ■Papperiheim. Aber der Rabbi fiel ihm hastig in die Rede: ״;Um Himmelswillen:keinen Dank! Ihr wißt doch׳, daß wir keinen Zins nehmen dürfen,, wenn einer dem andern Geld leiht. Die Erkenntlichkeit, die der Schuldner aber in seine Dankesworte kleidet, ist nach der Lehre unserer Weisen, gesegnet sei ihr Andenken, auch eine Gegenleistung und daher eine Art Zins, den sie Ribbisdeworim, ׳״Wortzins“ nennen. Wenn Ihr mir ein einziges Wort des Dankes sagen wolltet, so müßte ich das Geld wieder zurücknehmen: Ich wünsche Euch glückliche Reise. G-tt hat viele Boten. Er wird Euch schon die rechten senden." Als Rabbi Wolf ׳Pappenheim schön auf dem Wege war, sandte ihm der Rabbi halblaut den Priestersegen nach und vertiefte sich wieder in seine Korrespondenz. Jener aber verließ neu belebt und wunderbar gestärkt das Haus des Rabbi, Er hatte wieder das Vertrauen zu sich selbst und den Lebensmut gefunden und sah zu* versichtüch der Zukunft entgegen. War es der!Segen des Rabbi, war es seine trostvolle Zusprache, war es das Vertrauen, das den Rabbi selber erfüllte, und ihm ohne Bedenken eine so große ■Summe leihweise überließ, oder, waren es alle diese Momente zusammen1, welche ihn mit neuer Zuversicht für die Zukunft erfüllten; Rabbi Wolf pappenheim kam sich wie neugeboren׳ vor. Rüstig traf er die Vorbereitungen für die Reise zur Messe •und in wenigen Tagen schon traf er in Leipzig ein. Auf dem Wege in sein altes Gasthaus traf er einen langjährigen :Geschäftsfreund, Herrn Joelsohn aus Hamburg. Nach der ersten Begrüßung sagte dieser: ״Welch ein Glück, daß ich, kaum hier angekommen, gerade mit Ihnen zusammentreffe: Ich habe ein Geschäft für sie, an dem viel Geld zu verdienen ist und dessen sofortiger Abschluß für mich von besonderem Wert* ist. Während meiner Reise hierher ist, eine!Schiffladung mit Kaffee für mich aus Brasilien angekommen von außer- •ordentlich guter Qualität und zu ungewöhnlich, billigem Preise. Ich habe das Geschäft zu einer Zeit abgeschlossen, als der Kaffee noch so niedrig stand, und weiß, daß bei der steigenden Tendenz viel damit zu verdienen ist. Aber ich kann nicht• warten, da ich hier andere große Einkäufe gegen bar zu machen habe. Ich lasse Ihnen die ganze Schiffladung zu dem Preise, der mit notiert ist, und werde Ihnen die Originalrechnung einhändigen. Es handelt sich um ein Objekt von nahezu 400.000 Gulden und etwa 3000 Gulden Fracht- und Zollspesen." Säle zahlen mlSch mit Wechseln auf zwei Monate, diese gelten hdieir bei allen Geschäftsleuten ׳als ׳bares Geld. 1SchlaJgen Sie nair beherzt ein und besinnen Säle sich nicht; wenn miednle Angaben■ in Irgend einem (Punik!t!e nicht d'er Wahrheit entsprechen, so dürfen׳!Safe jederzeit das Geschäft!rückgängig machten. Wenn Sie ׳die Wate!eälnli/ge Zeit liegen lassen können, so ist bei der gegenwärtigen Tendenz vielleicht das Doppelte zu verdienen. Zu verlieren ist dabei aber nichts. Also abgemacht?" Beä!diesen Worten hielt Joelsohn dem Freunde die Hand zum Einschlagen hin. Pappenheim kannte Joselsohn als stnrtewg reellen Kaufmann und: begriff!auch sofort die ׳günstige Konjunktur des Geschäftes. Aber wie durfte er,!der ruinierte Mann, der nicht mehr als achtzig Gulden seines ׳geliehenen Geldes besaß, an ein solches Geschäft auch nur denken׳? Da efr jedoch ■dem׳ Rabbi versprochen hatte, ׳das erste sich ihm ׳darbietende Geschäft zu machen, so gab dieses Versprechen ׳den AuSsChfllag,,. Die Hoffnung, auf diese Weise die entliehenen hundert Gulden wieder zurüc'kzahlen ׳zu ׳können, bestimmte ihn׳ in! diesem׳ Augenblick* mehr, als seine eigene kritische Lage. Er schlug ein ufad das Geschäft war abgeschlossen, * (Fortsetzung folgt.)