Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 28 (31.7.1936)
- Date
- 1936-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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mm Seite 3 V0» WOCllc Klf Wuclic i Im Rahmen eine? staatUeheaWteäetbmeiti(ti&&* aktion ist in Hightstown, New Jersey, die erste Än- Siedlung jüdischer Indusffieetheitet ef* folgt , , * . י י ' Das Organ des Vatikans »Osservatore Ro* man0“, meldet, daß in den polnischen Kirchen ein Hirten* brief des Kardinals Blond, Erzbischofs von Onesen und Posen und Primas von Polen, verlesen wurde, in dem es unter anderem heißt: ,jäs ist notwendig, in jedem Juden den Menschen und den Nächsten zu erkennen und zu lieben“ Das von den Ranziger Regierung erlassene S chächtverbot, das nach deutschem Muster ״total“ ist und sich auch auf Geflügel erstreckt, ist bereits in Kraft. Es wird nicht mehr geschachtet. Die einzige jüdische Zeitung in Danzig, ״Ranziger Echo“, wurde für ganze zehn Monate v erboten, nachdem ihr Redakteur, Walter Kaufmann, wie gemeldet, verhaftet worden war. Die 15jährige österreichische Schwimmeisterin Ruth Langer wurde wegen ihrer Weigerung, zur Olympiade nach Berlin zu gehen, gleich ihrer Klubkameradin Judith Deutsch für zwei Jahre disqualifiziert., Das Amtsblatt der Palästina*Regierung teilt mit, daß im Juni 1936 in Palästina 1603 Juden, davon 157 mit einem Mindestkapital von je 1000 Pfund, ein gewandert sind. Das Administrative Committee des American Jewish Congress beschloß, eine Untersuchungenommissionin die mittel- und süd amerikanischen Staaten zu entsenden, um der judenhetzerischen Propaganda der deutschen Nationalsozialisten in diesen Ländem entgegenzuwirken. Die Athener Zeitung ״Proia“, eine der größten griechischen Tageszeitungen, wendet sich in scharfer Weise gegen die jüdische Ansiedlung in Zypern, die letztens eine steigende Tendenz aufweist. Die griechische . Bevölkerung empfindet die Invasion jüdischer Eindringlinge als schwere Verletzung ihrer Interessen. Nach Mitteilungen des Wanderungsausschusses der Reichsvertretung der Juden in Deutschland sind in der Zeit vom 1. Februar 1933 bis 1. April 1936 93.000 Juden aus D eut s c hl and, dmon 31.000 nach Palästina, ausg ew ändert. Der deutsche Volksgerichtshof hat den 35jährigen Schriftsteller Walter Schwerdtfeger zu lebenslänglichem Zuchthaus wegen Landesverrates verurteilt. Der Landesverrat“ wird darin erblickt, daß Schwerdtfeger einen vertraulichen Erlaß des Dr. Goebbels an die untergeordneten Stellen, an Kriegsehrenmälem Namen von gefallenen jüdis chen F rotkämpf ern nicht mehr anzubringen, an Auslandsjoumalisten verraten hat. Der Prozeß vor dem Radomer Kreisgericht wegen des am 29. November 1935 verübten blutigen Ueberfalles auf Juden, die aus Klwow nach Przytik ■flüchteten, ist gleich nac\ der. Eröffnung wieder.,, vertagt worden, da ',mehrere!Belastungszeugen nicht erschienen waren. Der neue Prozeßtermin steht noch nicht fest. Infolge des Gerüchtes) Juden hätten ein Christenmädchen zu rituellen Zweo'k-en entführt, ist es in der an der Grenze des litauischen Memelgebietes liegenden Ortschaft Kretinga (Krottingen) zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen, bei denen mehrere Juden verwundet wurden. . In der großen jüdischen Dungenheilstätte ״Briut“ in O two ck bei Warschau ist der Hauptpa/villon durch F e u e r v e rni cht et worden. Der ,Angriff“ und die anderen nationalsozialistisehen Zeitungen berichten mit einer gewissen Genugtuung, daß die tür kis che Regierung Ausländem das Betreten der 19 Kilometer breiten überstrecke iängs der Dardanellen nicht gestattet und ferner Juden und Griechen die Ansiedlung verboten hat. Der Board of Deputies hat beschlossen, eine Kommission einzusetzen, die den Zweck haben soll, die Aktionen gegen die in letzter Zeit sich häufenden Angriffe auf die englische Judenheit zu vereinheitlichen. Aus verschiedenen Orten der Bukowina werden antisemitis che Ausschreitungen gemeldet. , In Lodz verletzten nationaldemokratische Huligans den siebzigjährigen Schlomo W einer t lebensgefährlich. Auch in anderen polnischen Städten ist es zu antisemitischen Bestialitäten gekommen. Am 14. und 15. April fanden zahlreiche Einwohner Mül haus ens . (Elsaß) in ihren Briefkästen kleine Flu g z et t el antisemitis chen Inhalts mit Aufforderung zu Gewalt. Nach langer Zeit erst konnte der Urheber in der Person des in Schiltigheim wohnenden Joumalisten Jean Marcel Eschbach ermittelt werden. Eschbach wurde vom Gericht in Mülhausen zu einem Jahr Ge f ängnis verurteilt. Das litauische. Innenministerium hat soeben der Bitte des litauischen ״ORT“, einer Gmppe deutsch-jüdischer Jugendlicher, die Einreise- und Aufenthaltsbemlligung für die Dauer von 18 Monaten zu erteilen, stattgegeben. Die Gruppe wird in den Spezialkursen des ״ORT“ für Schlosserei und Elektrotechnik sowie in der Landwirtschaftlichen Lehranstalt des ״ORT“ in Kalinovo (bei Kaunas) fachlich ausgebildet werden. Jugendliche russische Weißgardisten haben in Charbin (Mandschukuo) judenfeindliche Auss ehr eitun g en organisiert. Jüdische junge Leute wurden auf den Straßen unter dem Ruf ,Schlagt die Juden, rettet Rußland“ überfallen und mißhandelt, jüdische Frauen wurden schwer beschimpft. ■ In Manchester wurde in der John Ryjands Library eine' griechische Handschrift des Alten Testaments aus dem •2, Jahrhundert vor der üblichen Zeitrechnung gefunden. Die ,Handschrift ist 300 Jahre älter als das bisher älteste Bibelfragment. Sie umfaßt Vier Fragmente des Buches Deuteronomium. Die Papyrosrollen, auf denen das Manuskript niedergeschrieben ist, bildeten einen Teil der Umhüllung einer Mumie. H. Grün, XI., Taborstraße 8 b, Telephon R42-3-66־, Atelier XUr feine Herrengarderobe, E Law im Heiligen Land« noch immer emsi Die erhoffte Entspannung der Situation in Ereas Jisroel ist hoch immer nicht eingetreten. Bewaffneter Aufruhr, Schießereien, Bombenwürfe und Sabotageakte , Sinfd nach wie vor an der *Tagesordnung. Als ein Reichen zunehmender Bestialität der arabisehen Marodeure wird besonders ein Bombenanschlag auf eine jüdische Schule in Tel-Aviv angesehen. Die von einem Araber geschleuderte Bombt explodierte und verletzte sieben Binder im Alter von & bis 12 Jahren,!zwei von ihnen so erheblich, daß sie in das Krankenhaus geschafft werden mußten, Diese *Tat hat in der jüdischen Bevölkerung ungeheures Entsetzen und Zorn ausgelöst. . Zum erstenmal seit Jahrhunderten «wurden heuer am Tischoh b*Aw an der. Klagemauer keine Kinos gesprochen. Der Waad Leumi und die Agudas Jisroel haben in Aufrufen die jüdische Bevölkerung zu diesem Verhalten aufgefordert. Die Lage hat zu Tischoh b’Aw dadurch eine besondere Verschärfung erfahren, daß auf den Vortag der hundertste Streiktag der Araber fiel, der nach Anordnung des Obersten Arabischen Ausschusses zum Anlaß feierlicher Manifestationen genommen werden sollte. Die Fliichtlingshüfe der PaIastif1a*Reg1eftifigi SOOPfüöd ff ach langen Verhandlungen, die zwischen der Btädtvefwaitüfig von TekAviv und der i*älästihä4tegierung Über die Frage der Unterstützung von 300d jüdi■* sehen Flüchtlingen geführt wurden,5 die sich in dem Gebiet von Tel-Aviv äufhaiten, hat die Regierung der Btadtvef* waitung eine Beihilfe von 500 Pfund für die Flüchtlingsfürsorge überwiesen. Außerdem hat die Regierung der Stadtverwaltung erlaubt, eine Anleihe von 1500 Pfund für Fürsorgezwecke aufzunehmen. Der Hafen von TelsAviv macht schöne Fortschritte. Die Fertigstellung der Mole ׳wird demnächst erfolgen. Es werden sodann Schiffe bis zu 15 Tons direkt an der Mole ankern können. Die Regierung teilte der Exekutive der Jewish Agency mit, daß die Tel-Aviver Auf- und Ausladestelle zu denjenigen Häfen gezählt wird, in denen Zitrusfrüchte zur Verladung für den Export kommen dürfen. Bis jetzt ging der Zitrusexport nur durch Haifa und Jaffa. Die Schiffe, die bei Tel-Aviv ihre Waren löschen, nehmen nunmehr Zitrusfrüchte für den Export auf. Jüdischer Weltkongreß״ Mit der Konsequenz Besessener und einem merkwürdigen Eifer haben die Zionisten aller Länder es endlieh so weit gebracht, daß sie sich für den 8. August in Genf ein Stelldichein geben konnten, das sie etwas unbescheiden, wie die Herren einmal sind, ״Jüdischen Welt- , kongreß“ nennen. Der Unterschied zwischen dieser rein zionistischen Parteikonferenz und den üblichen ״Zionistenkongressen“ ist einfach der, daß die letzteren sich in der Regel mit zionistischen Palästina-Problemen befassen, während diesmal auf dem Rücken des jüdischen Volkes zionistische Welt politik gemacht werden soll. Es ist nicht unsere Sache, 1ms mit diesem Kongreß, der — und das sei nachdrücklichst wiederholt — eine rein zionistische Parteisache ist, zu befassen. Unsere Aufgabe ist es nur, unzweideutig darauf hinzuweisen, daß weder die Orthodoxie noch die großen nicht jüdischnationalen Organisationen Amerikas, Englands und der übrigen Welt mit diesem ״Weltkongreß“ etwas zu tun haben. Die Agudas Jisroel hat wie alle anderen großen und verantwortungsvollen Organisationen vor diesem untaugliehen Versuch, ein jüdisches Weltforum zu schaffen, gewarnt und ein solches abgelehnt, nicht ohne die oft zum Ausdruck gebrachte Bereitschaft" zu wiederholen, von Fall zu Fall in sachlichen Belangen auch mit den änderen Organisationen zusammenzuarbeiten, wenn mit dieser Zusammenarbeit keine Beeinträchtigung religiöser Postulate verbunden ist. Rabbiner Botschko bei Litwinow ־■ . - -. .. .״ . Der Leiter der Jeschiwoh;:in Montreux, Rabbiner B11ija.hu Botschko, wurde: anläßlich der feierlichen Schlußsitzung der Meerengenkonferenz in Montreux von dem Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Sowjetrußlands, Litwinow, > empfangen. Rabbiner Botschko lenkte die Aufmerksamkeit des russischen Außenministers auf die.-religiösen'Verfolgungen, in Rußland und überreichte ihm ein Memorandum mit der Bitte, das schwere Los der dortigen Rabbiner zu erleichtern. In dem Memorandum wird u. a. ausgeführt: Die Rabbiner in Sowjetrußland werden nach veröffentlichten Berichten mit höhen Steuern belastet, obwohl sie von ihren Gemeinden gar kein Einkommen haben. Im Nichteinbringungsfalle werden sie zu Zwangsarbeit verurteilt. Die gesamte Judenheit beobachtet mit schwerster Besorgnis die andauernden religiösen Verfolgungen in Rußland und bittet, den um ihr Judentum und um ihre Thora ringenden Menschen freie Ausübung ihrer religiösen Pflichten zu gewähren.1 Rabbiner Botschko bat den russischen Außenminister um wahrheitsgetreue Aufklärung über die wirkliche Lage und ersuchte ihn namens der gesamten religiösen Judenheit, die Ausreise der russischen Rabbiner, die sich in Palästina, Amerika und anderen Ländern niederlassen wollen, zu ermöglichen und ihnen Pässe ohne besonders hohe Steuern auszuhändigen. Minister Litwinow erwiderte, daß es in Rußland heute keine religiösen Verfolgungen gäbe. Im übrigen sei er für die Innenpolitik Sowjetrußlands nicht kompetent, um sich darüber zu äußern. Er versprach jedoch, eine ausführliche Autwort über die gestellten Fragen von Moskau I aus zu geben. I j Stipendienstiftung an der Frankfurter Jesehiwa. Von dem Kuratorium der Frankfurter Jesehiwa gehen uns nachstehende Mitteilungen zu: Die Frankfurter Jesehiwa war von ihrem großen Gründer, Rabbiner Dr. Salomon Breuer s. Z. 1., als eine Pflanzstätte echter Thorawissenschaft ins Leben gerufen worden, in der vor allem die jüdische Jugend Deutschlands im Geiste Rabbiner Kirschs s. Z. 1. zu ebenso bewußten, gesinnungsstarken Jehudim, wie zu tüchtigen Bne-Thora herangebildet werden sollte. Die Zeitverhältnisse haben es verursacht, daß solche Bachurim ׳gegenwärtig nicht in der gewünschten Zahl vorhanden sind. Aus dieser Erwägung heraus hat das Kuratorium anläßlich der bevorstehenden zehnten Jährzeit des Gründers der Jesehiwa s. Z. 1. (6. Aw) folgendes beschlossen: Für Bachurim, die die Befähigung zum sogenannten selbständigen Lernen erworben haben und die Voraussetzungen mitbringen, daß sie bei mehrjährigem Verbleib auf der Frankfurter Jesehiwa zu tüchtigen Bne-Thora heranreifen, werden Stipendien bewilligt, die ihnen die Möglichkeit gewähren, befreit von drückenden Sorgen dem Thorastudium sich hinzugeben. Aus ihnen sollen einst auch die geistigen Führer hervorgehen, deren die im Aufbruch begriffene Judenheit Deutschlands mehr denn je bedarf. Diese Stipendien werden auch solchen Bachurim zuerkannt, die zur Zeit die Frankfurter Jesehiwa nicht besuchen, aber die erforderliche Reife besitzen und gewillt sind, ihr Thorastudium auf der Frankfurter Jesehiwa fortzusetzen. ״Mekor Chajim“, Wien, II., Große Schiffgasse 1 Am ßchabbos Parschas Nachmu um 11 Uhr vormittags hält Herr Rabb. S. Baumgarten etaen Sidroh-Vorträg. 1 P m bareüftt man t«V׳ * Jk —II :■!M SAotrf«*®- H iflanb*!׳ Sitabe•״׳״ Citron*'■׳ “SS»?״»«י**■ TSCHECHOSLOWAKEI Die Rabbinerfrage in Michalovce Von Zeit zu Zeit werden in verschiedenen jüdischen Presseorganen Berichte über die angeblich nahe bevorstehende Besetzung der seit Jahren vakanten Oberrabbinerstelle in Michalovec und über stark beschickte Massenversammlungen, die sich mit dieser ״brennenden“ Kehilohfrage ernst und intensiv befassen, in die Oeffentlichkeit gesetzt. Es׳ werden in diesem Zusammenhang auch die Namen prominenter rabbinischer Persönlichkeiten als Kandidaten genannt, um die sich heute schon größere Parteien gruppieren sollen. Diese von unbekannter Seite lancierten Zeitungsberichte können beim uninteressierten Leser den Anschein erwecken, als stünde die Rabbinerfrage hier tatsächlich permanent auf der Tagesordnung und bilde sie den Gegenstand unausgesetzer Diskussionen, an denen sich der Großteil der Gemeindemitglieder beteiligt. Ferntehende machen sich vermutlich Vorstellungen darüber, welch lebhaftes Interesse hier dieser Frage entgegengebracht wird und mit welch ernstem Eifer man an ihre Lösung gebt. Es dürfte vielleicht interessant sein* die Dinge so dargestellt zu wissen, wie sie in Wirklichkeit liegen: Eigentlich bildet die Berufung eines Rabbiners zum geistigen Oberhaupt der Gemeinde hier keinerlei Problem* Wenn es auch einige, sehr wenige verantwortungsvolle Personen in der Gemeinde gibt, denen die Frage tatsächlieb nahegeht und die die Rabbinerstelle besetzt sehen möchten, so ist seitens der breiten jüdischen. Massen in dieser Beziehung eine vollständige Indifferenz wahrzunehmen. Es besteht zweifellos die dringende Notwendigkeit, an die Spitze der Gemeinde eine qualifizierte und anerkannte Führerpersönlichkeit zu berufen, deren Name und bisherige öffentliche Tätigkeit für den zukünftigen geistigen Aufschwung der Gemeinde bürgen würden. Der allgemeine Niedergang des religiösen Lebens ist bereits sichtbar genug, um eine weitere künstliche Verzögerung der positiven Lösung dieser Frage als unverantwortlich von sich weisen zu müssen. Der größte Optimismus kann sich nicht über die betrübende Tatsache hinwegtäuschen, daß hier, vornehmlich im Jugendlager, ein religiöser Tiefstand herrscht, der zu ernster Besorgnis Anlaß gibt. Michalovce ambitioniert es wohl —י und vielleicht nicht ohne 'Recht —, als ״Ir wiEm׳ b’Jisroel“ zu gelten. Es fehlt ihtr indessen eine d!er 1wichtigsten Voraussetzungen hiefür. Wir vermissen hier eine absolut religiös eingestellte jüdische Jugend, die doch das Rück־ grat einer orthodoxen Gemeinde darstellt. Mit Ausnahme einer verhältnismäßig sehr geringen Zahl von Jünglingen, die bis zu einem gewissen Alter noch Jeschiwos besuchen und so dem Thorajudentum erhalten bleiben, hat sich das Gros der jüdischen Jugend vom Thoraleben vollständig abgewendet. : Und dieser Abbröcklungsprozeß vollzieht sich unaufhaltsam und hemmungslos, weil es ip dieser Gemeinde