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Jüdische Presse · 1936-07-24 · 27 (24.7.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
27 (24.7.1936)
Date
1936-07-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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>v/;1 JÜDISCHE PRESSE I I I.■ ^,■.1.a-lj! ■׳v> ffa. 2T Machtgier nicht entweiht — ein Weg:, auf dem G-tt Erlöste,, den Weg heimwärts finden, nach Eiöü kommen in Jaüchzen, ewige Freude auf ihrem Raupte, Wonne und Freude treffen sie, und geflohen sind Kummer und Seuf- 2efi״ . (das.); Solange dieser Heiligtumsweg nicht nach Zion führt, solange!«deuten alle Versuche, Erez Jiäroel der Oede und Wüste 2u entreißen, vermessenes, Wahnsinniges Unterfangen, anzukämpfen gegen G־ttes Wältüngswillen. Nicht eher kann Ere2 Jisroel aus Oede und Trümmern, die Gattes Wille Verhängt hat, 2urückkehren 2u paradiesischer Blüte, bis nicht der ״Geist der Reinheit" das jüdische Volk geläutert: erst wenn G-ttes ״Ich nehme euch mir 2um Volk“ seine zersprengten Glieder wieder zum G-ttesvolk vereint hat, bahnt G-ttes Sammelruf ihm den Weg nach heimatlichem Boden (Jech. 36). Wann schlägt die Stunde der Heimkehr? ״Ihr Berge Israels, strecket eure Zweige, traget eure Früchte meinem Volke Israel 2u“ — denn wenn sich Israels Berge wieder in Fruchtbarkeit kleiden,, dann ״naht die Stunde seiner Heimkehr“ (das.). Ist aber nicht Erez Jisroel in unseren Tagen auf dem Weg, die Oede zu Überwinden und seine Trümmer zu verscheuchen? Und aus allen Enden drängen Heimkehrende der Heimat zu. — Wehe, wenn die Heimkehr keine Heimkehr ist, dann ist auch die Blüte nur Scheinblüte, und dämmernde Morgenröte müßte desto finstererer Nacht weichen! —- denn Prophetenwort lügt nicht. Unheimlich für den, der, erfüllt von Prophetenwort, heimatlichen Boden betritt: aus Blütenpracht und Fruchtreichtum, aus dem ,Lärm emporwachsender Städte tönt bängC ■Schicksalsfrage: Kommen die Kinder des G-ttes- Volks, für deten Empfang dieses hartgeprüfte Land in Festesgewand sich hüllt? Wehe, wenn sie ausbleiben! Dann hat dieses Land zu früh geblüht und muß äufs neue in Oede versinken, um später Erlösung entgegenzuharren. Propheten aber strecken euch beschwörend die Hände entgegen: Habt Mitleid .mit eurem heimatlichen Boden! — Land und1 Volk — die Blüte des einen bedingt durch die Blüte des andern. ״Aller Fruchtreichtum des Landes muß den Geretteten Israels zur Hoheit und Würde .׳ge־; reichen“, muß Zeugnis davon ablegen, zu weicher Stufe sittlicher ' Größe und LebSnsheiligung er diesem Volke verhilft, dann aber muß jüdisches Volk, ״G-ttes Pflanzung, zur Schöne und.zur Herrlichkeit“ erstanden sein (Jes. 4): lasset euch von G-tt einpflanzen in den Boden seines Heiligtums, wenn ihr die Blüte ersehnet eurem Lande. ' Das Land in Gefahr! Und würden alles wegschwemmende Wogen ihre Fluten über das Land ergießen, einzig mögliche, aber auch sichere Rettung winkt diesem Lande nur im Zeichen voll עמנו אל! (Jes. 8). Ge- Schichthöhe Erfahrung bezeugt die Wahrheit dieses Prophetenwortes. Dürft ihr sprechen: ״mit uns ist G-tt“, dann dürft ihr voll Vertrauen die Zukunft dieses Landes eurem G-tte anheimgeben. In den Toren eurer Städte aber steht wieder der Prophet (Jer. 17) und eifert für G-ttes heiligen Schabb o s, dessen Heiligung allein euer Land vor sicherem Untergang hätte retten können — und aüch heute retten kann: ״Höret ihr aber nicht auf mich, den Schabbostag zu heiligen, nicht tragend einzugehen in die Tore Jeruscholaims, dann entfache ich Feuer in seinen Toren, und es verzehrt die Paläste Jeruscholaims, und nichts vermag den Brand zu löschen.“ Wie einst ergeht an euch die Mahnung, die den ersten Tischoh b’Aw angekündigt: ״Siehe, ich bringe Unglück, vor dessen Kunde jedem die Ohren gellen — weil sie mich verlassen und diese Stätte ihrer• Bestimmung entfremdet haben — fremden Göttern geräuchert, Höhen dem Baal erbaut — alle Pläne Judas lasse ich kläglich sich entleeren, durchs Schwert sie umkommen —und diese Stadt mache ich zum Gegenstand des Entsetzens und Gespötts.“ Verbrechen wider den Menschenboden, Verbrechen wider G-ttes Land — als ob es um das Verbrechen wider eihe sittliche Persönlichkeit geht, so prägt die Thora die Sprache für Israels Land. Wenn G-ttes heilige Lebensbe- Stimmungen mit Füßen getreten werden, dann würde das Land zum ״Heuchler“ (Nu. 35), wenn es einem solchen Volke noch ferner diente, ״unsühnbare“ Schuld (das.) auf sich laden, und G-tt müßte als ״Sünde" ahnden (Lev. 18), wenn es Entartung ertrüge und Untreue der Bewohner wider G-tt nicht Mit gleicher gerechter ״Untreue“ vergälte (Lev. 10), und die Sabbatjährs der traurigen Oede erfüllen es mit ״Befriedigung“ (dc& 26)*Las verlieh auch der Darstellung def Propheten, einen Reichtum an ergreifenden Wendungen, die* nur den befremden können, der keine Ahnung hat und dem das Verständnis dafür abgeht, wie G-ttes Land leiden kann unter seinen Bewohnern. Auf die wehe Klage des Propheten weshalb das Land so leiden müsse, ״zugrunde gehen mußte, zur Wüste zerstört, von Bewohnern verlassen" (Jer. 0), lautete das G-tteswort, das Israels Geschick und däs Gechick Von Israels Land für immer deutet: ״weil sie meine Lehre verlassen, die ich vor sie hingegeben, nicht auf meine Stimme hörten und nicht in ihr wandelten". Dieses G-ttesurteil hat ewige Geltung. Wehe dem Vermessenen, die dem G-ttesland eine Blüte ZU entlocken Und aufZUdrängen sich unterfangen, die dieses Land erneut zum ״Heuchler“ machen müßte! G-tt weiß Sein Land vor solcher Schmach zu schützen. Schon einmal hat G-tt, als sein Volk das Ohr ihm verschloß, mit seinem Lande wehe Zwiesprache gehalten (Jer. 6, 19), und G-ttes Land hat noch immer auf G-tt gehört. Dafür aber verheißt auch G-tt seinem Lande reichen Trost (Jes. 51). Aber dahin soll und darf es nicht kommen. Bauet Erez Jisroel auf G-ttes Land, und euer Land jubelt euch entgegen. ״Berge und Hügel brechen Vor euch in Jubel aus, und alle Bäume der Flur klatschen in die Hände" (Jes. 55). — Zweifelt ihr noch, daß Erez Jisroel atmet und lebt? ״Fürchte dich nicht, Land, jauchze, freue dich, denn Großes hat G-tt vollbracht!" (Joel 2). —Ihr könnt Erez Jisroel mit ruchloser Hand morden und könnt ihm zu ungeahntem Leben verhelfen. Ihr strebt nach der Heimat. Noch ist eS äh der Zeit: ״Rüste dich deinem G-tte entgegen, Israel!" (Amos 4). Die Situation im Am Sonntag, 19. Juli, waren es drei Monate seit Beginn der Unruhen in Palästina. Zu größeren Kampfhandlungen kam es in den letzten Tagen nicht, doch wurden aus zahlreichen Orten des Landes weitere Angriffe aus dem Hinterhalt und Sabotageakte gemeldet. Die Zahl der jüdischen Toten hat sich auf 48 erhöht, während noch etwa 200 jüdische Verwundete in Behandlung sind. Was die politische Lage betrifft, so sei ein Bericht der ״Deutschen Allgemeinen ,Zeitung“ aus Jerusalem — die deutsche Presse zeigte sich während der Unruhen besonders gut über die Verhältnisse im arabischen Lager informiert — zitiert, aus dem hervorgeht, daß der arabische Streik aussichtslos und in,Liquidation begriffen sei. Es sei für die Araber natürlich schwer, den Abbruch des Streiks zu verkünden, alle Umstände aber drängen zu seiner Aufgabe. Man dürfe schon heute sagen, daß die Araber den Streik und den Kleinkrieg verloren haben. Von anderer Seite wird mitgeteilt, daß zwei Großbanken gegen arabische Wechselschuldner, die in der Wirtschaft Palästinas eine bedeutende Stellung einnehmen, Konkurs.anträge gestellt haben. Seit einem Vierteljahr haben die Araber Wechsel unbezahlt gelassen, die insgesamt einen hohen Betrag ausmachen und deren Masseneintreibung nach dem Ende der Unruhen bevorsteht. •Falls nicht Uebergangsbestimmungen getroffen werden, stehen Massenzusammenbrüche im arabischen Wirtschaftskörper bevor. Die Zusammensetzung der Royal Commission ״ Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus absolut zuverlässiger Quelle erfährt, setzt sich die für Palästina bestimmte Königliche!Kommission aus fünf Persönlichkeiten zusammen,[ von denen keine dem Unter- oder Oberhaus angehört. Sie; wurden nicht nach politischen Gesichtspunkten gewählt, keine von ihnen hat im politischen Leben eine irgendwie prominente Rolle gespielt. Die Namen׳ der Mitglieder der Royal Commission werden vor Schluß der jetzigen Parlamentssession bekanntgegeben werden. j In memoriam Dr. Dollfuß Kaum ein änderen Tag des Jahres; Schwer mi dem Gemüt des heiäiattreüen öesterreichers, wie der 25. Juli, der Tag, an dem Hundeskanzier Dr. Engelbert Dollfuß dem Erdendasein entstieg und einzog in die Gefilde der Ewigkeit. Menschlieh und politisch War die Tragödie gleichermaßen erschütternd. Ein Zärtlicher Vater, ein liebender Gatte, ein frommer und treuer Sohn seiner Glaubensgemeinschaft, ein mit der Scholle verwachsener Bauernsohn. als Bundeskanzler war er ganz darauf eingestellt, dem heimatlichen Hoden, seinem Volke und dem angestammten Väterglauben zu dienen. So steigt denn das Bild des immer freundlich lächelnden, körperlich unscheinbaren, aber'geistig regen, im Charakter unbestechlichen, im Willen unbeugsamen und im Streben unaufhaltbaren Schöpfers des neuen Oesterreich an diesem düsteren 25. Juli aus dem Dunkel der Vergessenheit empor, wegweisend in eine bessere Zukunft. Einzige Jüdisdie Handelsschule kaufm. Wirtschaftsschule für Knaben und Mädchen, Abendkurse für Damen und Herren, Wien, II., Taborstraße 39. Aufnahme täglich 10—12 und 3—5, Samstag geschlossen. Heiligen Lande Wie die J. T. A. weiter erfährt, wird der Aufg'abenradius der Royal Commission ein sehr weitg e s p a n n t e r sein. Wenn auch die Regierung sich selbst die endgültigen Entschließungen Vorbehalten hat, so wird doch allgemein angenommen, daß die Regierung schließlieh und endlich dem Bericht dieser Kommission weit größeres Gewicht beimessen wird, . als den Berichten früherer Kommissionen, die in Palästina tätig waren. Versammlung von Araberfreunden in London. In London fand unter dem Vorsitz von Oberstleutnant B. H. Waters-Taylor eine Versammlung der National League• und araberfreundlichen Mitglieder des Oberhauses statt. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der die baldige Entsendung der ikgl. Untersuchungskommission nach Palästina ־־ und die Einsteilung der jüdischen Einwanderung während der Arbeit der Kommission gefordert werden. Eine ursprünglich auf die Tagesordnung gesetzte Resolution, in der dauernde Einstellung der Einwanderung verlangt worden war, kam nicht zur Abstimmung. Die arabische Delegation beim Koloniens minister. ‘ Kolonienminister Ormsby-Gore hat am 14. Juli die in London weilende palästinensischarabische Delegation im Colonial Office zu einer informativen Besprechung empfangen. An der Unterredung nahmen die Mitglieder der Abordnung D.schemal Bey el Husseini, Shibly Effendi Dschemal und Dr. Izzat Tannous sowie der Sekretär der Mufti-Partei und Leiter des arabischen Propagandabüros in London, Emil Ghoury, teil. Der Hafenbau in TeLAviv. Die Stadtverwaltung von T e 1 - A v i v hat den In'- genieur Armstrong aus Alexandrien, einen Spezialisten für Hafenbau, eingeladen, ein Gutachten über den am Strande von Tel-Aviv errichteten Landungssteg abzugeben und Pläne für den weiteren Ausbau der Anlegestelle zu entwerfen. Ing. Armstrong erklärte bei der Besichtigung | FEUILLETON ■ den H&MU als QeidvecieiUet Eine wahre Begebenheit nach Mitteilungen von Rabbi Schimon Sofer, Krakau, s. Z. 1.!.;!: Es war am Tage nach dem!Simchas-Thora-Fest, einige. Stunden nach dem Morgengebet, um die Zeit, in Welcher Sonst die nach Hunderten zählenden Jünger der Preßburger Jeschiwa an den Lippen ihres gefeierten Lehrers Rabbi Mosche :Sofer hingen. Die Vorträge des Winterhalbjahrs begannen erst in einigen Tagen mit dem Ersten des nächsten Monats. Der Rabbi saß daher allein in seine Korrespondenz vertieft, die ihm aus allen Ländern Europas zuging. Diese Korrespondenz zu erledigen, hätte allein die volle Arbeitskraft eines weniger vielseitigen Mannes erfordert. Sie hatte die schwierigsten juridisehen, und rituellen Fragen und Probleme aller Art . zum Gegenstand, wie sie im Laufe der 'Zeit in den. Gemeinden ׳Israels äuftauchten und der Entscheidung harrten, Bei der •unbestrittenen Autorität des Preßburger Rabbiners wollte kein ׳Leiter und Wortführer der großen jüdischen Diaspora eine irgendwie bedeutsame *Entscheidung treffen, ohne dessen Urteil vorher einzuholen. Durch die geniale Meisterschaft, ‘ mit welcher die Gelehrsamkeit und der Scharfsinn Rabbi Mosche Sofers Licht• in jedes Dunkel brachte, war er der geistige Berater der ganzen Judenheit geworden. Zu seiner ״Gemeinde stand der ״dhasam;!Sofer" wie das Haupt einer großen Familie. Jeder ihrer Angehörigen war seinem edlen Herzen gleich nahe und durfte in allen Lagen des Lebens helfenden Rat und rettende Tat von ihm erwarten. Daher kam es, daß außer den späten Nacht- und den frühen Morgenstunden Rabbi ׳Mosche 'Sofer selten allein war, und auch jetzt hatte er nur wenige Zeilen der vor ihm liegenden Briefe gelesen, als es an die Tür klopfte*. Das war ein schüchternes Pochen, und der Rabbi glaubte sich ohne viel prophetische Gabe sagen zu dürfen, daß da draußen ein armer Mann um Einlaß bitte, an den jetzt, da die heitere Festzeit vorüber war, die schwere Borge des Lebens wieder herantrat. Vv •: Mit seiner ganzen leutseligen Herzensgüte sprang daher der Rabbi von seinem Platz auf, um den! ppqhenden selber die Tür zu öffnen, Er öffnete sie ja nicht nur dem Armen, sondern auch; der Herrlichkeit G-ttes, von welcher das Psalmwort sagt, daß. sie zur Rechten eines jeden Armen weile. . , Wie hatte sich aber der Rabbi so gründlich geirrt! Das war kein armer Mann] Es war der reichste und angesehenste Mann der Gemeinde, Roschhakohol Rabbi Wolf Pappenheim selber, und die Höhe und Würde des Eintretenden bekundeten mit jeder Bewegung seinen hohen Rang; jeder Zoll ein Roschhakohol! ״Wie man sich doph irren kann“, sagte Rabbi Moscheh, ״ich hätte sicher . geglaubt, ein armer Mann poche״an die Tür, denn ich kenne seit vielen Jahren unseres Verkehrs jeden!Schritt und Tritt!Eures Ganges, sowie Eure Art und Weise, an die Tür zu klopfen.“ , ״Rabbi, Ihr seid ein;Engel G-ttes. Eure vermeintliehen Irrtümer enthalten mehr Wahrheit, als die tiefgründigste Weisheit von •Menschen unseres Schlages; kann ich den Rabbi einige Minuten ganz allein sprechen?“!Statt jeder Antwort *schloß der Rabbi die Tür ab und nötigte seinen Gast, Platz zu nehmen. ■Der Letztere holte tief Atem und mußte einige Sekunden vor innerer Erregung innehalten, dann stieß er in kurzer, abgebrochener Rede die wenigen Sätze hervor: ״Ich habe dem Rabbi ein tiefes Geheimnis mitzuteilen •und möchte dafür den Rat des Rabbi erbitten. Ich bin ein verlorener, unglücklicher Mann, der vollkommen ruiniert ist.“ Erschrocken blickte Rabbi Mosche Sofer in die von tiefem Gram durchfurchten Gesichtszüge seines Gastes. Er ׳konnte seiuen Blick nicht prüfen, da er die Augen wie ein Schuldiger zu Boden geschlagen hatte. Aber der fliegende Atem, die!pochenden!Schläfenpulse und der silberbeschlagene Stock, der jede Bewegung der zitternden Hände verriet, das alles sagte dem aufmerksamen Beobachter, daß etwas ganz Ungewöhnliches sich ereignet haben ■müsse. ״Welche Sünde habt Ihr denn begangen, daß Ihr Euch für so unglücklich und für vollkommen verloren erachtet?“ fragte der Rabbi leise. Da leuchtete das trübe Auge des Gefragten in freudiger Glut auf und er blickte mit heiterer Zuversicht in das Antlitz des Rabbi. ״Einer ׳Sünde bin ich mir, dem Himmel sei Dank, nicht bewußt. Nicht darum handelt es sich, sondern ich bin ein armer Mann, ich habe mein,, ganzes Vermögen, und zwar ohne mein Verschulden, verloren!“ ״Ihr habt ׳Euer Geld verloren, sonst nichts als Euer Geld, und da wäret Ihr ein verlorener, ruinierter und unglücklicher Mann? Seid Ihr denn Euer Geld, daß Ihr verloren seid, wenn Euer Geld verloren ist? Die Liebe, die Achtung und Verehrung, die Euch die ganze Gemeinde, die Euch jeder entgegenbrihgt, mit dem Ihr. je in Berührung gekommen seid, gilt Euch, gilt nicht Eurem Gelde. Wohl habt Ihr Euer Geld •jederzeit dazu verwendet, um arme. Thoragelehrte zu unterstützen, um Hungernde zu speisen, Nackte!zu kleiden und Kranke zu heilen, aber man hat trotzdem in Euch'nicht Euer Geld, sondern Euch selber geschätzt und geliebt* Wer kann je diese Juwelen aus der Krone Eurer zahlreichen Verdienste brechen? Ihr seid und bleibt unsäglich reich, auch wenn Ihr im Augenblick kein Geld mehr habt. Aber verzeiht, damit habt Ihr ganz sicher gesündigt, daß Ihr so sprechet, wie Ihr gesprochen habt. Ihr hängt doch noch zu viel am Geld, wenn Ihr Euch ohne seinen Besitz für unglücklich und verloren haltet. Und nun erzählt mir doch'; einmal alles der Reihe nach,* wie es sich zugetragen hat.“ Der . weise Menschenkenner hatte die letzten Sätze in hartem, vorwurfsvollem Tone gesprochen und damit dem Unglücklichen wieder die!Selbstachtung und die Zuversieht: in sich selbst zurückgegeben, so daß er aufatmend und sichtlich erleichtert begann: ״Meine ■Sache ist ■bald erzählt. Ich habe, mich mit großen Summen für solide, brave Geschäftsfreunde verbürgt und bin. dadurch schon vor mehreren Monaten empfindlich geschädigt worden. Aber neuerdings bin ich Widrigkeiten aller Art so •hart mitgenommen worden, daß ich selber genötigt bin, meine Zahlungen einzustellen.“ Rabbi Mosche erschrak und warf in der Erregung die Bemerkung hin: . ״Dazu darf’s und wird’s nicht kommen.“ ״Amen“, sagte bestätigend der Roschhakohol, ״das möge G-ttes Wille sein. Aber wie es weiter ׳gehen soll;83סל weiß ich nicht und darüber wollte ich den Rat des Rabbi erbitten, ich sollte morgen zur Leipziger Herbstmesse reisen — glaubt. mir der Rabbi, daß ich die Mittel dazu nicht mehr habe? Ich bin allen Verpflichtungen bis zu dieser Stunde aufs gewissenhafteste nachgekommen, dadurch bin ich aber jetzt von allen Mitteln so entblößt, daß ich gewiß nicht zehn Gulden mehr fände, wenn ich auch alle Kisten und Kasten durchsuchte.“ . _ . . (Fortsetzung folgt.)

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