Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 22 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite % JÜDISCHE PRESSE Nf. 22 Alättyrerblut Am 28.Slwan jährt sich zum zwölften Male der ׳Todestag von Professor Dr. Israel de Haan 8. ,2.1., der, als hervorragender Schriftstellet und Dichter Weltruf genießend, in einem inneren Ringen den Weg vom Zionismus zur seih* ständigen Orthodoxie gemacht hat und schließlieh einer der repräsentativsten und tätigsten Führer der Agudas J 1sroe 1 im Heiligen Lande geworden ist« Einem politischen Mord ist er am 28. Siwan 6684 zum Opfer ge* fallen. Aus Anlaß seiner Jahrzeit bringen .wir hier einen Artikel zum Abdruck, der in der ״Jüdischen Presse“ im Jahre 1924, nach der Ertnordüng Professor de Haans, erschienen ist. Im ersten wilden Schmerze über die entsetzliche Tat, der einer unserer Mutigsten zum Opfer gefallen ist, entrang sich dem aufgewühlten Herzen der Ruf nach Sühne. Sühne für das unschuldig vergossene Blut, das den Boden des Heiligen Landes getränkt hat; Sühne für ihn, den meuchlings Hingestreckten, der nach ehrlichem Ringen und Kämpfen sich zur reinen Höhe einer großen Idee emporgeschwungen hatte und über den sich nun mit so grausamer Plötzlichkeit die Todesschatten senkten... So begreiflich auch dieser wilde Aufschrei gequälter Herzen ist, so menschlich verständlich der leidenschaftliche Ausbruch des beleidigten sittlichen Empfindens —־ wir wollen ihm kein Gehör schenken. Wir wollen uns bemühen, mit zusammengebissenen Zähnen unseren Schmerz hinunterzuwürgen und uns nicht in den Taumel wilden, leidenschaftlichen Hasses hineinzerren lassen. Der Mord an de Haan ist uns vielmehr ein furchtbares Memento dafür, bis zu welch tiefem sittlichen Verfall es ■mit einer Gemeinschaft kommen muß, die sich den Orgien des Hasses zügellos hingibt. Noch nie ist dem-Hasse Heil entsprossen . und die ihn züchten, leiden vielleicht am meisten unter seinen Folgen. Auch jene Kreise, die durch diesen letzten, fluchbeladenen Triumph des Hasses, durch die Beseitigung eines ihrer gefährlichsten und zielsichersten Gegner, einen scheinbaren Erfolg errungen haben, werden es bald erkennen müssen, daß das Andenken an den toten Kämpfer ihrer Sache größeren Abbruch tun wird, als es der Lebende je vermocht hätte. * Uns, die wir an de Haan einen überzeugungstreuen, unerschrockenen, aufopferungsvollen Kämpfer verloren haben, ^erwächst, die gebieterische Pflicht, noch enger zusammenzustehen und nicht mit den Händen Esaus, sondern mit der Stimme Jakobs* durch Aufklärung und Üeberteugung für die Lebensnot* Wendigkeiten der Orthodoxie in Erez Jisroel und im Golus mit Mut und Ausdauer zu wirken. Unseren Gegnern möge aber aus dem unschuldig vergossenen Blüte die Saat der Erkenntnis auf gehen, daß die Söhne der tötgesagten thoratreuen Judenheit die Kraft haben, für ihre Ideale nicht nur kampffreu* dig zu leben, sondern auch den Märtyrertod zu sterben. Erdbeerbereiten Sil * Opekia Rain aus Früchtan gawonnan Die rituelle Zuverlässigkeit von ״Oipekta" ׳wurde von Rabbiner Dr. Carlebach, Köln, in folgendem Schreiben attestiert: Nach eingehender Besichtigung der HersteUung des Einmachmittels ״Opekta״ (in flüssiger Form) vom Rohmaterial bis zur Abfüllung in die zum Verkauf gelangenden! Flaschen habe ich mich davon überzeugt, daß ״Opekta“ ein rein pflanzliches Produkt ist, ohne Beimischung irgend welcher religionsgesetziich nicht zulässiger Stoffe. Daher kann ״Opekta“ unbedenkUch in jedem jüdischen Haushalt verwendet werden. Der Rabbiner der Synagogengemeinde ״Adas Jeschurun“, Köln: . (gez.) Dr. Carl!ebach r . (Rabbinatsstempel.) Neue Zuspitzung der Laie im Heftigen Lande Um das Wochenende, zwischen der achten und neunten Unruhewoche, hat sich die Situation in Palä- Btina aibermals in einer Weise verschärft, daß diejenigen Kreise in allien Lagern, die sich ein ruhig abwägendes Urteil bewahrt haben, von einer Kulmination der Ereignisse sprechen und nunmehr eine Wendung erwarten. Der arabische Terror hat auch nicht die kürzeste Unterbrechung erfahren. In allen Teilen des Landes werden unausgesetzt — zum Teü folgenschwere — Anschläge gegen jüdisch es Leben und Gut verübt. Die Zahl der jüdischen Toten hat sich weiter erhöht.' In einer, amtlichen: Reuter-Meldung vom ,14. Juni wird die Zahl der seit Beginn der Unruhen ermordeten Juden mit 32 angegeben. Es steht leider zu befürchten, da,ß es damit nicht sein Bewenden haben wird, da mehrere bei einem Bombenattentat auf einen von Haifa nach Lydda fahrenden Zug Verletzte mit dem Tode ringen. Charakteristisch für die Situation ist, daß arabische Banden, die gut ausgerüstet und sogar mit Maschinengewehren versehen sind, geschlossene Angriffe auf jüdische Siedlungen wagen. Dies und die unaufhörlichen Sabotageakte haben die Regierung zu verschärften Gegenmaßnahmen veranlaßt. Ein am 13. Juni erlassenes Dekret des High Commissioner für Palästina bestimmt, daß die Todesstrafe oder lebenslängliche Kerkerstrafe gegen Aufrührer erlassen werden kann, die auf den britischen Sicherheitsdienst schießen oder Bomben mit der Absicht werfen, Tod, Verletzungen öder' Materialschäden zu verursachen, Diesen Strafen unterliegen auch Delinquenten, welche Kommunikatrtonen welcher Art immer vernichten oder beschädigen. ■ Die Zensur hat eine Uebepwachung aller Verbindungen mit dem Ausland Wie in: Kriegszeiten eingeführt. Nach einer Mitteilung des High Commissioner Sir Arthur Wauchope ist die Be>- nützung des Fernsprep he r s für Pr e s s egespräche nach dem״ Ausland vollständig gesperrt worden. Ferngespräche dürfen bis . auf weiteres hur von den Regierungsstellen, der Armee, den Konsuln, der Jewish Agency und den Banken ge; führt werden. Die Regierung hat die Mobilisierung von weiteren 4 0 0 jüdischen P0iizisten angeordnet, so daß gegenwärtig 800 jüdische Polizisten, von der Regierung bfw^ffnet,, Dienst tun. Den streikenden Hafenarbeitern ist ein Ültim a t u m, gestellt worden, in dem sie aufgefordert werden, innerhalb drei Tagen die Arbeit aufzunehmen. Wer dies nicht tut, gilt! als entlassen und wird auf keinen Fall wieder eingestellt. Aehnliche Ultimata sollen auch an alle änderen Streikenden der öffentliehen Betriebe gerichtet',werden.. 3 Millionen Pfund Schaden Sachkundige schätzen den Schaden, den palästina in den acht Wochen, die die Unruhen andauern, erlitten hat, auf insgesamt 3 Millionen Pfund. Die Regierung hat einen Schaden von 500.000 (Pfund, die Juden infolge der Niederbrennungen und Zerstörungen und der Wirtschaftsstörungen 1|5 Millionen Pfund, die Araber infolge Lohn- und Verdienstausfall durch Streik 1 Million Pfund erlitten. ׳ Arabische Propagandaaktion im Ausland Eine arabische Delegation, die vom Jamal ei Husseini, eineip Neffen des Mufti, geführt wird und der auch die christlichen Araber Shibli Iamal und Dr. Tanus angehören, hat sich nach London begeben. Die Delegation verfolgt reine Propagandäzwecke und wird versuchen, die englische Oeffentlichkeit zu Gunsten der Araber zu stimmen. . ' Der Przytiker Prozeß In! dem! Prozeß wegen des Pogroms in Prizytik : wurde eine Anzahl weiterer jüdischer Einwohner, die bei j den Ausschreitungen!zu!Schaden gekommen sind, als : Zeugen vernommen. Ihre Aussagen wirkten oft tief i erschütternd. Im Gegensatz zu den von der Ver- : teidigung der nichtijüdaschen Angeklagten benannten Zeugen, die!zum großen Teil vorbestraft sind, sind die jüdischen• Zeugen durchwegs unbescholten. . Unter ihnen befinden sich auch die drei Kinder des : Schusters Joseph Minkowski,, der mit seiner Frau bei dem Pogrom. In Przytik den T od fand, und1 die nun als Zeugen vernommen werden, Die Axt, mit der das Ehepaar Minkowski ermordet worden war, ׳lag auf dem Ger richitstisch. Der 16jährige Gabriel Minkowski, der bei dem Pogrom schwere Verletzungen erlitten hatte,!erkannte unter den Angeklagten alle Teilnehmer an der Ermordung seiner Eltern. Dar 14jährige Hirsch Minkowski gab eine detaillierte Schilderung des Ueherfalls auf sein!Elternhaus. Die Mörder, erklärte er, hätten die Betten aufge- , rissen, um die Kinder zu suchen. Der 6jährige;Samuel Minkowski wurde bei der Vernehmung «auf. eine Bank gestellt; Auch er war schweb Verletzt. worden. und lag־ wiochenlang im Krankenhaus. Er gab die Namen aller Mörder seiner Eltern an, wollte sich aber nicht Umdrehen, um sie neuerlich zu identifizieren. Hingegen verwickelten sich mehrere nicht- ,jüdische Zeugen derartig in Widersprüche, daß der Vorsitzende sie yyiederhoit mit ironischen Beraerkungen unterbrechen mußte. So bezeiebnete der Richter es als lächerlich,, als eine Zeugin behauptete, die Juden hätten selbst . ihre Fenster eingeschlagen, Ein, anderer Zeuge behauptete, ,die. Juden hätten in polnischer 'Sprache ״Nieder mit der Kirche“ und ״Tötet die Polen" gerufen, Sie hätten Gasbomben und Granaten vorbereitet. Dies veranlaßt© den Vorsitzenden zu der ironischen Frage: ״Und Tanks auch?“ Rabbi Jert!ehern Lewowitz צ״ל?;v ilöe Öepeöch© auä M i t bringt die erschütternde Kunde vom Ableben des weitbekannten Leitern und Maschgiach der Mirer Jeschiwa* Rabbi JeruChem Lewowitz & Z. 1. Was dieser Name der Jeschiwa-Jugend! in Litauen bedeutet* ist heute, nachdem auch Söhne des Westeuropa!- sohen Judentums den Weg nach den litauischen Jeschiwos finden, auch hier wohlbekannt. Rabbi Jeruchem Lewowitz, ein Gaon der Thora Und des Muasar, der früher an der Seite des Ohofez Cbajim gewirkt und später buchstäblich die!Seele der Mirer Jeschiwa war, hat die neue Rabbinergenerätiön nicht nur in Litauen zum großen Teile erzogen. E r formte die Menschen, auf die wir heute so große Hoffnungen Setzen. Sein zündendes Wort drang in die jungen Herzen und blieb drinnen, befruchtend und weiterstrühlend. Er hätte jeden seiner Jünger im Auge und in der Hand. Keine Störung ihres!Seelen* und GemütsLebens konnte ihm entgehen und für manch Einen war er die Höhensonne, in der alle seelischen Gebrechen aushellen konnten. So ging das Tag für Tag, Jahr für Jahr, viele Jahrzehnte lang. Heber diese mehr menschliche Größe hinaus lag die Weltbedeutung des Verblichenen auf dem Gebiet der Quasar-Lehre, die er als Schüler des Rabbi Simche Sissel!Sief in Keime und dessen Sohn Rabbi Nochum Wolf weiter entwickelte und verbreitete. Er sah sein Lebensziel darin, die Jeschiwa-Jünger im Geiste der Mussar-Lehre (dessen!Schöpfer Rahbi Israel Salanter war) und nach deren pädagogischer Methode zu erziehen. Dank seines Einflusses und seiner Wirksamkeit ist die Mussar- Lehre, die früher in den Jeschiwos nur gelegentlich׳ und nebensächlich betrieben wurde, zu einem Hauptgegenstand im Lehrplan sämtlicher Jeschiwos Polens erhoben worden. חנצב׳ה ffeves Woclic fM^i zu Woclic JügLI Vor dem Schöffengericht in Hamm hatte sich ein jüdischer 7 ljähriger Kaufmann, der eine weibliehe arische Hausangestellte unter dem gesetzlich bestimmten Alter noch nach dem 1. Jänner 1936 in seinem Haushalt beschäftigt hatte, wegen Vergehens gegen die Nürnberger Gesetze zu verantworten. Das Gerieht verurteilte den Angeklagten zu 6 Wochen Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 RM. In einem Dorf bei T$ l a w a verstarb im Alter von HO Jahren der jüdische Landwirt Mendel Bial k a. Er war der älteste Jude und überhaupt der älteste Mensch in Polen. Er war bis zum letzten Tag, seines Lebens rüstig und bei voller Geisteskraft. Das ungarische Nazi-Organ ״XJj Barazda“ hatte gegen den Handelsminister Dr. Winchhier einen ehrenrührigen Angriff gerichtet und ihn beschuldigt, den ungarischen Außenhandel ״v e rij u dß t“ zu haben. In dem vom Minister angestrengten Verleumdungsprozeß kam es zu einem friedlichen Vergleich. Der Verteidiger der beiden Angeklagten gab eine Erklärung ab, die als Genugtuung angeboten wurde. Danach entsprechen die in dem Artikel enthaltenen Behauptungen, daß der Minister den, ungarischen Außenhandel in jüdische Hände geleitet habe, nicht der Wahrheit; im Geg enteil, seit dem Regime des Handelsministers Winchkler hätte. sich die Verhältniszahl der christlichen Interessenten im Außenhandel (von 32 auf 60 Prozent) erhöht. . Die französische faschistische Vereinigung ,JFeuerkreuz“ (Croix de feu) kündigt für nächsten Sonntag eine Gedenkfeier für die gefallenen jüdischen Frontkämpfer an. In der Einladung zu. dieser Gedenkfeier heißt es: Die Vereinigung ״Feuerkreuz“ bekräftigt auf diese Weise ihre Achtung aller religiösen Bekenntnisse und ihre Abneigung gegenüber .Haßdoktrinen, die der Eintracht unter den Franzosen abträglich sein könnten. % Der Präsident des Zentralrates der rumänischen Juden, Dr. Wilhelm Fildermann, wurde vom industrie- und Handelsminister Dr. J. Costinescu in Audienz empfangen. Dr. Fildermann überreichte dem Minister ein Memorandum, betreffend die Durchführung des Gesetzes über die Beschäftigung rumänischen Personals in . den Industrie- und Handelsunternehmungen. Im Alter von 74 Jahren ve r starb in Mozesv il l e. Noah Kat zowits c hi einer der Führer der jüdischen Kolonisation in Argentinien und Gründer der Kolonie Mozesville, die man das ״argentinische Jerusalem“ nennt. Den Bestimmungen der geänderten Verfassung entsprechend, werden die Organe aller öffentlichen Körperschaften in Estland für eine vierjährige ■Amtszeit neu gewählt. Die Wahlen für die Instanzen der j ü d isehen Kulturautonomie fanden Mitte Juni statt. An den Wahlen beteiligten sich Zionisten, Jiddischisten, Sozialisten und Unparteiische. Das Gericht in Bremen verurteilte■ 'einen ״Arier“ zu 6 Monaten Gefängnis, weil er die Gattin eines jüdischen Arztes, bei der er in Untermiete wohnte, f als chlich beschuldigte, sie habe Beschimpfungen gegen die deutsche Regierung ausgesprochen. Im Verhör gab der Angeklagte zu, daß er die Verleumdung erfunden hatte, Um sich an seiner Wirtin, mit der er einen Streit hate, zu rächen. Wie die ,frankfurter zeitu n.g“ meldet, dürfen nach einem Erlaß des Reichserziehungsministers Anträgen auf zeitweilige Befreiung von Kindern vom Schulunterricht Zeugnisse jüdis ch e.r Aerzte ■ (außer bei jüdischen Schülern) nicht beigefügt werden, da sie keine geeignete Unterlage für Befreiung vom Schuh unterricht oder einzelnen Fächern, oder für die Entschuldigung von Schülversäumnissen bilden könnten, In Wien, hatte ein mit einem Christen verlobtes jüdisches Mädchen bei Gericht den Antrag gestellt, ihren Vater zur Leistung einer entsprechenden Mitgift zu zwingen. Der Antrag wurde auf Verlangen des Vaters; der strenggläubiger Jude ist, abgelehnt. Jetzt hat auch der Oberste Gerichtsי hof, an den das Mädchen appelliert hatte, in gleicher Weise mit der Begründung entschieden, daß auch auf den subjektiven Standpunkt des Vaters der Braut Rücksicht zu nehmen ist: BU Grün» II״ Taborstraße 8 b, Telephon R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. 1