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Jüdische Presse · 1936-06-19 · 22 (19.6.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
22 (19.6.1936)
Date
1936-06-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nortaov* Vplatttö povolen* *iadtt fMsst « StEmm i nmmm rn. il Sk bi b• *-'**üiÜtSt* -«n «*וטי Verlege* *e»em!et * ®tpMiÄ pur vsdlte«® WIEN. BRATISLAVA * 19. JUN11936 י כ״ט סיוןתדצ״ו 22. Jahrgang / Nummer 22 prgssg Redaktion and Administration i W i 0 n, Ü., Malzgasse 12 a, Telephon A045^4־; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint־ jeden Freitag / Redaktionsschlußi Mittwoch Mittag Abonnementpreisei Ganzjährig: für Oesterreich. S 16» Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 160» da« Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse״, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGnn für Die mTGRessen Des 0RTH0D0wen juoenTums V9 Judenfrage und ״Araberfrage Von Dr. Isaac Breuer, Jerusalem r •i Von meinem Fenster schaue ich ־ auf . ein Feld mit tropfenbehangenen glitzernden Oelbäumenr״auf sanft geschwuiigene Hügel und, weit darüber hinweg, auf die Berge Moabs, jenseits des Jarden. Zur Linken aber, zum Glück nicht verdeckt vom' englischen Sporthäus mit seinen aufdringlich hohen Türmen, winkt der Zionsberg, brütet das Geheimnis. — Bin ich nun hier zu Hause? Hierher habe ich mich gesehnt, seit ich fühlen und selbständig denken kann. Unfaßbar schön ging der Traum meiner Jugend in Erfüllung. Bin ich nun hier zu Hause? Ich bin es nicht, und ich werde es wohl niemals werden. Erez Jisroel bleibt das Land der Sehnsucht, auch wenn man gewürdigt ist, daselbst zu weilen. Die Sehnsucht i n Erez Jisroel ist nur eine Steigerung der Sehnsucht nach Erez Jisroel. In G־ttes Land ist man nicht zu Hause. In G־ttes Land ist man zu Gast. Noch aber ist der Hausherr nicht erschienen. Noch brütet um Zion, qualvoll unergründlich, das tausendjährige Geheimnis. Es ist nicht leicht, ständiger Gast zu sein. Die Tefillin zogen wir tagsüber aus, weil wir die Kraft nicht mehr hatten, ihrer ständig bewußt zu bleiben. Woher die Kraft, sich Erez Jisroel unter die Füße zu legen und seiner nie zu vergessen? ■ •־,,־" Aus der Erkenntnis eigener Unzulänglichkeit rührt es, daß manche Olim, namentlich in den ersten Zeiten, schwere seelische Erschütterungen erleben. Es sind nicht die schlechtesten. Gerade das Gefühl aber, hier nur Gast zu sein, erhält die Erinnerung an das Herkunftsland lebendig. Sollten nicht auch' unsere Väter ihres Aufenthaltes in Mizrajim stets gedenken? Dreimal im Jahr waren einst G-ttes Gäste an die Tafel des Herrn geladen. Ein Abglanz der großen Vergangenheit und eine Ahnung kommender Herrlichkeit lag auch diesen Pessach über Jeruscholajim. Von allen Gegenden des. Landes strömte es herbei, und es war ein wehmutig-frohes Wiedersehen, ein glücklich-ernstes Sichfinden: am Sederabend, auf den festlichen Straßen, beim G-ttesdienst und bei geselligen Veranstaltungen. Sehnsucht in Erez Jisroel, wohin geht sie? Sehnsucht nach Vereinigung mit den Söhnen der Gola, Sehnsucht, daß die vereinten Söhne der Gola im Lande G-ttes die G-ttesnähe wieder gewinnen, um sich und alle Völker von dem schweren Leid ’ zu' erlösen, das sie alle deckt, seit G-tt nicht mehr auf Erden wähnt. Sehnsucht i n Erez Jisroel: Jeder Tag weckt sie aufs neue, wenn etwa die Spätsonne Jeruscholajim in ,zärtliche Farben taucht Und der flüsternde Hauch des geweihten Bodens um Rückkehr des entschwundenen Gebieters fleht.׳• Wie lange noch? Es gibt eine passive und es gibt eine aktive Sehnsucht. Unsere Generation aber ist־ gewürdigt, ihre Sehnsucht in Taten umzusetzen. Wer diese aktive Sehnsucht nicht kennt, sollte dem Lande fern bleiben. Die, passive Sehnsucht ist in der Gola leichtter tragbar als hier. . Denn G-ttes Land birgt heute seltsame Gäste. Es halten sich ,die Araber für die Alleinherren des Landes, und es machen viele Juden Gattes An^pruc^i streitig. ' Es gibt eine Araberfrage und es gibt eine Judenfrage im'Lande. Beide Fragen sind bitter ernst. Die heutige Situation beweist es. Arabische Mörder haben jüdisches Blut vergossen. Das Arabertum •aber rückt von den Mördern nicht ab, sondern es proklamiert in unmittelbarer Folge den Ger neralstreik. Und das *Judentum? Alle offiziellen jüdischen Kundgebungen in Wort und Schrift sind vom Geist unerschütterlicher Entschlossenheit erfüllt, das wohlerworbene Mitrecht des jüdischen Volkes an Erez Jisroel bis aufs Aeußerste zu verteidigen und sich von keinerlei Gewalttat: des Arabertums ab •ר schrecken zu lassen. Auf. dieses ״jetzt erst recht“ sind alle jüdischen Begeisterungen abgestellt. Deutlich kommt in CTBVD B A ÄtiSJen Neudegger-Fahrschulen BP ■ ■י I U p 19; Wien VIII. Tel. B-46-5-72 und Inzeredorf, N.-Oe, Abholung vom, Hause! . ihnen das Rechtsgefühl einer eben erst zum neuen Leben erstandenen Nation zum Ausdruck. Aber von G-tt ist in den offiziellen jüdischen Kundgebungen keine Rede. Von G-tt schweigen die Tages- Zeitungen. — Wie fremd mutet das alles an! Wie groß ist der Riß zwischen diesem Judentum, ׳ Erez Jisroel und seiner öffentlichen Erscheinung imd dem Judentum der Gola! Wie fern steht es dem wahren Herrn des Landes! Seltsamer Widerstreit der Gefühle! Jeden Satz dieser Kundgebung möchte man unterschreiben, und dabei verkrampft sich das Herz vor Sehnsucht nach einem guten jüdischen Wort, das die Brücke schlägt zwischen Vergangenheit und Zukunft, verzehrt sich das Auge vor Begier, nur auf einen Moment die Werke nationaler Kraftbewußtheit lüften imd das gute jüdische Antlitz schauen zu dürfen, dem die langen Jahrhunderte die Züge heroischen G-ttvertrauens unauslöschbar eingeprägt haben. : Es gibt die Araberfrage. Aber wahrhaftig, es gibt auch die Judenfrage. i Sind wir wirklich schon Iso weit, daß wir der Hilfe G-ttes, auch nach menschlichem Kalkül, entraten könnten? Ist das werdende Erez Jisroel das Land, das G-ttes Augen-, merks nicht fortgesetzt bedarf? Sind wir heute schon stärker als einst das. Reich der Söhne . Ephrajims, das. Reich der Söhne Judas? War mpht den Propheten unseres Volkes jedes verwüstete jüdische Feld,**jeder Tröpfen ver- , gossenen jäischen Blutes im Lande G-ttes ein1 furchtbar düsteres Mahnzeichen des Unwillens des wahren Herrn des Landes? Wo ist der Prophet, der Neu-Ephraim die Regelmäßiger Reitedienrt nach Polen I Billig und bequem wie immer. Nächste Reise 27. Juni J936. FERIEN- REISEN ab 5. Juli, jeden Sonntag. Auskünfte und Prospekte auch über den Reisedienst, nach. BULGARIEN, ENGLAND,- ITALIEN,־ JUGOSLW1EN, PALÄSTINA, UNGARN und andere Länder, sowie über alle Autobustouten und Mittelmeerreistn bei DR. S. TOCKER, REISEBÜRO ״IN DIE WELT“ (W. M. Renner) Wien IX, Lichtensteinstraße 2. Telephon A-14-50,4 bitterharte Wahrheit kündet und ihr die Herzen er-; schließt? Neu-Ephraim erläßt Manifest auf Manifest. r. Aber Mea-Schearim betet die . Psalmen ' unseres : Königs David. , Die Araberfrage ist zugleich die —: Judenfrage. Warum es verschweigen? Man braucht noch lange nicht ״gläubig“ zu sein, um sehen zu können, daß, auf dem Wege natürlichen Geschehens alle Konstellationen — gegen uns sprechen. Es ist buchstäblich VVahrheiti können wir schon in der Gola des Schutzes G-ttes nicht entraten, im werdenden- Erez. Jisroel können . wir . es erst! 1 recht nicht. Das werdende Erez Jisroel ist aiif —■ Wunder G-ttes gebaut. Die Araberfrage ist zugleich die — Judenfragel 'י Die Araberfrage ist in ihrer neuen Zuspitzung ein Weckruf G-ttes an Neu-Ephraim, ein Weckruf G-ttes vor! allem in die Gola: K.ommt her ein ins Land, jetzt erst recht, opfert für das Land, jetzt erst recht! Helfet uns das Gästerecht der Thora zur Anerkennung, zur Geltung zu bringen, auf daß das Wunder sich vollziehe, dem unser aller Sehnsucht gilt, nicht Entmutigung, sondern ganz im ,Gegenteil, A u.f r .ü tjt elu n g sollen uns die Opfer bringen, die ruchlose Mörderhand erschlug. Kommet als Gäste in G-ttes Land und , mäöhet aus dem Lande der Sehnsucht das Land nati’oii aler und menschlicher Erfüllung. (״NachTath Z’wi“) Die Wiener Judenheit Während äußerlich , der Sommerfriede eingekehrt zu sein scheint und nichts als die Junisonne die Gemüter erhitzt, ist doch hinter den Kulissen alles auf Kampf eingestellt und — wenn nicht alle Anzeichen trügen —- so wird schon im Frühherbst das jüdische Wien seine Parteiarmeen mobilisieren, um zum Entscheidüngskampf auszuholen. Unionisten und Zionisten bewahren jene Ruhe, die vor Kampfhandlungen opportun ist. Einzig und allein der Bund jüdischer Frontsoldaten entwickelt eine sehr agile Tätigkeit zu Gunsten einer Einheitsfront, deren Ergebnis jedoch einstweilen nicht mehr zu sein scheint, als eine sehr lebhafte Diskussion um die Frage, was einem ehrlichen Jüdischnationalen heiliger sein muß: die Frontdisziplin oder die jüdischnationale Ideologie. Abseits von diesem etwas langweiligen Getriebe steht diesmal die Orthodoxie, der einzige wirklich positiv eingestellte Teil der Wiener Judenheit, der es nun endlich satt hat, an politischen und dialektischen Tüfteleien sich zu ergötzen, wo die heiligsten Erbgüter vernachlässigt und aufs Spiel gesetzt werden. Sie hat durch ihre Initiative um die Erlangung der Autonomie der orthodoxen Judenschaft den Bann gebrochen, der seit sechs Dezennien auf der gläubigen Judenschaft wie ein Alpdruck lastete. Diese sechs Dezennien, in denen jedes Stückchen seelischer und körperlicher Befriedigung der religiösen Bedürfnisse um einen doppelten Preis erkauft werden mußte, haben die Orthodoxie für den Entscheidungskampf reif gemacht. Von der höheren Warte des Unabhängigen aus gesehen, liegen die Dinge so; Während in Wien tausende jüdische 'Kinderseelen nach religiöser Erziehung dürsten, während die Reinheit des jüdischen Familienleb e ns einen noch nie dagewesenen Tiefstand erreicht hat — es ist statistisch nachgewiesen, daß kaum 2 Prozent der Wiener jüdischen Frauen das ׳ vorgeschriebene rituelle Tauchbad benützen —, während in Wien! kaum ein Drittel der jüdischen Bevölkerung k osc here Sehechitah benützt, und während über alle diese Dinge nicht einmal diskutiert wird, spricht man über eine ״Einheitsfrpnt“, die den politischen Aspirationen der Par־, teien vielleicht gerecht werden könnte, nie aber die religiösen Bedürfnisse der breiten Schichten der' orthodoxen Jiidenschaft befriedigen kann. Und dazu' werden sich die Herren, .wie es aussieht, wohl nur unter. Zwang verstehen. Es ist tragisches, jüdisches Schicksal; daß das, was bei anderen Konfessionen und Korporationen selbstverständlich ist, bei uns!erst ertrotzt werden muß.' Dr. Nathan Birnbaum, der große jüdische Philosoph, und Theoretiker der Orthodoxie, hat in einer seiner geistreichen Abhandlungen das Thema unter dem inzwischen' zum Schlagwort gewordenen Titel ״Im Exil bei Juden“! sehr eingehend behandelt und nachgewiesen, daß idje Ein-j heitsfront der Gläubigen aller Konfessionen die jüdische Orthodoxie viel rascher zu ihrem Ziele führen muß, als immer wieder der Versuch, mit den geistig viel entfernteren' jüdischen Kreisen eine Nötgemeiiischaft aufrecht zü er-' halten. Das Schauermärchen von ״Verrat“ und ״Messirah“1' muß schließlich doch abklingen. Jeder weiß, daß der1 glaubenstreue .Jude auch seinem sündigen Bruder nie die• helfende Hand versagt; aber falsch wäre es zu glauben, daß die Blutsverwandtschaft uns zwingen darf, dort, weich zu sein, wo es um die geheiligten Traditionen des Glaubens geht. ' Dieser Gedanke scheint in Oesterreich nunmehr' auch! Gemeingut der nichtjüdischen, religiös positiv ein-’י gestellten Kreise zu werden. Und wenn unsere jüdisch*; nationalen Gegner im Kampf um die Selbständigkeit der* . Orthodoxie!schon sechs Wochen nach dem Beginn der Offensive sich berechtigt fühlten, von einer Abweisung i des orthodoxen Ansuchens zu sprechen, so müs&n;sibrdoch im Laufe der Zeit die Ueberzeugung gewonnen haben, daß in Oesterreich religiöse Ding,e. viel ernster genommen werden, als es ihnen schien, und daß die Entsoheidung, wenn auch nicht (. von heute auf morgen, so doch in naher Zukuntt'י der gerechten Sache der Orthodoxie zum1 Durchbruch verhelfen wird, Neuerte Modelle in Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, zu günstigsten Preisen erhältlich bei Wien l, Kärntnerrlng 6 Telephon U»430״«f€ Hur ku r % e Z e i t, s 0,1 * n g e der V or r ä t r e I c‘h td ’

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