Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 19 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 JCDBOtm PSfiSSS . Säte® mämsmuamisemiim&sm'■ hältnismäßig geringer Zahl iää Lafid gebracht, so daß das orthodoxe Judentum zahlenmäßig wohl stärker ge* worden, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung aber zurückgegangen ist. Das Abkommen der Aguda mit der Jewish*Agency, Wonach 6 Prozent der fiinwanderüngs- Zertifikate für Agudisten zu reservieren sind, leistet den gerechten Ansprüchen der Orthodoxie nicht Genüge und es ist daher heiligste Aufgabe der Aguda-Exekutive, bei der Palästina-Regierung dahin zu wirken, daß der Aguda direkt eine weitaus größere gSähl von Zertifikaten gewährt werde. Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld s. Z. 1. hat es Besuchern des Heiligen Landes untersagt, Unschönes über Erez Jisroel zu erzählen. Es hätte auch keinen ׳Sinn, die religiösen Verhältnisse in allen Details zu schildern. Je nachdem, von welchem Standpunkt man die Lage be* trachtet, haben sich die Verhältnisse in den letzten Jahren gebessert oder verschlechtert, Man kann nicht leugnen, daß die vielen tausenden assimilierten, dem Judentum völlig entfremdeten Juden, die in den letzten Jahren nach Erez Jisroel gekommen sind, dort in religiöser Hinsicht dem Judentum ein bißchen näher gekommen sind. Anderseits haben sich wieder leider viele orthodoxe Juden, die in den letzten Jahren eingewandert sind, langsam an die nicht geradezu erfreulichen religiösen Verhältnisse gewohnt und sich ihnen angepaßt. Junge Leute, die ohne jede gesellschaftliche Bindung, ganz auf sich allein angewiesen, im Lande leben, bringen oft nicht die Kraft auf, dem allgemeinen Strom zu trotzen. In Erez Jisroel kann sich religiös nur der behaupten, der mit der Absicht ins Land kommt, dort ein besserer Jude zu werden, als er es bisher gewesen ist. Ist der Zusammenschluß Gleichgesinnter zu Kibbuzim und Kooperativen in Stadt und Land auf wirtschaftlichem Gebiet empfehlenswert, so ist er auf religiösem Gebiet unbedingt notwendig. Die religiöse Existenz im Kreise Gleichgesinnter erfordert vom einzelnen bedeutend kleinere Opfer. Viele tausende orthodoxe Juden, die ihrer Ueberzeugung voll und ganz treu geblieben sind, leben aber leider jeder für sich abgeschlossen, ohne auf das jüdische Gemeinschafts־ leben irgend einen Einfluß zu nehmen. Das religiöse Leben verflacht so leider immer mehr und mehr. Ein wirkliches orthodoxes Kehilahleben, wie wir es in den orthodoxen Gemeinden in Europa gewohnt sind, gibt es in Jeruscholajim, wo der ״Waad hoir hoaschkenasi" unter Führung von• Rabbi Z. Duschinsky der treu? Hüter jüdischer Tradition ist. Die Hauptstütze der orthodoxen Gemeinde in Jeruscholajim ist der ungarische Kolel, dem ungefähr 2500 aus den Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie stammende Menschen angehören, von denen viele hunderte den ganzen Tag mit Thora-Lernen verbringen. Die agudistische Arbeit In ständigem Kontakt mit dem ״Waad hoir hoaschkeriasi“, bzw. mit Raw Duschinsky sowie mit dem Kolel steht die Agudas Jisroel in Jeruscholajim, deren Sekretariat in aufopferungsvoller Weise von Rabbi Mosche Blau und Rabbi Mosche G1 ikmann-Poru.sch geleitet wird. Neben der politischen Tätigkeit unterhält bekanntlich die Aguda im Lande ein Netz von 19 verschiedenen Schulanstalten, > in denen , mehr als 1600 Knaben und Mädchen Unterricht genießen. Die wirtschaftliche Tätigkeit der Aguda wird vom Jeruscholajimer Zentralbüro gemeinsam mit dem unter Leitung von Jakob Landau stehenden Büro der P o a 1 e Agudas Jisroel in Tel-Aviv durchgeführt. Die Poale Agudas Jisroel hat sich in den letzten zwei Jahren überaus günstig en t w i c k e 11 und zählt derzeit mehr als 2200 organisierte Mitglieder in 16 Ortsgruppen, 4 Kibbuzim und 2 Plugoth. Jede Ortsgruppe unterhält eine eigene Arbeitsvermittlungsstelle und. eine Gemilas-Chassodim- Vorschußkasse. Die Tel-Aviver Gruppe unterhält auch eine eigene Kupatb Cholim (Krankenkasse), während die Mitglieder der anderen Gruppen zunächst . noch •Mitglieder der Kupath Cholim der ״Histadruth“ sein müssen. In den meisten Gruppen haben sich Poalim zu kooperativen Fachgruppen zusammengeschlossen, die sich gut entwickeln. Die agudistischen Kibbuzim in Kfar Saba und in Gederah haben ׳ sich ebenfalls überaus günstig entwickelt und erhalten sich bereits selbst. Bloß einige notwendige Investitionen können sie vorläufig noch nicht aus eigenen Mitteln vornehmen. Das Sorgenkind der Agudaleitung ist nach wie vor der Kibbuz in Machne Jisroel, der sich nur schwer entwickelt, trotzdem ihm die riesige Fläche von 2000 Dunam zur Verfügung steht und trotzdem bereits Verhältnismäßig große Summen investiert worden sind. Die unter dem Namen ״Chug Chasam Sofer“ vereinigten, aus der!Slowakei, Ungarn, Oesterreich, Rumänien und Jugoslawien stammenden jungen Agudisten wollen demnächst einen neuen landwirtschaftlichen Kibbuz gründen und schon in den nächsten Tagen mit der 'Bearbeitung eines Bodenareals in Rischon-le-Zion beginnen, das ein Agudist für eine bestimmte Zeit zur Verfügung stellen will. Der Kibbuz wird sich aber auf fremdem Boden nur sehr schwer entwickeln können und es wäre dringende Pflicht der agudistischen Landeszmtrale'n in Bratislava, Wien, Oradea und Zagreb sowie der Tiferes Bachurim dn Budapest, gemeinsam ein Bodenstück von mindestens 50 Dunam zu erwerben, auf dem der Kibbuz angesiedelt werden könnte! Hiezu wären ungefähr 1500 Pfund erforderlich. Bemerkt sei, daß der Kibbuz bei gemischter Wirtschaft ziemliche Entwicklungsmöglichkeiten hätte und noch eine größere Zahl von Aulim aufnehmen könnte. Die Sache ist jedenfalls wert, von den zuständigen Instanzen in den fünf Ländern gemeinsam beraten zu werden. In kultureller Beziehung hat die Poale Agudas Jisroel in den letzten Jahren viel geleistet, indem sie die jungen Leute zu Schiurim und geselligen Veranstaltungen vereinigte und so ein orthodoxes Gemeinschaftsleben geschaffen hat. Viel könnte von der Aguda noch geleistet werden, wenn die orthodoxen Juden ihre Pflicht Erez Jisroel gegenüber erfüllen würden und der Keren Hajischuw über größere Mittel verfügen könnte. Einzelne Länder haben aber bisher leider fast vollständig versagt. Unsere Wiener freunde Unsere Wiener Pioniere, die in den letzten drei Jahren nach Erez Jisroel gegangen sind, bewähren sich fast alle vorzüglich. Sowohl in Tel-Aviv, wie in Haifa bilden; sie eigene Geftieinsebaftefi iät Beriten und teilweise auch in den Arbeit. Hechemja Dickmann, der einer der eifrigsten Vorstandsmitglieder der Wiener Jugendgruppe war, ist Vor sitzender der Haifaer Ortsgruppe der Poale Agudas Jisroel. Die Wiener Öbawerim haben fast alle dauernd Arbeit und! sind immer bei guter, zufriedener Laune. Heueinwandernden Wienern stehen sie gerne mit Rat und Tat hilfreich zur Seite, Die Institutionen des alten Jischuw Eng verbunden mit der agudistischen Arbeit sind die Institutionen des alten Jischuw. Das von Dr. Wallach gegründete und geleitete ״S c h a a r e- Zede-k* Spital“ ist eine Musteranstalt. Ein Spital in europäischem Stil, mit eigener Milchwirtschaft zur Versorgüng der Patienten mit einwandfreier gesunder Milch, eigenem Elektrizitätswerk usw, Dr. Wallach ist bereits Seit 45 Jahren im Lande und feiert in Hen nächsten Monateh seinen 70. Geburtstag. Er gehört zu den agudistisehen Führern im Heiligen Lande. Das vom Brisker Raw, Rabbi Mosche Leb Jehoschua D i s k i n s. Z. 1. im Jahre 18711 gegründete ,,D i s k i n- Waisenhaus“, dessen Leitung ebenfalls Dr. Wallach angehört, ist das größte Und schönste Waisenhaus in Erez Jisroel. Ueber 250 Waisen werden in ihm zu orthodoxen Juden erzogen. Die Kinder erhalten Unterricht in einer neunklassigen Talmud-Thora, Jeschiwah und Lehrwerk- Stätte für Tischler, Schneider, usw. Nach Absolvierung aller Schulklassen arbeiten die Zöglinge noch ein Jahr als Gehilfen.in der Werkstätte, um dann mit einer kleinen Summe Geld das Heim verlassen und ins Leben treten zu können. Das Anwesen liegt an einer der landwirtschäftlich schönsten Stellen Jerusalems, inmitten eines 70.000 Quadratmeter großen freien Platzes, der zur Anläge eines Gartens bestimmt ist. Von den anderen Anstalten sei insbesondere das im Jahre 1878 gegründete große Al tersheim (Moschaw Sekenim) erwähnt. Das vorzüglich geleitete Heim umfaßt 200 Zimmer, 4 Synagogen, ein Spital für kranke und sieche Insassen, eine reichhaltige! Bibliothek usw. Wie die Leiter dieser mustergültig geführten Anstalten erklären, werden diese Institutionen nur von den wenigsten Touristen aufgesucht, weil die offiziellen Führer den Fremden nur die zionistischen Anstalten zeigen. Dabei haben, gerade ,die .orthodoxen Institutionen besonders schwer zu kämpfen und. sind auf Spenden und Stiftungen aus dem Auslande besonders angewiesen. Das Verhältnis zwischen altern und neuem Jischuw Das Verhältnis zwischen dem alten Jischuw und den neueingewanderten orthodoxen Juden ist ein gutes. Wenn es auch hin und wieder kleinere Differenzen,, beispielsweise zwischen der Poale Agudas Jisroel und der. Jerusalemer Zentrale, gibt, so besteht doch auf allen Seiten der gute Wille zu gemeinsamer Arbeit und cs gelingt stets,• eventuelle Unstimmigkeiten im eigenen Kreis zu erledigen. Der Jerusalemer Zentrale der Agudas Jisroel gehören übrigens auch die Vertreter der in den jüngsten Jahren ins Land gekommenen Agudisten aus Deutschland und Polen^ an. * ■׳ Das orthodoxe Leben in Jerusalem hat überhaupt letztens einen Aufschwung genommen, einerseits durch die Anwesenheit des Ger er R ebben, der in einigen Monaten zu ständigem Aufenthalt nach Erez Jisroel kommen soll, anderseits durch die Anwesenheit prominenter Führer der deutschen Agudisten, wie Doktor Isaac Breuer, Dr. Falk Schlesinger, Dr. Willy H o f m a n n u. a. Insbesondere wird von Dr. Isaac Breuer, der erst ganz kurze Zeit im Lande weilt, eine segensreiche Di« nächst« Ausgabe der ״Jüdischen Pfesse“ erscheint am Freitag, den 5. Juni 1936 agudistische Tätigkeit erwartet, Zwischen den Angehörigen der* verschiedenen BandSmannsehäften besteht naturgemäß nicht in allen Punkten Vollkommene Uebereinstimmung, jedoch werden im Rahmen der Aguda auch diese Fragen gelöst werden. Mit der Zeit werden übrigens auch diese Gegensätze ineinander verschmelzen.. Die innerlüdisch-polititche Lage Das jüdische Gemeinschaftsleben in EreZ Jisroel wird von den Zionisten und der sozialistisch-zionistischen ״H i s t a d r u t h“ beherrscht. Dagegen kann nur durch eine verstärkte agudistische Erez-Jisroe 1* Arbeit und durch eine stärkere orthodoxe Alijah angekämpft werden. In den letzten drei Jahren sind in dieser Beziehung große Fortschritte verzeichnet worden. Die Aguda ist heute im Lande ein politischer Machtfaktor» mit dem sowohl die Gegner wie auch die Palästina-Regierung rechnen. In wirtschaftlichen und politischen Fragen, die den gesamten Jischuw betreffen, ist in der letzten Zeit öfters eine Einheitsfront zwischen der Aguda und den Zionisten geschaffen worden, so sind beispielsweise wiederholt gemeinsame Vorsprachen bei den Palästina-Regierung erfolgt. Selbstverständlich beschränkt sich dieSe Zusammenarbeit' nur auf bestimmte wirtschaftliche und politische Fragen. Sie tangiert in keiner Weise die bisherige absolut ablehnende Einstellung der Agüda. dem politischen Zionismus gegenüber, wenn auch gewisse Journalisten immer wieder von einem ״bevorstehenden Eintritt der Aguda in die ,Jewish Agency' “ schreiben. An die künftigen Aulim Das Land ist schön und kann noch ungezählten tausenden Menschen Brot geben. Wer nicht wirklich über große Kapitalien verfügt oder nicht gewöhnt ist, schwer zu arbeiten, trachte unbedingt» vor der Alijah sich entsprechende handwerksmäßige, noch besser: landwirtschaft-, liehe Kenntnisse arizueignen. Von den momentanen politisehen Verhältnissen lasse sich niemand abschrecken,sie sind nicht gar so düster, wie es im Auslande scheint und werden hoffentlich in kurzer Zeit wieder normal sein. An alle orthodoxen Juden in der Golah sei der dringende Appell gerichtet, den orthodoxen Jischuw im Heiligen Lande zu fördern. Jeder Groschen, der dem Keren Hajischuw, dem Kolel, den agudistischen Schulen, den Institutionen des alten Jischu\v und der Poale Agudas Jisroel zügeführt wird, ist ein Baustein am Aufbau des religiösen Erez Jisroel und ein Bollwerk gegen die Areligiösität im Heiligen Lande. Die Seereise Der ״Lloyd Triestino“ bietet auf seinen Dampfern ״Palestina“, ״Jerusalem“ und ״Galilea“ den nach 'Palästina reisenden Passagieren a 11 e Bequem- 1 i c h k eiten. Die Seereise an sich wird auf diesen Schiffen zu einem Vergnügen, wenn nicht zufällig das Meer allzu stürmisch ist. Die wenigen Tage 'der Ueberfahrt sind geeignet, die überanstrengten Nerven des Europäers auszuspannen und ihn mit verjüngten Kräften aus dem ׳!Schiff aussteigen':zu lassen, auf dem man gerne noch einige Tage länger verbringen möchte.!Küche und Bedienung auf diesen Schiffen sind v o r z ü g 1 i ch!. Rabbi Abe Feingold זצ״ל Noch ist die Wunde frisch, die uns das Hinscheldon des unvergeßlichen und unersetzlichen ״Rogatschower Gaon“ s. Z. 1. geschlagen, und schon hat der unerbittliche Tod einen neuen Schlag geführt: Rabbi Abe Feingold, der Schwiegersohn des Gaon, ist diesem in die Ewigkeit nachgefolgt. Die. jüdische Welt hat vom5'Verblichenen wenig gewußt. Der Umstand, daß er in Rußland wirkte, hat ihn bei den nun einmal gegebenen Verhältnissen vom pulsierenden Leben des Thorajudentums abgeschnitten. Das Urteil des Gaon aber, der in ihm einen der Größten und Bedeutendsten unseres Zeitalters im Reiche der Thora sah, genügt vollauf, um den Verlust für unser verwaistes Geschlecht unermeßlich erscheinen zu lassen. Rabbi Abe Feingold, der jetzt im Alter von 62 Jahren dahingegangen ist, lebte als Rabbiner in Moskau. Er war mit der ältesten Tochter des Rogatschower Gaon s. Z. 1. verheiratet und sollte auch als dessen Nachfolger das Amt eines Rabbiners in Dünabürg antreten. Es ist nicht dazu gekommen; die Verbandlungen mit der russischen Regierung haben länger gedauert als ihm noch zu leben beschieden war. ,תנצב׳ך Huligans haben in der Nacht den jüdischen Friedhof g.e schändet. Die Grabhütten der berühmten Rabis von Radzin und Amszinow wurden niedergerissen, mehrere Grabsteine wurden zertrümmert. Die Ueberfälle auf Juden in der Gegend von Otw o c k hören nicht auf. In Otwock selbst wurde der Sohn des Örtsrabbiners Elia Sehman durch Huligans überfallen und erheblich verletzt. Im Eisenbahnzug Warschau—Otwock überfielen Huligans den jungen Rabbiner Melecli Aszkenasi, Sohn des Kobjeter Rebbe, und mißhandelten ihn. Die antisemitische Presse, voran ״Warszawski Dziennik Narodowi“, äußert ihre Genugtuung über diese Ueberfälle, die dazu angetan sind, die. Juden von dem Warschauer Sommerfrischengebiet fernzuhalten. In dem Städtchen Karsznik bei Warschau wurden jüdische Einwohner barbarisch geschlagen, die beiden jüdischen Arbeiter Henech Orale und Israel* Sukman wurden durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. In Vlaclawek wurde der 19jährige Jakob Wendchlonik von nationaldemokrätischen Huligans durch Messerstiche schwer verletzt. Der Greis Israel Wassermann wurde bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. S chw e r v e rletzt ins Hospital wurde auch der junge Jude Czarnobradzki gebracht. Der anfise1mli§d1e Terror in Polen In Wilna wurde der junge Jakob Feldmann von zwei Nationaldemokraten überfallen. Sterbend wurde er ins Hospital überführt, wo er seinen Verletzungen erlag. Die Mörder konnten verhaftet werden. Das Kreisgericht in Radom verurteilte den 21jährigen Jan Pienjacki zu 12, den 20jährigen Kaszymiersz Madeja zu 10 Jahren Kerkersv. Beide hatten am 30. Dezember 1935 einige Mitglieder der jüdischen Familie Florenz im Dorfe Wola-Kuraszowa barbarisch ab geschlachtet. Der Verteidiger wies darauf hin, daß die Mörder durch die Atmosphäre des Rassenhasses, die aus Deutschland nach Polen übergreift, vergiftet waren. ׳ Die Polizei entdeckte in Warschau eine Instruktion 8 schule für antisemitische Terr oristen, die von der nationalradikalen Organisation (Nara) eingerichtet wurde, Die Polizei verhaftete 21 Personen, davon 6 aus Warschau und 15 aus den Distrikten Lublin und Bialystok. In Warschau wurde der jüdische Arbeiter Chaim Radziminski durch Huligans niedergestochen und 1 e b e n sgefährlich verletzt, V Auf dem Müranow-Piatz, im Zentrum des Warschauer jüdischen Nalewkiviertels, wurden• jüdische Passanten durch Huligans niedergeschlagen, Zwei jüdische Todesopfer neudeutscher ״Treue“ t Vor dem Gericht in Freiburg im 1Breisgau stand der 34jährige J. ׳Saier unter der Anklage der Erpressung. Saier hatte von der jüdischen Familie Lion lange Zeit hindurch, wie er selbst ahgibt, v.iele Wohltaten empfangen. Vor anderthalb Jahren aber erachtete er die Zeit für gekommen, an seine Wohltäter Drohbriefe loszulassen, in denen er ihnen drohte, er werde die Familie aufs schlimmste .bloßstellen, wenn er nicht einen bestimmten Geldbetrag erhalte. Die Briefe häuften sich und hatten tragische Folgen: Mutter und Tochter siprangea in den Rhein undertranken,־ ein ׳Sohn versuchte Selbstmord durch Ertränken,, wurde aber gerettet. Saier wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Großmutter in der deutschen Diplomatie Wie der Berliner Korrespondent der ״Berlingske Tidende“ mitteilt, wird Baron v. G rünau, der vor kurzer Zeit zum deutschen Gesandten in Kopen- * hagen ernannt wurde und bereits in diesem Monat seinen Posten antreten sollte, diesen nicht besetzen können. Nachforschungen haben ergeben, daß Herrn ן v. Qrünaus Stammbaum nicht ganz arisch sei, jedenfalls konnte er eine rein arische Abstammung nicht bis auf das Jahr4800 nachweisen. Er hat Verwandtschaft;- liehe 1Beziehungen zur Familie ־ Freudenberg-Löwensteih, Seine Ernennung ist daher, nachdem die Sache bis an Hitler persönlich gegangen war, nunmehr endgültig zurücKgenömmen worden•! r