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Jüdische Presse · 1936-05-26 · 19 (26.5.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
19 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite זו־ JÜDlSCöEPßESSE Nr. iS RICHTER : EUE 2 JI $ROEL Unser verantwortlicher Schriftleiter, enthalt in Erez Jisroel zurückgekehrt. 111111111111111! Bert Karl Eicht er, ist soeben non einem mehrwöchigen Auf- Man hat in letzter Zeit so Viel Gelegenheit, Berichte Uber EreZ Jisroel zu hören, daß es schwer fällt, Neues und Unbekanntes vom Heiligett/ Lande zu erzählen. Es ist auch nicht leicht, den Standpunkt eines ״objektiven“ Beobachters einzünehmen, wenn man den Dingen nicht geradezu indifferent gegenübersteht, sondern seine Stellungnähme in jüdisch-politischer Beziehung nach einer bestimmten Richtung hin — und sei diese auch die agudistische — bezogen hat. Im folgenden soll aber kein umfassender Reisebericht über Erez Jisroel erstattet, es sollen vielmehr nur einige Probleme gestreift werden. Die Wirttchattslage Vollbesetzte Ueberseedampfer sind gewöhnlich kein Symptom Wirtschaftlieh guter Zeiten, sondern in der Regel die Folge wirtschaftlichen Niederganges. Nicht Vergnügungsreisende füllen die Schiffe, sondern Auswanderer und solche, die unter dem Titel einer Geschäfts- oder Urlaubsreise nach neuen Existenzmöglichkeiten spähen. Die Juden aus *Deutschland und aus Polen fahren meistens schon mit mehr oder' minder aussichtsreichen Plänen nach Erez Jisroel, während die anderen sich zunächst das Land ״ansehen“ wollen. Alle Erez-Jisroel-Reisenden aber, ob religiöse Juden oder Nichtreligiöse, fahren aus wirtschaftlichen Motiven und nur ganz einzelne unternehmen die Reise aus idealen Gründen, religiöser oder ״nationaler“ Natur. Der Fremdenverkehr in Erez Jisroel, die Wirtschaftliehe Konjunktur und der Aufschwung des Landes stehen in direktem Verhältnis zu der Erstarkung der antisemitischen Bewegung in Europa und zu dem wirtschaftlichen Niedergang der europäischen Juden: Geradezu mit' mathematischer Genauigkeit wirkt sich die traurige Entwicklung der Lage der Juden in Europa auf die Verhältnisse in. Erez Jisroel aus. Aus 1. Aguda-Kibbuz Gedera. 2. Blick auf den Har Habajis. 3. Aguda-Kibbuz Kfar״ Saba. 4. An der Kosel - Maarowi während der Unruhen. 5. Verheerende Folgen der jüngsten Unruhen: Abgebranntes Jemenitenviertel in Tel-Aviv. 6. Typische Figur.• Ein Jemenite in Jerusalem. r. Jerusalem, 8. Einige Schüler aus der Talmud Thora Mea Shearim. 9• Migdal Dawid ist die gemeinsame Wirtschaftliche Tätigkeit Gleichgesinnter auf kooperativer Basis, auf landwirtschaftlichem oder auf industriellern Gebiet. Eine solche kooperative Fliesenfabrik haben beispielsweise einige Agudisteh in Kfar Ata gegründet. Die politische Lage Ist die Entwicklung Erez Jisroels auf Wirtschaftlichem Gebiet zufriedenstellend, so läßt die politische Lage leider viel zu wünschen übrig. Auch bei einer noch stärkeren Alijah bleibt Erez Jisroel ein von Juden und Arabern bewohntes Land, das sich nur entwickeln kann, wenn beide Völker friedlich miteinander leben. iWenn auch die jüngsten Unruhen von verbrecheriflehen arabischen ' Hetzern hervorgerufen wurden, so beweisen sie doch, wie richtig die alte agudistische Politik ist, mit den Arabern in Frieden leben zu wollen und jede Provokation zu vermeiden. Die Phrasen vom ״Judenstaat“ usw. haben unter den Arabern so viel Zündstoff angehäuft, daß immer wieder — Haschern möge es künftighin verhüten — Explosionen befürchtet werden müssen. Dabei schreitet die Palästina-Regierung gewöhnlich erst im äußersten Notfalle ein, wenn es bereits Tote gibt. Die Jaffaer Unruhen hätten mit Leichtigkeit im Keime erstickt Werden können, wenn die Polizei rechtzeitig eingeschritten wäre. Der Jischuw sieht bangen Herzens der künftigen Einstellung der Mandatarmacht zum Palästina-Problem und zur Balfour-Deklaration entgegen. Der Begeisterung gewisser Kreise über die Schaffung eines ״Juden- Staates“ unter Mithilfe von England ist die Ernüchterung gefolgt. diesen Gründen wird auch die Depression, die momentan im Zusammenhang mit den arabischen Exzessen herrscht,! der palästinensischen Wirtschaft nicht allzu sehr schaden können, wenn die Regierung ihre schon jetzt nicht sehr judenfreundliche Politik nicht noch mehr zugunsten der arabisehen Nationalisten ändert. In den letzten zwei Jahren steht das Wirtschaftsleben Erez Jisroels völlig unter dem Einfluß der d e u tsehen Massenalijah, die, vom Wirtschaftliehen Standpunkt gesehen, gutes'' Menschenmaterial und große Kapitalien ins Land gebracht hat, was in erster Reihe trotz des großen Handelspassivums für die Prosperity ausschlaggebend ist. Mit dem Einströmen ausländischer Kapitalien kann übrigens mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch für die nächsten Jahre gerechnet werden, bis das Wirtschaftsleben des Landes sich soweit entwickelt hat, unabhängig vom ausländischen Kapital in normalen Bahnen zu verlaufen. “ / Die Wirtschaftskrise, die in den letzten Monaten infolge des ab e׳s sin Ischen K r i eg e 8 eingetreten ist, hat ihren Höhepunkt sicherlich bereits überschritten, ist aber noch immer spürbar. Am meisten wirkt sich die Krise in Tel-Aviv aus, wo es letztens sogar eine Anzahl Arbeitsloser gibt. Neueinwanderern muß daher empfohlen werden, sich in den anderen Orten, insbesondere aber auf dem Lande, anzusiedeln. Eine weitere Vergrößerung der Stadt Tel-Aviv, die bereits 150.000 Einwohner zählt, wäre überdies aus gemeinwirtschaftlichen und politischen Gründen unzweckmäßig, weil die Zahl der Stadtbevölkerung in keinem gesunden Verhältnis zur Zahl der Landbevölkerung stehen würde, Die Wirtschaftskrise hat übrigens schon manche Leute veranlaßt, aufs Land zu gehen und sich der Land- Wirtschaft zu widmen, *die von eventuellen wirtschaftlichen Rückschlägen mehr verschont bleibt als die städtischen Berufe, Der wirtschaftliche Aufschwung des Landes kommt am sichtbarsten durch die große Bautätigkeit und das Steigen der .Bodenpreise zum Ausdruck. Ganze Straßenzüge sind in kurzer Zeit neu entstanden, Geschäftige Bankiers und Bodenmakler .tun das ihrige dazu, um das ausländische Kapital ins Land zu bringen: Sie verweisen auf die Katastrophe der deutschen Juden und sehen in jedem Kapitalisten, der sein Kapital nicht in Erez Jisroel investiert, einen blinden Selbstmörder. Ob diese Leute mit ihrem Pessimismus gegenüber der Ent- Wicklung in Europa Recht haben oder nicht, Tatsache ist, daß in Erez Jisroel in Häusern angelegte Kapitalien sich mit ungefähr 10 Prozent verzinsen und daß beispielsweise die Milchwirtschaft einen Ertrag bis zu 80 ' ״ Prozent abwirft. Dabei muß allerdings bemerkt werden, daß auch tausende kleine Kapitalisten, die in die Hände der leider zahlreichen unreellen Vermittler 'geraten sind oder die eigene unglückliche Pläne aufstellten, in Erez Jisroel ihren letzten Groschen verloren haben. Momentan dürfte übrigens ein günstiger Zeitpunkt für Bodenkäufe sein, weil auf dem Bodenmarkt infolge der politischen Lage eine kleine' Baisse einget'reten ist, die sicherlich bald vorüber sein wird.• Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das Land in den letzten Jahren eine Wirtschaftliehe Entwicklung genommen hat, wie sie ihresgleichen sonst, außer in einigen amerikanischen Staaten nirgends zu finden ist. Wenn auch im allgemeinen der Lebensstandard der Bevölkerung gegenüber den europäischen Lebensgewohnheiten bedeutend niedriger ist, so bietet das Land doch vorzügliche Existenzmöglichkeiten für den Kapitalisten wie für den Arbeiter. Der nichtqualifizierte, sogenannte .Schwarzarbeiter, verdient täglich durchschnittlich 30 Piaster (1 Piaster — 27 Groschen), während der qualifizierte Bauarbeiter ungefähr 40 Piaster imi Tag verdient und mit Ueberstunden sogar auf 70 Piaster kommen kann. Das Leben im Lande — mit Ausnahme der Mietzinse — ist billig. Für den Mittelstand ist es bedeutend schwieriger, sich im Lande einzuordnen. Mit dem Kapital, Ndas der Kleinkaufmann in der Regel mitbringt, läßt sich nicht viel anfangen und er muß sehr vorsichtig sein, daß er es nicht in kurzer Zeit verliert. Am besten ist es für ihn — dies gilt gleichermaßen für den Arbeiter — wenn er sich vor seiner Uebersiedlüng ins Heilige Land l a n dr. wirtschaftliche Kenntnisse, wie Müchwirt^ Schaft, Hühnerzucht, Bienenzucht usw., aneignet und sich je nach dem vorhandenem Kapital ein Bodenstück kauft und eine Wirtschaft einrichtet. Eine weitere Möglichkeit Ein friedliches Zusammenleben mit den Arabern ist daher unbedingt notwendig und auch möglich, wenn die Radikalen auf beiden Seiten ausgeschaltet werden. . Allerdings haben die jüngsten Unruhen eine!Stimmung erzeugt, in der für die nächste Zeit ein friedliches Nebeneinander schwer möglich ist. Das Projekt der Mandatarmacht auf Einsetzung eines ״Legislative Council“ ist jedenfalls im gegenwärtigen Zeitpunkt eher geneigt, die Spannung noch zu verschärfen als zu mildern. Die Araberfrage in Erez Jisroel ist eine Judenfrage. Von der religiösen und politischen Einstellung des jüdischen Jischuw hängt die Lösung der Araberfrage׳ ab, Die jüngsten Unruhen ■ U'eber die jüngsten Unruhen hat die ״Jüdische Presse“ bereits ausführlich berichtet. Bemerkt muß werden, daß von jüdischer Seite während dieser Wochen eine lobenswerte Disziplin und Zurückhaitung an den Tag gelegt wurde, ohne die sicherlich noch größere Opfer zu verzeichnen gewesen wären. Bereits in den ersten Tagen hat sich ein Selbstschutz־organisiert, der,an den exponierten Stellen Wache hielt. Unter den Opfern der Unruhen sind leider auch einige junge orthodoxe Juden,, die ihr hoffnungsvolles junges Leben lassen mußten. An Sachschaden dürfte hauptsächlich der Emek gelitten haben, wo viele. Bäume und Felder durch Feuer und Vandalismus zerstört wurden. In jüdischen Kreisen ist man aber überzeugt, daß die Regierung den Schaden gutmachen wird. Die arabischen Orte Hebron, Nablus, Tulkarem, Beisan usw. werden von Juden nicht betreten. Die alljährlich am Kewer von Rabbi Schimon bar Jochai s. Z, 1. in Meron am Lagbeomer in Anwesenheit von vielen tausenden Juden abgehaltene Jahrzeitsfeier, hat heuer nicht stattgefunden. Jüdische Autos, die arabische Gegenden durchfahren, müssen noch immer mit gefährlichen Stein würfen rechnen. Hingegen herrscht in den jüdischen Zentren in Jeruscholajim,' Tel- Aviv, Haifa und in den meisten jüdischen Kolonien vollkommene Sicherheit und die wenigsten Araber trauen sich, diese Orte einzeln zu betreten. Wie lange dieser Zustand dauern wird, ist unabsehbar. Die religiöse Lage In religiöser Beziehung kann nichts besonders Erfrauliches berichtet werden, Die große Einwanderung in den letzten Jahren hat leider orthodoxe Juden nur in ver-

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