Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 17 (8.5.1936)
- Date
- 1936-05-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 3 Nr. IV «JDISCttE PRESS« Kritik und Betrachtung. iiiiiitttiüiiifiitmttritiiiiKtittttiiiittmiittiimfimtHiiifiiiMii Wählen - Qualen Der unerwartete Ausgang der französischen Wahlen weist der französischen Staatspolitik neu נ Bahnen. Für das Judentum als solches ist dies ohne Belang. Unsere französischen Glaubensgenossen sind einerseits so gering an Zahl und ihre bürgerlichen Rechte andererseits so gesichert, daß Sie jeder Ent- Wicklung ruhig entgegensehen können. Die Nachricht jedoch, daß der Jude Leon Blum als Führer der stärksten Partei mit der Kabinettsbi 1 düng betraut Werden oder doch zümindest eine bedeutsame Holle im politischen Leben Frankreichs spielen soll, nimmt das Weltjudentum mit sehr gemiSGhten Gefühlen auf. Es ist nicht bloß die Wehmut darüber, daß ein Mann von solchem Format seine Kräfte und Fähigkeiten nicht dem Judentum zur Verfügung stellt. Es ist weit mehr noch die Befürchtung, daß seine Kritiker i h n, der als Sozialist seiner Partei und als Franzose dem Staate sein Bestes! gibt, dem Judentum, mit dem ihn nur die Geburt verbindet, anlasten werden. Es hat noch kein Jude das geringste Vergehen begangen, ohne seine Gemeinschaft daran mitschuldig zu machen. Und so werden es jetzt die Juden in aller Welt zu hören und spüren bekommen, daß der Jude Löon Blum in Paris das große Wort führt. In Deutschland und Polen und wo immer sonst man die französische Politik nicht genehm findet, werden ״die Juden“ dafür verantwortlich gemacht wenden. Man wird da nicht sozialistische Tendenzen und schon gar nicht französische Interessen ais Leitmotive anerkennen, sondern einzig und altem das Judentum Leon Blums. Darum sehen wir 1m Sieg Leon Blums so etwas Wie einen Pyrrhussieg, im Erfolg dieses Juden eine Gefahr fürdie Weltjudenheit. Der, ,siegreiche Löwe" beimStamme Juda Der Zusammenbruch der abessinischen Armee und des abessinischen Reiches hat für das Judentum insofern Bedeutung, als die Wahrscheinlichkeit besteht, daß durch die Unterwerfung dieses Landes seine jüdischen Einwohner — die Zeit ihrer Geschichte vom Übrigen Judentum abgeschnittenen Falaschas — Zusammenhang mit ihm finden: Weit weniger• wichtig, aber darum nicht minder interessant ist es, daß Kaiser Haile Selassie auf einem englischen Kreuzer Zuflucht gesucht hat und sich auf dem Wege nach Palästina befindet. Trotz seiner Wappeninschrift, die ihn als ״siegreichen Löwen aus dem Stamme Juda" feiert, haben für ihn die E i n w a n d erungsbestimmüngen keine Geltung. Der geschlagene Herrscher benötigt nicht, wie die geschlagenen Juden ein — Zertifikat, um in Palästina Schutz zu erlangen. Er wird hier sogar sicherer sein als jene: Denn er hat bloß einen Krieg verloreh, die Juden aber das Menschenrecht; ihm wird bloß ein Land streitig gemacht, den Juden aber das Land und das Leben dazu. Jüdische Jugend sieht uns an! ■vV■* <4SR ••׳י*.‘ Der Künstler hat sich noch nicht gef unden, der die Elite unserer jüdischen Jugend, die hundert Bachurim, in ihrem Lernen und Leben in der Jeschiwoh — buchstäblich bei Tag und Nacht — in einer würdigen Darstellung zum Ausdruck gebrac ht hätte. Unser heutiges Bild, das eine kleine Gruppenaufnahme nur därstellt, bezweckt nicht me hr, .als in schlichten Worten zum Ausdrucke zu bringen, was der Blick der Bachurim uns zu sagen hat: Brüder! Denkt an uns! , Eine unposante Konferenz der Wiener Judensdiaft Selten wohl ist in den letzten Jahren eine Ver- Sammlung in Wiexi 20 bedeutsam und eindrucksvoll verlaufen, wie die am 3. Mai im großen Marmorsaale des Hotel National. - Man beriet über das Schicksal, über die Zukunft des jüdischen Wien! J Mancher wird vielleicht vermuten, daß die Rede war x/on, der großen ^Offensive des Anti- : semitismus in aller Welt. Keineswegs! Es ging um etwas 'anderes! Es ging um den Feind im Innern, um die «Kälte und das Unverständnis dem jüdischen Volke gegenüber von seiten seiner eignen Söhne, um das Amhoorez- ' tum, diesen allergrößten Feind , des Judentums, überhaupt: um die Rettung der jüdischen Seele! Das äußere Bild war ein glanzvolles, wie wir es nur selten zu sehen bekommen! Einträchtig saßen die Vertreter aller Schichten und aller Parteien des; jüdischen Wien zusammen. Freundschaftlich die geistigen Führer der Orthodoxie mit den berühmten Großrabbinern der Chassidim, der hervorragende Vertreter des Wiener Rabbinats mit den Rabbinern aus fast allen Bezirken. Alle waren erfüllt von einem einzigen Gedanken und einem Wollen: Rettung der jüdischen Zukunft, der׳ jüdischen Jugend, der Thora für unsereZeit! * Der folgende Bericht über die Beratung vermag nur schwach den tiefen Eindruck, man könnte fast sagen, das große Erlebnis wiederzugeben׳: Der Präsident des ״Tiferes Bachurim", Herr S. Schreiber, begrüßte die imposante Versammlung mit vom Herzen kommenden Worten. Er bezeichnet es als bedeutsam, daß sich die Großen und Führer versammelt haben, um der Jugend Gehör zu schenken, um für sie zu arbeiten und mit ihr zu sorgen, für die geistige Zukunft des Judentums. Es war ergreifend, zu hören von der außergewöhnlichen Hingabe und Aufopferung des besten Teiles der jüdischen Jugend, demjenigen, der in den Jeschiwos lernt und dem leider seitens der jüdischen Oeffentüchkeit so wenig Verständnis entgegengebracht wird. Der zweite Redner, Herr Spitzer, brachte, im Namen der lernenden Jugend in erschütternder Weise ihre furchtbare Lage zum Ausdruck. Wenn das jüdische Volk, trotz des Golus und seiner Verfolgung, jüdisch geblieben ist, rein, himmelhoch stehend über allen seinen Feinden, so dankt es dies dem ungeheuren Einfluß des Thoralernens in den' Jeschiwos, Kein jüdischer Mensch kann tatenlos dabeistehen, wenn Jugend und Jüdischkeit in höchster Gefahr sind! Die verantwortlichen geistigen Führer Wiens rufen daher alle jüdischen Kreise, 0 h n e Unterschied der Partii, ZU einer einheitlichen Aktion, zur R e .t t, u n g d e r jüdischen Zukunft! Am Schab b 0 s B a m i d b 0 r wird bei iKrias hathora in «ganz Oesterreich geworben werden für jüdische Erziehüng,;gespendet werden für den jüdischen Rettungsfonds! Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. F euch twang und Bundeskulturrat Hof rat Prof. Dr. Frankfurter hatten ihr Fernbleiben entschuldigt und gaben ihr vollstes Einverständnis und. ihre Sympathie mit der Konferenz;kund. Die ehrwürdigen Herren Rabbiner Fürst und «Babad sprachen über die Bedeutung dieser!Pflanzstätten jüdischen Geistes^ und Lebens; Die Herren Kultusvorsteher Dr. Leo Landau und Dr. Mendel Rosenberg brachten ihre volle Sympathie für die 1Sache zum Ausdruck. Herr Rabbiner ׳ B l e c h sprach von der hohen Verpflichtung des jüdischen Volkes seiner Vergangenheit gegenüber. Es bildete ׳ sich aus den erschienenen Vertretern ein großes Aktionskomitee, welches in den näch- . steh Tagen die Richtlinien für die praktische Arbeit ausarbeiten wird. Zum Schluß fand folgende Resolution einstimmige, begeisterte Annahme: Die versammelten Rabbiner und Vertreter der Wiener Tempel- und Bethausvereine beschließen, die Hilfsaktion ״Rettet die jüdische Jugend!“ zur Unter-; Stützung der thorälernenden Jugend Oesterreichs am Schabbos Parschas Bamidbor, beziehungsweise aim 2. Tag Schwuos,!mit ganzer Kraft zu fördernund zu unterstützen! Presover Raw in Wien Die Agudas-Jisroel-Jugendgruppe Wien n veranstaltete am vergangenen Schabbos zu Ehren des hier weilenden Preäover Raws, Rabbi Mosche Blau, eipe Seuda schlischis, die eine außergewöhnlich stärke ■Beteiligung aufwies. Nach . den stimungsvollen Smiros ergriff der Preäover Raw das Wort zu einer tiefgründigen Droschoh, die alle Zuhörer durch ihre besondere Eindringlichkeit in den Bann schlug und allen Anwesenden noch lange als besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben wird. Herr Rabbiner W, S, Jacobson würdigte sodann in treffenden Worten1 seinen Vorredner, und es war schon lange Nacht, als man den schönen Abend, den auch die Herren Rabbiner Josef Stern, Sered, und Salomon Baumgarten durch ihre Anwesenheit auszeichneten, in gehobener Stimmung durch ein ״Rädel"?um Abschluß brachte. ־ ISrez-Jisvoel-Kommission der Aguda^Jisroej-jqgend- * . gruppe Wiep II. Hachschoroh. Dank der Bemühungen unserer Zentrale ist es uns heuer möglich geworden, zwei Hachschorohstätten zu errichten. In Vöslaü wurde eine Hachsehgroh für Geflügelzucht und Gemüsebau er* öffnet, wo neben der praktischen Arbeit auch theoretischer UfiteffiGM erteilt wird. Die zweite Rächiehttföh öefradet sich ifi Mauer bei Wien, wo bei Gärtnerei uftd Ge* flügeiäucnt gearbeitet wird. Geistige Üaehsehöroti. Anläßlich der Eröffnung der landwirtschaftlichen Hachschoroh wurde auch die geistige Machschoroh äüsgebaut Und umgestaltet. SchabböS-Vormittag findet um %11 Uhr ,ein Tenach-Schiür, geleitet von Herrn Mordechai Bchechter, statt, Schabbös-Nachmittags um 3 Uhr hält R, Jakob Teiteibäum einen Schiur über ״Mizwos hatelujos bo' örez“, Jeden Sonntag, um Yi 9 Uhr abends, findet ein Vortrag mit anschließender Diskussion Statt. Weiters sind die Olim verpflichtet, an einem der allabendlich in der Jugendgrüppe Stattfindenden Schiurim teilzunehmen. —- Sonntag, den 10. d. M., spricht Herr Redakteur David Türkl über ,*Was geht in Erez-Jisroei vor?" Loschon-Hakodesch-Kurs. Wir eröffnen auch Während des Sommers einen LoSchon-Hakodesch-Kurs, der bereits nächste Woche beginnen Wird. Anmeldungen werden in der Erez-Jisroel-Zentrale, II., Im Werd 6, entgegengenommen. . ־־ Schülerfest der Talmud-Thora-Schule. Sonntag; den 10. Mai — Lag b’Omer — findet um 10 Uhr vormittags im Bayrischen Hof, Wien, II., das Schülerfest der Wiener Talmud-Thora-Schule zugunsten ihrer Schulausspeisung statt. Restliche Karten in der Kanzlei der Schule, II., Malzgasse 16 (Tel. A-47-6-43) und an der Kasse. ״Mekor Chajim“, Wien, II., Große Schiffgasse 1 Schabbos, 11 Uhr vormittags: Rabbiner Salomon Baumgarten: Sidrohvortrag. Sonntag, drei Viertel 7 Uhr früh: Herr A. Feigelstock: Mögen Awrohom. Sonntag bis ■Donnerstag: Täglich ein Viertel 8 Uhr abends: Schiurim. Montag bis Fr e itag: Täglich 6 Uhr früh: Gemoroh Schiur unter Leitung dfes Herrn A. Feigelstock. — Gäste herzlichst willkommen! ׳ Agudas-Jisroel-Mädchengruppe Wien Herr Sekretär, Moritz Spitzer, spricht , über ״Rabbi Akiba und seine Zeit" Schabbos Parschas Emor um 1/oll Uhr vormittags in der ״Wienea". TSCHECHOSLOWAKEI« Rabbiner W. S. Jacobson in Bratislava Auf der Durchreise nach Krakau zu der dort abgehaltenen Pädagogen-Konferenz von Beth Jakob, ist Herr ■Rabbiner W. S, Jacobson, Direktor der Keren-Hathora- und Beth-Jakob-Zentrale, auf, Einladung der Agudas-Jisroel-Jugendorganisation in Bratislava abgestiegen, um mit den zuständigen Faktoren über die Reorganisierung des Keren-Hathora-Fonds. Rück־ spräche zu halten. Nebst vielen wertvollen Anregungen wurde beschlossen, den langgehegten Wuns9h ■vieler Freunde und Förderer der Beth־Jakob-Bewegüng, dem wfr wiederholt •ganze Spalten widmeten, alle Be t,h-, J a ko tj- Schulen ,in der Tschechoslowakei zu zen?-־ tr allster en und diese von einer Stelle au's zu 1 ei t en, zu verwirklichen. Ein zu schaffendös Komitee wird in den nächsten Tägen mit den Vorhereitüngsarheiten für die Errichtung der Zentralstelle beginnen. Ferner wurde beschlossen, für das Gelingen der De xitschländer-Schenire r - S t i f t u n g die Vor arbeiten zu treffen, damit die tschechoslowakische Agudas Jisroel in gebührender Weise die Verdienste dieser .. beiden, leider allzufrüh heimgegangenen ״Eltern ' def Jugend" würdigt. ■! Die Anwesenheit des Herrn Rabbiners Jacobson veranlaßte die Leitung der Agudas-Jisroel-Jugendgrüppe Bratislava, ihn zu ersuchen, in ihrem Kreise einen Vortrag zu halten. Bereitwilligst ist Herr Rabbiner W. S. Jacobson diesem Wunsch nachgekommen. Nach dem Maariw-Gebet füllte sich der geräumige Saal der Jugendgruppe, um den begeisternden Worten dieses hier nicht unbekannten Redners zu lauschen. Herr M. Weiß, Präses der Jugendgruppe, begrüßte den Gast aufs herzlichste, worauf dieser in einer einstündigen Rede den Weg der thoratreuen Judenheit in dieser Zeit der Wirrnisse in geistreichen Thoraworten schilderte. Länganhaltender Applaus äußerte den Dank der zahlreichen Zuhörer. Ferienheim der Agudas-Jisroel- , Jugendorganisation Der vorjährige Erfolg der Abteilung Soziale Fürsorge der Agüdas-Jisroel-Jugendorganisatign in, der Slowakei und P. K. R. י-״י bekanntlich ist es gelungen, fünfzig erholungsbedürftige Kinder gegen verhältnismäßig geringes Entgelt in einem Kurorte in der Tatra unterzubringen — veranlaßt diese, auch heuer im Einvernehmen mit dem Ferienheim-Fürsorgeämt ein F e r i e nheim f <ü r K i b d e r in einem gutgelegenen Orte, in 4er Tatra zu errichten. Die, nötigen Vorbereitungsarbeiten sind bereits im Gauge und dürfteu schon iu deu nächstem. Tagen zum Abschluß kommen. Im Gegensatz zum , vorigen Jahre wird heuer geplant,, da« Ferienheim für zwei Monate — Juli und ‘August •— zu errichten,. so daß mehr Kindern Gelegenheit geboten •werde,, die Sommer? ferien in echt jüdischer Atmosphäre unter bewährter