Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 14 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 14 USftBgUt: PRESSE S6K8B Die Debatte über den Legislative Council Die Sitzung ,des e n g 11 ä 0 h e fC U n t e r Ha u § e S am 24. Märü? tbehda war׳ fäät ganz der Eröffnung״ Öeä planes der Regierung, in Palästina einen Gesetz gebenden Rat (Legislative Council) 2u schaffen, gewidmet. Aehnlich wie vor einigen Wochen im Ober-» haus, richteten diesmal im Unterhaus eine Reihe staats•* männischer Persönlichkeiten, Vertreter aller drei Par•* teien, unter ihnen der konservative Führer Winston Churchill, der Führer der liberalen Opposition, Sir Archibald Sinclair, und das einflußreiche Mitglied der Laböur Party, Josiah Wedgwood, sehr ernste Warnungen an die Regierung und ersuchten diese, sich ln dieser für Palästina, und besonders für das Nationalheim des jüdischen Volkes schicksalhafte Bedeutung tragenden Frage nicht zu beeilen und den ganzen Plan noch einmal gründlich zu überdenken. Kolonienminister J. H. Thomas erwiderte: ״Wenn man mich fragt, ob das mit der Balfour« Deklaration gegebene Versprechen gerechtfertigt sei, ob die Juden in Palästina sich bewähren, gute Bürger seien und ob ihnen weitere Ermutigung Und Hilfe zur Erhaltung ihres Nationalheims zuteil werden solle, so sage ich ohne Zögern: J a! Wenn ich die ergreifenden Worte meines Freundes Wedgwood höre, der die Hölle der Schrecknisse schildert, in der die Judenheit heute lebt, so ist meine ganze Sympathle^ bei ihr. Keine Worte können stark genug sein, um die Verfolgungspolitik zu verurteilen, deren Objekt das jüdische Volk heute ist.“ Zur Sache selbst schien der Kolonienminister auch diesmal keine andere Haltung einnehmen zu können, als den High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, der sich in dieser Frage bereits sehr weit vorgewagt hat, zu decken. Er hielt sich davon zurück, den Abgeordneten die von ihnen verlangte Zusage, den Plan noch einmal zu überdenken, zu geben. * Dieser Unterhausdebatte widmen die ״Times" einen Leitartikel, der um so mehr Aufsehen erregt, als es sehr selten vorkommt, daß diese größte Zeitung, die man das ״Gewissen des englischen Volkes" nennt, zu bestehenden Plänen der Regierung eine so entschieden Oppositionelle Stellung einnimmt, wie sie sie in der Frage des Legislative Council jetzt einnimmt. ״Times“ stellen ausdrücklich fest! daß die hihsicht•* lieh des Planes der Regierung* in Palästina einen Legis« lative Gönnen zu schaffen, gehegten Befürchtungen durch die Ausführungen des Ministers Themas im Unter« haus durchausunicht zerstreut wurden. Mr. Thomas habe dem, was die Sprecher der Regierung vor einigen Wochen gegenüber den im, Höuse of Lords ausgesproebenen schweren Bede n k e n vorbrachten, nichts hinzufügen können. * Der High Commissioner an die arabischen Parteien Die Antwort des High Commissioner auf das arabische Memorandum über den Legis« lative Council ist Vom Chefsekretär der Palästina« Regierung den Führern der arabischen Parteien zugestellt Worden. In der Erklärung wird auf die einzelnen Vor« Stellungen eingegangen, darunter auch auf die in Bezug auf die Einwa.nderungsordnung erhobenen. Es heißt darin wörtlich: ״Es wurde gesagt, daß die Befugnisse des Council dadurch zu beschränkt seien, daß er nicht ermächtigt sei, sich mit der Einwanderungsfrage zu beschäftigen. Diesbezüglich, ist Seine Exzellenz überzeugt, daß Sie einsehen werden, daß es mit Rücksicht auf das Erfordernis der Zustimmung des High Commissioner zu jedem vom Council angenommenen Gesetz Zeitverschwendung für den Council wäre, wenn gesetzgeberische Maßnahmen solcher Art vorgeschlagen würden, daß Seine Exzellenz genötigt wäre, seine Zustimmung zu versagen, auch wenn das Gesetz angenommen Wird. Bezüglich der Frage der jüdischen Einwanderung habe ich zu sagen, daß der Council, wie dies in der Erklärung Seiner Exzellenz an die arabischen Führer auseinandergesetzt ist, die volle Möglichkeit haben wird, über die jüdische Einwanderung zu debattieren unter der Voraussetzung der in der Erklärung des High Commissioner und in meinem Briefe an Dschemal Effendi Husseini vom 29. Jänner dargelegten Qualifikationen und im Bewußtsein, daß die Festsetzung der Arb eti׳te r ei n wan dieru ngs qu o t e wie bisher dem High Commissioner überlassen sein wird.“ Aus äetuloudeAet Veekeifluup Von unserem Korrespondenten Vor dem Obersten Gerichtshof in Jerusafem fand diese Woche die Verhandlung über die Berufung von Jizchak C h a n k i n statt. Jizchak Chankin, der Hüter der Siedlung ״Tiwon“, hat bei der Abwehr eines arabischen Ueberfalls auf diese Siedlung einen Araber erschossen und wurde deshalb vom Haifaer Kreisgericht zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Dieses harte Urteil gegen Chankin, der ja gewissermaßen in Erfüllung seiner Pflicht und in Notwehr gehandelt hat, hat eine starke Erregung im Jischuw hervorgerufen, doch tröstete man sich damit, daß die höheren Instanzen das .Urteil aufheben werden. Um so größer war nun die Ueberraschung und Erbitterung, als der Oberste Gerichtshof das Urteil voll und ganz bestätigte und Chankin jetzt . für die Erfüllung א seiner Pflicht zehn Jahre im Kerker wird schmachten müssen. Die Palästina-Regierung hat jetzt ein neues Pressegesetz veröffentlicht,. in welchem scharfe Maßnahmen gegen die Veröffentlichung von Hetzartiken vorgesehen sind. So ermächtigt das neue Gesetz den Öberkommissär, eine Zeitung sofort zu verbieten, falls sie einen Artikel veröffentlicht, der geeignet ist, Unruhe unter die Bevölkerung zu tragen. In Petach-Tikwali wird jetzt eine neue Tele phonzentrale gebaut, die mit den modernsten Apparaten versehen sein wird. Die Sprechgebühren werden dadurch derart verbilligt, daß ein Gespräch Petach- Tikwah—Tel-Aviv nicht höher sein wird als ein Gespräch in der Stadt Tel-Aviv selbst. Die arabische Arbeiterorganisation in Jaffa hat einen Aufruf an alle Araber, die Juden beschuftigen, ergehen lassen, in dem sie dieselben auffordert, binnen drei Tagen sämtliche Juden zu entlassen, da sie sonst zu anderen Mitteln greifen werde. Wie die, arabische Zeitung ״A Liwa a“ meldet, hat die ^palästinensische Regierung vor kurzem die S 3 arabischen Scheichs des Kreises Beer Saba vorgeladen und ihnen verschiedene Unter Stützung sbei träge für das Jahr 1935 ausbezahlt. Bei dieser Gelegenheit wurde mit ihnen wegen ihrer Teilnahme an dem *,Legislative Council“ verhandelt und mit ihnen auch der Wahlmodus besprochen. Die Scheichs erklärten sich mit den Vorschlägen der Regierung einverstanden. In der letzten Sitzung der Landesleitung der Poaie Agudas Jisroel wurde der berühmte Führer der deutschen Orthodoxie, Dr. Isaak Breuer, einstimmig zum!Präsidenten der Poaie Agudas Jisroel gewählt. Eine Gruppe amerikanischer Finanzleute wollte in Tel-Aviv eine Untergrundbahn bauen, die Tel-Aviv mit Petach-Tikwah. verbinden sollte, doch hat die Palästina-Regierung dieses Projekt als verfrüht vorläufig zurückgewiesen. Der Terror der Histadrüth wird immer ärger. So wurde ein jemenitischer Arbeiter namens Salomon Lewy von drei Mitgliedern der Histadrüth schwer verprügelt, weil er es gewagt hat, eine Arbeit auf zunehmen, ohne vorher der Histadrüth beizutreten. In einem Gespräch mit einem Zeitungskorrespondenten erklärte der neue‘ O'b’e'rrabbiner von Tel- Aviv, Amiel, er sehe seine Hauptaufgabe darin, die Einheit unter den verschiedenen religiösen Parteien herzustellen. Der Misrachi muß zugeben, daß die Agudas Jisroel in Erez-Jisroel sehr viel für den Aufbau des Landes leistet. In Tel -Aviv wurde durch eineii Zufall ein Kornmunistennest ausgehoben, ,Es wurden verschiedene kommunistische Zeitungen und Flugschriften gefunden, darunter auch ein Aufruf. an die Araber, gegen die jüdische Einwanderung zu kämpfen. Interessant ist die Feststellung der Polizei,, daß sämtliche Verhaftete auf Grund von Zertifikaten der Zionistischen Organisation in Polen in den ietzten drei Jahren eingewandert sind, und daß drei von ihnen Mitglieder der Histadrüth sind. In .der Jahresversammlung des I n d u s t r i e 11 e nverbandes, Ortsgruppe Haifa, wurde darüber Beschwerde geführt, daß die Palästina-Regierung die Ansuchen der Industriellen um Zertifikate für Werkleiter und qualifizierte Arbeiter in nicht genügendem Mäße berücksichtigt, wodurch viele Betriebe in ihrer Entfaltung stark beeinträchtigt sind.'So wurden im letzten Jahre vor 174 Ansuchen nur 84 bewilligt. , Haifa zählte im Dezember 1935 151 Industriebetriebe gegen,90 in der gleichen Zeit des Jahres 1934. __;_;_ J. S. Im wetterwendischen April ist der menschliche Organismus stets besonderen ״Kraftproben“ ausgesetzt: bald regnet’s, bald ist’s arm und die feuchte Aprilluft steckt voller Erkältungsbazillen! Seien ׳Sie im April doppelt vorsichtig! Verabsäumen Sie es nie, Ihrem Spülwasser ein paar Tropfen von Alpa-Franzbranntwein zuzusetzen: das desinfiziert die Mundhöhle, schützt vor Ansteckung und regelmäßige Einreibungen mit Alpa machen den Körper kräftig und Widerstandsfähig! Alpa wird aus reinem Weingeist erzeugt! D I e Österreichische Molkerei Union Gegründet 1885 פםדו• milch S.&G.PISK Telephon A42״*Q«58 Wien XX, Nordwestbahnstraße 71 noD-BUTTER bringt während des ganzen Jahres und speziell für Pessach פסח unter Aufsicht des ehr־־ würdigen Rabbinats der Adas Jisroel (Schiffschul) garantiert verläßliche Koschermilch פשר unter Anwendung aller rituellen Vorschriften seit vielen Jahren in sämtlichen Bezirken Wiens in geschlossenen Kannen und Flaschen zum Verkauf, Jedes Gefäß ist mit der Marke (Plombe) der Adas Jisroel (Schiffschul) versehen. Wenn daher die Kunden auf verläßliche, einwandfreie Koschermilch כשר reflektieren, empfehlen wir unsere Bezugsquellen, in welchen diese unsere Milch zum Ausschank gelangt. א wociie ZII Wo die in einer Kundgebung d<ht Sr.it i$h Fascis t Union in der Londoner Albert Mall %ibtt der FÜniet der Union, Sir Oswald Mo st egt* eine antisemitisehe & randrede. ׳. ln der letzten Zeit ist eine starke Be lebt(hg auf dem Gebiete des Bodenhandets in P atäsiina zu verzeichnen. Viele Araber beeilen sich, feile ihres Bodens Zu verkaufen, weil sie fürchten, daß naöh inkrafttreten der angekündigten Bode n.v erkauf sbe~ Schränkungen ihnen der Verkauf verwehrt sein wird. Zwischen der Palästina-ReglerUhg und den Führern der fünf arabischen Parteien werden seit einigen Tagen Verhandlungen geführt, über die der Schleier des Geheimnisses gebreitet wird. Man glaubt, daß es dabei um wichtigste Palästina-Probleme wie Legislative Council, jüdische Einwanderung und Bodenverkaufsverbot geht. ln einer Verordnung der Reichsregierung wird in Bezug auf Dienstpflichtige . nicht« arischer Abstammung ausdrücklich bemerkt, daß die Verordnung über die Zulassung von Nichtariern zum aktiven Wehrdienst vom 25. Juli 1935 gelte. Danach wird die Musterung selbst ohne Rücksicht auf die Rassenzugehörigkeit durchgeführt. Entsprechend den Bestimmungen des Wehrgesetzes und den dazu ergangenen Ausführungsverordnungen werden die Nichtarier ausnähmslos der Ersatzreserve 11 übeiwiesen, Der Hochkommissär des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, General Sir Neil Malcolm ist in Palästinaeinge troffen. Im rumänischen Senat hielt der frühere Ministerpräsident Jo r g a eine scharfe Rede gegen die ungerechte B eh an dl un g der Juden. Prof. Jorga verlangte, daß der Grundsatz des gleichen Rechtes für alle Bürger in der'Praxis Ausdruck findet. Der Luxe mb 1er ger T iers chutzv erband hat erklärt, er finde keinem Anlaß, für die Forderung, nach Erlaß eines S c h ä c ht v e r b o t s einzutreten. Der Militärkommandant des Kreises Poneveziai in Litauen, bestra ft e sieben Personen wegen Verbreitung des Gerüchtes, daß die Juden einen Christliehen Knaben g esto hlen ־haben,, um ihn zu־ rituellen Zwecken zu schlachten, zu je sieben Monaten Gefängnis und je 50 Lit Geldstrafe. Gleichzeitig teilte der Kommandant in einer öffentlichen Kundgebung mit, daß der verschwunden geglaubte Knabe ü 11 v er se hrt in sein Elternhaus zurückgekehrt ist. . Der litauische Staatspräsident ernannte den jüdischen Offizier Dr. J. S eg al zum Chef des gesamten- Gasschutzes der litauischen Armee. Eine nach T ulk arem. entsandte Sonderpolizeiabteilüng hat einen gewissen Mohammed Cu mb er unter der Beschuldigung} an der Ermordung des jüdischen Kolonisten Abraham Goluthman teilgenommen zu haben, verhaftet. Cumber legte bereits ein Ges t ä ndni 8. ab- und, nannte einige Komplicen, die gleichfalls, verhaftet werden konnten. . In Rischon le Zion soil demnächst mit der Errichtung des Museums zum. Andenken an Baron Edmond de Rothschild begonnen werden• ’־ Vom Einwanderungsdepartement, der Regierung wird offiziell mit geteilt, daß im. Monat Februar 1936 nach P dl äst ina 2353 Juden als Einwanderer gekommen sind. Von diesen gehörten 293 der. Kapitalistenklasse mit einem Minim alkapi.tai von jd 1 0 0 0 Pfund an. . - ... Die Palästina-Re gierung hat einen Betrag von zwei-MilliönenPfund für öffen.tliehe Arbeit en für das Rechnungsjahr 1936/37 bewilligt. Aus dieser Summe sollen auch die Kosten des Ausbaues der Chaussee H aif a-J af f a bestritten werden. % Es wird mitgeteilt, daß zur Eröffnung. der •Levante-Messe in Tel-Aviv Senator Justin Go dar t als Vertreter der Pariser Handelshammer und des Internationalen Komitees der Handelskonsulenten kommen wird. . ■ . . ■׳ > ׳ : V Im Wars ch aue r jü di'sc h'e n H o's pi t a l verstarb der 40 jährige Schneider Zise} Mandel bäum an. den Folgen der Wunden, die er beim Pogrom in P r z y t i k erhalten hat. Er hinterläßt eine Frau und zwei kleine Kinder. . י Das Schwurgericht in Braunschweig hat den 28jährigen Wilhelm Sievers wegen Er mordun g des jiidis chen Kau f manne s Ziprkowski zum Tode verurteilt. Aus der großen Anleihe, die die Stadt Tel- Avivt bei der ,PrUdevifial Insurance Company auf genommen hat, wurden bereits 425.000 Pfund der Stadtverwaltung übergeben. Der Restbetrag soll später außgezählt werden. Das t s che ch o slo waki s'ch e S chulmini-' st e ri u m hat der Stadt Prag mitgeteilt, daß es, ihr die von dem Bildhauer Bilek geschaffene Bronze- %statue des Moses unter der Voraussetzung widmet, daß sie in dem Park bei der Alt-Neu-Synagoge auf gestellt wird und daß die Stadt Prag alle damit verbundenen Kosten trägt. Bilek hat sein Autorrecht dem Schulminh sterium übertragen. •־‘י ,; Im Alter von 65 Jahren verstarb in Bologna der Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde und ehemalige Rektor der Ingenieurschule von Bologna Prof. Dr. Attilio Muggia. . , t In nächster Zeit wird mit dem Ausbau einer Hochspannungsleitung von Tiberias nach ' S a f e d begonnen. Durch diese Leitung wird die Stadt Safed und das ganze obergäliläische Gebiet mit elektrischem Strom versorgt werden. % Der Architekt GuAdo Zewi, Mitglied! des Rates der Jüdis ch en Gemeinde zu Rom, der eine Reihe der bedeutendsten öffentlichen Gebäude* Roms entworfen hat, wurde zum Größoffizier des Ordens der itälienisehen Krone ernannt. Auf der Zweijahres-Convention der United Synagogue hielt der Innenminister' der amerikanischen Regierung eine Ansprache, in der er Klage darüber' führte, daß ״wir Amerikaner, anstatt die Blicke auf das v erheiß ehe L and gerichtet zu halten, diesem den Rücken gekehrt und den Rückmarsch zu Aegypten und zu den Pharaos angetreten habenu. ׳ H. Grün, IL, Taborstraße 8 b, Telephon R-42'3׳«Ö6, Atelier für feine Herrengarderobe. E »'S