Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 14 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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§m 4 fftlSSl Nf. 14 Öbemt i. fo bh hitdrith Kit! Pfäti Php* Vöfbemefküfig de? Redaktion! Wif glauben» mit dein Autor konform zu gehen, wenn wir betonen, daß sieh die Ausführungen dieses Artikels selbstverständlich. nicht aut jene Bestrebungen beziehen, welche die orthodoae Jüdenheit da und dort — im Interesse den Erhaltung der Gläubigkeit — zur Erlangung und Festigung ihrer* Selbständigkeit an den Tag legt. Mit dieser Einschränkung, die uns zur Auf* ' klärung mancher Redewendungen in dem nachfolgenden Artikel notwendig erschien, weil sie sonst auch mißverständlich hätten aufgefaßt werden können, kann man sich mit den Ausführungen des gesch. Autors im allgemeinen einverstanden erklären. Feiertage Sind Tage der Besinnung .., Feiern hat einen doppelten Sinn, einmal kann es bedeuten, daß man die Tage feiern, und ein zweites Mal, daß man an ihnen feiern soll. Die 2weite Bedeutung ist die wichtigere. Besonders bei uns Juden haben die Feiertage, mit ganz wenigen Ausnahmen (wie Purim), nicht den Charakter lauter, rauschender Festlichkeiten, ja, durch besondere Vorschriften ist eine Feier der Feste im Sinne anderer Völker und Religionsgesellschaften, etwa durch Reisen und Ausflüge, Besuch von öffentlichen Veranstaltungen üsw,., geradezu ausgeschlossen. Um so mehr wird die Feier im zweiten Sinne, im Sinne der Ruhe und Besinnung, zum Ausdruck gebracht. Besinnung, unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, bedeutet Rückblick und Vorschau. Rückblick auf den geschichtlichen Ursprung und Vorschau auf die ihögliehe Zukunft der Gemeinschaft. Bei dem Feste, vor dessen Feier wir stehen, ist ersterer verkörpert in der Erinnerung an die Erlösung aus dem Lande der Knechtschaf t; letztere durch den Spruch, der da ge* sagt wird: ,,Uebers Jahr in Jerusalem". Vor lästigen Verfärbungen schützt ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen I Kleine Tube S —90.־ Größe Tube S 1.40 Gedankensplitter zur Hagada Nach Worten von Oberrabbiner S. Fürst wiedergegeben von Jizchok Tuschkau. הא לחטא• Echtes Wohltun und wahre Brüderlichkeit den Armen und Bedürftigen gegenüber, ist eine so gewaltige Pflichttat, daß die endliche Erlösung Israels davon abhängt, So spricht der Herr: ״Hütet das Recht, übet Z’dokoh, dann ist, meine Hilfe nah zu kommen, und meine Z’dokoh, damit sie sich offenbare." (Jesajah 56, 1.) Nicht an der Türe sollen wir den armen Bruder abfertigen, wir müssen ihn an unserem Tisch teilnehmen lassen, ihn zu unseren Festen rufen. ״ בל דכפין ייתי ויכולJeder Hungrige komme und esse, jeder Bedürftige teile unsere Pessach- •feier!" ,Mit diesen Worten leiten wir das Fest unserer Befreiung ein. S 0 sollen wir handeln, dann erst dürfen wir hoffen, daß sich der Wunsch erfülle: השתא עברין לשנה הבאה בני חורין daß Armut und Elend aufhören und wir in freiem Lande als Freie weilen werden! * Beim Auszuge aus Mizrajim, als Jisroel sich anschickte, den Weg zum G-ttesberge zu gehen, sprach Moses zum Volke (H. B. 13, Vers 8 und 9) והגדה לבנך ביום ההוא בעבור זה עשה ה׳ לי בצאתי ממצרים והיה לאות על ידך ״Erzähle deinem Kinde an jenem Tage der Mizwoh-Aus- Übung: Um eben dieser Mizwoh-Erfiillung führte mich G-tt aus Mizrajim. Dies sei zum Zeichen an deiner Hand."«Weiter (Vers 14) heißt es: ״Wenn dein Sohn dich einst fragen wird: ״ והיה בי ישאלך בנך מחר לאמורWas be* deutet dies?" dann antworte: ״Mit starker Hand hat,uns der Ewige aus Mizrajim aus dem Sklavenhause geführt“, ״ והיה לאות על ירכהdies sei zum Zeichen an deiner Hand!" Die veränderte Schreibweise ירבה — im Gegensatz •zu ידך im Vers 9 — deutet auf die Vorschrift, die Tefilin an die linke, an die schwächere Hand — יך בה ירכה zu legen. Eine eindringliche Lehre für jüdische Eltern bergen diese Verse. Erziehe dein Kind, so sagen sie, solange es für alles Gute und Wahre empfänglich ist. Beginne schon in frühester Jugend damit; אח פחה לו dann wird die Liebe zur Thora und zu den Mizwos in des Kindes Herzen Wurzel fassen und es wird nie durch Zweifel wankend werden. Wartest du aber mit der Erziehung, bis des Kindes Herz von Fragen durchgewühlt, von Zweifeln gespalten wird, wenn es מחר wenn es spät geworden ist und du es erst d,ann erziehst, dann hast du deine Pflicht versäumt! Schwach ist deine Hand gewesen יד כה• Es ist ein Zeichen, daß deine Hand lässig gewesen ist!. . 'S•• Wie seltsam, daß siöh'f beide Gedanken in unseren Tagen zu einer unheimlichenVAkualität gesteigert haben. Viele Tausende von Glaubensgenossen sehnen sich nach Erlösung aus einem neuen Lände der Knechtschaft, und ihr Blick ist auf das Land gerichtet, das ihnen von allen am ehesten diese Befreiung bringen kann, auf das alte ״gelobte Land", Palästina. .. In solchen Zeiten, da ein Teil unserer über die ganze Erde verbreiteten Gemeinschaft von einer Kata* Strophe seltenen Ausmaßes heimgesucht wird, empfinden alle dieses Leid wie ein Mann, und, wo immer Juden wohnen, erbeben ihre Herzen, im gemeinsamen Takt, um den gemeinsamen Schmerz. Matt sollte glauben, so etwas könne nur kommen aus einer besonderen Gemeinsamkei t der Seelen, aus einer Schicksalsmäßigen Einheitlichk eit, die auch sonst ihren Ausdruck finden müßte. Aber, weit gefehlt! Wie das zu erklären ist, es ist fürwahr ein Rätsel, aber Tatsache ist, daß dieselbe Gemeinschaft, deren Herzen dem Leid fremder, weit entfemter Brüder so liebreich offenstehen, daß diese selbe Gemeinschaft die schrecklichsten Zwistigkeiten zwischen einander sonst nahestehenden Gliedern auf weist, wenn persönlicher Haß und engstirnige Umduldsamkeit die Reihen der engeren Glaubensgenossen entzweien. Wie ist das zu verstehen? Der Jude in Amerika zittert vor Aufregung, wenn er nur hört, daß andere Juden in einem anderen Land Unrecht erleiden, in England tun sich die ganz assimilierten und kaum mehr von der Umgebung unterscheidbaren Juden zusammen und beraten über die Möglichkeit, wie den Verfolgten in fremdem Land wirksam geholfen werden könnte. ״Und in irgendeinem Ort, wo Juden unangefeindet zusammen wohnen und ihr Leben ungestört zu ׳schöner; harmonischer Gemeinschaft und Zusammenarbeit gestalten könnten, da tritt Jude gegen Jude in Haß und Zwiespältigkeit auf, in einer Weise, die — von Außenstehen־ den geübt —■ als ärgster ״Antisemitismus“ verschrien würde. Tut da nicht Besinnung bitter not, ist da nicht Rückblick und Vorschau, wenn irgendwo überhaupt, dringend am Platze? Sollen die Propheten umsonst gelebt, die Weisen und Kinder ihre schönen Lehren in den Wind geredet haben? Ich maße mir nicht ■an, die Rolle eines Propheten spielen zu wollen. Was ich da Vorbringen könnte, cs ist schon ,besser und wirksamer־ gesagt und verkündet ,worden. Wahrlich, es ist zum,Staunen, wie ״modern“ manch Aussprüche unserer Propheten heute anmuten. Wenn Jesaja eine Zeit des ewigen Friedens herbeisehnt und voraussieht, wo der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Zicklein lagern wird, hat er da nicht Wünsche und Hoffnungen ausgesprochen, die im gegenwärtigen Augenblick zeitgemäßer sind als je? Und ist es da nicht um so bedauernswerter, wenn in unseren Kultusgemeinden die Lämmer selbst untereinander nicht Frioden halten können? Es ist eine ganz verfehlte An- Wegen det Pessach* Feiertage endieint die nächke Nummer der ,/Jüdischen P t e s s e/y erst am 24. April d,J. schauung, daß Frieden unter den Völkern möglich ist, solange die friedliche Gesinnung nicht im engeren Kreise herrscht. Nicht von außenher kann der Weltfrieden kommen und keine Institutionen der Welt können ihn bereiten und schaffen. Nein, von innen heraus, aus der friedliebenden Gesinnung der Völker unter sich, kann jene Blüte zur Reife kommen, die Uns dereinst die Frucht des wahren Friedens bringt. Aber sie muß vorbereitet werden. Der Boden muß beackert werden, damit er diese Frucht zur Reife bringen kann. In der Schule schon muß es gelehrt, schon dem Kinde muß es beigebracht werden, daß ein menschenwürdiges Dasein und Zusammenleben nur in Fr ieden und Eintracht möglich ist und gedeihen kann. Und, sollte in unserer Volksseele noch etwas von jener Hartnäckigkeit enthalten sein, über die sich schon Moses auf der Wüstenwanderung beklagte, dann wird, es durch eine derartige systematische Schulung zu Friedfertigkeit und Duldsamkeit wohl möglich sein, auch diese böse Anlage noch zum Guten zu wenden. Nur vom Kleinen zum immer Größeren geht der Weg. Wer Frieden hält in der Familie, wird in der Kehilla Zufriedenheit finden und erwecken, und nur wer in der Gemeinde Frieden hält, hat ein Recht, auf den Frieden in der Welt im großen zu hoffen. Religiöse Momente dürfen da nicht als Ausreden gebraucht werden. Das ist nicht wahre Religiosität, die sich *nur wohlfühlt im Kampfe gegen die religiöse Betätigung anderer. Denn nur Sittlichkeit ist die wahre Grundlage jeder Religiosität, und unsittlich handelt, wer die Gemeinschaft der Glaubensgenossen seiner engeren Heimat zu stören sucht und in Gefahr bringt, unter dem Vorwände, für seine spezielle Art von Glaubensanschauung zu Felde zu ziehen. *. Wir sind am Vorabend des Pessachfestes, und Millionen Juden in aller Welt rüsten sich, das Fest auf ihre Art zu begehen. Mühselige und Beladene sind darunter, solche," die Schmerz erfahren“ haben und von der Weihe des Festes Erhebung und Aufrichtung erwarten, und wiedarum solche, die wahrhaft noch im Lande der Knechtschaft schmachten und mit doppelter Inbrunst die Lippen zum Wunsche formen: ״Uebers Jahr in Jeruscholajim". Denket aller als eürer Brüder, ob sie nun gelernt haben, ihre sittlichen oder religiösen Ueberzeugungen in dieser oder in jener Weise zum Ausdruck zu bringen! Seid mild und duldsam; nur so könnt ihr hoffen, daß der Feiertag sich wirklich zum Fest gestaltet und daß ihr das Fe3t mit ehrlichem, reinem Herzen feiern könnt! Entwicklung der palästinensischen Industrie Neben der Landwirtschaft, deren Entwicklung als Barometer für die Entwicklung des Jischuw im Heiligen Lande angesehen werden kaqn, ist es die Industrie, von deren Auf- und Ausbau die .wirtschaftliche Zukunft von Erez Jisroel ausschlaggebend beeinflußt wird. Um so erfreulicher ist der nachfolgende Bericht unseres I.-S!־R.- Korrespondenten, der nach der durchgemachten Krise günstige Perspektiven für die weitere Entwicklung des Landes, eröffnet. Die Industrie Palästinas macht in der letzten Zeit trotz der Krise große Fortschritte. Die meisten Fabriken haben nicht nur ihren Betrieb nicht eingeschränkt, sondern noch .um vieles vergrößert. Ein bedeutendes Industriezentrum ist bereits heute Ramat- Gan.. Die vier größten Fabriken von Ramat-Gan, und zwar ״Asis“, ״Brüder Jerusalmi“, ״Alijit“ und ״Metalum", haben große Aufträge aus dem Auslande erhalten und beginnen sich auch auf den Export einzustellen. Insbesondere ״A s i s" hat bereits Aufträge aus allen fünf Weltteilen erhalten. Besonders interessant ist, daß auch die erst in den letzten Monaten, also schon während der Krise, eröffneten ־ Betriebe einen sehr guten Fortgang nehmen. So hat die neue Petroleumkocherfabrik in den ersten vier Monaten ihres Bestandes 20.000 Stück ihrer Erzeugnisse abgesetzt, und sie wird in Kürze den ausländischen Import auf diesem Gebiet ganz verdrängt haben. In letzter Zeit wurde auch eine große Zuckerf a b r i k ״H y g i e n i a“ eröffnet, von der man sich sehr viel erhofft. Aber auch in den anderen Städten macht die Industrie zusehends Fortschritte. So hat die Bis k u i tfabrik Frumkin in Jerusalem den palästinensischen Markt fast gänzlich erobert. s!e hat im letzten Jahre in Palästina allein für mehr als 20.000 Pfund Ware abgesetzt. Eine zweite derartige Fabrik hat mit ber berühmten Wiener Fabrik ״Pischinger" ein Abkommen getroffen, wonach sie gemeinsam in Palästina Schokoladen und Pischinger-Torten erzeugen werden. , In Haifa hat sich die Industrie in letzter Zeit stark entwickelt. Täglich kommen neue Fabriken dazu. So sind jetzt zwei neue Fabriken fertiggestellt worden, die auch zur Sommerzeit Haifa mit genügend Eis versehen werden. Weiters hat die G l a s f a b r i k ״P h önezia" bereits begonnen, ihre Erzeugnisse auf den Markt zu bringen. Am deutlichsten jedoch drückt sich der Aufschwung der Industrie in dem gesteigerten* Export aus. So hat beispielsweise Finnland im Jahre 1935 für 25.000 Pfund palästinensische Waren importiert, gegen 8823 Pfund im Jahre 1934, während der Export nach Palästina sich nur von 24.317 Pfund im Jahre 1934 auf 31.000 Pfund im Jahre 1935 vergrößert hat. Leider wird die Industrie von der palästinensischen Regierung nicht genügend gestützt, insbesondere macht sich das Fehlen von Schutzzöllen besonders stark bemerkbar, ganz besonders Japan gegenüber, welches sich diesen Umstand zunutze macht und Palästina zeitweise mit billigen Waren förmlich überschwemmt. Doch auch auf diesem Gebiete sind in der letzten Zeit G-tt sei Dank Erfolge zu verzeichnen. Der Zoll für Seide, Alüminiumgeschirr und elektrische Lampen wurde stark erhöht, was zur Folge hat, daß einige Fabriken, die infolge der japanischen Konkurrenz ihre Betriebe schließen mußten, jetzt wieder mit Volldampf arbeiten. In maßgebenden Kreisen Palästinas wird erwartet, daß die Regierung auf Grund der guten Erfahrungen, die sie bei der letzten Zollerhöhung gemacht hat, heue Schutzzölle einführen wird, was ohne Zweifel zu einem neuen Aufschwung der palästinensischen Industrie führen wird. und dauerhaft Mode Fagons . , , . . , , S 9.80, 12.— Aua feinem Haarfilz , , . . S 16.—, 20.— Nutria, unsere Hutspezialität . . . . S 26.— Borsalino, Antica Casa.S 30.— II, TABORSTRASSE 39 XiV, SECHSHAUSERSTRASSE39 XVII.KALVARIENBERGGASSE34