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Jüdische Presse · 1936-04-03 · 14 (3.4.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
14 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Sei« 9 lüDISCBß PftEISi einem großen» unbekannten, tinbefeciienbafeö und urierfaß* liehen Ghäös. ... ־ In jenes gestaltlose Chaos bringt der menschliche Intellekt . durch den usurpatorischen Akt des Klassifisierens gestalt hinein, indem er eine Identität des Gleich* erscheinenden und eine Kontinuität seiner Eigenschaften voraussetzt. Er tut dies, weil es eine unbedingte Nafcwen* digkeit für jede Art des geistigen Lebens . ist. Unser Lebensdrang treibt uns, Gattungen, Arten, Gruppen und deren Verbundenheit in kontinuierlichen Naturgesetzen zu hypostasieren, einfach, weil wir ohne diese Voraus* Setzung kein geistiges Leben führen könnten. Kehren wir zurück zu jenen fatalistischen Pessimisten, von denen wir eingangs gesprochen haben, Wenn jene den Lebenswillen bestreiten, so haben sie Schon mit jener allgemeinen Konstatierung die ühhältbarkeit dessen,’ was sie behaupten wollen, dargetan. Hätten wir nicht jenen Drang zum Leben, wir würden keine Worte besitzen, Sprache zu bilden, keine Erkenntnisse, Ideen zu formen und Erfahrungen zu sammeln, auf Grund deren wir handein. Die Welt wäre ein zusammenhangsloses Chaos. Jeder sinnvolle Satz, jeder klassifizierende Gedanke, jede planvolle Handlung ist somit ein Beweis für unseren fundamentalen Willen zum Leben, eine Bestätigung unseres positiven Lebensimpulses. Ich hielt diesen kleinen Exkurs in ’die Grundlagen des menschlichen Denkens für angebracht, einmal weil so viele der Unsrigen versucht sind, die wertvollsten Güter des Lebens in Frage zu stellen und unter die Skeptiker zu gehen, die in destruktivem Kritizismus alle .wahren Werte negativieren. Aber ich halte ihn auch deswegen für angebracht, weil er auf spezielle Sphären unseres Lebens, die die Leser dieses Blattes interessieren, ein Licht zu werfen imstande ist. Wir finden in unserer jüdischen orthodoxen Welt eine Zerklüftung in Gruppen, geographisch bedingte Sektionen, die alle ihr verschiedenstes Gepräge tragen, sich gegenseitig :bekritteln und auf einander herabschauen! Der karpathorussische Chassidismus ist von der slowakischen Orthodoxie verschieden, und wird schon diese Distanz empfunden, so wird eine solche um so mehr fühlbar, je mehr wir uns von dort in der Richtung nach We3ten bewegen. Während man in England jüdische Mittel- und Hochschulen einrichtet und so eine jüdische Erziehung auf Grundlage 'sekulärer Bildung erstrebt, anstatt den ungarischen Typ der Talmud-Thoras und Jeschiwos nachzuförmeri, so geschieht dies aus einer Erkenntnis heraus, die uns das Wbrt ״leider“ auf die Lippen zwingt. Und wenn wir uns Rabonim zu Führern erwählen, die in einer an Kompromiß grenzenden Synthese von sekulärer Hochschule und Talmudlehranstalt geschult sind, so wissen wir, daß es!geschieht, weil wir gewissen historischen Bedingtheiten und psychologisch gerechtfertigten Umständen Rechnung tragen müssen. Für den kurzsichtigen Beschauer erscheinen Wege, Mittel und Gepflogenheiten oft so verschieden, ja so gegensätzlich, daß die bange Frage auf taucht: Sind wir — in unseren geographischen Distrikten — Fremde, Ein* same, Isolierte, nur ünserer individuellen Gemeinschaft^, und deren Forderungen und Bedürfnissen lebend; oder gibt es doch eine Welt Orthodoxie, eine einheitliche und gemeinsame, der wir alle angehören und der wir. dienen, alle in verschiedener Weise, aber in einer großen׳ Vertundenheit? Die positive Antwort auf diese Frage ist durch den ersten Exkurs meines Artikels ins Philosophisch-Psychologische angedeutet. Unsere Spaltung und ■Gliederung in Gruppen und Kategorien, unsere Differenzierung und gerade die Ausgesprochenheit dieser Differenzierung und unser Wissen davon sind ein Beweis für unseren Lebe n s willen, ein Beweis für starkes geistiges Leben, ist ein Pulsschlag des Lebens selbst. Diese Ueberzeugung der Verbundenheit der Teile der Weltorthodoxie hat die Agudas Jisroel erkannt und unserem Bewußtsein nahe gebracht. Diese Organisation ist nicht allein Politik, sondern (Klassifizierung der analogen Komponente und dadurch ein unverkennbarer Beweis, '׳.■'־״' daß die jüdische Weltorthodoxie einen tiefen Drang zum Leben besitzt und daher auch alle idealen Werte, י welche Grund und Zweck der Zusammenfassung der Thoratreuen sind. fortwährender schwerer Arbeit bei Lehm und Ziegeln... Und der König von Aegypten befahl, wenn ihr bei einer jüdischen Gebärerin sein werdet, gebt nur acht, ist es ein Knabe, so tötet ihn . ■ Der breite Nil wälzt majestätisch seine blauen Wellen dahin. Ragende, wundervolle Palmen haben hoch oben ihre stolzen grünen Fächer auseinandergebreitet und beschirmen damit die ״heiligen. Wasser“ des ewigen Flusses vor dem Staub und der Glut der Wüste. Ein sonniger Tag hat die ganze Welt vergoldet. Wie rein ist dieser südliche Himmel, wie fröhlich tönt in den Lorbeerbäumen das Summen der goldflügeligen Bienen, der Gesang der buntgefiederten Vögel und — wie grausam, wie fürchterlich grausam sind die Menschen!... Noch einige Stunden und man wird sich an den Sed er setzen, um, wie alle Jahre, das große Fest der Befreiung zu feiern. Und wenn die Reihe an das C har au ss e s ־kommt, nimmt der Großvater diese wohlschmeckende Mischung von Aepfeln, Nüssen uüd Wein, verteilt sie unter die Tischgenossen und ruft: ,jässet, Kinder, das ist Sech er l e’T i t, eine Erinnerung an den Lehm, den unsere Vorfahren in Aegypten kneten mußten." Der Kleine freut sich schon auf den köstlichen Brei, der ihm besser schmeckt als das K a r p a s, die Blätter ginnen Salats, die uns den Frühling verheißen, und das Ei, welches uns an die Ewigkeit gemahnt, um von dem Moraur schon gar nicht zu sprechen, der uns eine, wenn auch nur sehr schwache Vorstellung davon gibt, wie bitter es unsere Vorfahren in ihrem ״Lebens!- raum" im Goschen hatten. ' , Doch auf einmal geht ihm ein Gedanke durch den Kopf und ohne sich über den Sinn seiner Worte ganz klar zu sein, fragt er: ״Und was für Charausses werden wir später. einmal essen?" ״S p ä te r einm dl? Ja, mein Kind, der Chemiker ist noch nicht geboren, der für den Seder der Zuי kunft die Mischung braut, die auch nur entfernt an all die Gräßlichkeit unserer Zeit gemahnt und den Lehm versinnbildlicht, den wir jetzt ’ kneten..." antwortet der Großvater und setzt seine Arbeit schweigend fort, während der Kleine, plötzlich ohne jede Lust auf Charausses, ihm mit abwesendem, fremdem Blick zusieht. X. V. Z, Kunerol i$i vollständig reirlis Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt halt« bar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken 2ur Zu* Bereitung von Milfch- und Fleisch* speisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschluß* Siegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. Das100%reine Kokosnußfett Nur echt in Originalpackung! Das orthodoxe Judentum in Oesterreich Von Kommerzialrat Moritz Leitner Das Fest der Befreiung gibt mir Anlaß, der Einladung der Redaktion der ״Jüdischen Presse“ entsprechend, der Oeffentlichkeit wieder einmal kurz einen Ueberblick über die־׳ Lage des glaubenstreuen Judentums in Oesterreich zu geben. An der Gesamtlage der Juden Oesterreichs hat' sich nach außenhin wenig geändert, dennoch kann nicht geleugnet werden, daß verschiedene Aeußerangen auch verantwortungsvoller Persönlichkeiten zur Judenfrage ein gewisses Nervositätsmoment ausgelöst haben. Ich und alle!^ die das innerösterreichische Leben kennen, haben Grundj'jzur Annahme, daß die Dinge etwas überdimensioniert iypjt^eri und daß die Rechtslage der Juden im allgemeinen‘j||iMngetastet bleiben wird. Dagegen hat das jüdische Grem ein Schaftsleben in Wien in den letzten sechs Monaten starke Erschütterungen ,durchgemacht, von denen bis heute noch nicht feststeht,,' ob deren Folgen zu überwinden sein werden. Die Bestellung des neuen A m t sdirektors in der'• Wiener Kultusgemeinde hat, erstmalig in der Geschichte dieser Gemeinde, dazu geführt, daß Mitglieder des Vorstandes in so großer Zahl ihre Mandate zurückgelegt haben, daß die Zahl der Vorstandsmitglieder unter die Hälfte der statutarisch festgelegten Zahl gesunken ist. Am 8. November d. J. soll :— werin nicht die Behörden anders verfügen — die Wiener Judenschaft durch Wahl die neue Leitung der Kultusgemeinde bestellen. Diese Wahl wird für uns, wenn überhaupt, nur das Interesse haben, daß Männer zur Verwalturig der Israelitischen Kultusgemeinde berufen werden, die den politischen Momenten entspringenden Widerstand gegen die berechtigten, von religiösen Motiven diktierten Selbständigkeitsbestrebungen der Orthodoxie aufgeben werden. , . ■ Einem Ausspruch unserer Weisen entsprechend, gilt der Nissan als der Jahresbeginn für ‘die Berechnung der jüdischen Fest* und Freüdehtage. Im Zeichen dieser Jahreswende wollen wir hoffen, daß. das neue Jahr die Wiener Orthodoxie erfolgreich sehen wird in ihrem-Kampf um die autonome orthodoxe Kultusgemeinde, die nicht nur materiell die zweitgrößte Gemeinde Oesterreichs sein wird, sondern vor allem g eis tig an der Spitze stehen wird beim Umbau des jüdischen Gemeinschaftslebens auf traditioneller jüdischer Grundlage, Aufruf zur 3. Kenessio Gedaulo Die leitenden Organe der Agudas-Jisroel-Weltorganisation haben beschlossen, die Kenessio Gedaulo auf den Monat Oheschwan 5697 hach der heiligen Stadt Jeru sa 1 em einzuberufen und zur Sicherurig ihres Erfolges und als Abschluß der Vorbereitungsarbeiten ihr eine vorbereitende Konferenz (erweiterte Zentralratssitzung) in Mitteleuropa’im Monat Mertaohem Aw 5696 voramgehen zu lassen. * Wenn durch diesen Beschluß zum ersten Male in der Geschichte unserer Organisation die Heilige Stadt, der Mittelpunkt der jüdischen G'ttesnation überhaupt, zum Schauplatz einer an die ganze jüdische und nichtjüdische Welt gerichteten großen Kundgebung der thoratreuen Juderiheit erkoren wird, so wissen wir wohl, welches Wagnis darin liegt, zugleich aber auch, welch mächtiger Ansporn zur Weckung der besten Kräfte des jüdischen Volkes, zur , Wiachrüttelung aller derjenigen, in deren Herzen, oft halb verschüttet, die Selmsucht lebt, unserem Volke den Adel seiner geschichtlichen Bestimmung als Volk der Thora um jeden Preis zu erhalten. Um nicht mehr und nicht weniger handelt es sich in diesem, schicksalhaften Augenblick schwerster, politischer, ökonomischer und religiöser Krise, die über das jüdische Volk und zugleich über das jüdische Land' hereingebrochen ist. . Beide, Volk und Land, unlösbar miteinander durch g‘ttliehe Bestimmung auch in den Zeiten des Golus verbunden, gilt es z 11 retten für G‘tt und sein offenbartes Wort, Dazu bedarf es der mutigen -Kundgebung entschlossenen Wollens; aber auch der stillen, unablässigen, auf bauen den Arbeit. Beidem soll die Kenessio Gedaulo dienen. Unser Aufruf ergeht an die jüdischen Brüder auf dem Erdenrund, die von der ewigen Aktualität des Thorageistes und des Thoragesetzes für Volk und Land durchdrungen sind und die der Thora überall, vor allem aber auf ihrem ureigensten Boden, in Erez Jisroel, die volle Souveränität erringen wollen. Wer sich zu diesem Gedanken der Thorageltung bekennt und ihm durch das Symbol einer minimalen Geldleistung, des Kenessio Gedaulo-Sela, Ausdruck verlieht, erwirbt — im Rahmen der Bestimmungen der Wahlordnung — das Wajhlreoht zu!r Kenessio Gedaulo.' « Von der Höhe des Zionsberges soll diese Kenessio Gedaulo den festen Willen des jüdischen Volkes zum Ausdruck bringen, durch nichts in der Welt, durch Wirtschaftsnot und politische Entrechtung so wenig \vie durch die Sirenenklänge individueller oder nationaler Assimilation, sich seiner geschichtlichen Aufgabe en,tfremden, seinen Lebensmut und Lebenswillen brechen oder sich die feste Zuversicht in die endliche Wiederauf־ richtung seiner nationalen Existenz im Zusammenhang mit dem sittlichen Aufschwung der ganzen Menschheit jemals verdunkeln zu lassen. Je größer die Zahl der Juden sein wird, die sich durch die von ihnen gewählten Vertreter zu dieser Heiligung des g-ttlichen Namens in der Welt zusammenfinden, desto sicherer wird es der Kenessio Gedaulo dann auch gelingen, die ihr obliegenden weitreichenden praktischen Aufgaben politischen, Wirtschaftliehen, sozialem kulturellen und religiösen Charakters 5&u lösen oder die Bedingungen ihrer Lösung zu schaffen. Die LandesorgaiUsationen, Jugendorganisationen und •Bünde, die Frauengruppen (Bnos Agudas Jisroel) und Arbeiterorganisationen (Poale Agudas Jisroel) werden sich einmütig nach den von den Landesvorständen aufzustellenden Richtlinien in den Dienst der Vorbereitungsarbeit zur Kenessio Gedaulo stellen. Das in jedem , Lande zu errichtende Kenessio*Gedaulo*Büro gibt jedem Juden bereitwilligst1 Auskunft über alle mit der Kenessio Gedaulo in Zusammenhang stehenden Fragen. \ ■ E|«lu1l1w Agudas JjsroehWelforgaiMsafion

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