Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 13 (27.3.1936)
- Date
- 1936-03-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerade die von der Regierung erzielte Lösung des Problems beweist, wie recht die jüdischen Kreise hätten, als sie den Initiatoren des geplanten Schächtverbotes jedes humane und tierfreundliche Motiv absprachen, und die Triebfedern der ganzen Kampagne als nichts anderes erkannten, als einen von häßlichen Instinkten diktierten Antisemitismus und schmutztgen Brotneid. Gerade dieser sozusagen SOprozentlge Ausgleich, der, indem er das rituelle Schächten als solches gestattet und gleichzeitig jüdische Existenzen vernichtet, beiden Teilen gerecht zu werden versucht, tut dar, worum es eigentlich ging: darum, daß ״di!e Juden nicht mehr zu seufzen, sondern Zu schreien“ hätten,' wie sich einer der eifrigsten Verfechter von ״Menschlichkeit und Barmherzigkeit“ den Tieren gegenüber, der frühere Referent des Gesetzentwurfes, Abg. Dudzynski, in der entscheidenden Sejmsitzung in einem Augenblick, wo er die Maske fallen lassen zu köntien glaubte, den Idealzustand in Polen Vorstellte. , Noch sind die weiteren Auswirkungen cles neuen Gesetzes nicht abzusehen. Daß cs ebensowenig dem Staat wie den Juden zu Vorteil und'Nutzen gereichen wird, : steht allerdings schon heute fest. Für das Judentum aber ergibt sich aus diesen jüngsten Erfahrungen tim die Schechitahfrage wieder einmal die Lehre, daß. ein reiner, im Interesse einer heiligen Sache unter Hintänstellung aller persönlichen und kleinlichen Momente geführter Kampf nicht vergeblich sein kann. Denn: Lp Almen Jisroei ...,! e. g. * ’־ ■׳ ׳... In der Sitzung des polnischen Sejm am Dienstag, den 17. März, abends, stand das־ von der Sejmdeputierten Frau Prystor eingebrachte Gesetzprojekt betreffend Einfiihrung des Betäubungszwanges bei Schlachtungen von Vieh und Verbot des Schachtens nach jüdischem Ritus zur endgültigen Ab- Stimmung. Zur Enttäuschung der Befürworter der Gesetzesvorlage kam es aber zu einer solchen nicht. Die Regierung hat im letzten Augenblick durch den Ackerbauminister Poniatowsky ihrerseits eine Vorlage eingebracht, die dahin geht, zwar den B etäubuiigszwang bei Schlachtung von Vieh einzuführen, davon aber ein Viehkoiitingent, das zur K o s che r - S c h 1 a c h t ung speziell für die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung bestimmt ist, auszunehmen. Die Regierung ging bei dieser Antrag- Stellung von der Erwägung aus, daß ein generelles Schächtverbot gegen die Freiheit des religiösen Ge- Wissens der Judenheit und also auch gegen die. polnische Verfassung verstoßen würde. Der Regierungsantrag sieht vor, daß eine von der Regierung eingesetzte Kornmission jeweils das zu rituellen Schlachtungen bestimmte Viehquantum nach dem Mäße des Bedürfnisses festsetzen solle, wobei das Fleisch des rituell geschlachteten Viehs durch besonders konzessionierte Firmen zum Verkauf gelangen soll. Bei der Abstimmung.« beschloß der Sejm mit Mehrheit, sowohl das Regierungsprojekt als auch das der Frau Prystor wiederum dem Verwaltung sausschuß zu überweisen. Dieser trat nun am Mittwoch zusammen und nahm diesmal mit Stimmenmehrheit den Regierungaentwurf an. Am Freitag, den 20. März, hat. der polnische Sejm das Gesetz in zweiter und dritter Lesung durchgepeitscht. Der• Referent der Regierungsvorlage, Deputierter Pulawski, empfahl die Annahme eines Schächt- Kontingents für Juden, Karäer und Mohammedaner, außerdem soli für Exportzwecke koscher geschlachtet werden dürfen. Die Durchführung des Gesetzes, sagte Pulawski, wird' das j ü d i s c h e Kartell im Fleischhandel b r e c h e n und die christliche Bevölkerung davor bewähren, die Kosten der rituellen Schächtung mitzutragen. Die Selbstverwältungskommission habe beschlossen, daß in Städten mit weniger als 15' Prozent Juden die Stadtverwaltungen das Schächten überhaupt sollen verbieten können. Für jedes Kilogramm Lebendgewicht des für Schächtung bestimmten Viehs soll eine Steuer von 10 Groschen entrichtet werden. Für Koscher- Schlachtung bestimmtes Vieh dürfte nur auf öffentlichen Märkten direkt vom Landwirt erworben werden. LahdwiftsehlftSminlstö* P öniat ÖWSky erklärte sieh entächicdeä gegen diese Kifisehf&äkung der Handelsfreiheit und schlug weiters vor, daß lediglich iü Städten mit weniger als drei Prozent Juden das Schächten mit Zustimmung des Wojwoden soll Verböten werdend können. Auch sei die Regierung gegen die lÖ-Gr eschen-St euer, die nicht nur diskriminierend, sondern auch fidhwe* tragbar für die jüdische Bevölkerung sein Würde. ln der darauffolgenden Debatte ergriffen sowohl die drei jüdischen Deputierten als auch eine Reihe antisemitischer Abgeordneter — darunter Frau Prystor das Wort. Bei namentlicher Abstimmung wurde dann die R egierungsvorlage mit 97 gegen 76 Stimmen bei zahlreichen Stimmenthaltungen a n g e n o m m e n. Mit gleieher Mehrheit wurde der Antrag auf Sottderbestetierung des Ko sehe rf feisches abgelehttt. Dagegen wurde der Regierungsvorschlag, daß nur ln Orten mit weniger als 3 Prozent das Schächten Überhaupt soll verboten werden können, mit 84 gegen 77 Stimmen. angenommen; diese 77 waren für ein Schächtverbot in allen Orten, wo die Juden nicht 16 Prozent der Bevölkerung ausmachen.;■'-.'י: Am Dienstag, den 24. März, hat nun auch die Verwaltuhgskommission des Senats die Vorlage in Beratung gezogen. Die zwei jüdischen״ Senatoren, Prof. Dr. Mosche S c h 0 r r und Jakob Trockenheim, wurden, obwohl sie dem Ausschuß nicht angehören, zur Teilnahme an der Sitzung eingeladen. Der Verband der polnischen Rabbiner appellierte an den Senat, das vom Sejm in' einer Atmosphäre starker Gereiztheit angenommene Schächtgesetz zu verwerfen. : Eine Abordnung der Rabbinate aus Posen, Thorn und Graudenz ist in Warschau eingetroffen, um gegen die lokalen Schächtverbote zu intervenieren. Sie erklärt, daß die Bestürzung unter den Juden Westpolens wegen der Schächtverbote sehr groß ist. Das Komitee zur Verteidigung der Schechita hat zum Protest gegen das Schächtgesetz beschlossen, sechs fleischlose Wochen für die Juden in Polen in der Zeit von dem Pessach- bis zum Schewuoth-Fest, also während der ganzen Sephira-Zeit, zu proklamieren. Warschauer Kehila-Präsidium zurückgetreten Das Präsidium der Warschauer Kultusgemeinde hat in einem Schreiben an die zuständige Regierungs־ behörde, das vom Präsidenten Mazur und vom Vize- Präsidenten L e r n e r gezeichnet ist, erklärt, von seinem Amte zu resignieren. Infolge verschiedener Umstände, die dem Ministerium bereits am 27. Jänner bekanntgegeben wurden, hat sich'die .f i nan zi e 11 e La ge der Kultusgemeinde in einer Art entwickelt, die die weitere Führung der Geschäfte unmöglich macht. Das Präsidium hat deshalb bereits vor Monaten vom Ministerium die Auflösung des Kultusgemeindevor- Standes und die Ausschreibung von N e u w a h 1 e n, die ordnungsmäßig schon im" Vorjahre hätten stattfinden . sollen, verlangt. Die Aguda will mit einem detaillierten Plan vor die Wähler treten, nach dem die Weiterführung der Geschäfte ermöglicht werden soll. Nachdem nun die Regierungsstellen die Ausschreibung von Neuwahlen nicht bewilligt haben, hat das Präsidium seine Demission gegeben. Es wird damit gerechnet, daß zunächst ein neues Präsidium aus dem Kreise des Verwaltungsrates der Kultusgemeinde geschaffen wird. Zu der wieder ״aktuell" gewordenen Frage des ״Jüdis c h|e n We:l|tkongresses״ erklärte Jakob Rosenheim, Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroei, einem1 Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur unter anderem folgendes: ״Wir lehnen die Idee des Weltkongresses, insofern sie die Durchführung allgemeiner Wahlen in der ganzen Welt und die Schaffung einer jüdischen Pariamentstribüne zur Produktion or*torischer Glanzleistungen und zur Entfesselung uferloser Rededuelle ins Auge faßt, als zwecklos und gefährlich ab. Wir sind überzeugt, daß eine solche Schaustellung erheblichen' Schaden stiften, nur wenig Sympathien erwecken, sicherlich aber nicht den leisesten praktisch-politischen oder wirtschaftlichen Nutzen zu stiften vermöchte. Kundmachung Diö Wienef Mölköfel hriftft auch heuer . Pessach-Koschermilch in allen ihren Filialen mm Verkauf. Dl® Pessach- Koschermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrvv. Herrn Rabbiner Dr. Rosenmann bestellten» religiös verläßlichen* Organe משגיחים erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, resp, einer Schleife Versehen mit dem Aufdruck הלב כשר של פסח WIENER MOLKEREI Aus im butdedeeUetUeifluuf Von unserem Korrespondenten / ־• Wie die *arabische Zeitung ״A Li vvaa“ , meldet, haben die arabischen Arbeiter, die bis jetzt ln der, Histadruth gemeinsam mit den jüdischen sozialistischen Arbeitern organisiert waren, beschlossen, die Histadruth zu verlassen und eine separate Organisation zü schaffen. Dieser Beschluß ist für die Histadruth, die, um eine sozialistische Einheitsfront herzustellen, ihren Sportvereinen verboten hatte, gegen die jüdischen bürgerlichen Sportklubs Spiele auszutragen, eine furchtbare Blamage und für den internationalen Sozialismus eine Niederlage. In der letzten Stadtratssitzung von Tel-Aviv wurde beschlossen, im Laufe des Jahres 1936 für 49.000 Pfund neue St r a ß e n zu bauen und für 5000 Pfund alte auszubessern. Diese Arbeiten werden ohne Zweifel zu einer Belebung des Tel-Aviver Arbeitsmarktes beitragen. In Jerusalem sind dieser Tage mehrere Londoner Großindustrielle, darunter Kolmann Smith, Direktor der Aktiengesellschaft Dt Smith & Söhne, eingetroffen. Sie beabsichtigen, ׳eine große PapierundKartonagenfabrik einzu richten. Welchen günstigen Einfluß die verstärkte agudistische Einwanderung' auf den Jischuw ausübt, konnte man am besten diesen Purim in Petach- Tikwah beobachten. An beiden Purim tagen ver-' anstaltete die Poale Agudas Jisroei Feiern, die große Menschenmassen heranzogen. Die Straße, in der, sich das Lokal der Poalim befindet, war von Menschen überfüllt. » Eine Gruppe misrachistischer Arbeiter in Haifa, die.Arbeit bei einem Bau bekommen hatte, wurde trotz des Heskem von 15 Mitgliedern der Histadruth überfallen und blutig geschlagen, so daß die Misrachisten ihren Arbeitsplatz verlassen mußten jind erst nach einigen Tagen die Arbeit -wieder aufnehmen konnten: ' Beharren die Unternehmer dennoch auf ihrem Willen und ,berufen den Kongreß, im Gegensatz zu dem Votum der meisten größeren jüdischen Organisationen, dennoch zusammen, so wird nur die Farce einer jüdische;n Einheitsdemjonstration herauskommen, und — das gewünschte Ergebnis ins Gegenteil umkehrend — wird sich nur die herrschende Zer- Splitterung aufs deutlichste offenbaren. Andererseits haben nun einmal die weitesten Kreise, insbesondere im Osten, das instinktive Gefühl, daß die furchtbare politische und wirtschaftliche Krisis, die über das jüdische Volk hereingebrochen ist, eine Konzentration der Kräfte gebieterisch fordert.' Die Volksmassen versprechen sich von einer gewissenhaften Beobachtung der Entwicklung durch eine einzige verantwortliche Stelle und von einer zentralisierten Führung mit Recht oder Unrecht letzten Endes größere praktische Erfolge, als von der heute vorherrschenden, mehr oder minder chaotischen Nebenein־ anderarbeit zahlreicher Organisationen. Seit mehr als drei Jahren hat gerade meine! Organisation, die Agudas Jisroei, die sich gewiß der weltanschaulichen und religiös-kulturellen Gegensätze innerhalb der Judenheit aufs entschiedenste• bewußt ist, die Förderung erhoben, daß die vorhandenen O rganisationen sich zu einem Council für die politische Vertretung des jüdischen Volkes und zur Koordination der gesamten wirtschaftlichphilanthropischen Arbeit ,Zusammenschlüssen. Es wäre höchste Zeit, daß im Interesse des schwer bedrohten Ganzen die vorhandenen Organisationen aus ihrer Starrheit und Abgeschlossenheit gegeneinander herausträten und — im Gegensatz zur Weltkongreß- Propaganda — ohne jede Demagogie, mit Vernunft und Ueberlegung, die längst notwendige Zentralstelle für jüdische Außen- und Wirtschaftspolitik schüfen. Selbstverständlich wäre dabei die Beschränkung auf den eigentlichen Gegenstand (Politik und Wirtschaft) und Verziebt auf alle diejenigen . Arbeitsgebiete, in denen ־vtfelt anschauliche. und kulturelle Meinungsv erschiedehheilten eine Zusammenarbeit von vornherein, aus Gründen des Gewissens unmögiieb machen•״ ‘ Perfekt deutsch und slowakisch• sprechendes, intelh» gentes, RELIGIÖSES FRÄULEIN wird zu kleinen Kindem GESUCHT. Zuschriften unter ״Familienanschluß“ an diu Bratisiaväer 'Adnünist'ratidn dieses BlattesT' ' י‘ VON KIND KDF... Erinnern Sie sich Ihrer Jugend? Jener schönen Zeit, die nie wiederkehrt? Das mals gab es schon für PESSACH AECHT FRANCK. Ihre Mutter verwendete ihn regelmäßig. Vieles hat sich im Laufe der Jahre geändert. Das Antlitz der Welt ist ein anderes geworden, AECHT FRANCK ־— verläßlich koscher, der Sie vön Kind auf begleitete, ist geblieben wie damals. Gibt es einen besseren Beweis seiner Güte? (faiecaU&Heh, fciHnm&t md freUen, AuUtfcanck - mläßiek ko&cUec - (Weißt festekm! ■ ־״•׳’■• ■ : 1 * .• :׳ ־ ... AECHT FRANCK verläßlich koscheren Kaffeezusatz Jüdischer Weltkongreß oder sachliche Kooperation Eine Erklärung Jacob Bosenheims