Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 8 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite JÜDISCHE press% Nr. 8 Vorstoß gegen die Sdiediita Int Polen Eigenbericht der ״Jüdischen Presse" Die Abgeordnete Frau P r y 81 o r, die Gattin des Sojmmarschalls, hat Im polnischen Parlament einen von einer Reihe von Abgeordneten mitunterzeichneten Initiatlvantrag eingebracht, der die Erlassung eines Schächtverbote« vorsieht» *So unsinnigdie Begründung des Antrages auch ist, ist doch zu befürchten, daß er angenommen werden könnte. Der polnischen Judenschaft hat sich daher ungeheure Erregung bemächtigt, die alle anderen öffentliehen Probleme in den Hintergrund drängt. In seltener Einmütigkeit und Solidarität haben die jüdischen Kreise, allen voran die Agudas Jisroel, Kampfstellung gegen den gefährlichen Angriff auf eines der wichtigsten Kitualgesetze bezogen. Ihre Vorstellungen bei den maßgebenden Stellen haben es erreicht, daß der Bildungsminister Swientoslawski im städtischen Schlachthaus von Warschau sich von der Humanität des Schächtens überzeugen konnte. Dennoch gelangt am Montag, den 17. Februar, der Entwurf zur ersten Lesung und dennoch hat in allzu durchsichtigem Uebereifer der Stadtpräsident von Posen, Oberst Wjencikowski, schon jetzt auf Grund eines alten ״preußischen Gesetzes, betreffend allgemeine Verwaltung“ ein Verbot der Schlachtung von Tieren ohne vorherige Betäubung erlussen und damit praktisch für die Stadt Posen das Schächtverbot eingeflihrt. * Eine vom allpol ni.8che 11 Rabbinervcrband nach Warschau einberufene Konferenz nahm folgende Resolutionen an: 1. Die Schechita ist eines der Grundgesetze d er jüdischen Religion und auch nur die mindeste Aenderung der Schächtgesetze, geschweige denn die Betäubung der Tiere vor der Schlichtung, macht das Fleisch t r 0 f o h und für jeden Genuß durch Juden unbrauchbar. Deswegen bedeutet das Projekt einer Aenderung der Schechita eilt Attentat auf eines der Grund* gesetze der jüdischen Religion. 2. Die Konferenz appelliert ah das Gerecht!gkeltsgefühl des polnischen Volkes, der Regierung und des Sejm, und bittet, nicht zu erlauben, daß mehr als drei Millionen Juden in Polen des Flei8chgenus8es beraubt werden; dies würde auch die polnische Land- Wirtschaft schwerstens schädigen. 3. Die Konferenz beschließt, der jüdischen Gesamtheit einen Fasttag aufzuerlegen. Da jedoch die Konferenz es sich nicht vorstellen könne, daß die Mitglieder voti Sejm und Senat in Polen und die polnische Regierung ein so absurdes Gesetz, das sich auf nichts anderes, als auf Irrtümer in religiöser, wirtschaftlicher ,und humanitärer Beziehung stützt, zulassen werfen, beschließt die Kon* ferenz, den Fasttag vorläufig zu verschieben und eine Rabbiner-Kommission zu beauftragen, falls nötig, das Datum des Fasttages festzusetzen. 4. Die Versammlung' beschließt, die Judenschaft aufzufordem, am Donnerstag; den 20. Februar, P s a 1men und Gebete zu sprechen, damit die der jüdischen Religion und der polnischen Judenheff drohende Gefahr abgewendet werde. | Eine knapp darauf folgende Tagung der fünfzig größten und wichtigsten jüdischen Organisationen Polen« bot eine eindrucksvolle Demonstration festesten Abwehrwilletis. Unter Vorsitz des Agudaführers Mazur )beschlossen die Vertreter der verschiedensten religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen und humanitären Institutionen, zahlreiche Rabbiner und Rabbis — darunter namens des Rabbinischen Rates der Aguda der Sochatschower Rebbe — die Einsetzung eine» ״Verteidigungs-Komitees“,. dem die Führung im Kampfe gegen den mit der Maske der Tierliehe auftretenden Menschenhaß zustehen soll'. Rund um die Rabbinerfrage in Jerusalem Von unserem M. G. P.-Korrespondenten Die jüdische Bevölkerung von Jerusalem hat jetzt e in Tagesgespräch: Die Frage der Wahl eines Nachfolgersnach RabbilKuk s. Z. 1. und die damit zusammenhängende Schechito-Frage. Und diese brennende Aktualität hat sich auf foigende Weise entwickelt: (Bekanntlich ist seinerzeit, nach Beendigung des Weltkrieges, Raw Kuk von den religiösen Institutionen Jerusalems eingeladen worden, als ihr rabbinischer Führer nach Jerusalem zu kommen. So ist Raw Kuk Oberrabbiner des Waad Leumi für Erez Jisroel und Rabbiner der Jerusalemer Kehillö des Waad Leumi geworden. Die Kreise, die seine Berufung veranlaßt hatten, hefanden sich nun in einem schweren Gewissenskonflikt. Auf der einen Seite war von allen religiösen Autoritäten ein Verbot der Zugehörigkeit zum Waad Leumi ausgesprochen worden, auf der anderen Seite ■konnten sie nicht gut Raw Kuk den Rücken kehren, den sie selbst ins heilige Land gebracht haben. Mit dem Tode von Raw Kuk kam denn auch der offene Konflikt zwischen dem Waad Leumi und den Führern der diversen religiösen Institutionen zum Ausbruch. ■Der Waad Leumi begann, sich mit der Wahl eines Nach- ־folgers zu beschäftigen, ohne zunächst auf die Führer der religiösen Institutionen Rücksicht zu nehmen,•■ während Rabbi Zwi Pessach Frank, der das Vertrauen dieser Kreise genoß und schon bisher dem Oberrabbinat des Waad Leumi als Rosch-Bes-Din angehörte, auf die Oberrabbinerstelle Anspruch erhob. Der Waad •Leumi wollte jedoch von seiner Kandidatur nichts wissen. Einerseits wird ihm vorgeworfen, daß er zusammen mit; den orthodoxen Rabbonim-sich für den Austritt aus dem ■Waad Leumi eingesetzt habe, und andererseits wollte man unbedingt einen auch rednerisch und schriftstellerisch begabteren ■Rabbiner den Platz von Raw Kuk einnehmen sehen. ■1Soweit wäre alles in Ordnung gewesen, bildete nicht die Schechito-Frage bin schweres Hindernis auf dem Wege der Verwirklichung der zionistischen Pläne. Bisnun gab es — was nicht allgemein ■bekannt ist — zwei Schechitos in Jerusalem: eine der orthodoxen Gemeinde des Waad hoir Aschkenazy unter der Oberaufsicht von ■Raw Duschinsky, und eine zweite, die gegründet wurde und verwaltet wird von eben jenen führenden Kreisen der religiösen Institutionen, die׳ seinerzeit Raw Kuk berufen hatten und nun Raw Frank: als dessen Nachfolger favorisieren. Der Waad Leumi' seihst hatte, obwohl ihm allein alle sonstigen Rechte einer öffentlichen jüdischen Körperschaft zustehen, eine eigene Schechito nicht eingerichtet, während - nun Raw Frank und seine Vertrauensmänner mit Argusaugen darüber wachen,, daß ihrem Rechte auf die eigene Schechito kein Abbruch geschehe. So begannen denn Verhandlungen zwischen dem Waad Leumi und Raw Frank. Ein ■Ergebnis konnte allerdings nicht zustande kommen. Der Vermittlungsvorschlag, Raw Frank zum Rabbiner: dkir Jerusalemer Ge* meinde des Waad Leumi zu bestellen, das Amt des Oberrabbiners jedoch einer den zionistischen Führern des Waad Leumi beliebigeren ^Persönlichkeit . vorzübehalter, wurde vom *Waad Leumi abgelehnt. ■Nun versuchten die , Kreise um Raw ■Frank, An- Schluß an die selbständige .Orthodoxie zu finden. Mehrere Konferenzen, hatten bereits stattgefanden״ als bekannt wurde, daß Raw , Frank auch seihe Verbandlungen mit dem Waad Leimii noch weiterführte. Vei■־־ stündlich, daß diese Inkonsequenz und Doppelzüngigkeit tiefe Erregung in den orthodoxen ,Kreisen hervorriefen. Inzwischen versuchten die!Freunde <fes Raw Frank einen ■kleinen Gewaltakt/ worüber in der ״Jüdischen Presse“ seinerzeit berichtet worden war. Während die Verhandlungen sowohl mit der Agudas Jfsroel',. als auch mit de׳m Waad Leumi geführt wurden, veranstalteten die gekennzeichneten Kreise eine Unterschriftensammlung, als ■deren Ergebnis ■ sie d i ,e Bestellung des Raw Frank zum Öberrab(bine;r der Jerusalemer Gemeinde des Waad;Leumi verkündeten. Was nun weiter kam, war mehr oder minder vorauszusehen. Der Waad Leumi’ richtete in aller Eile eine eigene Schechito ein, nachdem er erkennen mußte, daß es ihm nicht mehr gelingen werde, die unter dem Einfluß von Raw Frank stehende Schechito in seine Hände zu bekommen. Nach einigen Vorbereitungen trat denn auch am vergangenen . Sonntag die neue Schechito des Waad Leumi unter feierlichem Gepränge und in An- Wesenheit der misrachistischen Führer Raw Ostrowsky und Raw Fischmann in Wirksamkeit. Damit ist nun aber der Kampf in vollem Ausmaße entbrannt. Der Waad Leumi entfaltet eine lebhafte Propaganda für seine Schechito, Raw Frank erließ gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Bes-Din des Waad Leumi eine Erklärung, die die neue Schechito a s s e r t, und der Waad hoir Aschkenazy veröffentlichte auch seinerseits eine Warnung vor der Inanspruchnahme der Schechito des Waad Leumi. In zionistischen Kreisen wird nun Raw Frank vorgehalten, mit welchem Recht er als rabbinischer Beamter (! Red.) des Waad Leumi die Schechito seiner Vorgesetzten (!Red.) Kehillo verbietet, während man in agudistischen Kreisen mit Recht auf die Merkwürdigkeit der ■Einstellung von Raw Frank hinweist, der׳ einerseits aus ganzem Herzen die Oberrabbinerstelle des Waad Leumi anstrebt, auf der anderen ■Seite aber selbst es auch für religionsgesetzlich unzulässig erklären muß, daß religiöse Schochtim sich in den Dienst des Waad Leumi stellen. In eingeweihten Kreisen behauptet man, daß trotz des nach außenhin scharf geführten Kampfes zwischen dem Waad ■Leumi und den Kreisen um Raw Frank geheime Verhandlungen zwischen den beiden Streitteilen geführt werden. Raw Frank selbst soll sich alle Mühe gehen, um ein Einvernehmen herbeizuführen, und wenn der Meldung des ״Doar Hajom“ Glauben zu schenken ist, soll er auch eine Delegation zu Raw Amiel in Tel- Aviv entsendet haben, damit dieser die Vermittlerrolle übernehme. In den Kreisen des Waad Leumi zeigt man sich allerdings einer friedlichen Regelung wenig geneigt. Diese Kreise können es Raw Frank nicht vergessen, daß er sieh gewissermaßen selber zum Oberrabbiner von Jerusalem ausgerufen hat, und sie verweisen darauf, daß ihre früheren Bemühungen, ein Einvernehmen herzustellen, nur den Zweck hatten, die leidliche Schechito-Frage einvernehmlich zu lösen. Da nun ohnedies schon eine eigene Schechito errichtet wurde, scheint man auch für die Gewinnung von Raw Frank und seiner Freunde kein Inter* esse mehr zu haben. Wenn Raucher der Var« färbung der Zähne vor* beugen wollen, denn hilft nur die regelmäßige, täg* liehe Riege mit ÖDOL* Zahnpaste. Kleine Tube S —30 Große Tube S 1.40 Aus dm £aude des VetUeißuup Wie aus gut informierten Kreisen mitgeteilt wird, senden jetzt die aus Griechenland eingewanderten Juden 2000 englische Pfund wöchentlich an ihre Angehörigen־ ih. ilire frühere: Heimat;, was zirka 100(000 Pfund jährlich ausmacht. Die Palästina-Regierung hat' beschlossen,, für die jüdische Bevölkerung Nordpalästinas ein neues Krankenhaus zu! bauen. Das Krankenhaus wird irr der Nähe der Siedlung Tel-Lewinski errichtet werden. Wie au3 .Safcd mitgeteilt; wird;־, wurde eine■ bucharische Frau: mit r&r.em sechs Kindern■ beim Besjchreiten der dortigen Grenze mit der Begründung a ngehalten, daß das Zertifikat auf den Namen ihres Gatten lautet und es ungültig geworden ist,, da der Mann infolge eines Eisenbahnunfalles am Wege starb. Dieses Vorgehen der Grenzpolizei hat bei: der jüdischen Bevöikerung Safeds eine große Erregung hervorgerufen. Die Palästina'-Regierung beabsichtigt. a.b 1. April die Löhne der.׳ P'ol 1 zeifee-amte n auan «ih: Bis, zwei Pfund monatlich zu■ erhöhe n;, hingegen wird ihnen verboten werden, Zuwendungen ven anderer Seite entgegen,- zunehmen. In der ״£T.crh:crhu:1r a t Ricrch a״m a:h" in. Jerusalem wurde eine neue Beth-Jakob-Schule eröffnet.. E!s ist dies die erste orthodoxe Schule in diesem Viertel. Wie die Tfel-ALsiver■ Stadtverwaltung bekanntgibt״ haben im vergangenen Monat 1821 Tel-Äviyer.• FamOTen■ die* palästinensische Staatsbürgerschaft zugesprochen erhalten■. In Gedera wurde ein neues Krankenhaus: errichtet, das mit den. modernsten Apparaten versehen ist. Auch wurde eine chirurgisch® Abteilung, geschaffen;, die:־ gleichzeitig als• erste U n f a lllls t a t i 0 n dienen wird. Die: Leitung die3er Anstalt haben die bekannten deutschen Aerzte Dr. Höpstem■ und Dar. Rosenbusch: übernommen. L.S.. Palästinafragen im englischen Unterhaus Im Unterhaus• richtete Abgcprdngfer■ Tbm Smith, an den Minister für•’die■ ■Kofiartien die FragP',. orf» er im (Hinblick auf die gegen die geplante Einsetzung; des; Legislative Council erhobenen Proteste■ die Lage zwecks Abgabe eiher neuen Erklärung über• diese-, Angelegenheit überprüfen wolle. KoUbnienmi'ni'ster Thomas warme• inte■ diese Frage , und erklärte; daßV der• Plan des• Legislative: Oouncil von * den Juden ab gelehnt worden sei', während die■ Stellung• der Araber• zu dem Plän noch rri'cht klar sei. Die Regierung habe k־ et nen Anlaß’,, ihren bisherigen Standpunkt zu ändern. Auf eine■ weitere Anfrage; erklärte: Thomas; daß für den Umfang• der■ jüdischen Einwanderung nach Palästina das Prinzip der w Ü r, t aehaftli c hen Aufnah m ef ähig kei t des Landesweiterhin maßgejhfend sein müsse.. Unter Wahrung׳ dieses Grundsatzes;solle jedoch die Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Möglichkeit besonders berücksichtigt werden. In einer wenige Tage■ darauf stattgefundenen neuerliehen Debatte bezeichncte■ Thomas die Vorschläge des High Commissioner als einen ״echten Versuch“•; die Be- Stimmungen des Palästina-Mandats zu verwirklichen, und kündigte an, daß die Einsetzung des Legislative Council durch königliche Verordnung ohne vorherige Veröffentlichung eines Gesetzentwurfes erfolgen werde. Aus der Beantwortung einer Anfrage über die Einwanderungsvarschriften wird in weiten Kreisen der Schluß gezogen, daß» die beabsichtigten Verschärfungen der Einwanderungsbestimmungen zurückgestellt, worden sind. Millionen Hausfrauen verwenden ORf OETKER S BACKPULVER »BACKIN«, weil sie dadurch an Butter, Eiern und anderen teueren Zutaten bedeutend sparen können. sparen können.