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Jüdische Presse · 1936-02-21 · 8 (21.2.1936) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
8 (21.2.1936)
Date
1936-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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«tftiftöv* v?p£attt6 pavofenä rtttdit pm ft t Sffttüwe m. 41512-tiIW V, b. b. PRGSSS 354 Untrer Sitäts'bilbliO'Wielf!.Universität 3 BX» 'f er vetaetwfct ‘ pät T&Ötenf 4 ^WN^mmAyAk* m<wmn ms־3ןן כ״ח שכט תרצץ 22> Jähr§än§ f Nmm§r & Redaktion tmd Administration: Wi en, H., Mall* gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Ke 80, Jugoslawien Dinar 150, da« Übrige Ausland Schw. Fr, 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGnn für Die imeRessen Des ORTHODOHen juDemums Rogatschower Gaon\ in: Wien ־ המונח גאון הגאונים שר־ החורה ורבן של כל ישראל י מדן יוסף דאזען שליט׳א. .מדןו;נסר).. . . Eg ist eine einmalige Persönlichkeit, .die ihresgleichen, in unserem1־ Jahrhundert niclit findet, die dieser Tage zum ersten Male zwecks ärztlicher Konsultation nach "Wien gekommen ist. . Der unter dem Namen Rogatschower Gaon bekannte Rabbi Josef Rosen, früher Rabbiner in D w i n s k (Rußland) ־ und - jetzt in R i g a . ständig wohnhaft, traf am Dienstag abend mit dem Schnellzug in Wien ein. .Was Wunder, daß viele ,Hunderte Juden am Ostbahnhof ■sich versammelt hatten, um derii großen Meister und Lehrer einen herzlichen und imposanten Empfang zu bereiten, wie ihn das jüdische Wien wohl noch nie gesehen hat. Ursprünglich war die Ankunft des Rogatschower Gaon für Montag abend avisiert. Wie sich später herausstei.lte, hatte er den Arischlußzug in Warschau, trotzdem dieser dem Gaon zuliebe länger als 15 Minuten aufgehalten worden ist,: versäumt, weil es unmöglich war, ihm zwischen den vielen Tausenden, die zu., seiner. Begrüßung am Warschauer Bahnhof erschienen, einen- Weg zum Zug zu bahnen. Rogatschower Gaon gilt als der unumstritten größte Thoragelehrte, unserer Zeit, der mit den Gaonim der Vorzeiten verglichen wird und dessen ganze Größe wohl nur von• Thoragelehrten selber erfaßt werden kann. Sein schon lange erschienener Kornmentar zum Rambam, ״Zof n.as Päneac h“, hat die größte Bewunderung hervorgerufen. Die Wiener Judenheit, die, es sich als S'chioh anrechnet, diesen Gaon in ihren Mauern beherbergen zu können, entbietet dem großen Gaste ihren herzlichen Willkommgruß und sie betet zu Haschern,’ daß er . ihm rasch eine Refpoh schelemoh, schicke. שליט״א Unserem Photoreporter, Herrn Elieser ■§> c h e e r, ist es noch Dienstag spät nachts im Sanatorium־^ Auersperg gelungen, die obige Aufnahme von dem großen Gaon zu machen. Der feierliche. Empfang ist von der Wiener Agudah und ihrer Jügendgruppe ׳ organisiert worden. In Begleitung des Gaon befänden sich dessen Frau uhd sein Hausarzt, Dr. Segall aus Riga. , LEOPOLD UHURZ (FIRMA. JOSEF UHLIRZ) ATELIER Fixangestellte Zahlungserleichterungen f Wien, 11״ PraterslrnBe 24 HERRENMODE I Schicks Die Wahnsinnstat eines jungen Menschen, die ihrer richterlichen Siihne durch ein Zweifel* los objektives Gericht noch harrt, hat düstere Wolken über dem Firmament der deutschen Juden aufziehen lassen. Mit ohnmächtigem Schmerz verfolgen wir, verfolgt das. Weltjuden* tum, verfolgt die gesamte gesittete Welt d i e E n t w i c k l ü n g d e r D i n g e i m D e u t* sehen Ft e i c h. Das‘ Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches selbst hat in der Leichen* rede nach dem Ermordeten dem deutschen Judentum d e 1! K a mp.f, a n g e s a g t und jeder Mensch, der die Dinge in den letzten zwei Jahren verfolgt hat, weiß, was das zu bedeuten hat. Wir wollen gegen den Tenor und den .In* halt der Rede nicht polemisieren, .weil es sinn* und. zwecklos wäre. Ein Staat, in dem am 30. Juni 1934 eine heute noch nicht feststehende Zahl von 'Menschen einfach ermordet wurde und dessen gesetzgebende Körperschaft diesen Massenmord nachträglich als .:״rechtens“ erklärt hat, hat sich' außerhalb jeder Zivilisation־ ge* stellt. ׳ ' ־ ' ’ Wir sprechen ׳'mit- Ansicht nicht von der Unzahl von Gegnern des in Deutschland heute herrschenden Regimes, die ermordet wurden. Im Kämpfe gegen Gegner wäre es möglich, von einen! ״Kriegsrecht“ zu sprechen. Aber eine Partei,, die ihre eigenen Parteigänger nieder* metzelt, hat bewiesen, daß ihre Bestialität tief in ihrem Wesen sitzt, so daß mit ihr über Men* schenwtirde und Menschenrecht nicht mehr zu diskutieren ist. Selbst das Kriegsrecht hat-seine internatio? nal festgelegten Einschränkungen, die von der in. Deutschland herrschenden Partei längst über* schritten worden sind. Den Weg des. deutschen •Nationalsozialismus zeichnen edelste Blut* zeugen inner* und außerhalb Deutschlands, so daß die Welt sich längst ihr Urteil bilden konnte über die kühne Behauptung — die der Wahrheit, wie noch nie zuvor, ins Gesicht schlägt —, der Nationalsozialismus hätte Attentate verab* scheut. Von Dollfuß über Professor Lessing, von dem vollständig unpolitischen jüdischen Juwelier Futter weit bis zu den zahl* und namen* losen Gräbern der in den Konzentrationslagern Ermordeten führt der.. Weg der national* sozialistischen Entwicklung. Es ist nicht deutsche Art, was in Deutschland heute herrschend tobt. Die deutsche Geschichte, gleichwie die Geschichte der Menschheit selbst kennt keine Analogie zu den Geschehnissen, die sich jenseits der deutschen Grenze ab־־ spielen. . Was soll uns diese Wahrheit, wenn die Lüge drüben zügellos herrscht und noch, immer hun* derttausende Juden diesem Regime restlos aus* geliefert sind? Man fühlt es fast als Beruhigung, wenn die englische Presse in den letzten Tagen wiederholt meldet, daß ein Gesetz der Bestäti* gung des Staatsoberhauptes harrt, das alle Juden aus Deutschland verweist. Für diese Menschen, die noch immer, wie es jüdische Art ist, treu an der Scholle hängen, auf der ihre Wiege gestanden und auf der die Gräber ihrer Väter liegen, wird dieser Zwang vielleicht besser sein. Aber was wird die Kultur* aistage menschheit des zwanzigsten Jahrhunderts! dazu sagen? Läßt-sich unsere Zeit wirklich ..so■Uns Gesicht schlagen, und sinnfällig zeigeh, daß alles Gerede von Kultur und Entwicklung; leere Faselei ist und daß das zwanzigste Jahr* hundert schuldlose Menschen mittelalterlichen Folterungen aussetzen, läßt, ohne daß die ge* treterie Menschlichkeit sich ,aufbäumt?V;. .Die jüdische ״Geschichte kennt solche Leidensbiätter und weiß zu erzählen, daß die Opfer solcher Verfolgungen nicht durch ver* irrte Einzelgänger, sondern durch die' gsttjiche Gerechtigkeit gerächt wurden. So wie heute;das gesamte deutsche Judentum für die, wohl be* greifliche, aber doch unfaßbare Tat eines-ein* zelnep leiden muß, so wird ־.einst;, das ganze deutsche Volk die Schändung der. Kultur d!1rch seine, derzeitigen Führer büßen müssen,’ .\veh.n nicht vorher noch alles, was den geistigen Ver* irrungen der Zeit in Deutschland und äußert halb standgehalten hat, alle sittlichen;K14ifte mobil machen wird im Kampf gegen die ,'Zei:* Störungen des Nationalsozialismus. ־;, ־ Für uns religiöse Juden und für die Re 1!* giosen ’aller Konfessionen ist das ganze gewaltige Problem in erster Reihe ein r e 1 i g i ö s e s. Wäre die. Menschheit religiös eingestellt, wäre Deutschlands Jugend —• die jüdische, und. die nichtjiidisgHe —י religiös erzogen worden, diese geistigen Verirrungen- und Entartungen wären nie möglich gewesen. Eine deutsche Jugend, die in ihren! Väterglauben großgezogeri worden ist, wäre nie fähig gewesen zu dem, was sich heute in Deutschland abspielt. Eine jüdische Jugend in Deutschland, wenn sie.in ihrer Gesamtheit religiös erzogen gewesen wäre, hätte nie die Angriffsflächen geboten, die die Gegner — ob mit Recht oder Unrecht, .sei dg* hingestellt — bei der mehr politisch als ,religiös orientierten jüdischen Jugend Deutschlands zu finden vorgab. Daraus erwächst in erster Linie uns reli* giosen Juden Oesterreichs die gewaltige * Auf* gäbe, aus den blutig bezahlten Fehlern .z u lernen. Es erwächst aber auch für die Reif'* giosen der arideren Konfessionen die gewaltige Aufgabe, das religiöse Pflichtleben, in ihrem Kreis auszubauen und das heranwachsende Ge* schlecht gegen Einflüsse zu immunisieren, die, wenn sie Raum gewinnen, das religiöse Leben zerstören, gleichermaßen, bei, uns wie bei den anderen. Die Gefahr, die gegen uns gerichtet ist, trifft die anderen Konfessionen nicht minder als uns selbst. DieAuseinandersetzung zwischen den Konfessionen ist nicht aktuell. Aktuell ist der Kampf Rer Religion gegen den überwuchernden heidnischen Geist,, gleichviel, ob er nun rot, braun oc|dr sonstwie getüncht ist. Und dieser Kampf wird an keiner äußeren Front, sondern im Innern entschieden, durch eine Gewinnung der Seelen der Jugend, dm alle Wunschträumc der Gegner zum Scheitern bringt. Wir wollen das Unsrige dazu tun, möge das gesamte Abendland das gleiche tun, ehe es von dem Ungeist der Zeit erfaßt und mit ihn! unaufhaltsam in. den Ahörund gezerrt wird.; JI||||||!III!!1IIIIIIIIII1|I|IIII!I!|I|||||||||||||[^ die gute! weltbekannte iJll||||||||||||||l!llllllllllll!lllll!IIIIIIIIIIH1% JAHRE! i ^111llllllllli||i|||i|||!||j|||||||||)||||!|||||||||F Othmar Schiff־Perücke 1.25 Telephon yr43־0״t@ nur Wien I, Kärntnerring $ m IAH ABI 0165320016

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