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Jüdische Presse · 1936-01-17 · 3 (17.1.1936) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
3 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Seite 2 jüdische mmm Nr* 3 Das Weltgewissen erwacht! h ei* Das deutsche, Judenproblem ist jetzt Gegenstand einer sehr regen internationalen Diskussion. Die Weltöffentlichkeit, die sich bisher mehr mit den Leiden und Verfolgungen befaßt hat, denen eine Menschengruppe — um mit Hochkommissär MacDonald Zu sprechen — bloß deswegen ausgesetzt ist, weil sie nicht ״nordisch״ ist, beginnt sich nun ernsthaft mit den Möglichkeiten, diesen Leiden und Verfolgungen ein Ende zu bereiten, zu beschäftigen. Noch besteht nicht vollkommene Klarheit über die ventilierten Projekte, noch sind sie zu einem großen Teil in Geheimnis gehüllt und doch berechtigen Form und Ausmaß ihrer Behandlung und besonders die im Zusammenhang damit genannten Namen zu begründeten Hoffnungen. Es handelt sich anscheinend um zwei parallel laufende Aktionen; um eine offizielle des Völkerbundes und um eine private der führenden englischamerikanischen Kreise mit Sir Herbert Samuel an der Spitze. Dem Völkerbund, der nach dem sensationellen Abschiedsbrief MacDonalds einer eingehenden Prüfung der darin aufgeworfenen Fragen nicht mehr ausweichen kann, liegen die Pläne seiner Kommission für Flüchtlingswesen vor. Danach soll — im Gegensatz zu der bisher gepflogenen Uebung — die Gesellschaft der Nationen die Sache der Transferierung deutscher Juden und ihrer Vermögen zu ihrer eigenen machen. Dazu sollen alle Mitgliedsstaaten herangezogen werden, um sich nach den vorhandenen Möglichkeiten in der Aufnähme .der Auswanderer zu teilen. Eine weit großzügigere Aufgabe stellen sich die Männer um Herbert Samuel: die Massenkolonisierung von 2 5 0.0 0 0 deutschen Juden in Palästina und Siida m e r i k a. Obwohl die Verhandlungen in den nächsten Tagen ihren Anfang nehmen sollen, sind nähere Einzelheiten noch unbekannt. Die Angaben über den zu gründenden Fonds schwanken zwischen 3 und 10 Millionen Pfund; ebenso sind die Meldungen der englischen Presse über die Be- Ziehungen dieser Institution zum Völkerbund einander widersprechend. Soviel aber ist gewiß, daß dem Projekt das Interesse und ,Wohlwollen der ganzen zivilisierten Welt sicher sind. Anderseits dürfen jedoch die damit verbundenen Schwierigkeiten nicht verkannt werden. So ist Südamerika, das wegen seiner riesigen Ausdehnung bei einer minimalen Bevölkerungsdichte eigentliche Gebiet für die gedachte Ansiedlung, ein politisch noch unfertiger Länderkomplex, wo Revolutionen und Umstürze zur Tagesordnung gehören. Die meist farbige Bevölkerung übt durch ihr Stimmrecht weitgehenden Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten aus, was zu weitschauenden Plänen nicht gerade ermutigt, Desgleichen wird die Beschaffung der nötigen Kapitalien den Initiatoren des Projekts manch harte Nuß zu knacken geben. Und da leider auch die Kerkermeister der deutschen Juden dabei ein Wort zu reden haben werden, stehen der Realisierung des Samuel-Planes noch sehr beträchtliche Hindernisse im Weg. Maßgebende deutsche Kreise, deren Wortführer der Wirtschaftsdiktator Schacht ist, lehnen nämlich eine jüdische Massenauswanderung überhaupt ab, während eine solche von anderer Seite nur unter der Bedingung befürwortet wird, daß mindestens 50 Prozent der Von den Emigranten in Form von Waren mitgeführten Vermögenswerte in ausländischer Währung ins Reich zurückströmen. Noch radikalere Stimmen fordern außerdem als ״Aequivalent" für die Entlassung der Juden aus ihrem Inferno die Einstellung des Weltboykotts. Daß die Wilden des Dritten Reiches ihre Opfer den Wilden Südamerikas nicht gönnen, ist in ihrer ö k onomischen Lage begründet und darum werden diesbezügliche Verhandlungen nicht ganz reibungslos verlaufen können. Und doch ist Optimismus am Platze! Namhafte Staatsmänner haben sich in den Dienst dieser Aufgäbe gestellt, deren Lösung eine Erlösung der deutschen Juden bedeuten würde. Südamerikanische Regierungen bringen dem Projekt viel Sympathie entgegen und es hat den Anschein, daß die englischen und amerikanischen Juden diesmal tief in die Tasche greifen wollen, um das furchtbare Schicksal ihrer Brüder in Deutschland zu wenden. Ihre Situation läßt es dringend erscheinen, daß die Aktion recht bald über das Stadium theoretischer Erörterungen hinauskommt, zu welchem Zeitpunkt — das sei schon jetzt gesagt — auch die Orthodoxie nicht umhin können wird, ihre gerechten Forderungen anzumelden. Aber auch bis dahin gebührt dem Plan die höchste Anteilnahme der jüdischen Oeffentlichkeit, damit seine Initiatoren den nötigen Rückhalt haben, die Betroffenen den nötigen Mut schöpfen und damit die übrige Welt den nötigen Ernst findet. G. Nvr untet dem Zwang einer unfairen und sachlich absolut unbegründeten Pressefehde, die das Parteiorgan des Präsidenten der Wiener isr. Kultusgemeinde gegen uns eröffnet hat, sehen wir uns veranlaßt, hiemit folgende sachlichen Aufklärungen, die wir unseren Lesern schuldig zu sein glauben, zu geben: In ihrer letzten Nummer behauptet die ״Stimme״, daß wir uns ״durch einen Gewaltakt in den Besitz der ,Jüdischen Presse‘ gesetzt haben“. Wir stellen demgegenüber fest, daß wir über dringenden Wunsch und im Aufträge der Führer der Wiener Orthodoxie, schließlich über Ersuchen des früheren Herausgebers unserer Zeitung, Herrn ßabb. Dr. Joel Pollak, vor mehr als drei Jahren die Leitung der ״Jüdischen Presse“ übernommen haben und daß wir nach wie vor das Vertrauen unserer Führer genießen. Wenn weiters von ״Burschen“ die Rede ist, so bemerken wir, daß es bei der Arbeit für die Orthodoxie bei uns weniger darauf ankommt, wie viel Jahre man bereits vertan, als darauf, wie man sie ausgefüllt hat. Und wenn ein führendes Parteiorgan, das die ״Stimme“ zu sein vorgibt, den Präsidenten der Weltorganisation Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, als ״Frankfurter Rabbiner“ und ״Döktor“ bezeichnet, so ist das entweder Ignoranz oder eine bewußte Entstellung mit fraglicher Tendenz. Wie die Kultusgemeinde jemanden zwingen will, von uns abzurücken, ist natürlich ihre Sache. Ebenso ist es ihre Sache, ob sie sich zur Vollstreckerin des Willens der ״Stimme“ erniedrigen will. Wir für unseren Teil wollen nur feststellen, daß wir die ״Jüdische Presse“, die mehr als doppelt so alt ist wie die ״Stimm e“, in selbstloser Weise übernommen haben und führen, um der Orthodoxie und ihren heiligen Zielen zu dienen. Die Behauptung, daß die ״Jüdische Presse“ ״u n t e r Ausschluß der Oeffentlichkeit“ erscheint, widerlegt sich von selbst durch die Tatsache, daß gerade die Wiener Kultusgemeinde viele Jahre hindurch ihre Ankündigungen gut bezahlt in der, ״Jüdischen Presse“ veröffent.licht hat. Wir waren es, die die weitere Veröffentlichung der Verlautbarungen der Kultusgemeinde abgelehnt und die Bezahlung zurück ge wies e n haben, da wir den Geist dieser Verlautbarungen als mit unserer religiösen Grundauffassung unvereinbar erkannten. Im übrigen ist — und. das bleibt die Hauptsache — unsere Oeffentlichkeit mit uns und wir mit unserer Oeffentlichkeit zufrieden, was auch der große Erfolg unserer heurigen Prämienaktion vollauf beweist. ״Um das Heilige Land“ Der Legislative Council. ■— Und die Katholiken in Palästina. Die unglückselige Art, mit der die Jüdischnationalen Innere und äußere jüdische Politik machen, läßt bittere Früchte reifen. Letzthin ist der Kampf um den Legislative Council in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt und er nimmt stellenweise Formen an, die einfach widersinnig sind. Wir glaubenstreue Juden sind seit ehedem Gegner .einer geräuschvollen, provokatorischen Politik, die Zwangsläufig.Widerstände auslöst. Genau das Gegenteil tun 'die Jüdischnationalen. Ihre ganze Politik ist auf Agitation berechnet und alle ihre Aktionen sind der Gasse angepaßt. Die Frage des Legislative Council ist zweifellos eine Lebensfrage der jüdischen Bevölkerung von Erez Jisroel und der Vertreter der Agudas Jisroel hat auch anläßlich des Empfanges der jüdischen Vertreter beim High Commissioner in sehr eindringlichen, aber maßvollen Worten die Bedenken der glaubenstreuen Juden- Schaft zum Ausdruck gebracht. Anders die Jüdischnationalen. Sie haben in einer überaus scharfen ,Weise gegen den Gesetzgebenden Rat Stellung genommen, der, vom Standpunkt der Mandatsmacht gesehen, ja immerhin eine gewisse Lösung bedeutet. Aber nicht nur im Heiligen Hände selbst, sondern in der ganzen Welt wird die Frage in Massenver- Sammlungen behandelt und auch in Wien haben in der vorigen Woche nicht weniger als drei solche Ver- Sammlungen stattgefunden, in denen sich das jüdischnationale Parteienkonglomerat je nach Couleur und Temperament weidlich austobte. Wenn es auch schwer erfindlich ist, welchen Eindruck eine solche Wiener Ver- Sammlung auf die Mandatsmacht machen soll, so haben ,dieselben doch hier eine Wirkung ausgelöst, die lins alles eher als willkommen ist. Die katholischen Kreise Europas, die seit langem die chauvinistisch-jUdischnationale Politik mit einiger Besorgnis — mehr oder vvenger berechtigt —ver•* folgen, rüsten zu einer Gegenaktion. Die ״Reichspost“, das Organ der Katholiken Oesterreichs, das darüber hinaus als katholisches Weltblatt ersten Ranges Geltung hat, befaßt sich in letzter Zeit des öfteren schon mit den Verhältnissen im Heiligen Lande und hat vor kurzem die katholischen Belange in Palästina gewahrt verlangt. In gewohnter Manier haben die Jüdischnationalen Oesterreichs, im Gegensatz zu ihren Parteifreunden In anderen Ländern, einen Lärm geschlagen, in weichem die sachliche Diskussion der aufgeworfenen Fragen vollständig untergiug. Noch weiter will die ״N e u e W e 11“, das Organ des neuen Vizepräsidenten der Wiener Israelitisehen Kultusgemeinde, sich die Schützenhilfe engli- Seher zionistischer Kreise gesichert haben, um so die an sich nicht besonders bedeutungsvolle Angelegenheit zu ״Hausmittel“ sind nicht zu unterschätzen t Sie beruhen meist auf jahrhundertealten Erfahrungen und letzten Endes geht ja auch die Zusammensetzung aller modernen Präparate auf die längsterprobte Wirkung solcher Mittel zurück! Mit Recht wird darum ein guter Franzbranntwein, also der Alpa-Franzbranntwein, hochgeschätzt: als Einreibungs- und Massagemittel, als Desinfektions- und Schmerzberuhigungsmittel leistet er in zahlreichen Fällen ganz außerordentlich wertvolle Dienste! Ihr Mund ist der Vorraum zu Ihrem ganzen Organismus. Das Zahnfleisch, die Winkel und Falten׳ des Mundes, sind Stellen, die das Wachsen und Gedeihen der Bakterien sehr begünstigen. Das ODOL-'Mundwasser gibt Ihnen die Möglichkeit einer gründlichen und vollständigen Reinigung des Mundes und beseitigt unreinen Atem. Auch reinigt es zwischen den Zähnen sehr gründlich. Außerdem enthält das Odol-Mundwasser neben dem Odol-Antiseptikum den Myrrheextrakt, der gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches wirksam verwendet wird. einer ״Staatsaffäre“— im wörtlichen Sinne — zu machen. Mit Recht wehrt sich daher die ״Reichspost“ in ihrem Leitartikel vom 11. d. M. gegen diese willkürliche Ueberäimensionierung der Angelegenheit und sie weist die Berechtigung ihrer Besorgnisse an Zitaten aus den bei den erwähnten zionistischen Versammlungen gehaltenen Reden nach, die an sich natürlich nichts anderes sind als Phrasen, die zum Fenster hinaus gesprochen und vollständig belanglos sind. Die Art unserer Zionisten, um einen wohlfeilen Versammlungserfolg solche Komplikationen zu riskieren, ,richtet sich damit von selbst. Um Schlagworte und kleinlicher politischer Erfolge willen haben sie in der Landes- Politik Ünheil gestiftet, um eine schöne Phrase kompromittleren sie das jüdische Volk und das jüdische Land und um einen Parteierfolg zerstören sie blühendes jüdisches Gemeinschafts- und. Gemeindelehen. Aber nicht allzu lange mehr. So wie sich alle konstruktiven Kräfte von außen gegen diesen hohlen Chauvinismus wehren, so wehrt sich im Innern der gesunde Sinn des jüdischen ]Menschen gegen diese Partei- Wirtschaft. Der Tag, an dein das jüdische Geme in schaftsleben: vom jüdischnationalen Parteihader gereinigt sein wird, scheint uns nicht mehr ferne. AzteUxyetoziMcUafi ,Jüdische?*esse' Den zionistischen ״Landespolitikern“ ins Stammbuch Der frühere Ministerpräsident Tsaldaris!wendete sich dieser Tage mit folgenden Worten an die Juden Griechenlands: ״Ich höre, daß ׳einige Juden versuchen ^wollen, bei den kommenden Wahlen eine eigene jüdische Kandidatenliste auf zustellen. Wenn die Juden sich aus freiem Willen von den übrigen Bürgern absondern, dann werden sie selbst die!Schuld für die Minderung ihrer politischen ׳Rechte zu tragen haben und die!besondere Wahlkurie wird ihnen bei der erstbesten Gelegenheit auf genötigt, werden; auch ich wäre dann nicht in der Lage, dagegen zu protestieren, denn der Präzedenzfall einer jüdischen Kandidatenliste würde alle, meine Bemühungen zuschanden machen. Alle Juden wollen Griechenland, Griechenland!will alle Juden. Ich wäre wirklich traurig darüber, wenn die Juden eine eigene jüdische Liste unterstützen, die sie im politischen Leben isoliert und ein ״politisches Ghetto״ schafft.“ WIR DANKEN allen unseren treuen Freunden und Lesern, die durch rechtzeitige Einzahlung der Bezugsgebühr für das Jahr 1936 unserer diesjährigen Prämionaktion zu einem durchschlagen de 11 Erfolg verholten habe 11. Wir danken ihnen für diesen Beweis der Anhänglichkeit, der uns neuen Mut und neue Hoffnung gibt und der uns anspornt, auf dem begonnenen Wege weiter an dem Ausbau der ״Jüdischen Presse“ zu arbeiten. Daß heuer noch mehr Abonnenten, als in den früheren Jahren, von unserem Prämienangebot Gebrauch gemacht haben, beweist uns, daß uns die Wahl der Bücher besonders geglückt war. Mit dem Gelingen der. Prämienaktion ist im übrigen zugleich eine Unterstützung derjeiligen Verlage verbunden gewesen, die in Deutschland große Not leiden. Da wir heuer nur dank der großen Abschlüsse, die wir mit den Verlagen tätigten, in der Lage waren, Prämien von so hohem Wert, deren Einzelpreis sonst die Höhe der normalen Bezugsgebühr erreicht, zu\ gewähren, und da uns ans den großen Abschlüssen von einzelnen Prämien noch wenige Exemplare übrig geblieben sind, haben wir uns entschlossen, unseren Abonnenten diese restlichen Bücher auf Wunsch zu unserem Selbstkostenpreis zu überlassen, Die Preise der einzelnen Bücher werden wir über Anfrage bekanntgeben. Bestellungen werden, solange der Yorra^!,eicht, in der Reihenfolge ihres Ein■• langens erledigt, Hauptgeschäftstelle,'Jüdische Presse“

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