Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 3 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vffi, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGnn für Die imeReseen Des 0RTH0D0Hen JuoenTums Pflegen Sie Ihre Zähne mit ODOL- Zahnpasta und Sie erhalten sich gesunde Zähne bis ins hohe Alter. /f Kleine Tube S — .90 Große Tube S 1.40 Franzbranntwein verschafft Rheumatikern große Erleichterung Die Krise in der Wiener Kultusgemeinde Die Feststellung der Tatsache, daß die jüngsten Vorkommnisse in der Wiener isr. Kultusgemeinde t den Uebergang aus dem Stadium einet latenten in das einer akuten Krise bewirkt haben, die wir in unserer Nummer vom 3. d. M. an Hand von verlaßliehen Mitteilungen machten, hat Eingang in die Tagespressegefunden. Das genügte den unterschiedlichen jüdischnational-zionistischen Parteiorganen, um über die Wiener Orthodoxie herzufallen. Allen voran die ״Stimm e“, die sich über drei ihrer kostbaren Spalten über diese Angelegenheit ausbreitet, in einer Weise, die dem Parteijargon dieser Herren entspricht. Der Mangel an Logik und Argumenten wird durch Gift und Geifer ersetzt. Uns kann nicht zugemutet werden, in den gleichen Ton zu verfallen. Sachlich ist überh a u p t nicht viel und schon ganz besonders nicht viel Neues in dem Artikel enthalten. Wenn wir uns daher heute trotzdem noch einmal bemüßigt sehen, auf die fadenscheinige Argumentation zu erwidern, so geschieht dies nur deshalb,.um zu vermeiden, daß unser Schweigen als Schwäche ausgelegt wird. Der Adas-Jisroel-Schiffschul wird wieder vorgeworfen, sie habe zu wenig Mitglieder, ihre Steuerleistung betrage nur so und so viel oder wenig tausend Schilling, die ״Subvention“, die sie direkt oder indirekt beziehe, betrüge ein Vielfaches dieser Steuerleistung und schließlich wird behauptet, die Orthodoxie wäre nicht im Stande gewesen, ein Mandat im Kultus- Vorstände zu erobern. Das Ganze scheint bei der ״Stimme“ ein stehender Satz zu sein, auf den wir wie schon oft heute wieder nur folgendes sachlich und kurz erwidern: 1. Die S c h i f f s c h u 1 ist mit Ausnahme des Tempels in der Seitenstettengasse der älteste Tempel Wiens. , 2. Die angeblich kleine Zahl der Schiffschul- Mitglieder wird durch die moralische Kraft und religiöse Stärke der Adas-Jisroel- Gemeinde reichlich aufgewogen. Wir stellen fest, daß an jedem beliebigen Wochentag in der Schiffschul mehr Andächtige zum G-ttesdienste erscheinen, als in allen Wiener Gemeindetempeln zusammen. Und darauf kommt es schließlich an! Denn die Diskussion geht um die religiöse Gemeinschaft der Juden. Daß viele von ihnen nicht eingeschriebene ״Mitglieder“ der Schiff schul sind, hängt — wie wir schon oft bewiesen haben — auch damit zusammen, daß sie sich eine Doppelbesteuerung, Kultusgemeinde und Schiffschul, nicht leisten können. 3. Seit dem Jahre 1852.sorgt die Schiffschul für das wichtige religiöse Bedürfnis der Wiener Judenschaft — die Schechitah. Seit damals beschäftigt sie unter Aufsicht ihres Rabbinats Schächter, während die israelitische Kultusgemeinde sich erst im Jahre 18 9 5 entschlossen hat, für rituelle Schächtung vorzukehren. 4. Das Märchen von der ״Subvention“ erledigt sich durch die Tatsache, daß die Schiffschul als solche nie einen Heller Subvention von der Wiener Kultusgemeinde bezogen hat, Wenn ihr nahestehende Institutionen lächerlich kärglich bemessene Subventionen empfangen, s o befriedigen sie religiöse Ansprüche von weit über die Schiffschul selbst hinausreichenden Kreisen der Wiener Judenheit, wobei die Schiffschul als solche ungleich größere Mittel für die Erhaltung dieser Institutionen aufwendet, als ihr Anteil an dem Ge:־ nuß dieser Institutionen ausmacht. Sollte jedoch die ״Stimme“ mit ihrer 100.000-Schilling-Fabel die Refundierung der Schächtgebühren meinen, so stellen wir zur Aufklärung der Oeffentlichkeit fest, daß es sich um die Gebühren der Sehechitah der Schiffschul handelt, die die Kultusgemeinde einhebt und für die sie sich noch eine Inkassogebühr zurückbehält. 5. Einmal hat es die Orthodoxie versucht, durch Wahlen Einfluß zu nehmen auf die Gestaltung der Dinge in der Kultusgemeinde, indem sie sich an den Wahlen beteiligt hat. Sie hat im ersten Anlauf drei Mandate im Kultusvorstand erobert und 12 Jahre hindurch behalten. Hätte sich die Orthodoxie auf den im Kultusvorstande üblichen Handel eingelassen, so hätte sie zu jeder Zeit mehr, wenn nicht viel mehr Mandate haben können. Sie hat es aber vorgezogen, aus dem Vorstande aus zutreten, nicht ohne vorher ihre Absicht, nunmehr den Kampf um die Selbständigkeit zu führen, bekanntzugeben. 6. Für die Freundlichkeiten, mit denen die ״Jüdische Presse“ bedacht wird und mit denen der Herr Ex-Vizepräsident und Noch-nicht-Amtsdirektor der Kultusgemeinde seine Mußestunden auszufüllen scheint, werden wir uns separat bedanken. Dagegen müssen wir doch endlich einmal Herrn Doktor Löwenherz — den wir als Inspirator des Artikels in der ״Stimme“ vermuten — in aller Oeffentlichkeit darüber aufklären, daß die Kreise der Adas-Jisroel sich bestimmt nicht nur aus Wiener, slowakischen und ungarischen Juden zusammensetzten, wie man uns konsequent vorhält, und daß schließlich — so leid es uns tut — nicht die Wiege aller Juden in Polen gestanden sein kann und muß. 7. Der Vorwurf zahlenmäßiger Schwäche rührt die, gegen die er sich richtet, nicht. Im Gegenteil: gerade die Tatsache, daß sie eine Minderheit sind, ist eine der stärksten Triebfedern für ihr Streben* inmitten der Wüste der G-ttlosigkeit eine Oase für die Religion erstehen zu lassen. Im übrigen ist es unbegreiflich, warum die Kultusgemeinde ihren Riesenapparat gegen eine so lächerliche ״Minorität“ mobilisiert hat, die man doch viel besser einfach ziehen läßt. In Wirklichkeit ist aber die Sache so, daß sich die Herren der jüdischnationalen Partei im klaren darüber sind, daß die einzige wirklich geistige und reli* giöse Potenz im Wiener Judentum die in der Schiffsch ul geeinte Orthodoxie i s t und daß die Kultusgemeinde alsreligiöse Institution ohne die Orthodoxie eine Farce sein wird. Weil es sich aber dem neuen Vizepräsidenten, ' Herrn Stricker, dem religiöse Dinge höchst nebensächlich sind, und seinen unterschiedlichen Parteigenossen nur darum handelt, ihre Parteipolitik auf Kosten der Gesamtjudenheit zu betreiben, wehren sie sich gegen die einzige logische Konsequenz in der bekannten Art, Jllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliik 1 25 I ■ JAHRE! 1 ^IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIP Othmar Schiff-Perücke I JS, f Telephon U43״*(M6 nur Wien I, Kärntnemng 6 “ 534853535348532353535300534848