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Jüdische Presse · 1935-12-20 · 49 (20.12.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
49 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 .. .. l•.- .« Ja JUmsCftfcPKESSE tff. 49 schwach wurde, war uns das breiteste Lager zu eng" (Sanhedrin 7 a). Der ,friede im Hause" ist gesichert* wenn der Mann wirklich der בעל ד.נ*ת ist, der ״Herr im Hause", wenn sein Wert gehört und befolgt wird; wenn die Frau neben ihm steht als *!** *אש Der הבר zeichnet sich aus, daß er die Gesetze der Reinheit beobachtet, bedacht ist beim Verzehnten seines Gutes. Wenn die Frau ihm zur Seite steht als Hüterin der Sittlichkeit, als Pflegerin echten sozialen Sinnes, dann ist der Friede gesichert. Wenn Sohn und Tochter ihrer Aufgabe treu sind, die das Wort *! andeutet: wenn sie körperlich — ,ב;ך — und geistig - - ,-:,ב — das Vätergut erhalten und mehren, wenn sie zwischen den Generationen stehen — ב*ן — dann ist die Harmonie gesichert und das Haus steht in der Zukunft, wie es in der Vergangenheit stand. Als Symbol des שלום בית grüßen uns Sabbat um Sabbat die Sabbatlichter! Die Bedeutung des Sabbatlichtes als Symbol des häuslichen Friedens Wird uns besonders klar, Wenn wir uns die Worte Rowos aus unserer Chanukahgemoro vergegenwärtigen: ״Dies ist mir klar; hat der Mensch nur Geld, entweder das Sabbatlicht oder das Chanukalicht zu bezahlen, dann hat das Sabbatlicht den Vorzug, wegen des ״Hausfriedens"; nur Geld für Sabbatlicht oder KiddUSchwein, hat wiederum aiis gleichem Grund das Sabbatlicht den Vorzug!" י Unsere Belegstelle sagt uns, das Sabbatlicht hat den Vorrang vor dem Chanukalicht und vor dem Kiddusch wein! Das Chanukalicht strahlt in die Weite א c י— פ ר ם ו מ א : י im Kiddusch schwingen wir uns zur Höhe; der Weg nach draußen, der Flug zur Höhe — beide müssen als Ausgangspunkt haben die Verwurzelung drinnen im ״Frieden des Hauses"! Unser kostbarstes Gut Die Arbeit des ״Tiferes Bachurim“ in Wien Das furchtbare Schicksal ׳ unserer Brüder im Deutsehen Reiche zeigt uns, daß Aufklärung und Kultur keinen Schutz gegen die Bestie im Menschen bieten. Das Golus für uns Juden hat noch nicht aufgehört. Wie im ersten Gclus in Mizrajim, müssen auch wir noch heute סהניבם ר,;ומה םר!לבם ביז־בם , mit gegürteter Lende; mit dem Stab in der Hand dastehen. Der Lendengurt, der Stab, »־iE den wir uns stützten, war immer unsere Thora! Sie hat uns durch die Jahrhunderte des Golus getragen und zu allen Zeiten vor geistiger Erniedrigung und sittlichem Verfall geschützt. Dieses kostbare Gut muß immer sorgsam gepflegt und den kommenden Geschlechtern vollständig weitergegeben werden. Leider ist zu unserem größten Schaden Jahrzehnte hindurch eine Generation von Juden in der Großstadt aufgewachsen, ohne von dem wärmenden Licht der Thora beschienen zu werden. Sie mußte die belebende Kraft der Sinai-Sonne entbehren. Nur einzelne, ganz wenige Groß- Stadtkinder waren es, die den Weg zu den Quellen fanden, aus denen der Jude stets Erfrischung und Neubelebung schöpfen konnte. Ein unvergeßliches Verdienst des Vereines ״Tif eres Bachuri m" ist es daher, daß er eis sich zur Aufgabe gemacht hat, Wiener Kinder aus der Stickluft der Großstadt in die von jüdischem Denken und Leben durchdrungene Atmosphäre der alten Kehilloh zu bringen,' damit sie dort zu den Füßen g-ttbegeisterter Lehrer die Hoheit und Reinheit der jüdischen Lehre erfassen. Die -בי־,:רי ד,:ז » diese Edelknaben des jüdischen Volkes, sie sind die Ehrenretter des Judentums. Sie widerlegen den Vorwurf, der Jude denke gemein, nur materiellen Vorteil suche er. Diese jungen Bachurim opfern die schönsten Jahre ihres Lebens nicht um Geld und Gut; ihnen winkt keine wohldotierte Versorgung, wirtschaftliche Vorteile haben sie nicht zu erwarten. Sie lernen Thora, weil sie die sittliche und geistige Vervollkommnung suchen. Gibt es einen stärkeren Beweis wahrhaft i d״e, a 1 e r Lebensauffassung? Und diese mit heiligen Idealen erfüllten Menschen kommen nach Wien zurück, in unsere Kehilloh, in die Wiener Judenschaft, und bilden da die stärkste Stütze jüdischen Denkens. Sie sind die Kern truppen des wirklichen Judentum s. Daß diese Kerntruppe, | FEUILLETON ■ Das Lichtlein der Zuversicht Von Emanue! Geldwerth Es war ein unerhört strenger Winter, Eisiger Frost hielt das Land umklammert, das unter einer unübersehbaren Schneedecke wie im Todesschlaf dalag. Seit■ Menschengedenken hatte solche Not nicht geherrscht; die Wohlhabenden klagten über große Teuenvng und die Armen litten unsäglich unter Hunger und Kälte. In dem armseligen Häuschen am Ende des Dorfes vor dem großen, dunklen Walde, aus dem jetzt so häufig das Heulen der Wölfe zu hören war, fror und hungerte die kranke Witwe Gittel. Seit Tagen schon hatte sie nichts Ordentliches gegessen und die ihr so wohltuende Wärme nicht genossen. Nun hatte sie ihr Letztes für etwas Holz und Kartoffeln hergegeben, aber Jankel hatte teures Olivenöl für die Chanukalicht er gekauft. Wie er da vor ihr stand, mit dem stillen Gesicht und den großen, verträumten Augen und — wie immer, wenn er etwas angestellt — keine Miene verzog, stieg maßloser Zorn in ihr auf. Er war das Einzige, was ihr seliger Mann ihr hinterlassen. Von־ ihm hatte er auch die sonderbare Ar t; der Gedanke, aus dem Jungen könne nie etwas Rechtes werden, tat ihr in der Seele weh, als wär’s ihr eigenes Kind. Aber was kann man schon von einem. Kind erhoffen, das seine Altersgenossen und ihre Spiele meidet und den ganzen Tag seltsame Weis en sin g t oder Vögel füttert? Von einem Kind, das, wenn man es schilt oder schlägt, nicht weint und schreit, sondem stumm in die weite Ferne sieht, wie er es auch jetzt tut? ,Nabe ich dir nicht gesagt, daß es mein letzter Notpfennig war? Mir zittern vor Kälte die Knochen im Leibe und, ich vergehe vor Hungei״! Du aber kaufst Oel für die Lichter! Ich hab’s dir doch gesagt: G-tt Frömmigkeit, die nicht ihre Pflege findet im Schoß der Familie, in ihrem täglichen Leben, in ihrem Handel und Wandel, die nicht äüs dem Hoden der häuslichen Gemeinschaft ihre Nahrung sieht, verdörrt und verkommt: sie wird entweder Sur leeren Form oder zum Schau* gepränge. Der Frieden des Hauses umgibt sie mit der schützenden Mauer: die Eltern leben Sie vor — denn Vorbild allein ist Erziehung — und so bleibt sie in den Kin* dem lebendig!י Das Wirken in die Weife, öffentliche Tätigkeit ist nur dann erfolgreich und gesegnet, wenn dem Menschen dazu aus seinem Hause immer neüe Kraft strömt! Wer im eigenen Hause zu säubern hat, kann nicht vor der Tür des Nächsten fegen! ״Sammelt erst euch und dann die andern" lehrt Zephanja! ,,Erst schmücket euch und dann die andern", so erläutert Resch*Lokisch dies Prophetenwort! Erst wenn man in seiner Stadt gesegnet ist, kann man auch auf dem F e 1 d.gesegnet sein! So segnet der שלום בית den Weg nach oben und den Weg ins Weite! ' Und vielleicht ist dies der Sinn jenes Wortes, das uns im Namen des Rabbi Elosor (in Psochim 88 ä) aufbewahrt ist. ״Und es werden gehen viele Völker urtd sprechen: ,Kommt, wir wollen hinauf ziehen zum Berg G-ttes, zum Hause des G-ttes Jakobs!‘ Ist es nur J a k o b s G-tt, nicht auch der G-tt Abrahams^nd Isaks?' Die Antwort: ,Abraham suchte G-tt auf dem Berg, in der Höhe — Isak suchte G-tt auf dem Felde, in der Weite — Jakob suchte und fand G-tt im Hause‘!" Jakob, den das Leid im Hause angesprungen hatte, er hatte es erkannt und erlebt: die wahre Kraft zum g-ttgewollten, frommen Handeln — sie strömt aus dem Haus, aus dem Frieden des Hauses, sie strömt aus ״ שלוב ביהWolf S. Jacobson. dieser Segen des jüdischen Wiens, stets wächst, ist ein erfreulicher Erfolg der Tätigkeit von ״Tiferes Bachurim". Vor wenigen Jahren noch waren es nur etwa zehn Kinder aus Wien, die dem Thorastudium oblagen, nun ist ihre Zahl — sie möge m. G. H, weiter wach סי׳ ד — auf etwa hundert angestiegen. Unsere Dankbarkeit und Anerkennung für diese Leistung können wir nur damit hekünden, indem wir alles daransetzen, um die Arbeit des ״Tiferes Bachurim" zu fördern. In der kleinen Kehilloh förderte ein Hausierer das Thora-Studium, indem er mit dem Bachur sein kärgliches Mahl teilt. Das können wir hier nicht. Aber wir können ״Tiferes Bachurim" darum ersuchen, uns eine Sammelbüchse auf den Tisch zu stellen, damit wir den Wert des Brotes für die hungrigen Bachurim sammeln. Jeder Groschen hilft dazu, an jedem Tag ein Licht der Thora neu änzuzünden, einen frischen Makkabäerkämpfer auszurüsten. Und mag die Schar dieser Kämpfer vorerst auch verhältnismäßig noch immer!dein sein; für den endlichen Erfolg braucht uns nicht bange zu werden. Erinnert uns doch gerade das Chanuka-Fest daran, daß die unbedingte Treue zum alten, ererbten Judentum auch eine kleine Schar stark und siegreich gemacht hat gegen die gewaltige Uebermacht der Griechen, das Volk der Dichter und Denker im Altertum. ״Tiferes Bachurim" feiert sein Fest am Tage der Jahrzeit des genialen Gründers der Schiff schul, des Rabbi Salmen Spitzer s. Z. 1. Das Andenken an diesen Großen bringt uns die Kämpfe in Erinnerung, die er für die Freiheit der Thora, für die Unabhängigkeit und Selbständigkeit desüberlieferungstreuen Ju dentums geführt hat. Wohl ist es damals den Vorkämpfern der übermächtigen Reform gelungen, ihm den vollen Sieg im Augenblick Streitig zu machen. Doch seihe Arbeit konnten ׳sie nicht hindern. Das Fundament des von ihm geschaffenen Baues bastebt unerschüttert, es wJrd weitergebaut und das von ihm ersehnte Haus, die Selbständig keit und Unabhängigkeit des altüberkommenen Juden tu ms, wird allen Hinde missen zum Trotz sein. Die Religion, die der Volksgeist geschaffen und die der Zeitgeist nach Bedarf abändert und reformiert, und das Judentum, das als g-ttliehe Offenbarung von uns übernommen wurde, sind zw'ei völlig verschiedene Begriffe, die niemals eine Einheit werden können. Und zwangsläufig muß die Entwicklung hier zu einer vollständigen Scheidung führen. Je erfolgreicher die Tätigkeit von ״Tiferes Bachurim" ist, je größer die Zahl der Makkabäerkämpfer wird, desto rascher sind wir am Ziel. I. R a s t. ■■■MMMaHMMBBaBHBMMMMBHMMaMBiillfniWBBBMBIlinninnnnBBM«—w im Himmel weiß, wie’s bei uns aitssieht. Wenn er wollte, daß wir zu Chanuka Lichter zünden, , er . hätte uns das Geld dafür beschert!“ ״Ueberall, in allen Fenstern, werden die kleinen Lichtlein strahlen und ihre freundliche Helligkeit verstreuen und nur bei uns wird’s düster und grau sein“, hatte Jankel eingewendet. Aber die Mutter hatte die Achseln gezuckt und ihm noch einmal eingeschärft, das teure Geld ja mir für den bestimmten Zweck zu verwenden. Und n u n? ,Nun können wir uns an deinen Lichtern xoärmen und an ihrer freundlichen Helligkeit 1ms sättigen!“ Sie keifte noch lange, obwohl sie sonst ein. frommes, g-ttesfürchtiges Wdb war; doch Jankel kümmerte sich nicht darum und war heiter und frohgemut, bei der bitteren Kälte und dem quälenden Hunger. Denn auch die Makkabäer hatten nicht viel gefragt und nicht lange gezögert, als sie das Schwert gegen den tausendfach stärkeren Feind zogen. Und als sie dann nach herrlichem Sieg nur ein Fläschchen geweihten Oels fanden, sparten sie nicht damit und speisten die heiligen Lichter nach Vorschnft, was ihnen der Herr mit dem W u n d e r vergalt, daß das bißchen Oel für acht Tage reichte, ln Erfüllung der Gebote G-ttes baue man auf seine Hilfe allein; er verläßt seine Getreuen nicht und wird auch ihn, Jankel, nicht verlassen. Er hatte schon recht getan, trotz der Mutter Gejammer, daß ihr der Allmächtige verzeihen möge. Am Abend nach dem Maariwgebet füllte Jankel das erste Menorahlämpchen mit dem feinen Olivenöl, wie es kaum einer weit und breit erstehen konnte; mit tiefer Inbrunst und feierlicher Weihe sprach er die Segens- Sprüche' und entzündete dann das Lichtlein. Es strahlte hell und mild und sein freundlicher Schein fiel ihm so warm ins Herz, daß alle Seligkeit und alles Glücksgefühl, die als ungehobene Schätze darin ruhten, in blendendem Glanze aufleuchteten. Auch Gittel hatte sich beruhigt und. stand jetzt in andächtigem Schweigen vor dem Lichtlein, so daß Jankel glaubte, sein Anblick hätte auch sie froher gestimmt. Da erschreckte sie plötzlich stürmisches Klopfen. Die Menorah Salomos und unsere Chanukamenorali Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. ״Trotzdem der König Salomo zehn Leuchter gemacht hatte, entzündete er doch zuerst an der von Mosche gemachten Menorah die Lichter.“ Wohl ist es wahr und richtig, daß G-tt ״der Finsternis ein Ende" bereitete, indem er die g-ttliche Gabe der Vernunft dem Menschen als Begleiter für seinen Lebenspfad auf ■Erden beigesellte. Erhaben sind die Erfolge der menschlichen Vernunfttätigkeit. Erhaiben ist das ideale Sbreben nach Bildung innerhalb der Menschheit. Ist es doch diesem Streben zu danken, daß Einzelne und Völker sich aus dem rohen Zustand tierähnlicher Wildheit emporgerungen haben׳. Gibt sich aber der Mensch dem Irrwahn hin, er würde ■mit seinem Verstände fähig seih, auf alle. Fragen zu antworten, die letzten und höchsten Probleme des Daseins aus eigener Machtvollkommenheit Zu .erforschen und darüber Licht zu streuen, dann wird ihm ‘diese Überhebliche Selbsttäuschung zu einem Stein des Am- Stoßes im Dunkel und in Todeisschätten. Dann stürzt der Mensch jählings und unrettbar in die Untiefen furchtbarster Irrlehren. Ohne den Schützgenius g-11licher Offenbarung geraten derMen sch und die Menschheit auf Irrpfade, Von denenf es fast keine ■Rettung mehr gibt. Nur der Glaube an die g-ttliche Offenbarung spendet Heil und Beruhigung dem menschlichen Gemüt, gibt lindernden Balsam auf all die vielen Wunden des menschlichen Herzens, läßt himmlisches Gnadenlicht hineinströmen in den Geistestempel menschlicher Denktätigkeit. Daher entziindiete auch der Weiseste unter den Sterblichem, der König Salomo, Obwohl er selbst ׳zehn Leuchter gemacht hatte, d. h. im Besitz alles memschliehen Wissens und aller menschlichen Weisheit war (die Zahl 10 bedeutet in der Zahlensymbolik etwas Abgeschlossene's, Ganzes; siehe ״Grundlinien einer jüdischem Symbolik", von S. R.־ Hirsch 1. zuerst, die Lichter די*׳ י־״ ven Mosche bereiteten Menorah. Ohne die von Mosis überbrachte g-ttliche Offenbarung bleibt alles menschliche Wissen Trauen und Schauen. Und dieser Gedankengang spricht sich auch in der Meinung des einen Talmud-Weisen aus:■ ״Man lege die Chanukä-Mennrah zur r> c h t e ׳׳ S׳»Jt׳' der Türe, damit beide Gebote, die Mesusah und die Menorah, nebeneinander. 8יי einem Plat7־ smd." ״׳יח M וי u s 0 b ׳V: da״ Symbol des g e o f f e n b a r t e n Glauben s, denn auf den in ihr, enthaltenen Pergamentstreifen befinden sich die Grundilehren der g-ttlichen Offenbarung verzeichnet. Das Licht der Menorah ist hingegen ein Sinnbild! der g e isU-gen Erleuchtung des Menschen. Nun ist es das Zukunftsideal der Menschheit, diaß Glauben und Wissen, ׳g-ttliche Offenbarung und menschliche Weisheit, friedlich, in vollendeter Harmonie, nebeneinander .!thronen. Die Wissenschaft soll die dem menschlichen Verstand gesetzten Schranken nicht mehr in kecker Selbstüberhebung überschreiten. Sie soll Vielmehr in der g-ttlichen Offenbarung die ״Feu°rsäu!e“ erblicken, deren Führung sie sich anver'trauen!muß. Dies aber ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart sehen .׳wir, daß die Wissenschaft sich mannigfaltig vom rein materialistischen Voraussetzungen nicht ganz losmachen und daher!zur Anerkennung jener höheren geistigen ,Sphäre sich nicht emporschwingen kann. ,So ׳gilt nun für ums, Kinder der Gegenwart, die Meinung jenes anderen Weisen: Die an den geoffenbarten Glauben ׳erinnerndie Mesusoh hat zur r el ׳c h ,t e n, die das Licht menschlicher Erkenntnis versinnbildlich ende Menorah aber zur link e n Seite sich zu!befinden׳. Der Hausherr aber hat in seinem■ mit Zizzis geschmückten Talis zwisehen beiden zu stehen. Fühlen wir uns zu schwach, um, einem Maimonides und seinen :großen Nachfolgern gleich, eine vollendete Harmonie 7™1rahen Mesnsoh und Menorah zu schaffen, ist solches vielleicht auch in einer Zeite!poche wie der unserigen unmöglich, so dürfen wir keinen Augenblick vergessen, daß die Mesusoh naeh re<üüs, daß also das Primat der Offenbarung ׳gehört. Das G-ttliche Stets vor Augen zu halten, danach unsere Gedanken und Taten zu richten, unbekümmert um fremde Irrlehren, dies bleibt unsere ewige, unverämderliehe Pflicht, an die uns Chanuka erinnert. HBBBHHBHHBBHBHBBBBIBmHiflHBHflDBHflBHHBBHHBBSHBBBBBBBBnHflDHHBBBD Jankel öffnete einem großen Mann, den er nie zuvor gesehen. Der Unbekannte, dessen ganze Erscheinung und stattlicher Pelz Vornehmheit veimuten ließen, erzählte in hastigen Worten, er käme von jenseits der Grenze, wo ihm <tie Häscher auf den Fersen gewesen; er hätte seit vielen Tagen schon kein Dach über dem Kopfe gehabt, habe stundenlang im dunklen Walde herumgeirrt, bis ihm der Lichtschimmer im Fenster den Weg hieher gezeigt. Er bitte um Behausung und Lagerstatt für diese eine Nacht mir, denn bei Morgengrauen wolle er mit Dank weiterziehen. Gittel warf Jankel einen Blick zu, von dem er nicht xoußte, ob er mehr Verzweiflung oder Vorwurf ausdrücken sollte. Sie hatte Angst, den Fremden zu be- 1verbergen, konnte aber auch nicht ״Nein“ sagen, denn er sah gut aus und es war ihm deutlich anzumerken, wie müde und abgehetzt er war. Aber gegen Jankel loderte jetzt ihre Wut erneut auf. Er war an allem schuld; ihm hatte sie Hunger, Kälte und den ungebetenen Gast zu verdanken. Sie wollte ihm schon zeigen, wenn diese Nacht gut abliefe. Sie werde ihn zu Chaskel, dem Schuster, in die Lehre geben, beschloß sie; denn sie wollte endlich einmal Ruhe haben. Sie konnte kein Auge schließen und mochte es auch nicht; denn ihr war bang zumute, bis der Unbekannte sich erhob und Jankel nach dem nächsten Weg in die Stadt fragte. Und nun geschah etwas, was Gittel ihr Leben lang nicht mehr vergessen konnte. Nachdem Jankel dem Fremden den gewünschten Bescheid erteilt hatte, dankte dieser für die gewährte Gastfreundschaft, zog einen Beutel und schüttete daraus einen kliirenden Haufen blinkenden Geldes auf den Tisch, empfahl sich und war fort, noch ehe sie sich so weit erholt hatte, um auch nur ein Wort herausbnngen zu können,. Nun waren sie für lange Zeit aller Sorge enthoben. Ein Chanuka wunder war geschehen: Ans dem bißchen Oel war ein kleiner Reichtum geworden und die würgende Not hatte ein E'uäe; aus dem kleinen Lichtlein war ein großes Licht geworden, so hell und herrlich, daß Gittel es kaum fassen konnte, Sie fühlte sich gar nicht mehr krank; sie hüpfte und tanzte in übermütigster Freude umher, umarmte Jankel und

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