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Jüdische Presse · 1935-12-20 · 49 (20.12.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
49 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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*ovtnove mm!mV»«**# miüt pm * «yitmfo* t m. 4is12-m20־ V. b. b, Zeitungen vtiiit Vetfcget versendet Journal exp&ttö pat Pedlteuf 301II9CHB PRGSSS ב״ה WIEN.BRATISLAVA »SO. DEZEMBER 1935 כ״ר כסלו תרצ״ו־ S1. Jahrgang / Nummer 49 Redaktion und Administration: Wien, H., Mate* gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: .Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: filr Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kß 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״jüdische Fresse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.400, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGsn für 016 mTCRessen Des 0RTH0D0Ken jUDervrums Wegen dee aügemeinen "Feiertage etscheint die■ nächste Ausgabe deש ,Jüdischen Vxesse'ecst an* Fceitag; den 3. Jännet 1936 Dem Präsidenten der tschechoslowakischen Republik zum Gruß ,Thomas Garrigue Masaryk, der Begründer und erste Präsident der tschechoslowakischen Republik, hat sich in seinem 86. Lebensjahre entschlossen, sein Amt als Präsident der tschechoslowakischen Republik nied erzul egen, und den Rest seines Lebens in Muße zu verbringen. Mit Thomas G. Masaryk scheidet ein Mann aus dem aktiven politischen Leben, der nicht nur bei seinem eigenen Volke höchste Verehrung lind tiefste Liebe genießt, sondern dessen Persönlichkeit unter allen Völkern der Welt als eine Verkörperung staatsmännischer Weisheit, des Wahrheitsmutes und der Kampfenergie für Freiheit und Gerechtigkeit gilt. In•' der feierlichen Sitzung der Nationalver- Sammlung am Mittwoch vormittag würde zum Nachfolger des Präsidenten Masaryk der bisherige Außenminister Dr. Edouard Ben e ö gewählt. Dem neuen, noch verhältnismäßig jungen Präsideuten der tschechoslowakischen Republik geht nicht nur der Ruf eines großen Staatsmannes voraus, sondern auch der eines gerechten und rechtwirkenden Menschen, dem auch die Judenheit seines Landes und der Welt überhaupt für sein wiederholtes Eintreten für jüdische Interessen sehr zu Dank verpflichtet ist. Eine ausführliche Würdigung des scheidenden und, des neugewählten Präsidenten finden xmsere Leser im Innern des Blattes. Aus dem Inhalt der heutigen Doppelnummer 5 Chanuka 5696 Eine Vision! ״,Präsident-Befreier‘ Masaryk — Präsident Benes“ ״Die dritte Kenessio Gedaulo“ Ein programmatischer Aufsatz des Präsidenten der Agudas-Jisroel-Weltorganisation, Jacob Rosenh e i^m. ״Friede im Hause“ Von Rabbiner W. S. Jacobson.׳ ״Unser kostbarstes Gut“ Von I. Rast. ״Die Menorah Salomos“ von Rabbiner P h. Fischer, Sarospatak. ״Taharas Hamischpocho“, Ein Weckruf. Kritik und Betrachtung Feuilleton Von Woche zu Woche Nachrichten aus aller Welt EINLADUNG Wir laden herzlichst alle Thorafreunde zu dem großen Festbankette des ״Tiferes Bachurim“, das diesen Mozze Schabbos, Parschas Wajeschew, den 21. Dezember, um 7 Uhr abends im großen Saale der ״Wienea“ stattfindet, ein. Der gesamte Ertrag wird für arme Jeschiwoh-Bachurim verwendet. DER VORSTAND, Chanuka 5696 Träumerisch saß ich vor dem Chanukalicht. Verflossene Jahrhunderte wurden in meinem Herzen lebendig. Dunkle und lichte Kapitel der jüdischen Geschichte zogen vor meinen Augen vorbei. Die Schau in die Vergangenheit dringt tief in meine Seele. Es stehen vor mir die alten großen Helden de3 Chanukageschehens und wie . eine Vision tauchen sie aus dem Nebel der Vergangenheit auf. Sie spre״ chen zu mir: Wir sind auferstand'en, wir halten unsere Umschau in den vielen Ländern, wo Juden zerstreut leben und um ihr Judentum einen Kampf führen. Wir kommen aus D eutschland und stolz sind wir auf unsere Nachkommen, die dort aufrecht, ungebrochen, das schwere Los des Judeseins tragen. Unverhofft und unvorbereitet trat an sie das große Schicksal heran. Aber so war es auch zu unseren Zeiten in Modin. Die meisten waren verschüchtert, die meisten schwach. Sie glaubten, ihren Tribut der heidnischen Sitte und dem heidnischen Götzendienst nicht versagen zu können. Aber als unser alter Vater Matis j oh u auf stand. und-veinem schwachen-Ge!-- schlecht ein großes Beispiel bot, da horchten die meisten auf. Nur mählich, .nur zögernd, aber sie folgten uns. Unsere Schar wurde groß und stark. Wir haben einer mächtigen Ueberzahl die Stirn bieten können. Nicht anders machen es jetzt unsere Söhne und Töchter in Deutschland. Man hat sie erst zwingen müssen, ihr Judesein zu bekennen. Aber sie haben rasch gelernt, Bekenntnismut aufrecht zu tragen. Trotz der Tragik des äußeren Geschehens in Deutschland erkennen wir stolz, daß die dort Blut aus unserem Blute, Fleisch aus unserem Fleische sind. Wir waren aber auch in anderen Ländern. Und haben auch günstige Eindrücke gewonnen. Erhebende Beispiele der Hilfsbereitschaft. Die heilige Pflicht, die Not der Brüder mitzutragen, ehrt und adelt das späte Geschlecht der Makkabäerahnen. Nun sipd wir zu euch nach Wien gekommen, um zu sehen, wie hier das Judenschicksal begriffen, wie hier dieses Schicksal wirkt. Wir müssen gestehen, wir sind zu euch sehr ungelegen gekommen. Wohin wir uns wandten, wo wir nur die Lage der Juden erkunden wollten, hörten wir nur von einem e rbitterten Kampf, der unter den Juden tobt. Vom Kampf um Personen, vom Kampf um Amtsstellen. Wir wissen es, wie es in unseren Zeiten war. Auch hier begann der Verfall mit falschen Be- Setzungen der höchsten Posten. Einmal war es die Partei der Griechen, ein anderesmal der politische Einfluß der Syrer, welche auf die Bestellung der höchsten Beamten des jüdischen Dienstes Einfluß nahmen. Diese Beamten haben dann eine wahre Schreckensherrschaft ausgeübt, das brave, fromme Volk eingeschüchtert, und sie zum fremden Kult gedrängt. Lange dauerte es, bis wir uns entschlossen haben, das Aeußerste zu wagen, um dieser inneren Verlotterung, dieser Günstlingswirtschaft, auch mit dem Einsatz unseres Lebens, uns entgegenzustellen. Also neu ist die Geschichte uns nicht. Ueberrascht sind wir nur, daß man so wenig aus der Geschichte vergange׳• ner Zeiten und aus den offenkundigen Lehren der Gegenwart lernt. Wir haben gehofft, in Wien ein Geschlecht anzutreffen, das, aufgewühlt von dem Schicksal der Brüder und Schwestern im Nachbarlande, / Eine Vision geeint in der Not der eigenen Heimat, zum religiösen Aufbau ihrer Gemeinschaft rüstet, mit geeintem Willen, mit geeintem Herzen. Daß sie-aber selbstvergessen noch immer in Parteiung, in Abkehr von wahrer Religiosität, nach Schein und nach Macht greifen und Zwietracht und Haß untereinander sä'en, ist eine bittere Enttäuschung, die wir in unsere Heldengräber mitnehmen. Heldengräber! Das bittere Wort rüttelte mich wach. Die Vision schwand. Mit verträumten Augen sah ich in mein Chanukalicht, das noch immer mit hellem Schein brannte. Viele, viele Chanukalichter leuchten aus den Fenstern Wiener jüdischer Häuser. Trotz Falschheit der Führer, trotz Eigennutz der Mächtigen lebt auch im Herren unserer jüdischen Mitbürger in Wien das Vermächtnis der Makkabäer, für wahre Religion, für Treue, für das Vätervermächtnis leben zu wollen; wenn es nur einem kleinen, reinen Rest der Getreuen ,gelingen 'wird,״׳die‘"mA:cK:tXg:’e:'lErahn e der M akkabäe r zu erheben, um all die ungetreuen, falschen, eigennützigen Hirt'en zu vertreiben und G'ttes Herde wieder um den Mittelpunkt jüdisehen Lebens, um die heilige Thora, zu sammeln. L. ׳עזלום בית — Friede im Hause Zu פרשת וישב- שבת חנוכה Am ersten Tag Chanukah lesen wir dieses Jahr den Wochenahschnitt: ו וישב Bekannt sind die Worte, die Raschi — den Midrasch Raba zur Stelle in auffallender Weise variierend — zu diesem Wort bringt: ״Jakob wollte in Frieden weilen, da sprang ihn an — קפץ עליו — die Aufregung um Jassef“. Der Ausdruck קפץ עליו ist ungewöhnlich und die Erklärer beschäftigen sich mit ihm. Schewet Sofer sagt, daß Jakob äußeres Leid gewohnt war, das hätte ihn nicht aus seiner Ruhe, aus dem inneren Gleichgewicht gebracht, es mußte erst eine große Erschütterung, die in diesem Ausdruck angedeutet ist, über ihn kommen: die Aufregung um Jossef, die von innen her kam, von dem für einen Jakob, fast unerträglichen Gedanken, daß in seinem Haus die Fackel des Unfriedens entfacht wurde, daß unter seinen Kindern Uneinigkeit herrschte, daß sein שלום ביח bedroht war. Das war für Jakob fürchterlich, riß ihn auf aus seiner inneren Ruhe, die weder ein Esau noch ein Laban hatten gefährden können. Dieser Gedanke, daß Unfriede im eigenen Haus das schlimmste Leid, die herbste Schickung ist, findet sich auch in einem Wort wieder, das Rabbi Jauchonon im Namen des Rabbi Schimon ben Jauchoi tradierte: ״Schlimmer ist Unfriede im Haus des Menschen als der gigantischste Kampf, der von draußen kommt“. Da David vor Absälom floh, ruft er wehklagend aus: ״Ewiger, wie viele sind meine Feinde, viele erheben sich gegen mich“, beim. Kampf gegen Gog und Mogog spricht er wohl davon, daß die Völker toben, zu solch einem Schmerzensausruf, wie bei seines Sohnes Aufstand, läßt er sich aber nicht hinreißen.“ (Brochaus 7 b.) Der ״Friede im Hause“ läßt uns alle Not von außen ertragen, er ist die Voraussetzung d^für, daß der Mensch überhaupt etwas leisten kann. Gleichsam vom Himmel gebannt ist, wer nicht sein Haus baut, sein Glück in seinen Kindern sucht und dies Glück in ihrer Erziehung zu frommen, wissenden Jehudim zu finden weiß (Psochim 113 b). Der ״Friede im Haus“ läßt' uns glücklich sein 'unter engsten Lebensverhältnissen, U n f r i e d e im Hause kann jedoch selbst durch Reichtum und Behagen nicht überwunden werden: ״da unsere Liebe groß war, konnten wir ruhen auf des Schwertes Scheide, da unsere Liebe di© gute, weltbekannte ״$., I Othmar Schiff-Perücke f Telephon U;43-0״t6 Rllir Wien I, Kärntnerring 6 JAHRE! ₪!!ו!ווווווו1ו!ו1וו1ו!!ו0ד 022323230123532301532353232302

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