Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 48 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2630587-2630635--5153-2637443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Radom 1× ep/1000823
- Tiberias 1× ep/1048138
OCR text
Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 48 in der es erklärt, es werde den Kampf für das Wohl der Araber fortsetzen. Wie die Zeitungen melden, haben die Sankt 10־ nen gegen Italien 2u einer etwa fünfundzwanzig־ prozentigen Erhöhung der Preise für F a 1 ästina-Orangen geführt. Insbesondere die arabischen Kaufieute rechnen mit der Eroberung von Märkten, die der italienischen Orange jetzt verschlossen, sind, und haben den Export nach England gedrosselt, wodurch eine Preiserhöhung auf dem dortigen Markt von 4 auf 5 Schilling per Kiste im Laufe einer Woche herbeigeführt wurde. Durch schwere Wolkenbrüche sind die tiefer gelegenen Teile des Emek Chefer (Waadi Hawa־ fit) unter Wasser gesetzt worden. Die Straßen wurden stark beschädigt» so daß die Bevölkerung vom übrigen Jischmv abgeschnitten war; die Siedler hatten unter Nahrungsmangel zu leiden, der nun behoben ist. Nach Mitteilungen der deutschen Presse wurden im ersten Halbjahr 1935 Waren aus Deutschland nach Paiästina im Werte von 1,082.000 Pfund gegen 859.000 Pfund im ersten Halbjahr 1934 — ausgeführt. Der deutsche Import aus Palästina sank im ersten Halbjahr 1935 auf nur 248.000 Pfund gegen 593.000 Pfund im ersten Halbjahr 1934. Meldungen der hebräischen Presse zufolge finden an der SUdgrenze Palästinas militärische Uebun־' gen der arabiseben Jugend statt. Zahlreiche Jugendliche sind mit Waffen, hauptsächlich Jagdgewehren, ausgerüstet. Die Zeitungen bringen ihr Erstaunen über die Duldung dieser ‘ Uebungen seitens der Polizei zum Ausdruck. Vorläufig noch keine Schedule Seitens der Exekutive der Jewish Agency wird der J. T. A. auf Anfrage mitgeteilt, daß die Gerüchte, wonach die Jewish Agency auf Rechnung der Halbjahrsschedule Oktober 1935 bis März 1936 5000 Zertifikate vorschußweise erhalten hat, der Wirklichkeit nicht entsprechen. Bisher hat die Exekutive vorschußweise 1000 Zertifikate bekommen, von denen 500 für jüdische Palästina^Wanderer aus Deutschland bestimmt sind. Weiter wird der J. T. A. mitgeteilt, daß die Gerüchte, wonach der Aufenthalt sämtlicher bisher unter Außerachtlassung der Einwanderungsvorschriften nacn Palästina gekommenen Personen demnächst legalisiert werden solle, der Grundlage entbehren. * Das Steüerrecht der jüdischen Gemeinden. Die ״O f f i c i a 1 Gazette“ veröffentlicht das Reglement für die ,,Knesset I s r a e 1“, durch das dem ״Waad Leumi" das Recht eingeräumt wird, eine einprozentige Steuer von dem gegenwärtigen Erträgnis jüdischen Besitzes zu erheben. Jede jüdische Gemeinde (auch der agudistische ״Waad hoir aschkenasi" in Jerusalem. — Die Red.) kann außerdem eine Ertragsst e u e r von höchstens fünf Prozent für Erziehungs-, Wohlfahrts- und religiöse Zwecke einführen. Ferner können die jüdischen Gemeinden Gebühren für die Schechita, den Mazzot-Verkauf und die Ausstellung von Personalurkunden erheben. Das Reglement ist für den Waaa Leumi von Ben Zwi und E. Borligno unterzeichnet und vom High Commissioner genehmigt. * Der Ausbau des Hafens von Haifa Demnächst trifft in Palästina der bekannte englische Ingenieur Backtown zu Besprechungen mit der Palästina-Regierung über die Erweiterung des Hafens von Haifa'ein. Für die Durchführung des ersten Arbeitsabschnittes sind 100.000 Pfund erforderlich. Die Verwirklichung der gesamten Erweiterungspläne zu strategischen und kommerziellen Zwecken wird jedoch die Bereitstellung weit größerer Mittel notwendig machen. (Siehe auch ״Von Woche zu Woche".) WOClMi.~ (|Ä ■ ypfit xn Wo cli € JtmL )Entgegen der bisherigen XJebung der litauischen Stadtverwaltungen, jüdische Institutionen aus städtischen Budgets zu subventionieren, enthält der E tatv o rschlag der Stadtverwaltung von Kaunus keine einzig e Subvention an jüdische Anst alten: Wie aus Hebron gemeldet wird, wurde am Eingang zur Höhle M achpela eine Tafel in arabischer und englischer Sprache angebracht, der zufolge der Zutritt ohne schriftliche Erlaubnis vom Obersten Moslemitischen Rat verboten ist. Bemerkenswerterxoeise wurde das Schild nicht bei der siebenten Stufe des Grabdenkmals angebracht, bis wohin der Zutritt bisher ohne besondere Erlaubnis gestattet war. In einer Pressekonferenz erklärte der Generalsekretär der litauischen Nationalen Front (Regierungspartei), daß die Partei an dem Grundsatz der Gleichberechtigung aller Bürger Litauens festhalte und daher der Ansicht sei, daß eine Hetzkampagne gegen bestimmte Nationalitäten nicht zugelassen werden dürfe. % Die arabischen Arbeiter , des Jaffaer Hafens protestierten in einem Schreiben an die Regierung gegen die jüdische Einwanderung und das Anwachsen des jüdischen Einflusses im Hafen. Die polnische Agentur ״Preß" teilt mit, daß jüdische und christliche polnische Staatsangehörige in Deutschland neuerdings schweren Verfolgungen in Form von Haussuchungen und Inschutzhaftnahmen durch die Gestapo ausgesetzt sind; man will auf diese Weise die Polen zum Verlassen Deutschlands zwingen. Die Palästina-Regierung hat den Ban einer neuen J 0 rdanbrü cke beschlossen, die die neue Asphaltstraße aus Nablus (Sichom) mit Transjordanien verbinden soll. Damit wird ein palästinensisch-transjordanischer Verkehr ohne Berührung von Jerusalem ermöglicht. * Die bekannte Schriftstellerin Lili Koerber berichtet im ״Pariser Tageblatt" aus Japan, daß die antisemitische Anslandspropaganda Dr. Goebbels auch in Japan Wurzel faßt. Auf Grund des vorliegenden statistischen Materials erwartet man, daß die Zahl der Aut o mobile, Traktoren und Motorräder in P alä>stina bis zum Ende des laufenden Jahres l^.OOO sein wird. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden 25,300.000 Liter Benzin importiert.' Die letzte Ausgabe des ״D an zig er E ch 0", der einzigen jüdischen Zeitung Danzigs, wurde b eschlag nahmt, weil sie die J. T. A.-Meldung über die Kundgebung der Anglikanischen Kirche gegen Rassenhaß und für das verfolgte Judentum und ähnliche Kundgebungen französischer Kreise publiziert hat. Bis zum 2k. November sind seit Beginn der diesjährigen Saison kSO.100 Kisten Zitrusfrüchte aus Palästina exportiert worden. Anläßlich eines Besuches, in Turin empfing Kronprinz Umberto den dortigen Oberr ab bin er Dr. Dario Disegno in längerer Audienz. Der Oberrabbiner brachte dem Kronprinzen die Ergebenheilsgefnhle der alten Türiner jüdischen Gemeinde zum Ausdruck. Die Asphaltierung der Chausseen zwischen T el- Aviv, H aif a und Tiberias ist beendet worden. Der AutobusvOrkehr konnte infolgedessen bedeutend verbessert werden. Infolge der vor kurzem eingeführten Einschränkungen im Devisenverkehr ist die Auswanderung jüdischer Kapitalisten und Mittelständler aus Litauen nach Palästina äußerst erschwert worden. Wie die hebräische Tageszeitung ״Haboker‘1 meldet, wurden k 0 0 0 Dun am landwirtschaftlich gut nutzbaren Bodens in der Nähe des arabischen Dorfes Bat Dschabrin von Juden erworben. An dieser Stelle befand sich im Altertum eine jüdische Stadt. Für die am 15. Dezember stattfindenden W ahl e ■n zu m G e m ein d er at v 0 n T el - Aviv, bei denen 15 Stadtverordnetenmandate vergeben loerden, sind bisher 2k Kandidatenlisten mit insgesamt etwa 100 Kandidaten eingereicht worden. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Telephon R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. E Geschickte Hände- Zum guten Gelingen gehört noch mehr—einheller Kopf—der helle Kopf auf Dr. A.Oetkers Erzeugnissen! Backpulver —Vanillinzucker Die antijüdische Unruhewelle in Polen Intervention des Abgeordneten Minzberg und der anderen jüdischen Parlamentarier. Die tiefe Besorgnis, die in der polnischen Judenheit angesichts der von. den Universitäten ausgehenden und in Stadt und Land um sich greifenden anti jüdischen Hetze und der sich häufenden Angriffe herrscht, fand ihren Ausdruck in einer Reihe Interpellationen der jüdisehen Parlamentarier im Sejm der polnischen Republik. In der Plenarsitzung des polnischen Sejm führte der agudistische Abgeordnete Leib Minzb e r g schwere Klage darüber, daß die Machtorgane nichts unternehmen, um der gefährlichen Judenhetze im Lande entgegenzutreten und den Juden die Möglichkeit einer normalen wirtschaftlichen Betätigung zu garantieren. Er verurteilte scharf das erneuerte Handelsabkommen mit Deutschland, das den deutschen Waren die polnischen Märkte öffnen soll. Er protestierte gegen die Schließung der seinerzeit für jüdische Kinder eingerichteten Staatsschulen und den jetzt für jüdische Kinder bestehenden Zwang, auch an Sabbatli-Tagen die Schule zu besuchen. Zum Schluß sprach Minzberg die Hoffnung aus, daß die Regierung die Nöte und Forderungen der jüdischen Bevölkerung berücksichtigen wird. In der gleichen Sitzung sprach noch der jüdische Abgeordnete Dr. Sommer stein, der eine Interpellation an den ]Ministerpräsidenten und die ]Minister für Inneres und Justiz verlas, sowie der Abgeordnete Rabbiner R u b i 11 s t e i 11. Trotz der Zusicherungen der verschiedenen amtliehen Stellen, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den antijüdischen Ausschreitungen ein Ende zu machen, dauern diese vorläufig in vielen Orten noch an; An der..Universität Posen wiederholen sich täglich die antijüdischen Ausschreitungen der nationaldemokratisehen Studentenschaft. In Mislowitz, Oberschlesien, wurden in der Nacht zum Dienstag, den 3. Dezember, die Fensterscheiben in allen jüdischen Häusern der Stadt von Unbekannten eingeschlagen. ״ In Lodz ist der 46jährige Schneider Mordechai Mjodeld den in der vorigen Woche bei antisemitischen Exzessen erlittenen Verletzungen erlegen. Er wurde auf Kosten der Gemeinde bestattet. In Radom führte ein Nationaldemokrat einen Hieb gegen einen jüdischen Passanten, traf jedoch ein dreijähriges christliches Kind, das schwer verletzt wurde. Der Angreifer könnte entkommen. Die Behörden haben zur Vermeidung weiterer Bauernunruhen die Abhaltung von Wochenmärkten in einer Anzahl kleinerer Ortschaften des Radomer Kreises verboten. Aus Anlaß der Wiedereröffnung der Warschauer Hochschulen gab der Hilfsverein der polnischen Studenten einen Aufruf zur ,,Beruhigung“ der Studentenschaft heraus, in welchem die Schuld an den Unruhen den jüdischen Studenten zugeschoben wird. Der Aufruf ist vom Kurator des Studentenvereins Prof. Radszyszewski unterzeichnet. Die Polizei verhaftete in Novomiasto nach den kürzlichen judenfeindlichen Demonstrationen viele Nationaldemokraten. Nunmehr wird mitgeteilt, daß bei der Unterdrückung der Unruhen acht Personen getötet wurden. Der Führer der Nationaldemokraten in Nowomiasto wurde in das Konzentrationslager in Berezna eingeliefert. Während des Jahrmarktes im Städtchen Szmygel bei Posen am Freitag wurden die jüdischen Händler überfallen und blutiggeschlagen. Die Warenstände der Juden wurden ausgeraubt. Polizei stellte die Ordnung her. Im Namen des Charge d*Affaires der polnischen Gesandtschaft in den Vereinigten Staaten IM. L. Sokolowski hat der New Yorker polnische Generalkonsul Dr. Sylvester Gruszka dem Vorsitzenden des Verbandes der polnischen Juden in Amerika Benjamin Winter die Versieherttng gegeben, daß die polnische Regierung Ma ß na hm en treffe u w erde, um den Judenf e i n d 1 i c h e n A n s s c h r e i. 111 n g e n ein Ende z u machen und die Schuldigen der Bestrafung zuzuführen. In einer Konferenz, die nach dem Protestschritt des Verbandes der polnischen Juden im Konsulat stattfand, erklärte Generalkonsul Gruszka, das Schreiben des Verbandes sei an die Regierung in Warschau weitergeleitet worden. Am Sonntag, den 8.. und am Montag, den 9. Dezember, kam es in verschiedenen Orten Polnisch- Ober Schlesiens und P o s e n s zu ernsteren antijüdischen Ausschreitungen und zu Sabotageakten gegen jüdischen Besitz. In Katt'owitz wurden in der Nacht auf Montag gegen das jüdische Gemeindehaus und die Synagoge Bomben geschleudert, die explodierten. In Lipinnen und in Chropaczow wurden in mehreren jüdischen Geschäften die Auslagenfenster eingeschlagen, in letzterem Orte wurden zwei jüdische Kaufleute verletzt. In Posen wurden in ein jüdisches Kaffeehaus und in ein jüdisches Warenhaus Stinkbomben geschleudert. Im Warenhaus wurden Waren in großen Mengen vernichtet. Wohin wandern die Juden aus Deutschland? Weniger nach Palästina — mehr nach Uebersee. In der am 6. Dezember in Berlin eröffneten Jahres- Versammlung des Hilfsvereines der Juden in Deutschland stand die Auswanderungsfrage im Mittelpunkt. Es wurde festgestellt, daß die Auswanderung deutscher Juden nach Palästina, namentlich die von Kapitalisten, nach und nach a bnimmt, weil es immer schwerer wird, die als Ersatz für zurückgelassene Kapitalien ausgeführten deutschen Waren in Palästina und den übrigen Orientländern zu Geld zu machen; hingegen mache sich immer mehr ein Drang zur Auswanderung nach Uebersee bemerkbar, Von den Führern des Hilfsvereines wurde angekündigt, daß die jüdische Auswanderung aus dem Reich im Jänner 1936 das Dreifache der Auswanderung im November betragen dürfte; es wurde demgemäß beschlossen, für die Auswanderungsarbeit im Jänner 65.000 Mark, gegenüber 25.000 Mark im November 1935, zur Verfügung zu stellen. In der Versammlung wurde von einer Erklärung des italienischen Generalkonsulats Mitteilung gemacht, daß die italienische Regierung der Einwanderung deutscher Juden, denen die Mitnahme von je 30.000 Mark in Form von Reichsbankschecks, lautend auf italienische Lire, erlaubt wird, keine Schwierigkeiten in den Weg legen wird. Koscherfleischeinfuhr in Deutschland gesperrt Bekanntlich wurde nach der Machtergreifung durch Hitler ein generelles Schächtverbot für ganz Deutschland erlassen; den gesetzestreuen Juden wurde aber erlaubt, Koscherfleisch aus benachbarten Ländern einzuführen, die erforderlichen Devisen wurden hiefür zur Verfügung gestellt. Nunmehr hat die Regierung ein Verbot der Koscherfleicheinfuhr am 8. Dezember erlassen und dies mit der Notwendigkeit von Devisenersparnis begründet. Die rituell lebenden deutschen Juden können sich seit dem 9. Dezember kein Stückchen Fleisch mehr beschaffen — auch die Schächtung •von ■Geflügel ist in Deutschland: .verboten — und ernähren sich nur vegetarisch. Hilfe kann ihnen nur in der Form gebracht werden, daß jüdische Kreise des Auslands Koscherfleischpakete an die Gemeinden und an Einzelpersonen in Deutschland senden. 2841