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Jüdische Presse · 1935-11-22 · 45 (22.11.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
45 (22.11.1935)
Date
1935-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr, 45 smmvmmmm Seite 3 vi»$ wiiciic zu Woclic Das Preisgericht in Grodno verurteilte den Juden Reuben Jaczunski zu sehn Jahren, zwei andere Juden, Mosche Sosnowicz und Leib Kobrowsky, zu je drei Jahren schweren Kerkers wegen schwerer Mißhandlung des sie angreifenden Antisemiten Witold Markiewics, der an den Folgen dieser Mißhandlung starb. Die Verurteilten erklärten, in schwerer Notwehr gehandelt zu haben. Wie die J. T. A. erfährt, betrug die Zahl der jüdischen Rinwanderer in Palästina im Monat Oktober 19SS rund 6600. ln den ersten zehn Monaten des Jahres 1935 kamen etwa 52.600 Juden nach Palästina. Der High Commissioner spricht in einem Öommunique der Bevölkerung von Jerusalem sein B edatiern aus, daß ihr infolge der Wasserknappheit jetzt nur einmal wöchentlich Wasser geliefert wer-, den kann; es seien Maßnahmen getroffen, um das Razal-Ain-Wasserleitungsprojekt so schnell wie nur mög- Mch zu verwirklichen, Auf einem Transparent für die Win t e rhil f e, das quer über einer Straße der Stadt Mülheim a. d. Ruhr angebracht ist, kann man folgendes lesen: ,Niemand soll hungern, niemand soll frieren. Aber die Juden sollen krepieren.“ Eine Abordnung i n München lebender polnischer Juden wurde vom polnischen Botschafter in Berlin empfangen und ersuchte um Schutz vor Verfolgungen, denen die Jxiden polnischer Staats- / angehörigkeit in München ausgesetzt sind. Entsprechend. der gerichtlichen Entscheidung in dem Streit um das Besitzrecht an den Ländereien in Kus kus T ab un sind diese Ländereien nunmehr den jüdischen Eigentümern übergeben worden. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde M ailan d hat einstimmig beschlossen, den ehemaligen Oberrabbiner von Padua, Dr. Gustavo C ast elb 010 gnesi, der eine Zeit lang auch das Amt des Oberrabbiners von Tripolitanien inne hatte, als O b'err abbin e r nach Mailand zu berufen. Dr. Gastelbolognesi ist eine der angesehensten jüdischen Persönlichkeiten Italiens. O Wie amtlich mitgeteilt wird, betrug der Geldumlauf in P alästina Ende Oktober 7,545.134 Pfund. Hievon entfielen auf Noten 6,946.594, auf Silbermünzen 507.500, auf Nickelmünzen 84.000 und auf Bronzemünzen 7040 Pfund. % Die Karlsbader S t aat 8 p oli z e i.hat einen illegalen Bund auf gedeckt, der sich ״H itler - J u g endec nennt und nächtlicherweile auf Häuser und Zäune Hakenkreuze und antisemitische Parolen malte. Dreizehn p q l n i s c h - j ü d i s c h e Sta at sungehörige, die vor etwa drei Tagen von der B e r- 2 in er Gestapo auf Grund erdichteter Beschuldigungen, ■u. a. auch der der Rassenschändung, verhaftet wurden, sind nun nach einer energischen Demarche des polnischen Botschafters in Berlin beim deutschen Außen- -ministeriüfnjr eig ela'S s־e n' worden.. Der B erlin er Obe rbü r germeiste r Doktor Friedrich S ahm wird vor ein Parteigericht der NSDAP, gestellt, weil er in zwei jüdischen Geschäften . einkaufen ließ. Er. wird nach Beendigung des Verfahrens ]:sein Amt verlassen müssen. ln Jerusalem wurde die W ahlko mmission für die Wahl eines Nachfolgers des verstorbenen Rabbiners Kook konstituiert, die aus Vertretern der verschiedenen zionistischen Körperschaften besteht. Die Wahl dürfte demnächst stattfinden. Eine unter Vorsitz des Warschauer Kultxisgemeindepr äsidenten Mazur stattgehabte Konferenz von Vertretern der größten jüdischen Gemeinde Polens hat beschlossen, einen Verband der großeren jüdischen Gemeinden zxi schaffen. Die konstituierende Tagung xmirde für den 24• November nach Lemberg einberufen. Die Palästina-Regierxmg hat soeben eine Order hex-axisgegeben, wonach die Strafe fiir u 11- ■erlaubten Waffenbesitz von drei axif sieben׳ Jahre erhöht wird. Die neue Order ist eine Folge des vor einiger Zeit in Jaffa auf gedeckten Waffenschmxiggels. Dem neuen Londoner Unterhaxis werden insgesamt fünfzehn jüdische Abgeordnete angehören, davon acht Mitglieder der Regierungsparteien, drei Libe1׳ale und vier Arbeiterparteiler. Wie die J. T. A. efährt, ist von den 3,5 Millionen Pfund, die in den Tagen der Kriegsgefahrpanik von den Hanken in Palästina abgehoben worden waren, bis jetzt eih Drittel in die Bankentresors zuriiekgeströmt. Laut Verfügung des Distiiktskommissars xoerden , die Wahlen zxim Stadt rat von T el-Aviv am 15. Dezember dxirchgeführt werden. Sämtliche Parteien haben bereits den Wahlpropaganda-Apparat in Bewegung gesetzt. ,Jhwai'“ stellt fest, daß die Juden nux\zu zehn Prozent in der Palästina-Polizei vertreten sind, obwohl sie über 25 Prozent der Landesbevölkerxing ausmachen. 22 arabische J u g endliche, die am Tage des letzten Generalstreiks Fenstei'scheiben im Samaritanerviertel von Nablus zertrümmerten, hatten sich vor dem Jerusalemer Gericht zu verantworten. Die Eltern wurden zum Ersatz des Schadens verurteilt, In der Industnezone von Mifraz-Haifa wird eine große Fabrik für S ch eibenxtnd Spiegelglas mit einem Grundkapital von 15.000 Pfund errichtet. Das Unternehmen wird von Londoner Fachleuten geleitet werden, , H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Telephon R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. E Adtisemitische Exzesse in Polen Die neue antisemitische Aktion der nationaldemokratischen Studentenschaft hat bis jetat die Universitäten und Hochschulen in Warschau, Wilna, Lemberg und Krakau ergriffen und wirkt Sich darüber hinaus auf das öffentliche Leben in mehreren Teilen Polens aus. Eine Gruppe Huligans hat am Samstag, den 16. November, abends gegen die Synagoge in Pogon, einer Vorstadt Von Sosnowiec, ein Dynamitättentat verübt, wodurch ein Teil der Synagoge zerstört und zwei Juden, Sachermann und Rosenblum, lebensgefährlich verletzt wurden. Der 14jährige Rosenblum wurde sterbend in das Hospital gebracht. Das milde Urteil des Grodnoer Gerichtes gegen die Judenmörder vom 7. Juni hat den Erfolg gehabt, daß Huligans eine Grodnoer Synagoge angriffen und sämtliche Fensterscheiben derselben einschlugen. Die antisemitische Aktion in den Städten der Wojwodschaft Posen verstärkt sich. Nunmehr wurden auch in den Städten Ricziwo, Rogow und Wongrowiec die Fensterscheiben in jüdischen Wohnungen und Geschäften ausgeschlagen. In Wongrowiec wurden Haus- Und Geschäftslokale des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Gutgold, angezündet. Der letzte Samstag verlief an den! Universitäten und Hochschulen sehr unruhig. In Lernberg demonstrierten Nationaldemokraten an der Universität und an der Technik gegen die Juden und mißhandelten jüdische Studenten und Studentinnen. In der Nähe der Technik wurden auch jüdische Passanten blutiggeschlagen. In Krakau wurde neuerdings ein jüdischer Student erheblich verletzt. In Warschau wiederholten sich die antisemitischen Demonstrationen an der Universität und am Polytechnikum. Am Nachmittag durchzogen größere Gruppen von Demonstranten die Stadt und schlugen in , zahlreichen jüdischen Geschäften die Auslagenfenster ein. Das Hauptorgan der Nationaldemokraten in Warschau ״Warszawski Dziennik Narodovi" fordert zur Austreibung der Juden aus Warschau auf, ohne daß die Behörden zur Konfiskation der Zeitung schritten. ALPA Franzbranntwein verschafft Rheumüfikern große Erleichterung Ein neues Wahlrecht in den polnischen Kultusgemeinden. Die jüdische Presse Polens bringt die bisher offiziell noch nicht bestätigte Nachricht, daß das Wahl- System in den jüdischen Gemeinden seitens der Regierung einer einschneidenden Reform unterzogen werden soll. Es heißt, daß in den nächsten Monaten, möglicherweise schon im März 1936, im gesamten Lande eine Neuwahl der Vertretungen der jüdisehen Gemeinden durchgeführt werden soll. Die Wahlen sollen gleichzeitig an einem Tage stattfinden. Für diese Wahlen soll eine neue Wahlordnung vorbereitet werden, die auf dem für die Sejmwahl geltenden System aufgebaut sein, im wesentlichen also indirekte Wahlen vorsehen soll. Die Regierung plane, für die jüdischen Gemeinden sogenannte Wahlkollegien * einzuführen. Die Kandidaten für die Repräsentantenversammlungen und Vorstände der jüdischen Gemeinden sollen von diesen Wählmännnerkollegien auf Grund der Vorschläge der jüdischen Organisationen gewählt werden. Wesentlich ist, daß ein großer Teil der Wahlmänner von den Behörden ernannt werden soll. Ein neues Gesetz für die jüdisehen Gemeinden soll außerdem grundlegende Aenderungen des ge/sam,tc!n Gemeinde- Wesens herbeiführen. Schechita in Polen steuerfrei. Im Einvernehmen mit dem Finanzministerium hat das polnische Innenministerium an die Wojwodschäften ein Rundschreiben gerichtet, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Einnahmen der jüdisehen Gemeinden aus den Erträgnissen der Schachtgebühren von der Einkornmenssteuer befreit sind. Es wird festgestellt, daß in zahlreichen Fällen Steuer- und Gemeindebehörden die jüdischen Gemeinden zur Zahlung von Steuern nach den für Handelsuntemehmungen bestehenden Vorschriften aufgefordert haben. Mitunter haben auch Gerichte in dieser Frage gegen die jüdischen Gemeinden im Sinne der Steuerbehörden entschieden. Demgegenüber klärt das Innenministerium die nachgeordneten Stellen darüber auf, daß die Schechita als Ausübung einer religiösen Pflicht der .jüdischen Gemeinden und nicht als Erwerbsunternehmen aufzufassen sei. Die Einnahmen aus der Schechita werden an die Gemeinden zur Deckung der Ausgaben für religiöse Zwecke abgeführt. Es handelt sich somit bei der Schechita nicht um ein steuerpflichtiges Gewerbe. Das Gute setzt sich immer durch und meist in Überraschend kurzer Zeiit, Auch die Verwendung von Dr. Oetker’s Backpulver hat sich so rasch eingelebt, daß wir uns heute eine moderne Küchenführung ohne dieses verläßliche und rascharbeitende Triebmittel gar nicht vorstellen könnten. Da gibt es nun kein zeitraubendes Warten mehr, damit der Teig aufgehen kann, und keine Angst, ob es genug locker wird. Mit Dr. Oetker’s Backpulver ״Heller Kopf“ gibt es nunmehr gutgelungenes, nahrhaftes und leicht verdauliches Gebäck, Millionen Hausfrauen backen nach den Oetker-Rezepten, die bei jedem Kaufmann oder von der Firma Pr. A. Oetker in Brünn umsonst erhältlich sind, Männer bieten sieb jüdischen Familien in Deutschiand als Dienstboten an. Der Amtliche Pressedienst des Jugendführers des Deutschen Reiches wendet sich in einem Aufruf dagegen, daß sich nun männliche Dienstboten bei jüdi״ sehen Familien als ״perfekt in allen Haus- und Küchenarbeiten“ anbieten. Dieser Aufruf zeigt, daß sieb, nach- , dem die Nürnberger Gesetze die Anstellung von deutsehen Hausmädchen unter 45 Jahren in jüdischen Familien verbieten, nun Männer melden, die die frei werdenden Posten einnehmen wollen. Die erste Jahrzeit nach dem in Wien verblichenen Czernowitzer Kavv Benzion Katz s. Z. I., der 28. Cheschwan, fällt auf Sonntag, den 24. November. Agtidlas-Jisroei-Mädchengruppe Wien. Schabbos Parschas Chaje Soro spricht Herr Sekt. Moritz Spitzer ״Die siebente Stufe" um־halb 11 Uhr vormittags im, Lokale der ״Wienea“. — In einer Interview-Serie des ״E g y e n 1 ö s 6 g“ kamen der Abgeordnete Viktor Drözdy und Minister a. D. Eugen v. Balogh zum Wort, die beide entschieden gegen den Antisemitismus und für die volle bürgerliche Gleichberechtigung der Juden Stellung nehmen.* Drözdy, ein Intimus des Ministerpräsidenten G ö m b ö s, hebt die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden hervor, die bedeutend zum allgemeinen Wohl beiträgt. — Wie die Budapester jüdischen Blätter melden, herrscht innerhalb der ungarischen Orthodoxie eine recht agudof reundliche Stimmung und immer stärker werden die Bestrebungen, welche die Schaffung einer ungarländischen Agudo-Organisation zum Ziele haben. — In Budapest ist es wiederholt vorgekommen, daß das britische Konsulat statt Gelderlag die Garantie zahlungsfähiger Personen für Palästina- Touristen angenommen hat. Nun ist aber ein Teil der Touristen, die auf diese Weise ihre Visa erhielten, nicht zurückgekehrt, sondern verblieb allem Anscheine nach im Heiligen Lande. Um eine Präzedenz zu schaffen, hat das Konsulat einen der Garanten beim Budapester Kreisgericht gek 1 agt und dessen Verurteilung durchgesetzt. Jetzt, sollen mehrere hundert solcher Prozesse folgen. . י —- Die Organe des Ministeriums für innere Angelegenheiten haben in der Stadt Kisvärda (zu deutsch: Kleinwardein) eine Razzia nach f emden Staatsbürgern, die sich unbefugterweise in Ungarn aufhalten, veranstaltet. Diese ist in eine B e 1 ä s t i g u n g der einheimischen Juden mit Bart und Peos ausgeartet. Solche wurden auf der Straße angehalten und dann, wenn sie sich auch einwandfrei ausweisen konnten, mit Gendarmerieeskorte zum Rathaus abgeführt. Es kam sogar zur Durchsuchung der!jüdischen Wohnungen nach fremden Staatsbürgern, und alle Insassen, die Bart oder Peos trugen, wurden in der!geschilderten Weise, also durch Gendarmen mit aufgepflanztem Bajonett, zum Rathaus gebracht. Auch die Wohnung des Oberrabbiners — er ist das stellvertretende Herrenhausmitglied der, autonomen Orthodoxie in Ungarn — und die staatlich subventionierte Talmud-Thora-Schule wurden nicht verschont, die Söhne des Rabbiners und aus der Schule 80 junge Kinder im Alter von 7 bis 12; Jahren wurden abgeführt. Nicht einmal der Bitte wurde willfahren, daß die Vorführung durch zivil gekleidete Beamte bewerkstelligt werde. Die gesamte jüdische Presse beschäftigt sich mit dem Vorfall ausführlich und fordert Genugtuung, wie auch Bestrafung der schuldigen Hetzer. — Der Kampf um die Unif ikation der neologen Kultusgemeinden Pest und, Buda (Ofen) dauert noch immer und nimmt immer schärfere Formen an. Er macht nicht einmal vor den Türen des Bethauses halt. Die Hauptstadt hat der Budaer Kultusgemeinde einen Grund zum Aufbau eines Tempels geschenkt, dessen feierliche Uebergabe vor kurzem stattfinden sollte. Im letzten Moment, als bereits der Vorstand und die Gäste sich zum Feste bereits versammelt haben, kam die Verständigung, daß das Grundstück nicht übergeben werden kann, weil einige Gemeindemitglieder sich dagegen verwahrt haben. — Nach Zeitungsmeldungen haben mehrere größere Gesellschaften ihre jüdischen B e a m ten ab g e-, baut. ״Egyenlöseg“ bemerkt hiezu: Können wir untätig diesem Untergehen jüdischer Existenzen zuschauen? Es können unfreundliche Stimmungen wirksam sein, es mag Ina Wirbel der Ereignisse, im fortwährenden Wechsel der Begebenheiten, in einer Zeit, in der map nie weiß, was der nächste Tag bringen wird, kann nur der bestehen, nur der durchhalten, der ״den Kopf nicht verliert“ ,Das ist aber nur möglich, wenn Geist und Körper stets elastisch sind! Gewinnen, erhalten Sie diese Elastizität durch regelmäßige Einreibungen mit dem Alpa-Franzbranntwein, Es macht frisch, kräftig und gerüstet für jedes Ereignis! Das wird sogar Ihr Arst bestätigen!

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