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Jüdische Presse · 1935-10-25 · 41 (25.10.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
41 (25.10.1935)
Date
1935-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 mnrnm wmm iKvÄ" . ־Jlfe am Wocl8€ ]mL, % Das Warschauer Distriktsgericht hat das Urteil im Prozeß gegen 21 Personen, die wegen Teilnahme an den pogromartigen A usschreitungen im Warschauer Powonski-Viertel, hei denen der Jude Del man ermordet wurde, beschuldigt waren, gesprochen. Vier Angeklagte wurden zu je dreieinhalb, sechs Angeklagte zu je zwei Jahren Kerker verurteilt, elf Angeklagte wurden freigesprochen. % Die Volkszählung in Oesterreich ergab eine Bevölkerung von 6,760.233 Seelen. Davon sind 6,112.658 (90,k Prozent) Katholiken, 191481 (2,8 Prozent) Juden und 295452 (k,k Prozent) Protestanten. 106.080 (1,6 Prozent) sind konfessionslos. Die Gesell Schaft für Touristik in Palästina teilt mit, daß in diesem Jahre rund 1 0 0.0 0 0 Touristen aus allen Weltteilen Palästina besucht haben. Für das kommende Jahr erwartete man eine Steigerung des Touristenverkehrs, doch hat der abessinische Krieg diese Aussicht ettoas verdunkelt. Die große Czernowitzer C uzist en- T a g u n g, die ursprünglich für Rosch Haschonoh einberufen, dann aber auf Jom Kippur verlegt worden war, ist im Hinblick auf die starke Erregung der jüdisehen Bevölkerung über die geplante Veranstaltung im letzten Augenblick verboten worden. In den an der Rabbi natsf rage interessierten Kreisen P al ä s t i 11 as werden drei Kandidaten auf das durch das Ableben von Rabbi Ko ok freigewordene Amt eines aschkenasischen Oberrabbiners von Palästina genannt: Rabbi Amiel (Antwerpen), Oberrabbiner von Irland Dr. Herzog (Dublin) und Dr. Chaim T s eher n 0 10 it z, als Schriftsteller unter dem Pseudonym ״Ilaw Zair“ bekannt, der jetzt in Amerika lebt. Die Palästina-Regierung hat den E infuhr zoll von Rohstoffen aufgehoben, die insbesondere für die Papier-, Glas-, Diamanten- und Metall- Industrie wichtig sind. 9 Der am 1. Juli d. J. verstorbene Präsident der Spanish and Portuguese Synagogue, Sir Francis Montef io re, hat für jüdische und nichtjüdische Wohlfahrtszwecke über 100.000 Pfund hinterlassen. Der junge, aus Koiono stammende Shraga H aikin, Mitglied des Brith Trumpeldor, der am Jom Kippur ־ abends an der Klag e mau er verhaftet wurde, weil er den S c ho f ar geblasen hat, wurde zu drei Monaten Gefängnis wegen Verletzung der geltenden Be- Stimmungen über den Status quo an der Klagemauer verurteilt. Wie der J TA.-Vertreter zuverlässig erfährt, haben die Luxembur g er Polizeibehörden kürzlich eine geheime Order von der Regierung erhalten, Flüchtlinge atis Deutschland, besonders aus der Saar, nicht mehr z.ü registrieren, sondern sie zum sofortigen Verlassen Luxemburgs aufzufordern. In einer in London unter dem Vorsitz von Dr. Bernurd H oma abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, eine Chofez-Chaim-Kolonie auf religiöser Basis in Erez Jisroel zu errichten. % Der Schriftsteller Arnolt Bronnen, der im Vorjahr von Goebbels zum ״Fernsehkommissar“ beim Reichsrwndfunk ernannt worden war — er konnte sich unter dem Hitler-Regime nur dadurch behaupten, daß er erklärte, er sei nicht der Sohn seines jüdischen Vaters Ferdinand Bronner, sondern entsprang einem Verhältnis seiner arischen Mutter mit einem arischen Holzknecht —, ist nun in aller Stille von seinem Posten enthoben worden. Wie in den letzten beiden Jahren, hat die Palästina- Regierung auch in diesem Jahr einen Betrag von 500 Pfund zwecks Förderung der Bienenzucht durch Gewährung von Produktionskrediten ausgeworfen. Ci Einer bisher offiziell noch unbestätigten Meldung zufolge ist die Regierung von Transjordanien mit der Ausarbeitung eines Gesetzes beschäftigt, das die Möglichkeit der Registrierung von Grund und Boden auf den Namen von Ausländern vorsieht. Die ägyptische Zeitung ״Al Ahr am“ teilt mit, daß im Plan der Zusammensetzung des Legislative Council for Palestine eine Aenderung vorgenommen wurde; der Council soll sich demnach aus 9 Arabern, 3 oder 1( Juden, 2 Christen, 10 Mitgliedern der Regierung zusammensetzen, außerdem wird der High Commissioner zwei Stimmen haben. Dem Gesundheitsdepartment der Palästina- Regierxmg wurden in den letzten vier Wochen 2 2 9 Typh us fälle, zum größten Teil aus arabischen Gegenden, gemeldet. Die jüdischen Frontkämpfer in den U. S. A. haben einen Feldzug zur Aufbringung von einer Million Unterschriften unter eine Petition, die den Boykott der Olympiade bezweckt, falls diese in Berlin stdttfinden sollte, eingeleitet. % In der Nähe von T alpioth (bei Jerusalem) wurde mit der Errichtung eines neuen. jüdischen Stadtviertels begonnen. Im Monat September 1935 wurden in Tel- Aioiw 271 Geburten und 65 Todesfälle verzeichnet. In Jaffa zählte man 202 Geburten und 131 Todesfälle im Landkreis um T el - Awiw 223 Geburten und 81 Todesfälle. Der Innenminister im neuen polnischen Kabinett Wladyslaw R aezkie wi c z hat nach Uebernahme seines Amtes den Oberhäuptern der religiösen Gemeinschaften in Polen offizielle Besuche abgestattet und besuchte auch den leitenden Warschauer Rabbiner Professor Doktor Schorr, der einer der zwei von der Regierung ernannten jüdischen Senatoren ist. Am zweiten Sukkothtage kam es in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, zu Aus schreitun g en von C uzist en g e g en Juden; mehrere jüdische Straßenpassanten wurden angegriffen. Anläßlich der Sukkothfeiertage haben Spitzen der Zivil- und Militärbehörden sowie die geistliehen Würdenträger der anderen Religionsgemeinschaften dem Oberr a-bbiner von Saloniki, Dr, Zwi Kor et z, offizielle Besuche abgestattet. In J er u salem und T el- Awiw werden demי nächst neue Telephonzen traten eingerichtet, H, Grün, II., Taborstraße 8 b, Telephon R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. Sj ^imnnnmnnnramir Nodi einmal Sdiaditfrage Wir haben vor einigen Wochen über die neuerdings verstärkten Bemühungen des Wiener Tierschutzvereines berichtet, der nach deutschem Muster auch für Oesterreich ein Sch ächtverbot — was Wir religiöse Juden darunter verstehen — durchzusetzen bestrebt ist. Nun erläßt der Tierschutzverband eine kindisch-naive Verlautbarung, die wir nur deshalb einer Wiedergabe wert finden, weil in ihr von ״Rabbinern“ die Rede ist, die nun unseren Lesern vorgestellt werden sollen. In der Verlautbarung heißt es: ״Entgegen irriger Darstellung in einzelnen Zei- Dingen wird seitens der Tierschutzzentrale festgestellt, daß in ihren Vorschlägen an das Bundeskanzleramt nicht ein Sch ächtverbot gefordert wurde. Es wurde lediglich die Forderung gestellt, daß Schlachttiere vor dem Schlachten in irgendeiner Form zu betäuben sind:. — Der Forderung liegt lediglich eine humane Tierschutztendenz zugrunde. t>a Attest§ von hervorragenden Rabbinern ohnehin vorliegen, wonach das Betäuben vor dem Schächtschnitt den rituellen Schächtvorschriften nicht widerspricht, wäre es wünschenswert, wenn die Judenschaft keinen extremen Standpunkt einnehmen, vielmehr eine Verständigung in dieser für die weiteren Kreise der Tierfreunde überaus wichtigen Forderung suchen würde.“ Wir können uns selbstverständlich mit dem Tierschutzverein nicht in halachische Disputationen darüber einlassen, ob nach jüdischem Religionsgesetz eine Betäubung vor der Vollführung des Schächtschnittes zulässig ist oder nicht. Den Herren vom Tierschutzverband ist es nicht unbekannt, daß ausnahmslos alle religiösen Oberhäupter der Judenheit auf Grund der klaren Bestimmungen des Schulchan Aruch jede Art von Betäubung vor dem Schächtschnitt für unzulässig erklären. Noch wichtiger ist es, daß auch die zuständigen Regierungsinstanzen sich voll und ganz darüber im klaren sind. Daß dem so ist, scheint durch ihre Stellungnahme bewiesen, mit der sie die diesbezügliehen Vorschläge - unserer Wiener Tierschützler konsequent ablehnen. Was es aber für ,,Rabbiner“ sind, die ״attestieren“, daß ״das Betäuben vor dem Schächtschnitt den rituellen Schächtvorschriften nicht widerspricht“ zeigt uns am besten die Ehrung, die ihnen gerade von dem hiezu gewiß zuständigen Tierschutzverband zuteil wird, der sie taxfrei zu ״hervorragenden“ Rabbinern stempelt. Jawohl, sie ragen hervor! Durch ihre Unwissenheit in jüdischen Dingen und ihre Dummheit. Sie ragen hervor, indem sie sich in Widerspruch zu unseren religiösen Führern, die kodifizierte G-ttesgesetze verkünden, stellen. , Vereinsnachrichten. Lerngemeinschaft junger Baale-Batim. Schabbos Bereschis, 11 Uhr vormittags, ist in der Kanzlei der Adas Jisroel die Eröffnung des Wintersman durch Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner F ü r s t. In der Folge findet jeden Schabbos :$/411 Uhr ein Schiur über ״Der tägliche Din im jüdischen Haus“ statt. Agutlas-Jisroel-Mädchengruppe Wien. Schabbos Parschas Bereschis eröffnet Herr Dr. Arthur Bogner die Reihe der Schabbosvormittagvorträge. Die Vorträge finden wie bisher um halb 11 Uhr vormittags im Lokal der ״Wienea“, II., Obere Donaustraße 91, statt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet der Vorstand. Die ״Einheit“, Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen, welche seit nahezu 30 Jahren in allen Abteilungen vorzügliches Essen in ausgiebigen Portionen zu besonders billigen Preisen (tief unter den Gestehungskosten) verabreicht, bietet ihren Be- Suchern täglich von 6 bis 8 Uhr abends auch ein Nachtmahl, bestehend aus Suppe mit Einlage und Brot, zum Preise von 15 Groschen. Bethausverein ״Marpe 1‘Nefesch“. Am 2. Tag Sukkos hielt der Sohn des Rabbiners dieses Bethauses, Herr Adolf Friedmann, eine beifällig auf genommene Droschoh. Personalnachrlcht. Todesfall. Am Montag, den 21. Oktober, fand in Neunkirchen das Leichenbegängnis des Kultuspräsidenten Adolf Preiß statt. Eine vielhundertköpfige Menge folgte dem Sarge des hochverdienten 78jährigen Rosch- Hakohol. An der Lewajoh beteiligten sich die Vertreter der Bezirkshauptmannschaft, des Bezirksgerichtes, des Steueramtes, des Bürgermeisteramtes, der städtischen Polizei, der Gendarmerie, der Ortsheimwehr und der Kaufmannschaft. Die Kultusgemeinde Wiener Neustadt war durch Herrn Kultuspräsidenten Hugo Reininger und Vorsteher S. Frankl, die Kultusgemeinde Baden durch Herrn Vorsteher Oedenburger vertreten. Einen tiefen Elindruck auf alle Anwesenden machte der Nachruf des Herrn Oberrabbiners Prof. Dr. Hillel Weiß. Für den Kultusvorstand sprach Herr Ignaz Drechsler, die kantorale Funktion versah Herr Kantor Blumenfeld. חנצב׳ה An alle unsere Leser! Da es uns nicht gelungen ist, alle unsere Leser zu veranlassen, uns die Berichte über Familienereignisse zugehen zu lassen, wir aber andererseits keinerlei Differenzierungen vornehmen können, haben, wir, uns entschlossen, Berichte über Gebürten, Bar-Mizwoh-Feiern, Verlobungen und Hochzeiten im redaktionellen Teil grundsätzlich nicht zu veröffent׳־ liehen, Redaktion ״Jüdische Presse“. Es regnet Schnupfen! Tatsächlich: die feuchte Kälte im Herbst zieht ״durch Mark und Bein“ und ist glücklich, wenn sie ein ״Angriffsobjekt“, eine nicht ganz• widerstandsfähige Körperstelle findet. Wappnen. Sie sich! Regelmäßige Einreibungen mit dem AIpa״Franz״ branntwein bekämpfen diese Angriffe höchst wirksam; das sagt sicher auch Ihr Arzt! KAFFEE HAG GESUNDER BOHNENKAFFEE GARANTIERT CO F FE VN FREI llQ₪E£30BQESE2iD(l₪li Aus dem jüdischen Leben in Zagreb. Nachdem es der hiesigen autonomen orthodoxen Gemeinde nunmehr gelungen ist, für das Bes Haknesses und das Bes Hamidrosch geeignete Räume zu finden, fand am ersten Tag Rosch-Haschono die Einweihung der neuen Schul statt. Im Gegensatz zum bisherigen Miniaturtempel verfügen wir jetzt über einen großen, licht- und luftdurchströmten, freundlichen Raum, dessen innere würdige Ausstattung einem Komitee überlassen wurde, das seine Aufgabe in jeder Hinsicht glänzend gemeistert hat. Sowohl diesen Herren^ als all denen, die durch Stiftungen zum Gelingen der Sache in hochherziger Weise beigetragen haben, sei an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen. Die Agudas -Jisroel-Landesorganisation teilt mit: Unsere Bemühungen um ein gutes Gelingen der• Sekundenaktion zugunsten des Keren Hajischuw haben ihren Ausdruck darin gefunden, daß eine Freifahrt nach Erez Jisroel und zurück auch nach hier fiel. Der glückliche Gewinner, Herr Josip Rothstein, Zagreb, hat schon immer unsere Ideen mit Interesse verfolgt und unserer Bewegung mit Rat und Tat beigestanden. Nachdem die Erez-Jisroel-Zentrale auch unterm Jahr des öfteren zu Sammlungen Anlaß gibt, wird der Sammeleifer unter unseren Freunden und An- •hängern neuen Ansporn bekommen und vor allem werden wir sauche sein, am Aufbau Erez Jisroels in jüdischem Geiste kräftig mitzuwirken. TSCHECHOSLOWAKEI. Sman-Begimi! Noch klingt in unseren Ohren die herrliche Melodie der Jomim Towim, noch fühlen wir in unserem Innern die Nachklänge der eben zu Gutem vergangenen heiligen Tage, und schon ermahnt uns eine innere Stimme, schon pocht das Pflichtbewußtsein eines jüdischen Vaters an seinem Gewissen und weckt ihn zur Pflicht. Es beginnt ein neuer Sman, eine neue Lernperiode für das jüdische Kind. Das aus der Volksschule entwachsene Kind kommt, sofern es noch nicht in öffentliche Lehranstalten eingeschrieben wurde, in die Lehrhäuser der Thora, wie Talmud Thora und Jesode Hathora. Die Kinder, denen es gegönnt war, auch bisher an solchen Anstalten zu ehrlichen Jehudim herangebildet und erzogen zu werden, sie gehen mit Freude dem Tage entgegen, da sie wieder in aller Reinheit, abgeschieden von der Außenwelt, sich in die Worte unserer großen Ahnen vertiefen können. Sie freuen sich, wieder schöne Worte aus dem Munde ihres Lehrers und Meisters zu hören, diese zu begreifen, um nach ihren Grundsätzen ihr zukünftiges Leben einzu- 1’ichten und dadurch das thorätreue Judentum unsterblieh zu machen. Viel schwerer haben es diejenigen, die den Besuch solcher Anstalten auch schon beendet haben und nun als reife Thorajünger hierstehen, voller Eifer und Wissensdurstig nach einer weiteren guten Ausbildung sich sehnen. Denn es genügt nicht, daß man eben kein ganz Unwissender ist, sie wollen richtige Träger der heiligen Ueberlieferung werden, sie wollen: leimen, um zu lehren und zu üben. Da entsteht wahrhaft eine Sorge: Welche Jeschiwoh? Ist, der Junge für eine Jeschiwoh überhaupt schon reif? Und hier soll gesagt werden, daß es ein Fehler wäre, Kinder vorzeitig in eine Jeschiwoh zu schicken, solange sie hiezu noch nicht reif sind. Man hat es auch nicht notwendig, da man über eine Jeschiwoh Ktano wie die in Preßburg verfügt. Diese Anstalt steht seit Jahrzehnten unter bewährter Leitung. Hier wird den Kindern ein richtiger Derech haiimud beigebracht und nebst dem umfang״ reichen Lernpensum in Gemoro erhalten sie eine stau•׳ nenswerte Binführung in die Gedankenwelt der Rischonim und Achronim und sie werden hier durch die fast ununterbrochene Aufsicht des Leiters der Anstalt zu wahr•׳ haften jüdischen Jorö׳schomajim erzogen,

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