Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 41 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 JÜDISCttfcPRESSE Nr. 41 religiöses Interesse berühren, die Vertreter der Agudas Jisroel zu Beratungen zu, 4. Dem orthodoxen Rabbinat würde das Hecht erteilt, Ortsrabbiner, und Schochtim zu ernennen und ihnen die in Frage kommenden Amtsfunktionen (Eheschließungen und dergleichen) zu übertragen. Ofgatiisalioti Im Jahre 5695 besuchte die offizielle Del«־ gation der Agudas Jisroel gemeinsam mit Vertretern des rabbinischen Rates das Heilige Land. Dank der unermüdlichen und aufopfernden Tätigkeit dieser Delegation wurde die neue Expositür der Weltorganisation ifi Jerusalem ins Leben gerufen. Unter dem Einfluß der Delegationsmitglieder konnte auch eine Umgestaltung der Lande*־ Organisation erfolgen, für die ein neuer Landes- Vorstand gewählt wurde. Die Kompetenzen der Weltexpositür einerseits und der .Landesorganisation andererseits wurden genau abgegrenzt. Zahlreiche neue agudistische Gruppen, von denen insbesondere die in Tel-Aviv und P e t a c h Tikwah' Hei’vorhebung verdienen, konnten im abgelaufenen Jahre eine segensreiche Tätigkeit entfalten. Fünf neue Ortsgruppen der Poale Agudas Ji,s׳roel wurden gegründet, so daß es jetzt bereits 15 solcher Gruppen gibt, In Tel-Aviv und T i b e r i a s haben die Jugendgruppen eine wesentliche Erweiterung erfahren; in Kfar Saba, Gedera, Machne Jisroel und Ranana traten neue Jugendgruppen ins Leben. Die glänzend verlaufene Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel, die in Gederah abgehalten wurde, strahlte weit in die Kreise der jüdisehen Arbeiterschaft hinein. Die Landeskonferenz brachte die Lebensanschauung und die Ziele der agudistischen Poalim zum Ausdruck, indem sie die Her rschaft der Thora auf dem Arbeitsmarkt und in allen arbeitsrechtlichen Fragen proklamierte. Die neugewählte Zentralleitung hat in Tel-Aviv ihren Sitz. Im abgelaufenen Jahre wurde durch Herrn Friedensohn aus Lodz auch eine agudistische Frauen- und Mädchenbewegung ins Leben gerufen, die bereits über fünf Gruppen im Lande verfügt. In einem Kibbuz der Bnos Agudas Jisroel ist eine orthodoxe Arbeitsgemeinschaft für Näh- und Handarbeiten eingerichtet worden. Kolonisatorisches Im vergangenen Jahre wurde in M a c h n e Jisroel ein zweistöckiges Gebäude errichtet, welches den Mitgliedern des dortigen Kibbuz als Wohnstätte dient. Nach der Errichtung weiterer Gebäude wird dieses als Talmud Thora und Bes Haknesses eingerichtet werden. Ebenso wurde die Brunnenbohrung erfolgreich vollendet. Nach dem Urteil von Fachexperten wird der Brunnen, wenn er noch weiter vertieft wird, genügen, um selbst eine noch bedeutend erweiterte Kolonie mit genügend Wasser versorgen zu können. Im abgeläufenen Jahre konnte auch der Boden von Olam und Madhar, der durch hypothekarische Belastung schwer bedroht war, wiedergewonnen werden. Der Boden ist dank der Bemühungen der Aguda-Zentrale und insbesondere des Rechtsanwaltes Dr. Buxbaum in jüdischen Besitz endgültig übergegangen und die Agudas Jisroel hat• einen entsprechenden Anteil an diesem Boden bekommen. ־ In Kfar Saba hat die Agudas Jisroel ein schönes Terrain erworben, auf welchem ein poale-agudistischer Kibbuz angesiedelt wurde. Auf dem Boden von Kfar Saba sind Gemüsegärten angelegt, die als beispielgebend für die anderen Kibbuzim gelten. In Gedera wurden ebenfalls große Bodenparzellen erworben. Die dort angesiedelten Gesinnungsgenossen sind hauptsächlich, außer Haus beschäftigt. Erziehungswesen Das Jahr 5695 hat auf diesem Gebiete bedeutend-3 Erfolge für die Agudas Jisroel zp verzeichnen. Derzeit sind es 22 Lehranstalten für Knaben und Mädchen mit rund 1600 Zöglingen, die dem Schulnets der Agudas Jisroel angeboren. Besonders hervorzuheben ist die Gründung der Talmud Thora in Rechoboth für die Olim aus der Gegend von Marmaros. Es sind dies die Olim, die auf Grund der ihnen von der Bauern- Vereinigung zügewiesenen Zertifikate eingewandert und die ganz besonders auf Unterstützung in jüdisch-kultureller Hinsicht angewiesen sind, um ihren Kindern die gewohnte religiöse Erziehung1 angedeihen lassen zu könneh. Demnächst soll auch eine Beth-Jakob-Schule in Rechoboth eröffnet werden. Auf das Konto der Tätigkeit für die Erziehung der Jugend ist schließlich die Entwicklung der Orgamsationen ״Chanoch l'N a a r" und ״Thora w'Jiroh“ zu buchen, die durch die Zeire Agudas Jisroel in Jerusalem inauguriert wurden. Unter dem Einfluß dieser beiden Organisationen stehen einige hundert Mitglieder. Oberrabbiner Duschinsky hat sich an einer Reihe von Zusammenkünften der ,Poale Agudas Jisroel und der Zeire Agudas Jisroel beteiligt. Seine Teilnahme knüpfte feste Bande zwischen ihm und den agudistischen Jugendlichen und Arbeitern. Die orthodoxe Gemeinde Dank der Reorganisation und Festigung der Agudas Jisroel konnte auch die orthodoxe Gemeinde in Jerusalem Fortschritte machen und zahlreiche neue Mitglieder aus dem Kreise der orthodoxen Olim gewipnen. Die orthodoxe Schechita hat eine Erweiterung erfahren, um auch den Bedarf der benachbarten Kolonien decken zu können. Für die Kolonien wurden auch Dajanim ernannt. Ueberhaupt macht sich ein stäi’kerer Kontakt zwischen der Leitung der Gemeinde und der strenggläubigen Judenheit bemerkbar. Hervorzuheben ist, daß es dank dem Entgegenkommen der orthodoxen Gemeinde möglich geworden ist, die Aus- Speisung der Histadruth in Jerusalem mit Koscherfleisch zu versorgen, indem die Gemeinde auf die Gabella für dieses Fleisch verzichtet hat. Keren Hajisdiuiw Die Weltexpositur und die Lanclesorganisation hatten beschlossen, eine großzügige Propagandaaktion für den Keren Hajischuw im heiligen Lande durchzuführen. Die Aktion setzte mit einer großen Versammlung in Tel-Aviv ein und berechtigt zu großen Hoffnungen. Der Keren Hajischuw hat im abgelaufenen Jahre für Zwecke der Kolonisation, der Erziehung und der Arbeiterorganisation 11.000 Pfund verwendet. ־ Eine Summe, die wohl noch lange nicht den Bedürfnissen entspricht,״ die aber immerhin im Vergleich zu den Vorjahren Beachtung verdient. Gere* Itebbe im Land Unter den Wichtigen Erscheinungen des abgelaufenen Jahres ist der Besuch des Gerer Rebben zu erwähnen. Der große Einfluß des Gerer Rebben aüf zehntausende Juden im heiligen Lande wird — das ist unser aller Hoffnung — sich für das ganze Land segenbrifigend auswirken und seine Anwesenheit in Erez Jisroel Wird eine massenhafte Einwanderung nach sich ziehen. * Ich habe diesem Jahresbericht vorausgeschickt, daß hier Einzelheiten, selbst wenn sie wientig wären, vernachlässigt werden müssen. Ich habe mich auf eine allgemeine Uebersicht beschränkt, weit anerkannt werden muß, daß die Agudas Jisroel noch lange nicht ihre Pflicht dem heiligen Lande gegenüber voll erfüllt hat. Möge diese Uebersicht den Zweifelnden eine Stärkung, den Mitarbeitern eine Forderung sein, die Anstrengungen zu verdoppeln und die Mittel zu vervielfachen, auf daß wir über das Jahr 5696 m. G.H. einen erfreulicheren und umfassenderen Bericht vorlegen können. Aus Erez Jisroel Den Bemühungen der Poale Agudas Jisroel in Peta.ch Tikwah, die bereits großen Einfluß auf das Leben der Stadt besitzt, eine der Landesorganisation angeschlossene Ortsgruppe ins Leben zu rufen, war nun endlich Erfolg beschieden. Jüngst fand eine große Versammlung statt, in der eine Reihe von agudistischen Führern beifällig aufgenommene Referate hielten. Im Anschluß daran konnte bereits eine Leitung der Ortsgruppe gewählt werden. Der Wa.ad hoir Askenazy beschäftigt sich mit der Frage der Bestellung eines Rosch-Bes-Din, welcher Posten seit dem Heimgang von Rabbi Mordechai Rubin s. Z. 1. unbesetzt ist. Ihr Korrespondent konnte als einer der ersten über die Folgen berichten, die der italienischabessinische Konflikt hier herbeigeführt hat. Nun ist der High Corrimissioner Sir Arthur Wauchope allen beunruhigenden Gerüchten in sehr wirksamer Weise entgegengetreten. In einen Telegramm aus London, wo der High Commissioner einen Urlaub verbringt, erklärte er, daß keinerlei Ursachen für irgendwelche Besorgnisse gegeben seien. Der High Commissioner ist überzeugt, daß der italienisch-abessinische Konflikt’ über seine Landesgrenzen nicht hinaustreten wird, und zum Zeichen dafür, daß Befürchtungen unbegründet sind, werde er — so heißt es im Telegramm —- seinen Aufenthalt in London programmgemäß nicht vor Mitte November abbrechen. Der Wortlaut des Telegramms wurde im ganzen Lande verbreitet und hätte sofort eine merkliche Beruhigung zur Folge. ■Der ״Doar Hajom“ veröffentlichte jüngst folgende Meldung: Am 2. Tag Rosch Haschonoh während des Schoferblasens fuhren die Mitglieder des Kibbuz des ״Haschomer hazair“ in ״Kirjath Motzkin“ mit einem Lastwagen vor dem Bethaus vor, wo sie trotz aller Bitten!und Empörung der Betenden sich an die Bau arbeiten auf dem Boden des ״Keren Kajeneth“ heranmachten. Dieser betrübenden! Meldung einen Kommentar anzufügen, erscheint überflüssig. Es genügt, sie wiederzugeben, um all jenen, die dem ״Keren Kajeneth‘‘ finan- I KLEINES FEUILLETON ■ Die> JfU&waUfeeude Von Jizchok• ben Aharon. Der Herbstregen rauschte in eintönigem Singsang über das Land, Jom Kippur war vorüber gesogen, eifrig bauten die Juden an den Sukkos, handelten auf den Märkten, man rüstete geschäftig für das nahende Laubhüttenfest. In dem Städtchen Lechowits saß inmitten seiner Chassidim der junge Rabbi Mordechai in der Klaus. Er hatte den schönsten Lulow} den feinsten Essrog erst anden, obwohl die Sukkosfrüchte heuer unerschwinglich teuer waren und Rabbi Mordechai stets mit schweren Geldsorgen kämpfte. Nun lernte er mit seinen Anhängern die Abschnitte aus der Gemoro, in denen die Sukkospflichten behandelt werden, und zwischen den einzelnen Abhandlungen sang׳ und tanzte er mit den Chassidim in der heiligen Vorfreude auf die bevorstehenden Mizwos. In der kahlen Wohnung des Rabbi ging sein' junges Weib inzwischen mit gesenktem Kopf ■umher. Seit ziuei Tagen fastete Rabbi Mordechai freiwillig am Tage und nahm nur, wenn das Maariwgebet vorüber war, Tee und etwas Brot zu sich, da kein Geld im Hause war, Lebensmittel zu kaufen, und mit den wenigen Vorräten gespart werden mußte, bis Haschern wieder etwas schicken würde. Es xoar die letzte Brotschnitte auf gebraucht, der heilige Rabbi würde heute abends nichts mehr zum Essen finden, wenn er, blaß vom Lernen, heimkam, ־Und die kleinen Kinder schrien vor Hunger! Die Frau stöberte immer ratloser in der Stube umher, ob denn nichts mehr da war, das sie noch verkaufen konnte . . . So traf sie ein Vei'wandter in der Wohnung an, der aus einer Nachbarstadt gekommen war, dem heiligen Rabbi von Lechowitz, von dem er wußte, daß er mit seiner Familie bittere Not leide, für die Festtage Lebensmittel und den Kindern Wintersachen zu bringen. Ihm eröffnete die Frau ihr schweres Herz und klagte unter aufsteigenden Tränen: ״Ich habe keine Kraft mehr, meinen fastenden Mann} der nur von dem starken Feuer seiner Frömmigkeit vor dem Krankwerden bewahrt wird, anzusehen, und das Weinen der hungernden Kinder zu ertragen “ Der Verwandte gab der Frau nun auch noch etwas Geld und ging dann in die Klaus, den Rabbi aufzusuchen. Er fand ihn mit vor Freude gerötetem Gesicht inmitten seiner Chassidim tanzen und in lautem Singen Huschern lobpreisen. Der Jude stand einige Augenblicke betroffen, und als ihn der Rabbi begrüßt hatte, fragte er ihn sehr verwildert: ״Dein Weib und deine Kinder, Rabbi Mordechai, weinen vor Hunger und du bist zum Singen aufgelegt . . Da antwortete Rabbi Mordechai ganz schlicht: ״Meine Frau und meine Kinder setzen ihre Hoffnung auf mich, einen Sterblichen, da haben sie wohl Grund zum Klagen. Ich abei' hoffe auf Haschern jisborach, und dämm darf ich auch singen . . .!te ziehe Hilfe gewähren, die Früchte ihrer Opfer vor Augen zu führen. Anläßlich des Rösch- Haschonoh-Festes stattete der Sekretär des High Commissioner in Begleitung seines Adjutanten; dem Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde, Duschinsky, einen Besuch ab, um ihm die NeujahrsWünsche des High Commissioner persönlich zu überbringen. Oberrabbiner Duschinsky empfing Glückwünsche auch von zahlreichen anderen Persönlichkeiten der Mandatsverwaltung und Mitgliedern des diplomatischen Korps. Menachem Glikman-Porusch. Eine Affäre um Muuitiousschmuggel Der Jerusalemer Großmufti Haj Amin el H u ss e i n i und der frühere Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, nützen die Nachricht über die Entdeckung eines geheimen Munitionstransports im Jaffaer Hafen zu einer neuen a n t ij ü di sehen Aktion aus. Sie erheben gegen die Juden den Vorwurf, daß sie Gewehre und Munition nach Palästina Schmuggeln. Die vom Mufti und Nashashibi geführten Parteien sandten Protestmemoranden an den High Commissioner und beschlossen, ein Manifest, an die arabische Welt zu richten, in welchem sie gegen die Juden die Anklage erheben, ein Komplott gegen das Leben der arabischen Bevölkerung in Palästina zu schmieden. Die arabische Presse erhebt ebenfalls gegen die Juden die Beschuldigung, daß sie Munition ins Land geschmuggelt haben, und appelliert an die Regierung, dagegen einzuschreiten. Diese antijüdische Aktion der nationalsozialistischen Araber wurde ausgelöst durch eine Mitteilung, daß in einer aus Belgien im Jaffaer Hafen eingetroffenen Zementladung Munition entdeckt wurde. Das Presseamt der Palästina-R.egierung hat an die Zeitungen eine Mitteilung versandt, in der vor einer unangebrachten Uebertrei£mng dieser Tatsache gewarnt wird. Es wird mitgeteilt, daß auf dem belgischen Schiff, welches 400 Tonnen Zement für Palästina mit sich führte, eine nicht sehr große Menge Munition enthalten war. Die Ladung war an einen gewissen Kattan adressiert, von dem man nicht weiß, ob er Jude oder Araber ist. Der Fall wird untersucht, Verhaftungen sind nicht vorgenommen worden. Man glaubt, daß die Munition für die Italiener in *Abessinien bestimmt war. Die jüdischen Kreise Jerusalems und Tel-Avivs sind überzeugt, daß Juden mit der ganzen Sache nichts zu tun hahen, und daß die polizeilichen Erhebungen die völlige Grundlosigkeit der von den Arabern gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen erweisen werden. Es sei eher anzünehmen, daß Araber in den Schmuggel verwickelt sind. Der abessinische Konflikt und die Palästina- Wanderung Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, ist eine ungünstige Auswirkung eines etwaigen Landungsverbotes für italienische Schiffe in Palästina infolge der Sanktionen auf die Alija-Bewegung nicht zu befürchten. Die auf der Strecke Konstantza—Haifa verkehrenden polnischen und rumänischen Schiffe seien imstände, die Alija auch aus Mitteleuropa zu bewältigen, falls diese nicht mehr über die italienischen Häfen geleitet werden könnte. Deutsche Judeugesetze Wie der Sonderberichterstatter der J. T. A. erfährt, hat sich das Reichskabinett unter dem Vorsitz Hitlers am 17. Oktober mit den Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen befaßt und vorläufig zwei neue, die Juden hart treffende Bestimmungen formuliert, von denen die eine das Verbot des Erwerbs von Grundbesitz durch Juden, die zweite den allgemeinen Zwang für jüdische Geschäfts- und Betriebsinhaber, Schilder anzubringen, die unzweid e u t i g auf den jüdischen Besitzer hinweisen, betrifft. Diese Bestimmung trifft nicht nur die jüdischen Grundbesitzer, sondern auch jüdische Inhaber von Hypotheken auf Grundbesitz außerordentlich schwer; der jüdische Hypothekenbesitzer wird. in Zukunft die Hypotheken schon deswegen nicht realisieren können, weil er es nicht mehr in der Macht haben wird, bei Nichtzahlen der Hypothekenschuld das Grundstück zu pfänden. Die zweite Bestimmung weist darauf hin, daß die Regierung das von der Partei proklamierte Verbot des Handels mit Juden als ״legal“ betrachtet. Es heißt, daß die diesbezüglichen Beschlüsse des Reichskabinetts er3t zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden würden. DieFührerderReicbsvertretung der Juden in Deutschland in der Haft der Gestapo. Rabbiner Dr. Leo B a e c k, der Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, wurde am Jom Kippur von Beamten der Berliner Gestapo in Haft genommen, 24 Stunden lang in dem berüchtigten Columbia-Haus gehalten und dann freigelassen. Es verlautet von deutscher Seite, daß diese Verhaftung wegen einer von Dr. Baeck im Namen der Reichsvertretung der Juden in Deutschland an die deutsche Judenheit erlassenen Botschaft, die während des Jom-Kippur-G-ttesdienstes in allen Synagogen Deutschlands zur Verlesung gelangen sollte, erfolgt war. Die Geheime Staatspolizei hat denn auch durch telegraphische Instruktionen an sämtliche Polizeibehörden der deutschen Städte die Verlesung dieser Botschaft in den Synagogen im letzten Augenblick verhindert. Mit Dr. Baeck sollte auch der Geschäftsführende Direktor der Reichsvertretung, der frühere Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, am Jom Kippur in Haft genommen werden, doch weilte Dr. Hirsch zufälligerweise am Jom Kippur außerhalb Berlins. Er kam am 9. Oktober nach Berlin zurück und wurde sofort von der Gestapo in Haft genommen und lange nicht freigelassen. Seine Angehörigen und die jüdischen Behörden wußten vorerst nicht einmal, wohin er von den Gestapo-Beamten gebracht worden ist, . Erst nach einigen Tagen stellte sich heraus, daß Dr. Hirsch aus dem Polizeipräsidium in das berüchtigte Columbia-Haus gebracht worden ist, wo er sich mehr im Gewaltbereich der Partei befindet. Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch ist erst, am 18. Oktober freigelassen worden. Es verlautet, daß die Untersuchung gegen ihn eingestellt und eine Klage nicht erhoben werden wird.