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Jüdische Presse · 1935-09-27 · 38 (27.9.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
38 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seife 6 *ft. .38־ W'al Hamdinaiis .♦. JEIflef mehrjährigen Gepflogenheit folgend, gelangen attch heilte Berichte 1ittse*ef Mitarbeiter atis den einzelnen Ländern zur Veröffentlichung, Sie sollen — wenn sie natürlich auch kelnfen Anspruch ־ auf erschöpfende Behandlung der Materie erheben können — den Lesern einen Einblick in die Geschehnisse des vergangenen Jahres, die jüdisch-kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse vermitteln. An die Spitze der Rubrik haben wir ״D e u t s c h 1 a n d“ und ״R u ß i a n d“ gesetzt, die beiden von polar entgegengesetzten Richtungen beherrschten Länder, die nur eines gemeinsam haben: die Verfolgung, Unterdrückung und Diffamierung ihrer jüdischen Bürger, Wir beugen uns in tiefem Schmerz vor den heroischen Leiden unserer Brüder und Schwestern, für die wir die Hilfe des Allmächtigen erflehen, Baß geschriebene Berichte aus diesen Ländern nicht vorliegen — ist leider selbstverständlich, Boch das Schweigen ist sehr beredt ... Ein zusammenfassender Jahresbericht aus Erez Jisroel Wird gesondert folgen. Redaktion. HERBSTNEUHEITEN IN SEI OE S A M T E SPITZEN ׳׳ WOLLSTOFFEN DULDNER&DEUTSCH WIEN V I ly N E U• 6 A U 0 A S S E 10 §1 m?IVOS WO i lM• » i&r >״ WoclicJÜÜ. Als Auswirkung des Dienstbote xiparagraphen ' des deutschen Rassegesetzes müssen am 1. Jänner 30.000 bis 40.000 weibliche Dienstboten, die in den 55.000 jüdischen Haushalten in Berlin beschäftigt xoerden, aus ihrem bisherigen Arbeitsverhältnis scheiden. Nach verschiedenen Meldungen sind eine ganze Anzahl von Juden, die versucht haben, die Grenze nach Palästina‘ohne Visu.m zu überschreiten, an verschiedenen Orten, so in Port Said, in Gaza, bei Machne jehuda und in. Ras et Nakura verhaftet worden. Acht Juden aus. Rußland, die ebenfalls illegal die Grenze überschreiten wollten, wurden von der syrischen Grenzxoache festgenommen. Der ״Waad leumi“ hat beschlossen, wegen der Nürnberger ,Judengesetze“ seine Vertretung aus der ״H a a w a. r a h“-Kommission, die das bekannte Transferabkommen Deutschland-Palästina durchführt, z u r ü c kzu ziehen. . Nach Meldungen der ״Neuen Weltbühne" aus H a n n o ver . sollen im Kreis Hannover J xid e np 0 g r o m e. stattgefunden haben, Es steht fest, daß mindestens zehn Personen getötet wurden. Aerzte wxirden zu den Verletzten nicht zugelassenXJeber die Vorfälle daxf nicht gesprochen werden. Die Verhandlungen zwischen den Regierungen von Palästina und Syrien betreffend die Regulierung; der Grenze zxoischen den. beiden Ländern und Fixierung von Weideplätzen für wandernde Beduinen- Stämme wxirden zum Abschluß gebracht. Es wurde eine gemischte Kommission eingesetzt, die monatlich einmal zusämxnentreten wird, um auf Grund des Abkommens die sich jeweils axis den Bewegungen der Beduinenstämme ergebendexi Fragen zu lösexi. Das Gericht in Jaffa hat den äbessinischen Juden Gabriel ben Gabriel, der illegal nach Palästina gekommen war, zu einem Monat Gefängnis mit nachfolgender L andesv er w eis xixig verurteilt. Von den illegalen Einwanderern im. Gefängnis von Akko, die vor kurzem einen Hxing ers tr ei k durchgeführt haben, sind sechs fr ei gelassen worden. Für die übrigen ist die Hinterlegung der erforderlichen Kaution noch nicht ex'folgt. •*׳# Mit •dem bulgarischen Schiff ,Burgas“] sixid in Jaffa einige hundert Einwanderer aus Jemen eingetroffen, die aber nicht a n L and g elass en wurden, weil auf der Fahrt zwei jemenitische Kinder an einer ansteckenden Krankheit gestorben waren und die. Jaffaer Quarantäne-Station nxir für 75 Personen Raum hat. Die Einwanderer wurden nach Haifa Weitergeleitet, wo sie unter Quarantäne gestellt ,wurden. Im Monat August 1935 ,wurden in Tel- Aviv '250 Geburten und 78 Tod es f alle verzeichnet. Die Zähl der Geburten in Jaffa betrug im August 205, die der Todesfälle 122, im Landkreis Jaffa gab es SOS Geburten und 70 Todesfälle. In N a h alal fand anläßlich des 14. Jahrestages der Gründung der Kolonie eine Feier statt, an der zählreiche Gäste aus Jerusalem, Haifa und Tel-Aviv teilnähmen. Der Vorsitzende der Koloxiie schilderte in einer Ansprache die Entwicklung der Siedlung bis auf den heutigen Tag. v % Am Montag, den 16. September, ist ein Transport von 9 5,0 Aus w ander er n nach Palästinaaxis Warschaxi abgegangen. Am Donnei’stag, den 19. September, ging ein zweiter Palästina-Transport von 600 Mensehen aus Polen ab. Die Passagierschiffe nach Palästina sind für September xmd Oktober axisverkauft. % ln N ie der-Ohmen xourde die Synagoge axif barbarische Weise geschändet.. Die Thorarollen wurdexi axif die Straße geschleppt usw. Die Jxidenschaft des Ortes hat einen Taanis angesetzt. % Die Jerusalemer Gesellschaft für Welt frieden hat eine Weltfriedenskonferenz für April!936 nach Jerxisälem einberxifen. Führende englische Politiker haben bereits telegraphisch ihre Teilnahme zugesagt. Man erwartet die Beteiligung auch anderer bekannter Vorkämpfer des Friedensgedankens. Eine der Folgen der Nürnberger Rasseg esetze ist die, daß die arische Bevölkerung, namentlieh in den kleineren 07'ten, jeden Kontakt mit den Jxtden meidet, aus Furcht, der Vex'letzuxig der Rassengesetze bezichtigt zu werden. Die Zahl der Städte, in dengn die Verweigerung des Verkaxifes von Nährxmgsxnitteln an Judexi total dxirchgefühx't ist, hat sich von 40 axif etwa 70 erhöht. % Im Hinblick auf die Gefahr, daß infolge des it alienis ch - ab es sinis ch eti Konflikts die Wirtschaft des Orients gestört und die xoirtschaftlichen Vei'binduxigen Palästixias gehemmt wex'den könnten, hat eine soebexi in T el- Aviv äbgehältexxe Konferenz der palästixiensischexi Bankiers, Industxiellen und Leiter wirtschaftlicher Unternehmungen koordinierte Maßnahmexi zum Schutze der palästinensischen Wirts ch a ft beschlossexi. Unter den italienischen Truppen for* mationext, die axi die Grenze von Abessinien geschickt. xoux'den, befinden sich verhältnismäßig viele j uxi g e J u d en, die einbexufexi ,wurden oder sich fx'eivMlig. meldetexi: Zur geistlichen Betxeuung dieser Soldaten sixid zwei junge Räbbixiex' als Feldgeistliche ixi die Feldlager ge*, schickt worden. H. Grün, II״ Taborstraße 8 b, Telephon R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe,; E Deutschland Rußland Jugoslawien Wiederum geht ein" Jahr zur Neige und wir harren mit Hangen und Bangen der kommenden Gerichtstage, da wir vor Haschern Rechenschaft abzulegen haben für all unsere Taten des abgelauifenen Jahres. Wir flehen innigst •zu Ihm, daß er in :Seinem Urteil milde mit uns verfahre. Wir haben di^ Gewohnheit, zu gleicher Zeit auch Rückschau zu halten über das vergangene Jahr, über teil das, was geleistet worden ist im Dienste •von Haschem-jisborach, für die jüdische Allgemeinheit und all das, was zu schaffen uns noch bevorsteht. Wenn wir bei dieser Gelegenheit di? allgemein p o 1 i tisch e n, wirtschaftlichen!und jüdischen Verh'ältn i s s e unseres Staates ׳;ins Auge fassen, so kommen wir zu folgender Feststellung: Der jugoslawische 1,׳Staat mit seinen etwia 70.000 Juden unter zirka 13 Millionen Menschen! wird! von einer Regierung geführt, die ganz wie seine Bevölkerung auch die Juden als vollkommen g 1 e,i c h b e r e c h t i g t achtet •und schätzt. Aus diesem Grunde hat auch die Judenschaft Jugoslawiens; im Heimgang des auf. ruchlose Weise ums Leben gebrachten Königs, Alexander'! schwere Trauer betroffen, war doch gerade Alexander I. jener demokratische Staatenlenker, der den Juden seines Landes seine besondere!! Sympathien entgegenbrachte. Seiner weisen Vorsorge haben wir es׳ zu' verdanken, daß die, Geschicke des Staates Männern überlassen würden, die getreu dem Vorbild des heimgegangenen Herrschers nach gleichen Grundsätzen regieren. So können alle Bürger unseres Staates ungehindert sich ihren Berufen ׳ widmen, und wenn auch die Krise in unserem Lande nicht minder herrscht, so sind in den meisten Fällen doch Existenzmöglichkeiten gegeben. In kultureller Hinsicht kann man gerade innerhalb der Orthodoxie erfreuliehe Fortschritte notieren. So sind erst in den letzten Wochen allenthalben Versuche gemacht worden, die orthodoxe Jugend in einzelnen Gemeinden in der Ag.udas Jisroel zu organisieren, und diese Versuche sind G. s. D. nach Ueberwindung mancherlei Schwierigkeiten teilweise von Erfolg gekrönt worden. In einzelnen Gemeinden sind andere Verbesserungen mancher Art festzustellen, und bei der Intensität einzelner Kehillos ist zu hoffen, daß das orthodoxe Judentum Jugoslawiens, das bisher noch klein und daher unbedeutend war, sich weiterhin entwickeln wird letauwas haklal! Mit solcher Prognpse hoffen wir zuversichtlich auf einen weiteren Aufschwung im kommenden Jahre. Rafael Fellheime r, Zagreb, Sdiwelz Zwei Ereignisse aus dem abgelaufenen Jahr sind hervorzuheben: Der Bernejr Prozeß betreffend die ״Protokolle der Weisen von Zion“ und der Luzer.ner Z i 0 n i s t e n k o n g r e ß. Beide fanden wohl in der Schweiz statt, ihre Bedeutung ragte jedoch weit über die Landesgrenzen hinaus und ihre Tragweite war für das gesamte Judentum gleich groß. Im ersten Falle, beim Berner Prozeß, stand das jüdische Volk vor nichtjüdischen Richtern. Einstimmig wiesen sie die antijüdischen Beschuldigungen zurück, indem sie die ״Protokolle“ als Schund und Plagiat brandmarkten. In Luzern andererseits standen jüdische Heiligtümer, Schmiras-Schahbog und Kaschrus, vor jüdfsehen Richtern zur Diskussion. Zweiuhdfünfzig Hände erhoben sich gegen diese jüdischen Heiligtümer; der Misrachi hüllte sich in ein Mäntelchen der Frömmigkeit, setzte die Erfüllung der Kaschrus-Gebote für sechs Monate aus und übertrug die Sorge für Schmiras-Schabbos der zionistischen Exekutive, die — mit einer Ausnahme, dem Vertreter des Misrachi — sich durchwegs aus Menschen zusämmensetzt, die selbst die Schabbos-Gebote mit Füßen treten. Der Bock als Gärtner! Die politische Lage der Juden hat keinerlei Aenderung gebracht, trotz der Nachbarschaft des Hitler-Reiches und der antisemitischen Propaganda, die sich von Deutschland aus über die Eidgenossenschaft ergießt. Die Regierung hat die Einfuhr der antisemitischen Zeitungen ״Völkischer Beobachter“, ״Stürmer" usw. verboten.*Die Regierung und das Schweizer Volk hüten wachsamen Auges die Schweizer Demokratie. Ihre natürliche Empfindsamkeit läßt sie jeden Angriff auf ihre Demokratie wirkungsvoll abwehren. Kleinere antisemitische Demonstrationen wurden von den Behörden im Keime erstickt, hetzerische Flugblätter und Zeitungen -gesetzlich verboten. Damit soll freilich nicht gesagt sein, daß wir uns hier einer besonderen Liebe erfreuen, aber das Schweizer Volk' erkennt sehr richtig, daß die Ausbreitung des Judenhasses nur einen ersten Schritt auf dem Wege der Beraubung d?r Freiheit des Individuums und deS Kampfes gegen die Demokratie ist. Im jüdischen Lager selbst galt die Hauptsorge deh Flüchtlingen aüs Deutschland, aber leider ist natürlich die kleine Zahl der Schweizer Juden dieser Aufgäbe nicht ganz gewachsen. Die einzige erfreuliche Botschaft ist das Aufblühen der Jescbiwoh׳ in Montreux, die dank der aufopferungsvollen Arbeit des Herrn Rabb. Botschko ihre Lichtstrahlen über ihre Zöglinge im ganzen Lande wirft. Gh. I. Eiß, Zürich. Rumänien Ueiber das Judentum in unserem Lande, insbesondere in religiöser und kultureller Beziehung, zu schreiben,1 heißt . die' Schilderung eines rauhen!Sturmwindes, dem immer mehr junge Zweige und grüne Blätter zum Opfer fallen. Wer ״kann׳ es leugnen, daß die leuchtenden grüneh Blätter unseres!Stammbaumes unter den mannigfaltigen Einflüssen vergilben, daß unsere Jugend dem jüdischreligiösen Geiste immer weiter• entrückt wird?!Selbst jene Kinder, die den Davidstern zur!Schau tragen, ,stehen zum religiösen Judentum in weiter. Distanz und werden dem1selben immer mehr entfremdet. Die Not drängt die jüdischen!Beiwohner der klein'eren Städte, wo das Judentüm im konservativen Sinne nach hochgehalten wird, in die großen Verkehrszentren, wo sie schon gezwungenermaßen in die moderne Strömung geraten. Bald ist es der unvermeidliche, geschäftliehe Verkehr, bald der zwingende Dienst oder sind es andere berufliche Obliegenheiten, die hier den Besuch des Bethäuses, die Heiligung des!Sabbaths erschweren. Diese Verletzung der jüdischen Gebote bringt, auch andere Religionsübertretungen mit sich, und so vergilbt ein grünes Blatt nach dem anderen. Es hat sogar , den Anschein, als db bei unseren!Glaubensgenossen dabei auch der Sinn für das jüdisch-religiöse und -kulturelle Leben im allgemeinen nach und nach verschwindet. In dem bedeutendsten jüdischen Zentrum unseres Reiches, in Czerno witz, ist der Oberrabbiner Dr.Mark bei der Wahl zum Präsidenten den Talmud-Thora einen! simplen ״Mann vom Land“ von sehr beschränktem jüdischem Wissen, einem Mechalel iSchabbos, unterlegen. Wie diese Talmud Thora schon ausschauen kann, wenn׳ der Präsident die Kinder ,,verhören" wird, ist naheliegend. In’ der Metropole Rumäniens, ■wo ungefähr der achte Teil der gesamten hierländischen Judenschaft ansässig ist, herrscht ein wahrer. S i 11 e n v e r f a 11. Mischehen zwischen Juden und' den Andersgläubigen häufen sich täglich und die Reinheit des Ehelebens kann unter keinen Umständen als mustergültig gelten. Rabbiner Rubin läßt gelegentlich ein jüdisches Kind das Morgengeibet auf sagen, schlägt es ein Kreuz, faltet die. Hände und spricht.ein nichtjüdisches Gebet. Wo aber schon von den Tempeln die Rede ist, gähnt in denselben gelbst an ISabbath- und Festtagen eine auffallende Leere. Kommt schon ein Minjan zustande, stammelt der Vorbeter im Strohhut ein kaum verständliches Kauderwelsch, während der Gabai ־im Strohhut einen Talesstreifen, ohne Zizis, anlegt, um die 'Spenden der ״Jahrzeiten“ zu überwachen. An Festtagen der Seelenandacht werden vor den Bethäusern ״CMaskir-Büchel“ verkauft, die man nach dem ״Gebrauch“ dem erstbesten nichtjüdischen Zeitungsburschen verschenkt. Daß auch die Sabbathruhe, das Kaschrus, das Ritualbad u. v. a. keine Beachtung finden, bedarf keiner besonderen ׳Erwähnung.!Es darf aber auch nicht geleugnet werden, daß man hier auch manchen frommen Glaubensgenossen finden kann und daß die Comunitate Evreilor (Jüdische Kultusgemeinde) ernstlich bemüht ist, die Jüdischkeit in der Stadt des (Malbi'm möglichst aufrechtzuerhalten. Ebenso sind ihre acht Gemeinderabbiner wie auch mehrere!Privatrabbiner in der Pflege des Judentums und jüdischen Wissens eifrigst am Werk. Und in diesem Belange! ist ihre Mühe• auch von manchem Erfolg gekrönt. In politischer Hinsicht entbehrt die Judenschaft Rumäniens einer einheitlichen Organisation und1 die Millionen Juden, welche unser Heimatland bevölkern, haben derzeit im Parlament keinen einzigen jüdischen Vertreter, . obgleich in fast allen demokratischen Parteien auch j|di-

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