Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 37 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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m 3t JÜDISCHE Die Senatswahlen in Dolen. Nachdem am vorigen Sonntag die Wählen zum polnischen Sejm stattgefunden hatten, über liefen Ausgang die ,* Jüdische Fresse“ bereits!מ ihrer letzten Ättsgäbe berichtet hat, wurden vergangenen Sonntag *die Wahlen zum polnischen Senat abgehalten. Unter den gewählten Senatoren befindet sich kein einziger Jude, ln keinem der verschiedenen Wahlkreise wäf ein Jude von den Wahlmännern kandidiert worden. Nach einer Meldung aus Warschau wird damit gerechnet, daß die Regierung zwei Juden zu Senatoren ernennen wird, von denen einer der agudistische Präsident der Warschauer Kultusgemeinde, Elijahu M a Z ü r, sein soll. Gründling einer Zeire Agudas Jisroel in Fiume. Der seit mehreren Jahren in Fiume bestehende Verein ״Tifereth Bachurim" hat in seiner, vergangene Woche stattgefundenen Generalversammlung den einstimmigen Beschluß gefaßt, sich der agudistisehen Weltorganisation anzuschließen und als ״Zeire Agudath Jisrael" zu reorganisieren. Der Be- Schluß wurde über Antrag des Herrn Artur Lipschitz gefaßt, der erst vor wenigen Tagen nach einem mehrwöchigen Aufenthalt im agüdistischen Ferienheim in Spital am Semmering nach Fiume zurückgekehrt ist. Wir begrüßen die neue agudistische Gruppe im Rahmen der weltumspannenden Organisation der orthodoxen Judenheit. Lebhafte Baubewegung in Jerusalem. In Jerusalem werden zurzeit über 140 Häuser für jüdische Besitzer gebaut. Bei den Arbeiten sind 1467 jüdische und arabische Arbeiter beschäftigt. Außerdem werden im Auftrag der Regierung und der Stadtverwaltung zahlreiche Bauarbeiten durchgeführt, bei denen vorwiegend Araber beschäftigt sind. Auch bei den Transportarbeiten zu den 140 jüdischen Neubauten sind fast ausschließlich Araber beschäftigt. Bei dem Bau von Straßen in jüdischen Vierteln arbeiten sieben Juden und 34 Araber. Die Aussichten für die Entwicklung der Bautätigkeit in Jerusalem sind sehr günstig. Es herrscht ein Mangel an qualifizierten Bauarbeitern. Mehrere hundert jüdische Arbeiter können jetzt in Jerusalem Beschäftigung finden. Eine lebhafte Bautätigkeit wird auch aus A f u 1 e h, wo unter anderem eine Mühle und eine Basaltsteinfabrik errichtet werden, und aus K e r k u r, wo Arbeiterhäuser im Bau sind, gemeldet. Der alte Wilnaer Judenfriedhof bleibt erhalten. Die Wilnaer Stadtverwaltung beabsichtigte, den historischen Judenfriedhof, auf dem sich die Gräber zahlreicher Thoragrößen und Gaonim befinden, unter anderem die Gräber des Wilnaer Gaons und des ״Ger Zedek“, des zum Judentum übergetretenen Grafen Valentin Potocki, der 1749 den Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen erlitt, aus Anlaß des Baues eines großen Sportstadions einebnen zu lassen. Auf die Schritte, die daraufhin die Wilnaer jüdische Gemeinde unternommen hat, ist jetzt eine Antwort des Starosten erfolgt, in der mitgeteilt wird, daß das Innenministerium entschieden habe, der Friedhof dürfe nicht beseitigt werden, weil dies das jüdische Gesetz ncht zulasse. Die Gemeinde wird auch gefragt, ob für die Erhaltung des Friedhofes gesorgt sei und ob besondere Geldmittel hierfür zur Verfügung ständen. Zu Roich-Hatchonoh ראש העבה übermitteln Sie allen Ihren Verwandten,. Freunden, Kunden, Gästen und Bekannten die Neujahrswlinsche כתיבה וחתימה טובה durch die ״JÜDISCHE PRESSE“ Die Einschaltung - laut nebenstehendem Muster kostet S 5.״ bzw. Kc25.- 9 Auf Wunsch wird an angegebene Adressen das Blatt kostenlos versendet. / Bestellungen sind zu richten: Aus der Tschecho- Slowakei an die ״Jüdische. Presse“, Bratislava, Edlhof, Postfach 381. / Aus Oesterreich und dem sonstigen Aus- 1 a n d an die ״Jüdische Presse“, Wien, IX., Malzgasse 12 a (Tel. A-46-0-15). (9k autwoeUtt... Mehreren in der Tschechoslowakei: Wir machen neuerdings darauf aufmerksam, daß Zuschriften redaktionellen oder sonstigen Inhaltes aus der Tschechoslowakei ausschließlich an die Adresse: Bratislava, Postfach 381, zu richten sind. Nach Wien gelangende Zuschriften und Aufträge werden zukünftig keine Berücksichtigung finden. Redaktion ״Jüdische Presse“, An Festtagen darf es nicht an׳ süßem Backwerk fehlen. Jüdische Hausfrauen verwenden die koscheren Er- Zeugnisse der Firma Dr. A. Oetker, Bei Dr. Oetkers Backpulver, Vanillinzucker und Puddingpulver bürgt das Rabbinatsattest dafür, daß dies wirklich koschere Waren sind, die auch in jedem strengjüdischen Haushalt ohne Bedenken verwendet werden können. Die Erzeugung erfolgt in der modern und hygienisch eingerichteten Brünner Fabrik, von wc Sie auch erprobte Backrezepte gratis erhalten, Fabriksmarke ist der bekannte ״Helle Kopf“׳ Geist und Körper halten Sie durch regelmäßige Einreibungen mit dem Menthol-Franzbranntwein Alpa gesund׳ Diese stärken Nerven und Muskeln. Das sagt auch Ihr Arzt. k Wolf Pappenheim Wien II, Kl. Pfarrg. 1 Anti jüdische Ausschreitungen in Polen In Warschau habeft Huligans eine Gruppe jüdischer Greise überfallen ufid־ dem 65 jährigen Chaün Korraan, dem 60jährigen Abraham Rubin und dem 62jährigen Ghaim örenstein so erhebliche V e r 1 e t z u n* gen zugefügt, daß diese von der Rettungsgeseflschaft ins Krankenhaus gebracht werden mußten. In Grodno haben der Holzarbeiter Jan Zwenkow und der Fuhrmann Waclaw Pimper den 31jährigen jüdischen Schuster Mosche Lipski ermordet. Vor der Polizei gaben sie an, sie hätten die Tat aus antisemitischen Motiven begangen. In Lodz haben die . Nationaldemokraten eine Woche verschärften Boy ko tts gegen die Juden proklamiert. Vor jüdischen Geschäften stehen Boykottposten, die Kaufwillige beschimpfen und attackieren. Juden wurden überfallen und mißhandelt. Einige Huligans' wurden verhaftet. Die Warschauer nationaldemokratische Zeitung ״Dzieünik Narodowy“ berichtet mit Genugtuung, daß in Polni'sch-Oberschlesien sich die antijüdische Aktion erfolgreich entwickelt. Die Außenwände jüdischer Geschäfte werden mit Boykottaufschriften beklebt, In Boszow wurden Besucher einer jüdischen Veranstaltung mit Salzsäure übergossen, so daß eine Panik entstand und die Veranstaltung nicht stattfinden konnte. ■׳•־■■■. Aufruf 1. : Der Verein ״TcmeCh Ewjörtlth“, der seit mehr als 40 Jahren seine edelste und vornehmste Aufgabe darin erblickt, verschämte arme GlaubensbrMer m unter» stutzen, Hungernde zu speisen und Frierende mit Holz und Kohle zu versorgen, wie auch zu Pessach Bedürftige mit Mazzoth und Lebensmitteln zu beteilen, hat jetzt seihst mit großen Sorgen zu kämpfen, wie er seiner Auf« gäbe auch fernerhin gerecht werden soll. Die Wirtschaftskrise stellt die Leitung des Vereines vor eine größere Aufgabe denn je, ״ Die Leitung des Vereines ״Tomech Ewjonim“ zur Unterstützung und unentgeltlichen Ausspeisung armer Glaubensgenossen wendet sich an alle seine Freunde und Gönner, mit der dringenden Bitte, ihn aus dem Anlässe der herannahenden Feiertage besonders zu bedenken und beim Aufrufen zur Thora für ihn spenden zu wollen. Das Bewußtsein, Menschen erfreut, zu haben, wird uns in den Tagen, da Uns das Walten der g-ttlichen Liebe gezeigt wird, der ימי רצון in vollem Umfange für würdig erscheinen lassen, um so freudigen Herzens der kommenden großen Tage entgegen zu sehen. Wien, im ESut 56ns. DER VORSTAND DES VEREINES , ״TOMECH EWJONIM“. m leichtverdaulich Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, feicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zu¬ Bereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschluß- Siegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. Das100%reine Kokosnußfett K13 Nur echt in Originalpackung! Eine Stelle im Talmud über Feldarbeit In Dunajska Streda ist eine ״Jüdische Union für• Landwirtschaft und Gartenbau“ ins Leben gerufen worden, deren Ziel es sein soll, arbeitswilligen Glaubensgenossen zum landwirtschaftlichen Berufe zu verhelfen. Sie wendet sich an alle Glaubensbrüder des In- und Auslandes, die Aktion zu unterstützen. Im Aufrufe wird betont, daß es keine Partei-Organisation ist, daß sie aber unter dem Protektorat religiös verläßlicher Persönlichkeiten steht, so daß jeder Bar-Jisro*el das Werk fördern kann. Nörgler wollen wissen, daß es dem Geiste der Thora- und Talmudweisen nicht ganz entspricht, Juden zur Feldarbeit zu erziehen, für Juden sei dieser schwere Beruf nicht geschaffen. Daß diese Auffassung eine ganz irrige ist, braucht eigentlich gar nicht des Näheren erörtert zu werden. Der Inhalt unserer heiligen Thora mit ihren Trumoh- und Maasser-Gesetzen besagt ja das Gegenteil. Auch die jüdische Geschichte und Tradition beweisen die Unhaltbarkeit solcher Nörgeleien. Selbstverstündlich waren Juden, wie alle übrigen Menschen, stets bestrebt, nach Möglichkeit und den gegebenen Verhältnissen leichtere Existenzzweige zu wählen. In der Jetztzeit sind aber viele Parnossozweige für Juden ganz abgeschnitten worden, eine Umschichtung auf diesem Gebiete ist unerläßlich notwendig geworden und durch Landwirtschaft und Gartenbau könnten viele das tägliche Brot erschwingen. Eine Andeutung auf unsere Zeit und diese Verhältnisse finden wir in yp יבמות Dort sagt R. Elosor: עתידין 6 — בעלי אומניות שיעמדו על חקרקע וכויs wird eine Zeit kommen, wo man alle übrigen Beschäftigungszweige beiseite lassen wird, um sich der Feldarbeit zu widmen. Selbstverständlieh werden Armut und Eiend die Triebfeder hiezu sein, wie R. Elosor sagt: אין לף אומגות פחוחח מן הקרקע, Siehe Raschis Erklärung. Ein ganz anderes Licht verleiht aber dieser Stelle die klassische Erklärung des עין יוסף im עין יעקב, der die Meinung äußert: ומי יחן ויקוים בגו זאת. denn, behauptet der Verfasser in eine? längeren Auseinander- Setzung, Glaube, Vertrauen zu G-tt und zu seiner unendliehen Güte, einfache Lebensweise und Unterlassung unnützen Diskurses, Aneignung aller löblichen Eigenschaften und Entfernung alles Häßlichen, werden den Meschen durch die hart^ Arbeit der Feldarbeit zu eigen werden, und mit dem Ausdruck:6חותח mjpiasoU nicht eine minderwertige, menschenentwürdigende Arbeit verstanden sein, vielmehr soll der Ausdruck besagen, daß die Feldarbeit D e m u t und Bescheidenheit fördert und Stolz und Hochmut vom Menschen entfernt. Darum möge die ״Jüdische Union“ ihre zielbewußte, humane Arbeit unentwegt fortsetzen. Der agile, selbstlose Organisator und Leiter der ganzen Bewegung, Herr Julius Wisner, der, keine Mühe scheuend, schon wochenlang die Propagandareisen bestreitet, möge überall freundlichst auf genommen und Unterstützt werden. Die Vertrauensmänner sollen aber auch agile Mithelfer sein, um den Bau bald fertigzubringen.. Die Zeit rückt heran, in kurzer Zeit soll schon die erste Schule in Dunajska Streda eröffnet werden. Es ist jetzt vor allem Ehrensache der Dunaiska-Stredaer Gemeinde, alle3 aufzübieten und alle Mittel herbeizuschaffen, damit das Werk mit Hilfe G-ttes gut gelinge. Es soll eine Musterschule sein zur Anregung und Aneiferung der weiteren günstigen Entwicklung der ganzen Aktion. Ich wünsche den besten Erfolg. pj״, Rabbiner L. F ü r s t, Cuz. Zersplitterung? ^. ^13 die Menschen verwildert von dem katastro- Phülep VW eltkrieg heimkehrten, herrschte allerorts ein chaosartiger Zustand. Neue Ideen, neue Weltanschauungen wurden eifrigst propagiert, revolutionäre Elemente trieben in aller Herren Länder ihr Unwesen. Dieser Zustand begünstigte die Neugründung oder Umgestaltung verschiedener Organisationen und Vereinigungen. Eine unorganisierte Scheinfreiheit hob alle Sohranken. Alt und jung mußte umsatteln, auch Kinder wurden in diesen Organisationen als Mitglieder rekrutiert. Es entstand ein Kampf, ein Wettlauf um die quantitative Stärke der einzelnen Organisationen. Von diesem Treiben blieb auch die orthodoxe J u g e n d nicht verschont, Auch Kinder gesetzestreuer Eltern wurden von dem Strom der Zeit mitgerafft, auch diese unschuldigen und unerfahrenen Kinder wurden böswillig in die extremsten Lager verschleppt und man redete ihnen ein, daß es notwendig sei, ״organisiert“ zu sein. Und so bestand die Gefahr, daß ein Großteil der orthodoxen4 Jugend durch dieses böse Spiel der alten Tradition auf einmal den Rücken hehren wird. Und tatsächlich, man konnte nach Verlguf von wenigen Monaten die traurige Feststellung machen, daß jüdische Kinder — jüdisch im strengsten Rinne des Wortes -— in Verbänden organisiert waren, die den Standpunkt der Orthodoxie, wenn schon nicht bekämpftem so jedenfalls negierten. 3