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Jüdische Presse · 1935-09-20 · 37 (20.9.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
37 (20.9.1935)
Date
1935-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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äfiiiitt■ Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 3T -■,.»״^,™^^?**^,.■^»*******!*****^^***^*■^^*■*^*^Auvtn»»״,™״^.., :,... ,,.,.s.,iL..»;J.M=-״,.m.י ■•-«< ,״-'-■■ '■.»■.•..V...■■: -•- - der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes. Der Reichsbürger ist der alleinige Träger der vollen politischen Rechte. Juden .dürfen weibliche Staatsangehörige deutsehen oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren nicht in ihrem Haushalt beschäftigen. Juden ist das Hissen der Reichs- und National* flagge und das!Zeigen der. Reichsfarben verboten. Dagegen ist ihnen das Zeigen der jüdischen Farben gestattet. Die Ausübung dieser Befugnis steht unter staatlichem Schutt . Entsetzen in der Kulturwelt Das Tschechoslowakische Preßbüro bringt ein Stimmungsbild gus Berlin, in dem es heißt, das Judengesetz sei schärfer ausgefallen, als man in unterrichteten Kreisen ursprünglich erwartet hatte. Namentlich der § HI des Gesetzes enthält Bestimmungen, die bisher wohl im ״Stürmer“ oder von anderer radikaler Seite gefordert wurden, im allgemeinen aber nicht als ernst angesehen worden waren. Im Gegensatz zur ״beschwichtigenden" Erklärung des D. N. B. ist die amerikanische United Preß der Ansicht, daß das Judengesetz eine Rechtfertigung des Kampfes gegen die Juden bezweckt, der jetzt die schärfsten Formen annimmt. Die französische Presse weist darauf hin, daß die Zahl der Juden in Deutschland, gegen die nun.der ganze Staatsapparat angesetzt wird, noch nicht ein Prozent beträgt. ״Le Journal" erklärt, daß die neuen Gesetze nur einen ״symbolischen Sieg“ repräsentieren, und erwartet binnen kurzem konkretere Maßnahmen zugunsten der radikalen Gruppen des Regimes. ׳ Die Prager ״Bohemia" führt im Leitartikel u. a. aus: ״Die deutschen Juden, kein ganzes Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung, werden wieder wie damals am 31. März 1933 zu Geiseln genommen . . . Man ist in Deutschland sehr erbost über die Stellungnahme der Außenwelt zur deutschen Judenfrage, die man als eine Einmischung empfindet. Man Übersieht dabei, daß in der ׳ganzen Welt die Judenemanzipation als ein zivilisatorisches Problem, also als ein Problem der Menschheit und Menschlichkeit, verstanden wird. Völkerbund und Flüchtlingsschutz Die sechste (politische) Kommission der Völkeribundversammlung hat unter dem Vorsatz des irländischen Ministerpräsidenten Edmond de Valera den Vorschlag der norwegischen Regierung, ein Zentralamt zu schaffen, dem die Fürsorge für alle Kategorien der Flüchtlinge . unter direkter Aufsicht des Völkerbundes unterstellt Ipkwerden soll, erörtert. Obwohl der Plan von zahlreichen ^Kommissionsmitgliedern grundsätzlich gebilligt wurde, 'i'Sfand man der Frage seiner unmittelbaren Verwirklichung im allgemeinen mit ziemlicher Reserve gegen- Über. Es wurde sogar die Ansicht geäußert, daß!das Amt des Oberkommissars MadDonald nicht nur nicht in ein völkerbundsunmittelbares Amt eingebaut, sondern daß' umgekehrt ihm auch die bisher dem Nansenamt unterstellten Flüchtlinge zugewiesen werden sollten. Dieser Anschauung entsprechend sollte es somit nicht nur;zu j keiner Entlastung der Privatorganisationen kommen, die das MaoDonaldsche Oberkommissariat bisher getragen haben, sondern diese Organisationen hätten sogar auch noch die!Sorge für die russischen, armenischen, assyrdsehen usw. Flüchtlinge zu übernehmen. MEINL ״Siehst, Alter, ich hat s gleich gewußt, dafj er auf den Meinl-Kaffee die richtige Courage kriegt!“ ichtige Courage kriegt! Heiiach Berger, Lodz, gestorben. In der vergangenen Woche verschied nach kurzer Krankheit der Vizepräsident der Lodzer Kultusgemeinde, Henoch Berger s. Z. 1. Der Verblichene gehörte zu den Gründern der agudistischen Weltorganisation und zu den Führern der Aguda in Polen. Er war seit zwölf Jahren Vizepräsident der Lodzer Kultusgemeinde und betätigte sich als solcher hauptsächlich auf sozialem Gebiete׳, Dank seiner Initiative wurden in Lodz mehrere Chinuch-Anstalten, zwei hygienisch vorbildliche Mikwaus und noch andere Kehillo-Einrichtungen geschaffen. Die Lewajoh fand am vergangenen Sonntag unter Teilnahme von mehr als 2Q.000 Menschen statt. Mitglieder der agudistischen Jugendgruppen, jüdische Reservisten, Polizei und Feuerwehr konnten nur mit schwerer Mühe die Ordnung aufrechterhalten, Hespedim hielten Vertreter des Rabbinats und der verschiedenen Kehillo- und Aguda-Instanzen. ■יתגוגגיח VANILLINZUCKER Aus Erez Jisroel. (Siehe auch ״Von Woche zu Woche".) Awodah Iwrith und die P. A. J. — Der italienischabessinische Krieg. :— Wer darf ״zurechtweisen“? — Gegen die Missionäre. — Gerer Robbe cingetroffen. Von unserem Korrespondenten. 0 Ist das Problem der Beschäftigung ausschließlich jüdischer Arb ei ter an sich von weittragender Bedeutung, so hat noch mehr die strenggläubige Arbeiterschaft einen schweren Kampf darum zu führen, die verdiente Berücksichtigung zu finden. Die Poale Agudas Jisroel widmete sich in der letzten Zeit ganz besonders dieser Frage. Nach Erlassung eines Aufrufes, welcher im ganzen Lande affichiert wurde, fand vorige Woche eine große V e r s a m ml u n g statt, deren Tagesordnung aus einem einzigen Punkt, ״Das Verhältnis des Arbeitgebers zum glaubenstreuen Arbeitnehmer“, bestand. Dank der Anteilnahme des ehrwürdigen Herrn'Oberrabbiners Duschinsky gestaltete sich die Versammlung zu einer machtvollen Demonstration für die agudistische Arbeiterbewegung. Die Hauptreferate hielten die Herren I. M. Kleinlehrer, Rabbiner David Silberstein, Rabbi Mosche Blau, ׳Rabbi Rafael Katzeneilenbogen und Rabbi Henoch Sienkewitz. Die gesamte jüdische und nichtjüdische Einwohnerschaft Erez Jisroels steht unter dem Eindruck der einlangenden Nachrichten;über den drohenden italien׳isch-abessini3chen Krieg.. Das ganze Interesse wendet sich den Ereignissen in Aethiopien zu. Die ' Zeitungen bringen spalt&nlange Berichte und Kommentare, •in welchen auf di& ..Gefahren für Palästina hingewiesen wird. In Erwartung kriegerischer Auseinander- Setzungen ist heute schon eine gewisse Panikstimmung, insbesondere in nichtjüdischen Kreisen, bemerkbar. Vergangene Woche fand ein Run auf die Banken statt, der allerdings, über einen bescheidenen Rahmen nicht hinausging. * Man spricht auch schon von einem Rückgang der Bodenpreise, obwohl es nicht klar einleuchtet, welche direkten Auswirkungen ein italienisch-abessinischer Krieg auf Palästina haben müßte.־ In arabischen Zeitungen erhofft ־ man sich allenfalls von dem Krieg eine gewisse Erschütterung der jüdischen Aufbauarbeit und die arabisehen Zeitungen unterlassen es daher auch nicht, ihren Lesern, die ״Vorteile" •eines itälienisch-abessinischen Krieges vor Augen zu führen. Als vor einiger Zeit?mehrere Bachurim der Jeschiwa in Hebron gegen einen provozierenden Chillul Schabb o s öffentlich protestiert hatten, wuren sie gefangengenommen und später in die Gemeinde des W a a d Leumi überführt, wo sie eine ״Zurechtweisung" erfahren sollten. Die Agudas Jisroel wandte sich daraufhin an die Regierung und erklärte, daß es nicht angängig sei, glaubenstreue Bne-Thora zur ״Zurechtweisung" Menschen zu überantworten, die dem jüdischen Glauben abtrünnig geworden sind und unsere Heiligtümer mißachten. Dieser Tage ist nun ein Schreiben der Regierung herabgelangt, in welchem die Rechtmäßigkeit des agudistischen Ein- Spruches anerkannt und zugesichert wird, daß zukünftig in ähnlichen Fällen die als gesetzliche Strafe vorgesehene ״Zurechtweisung" durch einen eigenen Funktionär aus dem Kreise der Agudas Jisroel veranlaßt werden wird. Dieser Tage wurde ein von der Zentrale der Agudas Jisroel und dem Waad Leumi gemeinsam unterfertigtes Memorandum an den Bb ar d of Deputies in London abgeschickt, welches sich nnit der Abwehr der Missionstätigkeit im Heiligen Lande beschäftigt. Bekanntlich beschäftigt sich der Board of Deputies schon seit einer Reihe von Jahren mit diesem Problem. Die Inangriffnahme geeigneter Abwehrmaßnahmen hat nur dadurch eine Verzögerung erfahren, daß die Londoner Herren eine Zusammenarbeit zwischen dem Waad Leumi und der Agudas Jisroel auf diesem Gebiete forderten, während der Waad Leumi auf ein eigenmächtiges Vorgehen, bestand. Nun sind auch diese Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt und es wird Aufgabe der Agudas Jisroel sein, für eii^e erfolgreiche und friedliche Zusammenarbeit auf diesem Gebiete zu sorgen. Vergangenen Mittwoch ist der Gerer Rebbe hier eingelangt. Schon eine Woche vorher zeigte sich in agudistischen Kreisen eine lebhafte Freude und Befriedigung ob des hohen Besuches. Eine unübersehbare Menschenmenge bereitete dem Gerer Rebbe einen überaus herzliehen Empfang in Jaffa, wo nach dem ursprünglichen Plane die Landung erfolgen sollte. Da der Gerer Rebbe sich jedoch entschlossen hatte, nach Haifa weiterzureisen, traten an Ort und Stelle die vielen Chassidim und Anhänger mit der Bahn die Reise nach Haifa an, Zum Empfang waren auch alle Führer der orthodoxen Gemeinde . und der Agudas Jisroel erschienen, die dem Rabbi auf dem Schiff die Grüße des Oberrabbines Duschinsky, der durch ein leichtes Unwohlsein am Erscheinen verhindert war, überbrachten, Der Leiter des Hafens bemühte sich persönheh um den Gast und seine Begleitung» welche zehn Minuten nach der Landung das Schiff bereits verlassen hatten. Aus dem ganzen Lande pilgern täglich hunderte Chassidim zu ihrem Führer und Rebbe.! Menachem Glikman-Porusch. « s wo eil c % texne archäologische Expedition, die in M a d e b a (Trünsßrdänten) Ausgrabungen durchführt, will Hinweise auf die Lage des Grabes Masche Rabbenus gefunden haben. Ferner wird gemeldet, daß in Nord- Syrien eine Festung aus der Heit der Hittiter .entdeckt worden sei, deren Ruinen auf ein Atter von 4500 Jahre geschätzt werden. Her transjordanische Premierminister Ibrahim Pascha H as cham gab einem Vertreter der Tageszeitung ״El Karmel“ eine Erklärung, nach der er gegen die jüdische Einwanderung in Tr'ttnsjo rdanien sei und keine Verantwortung für die Sicherheit der Fremden, die sich in Transjordanien ansiedein, übernehmen könne. 9 Am 12. und 14. August kam es in Gladenbach zu antisemitischen Exzessen, bei denen jüdische Wohnungen demoliert wurden. Hie Ausschreitungen werden erst jetzt durch eine Meldung der ״Oberhessischen Zeitung“ bekannt, die über einen Prozeß gegen drei Exzedenten berichtet, die zu bedingten Gefängnis- Strafen verurteilt wurden. 9 An einem Trau erg-ttes dienst in der Brüsseler Synagoge zum Andenken an die verunglückte Königin Astrid nahmen mehrere Mitglieder der belgischen Regierung und des diplomatischen Korps teil. 9 Amtlich wird bekannt ge geben, daß Sonntag, den 15. September, in Haifa Flottenm an över begannen und die ganze Woche fortgesetzt werden sollen. 9 Hie Einnahmen der Palästina-Re gierung im ersten Viertel des laufenden Finanzjahres betrugen 1,572.807 Pfund, sind also gegenüber den 1,182.216 Pfund betragenden Einnahmen in demselbenי Abschnitt des vorangegangenen Jahres um HkO.091 Pfund gestiegen. Die Ausgaben stiegen von 701.888 auf 788.695 Pfund. 9 Wie der Haifaer Korrespondent der Zeitung ״Mokkatam" mitteilt, ist der Bau einer asphaltierten Chaussee von Haifa nach Bagdad parallel zur Erdölleitung aus Mossul beschlossen worden. Mit der Durchführung der in nächster Zeit in Angriff zu nehmenden Arbeiten ist eine englische Gesellschaft beauftragt worden. ‘ Die arabische Zeitung ״A Difaa“ teilt mit, daß an der Grenze von Libanon sieben jüdische illegale Einwanderer verhelftest worden seien. Ferner wurden acht illegal eingewanderte Juden aus Ungarn, Oesterreich und Italien in Migdal verhaftet und zu je einem Monat Gefängnis mit nachfolgender Landes- Verweisung verurteilt. In der Nähe von Lydda, an der Chaussee Lydda—Tel-Aviv, ist auf einem Kompilex von 450 Dunam eine neue jüdische Siedlung, Kirjath Gaphen, gegründet worden. Es wird dort eine Tonwaren fab rik errichtet, in der 40 Arbeiter beschäftigt werden} sowie eine Sch uh macherkooperative, die aus 30 Familien besteht. 9 Zu Rosch Haschonoh vollendet die aschkenasischjüdische Gemeinde von Amsterdam das 800. Jahr ihres Bestehens. Es wurde ein Jubiläumskomitee gebildet, das eine würdige Feier vorbereiten soll. Der Stadtrat von T el- Aviv benannte eine Straße im Ostteil der Stadt nach dem verstorbenen Oberrabbiner Kook. Amtlich wird, mitgeteilt, daß der Verwaltu ngs über schuß der Palästina-Re gierung Ende Juli 5,727.690 Pfund betrug. 9 Zwei führende rumänis che Banken, die Banca Romaneasca und die Banca Credit Roman, haben unter Leitung eines aus Deutschland nach Rumänien übersiedelten Fachmannes eine Bank zur Finanzierung des Palästina-Exportes unter der Firma ״Banca de Export Romano & P alestine an" gegründet. Die linier der Aegide des Joint in Rumänien gegründeten j ü dis ch en Kle in kr e dit - B anke n und Genossenschaften erhielten die Bewilligung, mit dem Sitze Bukarest eine zentrale B ank zu gründen. Die orthodoxe Wochenschrift in Turda (Rumänien) ,JKoemesz“ beklagt, daß trotz des Ministerial- Erlasses, welcher die Befreiung der jüdischen Schulkinder vom Schreiben an S abb at he n anordnet, die lokalen Schulbehörden auch weiterhin eine sabbathfeindliche Stellung einnehmen. Sie weisen die im Erlasse des Ministers sonderbarerweise vorgeschriebenen schriftliehen Gesuche der Eltern summarisch ab, , oder sie gehen noch weiter und verlangen von. den Eltern und den Schülern eine schriftliche Erklärung, daß sie auf die Befreiung von den Schreibarbeiten ,nicht reflektieren. Wird eine derartige Erklärung nicht gegeben, so wird die Aufnähme des Kindes in die staatliche Schule verweigert. 9 In der Ortschaft Egeres in Siebenbürgen kam es auf Anzeige eines antisemitischen Kreisarztes zur V er haftungdes O ri sr abbin er s, Eine Nichte des Rabbiners und der Sohn des Kreisarztes rauften miteinander. Der Rabbiner griff ein. Nun. behauptete der Arzt, sein Sohn hätte schwere Verletzungen durch Faustschläge des Rabbiners erlitten. Nachdem es sich herausstellte, daß das Kind vollkommen gesund ist, wurde der Rabbiner enthaftet. 9' Das-vom ungarischen Justizminister entworfene neue Advokaten- Statut, über welches wir bereits berichteten, wird von den Interessenten fast ausnahmslos abgelehnt. Einer der wenigen, die sich damit einverstanden erklärten, ist der gewesene jüdische Abgeordnete, Rechtsanwalt Dr. Göza Hösi, Vorstandsmitglied der iPester israelitischen neologen Kultus-, gemeinde. Nun haben sechshundert jüdische Advokaten der ungarischen Hauptstadt an die Gemeinde eine Eingäbe gerichtet, in welcher die Ausschließung Dr. Dösis aus dem Vorstande verlangt wird. 9 Im ungarischen Handelsministerium ist ein_e Aenderung eingetreten, von welcher man eine günstigere Behandlung der Sonntagsnihe-Frage erwartet. Der .. neue Minister, Winkhler, hat nämlich für den Freihandel Stellung genommen. Die Zentralkanzlei bereitet eine Intervention vor. ן Auf dem alten Rigaer jüdischen Fried- ן hof wurde in Gegenwart von Vertretern der Regierung, der Armef und der jüdischen Organisationen ein Henkmal für die im Weltkriege und in den Kämpfen um Lettlands Unabhängigkeit g efall en e n Jü den enthüllt. H* Grün, II., Taborstraße 8 b, Telephon R-42-366, Atelier für feine Herrengarderobe, E

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