Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 35 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDlSCHLPRt^B Nt, m zwei Jahre bis zum nächsten Zionistenkongreß eine Mülle des Schweigens über all das breiten, womit die gesamte Zionistische Organisation Tag für Tag und Stunde für Stunde sich gegen das Religionsgesetz vergeht und wofür jeder, der auch nur Jm ent fern testen moralisch oder materiell diese Organisation un* terstützt, mitverantwortlich ist. Dann, vor der Einberufung des nächsten Kon* gresses, wird das beliebte Spiel wieder von neuem beginnen... * Wir haben uns zur Veröffentlichung des Beriehtes über den Zionistenkongreß Veranlaßt gesehen, um auch unseren Lesern Verfallserscheinungen vor Augen zu führen, die jeden religiösen Juden zutiefst schmerzen und verletzen müssen. Vierzehn Tage lang hat der Zionistenkongreß getagt, ohne daß die Herren sich bewußt geworden wären, daß wir Juden eine religiöse Gemeinschaft sind. Wenn von Religion am Kongreß die Rede war, so geschah es immer in ablehnendem Sinne. ׳ או לאונים שכך שומעות. Am Dienstag, den 20. August, abends, wurde der XIX. Kongreß mit einer Ansprache des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolow, eröffnet. Nach der!Begrüßung der erschienenen Vertreter der Behörden und . Verlesung der eingelaufenen Begrüßungstelegramme, gab Sokolow einen Rückblick über die Errungenschaften des Zionismus in den zwei Jahren seit dem Prager Kongreß. Die Einwanderung jüdischer Arbeiter und jüdischen Kapitals hat in den zwei Jahren ungeheüre Fortschritte gemacht, jedoch seien die kulturellen Erfolge des Zionisums wichtiger als der materielle Fortschritt. Die (Hebräische Universität ist die ״Krone der Kultur“ in Palästina. Das Erziehungswerk, erklärte Sokolow, wird uns noch lange beschäftigen, denn der Aufbau der nationalen Erziehung ist heilige Pflicht für die Organisation. Das Kongreßgericht hatte nach Prüfung der Mandate festgestellt, daß von abgegebenen 632.446 Stimmen 466 Delegierte gewählt erscheinen. Hievon entfallen auf. die Liste Arbeitendes Palästina 229, mit den Linken koalierte Allgemeine A 101, Allgemeine B 50, Misrachi 73, Judenstaatspartei 13 Mandate. Bei der Diskussion über den Plan des Legislative Council kam es zu einer Auseinander- Setzung zwischen dem Führer der Judenstaatspartei, Robert Stricker, Und dem Arbeiterführer Berl Katznelson. Stricker unterstrich die dringende Gefahr der Schaffung des Legislative Council. ״Wird der Council geschaffen“, rief Stricker, ״dann wird die jüdische Leistung um Generationen zurückgewörfen werden.“ Er bestritt die Behauptung, daß jüdische Arbeit eine ge-, nügende Sicherheit für das Jüdische Nationalheim ■bildet. ■Man kann uns auch aus Palästina hinausdrängen, solange Wir dort nicht die Hausherren,' sondern nur die Aftermieter sind. Hier wird die Sache so dargestellt, daß die Exekutive die große Alijah hertoeigeführt hat, die Geschichte wird richtig sagen: Adolf Hitler hat esgetan. .Ohne den Gedanken eines ״Judenstaates!" ist unser Kampf nicht zu gewinnen. Die Spaltungserscheinungen innerhalb des Zionismus sind eben auf das Fehlen dieser Idee ”zurückzuführen. Indem die Linken das Totalitätsprinzip ־ eingeführt haben, ■haben ,sie!bei Jabotinsky dasselbe Prinzip provoziert. Da es in einer Organisation zwei Totalitäten nicht geben kann, kam es zum Bruch. Berl Katznelson antwortete Stricker im Namen der Arbeiterfraktion und wies dessen Angriffe auf die Linken entschieden zurück. Er sagte, der Vorredner verstehe nicht das Programm und die Position der Arbeiterpartei. Hinsichtlich des Legislative Council gibt es drei Ansichten: Die Allgemeinen Zionisten wären bereit, in den Council■ einzutreten, falls eine jüdische Majorität da ist. Die Aguda wünscht, daß vorher eine Verständigung zwischen Arabern und Juden erreicht wird, wo dann• die Frage des Eintritts in^den Council 5mus$0km$eßahr erwogen werden solle. Die Arbeiterparteiter aber werden unter den gegenwärtigen Umständen Überhaupt nicht ihre Bereitschaft zum Beitritt erklären. Rabbi Abba Hillel Silver (Cleveland) lehnte jeden Gedanken einer Mitarbeit am Legislative Council ab, forderte aber, daß die Zionisten einen Modus vivendi der Verständigung mit den Arabern ausarbeiten. Rabbi Silver forderte, daß die zionistische Bewegung ein Programm des Unterrichts und der Propaganda in der Diaspora durchführe. Die Jugend müsse auf der Basis des Nationalismus und des sozialen Idealismus für den Zionismus gewonnen werden. Insofern verteidige \ er die Haltung der organisierten Arbeiter in Palästina. Der Arbeiterführer und Vizepräsident des Kongresses, Ing. Salomon Ka p 1 a n s k y, wandte sich an den Misrachi, der darüber Klage geführt hatte, daß der Sabbath in Erez Israel nicht beobachtet werde. Der Sabbath sei für die jüdische Klasse ebenso wie für das gesamte jüdische Volk eines der höchsten ethischen und sozialen Güter. Für die Arbeiterklasse bedeutet er außerdem eine große soziale Errungenschaft. Es gebe aber ge wisse Momente und Gebiete in der Volkswirtschaft, Unternehmungen von ■ wirtschaftlicher Kontinuität, die dauernd in Betrieb gehalten werden müssen und für die man keine ״Schabbes-Gojim" für die Arbeit am Sabbath verwenden kann. Wenn man einen Staat baut, müsse man auch mit solchen Unternehmungen rechnen. Jacob ■Fi sh man (iWeltvereinigung, Amerika) ermahnte die Gruppe B der Allgemeinen Zionisten, mit den Arbeitern nicht zu spielen; wem die heutige Histadruth nicht passe, der werde eine noch viel radikalere akzeptieren müssen. Er appellierte an die Minorität, die Mehrheit nicht mit Hilfe des Koalitionsgedankens majorisieren zu wollen. . ■Der bekannte holländische Zionist Bernstein (Gruppe B der Allgemeinen Zionisten) erklärte, man könne der Exekutive die Anerkennung für ihre Erfolge nicht versagen, doch sei zu befürchten, daß das Einströmen von Menschen und Kapital in das Land den wirtschaftlichen Belangen eine übergroße Bedeutung auf Kosten der politischen Ziele des Zionismus verleihe. In der Abendsitzung des Kongresses am 27. August hielt der Präsident des Kongresses, Prof. Dr. Chaim W e i z m a n n, seine erste große Rede auf dem Kongreß. Zunächst wandte sich Weizmann gegen diejenigen, die das zionistische Endziel, den Judenstaat, immerzu betonen. Wenn man all die Reden über das wahrlich zu Tode geredete Endziel hört, so versteht man den Sinn der Worte: ״Du sollst nicht den Namen des Ewigen unnötig aussprechen!“ Es gibt, Dinge, über die man nicht unnötig sprechen soll. Mit großen Reden wird der Juden- Staat nicht erbaut und durch eine ״Tkio gdaulo“ wird der Satan nicht gebannt.; Die Sicherheit des Jischuw ist nicht in Erklärungen über• den Judenstaat bedingt, sondern in dem Aufbau einer normalen gesellschaftlichen Struktur in Erez. Heute sind die Angriffe auf;den Sozialismus, auf die ״Diktatur der Arbeiterschaft“ usw. im!Schwange. Ich (bin kein!Sozialist, aber mein■ Nicht- Marxismus ist anders als der der anderen Kritiker. Die Histadruth ist teils aus der Haskalah, teils aus dem Marxismus entstanden; sie ist ■doch die einzige, auf dem Boden Palästinas verwirklichte Synthese. Die Welt sehnt sich ja gerade heute nach der neuen Form, die sie aus der heutigen Konfusion herausführen kann. Die Angriffe auf die Histadruth sind unberechtigt und durch die Parteibrille gesehen; sie sind vor allem bequem, weil die Aktien der Demokratie in der Welt flau stehen. Weizmann wandte sich dann den außenolitisehen Fragen zu ■und tbezeichnete die englische Palästina-Politik als dualistisch. Die Errichtung des Legislative Council, gerade in der Zeit des Blühens der jüdischen Aufbauarbeit, ist dazu angetan, den Zwist zu steigern; aber das . Jüdische Nationalheim steht und fällt nicht mit. dem Council, der übrigens genau wie in Zypern!und m Ceylon voraussichtlich nicht wird arbeiten können. 2u dem Thema Deutschland übergehend, erklärte Weidmann: Es ist menschlich verständlich, wenn der auf. uns allen lastende Druck und das Aufbegehren gegen die Diffamierung eines Teiles unseres Volkes sien auch in Worten Luft machen. Aber die einsig würdige Antwort ist doch der verstärkte Aufbau in Erez. In der Dienstag-Abendsitzung erklärte der Vorsitzende des Kongresses, Dr. Nahum Goldmann, daß seitens zweier Parteien ein Vorschlag eingebracht Wurde, den das Präsidium für so wichtig halte, daß es ihn sofort zur Abstimmung bringen lassen will. Der Vorschlag lautet: ״Der Kongreß beschließt, daß die Beschlüsse des Aktionskomitees in Jerusalem bezüglich der Arbeit am Sabbath und an jüdischen Feiertagen — an denen jede Arbeit im Feld und im Weinberg, im Häuserbau und in der Industrie, zu ruhen habe — verwirklicht Werden Sollen; der Kongreß beauf* tragt die Exekutive, über die Verwirklichung dieses Be- Schlusses mit allen statutenmäßig zulässigen Mitteln Zu wachen." Namens des Misrachi gab Rabbiner Hoff* mann folgende Erklärung ab: Nachdem die Mehrheit die Bedingungen, die der Misrachi an seine Mitarbeit knüpfen müßte, erfüllt hat, nimmt der Misrachi von nun an an den Arbeiten des Kongresses vollen Anteil und wird auch einen Vertreter ins Präsidium delegieren. Der Beschluß, der durch freie Entschließung der Arbeiterschaft ermöglicht wurde, wird die Beziehungen zwischen der thoratreueh Judenschaft und der Arbeiterschaft über alles uns Trennende hinweg verbessern. Im Namen der Arbeiterfraktion betonte Remez die Notwendigkeit der Verständigung von Gruppe zu Gruppe auf Grund freien Meinungsaustausches. Der Kongreß. nahm die Sabbath-Entschließung mit Majorität an. In den Vereinbarungen zwischen Misrachi und Arbeiterpartei wurde bezüglich des Kasjchruth in den öffentlichen Arbeiterküchen ein Einvernehmen dahingehend erzielt, daß die Küchen zu Kaschruth- Zwecken neu adaptiert werden. Die Delegierten des ״H a s ch o m e r;Hazair“ gaben eine Erklärung ab, warum die 27 Mann starke Delegation ihres Verbandes sich bei der Abstimmung über die Sabbathruhe-Deklaration der Stimme enthalten habe. Die Delegierten erklärten, daß der ״Haschomer Hazair" ebenso wie die anderen Teile der Arbeiterfraktion der Durchführung der Beschlüsse des Aktionskomitees nicht entgegentreten wollen, weil sie in der Sabbathruhe große soziale und nationale Werte sehen, sie lehnen aber jeden Versuch ab, der Sabbathruhe religiösen Charakter.zu geben. Die Neuwahl der Exekutive fand am Dienstag, den 3. September, statt. Es wurde eine siebengliedrige Exekutive gewählt, der drei linke Arbeiterpatredler, zwei den Linken nahestehende Allgemeine Zionisten der Gruppe A, ein Vertreter der Gruppe B und ein Misrachist angehören. Der rechte Flügel der Z. O., die Judenstaatspartei, bleibt ohne Vertretung in. der Exekutive. Zum Präsidenten der Organisation wurde Professor Weizmann gewählt. Der bisherige Präsident, Sokolow, hatte, bereits während des Kongresses Luzern verlassen, da er wegen der Verhandlungen über die Neuwähl des Präsidenten verstimmt ist. Sokolow ließ bereits zu Beginn des,, Kongresses wissen, daß er auf eine Wiederwahl zum Präsidenten rechne und erklärte, daß er andere Ehrenstellen, die ihm angeboten wurden, ablehne. In Abwesenheit Sokolows wurde nun Professor Weizmann zum Präsidenten und Sokolow zum Ehren- Präsidenten gewählt. Anläßlich der Abstimmung über eine große Zahl von Resolutionen wurde. auch der Antrag gestellt, die verschiedenen nichtmarx^stischen Arbefct,erorganisa#ionen in Palästina ebenso wie die linke Histadruth anzuerkennen. Der Antrag wurde mit großer Majorität abgelehnt und beschlossen, daß ausschließlich die sozialistische Histadruth von der Zionistischen Organisation anzuerkehnen sei. Der Kongreß wurde Dienstag nachts geschlossen. Anschließend an den Kongreß findet die Tagung der Jewish Agency statt, die aber neue Beschlüsse nicht fassen, sondern nur die Beschlüsse des Zionistenkongresses bestätigen kann, da der Rat der Jewish Agency bekanntlich satzungsgemäß eine zionistische Mehrheit haben muß. Um ftkÖMoisde HöMQstotkiet 15 , So lagerten sie denn vor den Toren Schowrons. Die Stimmung, war ernst und gedrückt. Achab war von dumpfen Ahnungen erfüllt. Es war ihm, als ob Naboths Geist ihm quälend, zurief, in den Kampf zu ziehen. Er erzählte von diesen Geschichten seinem Schwager. ״Aber es gibt doch“, erwiderte dieser, ,״dem Himmel sei Dank, doch hier wieder Propheten des wahren G-ttes.“ ״Wir. wollen diese befragen.“ Und sie kamen, von Isabel vorher über die . Lage aufgeklärt. Wild, mit abenteuerlichen Gebärden. ״Ich weiß nicht“, sagte Ichschaphats zu. Achab, ״diese Menschen gefallen mir nicht. Sie erinnern mich allzusehr an das Gebahren des Intriganten ־ Matan,, der das Ohr deiner Tochter hat.“ - Zerquält, antwortete Achab. ״O ja, es gibt noch einen, einen ... Menschen.“ ״!Laß ihn trotzdem kommen.“ Und Michajahu kam. Mit finsterer Entschlossenheit schilderte er dem König die verheerenden Wirkungen, die der Geist Naboths in ihm erzeugt hatte. ' ־■!Seine Warnung verhallte. Isabels Wille und Naboth im zerrütteten Gewissen des Königs siegten, Ehe Achab in den Kampf zog, nahm er Abschied von Isabel. Diese frohlockte. ״Achab, du weißt, wie sehr ich dich immer geliebt habe, auch jetzt noch. Laß mich dir einen guten Rat geben: Tausche dein Gewand mit Ichschaphats. Er ist doch ein frommer Mann. Sein Gewand könnte dir Glück bringen.“ Isabel ahnte, daß des Feindes Geschosse zuerst dem Mann gelten würden, den sie für den König Israels hielten. Vielleicht könnte sie so ihre Tochter von dem lästigen Schwiegervater befreien, und wenn erst Ataljah alle Machtmittel einer Königin haben würde, würde sie sicher* lieh den Tag von Jerusalem alsbald dem Tag von Karmel gleichstellen. Und das wollte Isabel noch erleben. ־ * Ihr teuflischer Plan mißlang. Als die aramäischen Krieger auf Ichschaphats eindrangen, rief dieser den Namen G*ttes an; Da erkannten sie ihren Irrtum. Achab kam als Leiche wieder. Den letzten Liebes* dienst erwiesen ihm und seinem Kriegsgerät die Astarothmädchen,׳ die ihm Isabel als letzten Sonnenschein seines Lebens zugeführt hatte. XI. Vierzehn Jahre hat ihn Isabel überlebt. Manches von ihr Erwünschte erlebte sie. Gegenüber den Launen ihres Sohnes ward sie milde, füglich war es doch ein Baal, zu dem er vertraute. Da sollte sie noch einmal an Elijahu erinnert werden. Der kranke König hatte um einen Orakelspruch bei dem Baal-Sevow bitten lassen. ‘ Die Boten kamen aufgeregt zurück. Zuerst weigerten sie eine Antwort. Dann aber berichteten sie: ״Ein Mann ist uns begegnet, ein fürchterlicher. Hären sein Gewand, von plumpem Leder sein Gürtel, furchtbar seine Stimme,3 furchtbar sein Wort. König Achasjahu, er läßt deinen baldigen Tod dir künden.“ Isabel und Achasjahu riefen gleichzeitig: ״Das kann nur Elijahu sein!“ ״Laß ihn suchen, laß ■ihn holen; ich will doch einmal diesem Menschen ins'Auge sehen!“ Es wurde ein Trupp!geschickt, er kam nicht wieder. Es wurde ein* zweiter Trupp geschickt, er kam nicht wieder. Es wurde ein dritter Trupp geschickt, befehligt von jenem Offizier, der einst Obadjahu aus der erregten Masse vor dem Königspalast befreit hatte. Der fand Gnade in den Augen Elijahus und er ging mit ihm nach Schomron. Ging geraden Weges in das Kränkengemach, die Hofschranzen waren betäubt. Un* heimliche;Stille, die selbst Isabel nicht zu unterbrechen wagte. Sie war gebannt von diesem Auge, Elijahu beachtete sie nicht, kündete dem König seinen nahen Tod und ging, Ging nach Jericho, er wollte, er sollte vom Irdischen befreit werden, unweit der Stadt, die durch Chiels Schicksal dem Volke so deutlich die sieghafte Machte der Wahrheit gezeigt hatte. Bevor er ent* rückt ward in himmelanstrebender Flamme, dem Widerschein der Flamme vom Karmel, gab er Kraft und! Willen seinem Jünger Elisa. Eine neue bittere Enttäuschung für Isabel, die ge* meint hatte, mit Elijahu wäre ihr, größter Gegner. verschwunden. Denn ihr zweiter Sohn Jchoram hielt es mehr mit Elisa. Anbetung Baals und Astaroths hörten auf. Von diesem Augenblick an ward Isabel teilnahmslos. Si^' kleidete sich in weißes, schleppendes Gewand, das Zeichen der Trauer im Kenaanlande. Sie fand nicht Ruhe und Schlaf, wanderte einsam durch die weißen ■Räume ihres Palastes. Nur eines hielt sie aufrecht, das waren die Briefe Ataljahs. In einem hatten sich Mutter und Tochter gefunden; glühend haßten sie die Familie und das Blut ihres eigenen Mannes, ihre ׳Kinder sogar. Man erzählte sich in!Schomron, man■ erzählte sich in Jesreel, daß stets um Mitternacht eine weiße Gestalt■ aus einem Fenster des Palastes nach Süden schaute. Hofbediente fügten hinzu, daß die Königin, unnahbar geworden, um diese Zeit vor sich hinsprach: ״Ataljah, ich kann nicht mehr warten. Ataljah, gib mir bald Kunde von dem Tag von Jerusalem... “ Noch eine große Freude hatte sie. Matan besuchte sie. Was sie miteinander besprachen, weiß man׳ nicht, nur das eine erlauschten die Diener, daß Matan beim Abschied sprach: ״Bald, Herrin, bald!“ Aus ihrer Abneigung gegen die Eigensten •hatte Isabel kein Hehl gemacht. So mochte sie hoffen, daß bei einer Umwälzung der neue König ihr gewogen sein würde. Sie war deshalb voller Spannung, als man ihr berichtete, daß Jehu das ganze Haus Omri mit dem Untergang bedrohte. . ' Jetzt kann meine große Stunde kommen, dachte sie. Und ihre Stunde kam. Sie warf das weiße Gewand von sich und kleidete sich in bunte Königstracht, Purpur floß von ihren Schultern in wallenden Falten. Kostbarer Schmuck strahlte auf ihrem Haupt, Alle Künste der Astaroth-Schule wandte sie an. Verjüngende Farben deckten ihre Wangen, ein Trank, dessen Geheimnis nur sie kannte, verlieh Feuer und Glanz ihren Augen, Schon eilt Jehu in den äußeren Hof des Palastes, dorthin, wo einst Naboths Wein* berg lag. ...... Sie rief ihn, er hörte nicht. Da wogte es auf in ihrer bitteren Enttäuschung: ״Königsmörder, kommst du zum Frieden?“ Ein Wink von Jehu i^nd sie stürzte hinab; die sie für die Getreuesten ihrer Umgebung gehalten hatte, voll* zogen den Befehl Jebus. Niemand begrub sie, Den Tag von Jerusalem aber hat Isabel nicht erlebt. (Schluß.)