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Jüdische Presse · 1935-09-06 · 35 (6.9.1935) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
35 (6.9.1935)
Date
1935-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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n*«ftÄ#0t t mmmm m> mmmm SIMM. KHt93v 1. mm V6ffe!e* verseüdei ■ ו ־״ WIEN.BRATISLAVA 6. SEPTEMBER 193S ח׳ אלול תרצ״ה 51. Jahrgang / Nummer BS Redaktion und Administrationi Wien,!!., Mate* gasse 12 a, Telephon A*46-0*15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag V Redaktionsschluß i Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig! für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei KC 80, Jugoslawien Dinar 130, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VUE, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGfln pür nie imeRessen Des orthodohgo juDertTums Debakel I1\ Luzern Oberrabbiner Kook זצ״ל.; Nach längerer Krankheit ist in Jerusalem der Oberrabbiner der ,,Keneseth Jisrael“, Rabbi Abraharn Jizchok hakohen Kook s. Z. 1. im Alter von 69 Jahren ges torben. Untier der palästinensischen Judenschaft hat die Todesnachricht tiefe Trauer hervorgerufen. Rabbi Kook wurde 1866 in Griva (Kurland) geboren, wurde 1886 Rabbiner in Semel, später in Bausk (Litauen) und erhielt 1903 eine Berufung nach Jaffa. In Erez Jisroel entfaltete Rabbi Kook bald eine vielseitige Tätigkeit, indem er in den mit der jüdischen Kolonisation zusammenhängenden religionsgesetzlichen Fragen, wie Maaßer, Schmitta u. a., bedeutsame halachische Entscheidungen traf. In Deutschland, wo er an einer geplanten ersten Kenessio, der Agudas Jisroel im Jahre 1914 teilnehmen wollte, vom Weltkrieg überrascht, blieb er zunächst in der Schweiz und folgte 1916 dem Rufe der״Machsike-Hadass“-Gemeinde in London. Nach Kriegsende wurde Rabbi Kook Oberrabbiner. der ״Keneseth Jisrael“ in Jerusalem. 1922 gründete er eine Jeschiwah, die er seither persönlich leitete. Er hat eine Reihe verschiedener Schriften, vornehmlich halachischen Inhalts, veröffentlicht. * ■ ־ ■'■•־ «• Die Nachricht vom Ableben Rabbi Kooks wird überall tiefe. Trauer auslösen. Er. ״war eine überragende Persönlichkeit und wenn auch seine Richtung die Zu- Stimmung der meisten rabbinischen Autoritäten un־' serer Zeit nicht fand, so hat er doch in' Erez Jisroel für die Stärkung der jüdischen Religiosität viel leisten können, weil ihm auch die freien zionistischen Kreise Achtung und Anerkennung entgegenbrachten. Rabbi Kook war von einer seltenen Liebe zum Heiligen Lande beseelt und er w:ar. davon überzeugt, daß die äreligi- Ösen Zionisten in Erez Jisroel früher oder später Umkehr halten und sich wieder zum religiösen Judentum bekennen werden. In diesem Sinne bemühte er sich, auf alle. Kreise des Jischuw seinen Einfluß auszüüben. In dem Befinden des seit Juli im Montefiore- Hospital schwer krank daniederliegenden Oberrabbiners Kook war am Sonntag, den! 1. September, morgens eine so bedenkliche Verschlimmerung eingetreten, daß sich seine Familie und seine engeren Freunde an seinem Bett versammelten. Am frühen Nachmittag verfiel der Kranke in Bewußtlosigkeit. Aber• als die um das Bett Versammelten, unter ihnen der Oberrabbiner der orth. Gemeinde, Rabbi Joseph ' Duschinsky, und mehrere ■ andere Rabbiner das ״Schema Jisroel“ zu sprechen begannen, erwachte Rabbi Kook einen Augenblick zum Bewußtsein und sprach, die Worte mit. Dann verschied er. . Die Nachricht vom Ableben des Rabbi Kook verbreitete sich schnell durch Jerusalem und das ganze Land. Die Straßen in der Umgebung des Hospitals füllten sich schnell mit großen Massen Trauernder. Die Büros aller jüdischen Organisationen wurden geschlossen. Die sterblichen Reste des Rabbi Kook wurden noch am Sonntag vom Krankenhaus in die von ihm geschaffene Jeschiwa überführt, Juden aus allen Klassen; des Jischuw wechselten im Tragen der (Bahre ab. Eine Ehrengarde der Polizei regelte die Lewajoh und nahm dann vor der Jeschiwa Aufstellung. Das Begräbnis wurde für Montag mittags bestimmt.! Sämtliche jüdische Geschäfte und Büros blieben den ganzen Tag über geschlossen. Schon am frühen Morgen ז kamen Tausende, Juden aus dem ganzen Lande in Autos und Autobussen' zur Lewajoh, so daß in׳ den Straßen nächst der Jeschiwa bald der gesamte Verkehr stockte. In den ersten Nachmittagsstunden begann die Lewajoh unter Beteiligung von schätzungsweise achtzigtaüsend; Menschen. An der Lewajoh; nahmen die weisten Rabbiner des Landes teil, der orthodoxe Oberrabbiner von Jerusalem, Rabbi Duschinsky, an der Spitze, die sefardischen Rabbiner^ die in ' ihren orientalischen Gewändern auffielen, hohe Regieruhgsbeamte, die ausländischen Kon- , suln, zahlreiche Vertreter der. christlichen Kirchen und * nicht jüdischen Organisationen. Am offenen Grabe hielten Hespedim Rabbi ¥elzeYr und Rabbi Lewi; rrcsnn In der gewohnt aufsehenerregenden Weise haben sich dieser Tage in Luzern einige hundert Menschen versammelt, die von sich behaupten, das jüdische Volk zu vertreten und den ״jüdischen Staat unterwegs“ zu bilden. Großmächtige Reden wurden über die Verhält- - nisse der Juden in den einzelnen Ländern, über das aufblühende Palästina und den angeblichen Auf- Schwung der Zionistischen Organisation gehalten. Und trotz all dem war der XIX. ׳Zionistenkongreß in Luzern doch von einer *Zerrissenheit und Zerfahrenheit gekennzeichnet. Der Kongreß, zu dem sage und schreibe vier Prozent der jüdischen Bevölkerung der Welt ihre Stimmen abgegeben haben, war von einer linken Mehrh eit beherrscht, der ihre marxistische Heilslehre nicht nur höher stand als der G-ttesglauben, sondern auch höher als der Herzische Judenbefreiungsw^hn, den zu vertreten sie vorgibt. Auf der anderen Seite bildeten — nachdem die extreme Rechte, die Revisionisten, der Zionistischen Organisation .endgültig den Rücken gekehrt hat — die sogenannte Judenstaatspärtei und der sich religiös gebärdende ״Misrachi“ die Opposition, die gerade mit Rücksicht auf den Exodus der Revisionisten mit einer mehr oder minder weitherzigen Erfüllung ihrer Fordei^ungen rechnen zu düirfenS׳%iaubten. *'.< .. .. Daß sie sich g e t ä u s c h t haben, hat der Verlauf des Kongresses in ausgiebigem Maße 1bewiesen. Vor allem war es der Misrachi, der eine klägliche Rolle gespielt hat und dessen ״Eirfolge“ auf religiosem Gebiete •eine nähere Betrachtung verdienen. Man kennt das Spiel schön seit einer Reihe von Jahren, das sich bei jedem Zionistenkongreß von neuem wiederholt: Es ist die Aufgabe des Misrachi, vor der uniformierten Welt den Eindruck entstehen zu lassen, als ob die religiösen Juden in der Zionisti-' sehen Organisation heimatsberechtigt wären, und diesem Zwecke dienen die ״Forderungen“, die er mitunter t— und auch das auf Bestellung — in ״ultimativer“ Form stellt. Dieses Spiel mußte natürlich auch in Luzern vor sich gehen, mußte um so mehr, als doch der bösen Konkurrenz, der NZO, die sich ein ,,religiöses“ Mäntelchen umgehängt hat, ein Paroli geboten werden mußte. : Welches waren die Forderungen, die der Misrachi diesmal gestellt hat? Er forderte die Einhaltung der Sabbathruhe und der r itue 11 en Speisege setze in den. vom Keren Kajemeth und Keren, Hajessod errichteten und erhaltenen Kolonien und Institutionen; und er forderte — was ist selbstver-j ständlicher — drei Vertreter in der zu . wählenden . Exekutive. Sind diese* Forderungen neu? Nicht davon' wollen wir sprechen,־ daß diese Forderungen uns als unabänderliche heilige Religionsgebote am Sinai auf- | erlegt wurden. Sondern die Tatsache soll hervorge-; hoben werden, daß der Misrachi selbst dieselben Forderungen schon bei früheren Kongressen gestellt hat; und daß auch schon einmal vom Aktionskomitee ein , Beschluß in diesem Sinne gefaßt wurde. Aber Papier; ist geduldig und es hat .auch diesen ״Beschluß“ ver- ' tragen, der niemals zur Ausführung gelangt ist — nur mit tiefstem Schmerz können wir dies feststellen — voraussichtlich auch weiter nicht zur Ausführung; gelangen wird. Diesmal wollte der Misrachi aber mehr. Er; wollte ״Sank tio ne n“, Sanktionen gegen die■׳ jenigen, die den zu fassenden Beschluß bezüglich der Einhaltung der Sabbathruhe und dervSpeisegesaetze; umgehen sollten. Diese Sanktionen hat der Misrachi, trotzdem es ihm gelungen war, den ganzen Kongreß‘ für mehr als zwei Tage lahmzulegen — nicht durch* gesetzt. Doch was das. traurigste an der Sache ist, das ist der ״Erfolg“, den der Misrachi trotz all dem verzeichnen zu können glaubt. Es ist ihm ״gelungen“, diejenigen, die sich an die beschlossene, wohlgemerkt: vom Zionistenkongreß beschlossene Sabbathruhe nicht halten sollten, vom Zionistenkongreß als — ״D i s z i p 1 i n b r e c h e r“ brandmarken zu lassen. Man ist in einer solchen Situation versucht, den eigenen Augen nicht zu trauen׳. S c h a n d e über die, die das Religionsgesetz den Beschlüssen einer Mehrheit von areligiöscn und antireligiösen Menschen unterwerfen. Schande über die, die eines KOngreßbe- Schlusses für die Pflicht zur Einhaltnug von Religionsgeboten benötigen. Noch mehr Schande aber über die, die sich auf das fadenscheinige und lächerlich dumme Auskunftsmittel beschränken, an Stelle der Furcht vor Haschern, dem Allmächtigen selbst, die Furcht vor einem ״Bruch der zionistischen Disziplin“ zu setzen. Der Misrachi hat zu ge s ti mmt, daß das Inkrafttreten des in Rede. stehenden. Beschlusses auf s e c h s M o n a t e hinausgeschoben wird, und er hat damit dokumentiert, daß. es ihm wie׳ den anderen zionistischen. Parteien nicht um die ■g-ttliche, heilige v Sabbathruhe geht, sondern um die Durchsetzung eines P re s ti g es tan dpun k t e s, dem auch . nur aus ״sözialen“ Gründen stattgegeben wurde. Der Misrachi 'hat sein wahres Gesicht ge- ’ zeigt und die religiöse Judenheit der ganzen Welt . wird wissen, was sie von ihm und seiner ״Vertretung der religiösen Postulate“ zu halten hat. " ' . ' ••. ""'•ז ■ ■■■־ Wieder ist ein Hoffnungsschimmer zunichte geworden. Es gab Anzeichen, die darauf hindeuteten, daß der Misrachi endlich den Weg zum religiösen Judentum und zum G-ttesglauben zurückfinden wird. Er hat ihn nicht gefunden! Die linksstehenden ״Poale Misrachi“ und der ebenfalls nach links liebäugelnde ״Misrachi Hawatik“ haben. die Oberhand gewonnen und die zwei Mandate der zionistischen Exekutive, die dem Misrachi eingeräumt werden sollen —• bei Redaktionsschluß liegt ein endgültiger Beschluß , in dieser Hinsicht noch nicht vor — werden wieder die Wenn Raucher der Verfärbung der Zähne vorbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, täg- Üche Pflege mit ODOL-Z ahn past a. kleine Tube S ■90 Große Tube S 1*40 Wien l, Kürntnerflng Nr. 6 Fernspreciutummer U4316־0־

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